Bier, Whisky, Cowgirls und keine Bullen

So ungefähr hat sich mein Wochenende zugetragen. Und nicht nur meines, auch das von 6 weiteren Kameraden der Seniorentruppe der Feuerwehr, namentlich M7, Holger, Kai, Tobi, Keile-Günner, Schnitzel und ich. Denn wir fuhren nach Pullman City in den Harz um dort mal so richtig die Sau raus zu lassen um dort bei ein paar gepflegten Bierchen ein wenig Spaß zu haben. Natürlich jugendfreien Spaß! Nicht was jetzt hier wieder der Großteil der Leser denkt. Pullman City bei Hasselfelde ist eine Westernstadt, für alle Uninformierten.

Die Fahrt war recht kurzweilig, da M7 ordentlich das Gaspedal penetrierte. Bei manchen Kurven startete ganz kurz der Film meines Lebens, aber ich wurde früh genug von den quietschenden Reifen zurück geholt. An dieser Stelle sehr komisch, das ich als technisch interessierte Mensch mich ständig fragte, wo denn bei dem Ford Transporter der Schwerpunkt liegen würde, wann wir den Abflug aus einer der unzähligen Kurven machen würden und mit welcher Geschwindigkeit wir dann vor eine deutsche Eiche brettern würden. Aber wir sind heile angekommen und bezogen in einer Jugendherberge unser Quartier. Doch zuvor stand mir, als Co-Organisator der Kampf mit dem Hausdrachen an. Sie gab klare Vorgaben und übersah unsere Schlafsäcke die allesamt mit ziemlicher Sicherheit abgekocht waren und vor ca. 10 Sekunden aus der Orginalverpackung genommen wurden, damit die Jugenherbergsbetten nicht so verdreckt werden. Günni und ich mußten uns vor unsere Olivgrünen Schlafsäcke stellen, damit keiner merkte das die original verpackt von der Bundeswehr gekommen sind und unter Garantie noch nie draußen und im Dreck gelegen haben. Dann ging es zum Essen und im Anschluß auf Taxifahrt nach Pullman City. Da wir mal wieder recht pünktlich dran waren, haben wir direkt in Pullman City keine Unterkunft mehr bekommen und mußten im ca. 15 km weit entfernten Thale unterkommen. Aber Taxiunternehmen machen es ja möglich.

Die Vorfreude war groß als wir das Tor durchschritten. Jedenfalls bei mir. Mein Motto für den Abend war „Zuschütten und mechanischen Bullen reiten“. Ich weiß nicht was dieses technische Gerät für eine Anziehung auf mich auswirkt, aber ich wollte den verdammten Bullen reiten. Doch vorher mich ein wenig zuschütten mit Bier aus Pitchern. So sollte der Abend ein Erfolg werden. Friede, der Hauptorgnisator, der aber leider nicht mitkommen konnte, hatte uns sogar schon einen Tisch in der Music Hall reserviert wo am Abend eine Band auftreten sollte. Es würde als nahe an einen perfekten Abend heran kommen. Unser Tisch wurde schnell gefunden und sogleich wurden die ersten beiden Pitcher bestellt. Vorher machten wir noch eine große Umlage, damit der Abend vom finanziellen her gedeckt wäre und das erste Bier ran meine Kehle herunter. Doch die Pitcher waren nach der ersten Runde schon leer. Für mich hieß das ein hektischer Abend für die Bedienung. Doch findige Augen meiner Kameraden fanden schnell ein Schild auf dem geschrieben stand, das man auch sein Faß an en tisch bestellen konnte. So schnell wurde noch keine Entscheidung getroffen. Es wurde gerechnet, geschätzt und überredet. Wenige Minuten später bestellten wir ein 20 Liter Faß Bier, welches uns einen speziellen Tisch mit Zapfhahn einbrachte. Da ich noch nicht im geringsten stramm war, war es mir ein wenig peinlich, da wir Ruck Zuck als Sauftruppe verschrien war. Allerdings konnten sich das die Leute bestimmt auch schon denken, denn wir hatten ja alle die Feuerwehr T-Shirts an. Ich habe aber dennoch die starke Vermutung, das auf dem Tischplan hinter der Theke unser Tisch rot angestrichen und als potenziell gefährlich eingestuft wurde. Da hatten wir also den Salat und nun würde es kein Zurück mehr geben. Das Faß mußte vernichtete werden. Vorher würde es nicht nach Hause gehen. Und um ehrlich zu sein, vorher wäre ich auch nicht nach Hause gegangen, nur wenn sie mir das Faß mitgeben hätten.

So saß man also um einen Tisch mit Zapfanlage rum. Eigentlich hätte es nun nicht mehr besser kommen können, doch es kam besser. Denn eine Etage über uns tagte gerade ein Junggesellinnen-Abschied. Und alle Teilnehmerinnen waren so um die Mitte 20. Schon ausreichend, aber sie kamen noch an unseren Tisch damit die zukünftige Ex-Junggesellin eine Aufgabe erfüllen mußte. Und zwar fünf Schilder von Unterhosen zu sammeln. Und da waren wir natürlich gefundenes Fressen. Leider war ich dann der fünfte in der Reihe, da die anderen Beiden schon lange verheiratet waren und ich noch Junggeselle. Aber das halte ich für eine Ausrede, amn will mich ja immer gerne leiden sehen. Ich hoffe nur, das ich jetzt noch weiß wie ich diese spezielle Unterhose waschen soll. Ohne Anleitung wird das schwer werden. Einigen der Mädels gefiel es bei uns ganz gut und da Kai gerade einen Platz am Rande hatte wurde er schnell in ein Gespräch verwickelt. Oder umgekehrt. Und schafft es ja immer den Vogel abzuschießen. Kurz bevor er sich auf die Konversation einließ flüsterte er der Bedienung noch was ins Ohr. Wir vermuteten eine Bestellung für die junge Dame. Aber wir sollten uns alle irren. Folgendes muß ich in fetter Schrift schreiben, weil ich es versprochen habe und um Kai noch ein wenig mehr vorzuführen. Kai bekam nun seine Bestellung gebracht und die bestand aus einem halben Glas Wasser. So dachten wir jedenfalls. Aber in seiner Hand hatte er dann noch Kopfschmerztabletten von der Bedienung gedrückt bekommen. Es ist unfaßbar. Kann man denn als Mann noch tiefer sinken, als sich in einer Kneipe, an einem Tisch mit Zapfhahn sitzend Kopfschmerztabletten zu bestellen? Ich sage NEIN! Und so etwas ist unser Ortsbrandmeister. Zu Recht erntete er unseren Spott und hoffentlich auch den Spott der jungen Braut. Die Braut allerdings versprach uns aber eine Runde Schnaps. Wir warteten geduldig, doch die jungen Damen ließen sich Zeit. Zu viel Zeit, denn es stellte sich heraus, das zwei der größten Spitzlumpis zu unserer Gruppe gehörten, die die Welt je gesehen hat. Kai und Tobi lief bei jedem Auftauchen von Cowboyhüten (das Erkennungszeichen der Damen Truppe) auf der Treppe der Speichel literweise im Mund zusammen. Bis sie es nicht mehr aushielten und in die erste Etage gingen um den versprochenen Schnaps einzufordern. Die anscheinend beste Freundin der Braut stand gerade am Tisch und nahm unsere Wünsche entgegen, als ich von der Toilette kam und M7 hatte mir schon einen Obstler bestellt. Ich wollte aber lieber Korn haben, aber der wurde mir mit einer frechen Lüge verweigert. Er würde nicht auf der Karte stehen, wurde mir gesagt. Da nahm ich dann doch lieber den Obstler als Kümmerling. Diese brachte mir dann Pluspunkte bei der besten Freundin ein. Ich hingegen pfiff auf die Pluspunkte und versuchte meine Gesichtsmuskeln nicht zu sehr entgleisen zu lassen beim Konsum von gebrannten Obst. Es gelang mir nur sehr schlecht. Wie man an dieser Stelle unschwer erkennen kann, hatte mein Namensgedächtnis mal wieder einen Totalausfall. Ich kann mich leider nur noch an den Namen der Braut erinnern und das auch nur, weil er auf jedem Cowboyhut der Damen stand.

Das Bier ging dann langsam auch zur Neige und die Stimmen wurden laut, das wir doch noch so ein Teil trinken könnten. Aber zeitlich würde das nicht mehr in den Rahmen passen. Also entschlossen wir uns für ein paar weiter Pitcher. Doch auch die reichten nicht mehr aus. Da kam dann der Vorschlag, der schon seit geraumer Zeit wie ein Damoklesschwert über unseren Köpfen hing. Warum steigen wir nicht um auf harte Sachen? Warum nicht Jack Daniels mit Cola? Klar, warum nicht? Warum lassen wir uns nicht mit einer Steinschleuder vor eine Felswand schießen? Oder warum sollten wir nicht versuchen mit Raketenrollschuhen über den Grand Canyon zu springen und dabei einen 10 Liter Eimer mit Chicken Wings zu essen? Ganz einfach, weil wir die nötige Ausrüstung dazu gerade nicht zur Hand hatten. Aber wir konnten ohne Probleme Whiskey bestellen. Und da wir ja sieben Mann waren reicht ja eine Flasche nicht, da müssen gleich mal zwei Stück ran. Als die Bestellung gemacht wurde, fing der Film meines Lebens wieder langsam vor meinem geistigen Auge abzulaufen. Die Braut und ihre beste Freundin waren auch des öfteren mal unten und haben es nun geschafft uns nach oben zu locken. Besser gesagt, sie haben Kai und Tobi so spitz gemacht, das die hinter ihnen her schwebten. Also taten wir es ihnen gleich und setzten uns mit unseren Flaschen Whiskey in die große Frauenrunde. Und sogleich konnte man die großen Baggerschaufeln hervor kommen sehen. Es wurde gebaggert was das Zeug hielt. Schaufelbagger, Radlader, großen Schaufelradbagger waren alle lachhaft gegen das Arsenal was dort aufgefahren wurde. Doch mein persönliches Waterloo sollte ja noch kommen. Ich erhoffte mir ja von dem Abend noch ein oder mehrere wilde Ritte auf dem Bullen, doch der war nicht mehr vorhanden. Dafür gab es eine Tanzfläche. Warum nur hasste Gott mich.

Die Damen nutzten die Gelegenheit und ließen die Braut die letzten paar Spiele erledigen. Kai wurden die Fußnägel lackiert (Was anderes hätte nicht zu einem „Mann“ gepasst, der sich Kopfschmerztabletten in einer Kneipe bestellt), M7 wurde eine Teil des Schienbeins mit Wachsstreifen enthaart (Das müssen wahre Schmerzen gewesen sein, bei den ganzen Haaren. Ich könnte ja jetzt gemein sein und sagen, das er mir einem Affen gepokert hat und das Fell gewonnen hat. Aber das wäre ja gemein und so etwas würde ich nie sagen.) und Günni hat einen Kondom auf dem Kopf aufgeblasen. Die üblichen Spielchen halt. Ich bleib verschont. Dafür aber hat die beste Freundin der Braut in mir das ideale Opfer gefunden um mit ihr Obstler zu teilen. Ich habe aber auch immer ein Riesenglück. Das ich hübschen Frauen auch nie einen Wunsch abschlagen kann.

Recht flugs wurde dann die obere Galerie auch zu gemacht und wir wurden in das nächste Lokal verfrachtete, wo dann die Baggerfahrt durch den Harz munter weiter ging. Was dort an Erde bewegt wurde kann ich hier gar nicht wieder geben. Ich sprenge ja jetzt schon die mir selbst gesetzte Grenze, aber es sei mir verziehen. In der letzten Lokalität wurde dann auch noch die dritte Flasche Jack Daniels umgesetzt. Erschrecken konnte ich gar nicht mehr, denn der Jacky hatte mir den Willen geraubt. Aber ich fühlte mich noch recht gut und mit allen Sinnen bei der Sache. Dort endete dann auch unser Abend und wir wollten nach Hause verlegen. Allerdings sah das unser Taxifahrer von der Hintour ein wenig anders und ging erst gar nicht an das Telefon. Aber nicht mit mir, ich hatte Ausdauer, auch wenn mein Akku etwas anderes sagte. Über Umwege habe ich es dann aber geschafft die Kutschfahrt zu organisieren. Doch nun stand das größte Problem an. Alle meine Schäfchen zusammen zum Taxi zu bringen. Bei den Verheirateten war das eher ein kleines Problem, die bleiben zusammen. Aber die zwei Spitzlumpis vom Dienst waren eine Herausforderung. Hatte ich Kai bei den Anderen, fehlte Tobi. Als ich den dann an den Haaren aus der Hütte heraus schleifte, hatte sich Kai schon wieder unerlaubt von der Truppe entfernt. Ich sage mal so eine Horde Schimpansen die gerade einen Bananenbaum gesehen haben, ist um vieles einfacher. Was mich nur wundert, war das ich noch so klar im Kopf war und fast schon vernünftig handelte. Das macht mir richtig Gedanken.

Der nächste Tag begann nach 3 Stunden Schlaf. Außerdem ist es kein Geschenk den Ortsbrandmeister am frühen Morgen nur mit einer Unterbuchse bekleidet zu sehen. Das dachte sich auch eine weitere junge Dame, die gerade in der Jugendherberge nächtigte und auch gerade über den Flur schlenderte als Kai sein „Jack Daniels Tanz“ aufführte. Nicht sehenswert. Also der Tanz, die junge Dame war dagegen sehr sehenswert. Wenn da nur nicht das störende Handtuch gewesen wäre. Außerdem ist es ein wahres Rätsel was alles so aus einem menschlichen Körper kommen kann. Gase die jedes Stinktier in den Suizid treiben würden, wurden ohne zu fragen aus dem Darm entlassen. Sowohl Tobi, als auch M7 brauchen jetzt wohl neue Sitze in ihren Autos. Und jede Menge Lungenbläschen sind durch extreme Übergasung zerstört worden.

Abschließend lässt sich sagen, das dieser Abend einfach spitzenmäßig war. Auch wenn ich keinen Bullen reiten konnte und mir Obstler eingeflößt wurde. Gegen meinen Willen! Aber ich kann ja hübschen Frauen keinen Wunsch abschlagen. Auf jeden Fall wird diese Fahrt eine Fortsetzung finden. Im nächsten Jahr und dann hoffentlich mit Friede und jeder Menge englischen Spaßes.

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