Die Leiden des Elferrates

Die Karnevalszeit hat ja seit geraumer Zeit begonnen. Und sobald sich der Januar dem Ende nährt, wird in China nicht nur das neue Jahr begrüßt, sondern in Westerode wird der Büttenabend begangen. Ein bunter Blumenstrauß an Tänzen und Büttenreden wird präsentiert. Nicht alles mag jedem gefallen, aber mit ein paar Bier und Schnäpsen bringt man sich schon in die richtige Stimmung. Beinahe hätte ich es vergessen, da gibt es ja noch diesen unberechenbaren Faktor des Löwentors oder das Abbeizmittel aus Wattenscheid, wie es im Rest der Welt genannt wird. Doch wollen wir mal nicht über Alkoholexzesse sprechen. Wird eh überbewertet.

Wie vielleicht bekannt ist bin ich Mitglied im Elferrat. Ich möchte gar nicht darauf zu sprechen kommen, wie ich in diesem Verein Mitglied geworden bin. Auf jeden Fall ist es schon lange her und hat einige Biere an Überredung gekostet. Also den Präsidenten, nicht mich. Nun ist es ja so, das der Elferrat ja einmal da ist um zu buckeln. Bühnen auf- und abbauen, Kasse machen, diverse Utensilien durch die Gegend schleppen und das eine oder andere Bier zu trinken. Dabei ist natürlich darauf zu achten, das nicht zu viel getrunken wird und man nicht zu viel auffällt. Gerade Alt-Elferratsmitglieder stößt solches Benehmen immer ein wenig sauer auf. Klar, weil früher ja auch nur heißes Wasser getrunken wurden. Am Arsch die Waldfee! Eher glaube ich das Gandhi ein übler Schläger war.

Als Elferrratsmitglied ist man ja immer gerne mal ein Opfer der Büttenredner. Doch wenn man sich im Allgemeinen im Jahr nichts zu schulden gekommen lassen hat und auch sonst ganz brav war, kann man ruhigen Gewissen auf der Bühne Platz nehmen und sich mit Bier zu schütten. Gut, ich führe Logbuch über meine Eskapaden und bin daher leicht zu kontrollieren. Aber das tue ich ja mittlerweile schon im vierten Jahr. Und mein mehr als öffentliches Logbuch wurde bisher noch nicht erwähnt. Einzig mein Vorstoß in das dritte Jahrzehnt könnte erwähnt werden. War aber auch nichts außergewöhnliches. Von daher war ich ruhig. Hier mal ein Witz, da mal eine kleine Lästerei. Alles ertragbar und nicht gerade peinlich, da andere Mitglieder ebenso durch den Kakao gezogen wurden. Das muß man ab können als Elferratsmitglied.

Doch dann kamen die Hofsänger. Eine zusammen gewürfelte Sangesbrudertruppe, die Geschehnisse aus dem Dorf musikalisch aufbereitet. Sogar recht gut. Und sie ist arg zusammen geschrumpft, wenn ich das an dieser Stelle mal fallen lassen darf. Dennoch haben sie nicht an Orgininla Orogonal Ortholgonali Orgasmus Einfallsreichtum verloren. Ihr Auftritt war im zweiten Drittel des Büttenabends. Auf meinem Deckel standen bereits acht Bier verzeichnet und ein Löwentor hatte sich dazwischen gemogelt. Meine Darmwände versuchten also gerade ein Abbeizmittel auf schnellsten Wege in die Blase zu befördern, als die dritte Strophe ertönte. Es ging um die Mehrzweckhalle und den Umbau und den Anbau und um mich. Als ich meinen Namen gesungen hörte zog sich in meinem Magen plötzlich eine große Schaurabe an und zog dabei an empfindlichen stellen. Kennt ihr das Gefühl, wenn man zu tief im Bauchnabel stochert. Ich glaube dieses Gefühl, welches sich etwas weiter unten dann mit einem recht eigenartigen Gefühl bemerkbar macht, kennen nur die Männer. So etwa hat es sich eingefühlt. Mein Gesicht verlor plötzlich jegliche Mimik und ich harrte gespannt und mit einer vollen Buchse was es denn nun schon wieder über mich zu besingen gibt. Leider kann ich das volle Ausmaß des Verses nicht wiedergeben, da ca. acht Bier mein Kurzzeitgedächtnis außer Gefecht gesetzt hatten. Oder war es doch der Löwentor? Es ging jedenfalls um mich, meinen Einzug in dreimalzehnjahre und mein Single-Dasein. Und einer Besenkammer und was man in einer Besenkammer so alles machen kann. Ich fühlte alle Augen des Saals auf mir. Besonders die des Elferrates, die mich alle grinsend anblickten. Na toll!

In diesem Moment wusste ich, das mich eine Sache über die gesamten tollen Tage verfolgen würden. Die Besenkammer und diverse Aktivitäten die darin statt finden konnten. Es war klar, das es bereits an diesem Abend los gehen sollten. Wie kann ich dieses Gefühl beschreiben? Man stelle sich vor, man kommt an die Stelle an der man sein Auto abgestellt hat und findet nur einen leeren Platz vor. Beim ungläubigen Blick die Straße hinauf sieht man noch die Stoßstange um die Ecke verschwinden und hört den Abschleppwagenfahrer fröhlich hupen. Oder man steht in der Fußgängerzone und guckt zufällig nach oben, nur um den Eintritt eines kleinen Kometen zu beobachten. Während man also dort steht und die funkelnden Farben bewundert wundert man sich, warum dieser Weltall-Klumpen immer größer wird und genau auf einen zu kommt. Egal wie groß dieser Kiesel sein wird, die Atmosphäre hat ihn aufgeheizt und die Geschwindigkeit mit der er sich der Erde nährt würde einen Krater der Größe von einem 300C Mittelklassewagen hinterlassen. Und irgendwie hat man das Gefühl als würde man auf einem großen, roten Kreuz stehen. Kurz gesagt, es formten sich die Worte „Oh shit!“ in meinem Kopf.

Aber ich bin ja nicht umsonst im Elferrat. Vor allem wäre ich da total fehl am Platz, wenn ich solche Späße nicht verstehen würde. Ich danke sogar den Hofsängern, das sie mich in ihren Gesang aufgenommen haben, den auch wenn es eine fragwürdige Ehre ist, ist doch eine Ehre. Es hat auf jeden Fall Spaß gemacht. Ich überlege nur gerade ob es sich lohnen würde, auch mal eine Rede zu halten? In der ich dann vom Leder ziehe.

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