Who watches the watchmen?

26/08/2009

Ich muß nochmal ein wenig zurück rudern. Und zwar zum Eintrag Quis custodit custodes?

Da habe ich irgendwie am Thema vorbei geschrieben. Wäre das ein Aufsatz in der Schule gewesen, hätte ich, nicht zu unrecht, nur 03 Punkte dafür bekommen und ein nettes „Thema verfehlt“ und meinen Erguß bekommen. Daher möchte ich jetzt zunächst ein paar Sachen klären und dann das Thema nochmal neu anfassen und meinen Standpunkt ein wenig besser erläutern.

Punkt 1: Ich bin nicht rechts radikal. Ich bin auch nicht links radikal. Jedesmal wenn eine politische Richtung mit einem radikal ergänzt wird, kann da etwas nicht richtig laufen. Egal ob Rechte oder Linke, die haben für mich alle einen an der Klatsche. Wegen mir kann man die ganzen Kaputten in einen großen Käfig sperren und dann können die sich so lange auf die Omme hauen, bis sie nur noch fähig sind zu atmen. Dann richten sie auch keinen Flurschaden mehr an. Und vor allem müßen sich dann keine Polizisten dazwischen stellen und auch noch Schläge bekommen.

Punkt 2: Ich halte es für gefährlich Dinge zu verteufeln oder zu verbieten. Mit einem Verbot erhöhe ich nur den Reiz einer Sache. Ich mache es interessant für die Leute, denen es verboten wurde. Ich halte es für unsinnig ein Symbol verbieten, weil es das Zeichen der Nationalsozialisten war. Immerhin haben diese Leute Greultaten begangen. Und jeder der noch ein wenig Grips im Kopf hat, wird sich ein solches Zeichen nicht auf die Fahnen schreiben. Und wenn doch, dann soll er es doch machen, schreibt er damit seinem Gehirn doch eine Nichtfunktion aus. Warum regt man sich eigentlich darüber auf? Von mir aus können sich doch die ganzen Fascho-Idioten ihr linkes Ei mit Hakenkreuzen tätowieren. Selber schuld, sage ich da nur.

Punkt 3: Ich bin einfach nur an der Geschichte interessiert. Da ich Deutscher bin, setze ich mich nun mal am liebsten mit der deutschen Geschichte auseinander. Die Schule hat dann dafür gesorgt, das ein Großteil eben das Dritte Reich und der 2. Weltkrieg ist. Ich habe die Berichte darüber verschlungen. Das Interesse begann mit dem Krieg an sich. Als Junge hatte ich dafür eine Faszination. Doch als ich tiefer in die Materie einstieg war es nicht nur der Krieg, sondern vor allem, wie es überhaupt so weit kommen konnte. Und ich bin auch der Meinung, das man nur mit einem gesunden Interesse auch verhindern kann, das so was wieder passiert. Gehe ich mit geschlossenen Augen durch die Welt und mit einer Null Bock Einstellung in die Schule, dann bin ich doch eher empfänglich für Hetzparolen aus den rechten und linken Lagern.

Das erstmal dazu. Kommen wir nun zum Hauptthema.

Was mich ein wenig beunruhigt ist die Verbotschwemme die über Deutschland geht. Beschäftigt man sich ein wenig mit Computerspielen, dann hört man laufend, das hier was indiziert wurde. Dort wurde was weggeschnitten, weil es zu brutal ist oder weil an der Wand Hakenkreuzflaggen wehen. Das macht ja nicht nur vor Computerspielen halt, sondern, wenn es um Gewalt geht, werden auch mal Filme geschnitten.

Warum? Warum entscheiden andere Leute für mich, was ich sehen darf und was nicht? Wie kann jemand entscheiden ob die Szene in der Wolverine, einen Menschen im abgestürzten Hubschrauber tötet für mich nicht geeignet ist? Hat er mich persönlich kennen gelernt? Hat er meine Psyche analysiert? Ich kann mich nicht daran erinnern. Vielleicht ist das ja auch eine geheime Verschwörung der Regierung bei der sie jeden Mitbürger entführt hat, ein psychologisches Profil erstellt hat, ihm dann eine Gehirnwäsche verpasst hat und zurück in die freie Welt entsendet hat. Hmm, hat ja Jemand „Matrix“ gesagt?

Warum pappt man dann nicht einfach einen großen dicken ab 18 Jahren Aufkleber auf die Packung und gut ist. Laut Verfassung ist man ja ab 18 Erwachsen und kann sich so etwas angucken. Und wenn man bei der Regierung nicht der Meinung ist, dann kann man ja auch die Reifheitsgrenze nach oben setzen. In den Staaten geht es ja auch ab 21 Jahren. Hier kann man aber einfach als starkes Gegenargument bringen, das man ja ab 18 zur Bundeswehr eingezogen werden kann. Also alt genug um auf das Töten vorbereitet zu werden, aber anscheinend noch nicht alt genug um sich Tötungsszenen im TV anzugucken.

Und wer überwacht denn die Leute, die entscheiden, was geschnitten/indiziert/verboten werden soll? Wer sagt denn das diese Leute die richtige Entscheidung treffen? Vielleicht machen sie ja was explizites falsch und bringen uns alle an den Rand des Wahnsinn? Vielleicht sind durch ihren Schnitt- und Indizierungswahn die ganzen Amokläufe ausgelöst worden? Vielleicht hat auch der Hund der Kanzelrin schlecht geschissen, weil diese Leute „Watchmen“ geschnitten haben? Man weiß es nicht.

Ich finde es nur nicht gut, das es einfach so passiert und das gemeine Volk da kein Mitspracherecht hat. Mich hat keiner gefragt, ob es mir gefällt wie meine Rechte beschnitten werden. Es geht immer einen Schritt weiter. Dies ist nicht geeignet, das kann man dem Volk nicht zeigen, hier ein Schnitt, da ein Verbot. Und ehe wir uns versehen, werden wir überwacht. Beispiele gibt es am laufenden Band. Reale oder fiktive. Mir gefällt es ganz und gar nicht, das die Regierung der Meinung ist, gewisse Sachen seien für mich nicht geeignet. Es macht ein ungutes Gefühl. Ein ungutes Gefühl zwischen Regierung und den Bundesbürgern. Vielleicht sind wir als Volk nicht vertrauenswürdig. Steuern kassiert man aber trotzdem gern.

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Wenn ich mal groß bin… Reboot

22/08/2009

Die Geschichte mit dem Leben als FHM Redakteur lässt mich ja irgendwie nicht los. Also, wie stelle ich mir ein Tag im Paradies im Leben eines FHM-Redakteurs vor?

Die Vögel schreien bereits sehr laut vor dem Fenster. Ein leichtes Augen öffnen verrät mir, das die Sonne bereits ihre Aufgabe macht und den Rest der Welt erhellt. Der Vorhang in meinem Zimmer tut sein nötigstes und versucht die Helligkeit aus zusperren. Dies gelingt ihm nur halbwegs. Die Uhr zeigt 0930 Uhr, wann ich zu Hause war kann ich nur an Hand der Anrufliste in meinem Telefon nachvollziehen. Wer um alles in der Welt ruft sich bereits um 0332 Uhr ein Taxi. Ach ja, gestern war ja Dienstag und Kollege D wollte schon wieder auf die Theke steigen.

Nun ja, ich rolle aus dem Bett und versuche ein wenig klar zu kommen, immerhin muß ich ja gleich arbeiten. Zum Glück in der FHM Redaktion. Als ich dort ankomme, bin ich der Erste. Die Kollegen der Schwesterzeitschriften gucken schon wieder so böse und schütteln leicht mit dem Kopf. Ich meine auch Stimmen gehört zu haben, die mich beleidigt haben, aber die könnten auch nur in meinem Kopf gewesen sein. Es reicht wunderbar nach Kaffee im Büro. Bin ich doch nicht der Erste? Ahhh, wir haben ja seit kurzem einen Praktikanten, der sich um alle niederen Dienste um grundlegende Sachen kümmert. Kaffee kann er schon mal machen. Damit er mir nicht auf den Kranz geht, lasse ich ihn 200 Kopien von einem weißen Blatt machen, sage ihm aber das es ein Geheimdokument ist und er soll ja die richtige Seite kopieren. Sonst gibt es Lack von ganz oben! Vorher lasse ich ihn mir noch einen Kaffee bringen. Diese wohltuenden Düfte, die Vorfreude auf dieses wunderbare Regenerationsgetränk sind einfach wunderbar. Es wird einzig und alleine noch vom Konter-Bier übertroffen.

Nach und nach rücken auch Kollege A, C, D und E an. Nur B scheint noch scheintot zu sein. Ein kurzer Anruf unsererseits auf seinem Telefon weckt ihn und versetzt ihn in leichte Panik. Zur Besprechung schafft er es nicht mehr, was so viel heißt, das er das letzte Thema bekommt. Naja, aber so schlimm wird das auch nicht werden.

Die Besprechung selber verdient den Namen eigentlich nicht. Wir kippen Kaffee in uns rein und lassen den Vorabend Revue passieren. Wir lachen viel und labern tonnenweise Scheiße. Mittlerweile ist auch Kollege B angekommen und das Ganze fängt nochmal von vorne an. B tanzte ja auf dem Tisch, während A und E sich gerade beim Kickern abziehen lassen mußten. Es konnte daran liegen, das sie bereits doppelt gesehen haben. Und wenn man mit einer Hand ein Auge zu halten muß, dann hat man ja nur noch eine Hand um den Kicker zu bedienen. Anders gesagt, man hat entweder einen Ball zu viel oder zwei Hände zu wenig. Man selber hingegen saß angenehme an der Theke und beobachtete die holde Weiblichkeit. Es hat durchaus Vorteile in einer Studentenhochburg zu wohnen. Wo sind eigentlich die anderen Frauen, die bereits im Berufsleben stehen? Ach ja, die müssen ja am nächsten Tag arbeiten. Muß man halt bis zum Wochenende warten.

So, die Besprechung war sehr erfolgreich. Die Kollegen der anderen Zeitungen gucken zwar immer böse in den Besprechungsraum, weil wir aussehen, als würden wir die Party vom Vorabend auf der Arbeit weiterführen. Aber das ist alles harte Arbeit. Ganz ehrlich. Leider mußten wir die redaktionelle Besprechung auflösen, weil eine Kollegin der „Laura“ sich über den Lärmpegel beschwert hat. Dabei ist sie eigentlich ganz niedlich.

Der Tag rast vor sich hin. Es ist jetzt schon 1130 Uhr und vor dem Mittag muß ich noch meinen Artikel über die besten Katerbekämpfungsmittel hin schmieren. Naja, ich bin ja kreativ und das Internet ist mein bester Freund. Und so habe ich kurz nach der Mittagspause meinen Artikel fertig. Was wie die Faust aufs Auge passt. Denn gegen 1400 kommt der Fotograf an und fragt ob ich nicht Bock hätte mit zum Fotoschooting zu kommen. Gucke ich mir die Sonne an, dann habe ich wenig Lust und will ein wenig meinen Wasserhaushalt in einen grünen Bereich bekommen. Doch er sagt, ich hätte eh keine Wahl, da ich den Artikel über die Schwedinnen schreiben soll. Schwedinnen? Fotos? Sonne? Ich bin dabei.

Wir fahren also zu eine netten Location und die Schwedin fängt sich an in Pose zu schmeißen. Die Fotos werden einfach sensationell. Während die eine Schönheit vor der Kamera steht, befrage ich die andere zu ihrem Land. Sie ist begeistert das ich Eishockey-Fan bin und ich bin begeistert von ihrer ähh Ausstrahlung. Da ich ja der verantwortliche Redakteur für den Artikel bin, bin ich auch verantwortlich für das Abendprogramm. Sehr gut, mit wunderschönen Frauen einen trinken gehen. Die Kollegen haben sich schon angeboten, mit zu kommen, damit ich nicht so viel Arbeit habe. Sehr nett von ihnen. Aber so sind wir Kollegen in der FHM eben.

Der Rest des Tages bekommt man auch schon irgendwie vorbei und schon ist es Abends. Wir holen die Damen aus dem Hotel ab und begeben uns erstmal zum Essen. Alles auf Verlagskosten versteht sich. Immerhin ist das hier ja harte Arbeit. Nach dem Essen geht es dann erstmal in eine nette Kneipe, wo wir den Schwedinnen erstmal zeigen wo der Wastl den Most holt welche wunderbaren Eigenschaften Hefe-Weizen hat (Das ist gut für die Haut. Gerade bei der inneren Anwendung!). Dann kommt noch Schnaps hinzu, bei dem ich mich dezent zurückziehe, da ich aus Erfahrung weiß, wie es enden wird. Das lässt allerdings Fräulein Djurberg nicht durchgehen und zwingt mich Obstler mit ihr zu trinken. Ich armer Kerl. Die Schwedinnen lassen es richtig krachen, da Alkohol in Schweden ja richtig teuer ist. Gott sei Dank sind wir alle m Training. Seid vier Jahren. Nur der Praktikant, der seit zwei Wochen da ist, sieht ein wenig grün im Gesicht aus. Doch ein Blick auf eine der Schwedinnen lässt ihn wieder erstrahlen. Doch sein Gesichtsausdruck verändert sich schnell, als er sieht was sie ihm da mit bringt. Es ist grün und riecht nach Alkohol. Wir schließen schon mal Wetten darauf ab, wer morgen zu spät kommt. Der Praktikant steht hoch im Kurs.

Nach der Kneipe und den ganzen hochprozentigen Sachen habe ich eigentlich schon genug und wollte mich davon stehlen, doch wurde schnell eingehakt und schon ging es in einen Club, dessen Namen mir nur in einzelnen Buchstaben in Erinnerung geblieben ist. Irgendwas mit M, Q, U, O, L und D. Die Reihenfolge muß nicht stimmen. Die Musik hämmert auf mich ein und ich bin wieder auf Bier umgestiegen. Ich muß unbedingt zusehen, das ich mich weit von den Schwedinnen wegsetze. Die haben im Moment eh keine Probleme mit männlicher Gesellschaft, da alle Spitzlumpis in der Disco um sie herum tanzen und sich tierisch zum Affen machen.

Meine Uhr zeigt 05irgendwas Uhr, als wir den Club verlassen. Die Schwedinnen schlafen auf der Rückfahrt zu ihrem Hotel im Taxi ein. Die haben es gut, die können morgen ausschlafen und müßen nur nach Schweden zurück fliegen und ich muß mich wieder in die ultra harte Arbeit stürzen. Ich hoffe nur ich bin nicht der letzte. Doch wenn ich mir den missglückten Stagedive vom Praktikanten im Club in Erinnerung rufe, dann glaube ich mein Geld war gut angelegt. Übernächsten Monat besuche ich die Kollegen von FHM Schweden, da treffen ich dann die Schwedinnen wieder. Sie meinten, dann gehen wir mal richtig feiern. Mit selbstgebrannten Schnaps. Mir wird gerade richtig schlecht.

Als ich mich ins Bett lege, fangen die Vögel schon wieder an zu schreien und die Sonne versucht sich durch den Vorhang in meinem Schlafzimmer zu kämpfen. Ich hoffe ich höre den Wecker nicht.

Also ich bin mir fast sicher, das so ein Arbeitstag im Leben eines FHM-Redakteurs aussieht. Ich muß mir noch ein paar Klemmordner besorgen, damit ich die Bewerbungsunterlagen los schicken kann.


Wenn ich einmal groß bin…

19/08/2009

Einmal im Jahr kaufe ich mir die FHM. Und zwar gegen Ende des Jahres, weil da ein Kalender mit dabei ist. Ein Kalender auf dem 12 hübsche Frauen abgebildet sind. Und das ist so ein Kalender, den man sich auch öffentlich aufhängen kann, da die Frauen alle noch etwas an haben. Und vor allem sehr gut aussehen.

Eigenlicht könnte ich die Zeitung selber gleich in das Altpapier schmeißen, aber da macht man dann ja doch nicht und wirft einen Blick hinein. Und jedes Mal denke ich mir, was denn da für eine Scheiße drin steht. Mal ganz ehrlich, kein Artikel in der Zeitung kann man ernst nehmen. Allerdings sind die Fotostrecken der Frauen immer sensationell. Dafür haben sie nun wirklich ein Händchen. Und während man sich dann wundert, was für eine gequirlte Scheiße dort abgedruckt wird, schießen einem Gedanken durch den Kopf. Eigentlich ist Redakteur bei der FHM ein recht guter Job.

Warum? Weil man dort für das Scheiße labern bezahlt wird. Wie läuft das in den Hallen dort ab? Man kommt morgens zur Arbeit, macht sich Kaffee und trifft sich zum kreativen Zusammen sitzen. Dann werden Geschichten vom Wochenende ausgepackt oder gar vom Vorabend. Man lacht viel, guckt sich Fotos von hübschen Frauen an, die eventuell in die nächste Ausgabe sollen und trinkt noch mehr Kaffee. Später am Tag setzt man sich dann hin und schreibt, den Dünnpfiff den man den ganzen Vormittag gelabert hat auf und bringt ihn irgendwie in Druckform. Irgendwann guckt man sich dann weitere Fotos von hübschen Frauen an. Oder aber man fährt mit zu den Fotosessions, lernt die Frauen persönlich kennen und geht hinterher mit ihnen einen trinken. Jessica Alba, Megan Fox, Jessica Biel (Man beachte die zwei Spitzlumpis im Hintergrund. FHM-Fotografen?) und was weiß ich wen noch. Geht es eigentlich noch besser?

Ich glaube so etwas könnte mir auch gefallen. Zumal den größten Mist konnte ich immer labern, wenn ich am Vorabend unterwegs war. Ich kann mich an Sessions bei Felkl im Zimmer erinnern, wo wir soviel Stuß geredet haben, das wir zeitweise das Zimmer wechseln mußten, damit es nicht aus allen Nähten platzt. Natürlich müßte ich dementsprechend viel verdienen, damit ich das ganze Ausgehen auch finanzieren kann. Und flexible Arbeitszeiten bräuchte ich da auch. Und das mit Frauen gibt es dann als Zugabe oben drein.

So, ich werde dann mal gucken wie ich meine Bewerbungsunterlagen für die FHM interessant mache.


Quis custodit custodes?

14/08/2009

Zu deutsch „Wer bewacht die Wächter?“ oder zu angelsächsisch „Who watches the watchmen?“.

Dabei ist keineswegs die Polizei oder gar die Bundespolizei gemeint, die haben wohl genügend Leute, die denen auf die Finger schauen. Vielmehr meine ich damit die Jugendschützer und Verfassungsschützer.

DAS wir Deutschen ein Problem mit unserer Vergangenheitsbewältigung haben, dürfte ja im allgemeinen hin bekannt sein. Werden wir im Ausland oder von Ausländern auf das dritte Reich angesprochen, zucken wir automatisch zusammen und das Schuldbewustsein meldet sich lautstark zu Wort. Warum nur? Ich bin der Meinung weil wir damit viel zu verklemmt umgehen, weil es uns so von jeher eingebleut wurde. Wir sollen uns für die Vergangenheit schämen. Auch wenn 95% der Bevölkerung mit den Geschehnissen im dritten Reich nichts mehr zu tun hat. Nur weil Opa in der Wehrmacht war, kann ich doch dazu noch lange nichts. Was allerdings in unserer Verantwortung liegt, ist die Tatsache, das so etwas nicht wieder passiert. Aber das ist ein anderes Thema und soll hier nicht diskutiert werden.

Ich bin begeisterter First Person Shooter Spieler. Das sind die verteufelten Spiele, in denen man durch die Gegend läuft und andere Leute über den Haufen schießt. Die öfter mal in den reißerischen Medien erwähnten Killerspiele. Ein Großteil dieser Spiele baut auf diversen Kriegen auf. Vietnam, imaginäre Zukunftskriege und ein Löwenanteil besitzt der 2. Weltkrieg (seltsamerweise gibt es kein Spiel vom 1. Weltkrieg). Warum auch nicht. Ein perfektes Szenario für einen First Person Shooter. Mehr oder wenige taktische Kämpfe basierend auf mehr oder weniger realen Schlachtfeldern.

Doch wirft man die deutsche Version dieser Spiele an, wird auf die Authentizität geschissen. Schleicht man sich an deutsche Stellungen heran, wehen davor keine Fahnen mit Hakenkreuz, sondern das Hakenkreuz ist durch ein stilisiertes „Eisernes Kreuz“ ersetzt worden. Und so geschieht es mit allen Sachen, auf denen dieses Symbol abgebildet ist.

Warum? Weil dieses Symbol in Deutschland verfassungswidrig ist. Erlaubt ist in Deutschland eine Hakenkreuzdarstellung nach § 86 Absatz 3 StGB nur, wenn sie „der staatsbürgerlichen Aufklärung, der Abwehr verfassungswidriger Bestrebungen, der Kunst oder der Wissenschaft, der Forschung oder der Lehre, der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte oder ähnlichen Zwecken dient“ [Quelle: wikipedia.org]. Heißt auf gut deutsch, das man wohl Filme und Dokumentationen machen kann die nur so von Hakenkreuzen strotzen, aber in Computerspielen ist es verboten. Verstehe ich zwar nicht so ganz, aber anscheinen kann man Hollywoodunterhaltungsfilme ohne Probleme in oben genannte Kategorie einordnen, aber Computerspiele eben nicht. Da ist es dann auch nicht so schlimm, wenn namenhafte Schauspieler den rechten Arm nach oben reißen und „Heil Hitler“ schreien. Passiert so etwas, in einem meiner Meinung nach ähnlichen Unterhaltungsmedium, wie einem Computerspiel, dann wird es gleich in Deutschland verboten. Finde ich eine Frechheit.

Man verstehe mich bitte hier nicht falsch. Ich bin weder rechts noch verehre ich das Hakenkreuz oder das was die Nationalsozialisten mit und in Deutschland und Europa angerichtet haben. Ich finde nur Realismus in Computerspielen einfach fantastisch. Dazu gehört für mich, das Blut spritzt, das Körperteile abgetrennt werden und das politische Symbole an den entsprechenden Stellen stehen. Es macht das Spiel einfach realistischer, das Ziel eines jeden Spieles.

Aber nein, schon treten Personen auf den Plan, die meinen den erwachsenen, mündigen Bürger etwas vorschreiben zu müssen. Da werden allzu brutale Spiele verboten. Spiele mit verfassungswidrigen Inhalten werden verboten. Dabei könnte ich solche Sachen durchaus verstehen, wenn man in einem Spiel die Rolle eines Nazis übernimmt und für den Sieg des dritten Reiches kämpft. Aber nicht, wenn an einigen wenigen Stellen ein paar Hakenkreuze auf Flaggen oder in Reichsadlern eingemeißelt sind. Wie kann den ein Symbol, bestehend aus ein paar Strichen, so gefährlich sein? Gefährlich und verantwortlich für die Schreckensereignisse der damaligen Zeit waren Personen, größenwahnsinnige Menschen. Und der Anführer kam, wenn ich richtig informiert bin, aus Österreich. Sollten dann nicht vielleicht Österreich verboten werden?

Man hört immer das Sozialpädagogenpack die Jugendschützer ganz schlau daher reden, das solche Computerspiele viel zu brutal seien und die Jugend nur verroht. Hat man denn vielleicht mal daran gedacht, das solche Spiele dann auch zur Abschreckung eingesetzt werden können? Warum nicht ein wirklich realistisches Spiel entwickeln. Ein wirkliche Kriegssimulation. Mit abgerissenen Körperteilen durch Granaten oder Mienen. Mit Bauchschüssen, mit schreienden Menschen, die Angst haben oder verletzt sind. Vielleicht schreckt das mehr ab, als das es begeistert. Das nur als Vorschlag, da ja alles andere was sich in den hohen Rängen der Politik so ausgedacht wird, bisher nicht funktioniert hat.

Seltsamerweise hege ich keine Mordgedanken oder plane einen Amoklauf. Obwohl ich mit Begeisterung solche First Person Shooter spiele. Warum nur? Ich denke, das ich einfach ein gesundes Maß an Intelligenz besitze. Ich kann richtig von falsch unterscheiden. Ich habe eine gute Erziehung genossen in der mir meine Eltern beigebracht haben, was es heißt ein aufrichtiger Mensch zu sein. Dazu habe ich eine gute Bildung genossen. Und ein gesundes Interesse an der Vergangenheit, der Gegenwart und an dem was um uns herum passiert. Kurz gesagt, ich bin mit einem gesunden Menschenverstand gesegnet. Hat man so was, kann man eigentlich nicht viel falsch machen. Und daran ändern Hakenkreuze in Computerspielen auch nichts.


I hurt myself today 4

11/08/2009

Nun bin ich also seit geraumer Zeit aus dem Krankenhaus wieder zu Hause. Die Tage im Krankenhaus waren wirklich unglaublich langweilig. Von den Besuchern und den netten Schwestern mal abgesehen. Man kann halt nicht so leben wie man es gewohnt ist und nicht die Dinge tun, die man machen würde wenn man zu Hause wäre. Außerdem war der Fernseher unglaublich Scheiße an der Decke angebracht. Die Gnade des Halbgottes in weiß hat mich dann auch einen Tag nach meinem Geburtstag nach Hause geschickt. Was war ich froh!

Ich dachte das es nun mit rasenden Schritten bergauf gehen würde. Aber wenn man ein gebrochenes Bein hat, dann hat sich das was mit rasenden Schritten. Ich glaube eine Schnecke würde mich überholen können. Zumindest bergauf. Dabei war es ja noch nicht mal die eingeschränkte Bewegungsfreiheit, sondern dieses fiese ziehende und pulsierende Gefühl im Bein, wenn ich es mal in eine normale Position halten wollte. Sobald nämlich das Bein in Richtung Boden bewegt wurde, schoß Blut in die Gefäße und ließ alles irgendwie anschwellen. Gepaart mit einer geklammerten Narbe, gibt es da ganz tolle Gefühle, die einen ein wenig die Wand hoch laufen lassen wollten. Wäre da nicht die Sache mit den Krücken. Übrigens sind harte Gegenstände die auch als Schlaginstrurnent gebraucht werden können, eine ganz schlechte Sache in den Händen eines gefrusteten Mannes, der Schmerzen im linken Unterschenkel hat, zu denen nur er was kann. Ich mußte mich manchmal sehr zusammen reißen, nicht irgendwelche unschuldigen Gegenstände wie Türen oder Stühle zu Trümmern zu schlagen.

Seit letztem Donnerstag sind nun aber auch die Klammern aus meiner Narbe entfernt worden. Ein Termin, auf den ich mich nicht wirklich freute, wohl aber keine andere Wahl hatte. Also fand ich mich am Donnerstag im Krankenhaus ein, um meine getackerte Narbe (Achtung! Narbenfoto, angucken auf eigene Gefahr!) zu enttackern. Das Versprechen des Arztes im Vorfeld, das es dazu ein gesondertes Gerät geben würde, ließ mich nicht gerade ruhiger werden. Immerhin war ich mir nicht ganz so sicher, ob die Klammern nicht wirklich so appliziert waren, wie die gemeine Heftklammer!

Bei solchen Angelegenheiten hilft allerdings kein Winden und nicht Wollen, sondern einfach das Kommende über sich ergehen zu lassen. Immerhin habe ich bereits einen Beinbruch hinter mir. So legte ich mich also auf den Tisch und freute mich auf das spezielle Gerät, das zum Klammern ziehen benutzt werden sollte. Tja, das stellte sich dann als handelsübliche Zange heraus. Gut, es war jetzt keine Rohrzange, sondern bestimmt irgendeine spezielle Zange mit einem ganz wildem Namen aus dem OP-Bereich. Aber so speziell sah das Gerät nun nicht gerade aus. Vielleicht hatte der junge Oberarzt auch von dem speziellen Gerät noch nicht gehört. Sein Akzent aus dem osteuropäischen Ausland ließ mich schnell Schlussfolgerungen ziehen. Nichtsdestotrotz vertraute ich auf die Fähigkeiten des Arztes. Ich meine, man macht ja nicht jeden zum Arzt. Auch nicht in Polen. Oder?

Die „Schmerzen“ waren ertragbar. Was schreibe ich eigentlich von Schmerzen? Es war mehr ein Gefühl als würde man ein Pflaster an einer Stelle applizieren und gleich wieder abreißen, an der dann vorher viel Haare gewesen sind. Allerdings ein Pflaster mit guter Klebekraft.

Das Ergebnis war allerdings umwerfend (Auch hier wieder Narbenfotogefahr!). Dieses ganze Gefühl, als würde mein Bein bald platzen, wenn ich es dem Boden nährte wurde stündlich besser. Die Klammern hielten nichts mehr fest und konnten nicht mehr ins Fleisch schneiden. Eine wahre Erleichterung. Und was noch viel besser ist, ist das ich nun auch ohne dämliche Plastiktüte um mein Bein duschen kann. Außerdem gibt es durchaus Vorteile im Sitzen zu duschen. Es strengt wenig an und man fällt nicht so schnell um.

Wie geht es sonst so? Es geht. Mehr oder weniger. Ich humpele halt auf meinen Krücken durch die Welt und versuche mein Fuß beweglich zu halten. Ich bin ja der Meinung, das ich schon ganz tolle Fortschritte mache, allerdings holen mich dann Arzt und Physiotherapeutin schnell wieder auf dem Boden der Tatsachen zurück. „Wie sie bekommen ihren Fuß noch nicht wieder einmal um den Kopf geschlungen? Ganz schlecht!“

Wie man sieht gehe ich auch regelmäßig zur Krankengymnastik, was sich leider nicht nur auf meinen Fuß bezieht, sondern auf das ganze Bein. So liege ich dann auf der Bahre und mache Übungen, die mir vor dem Unfall schon immense Schmerzen bereitet haben. Auch auf meinen Hinweis, das ich das vorher bestimmt nicht hin bekommen hätte, wird nur freundlich gelacht und dann auf mein jugendliches Alter verwiesen. Daraufhin lache ich und bedanke mich für die freundlichen Worte. Davon wird dann meine Hüfte aber auch nicht beweglicher. Und der stechende Schmerz im Oberschenkel nimmt davon auch nur zu und nicht ab.

Meine Hoffnung, das sich meine Bänder von selber wieder verlängern würden, wenn ich erstmal wieder richtig gehen kann, wird dann auch mit einem eher mitleidigen Blick kommentiert und dem Hinweis, das es später ein sehr schmerzhafter Prozess ist. Aufbauende Worte kann man doch immer gebrauchen. Manchmal frage ich mich, ob der Beinbruch eine so gute Idee war.

Zum Abschluß noch das namensgebende Lied. Allerdings in der Version von Johnny Cash, da dieser Mann einfach genial ist. Das Original kommt übrigens von NIN.


I hurt myself today 3

06/08/2009

Die Tage im Krankenhaus waren anfangs noch recht angenehm. Man bekam den Arsch nachgetragen und konnte den ganzen Tag im Bett liegen bleiben. Die Schwestern waren zu 50% unter 35 und sehr hübsch. Aber auch das kann einem schnell auf den Kranz gehen. Zumindest das im Bett liegen, die Schwestern hingegen kann man sich ja den ganzen Tag lang angucken und Abends mit Beleuchtung. Ohne Probleme. Bei mir hat die Langeweile nach gerade mal zwei Tagen angefangen.

Die Highlights eines solchen Standard Krankenhaustages waren zum einen die Hauptmahlzeiten. Die allerdings wurden immer eine Stunde früher serviert, als man es erwartet hat. Frühstück gab es um 0700 Uhr. Mittag um 1130 Uhr und Abendbrot um 1700 Uhr. Klar, im Krankenhaus hat man nicht so viel Zeit, da muß man rein hauen, das man seinen vollen Tagesplan irgendwie unter bekommt. Kaffee gab es auch noch, aber da habe ich schon auf das Stück Kuchen verzichtet, da es eh schon genügend zu Essen gab. Ein weiterer Höhepunkt war dann noch die abendliche Thrombosespritze. Nichts wovor man Angst haben muß. Vor allem nicht wenn sie von hübschen Schwestern verpasst wird. Da verzeiht man dann auch gerne mal kleinere oder größere blaue Flecke. Ab Mitte der Woche gab es dann Lymphdrängen und Krankengymnastik. So kriegt man die Tage schon rum. Nicht!

Nun gibt es verschiedene Möglichkeiten der Langeweilebekämpfung. Zum einen konnte man alle fünf Minuten auf den Schwesternknopf drücken und hoffen das Schwester Stefanie um die Ecke kommt und ihre einem die Kissen nochmal aufschüttelt. Aber das klappt vielleicht nur am ersten Tag und dann reagieren die Schwestern leicht ungehalten und drohen mit eventuellen Kathedern oder Einläufen.

Dann gibt es da ja noch unseren guten alten Freund das TV Gerät. Als Mitglied der arbeitenden Bevölkerung, komme ich ja nicht oft in den Genuß das TV Programm am Vormittag zu genießen. Und was bin ich froh, das ich Arbeit habe und meinen Tagesablauf anders gestalten kann. Im Fernsehen kommt ja nur gequirlte Scheiße. Aber zwei Mal gequirlte Scheiße. Kein Wunder das Deutschland langsam aber sicher verblödet. Richtershows, Talkshows, Hilfe meine Familie ist dumm wie Brot, Männer versuchen den Haushalt zu schmeißen und wundern sich warum man mit dem Schlagbohrer keine Schlagsahne machen kann, Erziehungsshows, Verkaufssender und vielerlei Rotz mehr. Ich glaube, ich habe die richtige Entscheidung getroffen und gucke keinen TV mehr. Da kommt wirklich nur Scheiße. Das einzige was ich mir gegönnt habe, waren die Simpsons zum Abendbrot und dann vielleicht noch die x-te Wiederholung von CSI.

Da greife ich doch lieber zum Buch oder zu Zeitschriften, mit nackten Frauen. Wobei es da ja bestimmt auch genügend Schund gibt. Ich möchte mit FHM gar nicht erst anfangen. Außerden Fotos kann man sich ja da nichts angucken. Bücher kann man sich aber dennoch selber auswählen und auf Qualität achten. So habe ich dann auch die meiste Zeit der Langeweile überbrückt.

Ich bin auch zu der Erkenntnis gekommen, das Zeit unterschiedlich schnell verläuft. Nehmen wir an man befindet sich auf einer Hochzeit. Da fliegt die Zeit mit Mach 5 an einem vorbei. Ehe man zwei mal mit den Liedern geschlagen hat, sind drei Stunden voller Spaß und Unterhaltung vorbie und man sitzt vollstramm im Fahrdienst nach Hause und will unbedingt beim Fahrer auf die Hupe drücken, weil man der Welt mitteilen will, das man nun nach Hause fährt. Ziet hat hier ungefähr die Viskosität von Alkohol. Befindet man sich allerdings an einem unschönen Ort, wie dem Krankenhaus (von den Schwestern mal abgesehen), dann nimmt die Zeit eine ganz andere Zähigkeit an. Man fühlt sich eher wie ein Insekt, das gerade von einem Tropfen Harz gefangen genommen wird und mit einem Viertel der Geschwindigkeit einer Weinbergschnecke überrollt wird. Und genau diese Mischung gibt dann die Normzeit. Die schneller verlaufende Zeit und die langsamer verlaufende Zeit wird in einen Topf geschmissen und dann daraus das Mittel errechnet und Zack haben wir die Zeit, die auf unserer Armbanduhr angezeigt wird. Man muß halt nur darauf achten, sich immer am richtigen Ort aufzuhalten.


I hurt myself today 2

03/08/2009

Ich erwachte am Samstag zu einer normalen Zeit. Normal für ein Krankenhaus und normal für ein doppelt gebrochenes Schienbein. Es war wohl 0730 Uhr. Die Schwestern wollten das Bett machen und meinten ich solle doch mal aufstehen. Mein Blick muß dann wohl gezeigt haben, das ich kein Wort von dem verstand was sie mich fragten. Also durfte ich liegen bleiben und mein Bett wurde eben gemacht, während ich operiert wurde. Das war dann so gegen 1000 Uhr. Meine Vorfreude wuchs. Vorher mußte ich noch einige erklärende Telefonate führen, die das spontane Auftauchen meines Fahrrads vor dem elterlichen Haus erklärten.

Und schon war es 1000 Uhr und ich wurde zur OP abgeholt. Hei, was war ich aufgeregt. Nicht! Zu meiner eigenen Überraschung muß ich ja sagen, das ich die Ruhe selbst war und kein bisschen aufgeregt war. Dabei sollte gleich an meinem matschigen Bein herum geschnippelt werden.

Ab ging es in den Vorraum zum OP, wo ich dann auf den OP-Tisch verfrachtete wurde. Natürlich alles vollautomatisiert und auch mein Bein tat nicht weh. Nicht das ich vorher eine Scheißegal Tablette bekommen hätte, eher ein Trank gegen Übelkeit, so wurde mir jedenfalls gesagt. Eine Platte schob sich unter mich und hob mich dann auf den eigentlichen OP Tisch. Ich warnte noch schnell die Anwesenden, ob denn die Lager auch stark genug wären, denn ich sehe leichter aus als ich eigentlich bin. Doch da hielt alles. Wie der Blitz wollte mich dann der zuständige Narkose Typ in den eigentlichen OP schieben, doch beachtete er den Rammschutz der Tür nicht und schob mein gebrochenes Bein schön davor. Ich spürte zum Glück nichts und wies ihn freundlich darauf hin, das vorne etwas blockieren würde. Die hinzu eilende Schwester war nicht ganz so freundlich in der Wortwahl und es ging wieder vorwärts.

Es kam dann eine Art Vorbereitungsraum, wo mir dann an die linke Hand noch ein Zugang gelegt wurde. Das ich an der rechten Hand bereits einen Zugang hatte interessierte ihn nicht, außerdem hätte er mich dann drehen müssen. Naja, die Angst vor spitzen Gegenständen habe ich ja seit dem Blutspenden abgelegt. Also bekam ich einen weiteren Zugang und noch jede Menge Flüssigkeiten in mein Adersystem gepumpt. Was es war, kann ich nicht mehr sagen. Es müssen wohl diverse Anti-Allergikums, Betäubungsmittel, Schmerzmittel, experimentelle Drogen, Spiritus und was weiß ich noch alles gewesen sein. Mir ging es jedenfalls gut.

Im eigentlichen OP Saal kam dann die Schwester hinzu, die mich dann munter mit Elektroden beklebte. Und ich war auf Hochtouren. Ich laberte so viel Scheiße, das sie wohl später mit dem Kärcher durch den Saal gehen müssten um alles wieder weg zu bekommen. Fragt mich nicht was es war, aber es war einfach entspannend. Ich glaube, wenn ich in solchen Situationen gelange, bei denen ich unglaublich aufgeregt sein sollte, fange ich einfach an sinnloses Zeug zu erzählen. Manches davon ist dann auch noch lustig, denn wir haben alle herzlich gelacht. Vielleicht ist das auch der Grund warum ich nie gescheit Frauen ansprechen kann. Und dann wurde es schwarz.

Als ich wieder erwachte, war es knapp fünf Stunde später auf der Uhr und ich schwitzte mir einen Wolf. Ich muß wohl wie Espenlaub gezittert haben, als ich auf das Zimmer zurück gekommen bin und da hat man mich dann erstmal mit ordentlich Decken eingepackt. Mittlerweile war es dann aber auch schon gefühlte 45°C im Zimmer und die drei Lagen Decken waren nicht mehr von Nöten. Das Schlimme ist, das ich bei dem Bericht meines Zimmergenossen mich wohl daran erinnern konnte gezittert zu haben, aber die Augen nicht aufgekriegt habe. Sehr gruselig.

Als nächstes folgte eine etwas größere Anzahl an Telefonaten über meinen Verbleib. Nett wer alles an einen denkt, wenn man sich bis zum späten Nachmittag nicht gemeldet hat.

Der Rest des Nachmittags bestand aus kleinen Schläfchen, da ich fast von alleine von Zeit zu Zeit Ohnmächtig wurde. War ein verdammt gutes Zeug was sie mir da gegeben haben. Ich sollte mal das Personal fragen.

Vor mir lagen nun ein paar Tage Krankenhaus. Kann ja so schlimm nicht sein.


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