Vollgas

Der Freitag war irgendwie typisch. Wie immer wollte ich nichts machen und zu Hause bleiben. Unter wideren Umständen bin ich dann doch in Mingerode bei der Disco gelandet. Dort hatte der Karnevalsverein 30jähriges Jubiläum und dementsprechend aufgezogen. Der Eintritt war unverschämt teuer. Doch was will man machen, wenn man gerade mit dem Taxi vorgefahren ist. Einfach umdrehen und nach Hause gehen ist ja nicht. Außerdem hat man von draußen schon die Theke und das ganze Bier gesehen. Weiterer Nachteil waren die toffen Marken. Man mußte sich die Marken holen und dann bekam man was zu trinken. Eine Marke hatte den Wert von 1,40 €. da frage ich mich doch erneut, warum werden immer so krumme Preise gemacht. Die 10 Cent mehr hätten es dann auch nicht mehr gemacht. Naja, man findet sich dann halt mit der Situation ab und beugt sich der höheren Gewalt. Noch bevor sich nach bekannten Gesichtern umgesehen wurde, stürmte man auf die Markenbude zu und setzte die eben erworbenen pinken Marken in Bier um. Der Durst war immens und das Bier war unterirdisch. Nachdem man den letzten Schluck aus dem Mund entfernt hat konnten sich die Geschmacksknospen erst richtig entfalten. Und was da an das Gehirn weiter gegeben wurde, war keineswegs erfreulich. 9 Springe Ur-Quell. Geschmacklich in der Nähe einer Pfütze einzuordnen. Ich sehe jetzt schon die fragenden Gesichter, woher ich denn Informationen habe, wie eine Pfütze schmeckt. Sag ich aber nicht.

Porno hatte folgenden Auftrag von einer höheren Macht bekommen: Trinke so viel wie nur geht in möglichst kurzer Zeit. Bonuspunkte gibt es wenn möglichst alles durcheinander getrunken wird. Auftrag erhalten und bestmöglichst ausgefüllt. Bier, Schnaps, Mischungen, diverse Flüssigkeiten die auf der Theke umher schwammen alles ging rein. Und zwar so erfolgreich, das wir gegen 0100 Uhr die Segel streichen mußten. Gut, es war nicht besonders viel los. Was mir aber ein wenig für meine Lieblings-Ramona leid tat. Denn zum einen hatte sie Geburtstag und zum anderen durfte sie wohl bis 0200 Uhr weg. Da kommt dann ihr feiner Herr Bruder an, ist hacke voll und muß nach Hause. Gut, ich hatte auch genug und kann mich nicht mehr sicher daran erinnern, wen ich alles so getroffen habe, was mir dann am nächsten vorgehalten wurde. Aber ich hätte durchaus noch durchhalten können. Porno hat dann übrigens noch den Gott der Porzellanschüsseln bei Hüfte zu Hause angebetet. Wie er mir Tags darauf berichtete, hatte er auch daran keine Erinnerungen mehr. Da kann ich nur sagen, das die Mission erfolgreich ausgeführt wurde. Meine Lieblings-Ramona war natürlich leicht angesäuert über den frühen Aufbruch, auch das ist dem Porno entfallen. Der Vorteil beim Vollrausch ist ja, das man am nächsten Tag eigentlich ein gutes Gewissen hat, denn man kann sich an keine Schandtaten erinnern. Erst wenn man mit den Mitstreitern spricht, schüttet das schlechte Gewissen ordentlich Chemie in die Blutbahn und man bekommt Magenkrämpfe.

Mein Samstag hingegen war vollgestopft. Morgens habe ich illegalerweise Jense, Matze und Kai zum Bahnhof gefahren. Die waren ihrerseits auf Tour zum Fußballspiel und anderer wilder Sachen. Ich will gar nicht wissen, in wie viel Titten-Schuppen sie waren. Danach ging es mir ein wenig Scheiße und die Leute beim Mediamarkt haben sich bestimmt gewundert, ob ich gerade vom Saufen komme, denn mit der Fackel hätte ich nicht zu dicht an offenes Feuer gehen dürfen. Nachmittags ging es dann zum Geburtstagsmarathon. Zunächst zu Bernward, dem ich von der Feuerwehr aus gratulieren durfte. 1420 Uhr und das erste Pils ging über meine Lippen. Auf die Frage ob ich Kaffee oder Bier wollte antwortet ich automatisch mit Bier. Ich glaube ich habe die Alternativen gar nicht mehr abgewartet. Verdammte Gewohnheit. Bei Friede, der ebenfalls Geburtstag hatte ging es dann munter mit Kellerbier weiter. Und dann kam der krönende Abschluß des Abends. Auf zum Büttenabend in Mingerode. Ich hasste mich dafür, das ich zu allem immer Ja sagen. Denn Bock hatte ich nicht wirklich auf den Büttenabend. Ich hatte mehr Bock mich bei Friede zu betrinken und dann in Finkes Keller zu gehen um alte Zeiten wieder aufleben zu lassen. Aber nein, ich habe zugesagt als Abordnung vom Elferrat mit nach Mingerode zu kommen. Ist das bei Verbrechern nicht auch so, das sie immer zu Ort ihrer Verbrechen zurückgezogen wurden? Ich glaube ich befinde mich in einer ähnlichen Schleife. Da ich aber zu meinem Wort stehe, machte ich mich pünktlich auf den Weg und traf zusammen mit Stefan beim Schmierigen ein. Richtig ich würde den Abend mit Schmierpopel verbringen. Jedem dem ich das erzählt habe, verzog leicht das Gesicht und bestätigte mir, das es ein fieser Abend werden würde. Mir war das klar, aber wenigstens würde der ganze Alkohol den Abend nicht so schlimm werden lassen. Oder es artet erst richtig aus. Und so war es dann auch.

Die Plätze waren Scheiße, wenn ich mich mal vorsichtig ausdrücken darf. Aber ich hatte einen guten Ausblick auf eine extrem hübsche junge Dame am Nachbartisch. Die fühlte sich aber leicht gestört durch unsere ständigen Unterhaltungen. Mitbekommen hat man eh nicht so richtig von unseren Plätzen, also unterhielt ich mich ein wenig mit dem Schmierigen. Nebenbei beschloß er, das wir die Schnapskarte mal runter trinken. Warum kommen solche Vorschläge eigentlich immer, wenn ich dabei bin. Ich wehrte mich entschieden, wurde aber ausgelacht. Los ging es gleich mit dem Hammerschlag ins Gesicht. Dort stand allen Ernstes Goldkrone als erstes Getränk auf der Karte und Popel bestellte es. Ich fragte ihn ob er noch ganz glatt im Kopf wäre. Er lachte nur und verteilte die Fläschchen. Also dann, auf ins Delirium. Meine körperlichen Schmerzen, die ich öffentlich durch Gesichtsverrenkungen kund tat, störten niemanden. So ging es dann weiter in der Liste. Doppelkorn, Kümmerling, Jägermeister und irgendwas mit Apfel. Dazu wurde jede Menge Bier gereicht. Ich vermute mal Schmieri hatte den gleichen Auftraggeber, wie Porno am Vorabend. Kein Wunder die Beiden sind ja auch verwandt.

Doch die ganze Schnapsprobiererei verlief nicht ohne Spuren an Mannschaft und Gerät. Nach der Pause verlegten wir dann gepflegt an die Theke. Vom Büttenabend bekam man eh nichts mehr mit und an der Theke waren die Getränkewege nicht allzu lang. Dort gab es dann noch die letzte Runde Schnaps. Ich kann mich nicht mehr so ganz daran erinnern, aber es müßte etwas Rotes gewesen sein. Schmeckte jedenfalls widerlich. Schmieris Augen kamen ein wenig vor und es kamen nur noch lallende Ausdrücke aus seinem Mund. Ich hingegen traf diverse Leute, die ich von früher her kannte. Ach ja und wenig später habe ich dann ein Taxi für Schmieri und Anja gerufen. Wäre ich schlau gewesen, dann hätte ich die Gelegenheit genutzt und wäre gleich mit gefahren. Aber da ich ja nicht schlau bin, bin ich halt noch da geblieben und habe mich noch ein wenig weiter betrunken. Bis dann einfach nichts mehr rein ging und ich entschloß nach Hause zu verlegen. Ich vermute das einer der Schnäpse mein ganzes System durcheinander gebracht hat. Diese süße Scheiße ist einfach nichts für mich. Da war so ein Apfelkram dazwischen, was rein gar nicht geschmeckt hat.

Bevor ich dann zu Hause angekommen bin gab es noch einen Abstecher zur Raststätte Hartmann. Holger hat mich schon am Vortag darauf aufmerksam gemacht, das sein Sohn groß Geburtstag feiert und ich doch auf meinem Heimweg noch rein gucken sollte. Wenn doch noch was los sein sollte. Gut, ich hätte auch Sturm geklingelt und dann wäre was los gewesen. Da ich nun Holger einen Gefallen tun wollte, strukelte ich noch bei Hartmanns vorbei. Lag ja eh auf dem Weg. Nach kurzen Umwegen landete ich dann in der Küche und wurde mit Havana Club verköstigt. Das nenne ich mal einen wunderbaren Abschluß des Abends. Aber dann ging es definitiv nach Hause. Vorher bin ich noch über ein knutschendes Pärchen an der Haustür gestolpert und zu Hause habe ich mir dann ganz fein meinen kleinen Zeh am Bettpfosten angehauen.

Die Schmerzen halten immer noch an. Ich hoffe er ist nicht gebrochen. Das bisschen Eiter kann ja nicht so schlimm sein.

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