Broken cluster in Sector 666

Freitag Nachmittag, der Büroalltag war noch nicht ganz vorbei und doch war ich schon mit meinen Gedanken im Wochenende. Mein Telefon klingelt und dran war der Ortsbrandmeister. Ich hatte schon Befürchtungen das er mich wieder für einen Arbeitseinsatz verpflichten wollte, aber er hatte ganz andere Fragen. Und zwar wo man mich gegen 1900 Uhr abholen soll. Ich war zugegebenermaßen ein wenig verwirrt, da ich absolut nicht den blassesten Schimmer hatte wovon er sprach. Schnitzel hätte ihn darauf hingewiesen, das ich doch auch Lust hätte mit zum Festakt nach Werxhausen zu kommen. Aha, bin ich schon so senil, das ich mich an diese Unterhaltung gar nicht mehr erinnern konnte? Eher nicht, Schnitzel hatte nur mal vorsorglich angefragt und wollte wohl das ich mit komme. Da sage ich dann natürlich herzlichen Dank und hatte nun schon Pläne für den Freitag Abend. So fuhr ich denn frohen Mutes nach Hause und bereitet mich seelisch auf einen Festakt vor von dem ich vor drei Stunden noch gar nichts gewusst hatte.

Frisch gestriegelt und im feinen Zwirn wurde ich dann kurz nach 1900 Uhr abgeholt und wir fuhren mit vier Mann zum Festakt. Und ich muß jetzt mal sagen, das die C-Klasse von Mercedes einfach viel zu eng ist. Schnitzel Holger und ich passten gerade so rein und ich machte schon Pläne wie wir den Mercer wieder verlassen wollten. Ich hoffte nur, das in Werxhausen ein Kran vor Ort ist. Nach einigen drücken und schieben ging es dann aber doch. Und wir waren viel zu früh dran. Der offizielle Teil würde erst gegen 1930 Uhr beginnen und bis dahin mußte man ja die Zeit irgendwie überrücken. Man hätte nun auch schon in die Kirche gehen können, um sich dort einen Platz zu sichern, aber das wäre ja langweilig. Ich fand es eh sehr seltsam, das die ganzen Reden in der Kirche geschwungen wurden. Vor allem wäre es doch bestimmt komisch, wenn man mit einem Pils in der Kirchenbank sitzen würde. Aber ich wollte mich überraschen lassen. Da wir also noch nicht in die Kirche gehen wollten gingen wir kurzer Hand an ein Bierschiff, welches freundlicherweise aufgebaut wurde. Im direkten Vergleich gewinnt das Bierschiff immer gegen die Kirche. Zum einen gab es da Bier und zum anderen junge, hübsche Damen die einen das Bier gerne auf den Tresen stellten. Die erste Runde ging dann auf den Holger und leider sollte es auch bei der einen Runde bleiben, denn die Zeit rast vorbei wenn man etwas Schönes macht. Ich hoffte nur, das es in der Kirche auch etwas zu trinken geben würde, aber ich hatte da so meine Zweifel.

Und so war es dann auch. Nichts gab es. Keinen Gottesdienst, kein Bier und harte Bänke. Doch es wurde uns versichert, das wir binnen einer Stunde wieder draußen sein würden. Auch hier machten sich bei mir ein paar Zweifel breit, die ich aber unter Schimpfen wieder in ihre Ecke schickte. Man würde uns doch nicht belügen. Kurz gesagt es war schweinelangweilig. Da nicht nur ein Feuerwehrjubiläum gefeiert wurde sondern auch 825 Jahr Werxhausen wurde natürlich mit Lobhudeleien nicht gespart. Und wir saßen da und hatten nichts zu trinken, einen Riesendurst und 10 Minuten nach Beginn der Reden fing meine Blase an zu drücken. Ich liebe Festakte. An Gastrednern gab es jedenfalls keinen Mangel und es wurden sich am Ambo ordentlich die Taschen voll gehauen. Als ich zwischenzeitlich mal meinen Flüssigkeitsstand überprüfte stellte ich fest, das meine Kehle sehr trocken war Dummerweise kam man auch nicht raus, auch wenn wir ganz hinten saßen. Die eine Stunde die es dauern sollte, war schon lange vorbei gewesen und ein Ende war nicht in Sicht. Ich verfluchte denjenigen der so lapidar gesagt hat, das es nur eine Stunde dauern würde. Die absolute Krönung war aber der Bürgermeister von Westhausen, einem Partnerdorf von Werxhausen, aus der ehemaligen SBZ. Ich dachte er würde sich kurz fassen, aber als er dann anfing über den 30jährigen Krieg zu referieren, da sah ich schon kleine Sternchen vor meinem Auge tanzen. Das er nicht mit der Kontinentalverschiebung angefangen hat war alles. Und das Schönste war ja das der Bürgermeister, der übrigens auch schon beinahe beim Sprechen eingeschlagen wäre, die Feuerwehr ganz vergessen hatte. Er wollte die gesamte Versammlung schon beenden, bis dann endliche die Feuerwehr aufstand und auch ein wenig was kund tun durfte. Ich weiß ja nicht was in dem Dorf so alles los ist.

Nachdem dann der Männergesangsverein noch einen geträllert hat wurden wir entlassen. Endlich, Freiheit! Noch nie war meine Freude größer das Gotteshaus zu verlassen. Ich begab mich auf direktem Wege zur Bierbude um sofort ein ganzes Tablett auszutrinken, doch mein Telefon klingelte und meine Mobilbox erinnerte mich an einen Anruf von Ingo. Also mußte ich das erst erledigen. Das Schlimme war ja, das mir Reden und diese ganze Selbstbeweihräucherung der Kommunalpolitiker und ihrer Pendanten aus der Zone nichts ausmachen. Solange ich permanenten Zugriff zu legalen Betäubungsmitteln habe. Sprich, wenn ich mit Bier, kostenfrei oder kostenpflichtig, versorgt werde höre ich mich sogar die Lesung aller Hirtenbriefe der vergangen 50 Jahre an. Aber so war es eine harte Geduldsprüfung. Zweimal war ich kurz davor die kleinen Kniekissen durch die Kirche zu schmeißen und nicht jugendfreie Wörter zu rufen die nur indirekt mit dem 30jährigen Krieg zu tun gehabt hätten. Ingo wollte mir eigentlich nur mitteilen, das er aus der Abendplanung raus sei, da er am nächsten Tag wandern gehen wollte. Ich überprüfte kurz ob ich den richtigen Ingo angerufen hatte und teile ihm mein Beileid mit zu seiner getroffenen Entscheidung. Ich informierte ihn zwar noch über den weiteren Verlauf des Abends, das es noch nach Hilkerode gehen sollte, aber auch da war nichts zu machen.

Nach dem Telefonat verlegte ich sofort nach drinnen. Man möge sich erinnern, ich hatte unglaublichen Durst und meine Blase war schon auf die Größe einer Wassermelone angewachsen. Und dann kommen einen Rentner in die Quere. Was ich ganz besonders liebe sind ja Massen an älteren Leuten die vor einem her gehen. Ich habe nichts dagegen, das sie ein wenig langsamer sind oder die Treppe nicht mehr so schnell hoch gehen können. Keineswegs. Aber wogegen ich etwas habe das sind plötzliche Stops auf der Treppe oder in Eingangstüren, weil man zufällig seinen Nachbarn getroffen hat, mit dem man vor der Tür schon drei Stunden lang gelabert hat. Ohne Vorwarnung bleibt Kollege Geront einfach stehen und blockiert den natürlichen Verkehrsfluß. Bei so was da fällt mir ein Ei aus der Hose. Wenn ich nicht so gut erzogen wäre dann hätte ich den Spezialisten die Leviten gelesen, aber der Respekt vor dem Alter hielt mich dann zurück. Man darf einen Mann nicht aufhalten wenn er dringend auf die Toilette muß oder Durst hat oder Beides. Das kann Böse enden und das Eichsfelder Tageblatt hat am Samstag Morgen einen Sensationsreport über einen Amoklauf zu berichten. Nach mehreren Stopattacken habe ich es dann auch zur Toilette geschafft und wieder in den Innenbereich. Dort wurde mir dann gleich ein Platz zugewiesen und ich schnappte mir das Glas von Holger. Wer zum Rauchen raus geht, der kann auch noch Bier mit bringen. Es folgten nun weiter kurze Reden und dann wurde das Buffet frei gegeben. Essen hatte ich zwar nicht mit eingeplant, aber gestört hat es auch nicht. Es war lecker, aber nicht mit den Freuden zu vergleichen welches das Bier bereitete. Da wurde nun einiges wieder gut gemacht, denn die Bedienung sah zum einen recht hübsch aus und brachte zum zweiten immer volle Tabletts mit Pils an den Tisch. Dumm nur das die Feuerwehr Westerode vor Kopf saß und somit immer am Verteilen war. Und nach außen hin sah es so aus, als würden wir das alles bestellt haben. Der Durst wurde fix gestillt, doch die Bedienung war der Meinung uns immer weiter mit Pilsen zu beliefern. Eine sehr gute Kraft, wie ich hier noch mal betonen möchte, aber so schnell konnten wir nun auch nicht trinken. Wir gaben uns zwar alle Mühen, aber hingen dennoch hinter her. Es wurde munter verteilt.

Die Grundversorgung mit Bier war erstmal sichergestellt und die Uhr tickte unaufhörlich, denn Holgers Frau holte uns schon um 2300 Uhr wieder ab. Aber da sollte ja für uns noch lange nicht Schluß sein, denn es sollte ja noch nach Hilkerode gehen. Dummerweise kam dann die Bedienung mit einem Tablett Schnaps vorbei. Ich entschied mich für den Bismarck, weil ich die dunkele Flüssigkeit als Jägermeister identifizierte. Aber es war ein anderes Zeug welches irgendwas mit Bergen zu tun hatte. Es war klar das ein Kräuterkram sein würde und daher nicht für mich gedacht. Doch ich hörte mich selber davon noch eine Runde bestellen, weil ich ihn mal probieren wollte. Hörte ich Richtig? Da saß ich nun mit dem braunen Zeug im Glas und versuchte ihn zu trinken. Hatte das Bier meine Zunge gelockert? Ich weiß es nicht mehr, aber der Schnaps war nicht sehr schön. Im Mund breitete sich ein widerliches Aroma aus und ich dachte schon, das ein Backenzahn anfing zu wackeln. Doch als der Schluckvorgang endlich eingeleitet wurde war da nichts mehr. Ich bereitete mich auf ein Kratzen vor das man sonst nur beim Verschlucken von Stacheldraht verspürt, aber der Effekt bleib aus. Trotzdem würde ich davon kein weiters Glas mehr trinken. Wie auch, denn Holgers Frau holte uns ja bereits ab. Im Eilgang ging es dann nach Hause, weil wir uns ja noch umziehen mußten. Das wurde schnell erledigt und dann fuhr uns Tobi nach Hilkerode, wo dann der restliche Abend bestritten werden sollte.

Am liebsten würde ich meine Berichterstattung an dieser Stelle abbrechen, aber das kann ich nicht so ohne Weiteres machen. Da ich der Wahrheit verpflichtete bin muß ich es niederschreiben. Schon auf dem Weg zum Schützenhaus kamen alte Erinnerungen wieder hoch. Erinnerungen an Stengel Parties die bis in die frühen Morgenstunden gingen. Die Wiese voller Flaschen und jede Menge vollstrammer Leute. Schöne Erinnerungen also. Am Eingang trafen wir dann erstmal auf Josef S, Bruder von Schmierpopel. Die Ähnlichkeit ist auch verblüffend. Sollte man zu Beginn nicht drauf kommen, das sie verwandt sind, merkt man es spätestens wenn sie anfangen zu lachen. Das gleiche breite Grinsen und die gleiche dreckige Lache. Es wurde dann sogleich Eintritt bezahlt und auf direktem Wege zur Markenkasse gegangen. Und wen traf man da wieder? Josef. Ich fragte mich erneut wie er sich so schnell bewegen konnte. Wurde während meines Gedankenganges überrumpelt und nahm gleich das große Markenpaket. Machen wir uns mal nichts vor, das würde ich eh alle bekommen. Sogleich wurde es in Mischungen investiert. Ich rang ein wenig mit mir selbst, da ich wusste, das wenn ich mit Mischungen anfangen würde der Abend sehr stramm enden würde. Aber was mir nicht klar war, war ja die Stärke der Mischungen. Neugierig wie ich nun mal bin bestellt ich gleich Bacardi Cola und konnte meinen Mund wieder mal nicht halten. Ich bestelle mal wieder mit den Worten: „Einen Bacardi Cola bitte, aber laß beim Bacardi ordentlich die Peitsche knallen!“ Und die Peitsche hat geknallt. Direkt in meine Blutbahn. Die Mischung war hart, aber sie schmeckte gut. Gefährlich war nur der Biertrinkmodus in dem ich noch war. Und der lässt sich nicht so einfach abschalten. In der gleichen Geschwindigkeit lief nun also Bacardi Cola rein. Der Beginn eines sehr grenzwertigen Abends.

Da ich ja in Hilkerode nun auch kein Unbekannter bin, dank meiner Tätigkeit als Jugendfeuerwehrwart trifft man da allerlei Leutchen, mit denen man schon das einen oder andere Bier getrunken hat. Oder man hat von ihnen Trockeneis unter T-Shirt geworfen bekommen. Dieser spezielle Vorfall hatte natürlich mit Regin zu tun. Und wenn man dann mal in Hilkerode ist und auf die ganzen Kaputten aus der Jugendfeuerwehr trifft wird gleich die Frage nach einer Abschlußfeier laut. Der wievielte Teil ist mir ein wenig aus dem Gedächtnis entschwunden, aber die nächste wird auf jeden fall eine kombinierte. Bei der ganzen Zeit ist dann auch immer weiter Bacardi rein geflossen. Und auch die Versuche von Regin die Bedienung zu überreden mir nichts mehr zu geben schlugen fehl. Ich mußte ja auch meine ganzen Marken alle bekommen. Und daran arbeitete ich mit allem Nachdruck. Leider etwas zu hart, denn ab einem gewissen Zeitpunkt kann ich mich nur noch an Schnappschüsse erinnern. Und die sind absolut nicht sehenswert. Es muß wohl ziemlich zum Ende gewesen sein, denn wir wollten wohl aufbrechen. Aber ich dann wohl eher nicht, denn man berichtete mir das ich wieder ins Schützenhaus gegangen bin und das Tanzbein geschwungen habe. Das konnte ja nun gar nicht sein, denn ich gehe ja normalerweise gar nicht tanzen. Diese bösen Gerüchte behaupten, das ich ganz schön abgegangen bin auf der Tanzfläche. Ich muß nun eingestehen, das bei den ganzen Schnappschüssen auch Eindrücke von der Tanzfläche bei waren. Aber ich war immer der Meinung, das ich da nur nach dem Rechten geguckt habe. Anscheinend doch nicht. Doch der feine Kai muß den Bogen ja wieder überspannen. Er meinte nun tatsächlich, das er und ich an einer der dort aufgestellten Stangen getanzt hätte. Das kann nun aber gar nicht sein. Was hier wiederum auffällig ist, das solche Sachen immer in Hilkerode passieren. Jedes Mal wenn ich dort bin artet es aus und hinterher behaupten böse Menschen ich wäre auf die Bühne gegangen oder hätte an Stangen getanzt. Das prangere ich an.

Alles was danach passierte entzieht sich meiner Kenntnis. Ich habe keine Ahnung mit wem ich nach Hause gefahren bin, aber ich weiß das ich noch beim Bäcker war und dort mich mit Käsegebäckteilen eingedeckt habe. Der Hunger übermannte mich einfach. Außerdem brachte mich ein Taxi noch nach Esplingerode nach Hause.

Dort erwachte ich auch am Samstag Morgen und wunderte mich. Wie bin ich dort hin gekommen? Wo zum Teufel ist mein Telefon und warum liegen meine Klamotten auf dem Flur? Die drei Fragezeichen ermitteln schon in dem Fall. Mein Telefon lag dann bei meinem Computer und dort lag dann noch eine Bäckertüte, was mich darauf schließen lassen hat das ich in den frühen Morgenstunden noch Hunger bekommen hatte. Den Inhalt, eine halbe Käsestange, extrahierte ich sogleich in meinen Magen. Was dann vielleicht eine nicht ganz so gute Idee war. Aber für den Anfang machte es Sinn. Nach einem Telefonat mit Porno herrschte weiterhin Unklarheit. Porno wusste nämlich auch nicht wie er nach Hause gekommen ist. Da wir Beide nichts mehr wussten kann es durchaus möglich sein, das wir zusammen im Taxi gefahren sind. Außerdem quälten ihn noch ganz andere Sachen. Er hatte einen seltsamen Geschmack im Mund und ich möchte jetzt hier nicht weiter drauf eingehen. Die Vorratsdatenspeicherung hat auf jeden Fall Spaß bei der Sichtung dieses Gespräches. Gerüchteweise heißt es das Porno wohl in einer nahegelegenen Ecke seinem Mageninhalt noch mal die große Welt gezeigt hat und sich dann Mund abwischend in den Bäckerladen begeben hat. Dazu fällt mir nur ein Wort ein: Grenzwertig! Nachdem ich dann komplett wieder hergestellt war fuhr ich mir Mittagessen organisieren. Dieses bestand dann kreativerweise aus einer Tiefkühlpizza. Doch der ganze Streß und die ganze Bewegung hat einen guten alten Bekannten auf den Plan gerufen. Also ich wieder zu Hause war, hat sich ein unheimliche Kater angeschlichen uns ich bei mir eingenistet. Die Pizza wurde zwar zubereitet, aber nicht verspeist. So einen immensen Durchhänger hatte ich schon ewig nicht mehr und konnte daher auch nicht damit umgehen. Das alles sollte ich dann aber bessern, als es nachmittags zur Feuerwehrübung ging. Es regnete und es waren nicht alle da, somit gingen wir gleich zum Bier trinken über. Und es ging mir rapide besser. Allerdings fand ich es ein wenig grenzwertig am frühen Morgen mir schon Bier rein zu kippen.

Abends ging es dann zu Bemi in die Bar. Schnitzel fuhr mich freundlicherweise rüber, das hatten wir wohl schon am Vorabend abgemacht, was mir wiederum komplett entfallen war. Nach kurzer Begrüßung und vor allem erneuter Gratulation, da ich ihn schon am Nachmittag beim Einkaufen getroffen habe wurde die Getränkefrage akut. Es waren ja noch nicht so viele Gäste anwesend und daher gab es wohl auch noch kein Bier. Aber als ich dann den Raum betrat, sah Bemi sich gezwungen Bier heran zu schaffen. Ich weiß zwar nicht warum, aber ich scheine eine derartige Ausstrahlung zu haben. Dabei gebe ich mich immer recht friedlich. Ich hatte aber auf der anderen Seite auch nichts dagegen, wenn es jetzt sofort an das Bier trinken gehen würde. Ganz im Gegenteil. Bemi hatte vorsorglich Faßbier besorgt. Und nicht irgendein Faßbier. Jeder kann sich hinstellen und eine Zapfanlage zu besorgen und das ganze Equipment sich in den Keller stellen. Aber Bemi hatte ein 15 Liter Faß von Krombacher besorgt. Und das ließ sich ohne Zapfanlage bedienen. Man mußte nur einen Zapfhahn in das Faß hämmern und dann konnte es los gehen. Da stellt sich jetzt nur die Frage, ob man den Zapfhahn ordentlich hinein bekommt. Man kennt ja die allzu lustigen Videos in denen danach eine Bierdusche das Resultat war. Insgeheim wünschte ich mir das dann und freute mich schon auf einen 15 Liter oralen Einlauf und überlegte schon ob der Magen das alles fassen kann. Außerdem berechnete ich als fähiger Ingenieur schnell die Flugbahn des Zapfhahns und stellte fest, das die Mauer auf der Gegenseite stark genug wäre um das Geschoß aufzuhalten sah ich zu das ich nicht in der potentiellen Flugbahn des Zapfhahns stehen würde. Doch Bemi war ein Meister des Hämmerns und es gingen nur wenige Tropfen daneben. Los ging es mit dem Zapfvergnüngen. Es war einfach Klischeehaft. Die Frauen saßen drinnen und redeten und die Männer, bestehend aus Florian, Bemi und mir, standen vor dem Zapfhahn und freuten sich ein zweites Loch in den Hintern, da man zum Einen es hinbekommen hat, das Bier nicht zu verschütten und zum zweiten hat man Bier aus einem Faß bekommen, was Unmengen an Glückshormonen ausströmt.

Kurze Zeit später trafen dann weitere Gäste ein und die Runde wurde langsam voller. Florian machte im Verlauf des Abends dann ein echt verlockendes Angebot. Er bot an, bei weiter kommen der deutschen Mannschaft bei der EM könnte man ja am Donnerstag Abend in Hannover zum public viewing und ich im Anschluß ordentlich die Mütze voll knallen in der Innenstadt. Hieße aber dann das ich am Freitag Urlaub nehmen muß und das passt nicht wirklich. Denn ich muß ja am Freitag schon wieder zu nächsten Hochzeit. Das alles in einen eh schon vollgestopften Terminkalender unter zubringen grenzt fast an das Unmögliche. Also mußte ich schweren Herzens absagen. Da wir mittlerweile weiter sind, wäre es echt verlockend gewesen. Ich spülte die Gedanken an das Erlebnis mit ein paar frisch gezapften Pilsen weg. Da es dann auch irgendwann anfing zu regnen verlegten wir nach drinnen und ich führte mir ein wenig fest Nahrung zu. Wer weiß wie lange der Abend noch gehen würde und die Pizza, die dann später am Nachmittag zum Teil den Weg in meinen Magen gefunden hatte, hielt vielleicht nicht lange vor. Außerdem wurde Fußball geguckt. Der Weg zum Bierfaß war zum Glück nicht weit und die Gläser waren schnell voll. An der Wand hingegen lockte ohne Zweifel der Havana Club. Ich gab mir aber selber die Vorgabe noch bis 2300 Uhr der Versuchung zu entsagen. Zu sehr hing mir noch die Erinnerung oder besser gesagt die entfallen Erinnerungen des Vorabends im Gedächtnis. Auch wollte ich einen Kater wie ich ihn ein paar Stunden zuvor gespürt habe nicht erneut erleben. Einmal am Wochenende ist schon zu viel. Einmal im Monat aushaltbar. Das eine Mal hatte ich nun hinter mir und der Juni hat noch ein sehr hartes Wochenende für mich parat. Außerdem schmeckte das Pils noch extrem gut.

Wenn ich in der Bar unterwegs bin, dann treffe ich immer die Leute mit denen ich nicht jedes Wochenende verbringe, was immer recht nett ist. Sieht man sich nicht so oft, dann hat man sich auch mehr zu erzählen. So ist der Lange nun in Frankfurt beschäftigt und hat die Wohnung von Christian R., einem alten Schulkollegen bezogen. Er war allerdings ein wenig traurig darüber, das Christian demnächst seinen enorm großen Fernseher wieder abbauen will. Außerdem beschwerte er sich ein wenig über die langen Arbeitszeiten. Verglichen mit dem Studium ist das natürlich sehr hart. Ich kenne das, war ich ja auch mal Student. Natürlich habe ich als Student schon unheimlich hart gearbeitet und mir selten Freizeit gegönnt. Trinken war ich schon gar nicht und wenn man sich erzählt, das ich Mittwochs immer im Thanner’s zu sehen war, dann sind das alles böse Gerüchte. Übrigens gelten im Internet geschriebene Geständnisse nicht vor Gericht. Hoffe ich mal. Falls Gott dieses lesen sollte, dann habe ich einen Freifahrtschein in die Hölle. Aber da hängen wahrscheinlich eh die cooleren Leute rum. Zurück zum Hauptgrund, dem Trinken. Das Faß nährte sich langsam dem Ende entgegen und Bemi wollte noch ein Altbierfaß anstechen. Gut, da habe ich prinzipiell nichts gegen einzuwenden, machte mir aber bereits Sorgen, wegen der fortgeschrittenen Uhrzeit. Ich wollte ja bald auf Mixgetränke umsteigen. Aber so ein bis acht Altbier passen dann immer noch in den Schlund rein. Hoffte ich.

Das Altbier schmeckte nach den ganzen Pilsen ein wenig seltsam, aber man gewöhnte sich schnell an den Geschmack. Doch unaufhaltsam tickte die Uhr in Richtung Umschwung. Der Doktor ist bereits umgestiegen und auch sonst tranken alle Mischungen. Ich hörte die attraktive Falsche an der Portionieranlage rufen und konnte einfach nicht mehr widerstehen. Allein schon die Flaschenhalterung an der Wand überredet einen doch schon zum Trinken. „Komm her, du Lump!“, hört man sie sagen, „Hier gibt es, was du jetzt brauchst. Und alles so einfach. Das Glas einfach unter die Flasche drücken und schon kommt das Elixier des Lebens heraus!“ Ich gab nach, forderte umgehend ein Glas mit entsprechendem Havana Club Inhalt. Tallau, der mir die Mischung bereitete, addierte sogar noch ein wenig Eis. Das war allerdings überflüssig, da ich sie fast inhalierte. Sie war lecker. Sie war unglaublich lecker. Havana Club gehört einfach zu den großartigsten alkoholischen Getränken auf der gesamten Welt. Es kann durchaus sein, das ich hier ein wenig in die Schwärmerei abdrifte, aber das kann daran liegen, das ich schon seit Ewigkeiten keinen mehr getrunken habe. Der Vorabend wurde ja vom ruppigen Bruder Bacardi bestritten. Un dich glaube das war gar kein echter Bacardi der in Hilkerode kredenzt wurde. Wie ich darauf komme, solche infame Behauptungen loszulassen? Ich berufe mich da auf die Geschmacksnerven eines wahren Kenners. Felkl, auch unter dem Namen Bacardi-Felkl bekannt, kann die Echtheit an den Nachwirkungen bestimmen. Hat er am nächsten Kopfschmerzen und einen immensen Kater, dann war es billiger weißer Rum. Ansonsten hat er Glück oder es war eben echter Bacardi. Gut, ein Spätwarnsystem ist relativ nutzlos, aber man kann halt bestimmen ob einem Fusel serviert wurde. Und bei meinem Kater war es bestimmt fuseligster Fusel den man nur bekommen kann. Aber ich weiche mal wieder vom Thema ab. Havana Club macht man nicht nach. Besser gesagt, habe ich davon noch keine billige Variante gefunden. Was vielleicht auch besser so ist.

Ich war also bereits im gelobten Land und betrank mich mit Havana. Was sollte jetzt noch passieren? Man stand mal hier man stand mal da. Man unterhielt sich über dies und das. Man fotografierte den Langen beim Essen und betrank sich langsam aber sicher mit Havana Club. Und man lauschte der Musik. Ein weiteres Merkmal der Bar ist die Differenziertheit der Musik. Je nachdem wer gerade am Rechner steht, wird einem die unterschiedlichsten Musikrichtungen um die Ohren geballert. Bemi steht mehr auf Scooter und dreht dann auch gerne mal auf. Wohin gegen Tallau auch mal gerne die Richtung des JT Kellers bevorzugt. Also quer durch den Garten aber immer sehr Partygarantiert. Derart durchgeschüttelt durch verschiedene Rhythmen fiel dann auch der exzessive Einsatz des Nebelwerfers nicht mehr auf. Das Ding ist recht klein und unscheinbar, aber war im Permanenteinsatz. Die Bar glich einer Nebelhölle. Es waren auch nicht mehr so viel Gäste anwesend, sonst hätte man sich recht oft irgendwo angestoßen. Ich fand es ehrlich gesagt sehr schade, das viele schon so früh abgehauen sind. Daraufhin erntete ich etwas später ein Kommentar, der aussagte, das nur ich 0300 Uhr als früh abhauen bezeichnen würde. Ist schon was dran. Nun ja, der Nebel war drei Mal dicker als in jedem „Jack the ripper“ Film aus den späten 60ern. Dafür kam dann aber die Laseranlage richtig zur Geltung. Und ich habe meinen Fotoapparat mal auf seine Fähigkeit im Dunkeln zu fotografieren getestet. Die Ergebnisse waren teilweise recht gut. Das ein paar Fotos nichts geworden sind, kann natürlich auch an meiner unruhigen Hand gelegen haben, hervorgerufen durch den noch nicht zu übermäßigen Havana Club Konsum. Ehrlich gesagt, kann man davon gar nicht zu viel konsumieren.

Da sich die Reihen lichteten und man auch gar nicht mehr so richtig sah wer denn noch alles da ist, machte ich mir langsam Gedanken über eine Rückfahrt. Erschwerend kam hinzu das nicht mehr so viele da waren. Aber drei Leute aus Nesselröden waren noch da und die habe ich dann erstmal angehauen, ob sie mich denn in Westerode rausschmeißen würden. Ging natürlich klar. Nach kurzer aber knapper Verabschiedung, bei der ich den Bemi nicht mehr ganz verstand, da wir in unterschiedlichen Alkoholzuständen wären, ging es dann zu einem Gefährt, dessen Silhouette ich rein gar nicht zu ordnen konnte. Auch das Innenleben nach besetzen der Fahrgastzelle kam mir fremd vor. Auf Nachfragen wurde mir mitgeteilt das es ein KIA sei. Oha, Schlitzitechnik vom Feinsten. Soll ja nichts schlimmes sein, habe ich doch meine Autobesitzerkarriere auch mit einem Reiskocher von Toyota begonnen. Ein wunderbares Auto, welches ich dann aus voller Dankbarkeit in den Graben gesetzt habe. Auf der Rückfahrt ist irgendwas mit mir passiert. Ich kann nicht sagen was, aber ich hatte plötzlich das Bedürfnis mich mitzuteilen. Betrachtet man meinen fortgeschrittenen Havana Zustand und setzt ihn in Relation zu der Uhrzeit und dem eingeatmeten Rauchmittel konnte dabei eigentlich nichts vernünftiges heraus kommen. Kam es auch nicht, aber es war eine recht spaßige Rückfahrt, die ich glaube ich allein unterhielt. Als man mich dann in Westerode aus dem Auto ließ, stellte ich sofort fest, das es schon langsam hell wurde. Ein kurzer Blick auf die Uhr verriet mir zwei Sachen. Zum einen, das es um 0408 Uhr schon hell wird und zum anderen, das ich betrunkener war als ich gedacht habe. Die frische Luft schien alle schädlichen Stoffe aus meinen Lungen zu fegen und der frische Sauerstoff stellte lustige Dinge in meinem Kopf an. Außerdem glaube ich auch das frische Luft einen seltsame Dinge tun lässt. So war ich zum Beispiel froh, das ich „Das Lied der Niedersachsen“ als mp3 File auf meinem Telefon hatte. So konnte ich mit Marsch und Gesang nach Hause gehen.

Meine Augen öffenten sich zu einer unbestimmten Uhrzeit. Und es ging mir gut, was ich mir auch gewünscht hatte, als ich am Abend vorher am frühen Morgen die Augen zugeschlagen habe. Anscheinend war der Freitag Abend als oberes Maß festgesetzt worden für das Wochenende. Es war auch der erste Sonntag an dem kein Fußball war. Was sollte ich bloß den ganzen Tag machen?

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