Murphy’s Law: Die Tackernadel

26/10/2010

Es war ein beschaulicher Wochentag. Da ich meinen häuslichen Pflichten nachkommen wollte, bevor meine Angebetete von der Kreuzfahrt wieder heim kommt, machte ich mich daran das Altpapier zusammen zu binden.

Altpapier ist ja so eine Geschichte. Ich finde es Klasse zu recyclen, aber ich habe wenig Lust das alles fein säuberlich zusammen zu binden. Dafür gibt es ja jetzt die blauen Tonnen. Allerdings nicht bei uns, da sie aus unerfindlichen Gründen nicht angeschafft wurde. Gut, back to the roots und back to the Papier zusammen binden.

In meinem Fall versuche ich im Vorfeld genügend Kartons zusammen zu klauben, damit ich da das Papier verstauen kann. Wenn man genügend Sachen bestellt, dann werden einem solche Kartons sogar frei Haus geliefert. Nun muß man aber in der Zwischenzeit das Papier zwischen lagern. Und zwar so, das man jederzeit gut dran kommt und es nicht zu scheiße aussieht. Daher wurde eine gelbe Plastikwanne angeschafft in die das Papier herzhaft rein geschmissen werden kann. Davon wird auch exzessiv Gebrauch gemacht.

Da ich aber nun wenig Lust habe, das alles wieder einzeln auseinander zu frickeln, nehme ich immer eine Hand voll und packe sie in den bereit gestellten Karton. Meistens geht das auch gut. Es sei denn man will die letzten Reste aus der Kiste großzügig zusammen fegen.

Denn um Papier ein wenig zu sortieren hat der Teufel die Tackernadeln erfunden. Damit kann man nicht nur Wunden zusammen halten, sondern auch Papier aneinander tackern. Tackernadeln bestehen zu 100% aus Metall und sind scharf. Sehr vorteilhaft zum durchdringen von Papier.  Und zum durchdringen von menschlicher Haut.

Da ich ja Profi in der Selbstverstümmelung bin, habe ich mir dann eine solche Nadel mit recht viel Elan in den Körper gejagt. Um genauer zu sein in den Zeigefinger der linken Hand. Um noch genauer zu sein zwischen Nagel und Nagelbett. Ja genau, es hat sehr weh getan (Man verzeihe mir hier fehlende Fotobeweise, aber ich sah mich zu dem Zeitpunkt nicht in der Lage, die Kamera ruhig zu halten). Spontan verspürte ich Lust irgendwo gegen zu treten oder zumindest irgendwas zu zerstören. Da ich aber ein erwachsener Mensch bin und meine Emotionen rechtzeitig unter Kontrolle gebracht habe, schrie ich ein wenig rum und beschimpfte die Tackernadel und deren Erfinder blieb ich ruhig und besonnen. Was mich aber außerdem daran hinderte in einem Tobsuchtsanfall das Interieur des Arbeitszimmers zu zerlegen und die dämliche gelbe Plastikwanne, die irgendwie fies zu grinsen schien in atomare Bestandteile zu treten, war die Tackernadel selber, die sich immer noch einen halben Zentimeter unter meinem Nagel befand. Also genau so weit, daß das eine Ende, welches natürlich umgeklappt war, komplett unter dem Nagel war. Ich malte mir schon aus, wie sich die scharfe Kante am Nagel verhakte und diesem komplett entfernen würde. Aber kurzentschlossen und ohne viel nach zu denken zog ich sie heraus und freute mich der roten Linie, die sich unter meinem Fingernagel bildete. Kurz darauf formte sich ein brennender Schmerz. Dieser wird übrigens nicht besser, wenn man versucht das Blut mit Wasser und Seife weg zu waschen. Er ändert nur seine Intensität und Art und Weise, wenn man das so nennen mag. Ich widerstand allerdings dem Verlangen den Finger in ein Glas eisgekühlten Wodka mit Pfirsichgeschmack zu stecken (Ja, so was haben wir im Haus. Immer gut gekühlt.). Ich kontrollierte schnell meinen Impfpass, ob meine Tetanus-Impfung noch aktuell war. War sie und das rote Kreuz hat sich auch noch nicht wegen verdächtiger Blutwerte gemeldet.

In Zukunft werde ich jetzt also mit mehr Vorsicht Papier zusammen packen und den Vermieter zwingen dazu überreden eine blaue Tonne anzuschaffen. Von mir aus auch in unsere Wohnung. Ich denke Katja hat nichts dagegen…

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