Hot stuff

Das ich meinem Körper gerne mal grenzwertige Sachen antue ist ja nichts Neues. Ich dachte eigentlich, das ich schon eine Menge mitgemacht habe und mich so schnell ja nichts mehr schocken kann. Wohlgemerkt rede ich hier von Sachen die man verzehren kann. Gerade scharfe Sachen haben es mir angetan, woran ein gewisser Mr Peacerich und sein berühmter T-Topf nicht ganz unschuldig sind.

Man kennt ja aus diversen TV Berichten solche Voll-Honks die sich die angeblich schärfste Curry-Wurst der Welt einverleiben. Und dann hecheln sie umher torkeln rum und werden womöglich ohnmächtig. Lächerlich, dachte ich mir, so scharf kann doch gar nichts sein, das man da so ein Theater von machen kann. Ich beschimpfte sie als Weichei und fühlte mich ihnen haushoch überlegen. In Sachen Schärfe kann man mir so schnell nichts vor machen. So dachte ich zumindest in meinem jugendlichen Leichtsinn. Doch ich sollte eines besseren belehrt werden.

Ich striff so durch einen örtlichen Supermarkt und kam dann rein zufällig an der Gemüseabteilung vorbei. Ich erschrak kurz und fragte mich wo ich denn falsch abgebogen sei, denn sonst ist ja Fleisch mein Gemüse, bis ich dann die Paprikaecke entdeckte. Dort lachte mich in einer kleinen unscheinbaren Plastikschale ein Sortiment an Peperonis an. In kleinen Lettern stand „scharf“ drauf gedruckt. Innerlich lachte ich schon, denn ich war mir schier das es nicht scharf sein würde, egal was auf der Packung drauf stand. Auch wenn auf der Schärfehitliste auf der Unterseite die die höchste Punktzahl für die Habaneros vergeben wurde. Hier klingelte ein kleines Glöckchen. Habaneros waren glaube ich echt scharf. Aber dies wird bestimmt eine verstümmelte Version sein. Auf dem deutschen Markt gibt es kaum etwas scharfes, was frei verkauft wird. Dafür sind die Geschmacksnerven der Deutschen viel zu verweichlicht. Und die 1,99 € sind es mir allemal wert.

Zu Hause angekommen probierte ich eine Jalapeno und war schon recht angetan von der Schärfe. Man kennt diese kleinen Peperonis ja von Pizzen. Aber diese kratzte schon deutlich an den Geschmacksnerven. Aber mehr auch nicht. Ich brauchte kein Brot im Anschluß und Getränke konnte ich auch noch stehen lassen. Aber es machte Lust auf mehr. Wenige Tage später probierte ich dann die nächste Schote auf der Liste. Ich Arsch!

Es war eine Fresno und sie war klein und gelb und so unscheinbar. Ich lachte ihr in das freche Schotengesicht und bis die untere Spitze ab. Man muß ja erstmal probieren. Ein sofortiges kribbeln stellte sich auf dem vorderen Bereich der Zunge ein. So sollte es sein. Um nun der weiteren Schärfe vorzubeugen steckte ich den Rest der Schote in den Mund zerkaute sie und schluckte alles hinunter. Dies sollte sich binnen weniger Sekunden als der größte Fehler meines Lebens heraus stellen.

Die Schärfe traf mich wie der ICE ein paar arme Schafe in einem Tunnel. Sie wanderte meinen Rachen hinunter und schien nie anzukommen. Es brannte fürchterlich. Nicht nur im Mund, sondern auch dort wo früher eine schützen Schleimschicht meine Speiseröhre geschützt hat. Ich schaffte es noch zum Sofa und setzte mich nieder, in der Hoffnung der Flächenbrand im Inneren meines Körpers würde gleich abklingen. Den juckte meine Hoffnung allerdings wenig und er drehte richtig auf. Mein Körper reagierte mit einem Schluckauf. Na toll, was soll denn das bitte bringen. Da sitze ich also in meinem Wohnzimmer, hickse umher und wünsche mir nur eine Schneelawine, die direkt in meinem Rachen abgeht. Ein klarer Gedanke schaffte es dann doch sich durch die lodernden Flammen zu kämpfen: „Iß Brot, du Vollpfosten!“. Also sprang ich auf und schnappte mir eine Scheibe Brot.

Die half allerdings nichts viel. Während meines Gangs zum Kühlschrank fing dann der Schweißausbruch an. Kalter Schweiß wohl gemerkt. Ich schwitzte am ganzen Körper, sogar am Ei. Es war fies. Das Brot wurde von der Schärfe ausgelacht und verprügelt. Es war als würde man einen Waldbrand in Kalifornien mit einem Zahnputzbecher voller Wasser löschen wollen. Als ich dann so schwitzend an der Küchenanrichte stand wurden mir die Beine schwammig und ein wenig blaß vor den Augen. Ich verlegte mit Brotscheiben ausgerüstet zurück ins Wohnzimmer. Dort versuchte ich dann die horizontale Lage, falls ich tatsächlich ohnmächtig werden würde. Doch auch dort verweilte ich nicht lange. Mein Körper versuchte alle Tricks um die fiese Schote wieder aus dem Körper zu bekommen. Das bedeutete er würde versuchen aus beide dafür zulässige Körperöffnungen zu nutzen. Als ich auf allen Vieren auf dem Weg zu Toilette war, hoffte ich, das es nicht simultan passieren würde. Doch nicht passierte. Ich verzichte an dieser Stelle auf eine detaillierte Beschreibung. Alles blieb an Ort und Stelle und die Schärfe fraß sich langsam durch meine Gedärme.

Später klang dann der Schmerz wieder ab und ich sah langsam auch wieder klare Bilder. So etwas hatte ich noch nie erlebt und möchte es auch nie wieder mit machen. Nun habe ich ein wenig eine Vorstellung von der schärfsten Curry-Wurst der Welt. Die anderen Schoten werden auf möglichst viel Flüssigkeit verteilt. Ach ja, und die Schote hat zwei Mal gebrannt. Alles was rein geht kommt auch irgendwann wieder raus. Und gerade beim Wasser lassen erreicht man ganz leicht neue Schmerzgrenzen. Kleiner Tip: Ein Glas Wasser an richtiger Stelle positioniert verhilft hier Abhilfe und bewirkt wahre Wunder. Merke: Kühlschrank mit Schneebällen auf Toilette installieren.

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