World of pain

Freitags sollte man ja eigentlich nach einem anstrengenden Arbeitstag nach Hause kommen und sich ruhen. Man sollte sich einen netten gemütlichen Fernsehabend machen oder ein gutes Buch zur Hand nehmen. Vielleicht macht man sich eine Flasche Bier auf oder genehmigt sich ein Gläschen Wein. Gut, das würde dann eh wieder ausarten und am Ende springt man voll trunken durch eine Disco und macht sich vor versammelter Mannschaft zum Horst. Nun ja, da Eskalationen dieser Art fast schon vorprogrammiert sind, nehme ich mir solche Aktivitäten für den Freitag Abend gar nicht erst vor. Ansonsten hat man nur ein schlechtes Gewissen, wenn der Abend wie oben beschreiben endet. Meine Freizeit verbringe ich dann doch lieber mit Bier zapfen. Also jetzt nicht zu Hause an meiner fest installierten Zapfanlage, neben dem Wasserhahn sondern an diesem Wochenende bei Andres Schwiegermutter. Die feierte nämlich ihren 60. Geburtstag und man hat mich gefragt ob ich denn so freundlich wäre und mein Können zur Verfügung stellen würde. Klar, Bier zapfen macht ja immer Spaß. Alles was mit Bier zu tun hat macht Spaß.

Andre holte mich gegen 1815 Uhr zu Hause ab und bereitet mich schon mal mental auf den Abend vor. Es sollten nicht so viele Gäste kommen und nur wenige würden Bier trinken. Hmm, so gesehen kann ein Abend auch lang werden, wenn man nicht so viel zu tun hat. Aber ich hatte ja uneingeschränkten Zugang zum Bier. Aber er versicherte mir, das ich nicht ganz unbeschäftigt bleiben würde. Sein Schwager Michael und er würden sich schon gut welche rein knallen. Auch wenn sie anfangs mit angezogener Handbremse fahren müßten, da es schon diverse Vorwarnungen von der besseren Hälfte gegeben hat. Was die bewirken konnte ich mir ja denken. Ich kenne doch Andre und kann mir vorstellen das sein Schwager vom gleichen Schlag ist. Die Zwei hatten ja auch schon die Zapfanlage aufgebaut, sich aber noch nicht getraut sie an zu zapfen. Vielleicht wollten sie mir auch nicht die Freude nehmen, aber ich bin da nicht so. Nach dem ich dann die Leitung erstmal sauber gezapft hatte, gab es die erste Runde welche den Test bestand. Allerdings lief die Zapfanlage suboptimal, wenn nicht sogar beschissen. Das Bier bleib einfach nicht in der Leitung, als ob da irgendeine Dichtung nicht ganz koscher wäre. Ich wollte nun aber nicht die gesamte Anlage auseinander bauen, da ich Angst hatte, einen Großteil der Gäste mit Bier voll zu mehren. Es gibt nichts schlimmeres, als wenn man sich so den Unmut der Gäste aufhalst. Es ging zwar mit dem Zapfen, aber richtig lief es nicht.

Wie erwartet bleib der große Ansturm aus, denn es waren von den Anwesenden ca. 10 Gäste, die Bier tranken. Was macht man nun mit der ganzen überflüssigen Zeit, in der man umher steht und wartet das eine Großbestellung eingeht. Man könnte ja zum Beispiel ein kleines Pilschen trinken. Eins ist keins, wie es so schön heißt. Und ich muß ehrlich sagen, das ich nur ein Glas getrunken habe. Welches immer wieder voll gezapft wurde. So spart man sich außerdem das Abwaschen. Es ist echt eine immense Versuchung, wenn man die ganze Zeit am Zapfhahn steht und nichts zu tun hat. Man braucht einfach nur am Hahn zu drehen und schon bekommt man wunderbar schmeckendes Pils in ein Glas. Gerade in der Zeit wo dann die Gäste das Buffet stürmen, macht man da öfter den Hahn auf, als man eigentlich wollte. Aber ich mußte mich noch ein wenig zusammen reißen, denn ich konnte ja als Zapfmeister nicht der Strammste im ganzen Saal sein. Als dann die Gäste gegessen hatten, löste mich der Andre ab und ich konnte mir eine Kleinigkeit einwerfen. Das Essen war extrem lecker. Auch wenn ich nur etwas von der kalten Platte genommen hatte, hat es vorzüglich geschmeckt. Meine Ablöse war nicht so geduldig wie ich am Zapfhahn und es dauerte nicht lange, das man mit fünf Mann um die ganze Geschichte herum stand. Es passierte das was ich schon von Anfang an machen wollte. Der Keg wurde vom Faß genommen und untersucht. Dabei passierte auch das wovor ich Angst hatte. Gäste die in der gefährlichen Nähe des Faßes saßen bekamen ein bis fünfzehn Spritzer Bier ab. Als Mit-Gast ist das kein Problem, das passiert halt, aber als Zapfer und somit Fremder auf der Feier, zieht man sich schnell den Unmut zu und wird immer mit bösen Blicken bedacht. Der Keg wurde tüchtig durch gespült und da war des Pudels Kern. Irgendetwas hat den Durchfluß behindert und veranlasste, daß das Bier zu unzufrieden lief. Ich möchte gar nicht wissen was da drin gesteckt hat, vermutlich ein Hefepropf. Da nun aber alles wie geschmiert lief stand der Zapffreude nichts mehr im Wege.

Als ich dann den Andre wieder ablöste übergab er mir eine voll funktionstüchtige Zapfanlage. Außerdem war der DJ der Meinung Andre hätte das im Alleingang gemacht. Das gab ordentlich Plus-Punkte. Der DJ war auch ein Phänomen für sich. Er war 71 Jahre alt und hatte einen Koffer von den No Angels mit Orginalautogrammen. Ich war versucht ihn einfach so mit gehen zu lassen. Stand ich doch mal auf Vanessa von den No Angels. Ja, ich gebe zu, ich habe damals das Casting geguckt. Das war noch zu der Zeit als ich mit Felkl zusammen in Göttingen gewohnt hatte. Das Casting war ein Pflichttermin. Und Vanessa hatte sich schon früh zu meiner Favoritin entwickelt. Umso überraschter war ich das sie es in die Band geschafft hat. Aber kratzen wir nicht alte Wunden wieder auf. Wo waren wir? Ach ja, der 71jährige DJ. Er war halt 71 und spielte Schlager. Nicht gerade mein Traum von einem gelungenen Abend, aber ich war ja hier zum zapfen und nicht zum Musik hören. Doch dann kamen die Südtiroler Spitzlumpis Flachzangen Spitzbuam. Volksmusik sucks. Big time! Doch da mußte ich durch und nahm es wie ein Mann. Wenn die Bier aber sauer wurden, dann konnte ich da nichts zu.

Aufführungen gehören zu Geburtstagen, wie Bierbong saufen zu KCW-Feiern. Aber ich muß sagen, das diese Aufführungen sich nicht so in den Vordergrund gedrängt haben. Soll heißen es waren mal nette Sachen, gut vorgeführt. Es gibt ja immer diese Verwandtschaft, die dann alles perfekt machen will und dann wird es meistens eine Schuß in den Ofen. Mit der PAK. Die vorgetragenen Sachen waren alle schlicht und dezent und daher umso angenehmer. Hier sollten sich manche mal ein Beispiel nehmen. Ganz schlimm finde ich ja immer, wenn ohne zu fragen Liedzettel verteilt werden. Um das schöne Leid dann nicht kaputt zu machen singt man nicht mit und wird dann hinter noch angemacht, das man aber auch gar nichts mit macht. Stimmt ja gar nicht, man trägt zur Stimmung bei in dem man sich Hemmungslos betrinkt und hinter dann auffällt. Darüber spricht die Verwandtschaft noch Jahre später, ob man bei so einem Leid mit gebrummt hat weiß nach fünf Minuten keiner mehr. Aber das war eine andere Feier.

In der Zeit der Vorführungen hat man dann als Zapfer so seine Ruhezeit und kann sich auch mal hin setzen. Ich muß ehrlich sagen, das die ganze Zeit stehen fast anstrengender ist, als ein acht Stunden Tag. Ich möchte das nicht die ganze Zeit machen. Man hat dann aber schnell gesehen wer so seine besten Kunden waren. Ich entwickelte schnell einen Blick für fast geleerte Gläser und zapfte immer im richtigen Moment ein neues Gerstenkaltgetränk fertig. Da alles sehr überschaubar war konnte ich die Gläser dann auch selber an den Tisch bringen. Da wird man dann immer schnell in Gespräche verwickelt, weil einen die Leute, trotz das man in einem fremden Dorf ist doch irgendwie kennen. Entweder von der Feuerwehr oder anderer dem Trinken nicht abgeneigten Vereinen. Zurück an der Tankstelle Zapfanlage warteten meine zwei besten Kunden schon auf mich. Der Andre und der Michael. Der Blick zur Uhr sagte mir das Mitternacht, der Zeitpunkt zu dem sie wenigstens noch halbwegs nüchtern sein sollten, noch lange nicht da war. Aber sie waren schon gut drauf. Immer einen Blick zu ihren Frauen vernaschten sie das nächste Bier. Das wird bestimmt noch sehr spaßig.

Mitternacht kam dann und in der Zwischenzeit haben sich die Zwei versucht zusammen zu reißen. Ich muß aber zugeben, das ich es ihnen nicht immer einfach gemacht habe, denn mein Service war vorzüglich. Hatte das Glas nur noch einen Füllstand von einem Drittel, wurde schon das nächste Bier von mir vorbereitet. Das Gute ist, wenn man mit einem vollen Bier ankommt, dann wird schnell der Rest im Glas geleert, egal, ob man Durst hat oder nicht. So konnte ich den Bierkonsum ein wenig voran treiben. Nun ja, Mitternacht kam und die Gratulationen begannen. Auch ich reihte mich ein und gratulierte, wie es sich gehörte. Anschließend ging es sofort wieder zurück an die Zapfanlage. Wo ich dann den Sturm auf das Kuchenbuffet mit bekam. Pünktlich um 0000 Uhr wurden dann die Torten aufgefahren. Ich fragte mich, wann denn die zusätzlichen 50 Gäste ankamen, die die ganzen Torten weg putzen sollten. Auf Nachfrage wurde mir aber gesagt, das keiner mehr kommt und die Torten schon irgendwie alle werden würden. Na da war ich aber gespannt. Außerdem gab es wieder gesangliche Darbietungen vom Wanderverein. Ein Mitglied hat dann nicht mit gesungen und hatte eine perfekte Ausrede parat. Er habe seine Brille vergessen. Besser geht es echt nicht. Den Spruch werde ich mir echt merken. Brille vergessen und schon kann ich nichts mehr sehen. Sollte eventuell auch beim Tanzen helfen. ”Nee, ich habe meine Brille vergessen, da kann ich nicht tanzen gehen. Nachher renne ich noch irgendwen um.“ Eine Schwägerin vom Geburtstagskind schien sich echt Sorgen um mich zu machen, denn sie forderte mich mehrmals auf endlich ein Stück Kuchen zu essen oder zumindestens ein Mettwurstbrot. Ich muß wirklich schlecht ausgesehen haben. Dabei habe ich doch schon so viel Bier getrunken. Natürlich immer in kleinen Mengen, so daß es nicht so auffiel. Zu meinem Glück kam ich immer um die Schnaps Runden herum. Mehrfach wollte man mir den Löwentor andrehen, weil man ja aus Westerode kommt, da muß man sowas mögen. Wie falsch sie alle lagen. Löwentor geht ja nun mal gar nicht. Ich haue mir lieber eine Flasche Korn rein, als einen Löwentor zu trinken. Ich hatte aber die Zapfer-Joker-Karte und konnte so immer gut ablehnen. Andre hingegen hatte es nicht so gut, der mußte immer schön mit trinken. Immerhin hatte er und Michael sich gut über die magische Grenze gerettet. Nun konnten sie sich ja richtig einen rein ballern. Was sie dann auch taten. Aber da waren sie auch nicht die Einzigen. Ich kenne ja die Trinkgewohnheiten älterer Leute von diversen Seniorenweihnachtsfeiern der Feuerwehr. Da ist dann spätestens um 2300 Uhr Schicht im Schacht und alle anwesenden Senioren sind reisefertig. Hier hingegen mußte man ja bis um 0000 Uhr aushalten. Einigen sah man schon an der Augenstellung an, das sie am liebsten jetzt in ihrem Bett wären.

Schön waren auch diverse Vorstellungen der Schwiegersöhne. Dank meines Platzes an der Zapfanlage hatte ich einen wunderbaren Blick in die Küche wo ich dann ein leichtes Verwirrspiel von Michael mit bekam. Er hatte zwei Sektflaschen in der Hand wusste aber anschienen nicht mehr wo er damit hin wollte. Sensationelle Vorstellung. Andre hin gegen mußte dann ab und an mal das Tanzbein schwingen. Aber auch hier kam der Unsicherheitsfaktor des Bieres dazu. Ein herrliches Bild. Es waren aber nicht mehr ganz so viele Leute anwesend, eben nur noch der harte Kern und ich entschied mich dazu ein Bock Bier zu probieren. Eine Entscheidung die ich am nächsten bereuen würde. Andres Schwager hatte das mit gebracht und pries es an und es war auch recht lecker. Und es hatte 7%. Und beim ersten Schluck wusste ich noch nichts von der Welt der Schmerzen. Zum Abschluß haute ich mir also davon zwei Flaschen rein. Anders betrachtet habe ich noch einen Liter Wein zum Abschluß getrunken. Wein hat ja auch 7%. Das Bockbier schmeckte natürlich um Längen besser als diese Traubenmatsche. Andre holte mir dann noch ein Taxi und ich setzte den Heimweg an.

Samstag Morgen, ich öffne meine Augen und muß erkennen das es 0918 Uhr ist. Viel zu früh, für einen Samstag. Nanosekunden später befinde ich mich ein einer Hölle aus Schmerzen. Ich befühlte meinen Kopf ob Jemand zufällig einen 80er Nagel hinein geschlagen hätte. Doch ich fand nichts Vielleicht habe ich auch auf einem Meißel geschlafen, aber auch mein Kissen wies keine Spuren auf. Wo kamen denn die Schmerzen her. Ich konnte nicht mal den genauen Ort bestimmt wo sie entstanden. Sie waren überall. Nachdem ich geblinzelt hatte war es dann schon 1124 Uhr und ich entschied mich auf zu stehen. Das hilft meistens. Leider nicht in meinem Fall. Dabei hatte ich doch Nachmittags noch eine Festausschußsitzung von der Feuerwehr. Mit den Kopfschmerzen würde das gar nicht gehen. Doch sie gingen nicht weg. Ich trank bestimmt mehrere Liter Flüssigkeit, aber nichts half. Ich hatte einen ordentlichen Brummschädel und wusste auch gleich wo ich den Schuldigen suchen mußte. Das Bockbier wurde sofort an die Wand gestellt und standrechtlich erschossen. Nie wieder würde ich das Bier trinken. Naja, mal sehen was es dann bei Andres Geburtstag gibt. Man soll ja niemals nie sagen.

Mit einem Kopf der ungefähr so groß war wie zwei Rathäuser ging ich dann zur Sitzung. Dort gab es frisch gezapftes Bier. Ein Blick auf die Uhr verriet mir zwei Sachen. Es war 1600 Uhr und es war definitiv zu früh um schon Bier zu trinken. Doch die Einwände die mein Gewissen machte wurden schlicht ignoriert und ich zapfte mir ein Bier voll. Vielleicht stimmt es ja doch und davon würden die Kopfschmerzen weg gehen. Es gab ja noch Reste von der JHV und das Faß muß ja irgendwann alle werden. Die erste Geschmacksprobe war nicht so überzeugend, aber man soll ja die Flinte nicht so schnell ins Korn werfen. Beim zweiten Pils ging es dann schon besser und die Kopfschmerzen waren weg. Ich weiß nicht woran es gelegen hat, aber sie waren fort. Ich dankte dem Erfinder des Bieres und fing an mich langsam aber sicher in einen guten Zustand zu trinken. Die Sitzung verlief recht unspektakulär. War aber doch ganz lustig, vor allem weil ich ordentlich Bier trank. Ich fragte mich gar nicht mehr was ich da machte, ich schüttete einfach nur rein. Der Rest des Abends würde sich schon ergeben. Vorher hatte ich ja noch mit dem Ingo telefoniert und er wollte noch fahren. Damit war für mich alles in Butter. Als dann die Sitzung vorbei war machte wir uns dann Gedanken um die wichtigen Sachen. Das war dann in dem Fall die Abendplanung. Irgendetwas sollte noch gehen und Kai machte den Vorschlag ein paar Cocktails zu machen. Seine Freundin würde die ganzen Zutaten schon organisieren. Einstimmig wurde die Idee angenommen und es wurde sich um 2100 Uhr verabredet. Ich trank mein Bier aus und machte mich auf den Heimweg.

Kurz nach 2100 Uhr traf ich zeitgleich mit Schnitzel und Tobi bei Kai ein. Die Zutaten waren im Keller schon bereit gelegt und ab ging die Post. Wiebke bereitet mir erstmal einen Tequila Sunrise. Dank des ganzen Bieres war es mit mittlerweile egal, was ich mir rein knallte. Hauptsache es macht doof im Kopf. Der erste Cocktail schmeckte recht gut. Ich brach vollkommen mit meiner üblichen Angewohnheit, den Abend mit Bier zu beginnen und später erst auf harten Alkohol umzusteigen. Auf der anderen Seite, habe ich ja schon seit 1600 Uhr Bier getrunken. So gesehen bin ich voll in meinem Zeitplan. Der Abend hat halt schon um 1600 Uhr angefangen. An dieser Stelle sollte man eigentlich davon ausgehen, das dieser Abend sehr böse enden sollte. Vor allem sollte er mit einem gewaltigen Filmriß enden. Aber warten wir mal ab.

Es wurde Zeit die Daumenschrauben anzulegen. So ein Luschen-Kram wie Tequila Sunrise kommt jetzt nicht mehr ins Glas. Ab dem Zeitpunkt wurden dann Eigenkreationen kredenzt. Kai und ich steigen jetzt groß ins Cocktail Geschäft ein. Abwechselnd mixten wir uns den Hammer im Glas. Eigentlich war es immer das gleiche, nur mit unterschiedlichen Säften verfeinert. Wir kippten alle Sorten Schnaps in den Shaker und addierten die Essenz aus Früchten. Als da wären: 8 cl Bacardi, 8 cl Wodka, 8 cl Tequila, ein Schuß Erdbeersirup (weil er gerade herum stand), ein Schuß Grenadine (weil sie gerade herum stand) und entweder Maracujasaft, Orangensaft oder Ananaßsaft. Das Ganze ordentlich durch gerüttelt und ab ging die Post. Direkt in die Mägen. Was dort mit den Inhaltsstoffen passierte liegt außerhalb meines Kontrollbereichs. Ich vermute mal das der Alk direkt und ohne Umwege in die Blutbahn geleitet wurde um dann im Gehirn lustige Sachen anzustellen. Von diesem Cocktail gingen dann ca. vier Stück rein. Zählen war zu dem Zeitpunkt nicht mehr von Nöten. Ich war zwar richtig gut drauf, aber das ich total hacke war konnte ich jetzt nicht behaupten. Ein gesunde Schwindeligkeit hilft ja immer am Samstag Abend.

Gegen 2300 Uhr klopfte dann der Ingo an das Fenster und verlangte Einlaß. Er hatte dann nicht mehr so richtig Lust etwas zu unternehmen, was ich durchaus verstehen konnte. Wir waren ja alle schon recht gut dabei. Außerdem mußte er ja früh am nächsten Tag nach Frankfurt fahren und seine Freundin vom Flieger ab holen. Er bleib dann aber noch ein wenig da und wir gaben ein paar lustige Geschichten zum Besten. Meistens betrafen sie mich und wie ich den armen, braven Ingo zum Alkohol trinken verführt habe. Alles Lüge und herbei gesponnen und nicht mal auf Ingos Mist gewachsen. Aber spaßig sind solche Geschichten ja immer. Ingo fragte noch ob er uns wo hin fahren sollte, aber wir lehnten dankend ab. Waren wir uns doch sicher, das die Reise nicht mehr weit gehen würde. Unser Zustand ließ sich am Besten mit dem Delirium nahe beschreiben. Wiebke hat sich mittlerweile auch nach oben verabschiedet und so saßen wir vier Strammsäcke im Keller und hauten uns Cocktails rein. Die anfängliche Stärke Kais und meiner Mixtur störte uns auch nicht mehr und wir pfiffen uns per Strohhalm den Alk in die Mägen.

Doch was macht man mit einem angebrochenen Abend. Man kommt auf dumme Ideen und irgendjemand macht dann den Vorschlag in die Werkstatt zu gehen. Anfänglich lehnt man noch ab und ist sich sicher das dort eh nichts los ist. Dann fängt man an sich die ganze Sache schön zu reden und bevor man sich versieht steht man vor der Tür und telefoniert mit einem Taxiunternehmen und will sofort abgeholt werden. Es ist schon schlimm wie schnell man unter Einfluß von Alkohol seine Meinung ändert und den Pfad der Tugend mit eilenden Schritten verlässt. Es wäre besser und vor allem schlauer gewesen sich nach Hause zu verdrücken. Das Bett zu wärmen und hoffen das der Kater am nächsten Tag nicht so schlimm werden würde. Aber wenn man das gemacht hätte, dann wäre der ganze Spaß ja schon vorbei. Vielleicht trifft man auch noch die schwedische Bikini-Volleyball-Mannschaft in der Werkstatt, die gerade auf der Suche nach ein paar Massagejungs sind, weil ihre Nacken immer so verspannt sind von den ganzen springen und schmettern. Vielleicht wollten sie uns auch ihre neuen Sportdresses zeigen und mit uns auf der holperigen Straße zum Strand fahren. Vielleicht würde man auch an genau diesem Abend seine zukünftige Frau treffen und ich würde mir das Fegen an meinem Geburtstag sparen, dafür aber eine sündhaft teure Hochzeit feiern. Man kann also nie wissen wie das Schicksal seine Karten ausspielen würde. Ich hatte zwar eine Vermutung das ich ein absolut beschissenes Blatt bekommen würde, aber wir fuhren dann trotzdem in die Werkstatt.
Allen Hoffnungen wurden mit einem Mal in einem gigantischen Feuersturm vernichtet, denn in der Werkstatt war nur das übliche Programm. Die Bude war nicht richtig voll, aber auch nicht wirklich leer. Da blieb nur eins. Schnell die Theke stürmen und sich mit Alkohol eindecken. Man hat ja noch nicht genug getrunken. Die Entscheidung fiel relativ schnell und ehe man sich versah stand vor uns eine Flasche Wodka mit Red Bull. Mir war es mittlerweile egal, wie es mir am nächsten Tag ging. Es hatte auch keinen Sinn sich darüber Gedanken zu machen. Es war mir klar das mein Körper sich auf irgendeine Art rächen würde. Dabei tat ich ihm doch nur Gutes. Mischung Nummer eins wurde von mir vorbereitet und war sehr human. Ich wollte das unumgängliche einfach nur ein wenig nach hinten schieben. Früher oder später kriegt man eine Mischung hingestellt, die einfach nur stark ist. Man haut sie sich rein, kommt auf der Promilleskala richtig weit nach oben und empfindliche Lücken werden in das Gedächtnis gerissen. Mache ich die Mischungen aber selber, dann habe ich das noch ein wenig unter Kontrolle. Ist schon alles nicht so einfach.

Nachdem nun die Grundversorgung mit alkoholischen Getränken sicher gestellt war, hatte man die Muße sich das Publikum etwas näher zu betrachten. Das bestand zu großen Teilen aus mir unbekannten Personen. Aber es gibt ja immer Lichtblicke. Zwei davon waren Kathrin und Kerstin. Die bogen ihre Körper gerade zur Musik auf der Tanzfläche. Da will man ja nicht unbedingt stören, außerdem war die tanzfläche Sperrgebiet für mich. Dafür war ich definitiv nicht stramm genug. Man beachte hier, das ich seit 1600 Uhr Alkohol konsumiere. Außerdem bemerkte ich noch eine junge Dame etwas weiter hinten an der Theke, die recht hübsch war. Noch bevor irgendwelche Gedanken sich in meiner Großhirnrinde festsetzen konnten, die etwas mit dem ansprechen eben jener jungen Dame zu tun hatten. Spülte ich eine weitere Ladung Wodka Red Bulll hinterher. Der Alkohol überholte die Gedanken im Eiltempo und gab ihnen einen kleinen Stoß beim vorbei brettern, so daß sie in einer tiefen Schlucht landeten. Das hätten wir also erledigt. Plötzlich haute mir Jemand auf den Hintern, was schon mal auf Suizidgedanken beruhen konnte. Ich vermutet ja zunächst den Schnitzel der mir so auf liebevolle Weise sagen wollte, das er sofort an die Wodkaflasche wollte. Doch als ich mich umdrehte sah ich etwas viel hübscheres als Schnitzel. Es war nämlich die Kathrin, die sich einfach so an geschlichen hatte. Nach einer kurzen Begrüßung gingen wir dann raus, da man sich da besser unterhalten konnte. Außerdem wollte Kathrin rauchen.

Erstmal vorweg genommen, zwischen mir und Kathrin läuft nichts. Sie ist auch nicht die der Leserschaft Unbekannte, die zur Zeit meine Favoritin ist. Wir sind einfach nur gute Freunde. Doch vielleicht sollte ich dem Schicksal mal eine e-mail schreiben und ihm mein weblog nahe legen. Denn es passierte das Unvermeidbare, wenn ich mal mit einer hübschen Frau alleine irgendwo in der Ecke sitze. Was ich da nun machen wollte tut ja hier nichts zu Sache. In Falle Kathrin war es halt nur reden. Wir saßen also für knappe zwei Minuten alleine dort als plötzlich der Florian um die Ecke kam und sich zu uns setzte. Ich will ihm ja nicht vorwerfen unsensibel zu sein, aber wenn ich einen guten Freund mit einer Frau zusammen sitzen sehe, dann sage ich kurz Hallo und warte bis er wieder verfügbar ist. Florian aber entschied sich, sich zu uns zu gesellen. War ja nicht schlimm, aber in einem anderen Fall, wäre ich extrem angepisst gewesen. Aber es sollte ja noch besser kommen. Anscheinend wollte das Schicksal auf Nummer Sicher gehen und schickte noch den Freund von Kerstin vorbei, der sich auch rauchend zu uns gesellte. Erst wollte ich aufstehen, meinen Blick gen Himmel richten und eine unverbindliche Anfrage stellen: ”Hallo, kann ich mich nicht mal mit einer guten Freundin alleine unterhalten. Was habe ich so Schlimmes verzapft, das mir nicht mal das gegönnt wird?“ Die Antwort wäre kurz und schmerzvoll gewesen, wenn der Blitz direkt durch meinen Körper gefahren wäre und nur zwei qualmende 10-Loch Dr. Martens mit Stahlkappe stehen gelassen hätte. Kurz darauf hätte ich mich mit Bon Scott, John Wayne und Charles Manson beim Doppelkopf an einem sehr warmen Ort wieder gefunden. Also ließ ich das mit dem in den Himmel schreien. Kommt eh nicht so gut, wenn einen dabei so viele Leute beobachten. Ach ja, der Tobi kam dann auch noch um die Ecke, der sich wahrscheinlich Sorgen machte, das man mir irgendwas antun würde. Ein kleiner Trost kam dann aber noch in der Form von Kerstin, die mich zur Begrüßung drückte. Das machte die ganze Sache nur noch halb so wild. Aber solche Sachen passieren halt immer wenn ich mich mit einer hübschen Frau unterhalte. Wenn ich mir nun vorstellen würde das ich mich nun mit meiner Favoritin unterhalten würde! Vorher muß ich unbedingt eine Lebensversicherung abschließen und bei der Unterhaltung nicht an einer viel befahrenen Straße stehen.

Wieder drinnen, habe ich nicht viel von der Flasche verpasst. Dafür aber hat sich die Tanzfläche gefüllt. Teilweise zum Nachteil, teilweise auch zum Vorteil. Die mir vorher ins Auge gefallene junge Dame versuchte sich nun in modernem Ausdruckstanz. Sah schon sehr rhythmisch aus, vor allem wie sie die Hüften kreisen ließ. Ich muß zugeben ein wenig hypnotisiert in ihre Richtung gestarrt zu haben. Die Geschichte mit dem Wortwechsel habe ich mir aber schnell aus dem Kopf geschlagen. Ich hatte zu große Angst um mein Leben. Man weiß ja nie was so alles unter der Werkstatt liegt. Vielleicht überlegt sich die vor 45 Jahren geschmissene 500 kg Bombe mit Aufschlagzünder in genau diesem Moment hoch zu gehen. Ich hatte auch ein Szenario mit einem durch die Mauer brechenden Bergewanne im Kopf, aber das hier wieder zu geben, würde den Jugendschutz gefährden. Auf der anderen Seite geht es ja gar nicht mehr schlimmer als die Kassierer. Aber sie sich aus der Ferne zu betrachten hatte auch was für sich. Ich mußte nicht auf die Tanzfläche.

In der Zwischenzeit nutze Tobi die Gelegenheit eine andere weibliche Person in unserer Nähe anzusprechen. Damit hatte er aber nicht so das Glück und heimste dafür aber unsere Freundenschreie ein. Nein, das ist nicht gemein. Kommen wir aber nun zu den ernsten Themen. Die Flasche war alle und wir strengten unsere großen männlichen Gehirne an, was nun zu machen wäre. Nachteil, die erste Flasche hatte den Großteil unserer Gehirne schon lahm gelegt. Schnitzel und ich waren dafür noch zwei Tabletts zu kaufen und dann noch ein drittes. Unserem Zustand zu Folge wäre es aber wohl nur bei einem geblieben. Doch Kai hatte sich in den Kopf gesetzt noch eine weitere Flasche zu trinken. Da er sonst wieder einen Weinkrampf kriegen würde haben wir dann eingewilligt, in dem Wissen, das wir sie eh nicht mehr austrinken würden. Und so war es dann auch. Die Flasche wurde noch zur Hälfte geleert und schon ging die Naselei los. Ich bestand trotzdem darauf sie zu leeren und nicht mit nach Hause zu nehmen. Da aber meine Begleitung sehr luschig drauf waren, wurde unter äußersten Vorsichtsmaßnahmen die Flasche unter einer Jacke versteckt und mich nach draußen genommen. Entgegen meinem Willen übrigens. Trotzdem fand ich dann draußen in meinem Ärmel eine Flasche Red Bull. Frechheit. Der Rückweg ging wie gewohnt über McDonalds. Ich kann mich aber beim besten Willen nicht daran erinnern, was ich mir bestellt habe. Ich schiebe es jetzt mal auf die frische Luft. Das käufliche erworbene Nahrungsmittelimitat verspeisten wir dann bei Kai im Keller. Dort machte ich mir dann auch noch eine Abschiedsmischung. Dummerweise hatte Tobi nicht alles aufgegessen und wollte sich einen Cheeseburger für zu Hause aufheben. Was ich wiederum gar nicht verstand, denn diese warmen Käsebrötchen werden doch steinhart. Damit kann man am nächsten Morgen eine grundsolide Mauer hoch ziehen. Nicht das mir mal eine oder zwei Burger am nächsten Morgen in meiner Jackentasche begegnet wären. Ich habe das mal irgendwo gelesen, doch die Quelle finde ich jetzt auf die Schnelle nicht. Egal, Kai bekam das jedenfalls mit und wollte die Käsebrötchen haben. Leider konnte sein Zustand schon fast mit komatös beschreiben werden. Die Sprache war schon in der Werkstatt verschwunden gewesen. Besser gesagt, man verstand ihn nicht mehr so richtig, da seine Lippen nicht ganz den gesprochenen Worten folgten. Es hörte sich an als hätte er eine Packung Wattepads gegessen und nicht geschluckt. Die Motorik hatte eine neue Stufe erreicht. Fachmänner sprechen hier von unkontrolliert bis gefährlich für sich und seine Umgebung. Knochenbrüche sehr wahrscheinlich. Nicht nur durch unkontrolliertes Hinfallen auch durch Schlenkerbewegungen der Extremitäten (das sind die Arme und Beine und nicht das was von einem guten Essen über bleibt, nachdem es die lange Reise durch unseren Körper genommen hat). Er wollte Tobi auf der Straße noch verfolgen hat es dann aber nicht mehr geschafft, was auch teilweise an der McDonalds-Tüte von Tobi in Kais Gesicht gelegen hat. Bevor ich dort noch in was rein gezogen wurde, machte ich mich auf den Heimweg. Schnitzel erzählte mir dann später das Kai wohl noch die Verfolgung per Fahrrad aufgenommen hat. Dabei hat er dann in seinem Suff die Haustür offen stehen gelassen. Hätte ich das früher gewusst, wäre ich noch eine viertel Stunde an der Nahten Brücke stehen geblieben und hätte mir den Einlauf, den Kai von Wolfgang gekriegt hat noch live mit an geguckt. Aber dann hätte ich mich wahrscheinlich wieder geärgert, das ich meine Kamera nicht dabei gehabt hätte.

Sonntag Morgen. Meine Augen öffneten sich und ich befand mich als einziger vor der Eintrittskasse in den neuen Freizeitpark ”World of pain“. Der Eintritt war extrem teuer und ich betrat gleich die Mit-der-Kanone-vor-die-Wand-geschossen-werden-Attraktion. Ich schaute erneut nach, doch konnte wieder keinen Nagel in meinem Kopf entdecken. Ich gab aber diesmal den Fruchtsäften schuld. Die haben ja auch so viel Fruchtzucker.

Ha, ihr dachtet jetzt bestimmt es ist vorbei. Ist es auch gleich. Ich möchte an dieser Stelle einen kleinen Veranstaltungstip fallen lassen. Huch, da liegt er ja schon. Am Donnerstag, den 28. Februar, veranstaltet das Rote Kreuz in der Astrid Lindgren Schule in Duderstadt wieder eine Blutspende-Termin. Mein Blutsbruder Ingo und ich werden da um 1800 Uhr aufschlagen. Dann lassen wir uns erstmal einen halben Liter Blut abzapfen und hauen uns danach den Bauch am Buffet voll. Es wäre nett wenn man sich da sieht. Außerdem hoffe ich das eine gewisse junge Dame da ist. Wegen ihr hat mich Ingo erst zum Blut spenden bekommen. Dummerweise habe ich sie da nie wieder gesehen. Sollte das nur ein fauler Trick von Ingo gewesen sein? Und da ich am Donnerstag so fein Blut geben werde, darf ich mich dann am Freitag wieder schön zu schütten. Da fahren wir nämlich von der Abteilung nach Göttingen zum Bier Seminar. Gemischte Gefühle erstürmen mich, wenn ich daran denke. Einmal Bierverkostung und dann mit den neuen Kollegen, die hoffentlich mein weblog noch nicht kennen! Jetzt darf sich jeder ausmalen, welche positiven und welche negativen Ursprungs sind.

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