Das Alter von Schweinen

Oder auch Teil II eines harten Wochenendes. Denn die Hochzeit von Fasel und Sylvia war nicht die einzige Festivität an dem Wochenende. Akki wurde auch noch 40 und hatte geladen. Und so alt wird kein Schwein!

Also ich gegen 1430 Uhr versuchte Aufzustehen, ging es mir nicht gut. Ich hatte Hunger und hätte gleichzeitig keine Nahrung aufnehmen können. Ich ging nochmal kurz die Getränkeliste vom Vorabend durch und wußte nun warum man nicht Bier, dann Schnaps und dann noch Mischungen trinken sollte. Die Einstellung des Magens kam damit nicht zurecht und vertauschte ein paar Parameter. Und ich trug die Konsequenzen daraus. Ich entschied vorsichtig für mich das ich bei der Geburtstagsfeier keinen Schnaps trinken würde. Wenn ich überhaupt Bier trinken würde. Das änderte sich aber am späten Nachmittag, als ich mit Friede nach dem Aufbauen für den Feuerwehrwettkampf am Sonntag ein Hefeweizen plemperte. Bier war durchaus möglich am Abend.

Treffen war am Feuerwehrhaus Duderstadt, wo ich dann schnell meinen Obelus entrichten mußte und dann wurde in den Lüheschen Garten verlegt. Ich habe ja schon viele Geschichten von diesem Garten gehört, habe aber bis dato noch keinen Fuß hinein gesetzt. Ich wußte wohl das es ein Fetenparadies ist und dort noch nie ein Mann nüchtern wieder heraus gekommen ist. Umso gespannter und heißer war ich natürlich auf den Besuch. Der Eingang wurde von einem Holztor versperrt welches laienhaft vernagelt war. Doch war es das wirklich? War es nicht wirklich extra so gemacht, das der Unwissende sich beim Schließen des Gatters die verrosteten Spitzen der Nägel in das Nagelbett rammt? Und ich bin gleich drauf reingefallen. Zum Glück muß ich bald zur Tetanusimpfung. Gleich nach der nächsten Blutspende.

Nachdem dem Jubilar ordnungsgemäß gratuliert wurde und Androhung gemacht wurden, das ich an diesem Abend all seine Fässer austrinken werde wurde schnell ein Platz gesucht. Da nur ein Tisch gro´ß genug war um die ganzen Feuerwehrlumpis aufzunehmen, nahmen wir diesen auch recht fix in Beschlag. Von einer Seite leicht zugänglich und von drei Seiten eingekesselt. So sah es aus. 70% der Leute mußten andere Leute fragen ob sie aufstehen würden, wenn sie durch müssen. Ich sicherte mir einen taktisch klugen Platz, so daß die maximal Zahl an Leuten aufstehen muß wenn ich mal raus muß. Es ist nicht einfach sich überall Freunde zu machen. Da ich aber mit einer Stahlblase gesegnet bin, machte ich mir keine weiteren Gedanken. Die fingen erst an, als ich sah wer mich flankierte. Der Zufall wollte es das ich neben Elton saß. Sofort, ohne Umwege, fing das Scheiße labern an. Ich weiß gar nicht worum es alles ging. Aber der Hucken unter dem Tisch wurde immer größer. Zum Glück mußte Akki ja am nächsten Morgen sauber machen. Wer weiß wo das noch alles hin führen würde.

Ich machte mich auch gleich beliebt bei der Feuerwehr Duderstadt in dem ich die Dekorationsfotos von Kai vom Vorabend herum zeigte. So schön hatten sie unseren Ortsbrandmeister noch nie gesehen. Aber das habe ich alles gerne gemacht. Dann aber machte ich den Fotoapparat wieder startbereit um Akki beim Empfang seines Geschenkes abzulichten. Es war eine Art Fitnesspiel und Akki mußte ordentlich schwitzen. Es ging harmlos los mit Hulahup-Reifen schwenken, was nach einer glatten 6 aussah. Als Strafe mußte er gleich einen Bohnekamp vernichten, welcher ungefähr so schmeckt als würde man das Fußbad einer Bundeswehrkompanie nach einem 30 km Gefechtsmarsch trinken. Und riechen tut es so ähnlich. Er schien es aber dennoch zu genießen. Weiter ging es mit Liegestützen und Sit-ups. Doch dann kam der erste Höhepunkt. Akki’s Interpretation vom Schwanensee. Sensationelle Bewegungen und sogar eine Sprungfigur. Nach dieser Vorstellung machte ich mir große Gedanken um meine Kamera, aber sie ging noch. Doch dann kam der Stangentanz. Gehalten wurde die Stange von Schmidtchen und Akki mußte sich grazil dazu bewegen. Nun ist man ja der Meinung das grazil und Akki zwei Wörter sind die man nicht verbinden kann. Eher drehen sich die Pole um. Recht hat man, die Vorstellung war dennoch grandios und meine Kamera lief nach einigem gutem Zureden auch wieder.

Wieder zurück am Feuerwehrtisch ging es dann los mit Schnaps. Da ich mich nicht wehren konnte, begnügte ich mich mit einem Obstler. Dumm nur, das ich früher am Tag geschworen habe keinen Schnaps zu trinken. Der Obstler tat sehr weh. Und das Glas war wieder eins der extra großen Lümmel. Warum bekomme ich immer solche Sachen hingestellt. Wenn ich mich wegen Schnäpsen beschwere, dann meine ich das ernst. Beim Bier ist das nicht immer ernst gemeint, aber beim Schnaps schon. Aber ich habe nicht so auf die Kacke gehauen wie der Schmidtchen. Der forderte doch tatsächlich Akkis Vater zum Schnapsduell auf. Ich weiß nicht wie viel Leute vor ihm diese Dummheit begangen haben, aber sie haben alle verloren. Akkis Vater orderte eine neue Flasche Obstler und setzte eine viertel Stunde dafür an. 8 Minuten haben vollkommen ausgereicht und Schmidtchen konnte angezählt werden. Was er dann auch wurde. Seine Augen gingen nun verschiedene Wege und bewegten sich um Zehntel Sekunden der Kopfbewegung hinterher. Auftrag erfüllt. Mir hingegen wurde von Akkis Mutter ein Maßkrug mit Bier hingestellt. Akki hat wohl ein extra großes Glas für Bierpumpe in Auftrag gegeben. Ich kann nicht sagen, daß ich nicht gerührt war. Nachdem ich mir die Tränen der Rührung ein wenig weg geblinzelt habe, setzte ich ein Lächeln auf, das mich leicht verriet. Akki denkt halt an mich und weiß wie man mit kleinen Gesten eine Freude machen kann. Die neidischen Blicke von den Nachbartischen genoß ich regelrecht. Ob nun Kegeltruppe oder Schützenverein. Alle hatten dieses gierige stieren in den Augen. Doch ich würde das Glas und vor allem seinen Inhalt beschützen. Und in mich rein schütten.

Die Party ging nun vor der Schankhütte und in derselben weiter. Elton un dich laberten noch einen größeren Haufen Schieße als schon am Feuerwehrtisch und Akki hatte dann halt am nächsten Morgen noch ein wenig mehr zum weg schaufeln. Er könnte ja auch der Stadtreinigung einen ausgeben und dann kommen die mit so einem Dixklo-Aussaug-Mobil und saugen den ganzen Garten ab. Da wird dann bestimmt noch mehr Unrat entsorgt. Wer weiß wer alles bei der Party liegen bleibt. Ja, ich weiß ich „wer“ statt „was“ geschrieben und das war meine volle Absicht. Die Getränke haben sich mittlerweile geändert. Von Bier bin ich auch Goldkrone umgestiegen. Ein Asbachverschnitt der günstig zu haben ist. Günstig ist dann auch das Kratzen im Hals bei der Feinjustage der Geschmacksknospen. Erst herrlichen bayrisches Bier und nun Die Rache der Weinbrände. Man hat das Gefühl als hätte man soeben einen Tauchsieder aus Stacheldraht verschluckt.

Und plötzlich trifft es einen wie ein Hammer. Man redet leicht unverständlich und ein drücken im unteren Bereich des Körpers macht sich bemerkbar. Eine logische Sache. Denn wenn man vorher sich bayrische Spezialitäten en masse in den Schero kloppt, das Ganze dann mit bayrischen Bier und Obstler nach spült, arbeitet die Verdauung auf Hochtouren. Meine Entscheidung ist sehr schwer gefallen, aber ich mußte bereits um 0243 Uhr den Rückzug antreten. Denn neben all den körperlichen Zeichen machte sich noch was im Kopf bemerkbar. Die körperlichen Aktivitäten hätte ich ohne Probleme noch auf die lange Bank schieben können. Aber ich mußte ja dank meines vergesslichen Brägens noch einen Kuchen backen. Ja wir lesen hier richtig. Da wir ja die Eichsfeldpokalwettkämpfe in diesem Jahr gastierten, entschied der ach so weise Ortsbrandmiester das alle Kommandomitglieder einen Kuchen backen. Oder backen lassen. Da ich aber keinen hatte zum backen lassen, mußte ich das halt selber machen. Also stand ich um 0800 Uhr auf und rührte einen Gugelhupf an. Und er war gut! Ich sah zwar aus wie der Torwart vom Handgrantenwurfstand, aber alles andere hätte die Kameraden nur verwirrt.

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