Spaß beim Arzt

Ich hasse warten. Warten auf Jemanden oder irgendetwas ist ein verbrennen von Zeit. Und nichts ist wertvoller als Zeit.

Ich wurde nun in eine neue Hochburg der Zeitvernichter eingeführt. Arztpraxen. Dort kann quasi dabei zu gucken, wie die eigenen Lebenszeit in einen großen Ofen geschaufelt und mit Kerosin übergossen wird. Dabei ist es recht egal ob man Termine macht oder nicht. Man muß warten.

„Guten Morgen, ich hatte um 0800 Uhr einen Termin.“ – „Ja gerne, bitte nehmen sie noch einen Moment im Wartezimmer platz.“

Nein, bitte nicht das Wartezimmer. Aber man fügt sich. Wenn meine Hände nicht mit Krücken gefüllt wären, hätte ich mir wenigstens ein Buch mit nehmen können. Aber so ist man auf die vorhandene Auslage der Boulevardblätter angewiesen, die Themen ausweisen, die nicht langweiliger sein können. So, was haben wir denn hier? Frau im Spiegel – Abnehmen mit der Blumenkohl-Diät. So, ich muß also nur noch Blumenkohl in mich reinstopfen und dann nehme ich in drölf Wochen zwei Pfund (ein Kilogramm hätte sich auch viel weniger angehört) ab. Mal gucken, was es hier gibt. Bild der Frau – Abnehmen mit der Wassersuppendiät. Auch sehr spannend. Weiter geht’s. Das goldene Blatt – Florian Silbereisen: Mein geheimes Hobby: Schwert schlucken. Interessant! Das der schwul ist hätte ich nie gedacht! Ich glaube so viel Augenzwinkern wie ich bei dem Satz gebraucht hätte, kann ein Mensch alleine gar nicht aufbringen. Tina – Warum liebt er Fußball und Bier mehr als einen Tupperabend mit mir und meinen Freundinnen? Das ist der Zeitpunkt an dem mir schlecht wird und ich entscheide mich dafür ohne Lektüre zu verblöden.

Nett sind auch die Zettel, die die Wand zieren. Sie weisen darauf hin, das Patienten zu verschiedenen Sachen bestellt werden und es durchaus vorkommen kann, das Patienten die später kommen, vorher dran kommen. Hört sich für mich wie eine Generalentschuldigung dran um die beste Freundin dann doch vor der modernden Oma dran zu nehmen. Mir aber auch egal, da ich ja eh nichts besseres zu tun habe. Ich wünschte mir jetzt ein Teleporter.

Doch die Verblödung geht nicht schnell genug voran. Da hilft nur die Konversation zweier älterer Damen. Nicht das ich da zuhören wollte, es ließ sich einfach nicht vermeiden. Die eine hat Probleme mit dem Kniegelenk und die andere mit dem Kniegelenk und der Hüfte. Ich komme mir vor wie beim Quartett spielen. Schmerzen im Knie – Schmerzen in der Hüfte; Probleme beim Wasserlassen Sticht! – Stuhlgang vor dem Aufstehen (Super Trumpf) Weiter geht es mit den Gebrechen der Lebenspartner und zu den Sachen die die Kinder und Enkelkinder gemacht haben. Natürlich nur die ganz tollen, das der Enkel beim Rewe drei Flachmänner Marke ja! Korn für Opa mitgenommen hat, wird dezent unter den Tisch fallen lassen. Das Gespräch wird jäh unterbrochen, als weitere Protagonisten die Bühne das Wartezimmer betreten.

Zwei Gestalten jenseits der 40 betreten den Raum und ziehen eine seltsame Duftfahne hinter sich her. Als ich versehentlich die Luft nicht mehr halten konnte, krochen Duftpartikel von Schnaps, Zigaretten und etwas undefinierbarem, modrigen, was ich als Eigenduft kategorisierte. 0930 Uhr, die arbeitslose Bevölkerung hat also ihren Auftritt. Was ich besonders verwirrend fand, war zum Einen der Auftritt zu Zweit, aber nur einer war krank. Zum Anderen die Verletzung war am Arm und er wurde mit einem Rollstuhl gebracht. Nicht das er damit auch das Wartezimmer betretenrollt hätte. Nein, da stand er vorher draus auf und ging kommentarlos, aber nicht duftlos, zu einem freien Stuhl. Und dann ging es los. Eine Person erkannte eine Bekannte in dem Raum. Dummerweise am gegenüberliegenden Ende. Ist aber kein Problem, da dafür der liebe Gott ja die Lautstärke erfunden hat. „XY! Was machst Du denn hier?!?“ – „Lunge muß geröntgt werden“ begleitet von Husten mit vermuteten blutigen Auswurf – „Ha ha, wohl wegen dem Rauchen.“ – vollkommen ernsthaft „Neee, ich rauche doch nicht mehr!“ (Alles klar, ich gucke nach ob die Deckenbalken noch halten.) „Er hier (weist auf ihren Stuhlnachbarn) ist hingefallen und hat sich den Arm gebrochen.“ – „Wohl wieder zu viel getrunken, wah?!?“ – „Neee, der ist doch immer so ungeschickt.“ (Langsam habe ich Angst um die Stabilität des Gebäudes)

Dann endlich werde ich aus der Hölle befreit um dann auf dem Flur nochmal zu warten. Ich hasse es krank zu sein.

Zum Abschluß ein total unpassendes Musikstück:

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: