It’s my party…

Nun bin ich 3 Jahrzehnte alt. Und konnte da gar nicht mal was für. Aber das ist wohl der Lauf der Dinge. Ich muß zugeben, das ich vor diesem Tag Angst hatte. Nicht so sehr vor der Zahl, denn es wie gesagt nur eine Zahl, aber vor dem was mich erwartet. Denn es hier so üblich das man wenn man 30 wird und nicht verheiratet ist, eine Treppe fegen muß. Und zwar so lange, bis man von einer Jungfrau frei geküsst wird. Na das kann ja was geben. Aber ich habe vorgesorgt.
Doch der Tag begann sehr früh, denn gegen 2300 Uhr sah ich dunkle Gestalten über meinen Hof stolpern. Wie gelernt ging ich auf Lauerstellung und überraschte die Übelttäter. Es waren Ramona, Jennifer und Annalena, die mir ein Plakat an die Hauswand kleben wollten. Da ich aber kein Unmensch bin, habe ich sie gewähren lassen, aber sie im Anschluß noch auf ein Getränk rein gebeten. Da ist es dann passiert, das der Tag gewechselt und meine Lieblings-Ramona mir als erste gratuliert hat. Die Mädels haben dann noch eine Flasche Sekt gekillt wohin gegen ich mich erstmal an Bier gehalten habe. Und schon ging es los mit Geburtstags-SMS. Ich meine warum schickt man um kurz nach Mitternacht SMS umher? Geht man nicht davon aus, das die Leute schlafen? Terror mitten in der Nacht. Aber ich war ja noch wach. Ha!

Am nächsten Morgen mußte ich dann gleich wieder früh raus und das Frühstück für die Kollegen vorbereiten. Ich habe mir nämlich folgenden schlauen und debilen Plan aus gedacht. Ich hatte zwar Urlaub, aber ich bin trotzdem in die Firma gefahren um schon mal das Jubiläumsfrühstück auszugeben. Dann hatte ich das nämlich erledigt und muß nicht irgendeinen Vormittag dafür opfern. Außerdem sind Geburtstagsmorgen erst ab 50 Jahren wieder interessant. Da kommen nämlich dann die meisten Gratulanten vorbei. Im Anschluß ging es dann zu meinen Eltern wo wir gebruncht und später dann noch Kaffee getrunken haben. Das war dann eher der leichte Teil das Tages. ich war mir sicher, das noch irgendwas kommen sollte und fuhr vorsorglich gegen 1530 Uhr nach Esplingerode um der Dinge zu harren, die da mit ziemlicher Sicherheit auf mich zusteuerten. Es war wie mit der Titanic. Man wusste da war der Eisberg und man wusste das man ihm nicht mehr ausweichen konnte und dennoch hat man nichts im Vorfeld unternommen um ihn zu umsteuern. Gut, in meinem Fall wäre nur noch ein spontanes beamen hinter den Eisberg oder ein Riesenoktopus der mich in die Luft katapultiert hätte um hinter dem Eisberg wieder aufzukommen von Nöten. Man ist sich da ja nie sicher, was noch alles passieren kann. Auf den Lieferservice von russenschlampen.de ist auch kein Verlass mehr.

Es war gerade kurz nach 1600 Uhr da kamen Moni und Timo auf den Hof gefahren. Im Anschluß kamen dann noch Schötti, der Doktor und Manuel um die Ecke gebogen. Es geht los. Doch keiner der bereits Anwesenden wusste so recht was auf mich zukommen sollte. Es wurde wohl geheim gehalten. Moni machte mir noch zusätzlich etwas Angst, weil sie gehört hat, das wohl drei Parteien etwas geplant hatten. Mir wich stehenden Fußes das Blut aus dem Gesicht. Aber ich bleib ruhig. Dann endlich kam die Erlösung. Morchel mit Trecker und Anhänger und jeder Menge Leute drauf. Und alle freuten sich so, das konnte nichts Gutes bedeuten. Es folgte der Gratulationsmarathon. So viel Hände geschüttelt und gedrückt wurde ich schon lange nicht mehr. Und dann ging es los. Ich mußte mich umziehen. Feuwehrblaumann, der mir ungefähr drei Nummer zu klein war und Gummistiefel an. Ach ja, nicht zu vergessen der Helm, der mit einem Feuerwehrauto präpariert wurde. Drückte man auf einen Knopf, dann ertönte eine kleine Sirene. Das wurde dann gleich umgemodelt in ein Zeichen, welches von mir kommt, wenn ich was zu trinken haben wollte. Ich fragte mich erst warum ich das machen wollte. Aber dann kam ich dahinter. Der Knopf war ja nur für die anderen da, damit die mich peinigen konnte. Peinigen ging natürlich am Besten mit Löwentor. Warum auch nicht. Geben wir meinen Gesichtsmuskeln ein Work-out.

Nun wurde der Anhänger bestiegen und es ging schon los mit unkontrollierten Drücken des Knopfes. Außerdem ist mir der Helm erstmal schön vom Schero gefallen und ich habe die Heckklappe beschädigt. Leider nicht die Sirene, weswegen ich dann auch fleißig Löwentor trinken mußte. An sich ist es ja eine gute Taktik, wenn man das Zeug länger im Mund behält, denn dann kann man nicht so schnell wieder trinken. Aber das Zeug fängt dann an ein wenig zu brennen im Mund. Auf der Fahrt nach Westerode gingen dann auch nur zwei Stück rein.

Es war dann klar, das ich in Westerode fegen mußte. Also die Kirchentreppe. Nicht so viel Stufen, aber schön breit. Als ich dann die Menschenmenge sah, wurde mir schon wieder schlecht. Es war eine andere Übelkeit, als die, die von Löwentor hervor gerufen wurde. Nicht viel besser, aber anders. Und dann ging es los. Ein Sack mit Sägemehl wurde fein säuberlich auf den Treppen verteilt. Wir sprechen hier von feinstem Sägemehl. Es war vielleicht irgendwann mal ein stattlicher Baum, aber irgendetwas, mit Sicherheit eine Maschine zum Herstellen von Sägemehl für das Treppenfegen, hat es in Feinstaub verwandelt. Und ich stand da mit einer Zahnbürste. Es half nicht, ich mußte anfangen. Ich fegte wie ein Berserker und kam auch gut voran. Der Wind half mir nicht wirklich, doch das bisschen Sägestaub im Gesicht machte nun auch nichts mehr aus.

Es folgten nun mehrere Abschnitte wo ich mir dann neue Besen ertrinken konnte. Immer im Gegenzug für einen Löwentor. Ich nahm dankend an, aber das Schlucken ging immer noch nicht so locker von der Hand. Nachdem ich dann zwei Stufen frei hatte kam dann Titte und Morchel an und verschütteten nochmal zwei Eimer mit Kronkorken. Dummerweise hatte ich gerade meinen Bruder am Telefon und konnte deswegen nicht protestieren. Also fing ich wieder von vorne an. Und wünschte mir den Sägestaub zurück. Trotz etwas größerem Besen sind Kronkorken ein verdammt hartnäckiges Zeug. Aber auch das wurde bravurös erledigt. Ingo als mein Personal Trainer reicht mir immer von Zeit zu Zeit etwas Pils, denn der Sägestaub und die Schweißtreibende Arbeit forderten ihren Zoll.

Geplant hatte ich ja eigentlich bis auf zwei Stufen alles zu fegen und mich dann frei küssen zu lassen. Ich hatte sogar schon im Vorfeld heimlich mit meiner Lieblings-Ramona gesprochen und sie wollte die Aufgabe gerne erledigen. Doch eine junge Dame ist ihr zuvor gekommen. Sie ist die Freundin eines meiner Jugendfeuerwehrmänner und hat mich dann erlöst. Ramona hat mich dann aber auch noch mal frei geküsst. Damit war die Fegerei für mich erledigt. Und ich bedankte mich bei meinen beiden Retterinnen. Dann machte ich mich erstmal daran, zu gucken wer denn alles bei meiner Peinigung dabei war und ich entdeckte verdammt viele bekannte Gesichter. Aber man wird ja nur einmal 30 und da kann man sich mal ordentlich zum Ei machen. Auf jeden Fall freue ich mich schon am Montag auf die Arbeit.

Nun stellt sich die Frage, ob ich meinen Freunden sauer bin, weil sie mich so vorgeführt haben. Hmm, ich denke das Gegenteil ist der Fall. Ich bin ihnen dankbar das sie es gemacht haben und so viel für mich organisiert haben. Klar, meckert man rum und will das alles gar nicht machen. Aber ich glaube, wenn es ausgefallen wäre, wäre ich doch enttäuscht gewesen. Ich habe auch extra nicht im Vorfeld nachgefragt oder versucht von jemanden etwas zu erfahren, denn das macht ja die Vorbereitungen der Anderen ein wenig kaputt. Ich jedenfalls hatte eine Menge Spaß und bin meinen Freunden sehr dankbar dafür.

Doch der Spaß war ja noch nicht vorbei. Unter uns gesagt, bin ich wirklich gnädig bei der ganzen Geschichte weggekommen. Wenn ich da an Ingos Fegerei denke, da war das bei mir ein Kindergartenausflug. Oder aber ich vertrage Löwentor besser als ich gedacht habe. Die Fahrt ging jedenfalls zurück nach Esplingerode wo wir dann noch ein wenig gefeiert haben. Ich bleib nun beim Bier und schiffte geruhsam um die verbleibenden Eisbergs herum. Ab und an kam dann auch mal ein kleiner Brocken in Form eines Euzenbergers dazu, aber das ging schon. Die Titanic sollte ruhig in den Hafen einlaufen, wenn auch nicht ganz unbeschadet. Aber ich habe mich gefreut über die ganzen Gäste. Und wer auch alles da war. Zum Glück hat mein Vater vorher die Scheune ausgeräumt, so daß ich da drin feiern konnte. Wir haben dann bei dem schönen Wetter aber doch draußen gesessen und dort getrunken. Auch die Nachbarn haben wunderbar mitgemacht. Etwas spät in der Nacht waren wir wohl ein wenig laut, aber das ließ sich alles regeln.

Da ich aber an einem Donnerstag Geburtstag hatte, mußten ja viele Leute Arbeiten und konnten deswegen nicht ganz so lange bleiben. Aber die große Party kommt ja noch und da geht es dann länger. Gegen 0030 Uhr war dann Schluß und ich konnte mich ins Bett legen. Ein herrlicher Tag. Was ich am Anfang nicht gedacht habe. Aber die ganzen Leute haben dafür gesorgt, das ich jede Menge Spaß hatte. Ich hoffe die, die da waren, hatten eben so viel Spaß.
Doch jede Medaille hat zwei Seiten. Der nächste Morgen kam und ich fühlte mich dann doch sehr matschig. Aha, da sind also die mehr als zehn Löwentor hin. Ich vermisste auch sämtliche lebenswichtigen Sachen aus meiner Hose. Schlüssel, Telefon und Fotoapparat. Doch in meinem Zustand habe ich dann doch noch alles in Sicherheit gebracht. Ich stand sogar recht früh auf um dann mit Aufräumen fix fertig zu sein. Und den Rest des Tages habe ich nur entspannt. Ich hatte das Gefühl, das ich es mir verdient hatte.

Ich jedenfalls fand es Klasse und möchte mich bei allen bedanken, die dazu beigetragen haben. Ach ja, diejenigen die demnächst 30 werden wünsche ich viel Glück. Denn ich bin jetzt 30 und kann mich nun bei jedem, ohne Reue, austoben! Ha!

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