Das Experiment

Die Fastenzeit ist nun vorbei und ich kann nun meinen alten Lastern frönen. Ich sage mal so, die 44 Tage ohne Alkoholkonsum waren mal eine Erfahrung.

Ich hätte zum Beispiel nie gedacht, das man manchen Leuten ansieht wie viel sie getrunken haben. Es ist als würde man eine Zeitrafferaufnahme ansehen. Mit jedem alkoholischen Getränk verändert sich der Gemützustand und ab einem gewissen Pegel sogar das äußere Erscheinungsbild. Darunter fallen auch Getränkereste, die auf Grund von fehlenden Mund-Getränkebehältnis-Koordination auf der Oberbekleidung gelandet sind. Sehr hilfreich, wenn man am nächsten Morgen aufwacht und nicht weiß wohin die 50 € verschwunden sind, die einem der Bankautomat quasi aufgedrängt hat. Findet man dazu noch Dreck- und Grasflecken, weiß man unter Umständen auch, wo man die Nacht verbracht hat.

Außerdem durfte ich feststellen, das meine Resistenz gegen Schlager unter Zuhilfenahme von Alkohol gesteigert werden kann. Da Alkohol das Blut verdünnt, lässt sich damit auch auftretendes Ohrenbluten erklären. Früher ist mir nie wirklich bewusst gewesen, wie schlimm der Pur Mega Mix wirklich ist. Höre ich ihn nüchtern krampft sich in mir einiges zusammen. Ich glaube sogar mein Körper stellt kurzzeitig neue Organe her, die einfach nur weh tun können, um diesen immensen Schmerz, der durch diese Musik verursacht wird auch genügend verarbeiten zu können. Anderseits hätte ich wohl nun keine Nieren, Leber und Herz mehr.

Meine Bereitschaft auf Leute zu zu gehen wird durch den Konsum von Alkohol auf ein vielfaches ausgedehnt. Anders ausgedrückt, sinkt meine Schüchternheit. Um Eis zu brechen bietet sich ja immer in dummer Spruch an. Davon habe ich ja genügend zur Auswahl und auf Lager. Doch nüchtern traue ich mich nicht jeden Spruch zu bringen. Bin ich in einem gewohnten Umfeld, also mit Leuten zusammen, die mich kennen und wissen wie ich ticke, habe ich auch vor Sprüchen unterhalb der Gürtellinie keine Hemmungen. Doch sobald ich mit Leuten zusammen bin, mit denen ich noch nicht so richtig warm geworden bin, dann halte ich mich stark zurück. Immerhin weiß ich nicht wie sie ticken, wie sie auf gewisse Sachen reagieren und was sie dann von mir denken. Eher einen Gang zurück schalten als mit Vollgas den Berg runter um dann fest zu stellen, das dort jemand den Führerbunker eine solide Betonwand die vor einem Atomschlag schützen würde platziert hat. Das mag sich jetzt traurig anhören, aber ich kann es nun mal nicht ändern. Im Gegenteil ich bewundere Leute die aus sich raus gehen können, ohne sich dem flüssigen Genußmittel hinzu geben. Ich kann es nicht.

Was sehr von Vorteil ist, ist der fehlende Kater am nächsten Tag. Das flaue Gefühl im Magen. Die leichten Kopfschmerzen, die sich auf wundersame Weise vermehren und spontan entscheiden doch den ganzen Tag zu bleiben. Da es anscheinend doch noch ganz lustig werden könnte, wenn der Körper erstmal richtig wach ist.

Oder die Unsicherheit, wie man denn am Vorabend nach Hause gekommen ist und warum die Hose aussieht als wäre man gerade von einer 72-Stunden-Übung gekommen. Dieses Gefühl wenn einem bewusst wird, das man am Vorabend irgendeinen Mist gebaut hat, man aber nicht mehr sicher ist was es war. Oder wen man vor den Kopf gestoßen hat. Natürlich nur literarisch.

Mehr Geld hatte ich irgendwie auch über. Voller Schuldgefühle blickte man am nächsten Tag in das Portemonnaie und mußte feststellen, das man ja doch noch den Fuffi dabei hatte. Und man mußte nicht mehr so oft zum Geldautomaten. Dafür wurden einem dann die Kontoauszüge zugeschickt.

Nun fragt sich der interessierte Leser ob ich aus der ganzen Geschichte etwas gelernt habe. Rückblickend habe ich mich schon ein paar Mal geärgert, das ich mir diese dämliche Prüfung auferlegt habe. Und für mich ist jetzt schon klar, das ich es im nächsten Jahr nicht so durch ziehen werde. Vielleicht etwas abgewandelt, aber keinen völligen Verzicht. War schon doof. Also habe ich rein gar nichts gelernt. Und um ehrlich zu sein, ärgert das mich gar nicht. Ich habe sogar eine Flasche Schnaps von Katrin gewonnen. : )

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