I hurt myself today 4

Nun bin ich also seit geraumer Zeit aus dem Krankenhaus wieder zu Hause. Die Tage im Krankenhaus waren wirklich unglaublich langweilig. Von den Besuchern und den netten Schwestern mal abgesehen. Man kann halt nicht so leben wie man es gewohnt ist und nicht die Dinge tun, die man machen würde wenn man zu Hause wäre. Außerdem war der Fernseher unglaublich Scheiße an der Decke angebracht. Die Gnade des Halbgottes in weiß hat mich dann auch einen Tag nach meinem Geburtstag nach Hause geschickt. Was war ich froh!

Ich dachte das es nun mit rasenden Schritten bergauf gehen würde. Aber wenn man ein gebrochenes Bein hat, dann hat sich das was mit rasenden Schritten. Ich glaube eine Schnecke würde mich überholen können. Zumindest bergauf. Dabei war es ja noch nicht mal die eingeschränkte Bewegungsfreiheit, sondern dieses fiese ziehende und pulsierende Gefühl im Bein, wenn ich es mal in eine normale Position halten wollte. Sobald nämlich das Bein in Richtung Boden bewegt wurde, schoß Blut in die Gefäße und ließ alles irgendwie anschwellen. Gepaart mit einer geklammerten Narbe, gibt es da ganz tolle Gefühle, die einen ein wenig die Wand hoch laufen lassen wollten. Wäre da nicht die Sache mit den Krücken. Übrigens sind harte Gegenstände die auch als Schlaginstrurnent gebraucht werden können, eine ganz schlechte Sache in den Händen eines gefrusteten Mannes, der Schmerzen im linken Unterschenkel hat, zu denen nur er was kann. Ich mußte mich manchmal sehr zusammen reißen, nicht irgendwelche unschuldigen Gegenstände wie Türen oder Stühle zu Trümmern zu schlagen.

Seit letztem Donnerstag sind nun aber auch die Klammern aus meiner Narbe entfernt worden. Ein Termin, auf den ich mich nicht wirklich freute, wohl aber keine andere Wahl hatte. Also fand ich mich am Donnerstag im Krankenhaus ein, um meine getackerte Narbe (Achtung! Narbenfoto, angucken auf eigene Gefahr!) zu enttackern. Das Versprechen des Arztes im Vorfeld, das es dazu ein gesondertes Gerät geben würde, ließ mich nicht gerade ruhiger werden. Immerhin war ich mir nicht ganz so sicher, ob die Klammern nicht wirklich so appliziert waren, wie die gemeine Heftklammer!

Bei solchen Angelegenheiten hilft allerdings kein Winden und nicht Wollen, sondern einfach das Kommende über sich ergehen zu lassen. Immerhin habe ich bereits einen Beinbruch hinter mir. So legte ich mich also auf den Tisch und freute mich auf das spezielle Gerät, das zum Klammern ziehen benutzt werden sollte. Tja, das stellte sich dann als handelsübliche Zange heraus. Gut, es war jetzt keine Rohrzange, sondern bestimmt irgendeine spezielle Zange mit einem ganz wildem Namen aus dem OP-Bereich. Aber so speziell sah das Gerät nun nicht gerade aus. Vielleicht hatte der junge Oberarzt auch von dem speziellen Gerät noch nicht gehört. Sein Akzent aus dem osteuropäischen Ausland ließ mich schnell Schlussfolgerungen ziehen. Nichtsdestotrotz vertraute ich auf die Fähigkeiten des Arztes. Ich meine, man macht ja nicht jeden zum Arzt. Auch nicht in Polen. Oder?

Die „Schmerzen“ waren ertragbar. Was schreibe ich eigentlich von Schmerzen? Es war mehr ein Gefühl als würde man ein Pflaster an einer Stelle applizieren und gleich wieder abreißen, an der dann vorher viel Haare gewesen sind. Allerdings ein Pflaster mit guter Klebekraft.

Das Ergebnis war allerdings umwerfend (Auch hier wieder Narbenfotogefahr!). Dieses ganze Gefühl, als würde mein Bein bald platzen, wenn ich es dem Boden nährte wurde stündlich besser. Die Klammern hielten nichts mehr fest und konnten nicht mehr ins Fleisch schneiden. Eine wahre Erleichterung. Und was noch viel besser ist, ist das ich nun auch ohne dämliche Plastiktüte um mein Bein duschen kann. Außerdem gibt es durchaus Vorteile im Sitzen zu duschen. Es strengt wenig an und man fällt nicht so schnell um.

Wie geht es sonst so? Es geht. Mehr oder weniger. Ich humpele halt auf meinen Krücken durch die Welt und versuche mein Fuß beweglich zu halten. Ich bin ja der Meinung, das ich schon ganz tolle Fortschritte mache, allerdings holen mich dann Arzt und Physiotherapeutin schnell wieder auf dem Boden der Tatsachen zurück. „Wie sie bekommen ihren Fuß noch nicht wieder einmal um den Kopf geschlungen? Ganz schlecht!“

Wie man sieht gehe ich auch regelmäßig zur Krankengymnastik, was sich leider nicht nur auf meinen Fuß bezieht, sondern auf das ganze Bein. So liege ich dann auf der Bahre und mache Übungen, die mir vor dem Unfall schon immense Schmerzen bereitet haben. Auch auf meinen Hinweis, das ich das vorher bestimmt nicht hin bekommen hätte, wird nur freundlich gelacht und dann auf mein jugendliches Alter verwiesen. Daraufhin lache ich und bedanke mich für die freundlichen Worte. Davon wird dann meine Hüfte aber auch nicht beweglicher. Und der stechende Schmerz im Oberschenkel nimmt davon auch nur zu und nicht ab.

Meine Hoffnung, das sich meine Bänder von selber wieder verlängern würden, wenn ich erstmal wieder richtig gehen kann, wird dann auch mit einem eher mitleidigen Blick kommentiert und dem Hinweis, das es später ein sehr schmerzhafter Prozess ist. Aufbauende Worte kann man doch immer gebrauchen. Manchmal frage ich mich, ob der Beinbruch eine so gute Idee war.

Zum Abschluß noch das namensgebende Lied. Allerdings in der Version von Johnny Cash, da dieser Mann einfach genial ist. Das Original kommt übrigens von NIN.

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One Response to I hurt myself today 4

  1. Tante sagt:

    Schön, dass es wieder bergauf geht.

    Das mit dem TV kann ich nur bestätigen. Eine Woche zu Hause und bettlägerig und du gehst beim TV-Schauen kaputt und fragst dich: „Wer sieht so`n Scheiß und wer bezahlt es?“ Man(n) verblödet vollständig.

    Bis auf die Textpassage „I remember everything“ hat das Liedchen tatsächlich etwas. Sehr schön.

    See you next week!?

    Greetings,

    Tante

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