Der König ist tot, es lebe der König

24/02/2011

Die Krönungsmesse ist vollbracht. Ich bin gekrönt worden und nun auch mal richtig wertvoll. Jedenfalls im Mund. Wo genau sage ich aber nicht, denn nachher kriege ich in einer dunklen Ecke irgendwann mal einen Sack über den Kopf und einen Kneifzange in den Mund gesteckt. Und ich kann mir vorstellen, das es einige fiese Individuen gibt, die so was wirklich machen würden. Aber genug der haltlosen Unterstellungen.

Nach meinem letzten Besuch rechnete ich wieder mit dem Schlimmsten und wäre am liebsten gar nicht erst hin gegangen, aber der Name Provisorium ist ja nicht ganz unberechtigt und bevor mir das vom Zahn fällt während ich genussvoll in ein Sesambrötchen beiße, stelle ich mich lieber meinen Dämonen. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, welche Schmerzen ein Sesamkorn mit einem frei gelegten Nerv hervor zaubern kann. Eher kippe ich mir Domestos in die Augen.

Bereitwillig nahm ich auf dem Stuhl platz, der schon viel aushalten mußte. Und nicht nur von mir. Frohen Mutes kam der Arzt rein und bemerkte nebenbei, das wir es erst mal ohne Betäubung probieren würden. Mein Körper nahm also einen Maurerkübel voll mit Adrenalin und kippte ihn in meine Blutbahn. Worte wie „ohne Betäubung“ und „versuchen“ möchte ich nicht in einem Satz hören. Aber ich öffnete den Mund und es folgte ein Tiefpunkt meiner Zahnarztchroniken. Diverse Instrumente, meine Augen waren ja geschlossen, wurden in meinen Mund gesteckt und ich spürte eine Hebelwirkung an dem Provisorium, gleichzeitig setzte ein ziehendes Gefühl irgendwo am Oberkiefer an. Ich wartete quasi auf den Schmerz und alle meine Muskeln waren wohl angespannt. Und plötzlich entspannte sich alles. Naja, nicht alles, denn die Hose blieb trocken, aber ich trat aus, wie ein Kaltblüter. Der Arzt erschrak und rechnete wohl gleich mit einer gezielten Rechten, aber ich bin ja friedlich. Und verlangte sofort nach einer Betäubung. Er sah es genauso und auch der panische Gesichtsausdruck der Helferin verschwand sofort. Mein Kopf blieb trotzdem gut durchblutet.

Nachdem dann die Spritze gesetzt wurde, machte ich ein wenig Smalltalk mit der Helferin. Ich meinte das ich beim Reinigen mit der Zahnseide gar nicht in die Zwischenräume gekommen bin, ob das denn sehr schlimm wäre. Ihr Gesichtsausdruck wechselte sogleich auf erschrocken und mir wurde schon wieder schlecht. Mit Zahnseide sollte ich da auch gar nicht ran, denn das Provisorium ist auch teilweise geklemmt und wenn ich bis zum Zahnfleisch gekommen wäre, dann hätte ich es auch heraushebeln können. Klasse, das ich davon auch erfahre. Mir wurde noch etwas schlechter. Vor meinem geistigen Auge sah ich ganze Sesambrötchen mit Salami belegt meine Nervenbahnen attackieren.

Die Betäubung wirkte komplett und ich hatte das Gefühl, als würde mir Sabber überall hin laufen. Als dann der Sauger applizierte wurde, gab es ein lautes schlürfendes Geräusch. Ich weiß schon warum ich Vollnarkosen bevorzuge. Nun ging aber alles recht fix. Hebeln hier, Fuß auf den Brustkorb gedrückt, schmatzende Geräusche dort, blitzender Gegenstand am Auge vorbei gehuscht und fest zu beißen. Dies war die Probe und sie war gut. Dann wurde lustig schmeckende Paste überall hin geschmiert und teilweise von mir geschluckt. Ich fragte gar nicht nach ob das gesundheitsschädlich ist. Wer Löwentor trinken kann, dem macht so ein bisschen Kleber auch nichts mehr aus.

Dann mußte ich richtig zubeißen, so fest ich konnte. Das ging dann auch für ca. 30 Sekunden gut und dann merkte ich das meine Muskeln anfingen weh zu tun. Die im Mund. Und man glaubt gar nicht wie lange 2 Minuten werden können. Es folgte eine Reinigung und die Nachbesprechung. Ich hoffte auf reichlich Lob, doch wurde auf diverse braune Stellen (Markierungen auf dem Computermonitor) hingewiesen, die beobachtete werden müssen. Juchhu, ich sehe mich schon jedes Jahr einen Zahn machen. Außerdem meine ich den Arzt im Hintergrund den Vertrag für ein neues Auto unterschreiben gesehen zu haben.

Außerdem habe ich wieder keinen Lutscher bekommen. Ich denke das war wegen dem Austreten auf dem Stuhl. Der war danach auch irgendwie wackelig.

Aber ich bin jetzt König und erst mal fertig mit dem Zahnarzt. Wenn das mal nicht ein Lied wert ist:

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Die Vorbereitung

16/02/2011

Letzten Donnerstag war ich mal wieder bei meinem neuen Lieblingsspartenmediziner. Und zwar sollte ich diesmal Abdrücke bekommen. Immerhin werde ich bald gekrönt.

Prima dachte ich mir. Rein, in eine weiche Masse beißen und wieder Abfahrt. Aber das was ich denke und die Realität sind zwei grundsätzlich verschiedene Dinge. So teilte mir man am Empfang bereits mit das ich mit 1,5 h Aufenthalt rechnen darf. Verfriemelte Scheiße! Meine Laune stieg immens. Aber ich lenkte mich erst mal mit Zähne putzen ab. Praktischerweise habe ich Utensil erhalten, da ich in meinem morgendlichen Tran alles zu Hause vergessen hatte.

Wieder zurück im Wartezimmer fiel mir erst mal auf, das egal wann ich beim Zahnarzt bin, nach ca. 10 Sekunden fängt an sich mein Magen entweder selbst zu verdauen oder kleine Wesen in meinem Körper fangen an Knotenübungen zu machen. Und schon durfte ich vortreten. Und wieder fühlte ich das Verlangen spontan und vor allem fluchtartig die Praxis zu verlassen. Doch das freundliche Gesicht der Assistentin führte mich in eine Folterkammer einen Behandlungsraum. Und so gleich wurde die Anästhesie erwähnt und im gleichen Atemzug hörte man einen großen Stein fallen. Allerdings schlich sich eine kleine Frage ein, warum man für einen Abdruck eine Anästhesie brauchen?

Und dann wurde klar, das mehr gemacht werden sollte, als nur auf ein Stück Knete zu beißen. Die Vorbereitung zur Krönungsfeier. Fräsen, bohren, das volle Programm also. Doch es ging los mit Beißen auf weichen Massen. Im Verlauf der Behandlung folgten noch mehr weiche und weniger weiche Massen. Nett war das entfernen. Beim ersten Abdruck des Unterkiefers dachte ich mir fehlten drei Zähne. Waren aber nur zwei.

Auftritt des Doktors und setzen der Spritze. Ich mache ja grundsätzlich meine Augen zu bei der Behandlung. Je wenige ich weiß, welche Instrumente in meinen Mund gesteckt werden, desto weniger kann ich mir den Schmerz vorstellen. Bringt herzlich wenig, denn ich habe eine blühende Fantasie. Als ich dann mal blinzelte, da ich ja doch neugierig war, blickte ich auf eine Spritze die aussah als würde sie einem Elefantenbullen verabreicht werden, wenn ihm die Stoßzähne gezogen wurden. Der Knoten im Magen wurde mit einer Schleife versehen. Dann hörte ich nur eine weit entfernte Stimme, die die Helferin aufforderte doch ein Wattebausch mit Kältespray zu benetzen. Sekundenbruchteile später wurde ich mit einem Katapult in das Land Universum der Schmerzen katapultiert. Es fühlte sich an als würde eine Lanze durch den Zahn in mein Gehirn gebohrt werden. Also nicht gerade schön. Mein Ohren hörten dann den Arzt nur sagen, das die Betäubung wohl noch nicht wirken würde. Wenigstens war er aufmerksam genug.

Es wurde eine gebührende Zeit gewartet und dann ging es ans Späne machen. Dank der verfrüht aufhörenden Anästhesie beim letzten Mal, warte ich sekündlich auf den Schmerz, aber nichts trat ein. Nur am Zahnfleisch hat es ab und ein wenig weh getan. War aber eher Kindergarten verglichen mit dem Kälteangriff. Es wurde gebohrt, gefräst, gesaugt, gesabbert, geweint, geätzt, mit heißem Draht rumgemacht und dann kam der Krönungsabdruck.

Woher ich das wusste? Mir wurde eine Vorrichtung am Kopf befestigt. Ich sollte auf eine Art Metallspange beißen und im gleichen Atemzug wurde mit eine Art Schraubzwinge auf die Ohren gesetzt. Zunächst dachte ich es wäre um mein eigenes Schreien nicht zu hören, war aber nur zur Arretierung. Mein Kopf die Werkbank.

Ich wagte es sogar zwischendurch mal zu schlucken, weil sich der Aralsee aus Spucke in meinem Mund gesammelt hat. Es schmeckte nach verbrannten Keks und roch nach verbrannten Haaren. Ich wollte gar nicht mehr Informationen haben. Zum Schluß wurde dann noch ein paar Abdrücke gemacht. Als mein Oberkiefer mal wieder dran war, fürchtete ich um meine Vorderzähne. Immerhin muß das ja alles irgendwie raus gehebelt werden. Auch hier wurde mir wieder versprochen, das alles an Ort und Stelle geblieben wäre. Ich kontrollierte dennoch mit der Zunge.

Nachdem das Provisorium befestigt wurde, durfte ich nach Hause. Als ich mir den Termin zur Krönungsmessefeier holte fragte ich nochmal nach, was denn der Geschmack nach verbrannten Keksen zu bedeuten hatte. Hätte ich es doch gelassen. Das war, verbranntes Zahnfleisch. Das mußte er weg brennen, weil der Karies so tief ging. Mir wurde ein wenig schlecht. Aber es würde spätestens übermorgen wieder da sein. Außerdem war ich sehr tapfer. Das war mir dann doch ein wenig peinlich vor den Zahnarzthelferinnen, insgeheim hoffte ich dann doch auf einen Lutscher. Doch den gab es nicht. Verfriemelte Scheiße!

So und weil mir danach ist gibt es jetzt Musik von Black Sabbath:


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