In the wood…

Ohne lange Vorreden geht es gleich mal ans Eingemachte. Vorweg sei nur genommen, das ich wenig Schlaf hatte an dem vergangenen Wochenende. Dafür aber jede Menge Spaß. Wie ich ja bei meinem letzten Eintrag schon erwähnt hatte, ging es zum Annafest. Doch vorher fand der Junggesellenabschied von Böning statt. Am Donnerstag hatte ich eine recht schlaflose Nacht, da ich nicht genau wusste, wann es denn am Samstag los gehen würde. Klaus wollte die Abfahrtzeit noch organisieren. Ich war ein wenig fickerig, muß ich ja zugeben. Doch hier nun der Bericht.

Freitag wurde Böning dann aus dem Junggesellendasein verabschiedet. Als wir uns alle getroffen hatten, war es geplant, das Kai den Böning von einer Baustelle abholt, damit er eine Küche bei Kais Bruder aufbauen sollte. Nicht geplant war, das Böning erst noch was anderes fertig machen sollte und dann zu Kai kommen sollte. Also fuhren wir kurzer Hand zu der Baustelle auf der er gerade weilte und holten ihn ab. Sein kreideweißes Gesicht sagte recht genau, das er nicht mit dem Besuch rechnete. Schnitzel, der als Trauzeuge eingesetzt war hatte also gute Arbeit geleistet. Er wurde kurzer Hand eingeladen und ab ging die Fahrt nach Westerode. Nebenbei wurden noch Sprüche über den Flughafen und Mallorca und Ibiza gemacht. Wunschdenken! Erstmal mußte Böning duschen und der Rest von uns wollte Bier trinken. Nicht das nun im Vorfeld schon ein paar Flaschen rein gelaufen sind. Schließlich muß man ja die Wartezeit im Feuerwehrhaus auch überbrücken. Außerdem wartete im Feuerwehrhaus noch einige Klumpen Mett auf die Vernichtung.

Bier, Gehacktes aufs Brötchen und jede Menge Zwiebeln. Derart ausgerüstet konnte gar keine Frau mehr Nein sagen. Man roch aus dem Mund als hätte man gerade drei Liter Zwiebelsuppe inhaliert und das rohe Fleisch würde später am Abend noch für lustige Unterhaltung aus dem Darmtrakt sorgen. Perfekte Vorbereitung um ein paar Frauen anzusprechen. Zum Glück mußten wir das nicht machen, sondern der Böning, der eh nichts mehr zu verlieren hatte. Nachdem dann Bier und das Mett zum größten Teil konsumiert wurde ging es dann auf schnellstem Wege nach Göttingen. Ich fuhr bei Jens mit, der dann auch den Beutel mit den Schnapsflaschen im Kofferraum transportierte. Es ging ungefähr drei Meter gut, dann klirrte etwas im Kofferraum, der Beutel war schön umgefallen und hatte die Flaschen im Kofferraum verteilt. Das Klirren auf der Hinfahrt machte Lust auf mehr. Ich hoffte das ich es aushalten würde und das neue Auto ganz lassen würde.

In Göttingen angekommen suchten wir nach dem Einsammeln der Flaschen erstmal die erste Lokalität auf. Der Durst der sich unterwegs gebildet hatte war bereits unerträglich geworden. Dazu brannte die Sonne unerbittlich auf den Schero. Die Schweißproduktion wurde angeregt und dazu dehydrierte der Körper leicht. Da half dann nur noch den Flüssigkeitshaushalt wieder auf Vordermann zu bringen. Das El Sol lag ja eh auf dem Weg und bot gekühlte Getränke feil. Eine gefährliche Falle für den umherziehenden Junggesellenabschiedstrupp. Auch wenn es Radeberger war, schmeckte es ganz gut. Da Böning noch nicht so viel getrunken hatte fiel es ihm relativ schwer die Frauen anzusprechen. Ich konnte ihn gut verstehen und war froh, das ich nicht in seiner Lage war. Besonders die Sprüche der anderen Teilnehmer waren jedes mal eine weiter Handvoll Salz in die Wunden. Dabei fiel auf, das die fiesesten Sprüche von den Männern kamen, die bereits verheiratet waren und die den Abschied schon hinter sich hatten. Besonders stach Florian hervor. Wie schon erwähnt hatte er ja seine Tortour hinter sich. Ich hielt mich dezent zurück. Wer weiß wann es mich mal trifft. Muß ja kein Junggesellenabschied sein.

Vom El Sol zogen wir dann erstmal weiter. Böning hatte nun auch schon die ersten Fläschen an die Frau gebracht und auch das eine oder andere Küsschen kassiert. Ob das mit dem bezahlen immer so geklappt hat, steht in den Sternen. Als nächste Station würde eigentlich das Gänseliesl anstehen, aber wir passierten einen Rossmann und Günner bestand darauf, das Patrick geschminkt wird, so wie es bei ihm auch gemacht wurde. Pech für die junge Dame, die wir dann im Inneren des Ladens aufgegabelt haben. Aber sie machte ihre Sache hervorragend und machte einen ganz hübschen Bengel aus dem Böning. Hier fiel dann der Kai ein wenig aus der Reihe. Er malte Böning die Fingernägel in einem hellen rosa an. Was mich jetzt wundert war das er sich damit so gut aus kannte. Seit dem er in Hamburg wohnt entwickelt er ganz eigenartige Talente. Sollte sein Nebenjob dort oben doch nicht an der Uni sein? Die junge Frau und ihre Großmutter wurden dann mit einem Schnaps entschädigt. Dummerweise erwischten sei einen Euzenberger und das könnte man auch als Körperverletzung auslegen. Aber tapfer verzogen sie keine Miene. Beim Verlassen des Rossmann bedankten wir uns noch bei den Verkäuferinnen und zogen weiter.

Bis zum Gänseliesl, wo dann Böning weiter auf Unterschriftenfang ging. Was nun nicht vernachlässigt werden darf, ist der Getränkenotstand. Also gingen Görtler, Thomas B. Und ich erstmal los und organisierten aus einem nahe gelegenen Kiosk zwei Sechserträger Pils. Mittlerweile hatte Böning schon ein paar Unterschriften gesammelt und ein paar mehr Schnäpse getrunken. Die Zunge wurde leicht schwerer und er um einiges lockerer. Am Gänseliesl trifft man auch immer nett anzusehende junge Damen, die dann gerne mal einen Euro springen lassen für einen guten Schnaps. Nur verstehen die dann unter Schnaps süße Getränke, wie Roten oder Babalou. Da muß mal ein ordentlicher Löwentor rein, der zieht einem die Falten aus dem Sack. Ich durfte sogar wieder als Dolmetscher tätig werden. Normalerweise als Fotograf angeheuert, stand dann Kai, der den Böning begleitet vor einem Verständigungsprobleme. Eine junge Dame, vermutlich aus Frankreich, dem Dialekt nach, sprach kein Deutsch und schaute recht verwirrt drein. Vielleicht war das auch eine Taktik um uns schnell wieder los zu werden, aber sie hatte nicht mit meinen überragenden Englischkenntnissen gerechnet. Die jahrelange Übung mit Friede machte sich ein weiteres Mal bezahlt. Kurz und schmerzlo serklärte ich ihr die Lage der Nation und ehe wir uns versahen zückte sie das Portemonaie. Wenn das man immer so einfach gehen würde. Etwas Abseits trafen wir dann auf die erste Überraschung. Damit war aber nicht die Jugendaktivitätengruppe „Rettet die Otter“ gemeint, sonder zwei junge Damen, die vielleicht mein Alter hätten sein können. Die eine sehr hübsch, obwohl sie eine unvorteilhafte Dutt-Frisur hatte. Dafür hatte sie andere schlagende Vorteile, die man von oben herab gut beobachten konnte. Es war spannend, denn jeden Moment hatte man Bedenken das die Dinger aus dem Oberteil sprangen. Was macht man in so einem Fall. Springt man nach vorne und hilft ihr beim wieder einpacken? Betätigt man die Kamera, um möglichst schnell die Speicherkarte voll zu bekommen? Das Rätsel wird wohl auch ungelöst bleiben. Aber nett waren die Zwei und nett wie wir waren luden wir sie auch gleich zur Hochzeit von Böning ein. Der konnte dazu gar nichts mehr sagen, aber machte auch keine großen Wiederworte. Man muß ja auch mal an die Unverheirateten auf solchen Hochzeiten denken.

Nächste Halt war das Schucan, wo wir uns mit Bier stärken mußten. Die Sonne tat ihre Pflicht und dörrte unsere Körper aus. Bier gab es aber nur für uns denn Böning mußte noch ein paar Unterschriften am Gänseliesl sammeln und eine junge Dame quer über den Rathausplatz tragen. Organisiert hat das der Philip und ich mußte mich wieder wundern, wie er das immer hin bekommt. Er ist halt ein natürlicher Charmebolzen. Aber das Zusammenspiel von Kai und Philip ist sensationell. Kai gibt Befehle und Philip befolgt diese ohne nachzufragen. Gute Erziehung. Als nächstes trat ein weiblicher Junggesellenabschied auf den Plan. Die haben die Braut als Musicbox verkleidet und die sang dann gegen Geld. Was ich nicht ganz verstanden habe, war, warum die anderen Mädels auch alle mit geträllert haben. Ist es nicht Sinn und Zweck des Abschiedes das sich nur der Bräutigam, respektive die Braut zum Ei machen. Die scheinen da was falsch verstanden zu haben. Wir bezahlten den Gesang in Flüssignahrung und waren dann aber doch froh als sie weiter zogen.

Kurze Zeit später organisierte Philip schon wieder die nächsten zwei Mädels. Diesmal blond und wieder ungefähr mein Alter. Die setzten sich erstmal in unsere Runde und bedienten sich bei den Schnäpsen. Urplötzlich mutierten alle Anwesenden zu Baggerfahrer und versuchten das schwache Geschlecht zu beeindrucken. Als dann auch noch die Vorstellungsrunde los ging, wagte ich die Flucht nach vorne und ging erstmal auf Toilette. Doch ich wusste, das ich damit nicht wegkommen würde. Als ich wieder raus kam, ging das Geschrei schon los. Begrüßt wurde ich mit Sprüche wie: „Da, der da, der wird nächste Woche 30!“ „Und fährt einen dicken Chrysler!“ „Und Ingenieur ist er auch.“ „Pitsche, die zwei sind auch 29!“ Ich versuchte die Blutniagarafälle in meinen Kopf zu stoppen und setzte ein Lächeln auf. Gegenargumente würde ja eh nichts bringen, also ließ ich die Viehmarktbetreiber ihren Spaß haben und versuchen mich an die Frau zu bringen. Solche Sprüche kenne ich zu Genüge. Nachdem sich dann die Aufregung gelegt hatte, wurde es Zeit weiter zu ziehen. Das Thanners wurde einprogrammiert und angesteuert.

Ort angekommen wurde sich einfach an Tische gesetzt und keiner bestellte was. Also stürmte ich die Theke und bestellte die Runde. Dieses Verhalten finde ich eigentlich recht gut. Auch wenn nur zwei Mann an einer Bierzeltgarnitur sitzen, heißt das noch lange nicht, das man sich da nicht hinzu setzen darf. Die Niedersachsen sind da immer ein wenig verklemmt. Die Runde kam und es wurde munter sich unter das Volk gemischt. Am Nachbartisch befanden sich dann ehemalige Schulkolleginnen von Patrizia, die Florian gleich in ein Gespräch verwickelte. Wenig später kam dann ein zweiter Junggesellenabschied vorbei, die sich was richtig fieses ausgedacht haben. Der Bräutigam hatte ein Nagelbrett auf dem Rücken und durfte mit Wasserballons beworfen werden. Ein weiterer Grund im Sommer zu heiraten. Das mußte auch der Kai noch ausprobieren und warf dann auch erstmal wunderbar daneben. Ich weiß gar nicht wie schwer es ist Jemanden aus 2 Meter Entfernung zu treffen. Für Kai zu schwer, denn dann einen Passanten traf der gerade zufällig vorbei ging. Das Gesicht von Kai war jedenfalls einzigartig. So stelle ich mir das ungefähr vor, wenn er geschurzt hat. Wir haben dann aber Schlimmeres verhindern können, indem wir das Opfer mit Schnaps bestochen haben.

Als nächstes wollten wir dann zum Schröders weiter ziehen, weil es da ja bei Florians Abschied auch so nett war. Aber dort wurde uns dann mitgeteilt, das wir nichts bekommen würde, weil wir viel zu laut wären.Hallo, hat hier irgendwo eine Anti-Spaß-Bombe eingeschlagen und wir haben nichts mitbekommen? Nur weil wir unserer Guten Laune mit Sprechchören Ausdruck verliehen waren wir unerwünscht? Soviel zu einer locker anmutenden Studentenkneipe. Dafür haben wir aber bei der Nachbarkneipe etwas bekommen. Dort war das Publikum zwar um einiges älter, aber auch toleranter. Hier ist man doch gerne und gibt auch die Gläser wieder zurück. Noch ein paar Fotos mit den Anwesenden und einem leicht schielenden Böning geschossen und weiter ging die Tour zum MaxL.

Dort noch einen kleinen Aperitif in Form eines Becks zu uns genommen und es wurden schon einige Ermüdungserscheinungen gezeigt. Manche Augen fielen zu und es wurde in vermeintlich unbeobachteten Momenten gegähnt was das Zeug hielt. All das schrie nach einer Abwechslung der besonderen Art. Also bleib uns auch der Ritt in eine nahegelegene Table Dance Bar nicht erspart. Plötzlich umfängt mich eine Schwärze und ich kann mich gar nicht mehr richtig an die dort erlebten Sachen erinnern. Daher kann ich sie auch nicht aufschreiben. Ich kann nur mit Gewissheit sagen, das Böning ein kleines Nickerchen in eben jener Bar gemacht hat. Das habe ich nämlich auf Foto!

An der frischen Luft sollte es dann zum großen Finale in das Alpenmax gehen. Dort war eh der Motto-Abend Junggesellenabschied und wir waren der Meinung dort genau richtig zu sein. Das sah dann der Türsteher allerdings anders und gab zur Auskunft das es schon voll war. Muß man akzeptieren. Allerdings sahen das nicht alle so und drängten richtig darauf in das Alpenmax zu kommen. Das habe ich dann nicht ganz verstanden. So nett der Laden manchmal auch sein kann, ist er nicht das Non-Plus-Ultra. Nicht so lange es noch den JT-Keller gibt. Da wir aber eh nicht rein kamen, half alles aufregen nichts. Dann doch lieber weiter ziehen und das nächste Etablissement unsicher machen. Ich wiederholte fast in einer Endlosschleife, das wir doch zum Keller verlegen könnte, aber auf meinen Vorschlag wurde nicht eingegangen. Dafür ging es dann in das Savoy. Ein Zappelladen erster Güte.

Nun ist das Savoy nicht unbedingt mein Lieblingsladen. Da laufen mir einfach zu coole Leute rum und wenn man dann mit einem Junggesellenabschied da auftaucht, wird man mehr als sonst seltsam von oben bis unten angeguckt. Das muß einen einfach kalt lassen. Zunächst stürmten wir den Balkon und guckten uns die ganze Geschichte mal von oben an. Aber da das keine wirkliche Befriedung brachte, ging es erstmal in das Raucherabteil. Nebenbei liefen weiterhin alkoholische Getränke in den Schlund. Man muß ja was schaffen. Im Raucherraum war natürlich die Hölle los und schnell fand man Anschluß an die weibliche Bevölkerung. Einige jedenfalls.

Doch sich voll räuchern lassen ist so auch nicht das Wahre. Man muß ja immer unterwegs sein. Ein Abstecher in die Katakomben vom Savoy sollte hier Abhilfe schaffen. Leider waren einige nicht mehr ganz so gut zu Fuß und der gerade Gang war schon seit langem ein Fremdwort. Ich führte unsere kleine Expeditionsgruppe an, gefolgt von Günner. Der aber verlor auf der Treppe den Halt und machte eine schöne Motte. Auf der Treppe. Ein leichtes Schmunzeln konnte ich nicht verhindern, aber als er dann schmerzverzehrt seinen Arm hielt wurde ihm wieder schnell aufgeholfen. Nachdem ich ihn dann professionell abgetastet habe, hatte ich nicht den blassesten Schimmer was mit seinem Arm los war. Gebrochen war er nicht, aber er hatte eine kräftige Beule. Danach war irgendwie der Abend ein wenig kaputt. Ich fand die Stimmung im Savoy im Allgemeinen nicht so berauschend. Günner wollte nach Hause und ich packte die Gelegenheit beim Schopfe und schloß mich an. Schließlich musste ich ja um 0600 Uhr aus dem Bett kriechen und einen Zug nach Forcheim bekommen. Der Rest der Truppe ging dann auch erstmal raus und inhalierte die frische Luft. Die Fotos die gemacht hatte, sprachen für sich. Eine gewisse Mattheit schlug sich in allen Gesichtern nieder. Aber nach Hause wollten sie noch nicht, dafür aber noch mal in das Alpenmax. Ich konnte dann aber doch schweren Herzens nach Hause fahren. Klar, wäre ich noch länger da geblieben, wenn nicht der dringende Termin am nächsten Tag wäre, aber so war es dann doch schon besser.
Ich weiß nicht wie lange ich geschlafen habe, aber es war nicht lange. Ich war mir sicher, das ich meinen Wecker gestellt hatte als ich nach Hause gekommen war. Aber warum er nun nicht geklingelt hat oder ob ich ihn überhört hatte, kann ich nicht mehr sagen. Geweckt wurde ich dann von zarten Klingelauten der Haustür. Leicht verwirrt fragte ich mich selber was denn dieser Alarm jetzt soll und blickte auf die Uhr. Die zeigte mir präzise 0624 Uhr an. Vor 24 Minuten wollte ich aufstehen. Das Adrenalin schoß durch meine Adern und ich versuchte gleichzeitig meine Hose zu finden, Heiko anzurufen und festzustellen welche meiner Körperfunktionen am dringendsten waren. Alles passierte im schnellen Vorlauf. Also der Vorlauf, der sich einstellt wenn man mindestens drei Mal die Taste auf der Fernbedienung des DVD Players drückt. Glücklicherweise hatte ich meinen Rucksack schon am Vortag gepackt, so daß ich nur noch einige wenige dringende Sachen erledigen mußte und dann ging die Fahrt los. Als wir dann in Duderstadt an kamen um uns mit dem Doktor und Klaus zu treffen, fiel mir dann plötzlich ein, das ich ja meinen Fotoapparat auf der Kommode liegen lassen habe. Hätte ich einen Revolver bei mir gehabt, hätte ich mir in das Knie geschossen. Hatte ich aber nicht.

Von Duderstadt ging es dann nach Leinefelde und von dort aus in den Zug in Richtung Forchheim Erfurt, wo wir dann umsteigen mußten. Irgendwann später am Tag. Zunächst erstmal Platz sichern und endlich mal klar kommen. Während der ersten Minuten ließ ich mir den voran gegangene Abend nochmal durch den Kopf gehen und kam aus dem Kopf schütteln nicht mehr heraus. Erst als mir von Heiko das Bier gereicht wurde ging es langsam wieder aufwärts. Ja, wir lesen an dieser Stelle richtig. Ich war seit ca. 2 Stunden wach und öffnete mir eine Dose Bier. Ein sehr grenzwertiges Erlebnis und Tat, aber es ging mir danach besser. Dennoch werde ich dies nicht zur Gewohnheit werden lassen. Außerdem wurde noch gefrühstückt. Da ich auf dem Katzenplatz saß bekam ich sogar die Brötchen geschmiert. Die anderen hatten sich an einen Tisch gesetzt und da wir fünf Mann waren mußte sich halt einer auf einen Platz davor oder dahinter quartieren. Hier habe ich dann auch mal wieder zur allgemeinen Erheiterung beigetragen. Da ich nicht jedes Gespräch verfolgen konnte, da die Sitze viel vom Schall schluckten, ließ ich halt mal fallen, das die Sitze so doll dämpfen würden und ich nichts verstanden habe. Das wurde mit Gelächter kommentiert. Verstanden habe ich es zwar immer noch nicht, aber egal. Ich mußte erstmal mit meinem Zustand klar kommen. Wenige #Minuten später entschlummerte ich in einen unruhigen Schlaf.

In Erfurt wurde ich dann unsanft geweckt, da wir ja umsteigen mußten. Erste Tat nach Verlassen des Zuges war das Öffnen einer Bierdose. Jetzt macht das ganze ja wieder den Anschein, als würden sämtliche Aktionen von mir aus gehen. Taten sie aber nicht. Ich bekam immer nur Dosen in die Hand gedrückt und wurde zum Trinken genötigt. Das bilde ich mir jedenfalls ein. Auf unserem Bahnsteig schritten wir dann auch gleich zur guten Tat und half zwei jungen Damen ihre schweren Koffer in den Zug zu hieven. Das hatte auch rein gar nichts mit ihrem guten Aussehen zu tun. Man ist halt Klavier Katapillar Katzenfreund unglaublich spitz, nach so viel Bieren einfach höflich. Im Zug ging es dann weiter nach Schweinfurt und mehr Bier in den Schlund. Das man Abends noch zum Annafest wollte war zwar klar, lag aber nich in weiter Ferne. Von Schweinfurt ging es dann strammen Schrittes nach Forchheim. Von dort aus weiter zu unserer Herberge in PingstwasweißichwiedasKaffhieß. Nachdem das Zimmer bezogen wurde, machte sich der Magen bemerkbar. Ein Essen im Haus war zwar nicht möglich, aber wir konnte ja schon um 1400 Uhr zum Fest verlegen. Ob das eine gute Idee war, war uns zu dem Zeitpunkt egal, da wir Hunger hatten. Der versprochenen Busverkehr fand auch nicht statt und somit mußten wir mit dem Taxi fahren.

1432 Uhr Ankunft Annafest, die Vorfreude konnte kaum noch gebändigt werden. Anlässlich des Annafestes, welches ein christliches Fest ist, öffnen die Brauereien von Forchheim, ihre Pforten und geben den müden Wallfahrern gerne was von ihrem Bier ab. Das nun manche dort nur noch hin fahren um sich sinnlos die Mütze zu zu hämmern, kann schon mal vorkommen. Dabei schließe ich uns jetzt mal aus, da wir ja nicht aus Forchheim sind und dort zum ersten Mal sind. Jedenfalls ein paar von uns. Die ganze Geschichte findet im Wald statt, denn dort haben die örtlichen Brauereien ihre Keller in denen sie früher ihr Bier gelagert haben. Und sie verkaufen gleich aus den Kellern das Bier. Das manche Keller mit ordentlichen Biergärten ausgerüstete sind, lässt nur darauf schließen, das man auf die Wünsche der Wallfahrer eingegangen ist. Wir fanden es natürlich gut und suchten uns sofort einen Platz. Nachdem wir mit offenen Mündern durch den Beginn des Brauereihimmels gegangen sind. Die Wahl fiel uns recht schwer, doch konnten wir uns für einen Platz entscheiden, an dem wir sowohl Bier bekamen als auch etwas zu essen. Und wo wir der hübschen Bedienung auf den Hintern gucken konnten. Ich entschied mich für den Klassiker Currywurst mit Pommes, da konnte man nie etwas falsch machen. Doch vorher wurde sichergestellt, das wir schon Bier hatten. Von der Bedienung wohlgemerkt. Die Bier kamen in handlichen 1 Liter Gebinden, was schon mal sehr gut war, denn die viel zu kleinen Dosen von dem Hinweg reichten schon gar nicht mehr aus. Das Bier war lecker und die Krüge waren gut gefüllt. Aber, ein kleiner Lichtblitz im Hinterkopf sagte, das es gefährlich werden könnte. Doch das Bier löschte diesen Lichtblitz recht schnell. Rein mit dem Humpen und warten auf die Currywurst. Die dann auch kam, aber nichts außergewöhnliches war. Hauptsache irgendwas im Magen, was die ganze Bierflut ein wenig verteilen würde. Bevor wir dann den zweiten Humpen in Angriff nehmen konnte, entschieden wir uns im einigermaßen nüchternen Kopf wenigstens das gesamte Fest besucht zu haben und brachen auf.

Einmal das Fest rauf und dann wieder runter. Im Großen und Ganzen waren die Fressbuden und anderlei Buden nichts außergewöhnliches. Und als wir dann gerade an einer kurve waren, kamen dann die Vereine mit Spielmannzügen den Berg hoch. Ja richtig es ging immer schön bergauf und man sah es den armen Teufeln auch an. Verschwitzt eine Müdigkeit im Gesicht und mit neidischen Blicken auf die Umstehenden mit Bierkrügen. Neben mir tauchten dann Heiko und Daniel wieder auf mit einem Spaghetti-Eis in der Hand. Ich fragte mit einem recht ungläubigen Blick, o das denn ihr Ernst sei und Heiko antwortete: „Klar, wenn man dann brechen muß, schmeckt die Kotze dann wenigstens süß!“ Ich dachte mir meinen Teil und drängte auf das weiter gehen, denn ich hatte schon wieder Durst. Nachdem dann das Fest inspiziert wurde ging es dann auch an die nächste Gebetsstation in den nächsten Biergarten und die 1 Liter Gebinde kamen recht zügig ran. An dieser Station waren allerdings schon einige Plätze besetzt und wir haben nur noch einen Tisch direkt unter der Bühne bekommen. Wenige Minuten später fing dann die Band auch zu spielen. Zünftige Blasmusik. Passend zum Fest halt. Ich bin nun absolut kein Fan von Blasmusik oder Volksmusik im Allgemeinen, aber sie passte halt zum Fest. Als würde man einen Schlüssel herum drehen, rasteten alle aus. Es wurde geklatscht und geschunklet. Ich weiß nun auch ncith ob es am Bier lag oder an der Wärme oder an den ganzen hübschen Frauen die herum sprangen, aber ich machte mit. Und nicht zu knapp.

Nach zwei weiteren Maß Bier wollten wir dann erstmal weiter ziehen und zu einer anderen Brauerei. Und es drückte ein oder zwei mal die Blase. Uhrzeit war mittlerweile ein Fremdwort geworden, daher kann ich nur abschätzen. Es muß schon später Nachmittag gewesen sein. Vielleicht sogar schon Abendbrotzeit, aber wir hauten uns weiter kräftig Maß rein. Das Bier war so was von süffig. Eine meiner größten Sorgen bei so einem Fest sind ja, das ich irgendwann den Appetit auf Pils verliere und dann Mixgetränke trinken möchte. Aber hier war das nicht der Fall. Das Bier ging fleißig rein. Und hier muß ich jetzt mal eine Lanze für die Franken brechen. Ein so geselliges Völkchen trifft man selten. Ich weiß ja nicht ob es in den ganzen südlichen Ländern so ist, aber hier konnte man sich einfach an eine lange Tafel setzten und kam sofort ins Gespräch. Man unterhielt sich über dies und das. Und als Preuße war man ja immer willkommen. Allein schon, damit man richtig abgefüllt wird uns sich vor den Einheimischen blamiert. Aber man wurde auch schnell abgelenkt, durch das schönere Geschlecht. Es war unglaublich wie viel hübsche Frauen dort herum liefen. Und das Beste war, sie alle tranken Bier aus großen Steinkrügen. Es war nett. Sehr nett. Und dies wurde auch dokumentiert. ich Jemand hatte eine Handykamera mitlaufen, als gewisse Vorzüge einiger junger Damen diskutiert wurden.

Zum Glück hatten wir einen Platz unter einer Plane ergattert, denn es schüttete plötzlich aus Eimern. Mußte ja so sein. Dank des Platzes unter der Plane war unser Platz dann sehr beliebt. Dumm nur, wenn der Regen die Fantasie anregt und man plötzlich auf die Toilette muß. Als ich wieder da war, sah ich aus wie geduscht und beinahe hatte ich mich auch noch verlaufen. Außerdem hatte ich so die Gelegenheit ein Maß Vorsprung zu ergattern, das ich bis zum Ende durch hielt. Es wurde Zeit weiter zu ziehen. Denn einige unserer Reisegruppe gefiel das Fehlen von der Musik nicht so. Na dann, auf zur Bude wo die Musi gespielt hat.

Dort war es bereits voller geworden und doch ergatterten wir einen Platz, in dem wir uns einfach irgendwo dazu setzten. Hier setzten dann bei mir einige Erinnerungslücken ein. Ich weiß wohl noch das es wieder angefangen hat zu regnen und wir deshalb eine Treppe hoch geflüchtete sind die zur Band geführt hat. Dort stand ich eher teilnahmslos herum und Heiko laberte diverse Leutchen zu. Ich glaube er hat sich sogar eine Karte der Band geben lassen, die aus der Tschechei kam. Man weiß ja nie wozu man das noch gebrauchen kann. Die Uhr rückte dann so langsam abe sicher auf die große 11 zu und das hieß, daß das Annafest schließen würde. Für uns ein Zeichen nach Hause zu gehen. Ach ja, kurz vorher muß ich wohl ein bis zwei Mal am Tisch eingenickt sein. Was aber keinesfalls meine Schuld war. Ich vermute beim angestrengten Gucken nach den ganzen hübschen Frauen, hat mich irgendeine frecherweise hypnotisiert. Bei einer nahe gelegenen Fressbude wurde sich noch ein mittlerer Brezel in der Größe von Brandenburg geholt und dann ging es mit dem Krug nach Hause.

Krug? Was denn für ein Krug? Ich habe einen Krug mit gehen lassen. Erstens hatte ich noch gar nicht ausgetrunken, zweitens gab es darauf keinen Pfand und drittens braucht man auch mal ein Andenken, als Preuße. Heiko hat sogar drei mit genommen. Ich könnte ja jetzt sagen wer sich hier mit Krügen eingedeckt hat, aber ich will ja keinen anscheißen. Das Warten auf das Taxi stellte sich schnell als Warten auf Godot heraus. Es kam nicht und wir mußten ewig warten. Dafür hatten wir aber noch eine sensationelle Einlage von einem Fahrradfahrer, der sein Vehikel schob und sich trotzdem auf die Fresse gepackt hat. Der Polizist der ihm dann geholfen hat, war auch nur leicht genervt. Dann endlich fuhr die Kutsche zum Hotel und wir konnten unsere müden Knochen zur Ruhe legen.

Nach einer unruhigen Nacht ging es dann zum Frühstück und zum Bezahlen. Da stellte sich mal wieder raus, das nicht alle Franken freundlich sind, denn der tolle Wirt hat uns sauber über den Tisch gezogen und uns schön 5 Euro mehr abgezogen. War eh ein Arschloch. Verzeiht meine Ausdrucksweise, aber dieser Typ war einfach ein Arschloch. Kunden sind für ihn anscheinend nur ein Ärgernis und so behandelt er sie auch. Also falls ihr mal zum Annafest wollt, dann mietet euch nicht beim Gasthof Eger in Pinzberg ein. Halsabschneider und Arschloch. Wir hatten dann noch einen Aufenthalt in Forchheim selber welchen wir mit Getränkebummel vertrieben. Heiko trank bereits wieder Bier und ich hatte ehrlich gesagt auch Lust dazu. Mir ging es nicht schlecht, ganz im Gegenteil, ich fühlte mich bestens. Aber es gibt ja die Sonntagsregel. Hieß für mich alkoholfreie Getränke.

Die Zugfahrt selber war ereignislos. Man wünschte sich nur noch so schnell wie möglich nach Hause zu kommen. Und dann passiert das typische. Ereignislos trifft die ganze Geschichte nicht ganz. An einer Station nahmen wir den falschen Zug, konnten aber dennoch durch früheres Aussteigen den richtigen Zug erwischen. In Gotha. Ein Ort der für mich ab jetzt mit Wartezeit verbunden ist. Denn als der richtige Zug ankam, fuhr der nicht los, sondern blieb einfach stehen. Technischer Defekt. Tolle Wurst. Es war schweinewarm, mein Wasser blubberte nur noch weil es in der Flasche kochte und die Bahn reicht nicht mal Getränke an die Reisegäste. Das nenne ich mal Service. Mit einer Stunde Verspätung kamen wir dann in Leinefelde an. Gerädert, verschwitzt und gefühlte fünf Tage auf Sauftour gewesen. In Leinefelde verliebte ich mich auch noch mal unsterblich. Sie war blond gelockt, hatte ein umwerfendes Gesicht und guckte mich nicht einmal an, als ich sie mehr als laut ins Gesicht blickte. Also nichts Neues. Das Auto vom Doktor stand auch noch und es ging heimwärts. Geschätzte Zeit auf dem Sofa, bevor ich bewusstlos wurde: 10 Minuten.

P.S.: Ich glaube die KW 31 wird verdammt anstrengend für mich…

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