Karma

In letzter Zeit habe ich mich ein wenig mit Karma beschäftigt. Zugegebenermaßen bin ich darauf gekommen, als ich TV geguckt habe. Eine der wenigen Serien die ich mir noch angucke ist „My name is Earl“. Eine der besseren Comedy-Shows der letzten Jahre. Sie handelt von Earl, der das Karma entdeckt hat. Grob umschrieben lief das so ab. Er klaut ein Rubbellos und gewinnt damit 100000 $. kann sich aber nicht wirklich darüber freuen, da er bei seinen Freudensprüngen von einem Auto angefahren wird, das Los verliert und im Krankenhaus landet. Dort sieht er eine Sendung von Carson Daly, der von Karma erzählt und ihm wird so einiges klar. Also erstellt er eine Liste mit seinen Schandtaten und versucht diese wieder gut zu machen. Frei nach dem Motto: „Do good things and good things will happen!“

Aber ich will ja hier nicht über die Serie berichten sondern über Karma selber. Wer möchte kann sich ja gerne diesen Artikel bei wikipedia.de durchlesen. Oder aber er tut sich meine Definition an. Im Großen und Ganzen hat Earl das ganze ja schon richtig aufgefasst: „Wenn man Gutes tut, dann widerfährt einem auch Gutes!“ Total simpel, doch stellt es sich meiner Meinung nach nicht so einfach dar. Zum Beispiel gibt es in den verschiedenen Religionen die mit Karma arbeiten, noch den kleinen Nebensatz, der darstellt, das es auch im nächsten Leben auf einen zurück fällt. Und vor allem wird der Satz noch ausgebaut. „Wer Böses tut, der wird auch Böses widerfahren!“. Denn wo Licht ist, da ist auch Schatten. Wäre Schlimm wenn nicht. Das haben sogar die Onkelz erkannt:

Alles,was Du tust, kommt irgendwann auf Dich zurück. – Das Messer und die Wunde, Böhse Onkelz

Wenn ich das oben beschriebene auf mein Leben reflektiere, dann würde ich jetzt spontan sagen, ich tue viel Gutes. Ich bin ein anständiger Mensch und lebe nach einem mir selbst auferlegten Kodex. Ich will jetzt hier gar nicht aufzählen, was ich alles dazu zähle, aber doch würde ich sagen, das die guten Sachen, die schlechten Sachen die ich tue, überragen. Und doch habe ich das Gefühl Karma verarscht mich ein wenig. Oder aber ich muß die ganze Karma-Geschichte weitläufiger betrachten als es mir lieb ist. Nämlich über meinen Tod hinaus, bis in das nächste Leben. Um es dann komplett verwirrend zu machen, kann ich auch sagen, das ich weit in die Vergangenheit blicken muß vor meine Geburt und in mein vorheriges Leben. Dann wird die ganze Geschichte ganz schön kompliziert. Es bilden sich dann nämlich zwei Möglichkeiten.

1. Möglichkeit

In diesem Leben tue ich viel Gutes. Gebe der Gesellschaft und der Gemeinschaft in der ich lebe, viel zurück. Viel mehr als ich von ihr bekomme. Weiterhin lebe ich nach gewissen Grundregeln, die ich mir selber auferlegt habe. Diese Regeln beinhalten natürlich keine schlimmen Sachen, sondern nur ehrenhafte. Dürfte ja klar sein. Das große Glücklichsein bleibt dann in diesem Leben aus und im nächsten Leben, lebe ich dann ein ganz fantastisches Leben. Sehr gut, Jackpot abgegriffen. Nicht!

2. Möglichkeit

Im vergangenen Leben habe ich jede Menge Dummheiten gemacht und muß nun in diesem Leben dafür halt anständig sein. Ihr wisst schon, ehrenhaftes Leben, sich nichts zu schulden kommen lassen und so weiter und so fort. Macht an sich ja auch wieder Sinn und ich habe wieder den Jackpot gezogen, daß ich im hier und jetzt nicht ganz so viel Glück habe. Da bleibt dann nur die ungewisse Frage, ob ich nur in dem Leben davor Mist gebaut habe oder auch in den unzähligen davor. Spontan fallen mir jetzt diverse Kriege, Kreuzzüge und ähnliche Scharmützel ein. Ich sollte mir unbedingt eine Zeitmaschine besorgen.

Voraussetzung für diese zwei Theorien ist der Glaube an die Wiedergeburt. Ich bin zwar katholisch erzogen worden, aber je mehr ich darüber nach denke gefällt mir die Idee der Wiedergeburt. Hier würde ich gerne die weisen Männer von Black Sabbath bemühen:

Dont believe the life you have will be the only one. You have to let your body sleep. To let your soul live on – A national acrobat, Black Sabbath

Kommen wir aber zurück zum Karma und dem eigentlichen Anlaß für diesen Artikel. Da ich mich mit Karma beschäftigt und mein Leben und mein Verhalten ein wenig dahin gehend analysiert habe, kam ich zum Schluß, das es für mich nicht so ganz funktioniert. Mir geht es schon ziemlich gut und das alles hört sich sehr nach Jammern auf hohem Niveau an. Aber doch habe ich immer das Gefühl, als würde noch ein kleines Quäntchen fehlen, dann wäre es nahezu perfekt. Zumindest hoffe ich das. Und trotz meiner vorbildlichen Lebensweise macht mir Karma einen Strich durch die Rechnung. Fand ich dann schon ein wenig unfair.

Bis ich dann Folge 16 „The Professor“ gesehen habe. Dort gibt Earl einen gestohlenen Laptop an eine äußerst heiße College Professorin zurück. Zwischen den Beiden funkt es und sie kommen sich näher. Doch hatte Earl auf der Hinfahrt ein Bushaltestelleschild umgenagelt und versprochen dies am nächsten Tag zu reparieren. Tat er aber nicht, weil er mit dem heißen Feger zusammen sein wollte. Nur zu verständlich. Nun zahlt es Karma ihm zurück mit Dartpfeilen, Frisbeescheiben und Bienenstichen. Als er dann auch noch Karma heraus forderte wurde auch noch seine Flamme von den Bienen angegriffen. Er stellte dann fest, das er in seinem Leben jede Menge Mist gebaut hat und nur weil er sich in eine hübsche Frau verliebt hat und sie in ihn, heißt das noch lange nicht das er sie schon verdient hat. Er wird die Liste weiter abarbeiten und versuchen ein besserer Mensch zu sein. Und irgendwann ist es dann soweit, das er die Richtige trifft und gefahrlos mit ihr zusammen sein.

Das hat mir ein wenig die Augen geöffnet. Ich finde Earl hat Recht!

 

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