Wenn ich mal groß bin… Reboot

Die Geschichte mit dem Leben als FHM Redakteur lässt mich ja irgendwie nicht los. Also, wie stelle ich mir ein Tag im Paradies im Leben eines FHM-Redakteurs vor?

Die Vögel schreien bereits sehr laut vor dem Fenster. Ein leichtes Augen öffnen verrät mir, das die Sonne bereits ihre Aufgabe macht und den Rest der Welt erhellt. Der Vorhang in meinem Zimmer tut sein nötigstes und versucht die Helligkeit aus zusperren. Dies gelingt ihm nur halbwegs. Die Uhr zeigt 0930 Uhr, wann ich zu Hause war kann ich nur an Hand der Anrufliste in meinem Telefon nachvollziehen. Wer um alles in der Welt ruft sich bereits um 0332 Uhr ein Taxi. Ach ja, gestern war ja Dienstag und Kollege D wollte schon wieder auf die Theke steigen.

Nun ja, ich rolle aus dem Bett und versuche ein wenig klar zu kommen, immerhin muß ich ja gleich arbeiten. Zum Glück in der FHM Redaktion. Als ich dort ankomme, bin ich der Erste. Die Kollegen der Schwesterzeitschriften gucken schon wieder so böse und schütteln leicht mit dem Kopf. Ich meine auch Stimmen gehört zu haben, die mich beleidigt haben, aber die könnten auch nur in meinem Kopf gewesen sein. Es reicht wunderbar nach Kaffee im Büro. Bin ich doch nicht der Erste? Ahhh, wir haben ja seit kurzem einen Praktikanten, der sich um alle niederen Dienste um grundlegende Sachen kümmert. Kaffee kann er schon mal machen. Damit er mir nicht auf den Kranz geht, lasse ich ihn 200 Kopien von einem weißen Blatt machen, sage ihm aber das es ein Geheimdokument ist und er soll ja die richtige Seite kopieren. Sonst gibt es Lack von ganz oben! Vorher lasse ich ihn mir noch einen Kaffee bringen. Diese wohltuenden Düfte, die Vorfreude auf dieses wunderbare Regenerationsgetränk sind einfach wunderbar. Es wird einzig und alleine noch vom Konter-Bier übertroffen.

Nach und nach rücken auch Kollege A, C, D und E an. Nur B scheint noch scheintot zu sein. Ein kurzer Anruf unsererseits auf seinem Telefon weckt ihn und versetzt ihn in leichte Panik. Zur Besprechung schafft er es nicht mehr, was so viel heißt, das er das letzte Thema bekommt. Naja, aber so schlimm wird das auch nicht werden.

Die Besprechung selber verdient den Namen eigentlich nicht. Wir kippen Kaffee in uns rein und lassen den Vorabend Revue passieren. Wir lachen viel und labern tonnenweise Scheiße. Mittlerweile ist auch Kollege B angekommen und das Ganze fängt nochmal von vorne an. B tanzte ja auf dem Tisch, während A und E sich gerade beim Kickern abziehen lassen mußten. Es konnte daran liegen, das sie bereits doppelt gesehen haben. Und wenn man mit einer Hand ein Auge zu halten muß, dann hat man ja nur noch eine Hand um den Kicker zu bedienen. Anders gesagt, man hat entweder einen Ball zu viel oder zwei Hände zu wenig. Man selber hingegen saß angenehme an der Theke und beobachtete die holde Weiblichkeit. Es hat durchaus Vorteile in einer Studentenhochburg zu wohnen. Wo sind eigentlich die anderen Frauen, die bereits im Berufsleben stehen? Ach ja, die müssen ja am nächsten Tag arbeiten. Muß man halt bis zum Wochenende warten.

So, die Besprechung war sehr erfolgreich. Die Kollegen der anderen Zeitungen gucken zwar immer böse in den Besprechungsraum, weil wir aussehen, als würden wir die Party vom Vorabend auf der Arbeit weiterführen. Aber das ist alles harte Arbeit. Ganz ehrlich. Leider mußten wir die redaktionelle Besprechung auflösen, weil eine Kollegin der „Laura“ sich über den Lärmpegel beschwert hat. Dabei ist sie eigentlich ganz niedlich.

Der Tag rast vor sich hin. Es ist jetzt schon 1130 Uhr und vor dem Mittag muß ich noch meinen Artikel über die besten Katerbekämpfungsmittel hin schmieren. Naja, ich bin ja kreativ und das Internet ist mein bester Freund. Und so habe ich kurz nach der Mittagspause meinen Artikel fertig. Was wie die Faust aufs Auge passt. Denn gegen 1400 kommt der Fotograf an und fragt ob ich nicht Bock hätte mit zum Fotoschooting zu kommen. Gucke ich mir die Sonne an, dann habe ich wenig Lust und will ein wenig meinen Wasserhaushalt in einen grünen Bereich bekommen. Doch er sagt, ich hätte eh keine Wahl, da ich den Artikel über die Schwedinnen schreiben soll. Schwedinnen? Fotos? Sonne? Ich bin dabei.

Wir fahren also zu eine netten Location und die Schwedin fängt sich an in Pose zu schmeißen. Die Fotos werden einfach sensationell. Während die eine Schönheit vor der Kamera steht, befrage ich die andere zu ihrem Land. Sie ist begeistert das ich Eishockey-Fan bin und ich bin begeistert von ihrer ähh Ausstrahlung. Da ich ja der verantwortliche Redakteur für den Artikel bin, bin ich auch verantwortlich für das Abendprogramm. Sehr gut, mit wunderschönen Frauen einen trinken gehen. Die Kollegen haben sich schon angeboten, mit zu kommen, damit ich nicht so viel Arbeit habe. Sehr nett von ihnen. Aber so sind wir Kollegen in der FHM eben.

Der Rest des Tages bekommt man auch schon irgendwie vorbei und schon ist es Abends. Wir holen die Damen aus dem Hotel ab und begeben uns erstmal zum Essen. Alles auf Verlagskosten versteht sich. Immerhin ist das hier ja harte Arbeit. Nach dem Essen geht es dann erstmal in eine nette Kneipe, wo wir den Schwedinnen erstmal zeigen wo der Wastl den Most holt welche wunderbaren Eigenschaften Hefe-Weizen hat (Das ist gut für die Haut. Gerade bei der inneren Anwendung!). Dann kommt noch Schnaps hinzu, bei dem ich mich dezent zurückziehe, da ich aus Erfahrung weiß, wie es enden wird. Das lässt allerdings Fräulein Djurberg nicht durchgehen und zwingt mich Obstler mit ihr zu trinken. Ich armer Kerl. Die Schwedinnen lassen es richtig krachen, da Alkohol in Schweden ja richtig teuer ist. Gott sei Dank sind wir alle m Training. Seid vier Jahren. Nur der Praktikant, der seit zwei Wochen da ist, sieht ein wenig grün im Gesicht aus. Doch ein Blick auf eine der Schwedinnen lässt ihn wieder erstrahlen. Doch sein Gesichtsausdruck verändert sich schnell, als er sieht was sie ihm da mit bringt. Es ist grün und riecht nach Alkohol. Wir schließen schon mal Wetten darauf ab, wer morgen zu spät kommt. Der Praktikant steht hoch im Kurs.

Nach der Kneipe und den ganzen hochprozentigen Sachen habe ich eigentlich schon genug und wollte mich davon stehlen, doch wurde schnell eingehakt und schon ging es in einen Club, dessen Namen mir nur in einzelnen Buchstaben in Erinnerung geblieben ist. Irgendwas mit M, Q, U, O, L und D. Die Reihenfolge muß nicht stimmen. Die Musik hämmert auf mich ein und ich bin wieder auf Bier umgestiegen. Ich muß unbedingt zusehen, das ich mich weit von den Schwedinnen wegsetze. Die haben im Moment eh keine Probleme mit männlicher Gesellschaft, da alle Spitzlumpis in der Disco um sie herum tanzen und sich tierisch zum Affen machen.

Meine Uhr zeigt 05irgendwas Uhr, als wir den Club verlassen. Die Schwedinnen schlafen auf der Rückfahrt zu ihrem Hotel im Taxi ein. Die haben es gut, die können morgen ausschlafen und müßen nur nach Schweden zurück fliegen und ich muß mich wieder in die ultra harte Arbeit stürzen. Ich hoffe nur ich bin nicht der letzte. Doch wenn ich mir den missglückten Stagedive vom Praktikanten im Club in Erinnerung rufe, dann glaube ich mein Geld war gut angelegt. Übernächsten Monat besuche ich die Kollegen von FHM Schweden, da treffen ich dann die Schwedinnen wieder. Sie meinten, dann gehen wir mal richtig feiern. Mit selbstgebrannten Schnaps. Mir wird gerade richtig schlecht.

Als ich mich ins Bett lege, fangen die Vögel schon wieder an zu schreien und die Sonne versucht sich durch den Vorhang in meinem Schlafzimmer zu kämpfen. Ich hoffe ich höre den Wecker nicht.

Also ich bin mir fast sicher, das so ein Arbeitstag im Leben eines FHM-Redakteurs aussieht. Ich muß mir noch ein paar Klemmordner besorgen, damit ich die Bewerbungsunterlagen los schicken kann.

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