Shit goddamn

Es ist ja eine Unart zu fluchen. Aber, ich tue es einfach zu gerne. Wie sonst soll man auch seinem Unmut Luft machen. Da fluche ich doch lieber gepflegt, als das ich irgendetwas oder gar irgendjemand physisch Gewalt an tue.

Eine ehemalige Arbeitskollegin hat mich mal darauf hingewiesen, das ich doch recht oft fluche. Nun ja, das ist ja auch auf der Arbeit und da hat man mit Computern und semi-professionellen Stücklisten und Verwaltungsprogrammen zu tun, da hat man schon mehr den Grund schlechte Laune zu bekommen, als wenn man mit Freunden unterwegs ist oder auf dem Sofa sitzt und sich einen Film anguckt. Auf ihr Anraten hin, habe ich dann für einen Tag mal eine Fluchliste geführt. Was mich da am Ende des Arbeitstages erwartete, ließ mich schon ein wenig staunen. Die Zahl durchbrach locker die 50er Grenze.

Dabei kann ich locker zwei Situationen fest machen, bei denen die Fluchwahrscheinlichkeit sehr schnell der 1 nährt.

Auf Maloche der Arbeit

  • Ich arbeite täglich mit einem CAD-Programm. Früher häufiger, da ich da nur konstruiert habe. Mit CAD Programmen erstellt man am Computer Bauteile und leitet daraus Zeichnungen ab. Zwei hervorragende Aktivitäten, bei denen sich schnell Frust und Streß aufbaut. Vor allem weil die Programm oft nicht so wollen, wie man sich das gedacht hat. Dann haken sie hier mal oder der Server hängt dort mal. Der Frustfaktor verhält sich wie ein Benzinkanister, dem gerade ein Streichholz gezeigt wird. Sehr schön, die Anwendung von Freiformflächen und die entsprechende Fehlerausgabe, wenn man mal wieder zu dämlich ist, Flächen tangential ineinander laufen zu lassen. Oder aber man frickelt die ganze Zeit an diversen Baugruppen rum und plötzlich kommt die Sanduhr. Die Gedärme ziehen sich langsam aber sicher zu einem gordischen Knoten zusammen und man wagt noch nicht mal die Maus scharf an zugucken. Selbst wenn in der Fensterzeile „Keine Rückmeldung“ steht, glaubt man an ein Wunder und hofft das gleich alles wieder normal ist. Man denkt nach, wann man das letzte Mal gespeichert hat und merkt wie das Blut den Kopf verlässt. Kurz danach stellt man fest, das sich alle ProE-Fenster einfach so geschlossen haben. Kommentarlos, ohne ein Wort der Entschuldigung oder nur den Hauch einer Ausgabe einer Fehlermeldung. Das Blut was vorher den Kopf wasserfallartig verlassen hat, steigt nun mit gefühlten 125 bar zurück in den Kopf. Sagen wir mal so, meine Ausdrucksweise wird sehr schnell sehr blumig. Liebgewonnen Ausdrücke sind: „Scheiße“, „Fuck“ (und die mehrfache Aneinanderreihung der Worte) und „Du dämliches Mistprogramm, warum…“
  • Programme, die schon beim Starten mein Frustzustand in einen hellroten Bereich katapultieren, alleine aus dem Grund das ich mit ihnen arbeiten muß, sind sogenannte Vergewaltigungs Verwaltungsprogramme. Prädestiniert dafür Stücklisten zu schreiben und Lagerbestand zu kontrollieren, Zeichnungen aufzurufen und alles unglaublich kompliziert zu machen. Früher war es AMS, bei dem ich dann selber noch Stücklisten schreiben mußte. Heute ist es SAP, das ich „nur“ noch zur Information und zur Kontrolle nutze. Aber ich hasse die beiden Programm bis auf den Quellcode. Alles ist unglaublich unübersichtlich. Man nutzt diverse Zeichencodes, die keinen Sinn machen. Alles dauert unglaublich lange. Man weiß ganz genau was man sucht, aber weiß nicht wie man da hin kommt. Man muß sich durch drölftausend Menüs klicken, Untermenüs aufrufen, dämlich aussehende Pfeile drücken, um zu überprüfen, wo die DIN 912 M4 x 22 noch so alles eingebaut ist. Lieblingsphrase hier: „Ich hasse SAP!“ und dann gehe ich zu unserer Zeichnerin, bei der immer alles ganz einfach aussieht und man kommt sich ein ganz klein wenig doof vor.

Im Auto

Hier ist der häufigste Auslöser die allseits bekannte Schnarchnase. Dabei ist es egal, ob man ihr auf der Landstraße oder der Autobahn begegnet. Immer, aber auch immer ist sie der Grund, warum der Blutdruck nach oben schnellt. Da wird dann in der 100 km/h Zone nur 80 Sachen gefahren, weil es ja vor 7 Stunden geregnet hat. Die Kurve wird geschnitten, obwohl kein Grund dazu besteht (untermotorisierte Fahrzeuge mit nur 4 Zylindern fallen hier enorm ins Gewicht). Oder aber Parkkünstler, die es schaffen so neben einem zu parken, das man durch das Schiebedach einsteigen muß oder aber drei Parkbuchten auf einmal belegen, es aber nicht für nötig halten, doch nochmal zu korrigieren. Nachher zeigt man ja öffentlich das man zu doof ist zwischen zwei durchgezogenen Striche zu fahren. Hat man so einen Strategen im Teilnehmerkreis des Straßenverkehrs (grob geschätzt zu 100 % der Fall), fängt eine Auge schnell an zu zucken. Hier lasse ich dann meiner Kreativität freien Lauf. Ich möchte allerdings auf eine nähere Ausführung meiner Flüche verzichten. Sonst könnte ich hier schnell die Grenzen des guten Geschmacks durchbrechen und müßte eine Kontrolle des Jugendschutzes über mich ergehen lassen.

Ich weiß, das ist sehr schlecht für meinen Blutdruck, mein Herz und meine Gesundheit im allgemeinen, aber irgendwohin muß der Frust ja abgeführt werden. Dann lieber verbal, als physisch.

Ich muß allerdings sagen, das ich es vermeide vor Kindern zu fluchen. Dabei rede ich jetzt von den Kindern die noch nicht in der Schule sind. Die kennen meistens bessere Flüche als ich. Aufgefallen ist es mir, als ich neulich bei meinem Cousin zu Besuch war und ich mal wieder am Aufregen war über diverse Sachen, da habe ich schon bewusst auf gewisse Kraftausdrücke beginnend mit S verzichtet. Man gut, das manche Kontrollmechanismen funktionieren.

Update [13.07.09]: Ich hab es gewusst. Jetzt ist es sogar wissenschaftlich bewiesen!

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