Karies ist ein Arschloch!

31/01/2011

Und seine Mutter auch! Letzten Dienstag war es soweit. Die große Sitzung beim Zahnarzt. Quasi der Judgement Day für die Zähne. Und ich glaube der Terminator himself hat den Bohrer geführt.

Als ich die Praxis betrat hatte ich das dringende Bedürfnis andere Termine wahr zu nehmen. Aber es war leider keiner so wichtig, als das ich ihn hätte vorziehen können. Plötzlich wurde die Beratung bei der Bank über eine Berufsunfähigkeitsversicherung sehr interessant.  Aber es half nichts, ich mußte mich meinem Dämon stellen. Und ich rede hier nicht vom Löwentor. Schneller als mit lieb war wurde ich auf den Zahnarztstuhl gerufen. Und ich wunderte mich noch, warum dort keine Lederriemen zum festschnallen waren.

Als nächstes folgte nun die Diskussion über die Notwendigkeit einer Betäubung. Da ich ja nicht als Memme da stehen wollte, druckste ich rum und versuchte die nette Zahnarzthelferin in eine Frage und Antwort Spiel zu verwickeln. Was für Schmerzen würden mich denn erwarten? Wären sie schlimmer als ein Lungendurchschuß oder ein Fahrradstunt? Doch sie roch den Braten, aber schonte mich. Ich entschied mich ihren Rat anzunehmen und es für alle Beteiligten entspannter zu machen und eine Betäubung zu nehmen. Die Frage nach einer Vollnarkose stellte ich zunächst zurück. Doch damit tat sich dann die nächste Unsicherheit auf. Wie schmerzhaft war die Spritze und würde sie überhaupt wirken?

Der Onkel Doktor kam und fing dann gleich an auf ausländisch zu sprechen. Selbst mit meinem kleinem Latinum verstand ich nichts. Meine Brille wurde mir vorsichtshalber abgenommen und ich rechnete jeden Moment damit, das aus den Armlehnen Edelstahlmanschetten fahren würden, die meine Arme fixieren würden. Doch nichts dergleichen geschah, sondern die Spritze wurde gesetzt und ich merkte sie kaum. Hier möchte ich bemerken, das ich zwar Erfahrung im Blut spenden habe, doch eine Spritze in den Mund zu bekommen, wo mal kein Schnaps drin ist, ist dann doch etwas anderes. Immerhin ist der Mund auch viel dchter am Hirn dran wie der Arm. Nun war es nur noch eine Frage der Zeit, bis ich meinen Speichel nicht mehr bei mir behalten konnte. Ich machte mir ein wenig Sorgen um das kleine Handtuch, was mir aus Hygienegründen auf den Brustkorb gelegt wurde. a) Würde es den Speichelmassen mit Sicherheit nicht Herr werden und b) das ganze Blut muß ja auch irgendwo hin.

Da Karies ja ein Arschloch ist, habe ich ja auf beiden Seiten das Vergnügen. Also gibt es gleich die Spritze im Doppelpack. Eigentlich wollte ich an dieser Stelle anmerken, das vielleicht eine Vollnarkose vielleicht doch sinnvoll ist. Aber da hatte ich auch schon den Mund voll mit Instrument. Und ich glaube, irgendwo lief ein bisschen Sabber hin. Auf die Frage, ob denn meine Zähne schon taub wären, konnte ich gar nicht richtig antworten, da der Bohrer schon an geschmissen wurde. Das Geräusch war aber an sich angenehm. Auch das was er machte, als er mit meinen Zähnen in Berührung trat. Das Wunder der Betäubung entfaltete sich voll und ich merkte nichts, ich war nur ein wenig angespannt, hinsichtlich der Tatsache, was wohl passieren würde, wenn der Bohrer einen Punkt erreichen würde, an dem die Betäubung nicht wirken würde. Wieder stellt sich mit hier die Frage, ob eine Fixierung nicht sinnvoll wäre.

Es folgte ein Bohrerwechsel. Wie ich später feststellte, war es der Polieraufsatz aus Gummi. Doch als er loslegte, ahnte ich nichts, sondern konnte nur an Hand der Geräusche und der Vibrationen im Kopf eine grobe Zuordnung machen. Sollte ich meinen Gefühlen trauen, war der erste Aufsatz ein 0,1 mm Bohrer gewesen. Und nun kam die grobe Schrubbscheibe mit 10 karätigen Diamanten zum Einsatz. Ich war sogar der Meinung einige Brocken in meinem Mund umher fliegen gespürt zu haben. Der Sauger, der irgendwo unter den 10 Instrumenten in meinem Mund war, machte schon leicht gurgelnde Geräusche. Die Vorstellung, was passieren würde, wenn jetzt plötzlich die Betäubung nach lassen würde, ließ mich fast in Ohnmacht fallen.

Dann irgendwann wurde eine Pause eingelegt, in der Fachwissen zwischen Arzt und Helferin ausgetauscht wurde, bei dem ich die Augen schloß. Dann kam meine Ansprache. „Herr Gerhardt, warum machen sie es uns nur so schwer?“ Ich war geschockt, was mache ich denn? Wie kann ich es besser machen? Haaaaaaargh, ich will hier weg. Ich will aufn Arm. Ein Karieskanal geht tiefer als gedacht und muß großflächig aufgebohrt werden. Füllung geht hier nicht mehr, nur noch Überkronen. Nach großflächig aufgebohrt, wurde mir schon schwarz vor den Augen. Ich stellte mir vor, wie mein Mund aussah und traute mich nicht mit der Zunge nach zu fühlen. Aber ich stellte mich meinem Schicksal. Was bleib mir auch anderes über, versucht mal zu diskutieren, wenn man drölf Sauger im Mund hat. Gefühlt hätte es auch ein Weidepfosten sein können.

Nun wurde geklebt, poliert, UV belichtet und was weiß ich noch. Dann dachte ich wir wären fertig, doch sollte mich irren. Die Helferin meinte, das jetzt noch zwei Zähne gemacht werden müßten und dann hätten wir es geschafft. Für heute. Ich wollte nicht mehr, gleichzeitig drängelte sich ein Gedanke nach vorne, der eigentlich hätte hinten bleiben sollen. Wie lange hält eigentlich die Betäubung an?

Doch das Rätsel sollte nicht lange ungelöst bleiben. Es fing an, als ich den kalten Wind vom Sauger merkte. Ein häßliches Gefühl und Unbehagen machte sich breit. Ein kurzes Zucken meinerseits, machte den Zahnarzt aufmerksam und er fragte ob denn die Betäubung nach lassen würde. Nein, ich kriege gerade einen Anfall, weil ich lange kein Pils getrunken habe. Leider machte er keine Anstalten, erneut die Spritze in den Mund zu stecken. Und dann kam der Schmerz. Ich weiß nicht was gemacht wurde, aber ich wollte nur noch weg. Aufstehen, ein zwei Leuten volles Pfund aufs Maul gebe und aus dem Fenster springen. Selbst wenn unten eine Lavagrube mit Speeren und ausgehungerten Wölfen gewesen wäre, es wäre mir egal gewesen. Doch aus dem Stuhl gab es kein Entrinnen. Selbst die Kopfstütze gab nicht nach. Und mein Hintern schwitzte unangenehm. Hätte der Stuhl ein Brett am Fußende gehabt, ich hätte es abgelatscht und dabei wäre es in seine Atome aufgelöst worden. Das war ein Schmerz, der ohne Umwege über Nervenbahnen direkt ins Hirn gegangen ist. Ich wollte weg und konnte nicht.Die Worte des Arztes machten es leider nicht besser, da sie kein Betäubungsmittel für die Zähne hatten.

Irgendwann war es vorbei und ich fragte mich, wie groß die Bolzen waren, die den Stuhl in Position hielten. Tja, nun habe ich drei Füllungen, ein Provisorium und bekomme bald eine Krone. Sticht! Das Abenteuer Zahnarzt ist leider noch nicht vorbei. Und Worte wie, „Wären sie drei Jahre früher gekommen, dann hätten wir noch was mit Füllungen machen können.“ helfen nicht wirklich. Ich kauf mir jetzt trotzdem eine Zeitmaschine.

Hinterher hatte ich eine seltsame Spannung in beiden Kiefern. Es könnte aber auch Muskelkater gewesen sein. Kennt ihr das, wenn man zu zähes Rindfleisch ist? Ich habe das Gefühl, als könnte ich nun Bahngleise zerbeißen. Lasse es aber, da ich weitere Zahnarztbesuche so gering wie möglich halten will.

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Er hat nicht mal gebohrt…noch nicht

18/01/2011

Gestern war es soweit. Gestern stellte ich mich einer Sache, die ich schon seit langem habe schleifen lassen. Auch wenn ich in letzter Zeit sehr gewissenhaft geworden bin, was Gesundheit angeht, gibt es da einen dunklen Fleck auf meiner Weste. Neben den Bierflecken und Currywurst-Pommes-Flecken Salatsoßenflecken.

Ich war seit Jahren schon nicht beim Zahnarzt. so, jetzt ist es raus und es ist mir sehr, sehr peinlich und unangenehm. Zumal eine sehr gute Freundin von mir Zahnarzthelferin ist und mich mehr als einmal dazu gedrängt hat. Sie hat mich sogar in den Schwitzkasten in den Arm genommen, aber ich bleib standhaft. Aber ich denke, sie hat dann irgendwann die Flinte zum Hasen in den Pfeffer geworfen. Oder so ähnlich. Es ist ja nicht so, das ich mir das nie vorgenommen habe. Eigentlich wollte ich jedes Jahr hin, aber dann kam der Schlendrian durch und ich habe es, sagen wir mal vergessen mir einen Termin geben zu lassen. So ging das Jahr ein Jahr aus. In der Zwischenzeit sind meine Weisheitszähne gekommen und auch geblieben. Und Zahnschmerzen hatte ich ja auch nie. Alles Ausreden, höre ich jetzt den geneigten Leser sagen.

Doch meinem Hasen liegt mein Wohl am Herzen und so hat sie mir einen Termin besorgt. Weil sie wohl wusste, das ich es eh wieder nicht gebacken bekommen hätte. So stand ich also gestern in einer Zahnarztpraxis und bekam eine Kontrolle und eine professionelle Zahnreinigung.

Die Kontrolle brachte das Erwartete. Ich glaube die Wortlaut war, das die Zähne normal sind für mein Alter. Ein Grinsen in meinem Gesicht. Aber in Ordnung wäre nicht alles. Das Blut schoß aus meinem Kopf in tiefere Regionen in meinem Körper. Nicht was ihr schon wieder denkt, ich Säue! Aber dazu später mehr, jetzt kommt erst mal Röntgen und Zahnreinigung.

Zack, Bleiweste um und zack mit Röntgenstrahlen beschossen. Es gab sogar einen Rundumscan von meinem Kopf. Juchu, mein Brägen wird von Strahlen noch und nöcher durch schossen. Aber bei meinem bisherigen Lebensstil werden die paar Strahlen wohl auch keinen großen Schaden mehr anrichten.

Und dann ging es los mit der Zahnreinigung. Zunächst Ultraschall. Bei Ultraschall dachte ich zuerst an etwas sehr sanftes. Immerhin werden ungeborene Babys im Mutterleib damit sichtbar gemacht. Doch das Instrument, was die junge Dame in der Hand hielt schien, die Schrubbscheibe unter den Ultraschall-Geräten gewesen zu sein. Und sie wusste damit umzugehen. Ich versank immer tiefer im Stuhl und schwitzte. Ich glaube ab und an fühlte ich wie sich Brocken von meinen Zähnen lösten und im Mundraum umher flogen. Ich hoffte nur, das es kein Stück Zahn war. Immerhin habe ich schon größere Mengen Löwentor konsumiert. Schon kleine Flecken von dem Teufelszeug auf dem guten Eichentisch hinterlassen Brandflecken. Teilweise fühlte es sich an, als würde der Ultraschall kleine Greifer haben, die das Zahnfleisch weg halten, damit man direkt an den Zahnhals kam. Aber ich bleib tapfer und weinte nicht. Ab und an wünschte ich mit sie würde sofort aufhören, doch da war die untere Zahnreiche noch nicht mal fertig. Angenehm war was anderes.

Als sie damit fertig war oder besser gemerkt hat, wie winzige Tränen meine Augen verließen wie ich leicht das Gesicht verzog, als sie an bestimmte Stellen im Mund kam, kam ein Zanharztinstrument zum Einsatz, das mir nie so ganz geheuer ist. Die/der/das Kürette. Ein Instrument beidseitig mit Klingen ausgestattet. Was will man damit im Mund? Genau, Zahnstein entfernen. Und das gibt gar feine Geräusche. Am liebsten wäre ich Ohnmächtig geworden. Aber es wäre nur das Geräusch, wurde mir versichert. Die Zähne wären noch da. Als ich mal mit der Zunge fühlen wollte, meinte ich festzustellen, das an den unteren Schneidezähnen etwas fehlen würde. Das wäre der Zahnstein, aber vom Zahn wäre alles noch da. Meine Gesichtsfarbe wechselte auf rot. Der Schlimmste Teil war aber vorbei. Nun wurde noch poliert und lackiert. Ich entschied mich für ein Metallic schwarz mit Rallystreifen. Das ist so schön sportlich. Die Zähne waren nun schön glatt. Man könnte fast meinen sie wären mit Teflon beschichtet.

Doch die Freude hielt nicht lange an, denn es folgte die Nachbesprechung. Röntgenbilder auf den Schirm und los gings. 1 links OB, 2 rechts alles hin OK, 6 rechts rausstemmen, 18, 20, schwarz… Ich verstand Bahnhof. Doch Bilder lassen auch mich Dummen schlau werden. Zwei Zähne sollten gemacht werden. Er würde gar nicht verstehen, warum ich beim Süßigkeiten essen keine Schmerzen hätte. Jahrelanger Löwentorkosum tötet einiges ab. Klartext, Bohren, Füllung rein, alles gut. Ich hoffe es geht mit Vollnarkose und stationärer Aufnahme.

Da ich ja eh nicht drum rum komme, habe ich gleich einen Folgetermin kassiert. Am Dienstag startet also das große Blutfest. Meine ganzen Blutspenden zahlen sich nun aus.


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