Die Vorbereitung

Letzten Donnerstag war ich mal wieder bei meinem neuen Lieblingsspartenmediziner. Und zwar sollte ich diesmal Abdrücke bekommen. Immerhin werde ich bald gekrönt.

Prima dachte ich mir. Rein, in eine weiche Masse beißen und wieder Abfahrt. Aber das was ich denke und die Realität sind zwei grundsätzlich verschiedene Dinge. So teilte mir man am Empfang bereits mit das ich mit 1,5 h Aufenthalt rechnen darf. Verfriemelte Scheiße! Meine Laune stieg immens. Aber ich lenkte mich erst mal mit Zähne putzen ab. Praktischerweise habe ich Utensil erhalten, da ich in meinem morgendlichen Tran alles zu Hause vergessen hatte.

Wieder zurück im Wartezimmer fiel mir erst mal auf, das egal wann ich beim Zahnarzt bin, nach ca. 10 Sekunden fängt an sich mein Magen entweder selbst zu verdauen oder kleine Wesen in meinem Körper fangen an Knotenübungen zu machen. Und schon durfte ich vortreten. Und wieder fühlte ich das Verlangen spontan und vor allem fluchtartig die Praxis zu verlassen. Doch das freundliche Gesicht der Assistentin führte mich in eine Folterkammer einen Behandlungsraum. Und so gleich wurde die Anästhesie erwähnt und im gleichen Atemzug hörte man einen großen Stein fallen. Allerdings schlich sich eine kleine Frage ein, warum man für einen Abdruck eine Anästhesie brauchen?

Und dann wurde klar, das mehr gemacht werden sollte, als nur auf ein Stück Knete zu beißen. Die Vorbereitung zur Krönungsfeier. Fräsen, bohren, das volle Programm also. Doch es ging los mit Beißen auf weichen Massen. Im Verlauf der Behandlung folgten noch mehr weiche und weniger weiche Massen. Nett war das entfernen. Beim ersten Abdruck des Unterkiefers dachte ich mir fehlten drei Zähne. Waren aber nur zwei.

Auftritt des Doktors und setzen der Spritze. Ich mache ja grundsätzlich meine Augen zu bei der Behandlung. Je wenige ich weiß, welche Instrumente in meinen Mund gesteckt werden, desto weniger kann ich mir den Schmerz vorstellen. Bringt herzlich wenig, denn ich habe eine blühende Fantasie. Als ich dann mal blinzelte, da ich ja doch neugierig war, blickte ich auf eine Spritze die aussah als würde sie einem Elefantenbullen verabreicht werden, wenn ihm die Stoßzähne gezogen wurden. Der Knoten im Magen wurde mit einer Schleife versehen. Dann hörte ich nur eine weit entfernte Stimme, die die Helferin aufforderte doch ein Wattebausch mit Kältespray zu benetzen. Sekundenbruchteile später wurde ich mit einem Katapult in das Land Universum der Schmerzen katapultiert. Es fühlte sich an als würde eine Lanze durch den Zahn in mein Gehirn gebohrt werden. Also nicht gerade schön. Mein Ohren hörten dann den Arzt nur sagen, das die Betäubung wohl noch nicht wirken würde. Wenigstens war er aufmerksam genug.

Es wurde eine gebührende Zeit gewartet und dann ging es ans Späne machen. Dank der verfrüht aufhörenden Anästhesie beim letzten Mal, warte ich sekündlich auf den Schmerz, aber nichts trat ein. Nur am Zahnfleisch hat es ab und ein wenig weh getan. War aber eher Kindergarten verglichen mit dem Kälteangriff. Es wurde gebohrt, gefräst, gesaugt, gesabbert, geweint, geätzt, mit heißem Draht rumgemacht und dann kam der Krönungsabdruck.

Woher ich das wusste? Mir wurde eine Vorrichtung am Kopf befestigt. Ich sollte auf eine Art Metallspange beißen und im gleichen Atemzug wurde mit eine Art Schraubzwinge auf die Ohren gesetzt. Zunächst dachte ich es wäre um mein eigenes Schreien nicht zu hören, war aber nur zur Arretierung. Mein Kopf die Werkbank.

Ich wagte es sogar zwischendurch mal zu schlucken, weil sich der Aralsee aus Spucke in meinem Mund gesammelt hat. Es schmeckte nach verbrannten Keks und roch nach verbrannten Haaren. Ich wollte gar nicht mehr Informationen haben. Zum Schluß wurde dann noch ein paar Abdrücke gemacht. Als mein Oberkiefer mal wieder dran war, fürchtete ich um meine Vorderzähne. Immerhin muß das ja alles irgendwie raus gehebelt werden. Auch hier wurde mir wieder versprochen, das alles an Ort und Stelle geblieben wäre. Ich kontrollierte dennoch mit der Zunge.

Nachdem das Provisorium befestigt wurde, durfte ich nach Hause. Als ich mir den Termin zur Krönungsmessefeier holte fragte ich nochmal nach, was denn der Geschmack nach verbrannten Keksen zu bedeuten hatte. Hätte ich es doch gelassen. Das war, verbranntes Zahnfleisch. Das mußte er weg brennen, weil der Karies so tief ging. Mir wurde ein wenig schlecht. Aber es würde spätestens übermorgen wieder da sein. Außerdem war ich sehr tapfer. Das war mir dann doch ein wenig peinlich vor den Zahnarzthelferinnen, insgeheim hoffte ich dann doch auf einen Lutscher. Doch den gab es nicht. Verfriemelte Scheiße!

So und weil mir danach ist gibt es jetzt Musik von Black Sabbath:

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