Down in the basement

So langsam kehrt ein wenig Normalität in meine Wochenenden ein. Wenn man in meinem Fall überhaupt von Normalität sprechen kann. Eigentlich nehme ich mir jedes Wochenende vor nicht so viel zu machen, doch dann kommen immer verlockende Angebote, die man einfach nicht ausschlagen kann. Manchmal komme ich mir vor als wäre ich Teil einer Reportage in einem großen reißerischen Boulevard-ZeitungBlatt, das sich für eine Zeitung hält. Freitag Vormittag, Felkl ruft an und fragt ob ich Bock hätte mit nach Göttingen, ein bisschen El Sol und danach in den JT-Keller, zu kommen und richtig einen zu trinken. Für kurze Zeit fange ich an in eine Traumwelt hinabzutauchen. Mein Gesichtsausdruck hat bestimmt Bände gesprochen, während ich auf einer großen JT-Keller-Party war bei der es alle Getränke kostenfrei gab und nur gute Musik gespielt wurde. Außerdem waren 90% Frauen anwesend, die allesamt sehr aufreizend gekleidet waren und eine Schwäche für brillentragende Biertrinker haben. Zum Glück war unser Büro gerade recht schwach besetzt, so daß niemand meinen kleinen Ausflug mit bekommen hat. Ich sagte schnell zu und hatte nun ein großes Endziel für den Tag. Stramm in Göttingen.

Zu Hause wurde dann die nötige Vorbereitung getroffen. Und dann stand ich vor dem großen Problem. Wie komme ich jetzt nach Westerode, weil ich ja dem Christian gesagt hatte, das ich zum Training runter komme und wir dann von dort aus los fahren könnten. Ich und meine große Klappe. Mit dem Fahrrad zu fahren wäre zwar eine Möglichkeit, aber eine die sehr niedrig bewertet wurde, da ich ja dann am frühen Morgen zu nachtschlafender Zeit wieder durch die Kälte radeln müßte. Mit dem Auto zu fahren wäre außer Konkurrenz, da ich ja dann mein Auto in Westerode stehen gehabt hätte und wie hätte ich es dann wieder nach Hause bekommen. Also blieb nur noch eine Alternative über. Auf Schusters Rappen durch die Nacht. Mir war schon bewusst das es schweinekalt draußen war, aber dann schwitzt man beim Gehen wenigstens nicht so. Also machte ich mich auf den Weg, mp3-Player im Ohr und zwei Bierflaschen als Wegzehrung. Seien wir doch mal ehrlich, man muß doch seinen Flüssigkeitshaushalt aufrecht erhalten. Wer weiß wie viel Flüssigkeit ich beim Gehen verlieren würde. Nachher komme ich in einen tropischen Sturm und komme um vor Durst. Plus die Biere waren bei den derzeitigen Außentemperaturen hervorragend gekühlt und konnten so meinen erhitzten Körper herunter kühlen. Ich hoffe ich habe jetzt keine Bilder in manche Köpfe projiziert. Das wollte ich nicht.
Was ich nicht bedacht hatte, war das ich ja um die Bierflasche zu halten immer eine Hand draußen haben mußte. Ergo froren meine Finger fast an der Flasche fest. Da half dann nur ein häufiges Hand wechseln und ein schnelles Austrinken. Der Weg zog sich dann doch mehr als ich ursprünglich gedacht hatte. Wenn man voll wie eine Haubitze leicht angetrunken ist, dann merkt man das gar nicht so. Da kann man dann auch mit offener Jacke umher laufen und es ist einem immer noch warm. Da ich aber erst ein Bier intus hatte, merkte ich sowohl die Kälte als auch den weiten Weg. Zu allem Überfluß machte mein mp3-Player kurz vorm Ziel noch schlapp. Ich hasse Akkuanzeigen, die nichts taugen. Allerdings war mein Timing perfekt, denn als ich am Sporthaus angekommen war trafen auch kurze Zeit später die Trainingsteilnehmer ein, die diesmal Zirkeltraining in der Mehrzweckhalle gemacht hatten. Meine Bier waren auch alle und ich hatte somit einen übergangslosen Zugriff auf die in der Umkleide bereit gestellte Kiste Bier. Die Temperatur erinnerte zwar eher an Fleischbrühe, aber der Durst hat es rein getrieben.

Mit leichter Verspätung, die mir natürlich aufgedrückt wurde holten Christian und ich dann Sabrina ab. Während der Fahrt wurde dann noch schnell die Frage des Fahrers geklärt. Da hielt ich mich dezent zurück, da ja eh keiner an nahm, das ich fahren würde. Christian wollte dann was trinken und erinnerte sich dann aber an eine Wette, die er mit Sabrina in der Sylvesternacht abgemacht hat. Er wollte nicht mehr vollstramm sein und wenn er verlor, dann müßte er Achterbahn fahren. Zunächst müßte man mal vollstramm definieren und außerdem war diese Wette eh schon zum scheitern verurteilt. Ich kenne doch Felkl. Nach recht kurzer Parkplatzsuche sind wir dann im El Sol einmarschiert. Hier ist anzumerken, das es draußen wärmer war als im Auto, da Felkls verdammte Heizung kaputt war. Ich sag es ja immer wieder, man sollte keine Autos aus Frankreich kaufen. Da hat man nur Ärger mit. Aus Frankreich ist noch nie was Gutes gekommen, außer vielleicht Sophie Marceau. Die Wärme im El Sol war also willkommen und die Platzsuche war auch hier schnell hinter uns gebracht. Es war zwar ein Tisch in der hintersten Ecke, aber man ist ja zum Ballern hier. Die Nachbarschaft war allerdings sehr nett an zugucken.

Nun ging es an die Getränkeauswahl. Da ja gewisse Cocktails im El Sol zur Happy Hour günstiger sind, wurde sich vornehmlich darauf konzentriert. Felkl eröffnete den Reigen mit einem Long Island Ice Tea. Immer eine gute Wahl, da man mit ihm schnell nach vorne kommt. Eigentlich war es für mich ideal, denn alle meine Lieblingscocktails waren vergünstigt. Vorzugsweise die, die mit strong beschrieben sind. Zombie, Alabama Slammer und wie sie nicht alle hießen. Ich bin aber ein Freund der Vielfalt und probiere gerne mal etwas Neues. So entschied ich mich diesmal für den legendären White Russian. Warum legendär? Kennt Jemand nicht den Film „The big Lebowski“? Falls die letzte Frage mit Ja beantwortet wurde, dann ist das eine absolute Bildungslücke. Maßnahmen wären sich den Film zu kaufen, kostet eh nicht mehr viel und sofort auswendig lernen angucken. Der Dude ist einfach großartig. Und er trinkt, wo er geht und steht, einen White Russian. Das sollte es doch wert sein diese Getränk sich mal zu Gemüte zu führen. Er wird zwar mit Milch gemacht, aber ein paar Vitamine sollte man sich doch auch beim Saufen zuführen. Er schmeckte sehr Kokoslastig, wovon ich ja nun nicht so der Fan bin, aber man konnte ihn trinken. Gut, der Wodka hätte sich ein wenig zahlreicher versammeln können, aber wenn man ihn sich privat machen sollte, dann kann man ja an dieser Baustelle arbeiten. Weiter ging es im Anschluß mit einem Hurricane. Welches, wo wie mir Sabrina nach meiner Bestellung sagte, ein Frauen-Cocktail war. Herzlichen Dank, ich bin ja mehr nach der Beschreibung („strong“, es hätte auch „haut Dir die Falten aus dem Sack“ dort stehen können, ich hätte ihn trotzdem genommen) gegangen bei meiner Wahl. Nun betete ich das ich keinen stark verzierten Cocktail bekomme. Horrorvisionen von Kirschen, Melonenscheiben und eine Farbe die leicht ins grell-pinke abwanderte wurden vor meinem geistigen Auge abgespult. Aber zum Glück war dem nicht so. Eine nette gelbliche Farbe und ein penetranter Maracuja-Geschmack ergaben sich. Das könnte daran liegen, das ein Hauptbestandteil des Getränks Maracujasaft war. Im Anschluß reihte ich mich dann dem Ice Tea Reigen ein. Eine solide Sache zum Aufhören.

Aber wir haben ja nicht im Minutentakt uns die Cocktails eingefahren, wir haben uns auch unterhalten. Über dies und das und über vergangene Sachen. Spaßig sind ja solche Zusammentreffen, wenn Felkl und ich aus unserem riesigen Repertoire des bereits erlebten berichten können. Es hat gut getan mal wieder über alte Zeiten zu sprechen und über Zukunftspläne. Außerdem konnte man mal wieder richtig schön ab lästern. Was wir natürlich nur am Rande gemacht haben. Wie gesagt, die Cocktails kamen ja immer sehr zeitig und man hatte immer was zu trinken. Man meint gar nicht wie lange man an so einem Cocktail trinken kann. Die Fruchtsüße tut ja ihren Teil dazu. Wenn etwas zu süß ist, dann kann ich das nicht ganz so gut trinken. Vielleicht sollte ich immer solche Sachen trinken? Besser nicht.

Der Abend verflog gerade zu und wir harrten noch im El Sol aus, bis es sich lohnen würde in den JT Keller zu verlegen. Eine halbe Stunde nach Mitternacht war es dann soweit. Es hatte den Anschein, als würde sich bereits eine Menschentraube vor dem Keller versammeln und ich hatte Befürchtungen einen gewisse Zeit in der Kälte zu stehen. Wobei mir die Kälte egal war, das Fehlen eines alkoholischen Getränks in meiner Hand war viel besorgniserregender. Aber der Schein hat getrügt und wir sind ohne Anstehen rein gekommen. Der Grund dafür offenbarte sich schnell, es war nämlich leer. Und dennoch war es voller als in der Werkstatt. Der Erfahrungsschatz lehrte mich, das es nicht lange dauern würde, bis sich die Hallen füllen würden. Und es sei anzumerken, das bereits jetzt, im unterbesetzten JT Keller mehr hübsche Frauen anwesend als den letzten Monat in der Werkstatt. Eine Studentenstadt hat durchaus Vorteile. Doch bevor ich mich hier den Lobeshymnen zu Ehren des weiblichen Geschlechts hinreißen ließ, besorgte ich mir schnell etwas zu trinken. Wir wollen doch beim wesentlichen bleiben. Ich probierte vorerst wieder die Bierschiene, da ich befürchtete, das ich beim Mischungszug einfach davon gerissen werde. Welches zur Folge hätte, das sich ein paar empfindliche Lücken in mein Gedächtnis reißen würden. Bei den ganzen hübschen Frauen wäre das sehr ärgerlich. Felkl zog mich übrigens immer noch mit meinem Verlorene-Telefonnummer-Mißgeschick auf. Er bot mir an, falls ich sie wieder sehen würde oder eine neue Telefonnummer bekommen würde sie gleich ihm zu geben. Meistens sage ich dazu nichts mehr und lasse den Spot einfach über mich ergehen.
Da ich nun mit einem kühlen Getränk versorgt war konnte man sich mit der Umgebung vertraut machen. Wie schon erwähnt haben sich bereits einige hübsche Frauen eingefunden. Außerdem war an dem Abend auch Ragga und Dancehall Nacht, was so viel hieß wie wilde Rhythmen, zu denen ich mir sogar vorstellen könnte mich zu bewegen. Ich wollte es aber noch nicht heraus fordern. Erst dachte ich das ein Negerüberfall statt fand und ich hatte kein Tzaziki dabei. Was würde Kurt wohl sagen. Das Publikum war übrigens bunt gemischt und ich wunderte mich immer wieder wie abgefahren manche das Tanzbein schwangen. Solche Bewegungen kriege ich meistens nur mit 8 Promille hin und das sind dann nicht mal gewollte Bewegungen sondern nur der normale Versuch stehen zu bleiben oder zu gehen. Dann wusste ich ja was ich zu tun hatte. Bier Nummer Zwei fand den Weg in meine Kehle und etwas in mir weckte den Neid auf Felkls Bacardi Mischung. Wusste ich doch das es hier auch Havana Club gab.

Der Keller füllte sich langsam aber sicher und auch der Frauenanteil wuchs. Sogar in einem besseren Verhältnis als der Männeranteil. Das schöne am JT Keller ist auch, das die Spackendichte extrem klein ist. Es gibt so gut wie gar keine, die ganze Atmosphäre ist einfach sehr entspannt und keiner ist auf Streß aus. Solche Läden gefallen mir am Besten. So kann man in Ruhe das Wochenende einläuten und muß nicht aufpassen das man irgendwelche Leute auf die falsche Art und Weise an geguckt hat. Auch wenn man mal an gerempelt wird oder sich über seinen Nachbarn ein wenig lustig macht. So nett die ganze Ragga-Community ist, Afros gehen irgendwie gar nicht. Mit Afro meine ich die Frisur. Paul Breitner hatte es ja mal in den 70ern vorgemacht und hatte eine sensationelle Matte auf dem Kopf. Aber so richtig anfreunden könnte ich mich mit der Frisur jedenfalls nicht. Muß ich ja auch nicht, ich bin mit meinem Kurzhaarschnitt vollkommen zufrieden. Leider mache ich auch immer die Kommentare zu den unpassendsten Gelegenheiten. Meistens dann wenn einer der Afro-Vertretern neben mir steht. Gut, so konnte ich aber wenigstens zur Belustigung von Christian und Sabrina beitragen.

Während wir dann so herum standen tanzten sich ein oder zwei Mädels in mein Leben, die ich auf den ersten Blick sehr ansprechend fand. Nun bin ich mir aber nie so sicher, wenn sich Jemand an mir reibt ob sie dann mit mir tanzen will oder ob gerade kein anderer Platz frei war und sie einfach dort tanzte. Gerade im JT Keller ist es ja immer voll und da hat man nun mal nicht so viel Platz zum Tanzen. Naja, ich ließ sie weiter reiben und widmete mich meinem Pils. Vielleicht hat ihr auch meine Jacke so gut gefallen. Wenn die wüsste was die Jacke schon alles durch gemacht hat. Die Zeit wurde reif, das dritte Bier ist mittlerweile meine Kehle herunter gewandert und meine Geschmacksnerven protestierten schon ein wenig. Warum sollte es weiterhin Bier sein, wenn es auch Havana Club gab. Ich ließ mich auf den Deal ein und bestellte eine Mischung. Der Preis haute mich zunächst um, aber die Menge machte es wieder weg. Die Mixtur war allerdings eher was für den Anfang. Da ich aber schon durch Cocktails und Bier weiter nach oben auf der Promille-Skala gerutscht bin, wollte ich bei der nächsten Mischung entscheidende Hinweise geben. Der Hinweis sah dann ungefähr so aus, das er nicht so viel Cola in die Mischung rein machen sollte. Er hat den Wink mit dem Zaunpfahl verstanden und machte mehr Havana und weniger Cola rein. Ein kurzer Test und es gab den Daumen nach oben von mir. Natürlich erst als ich mir die Tränen weggewischt habe. Diese Mischung hatte es in sich. Ich wollte ja immer mal mit dem Satz „Und laß beim Havana ordentlich die Peitsche knallen…“ bestellen, aber so locker war ich noch nicht drauf. Doch eines Tages mache ich das mal.

Von ca. 100 anwesenden Frauen hätte ich 80 sofort heiraten können. Es ist echt unglaublich wie sich so viele schöne Frauen an einem Ort versammeln können. Und ich war mitten drin und hatte eine extrem gute Mischung in der Hand. Eigentlich hätte ich erwartet das stehenden Fußes ein Blitz in den JT Keller einschlägt und mich aus dem Leben reißt. Irgendwie muß meine Glücksträhne ja aufgewowgen werden. Aber nichts passierte. Hätte ich eine Telefonnummer bekommen oder jemanden erfolgreich angesprochen, dann sah ich schon ein schlimmes Unglück auf mich zu kommen. Deshalb wollte ich nichts über strapazieren und war glücklich mit dem was ich hatte. Bewunderung aus der Ferne hat bisher immer gut geklappt. Außerdem hatte ich ja eine extrem gute Mischung Havana Club.

Die Zeit raste und wir bliesen langsam zum Rückzug. Ich war zwar noch nicht müde und wäre noch gerne da geblieben, aber gerade wenn es am schönsten ist soll man ja aufhören. So gingen wir also in die Kälte und setzten uns in das kalte Auto. Eigentlich sollte ja nun nach wenigen Minuten die Heizung auf Hochtouren laufen. Doch halt, wir waren ja im Franzosenauto und da ging die Heizung nicht. Wir konnte auch von Glück sagen, das es nicht regnete, denn der Scheibenwischer funktionierte auch nicht. Zum Aufwärmen fuhren wir dann noch beim Burger King vorbei und füllten unsere Mägen mit einer warmen Mahlzeit. Wenn man gut getrunken hat, dann ist Fast Food einfach das Beste. Nach einer kurzen Fahrt heimwärts war ich auch schon wieder zu Hause. Doch müde war ich noch nicht und gönnte mir noch ein Bierchen. Burger machen verdammt durstig. Die Bettschwere stellte sich schon von alleine ein.

Die Sonne schien verdammt hell in mein Schlafzimmer und ich wurde wach. Verdammte Hacke, warum ist das denn so hell und warum bin ich immer noch müde? Warum konnte ich nicht wieder einschlafen und warum mußte ich so nötig auf Toilette? Fragen die sich nicht von alleine klärten. Das Aufstehen half nur wenig, aber im Laufe des Tages sollte die Lösung kommen. Doch die Müdigkeit kam zum ungünstigsten Zeitpunkt. Nämlich Abends wo es schon zur nächsten Party gehen sollte. Ich entschied mich dann aber gegen ein weiteres hin legen, denn dann wäre ich gar nicht mehr hoch gekommen. Nachmittags war ich noch bei Andre und Nadine. Der Andre trinkt ja gerne mal ein Pils und da kann man ja nicht einfach Nein sagen. Also trank ich eins mit und guckte Fußball mit ihm. Da ich aber noch fahren mußte, blieb es bei dem Einen, doch bei Andre sind dann wohl drei Stück rein gewandert. Ich helfe ja immer gern in Notsituationen.
Schnitzel holte mich dann Abends ab und wir fuhren nach Tiftlingerode, dort feierte Wiebke, Kais Freundin, ihren Geburtstag. Vorher luden wir noch den Tobi ein. Da Schnitzel wohl irgendwie Angst um sein Auto hatte, stellte er es im Ort ab und wir mußten den Weg zum Tennishaus zu Fuß zurück legen. Draußen waren es gefühlte -80°C und ich war müde, was so viel bedeutete, das ich doppelt fror. Kein Grund die Jacke zu schließen. Am Tennishaus schlichen wir erstmal drum herum, da wir den Eingang nicht fanden. Es waren zwar große Panorama-Fensterscheiben vorhanden, durch die man die anwesende Gästeschar schon erblicken konnte, aber zum Durchgehen luden sie nicht gerade ein. Es mußte doch irgendwo eine Tür sein. Die gab es auch, aber die war verschlossen. Also machten wir uns mit wilden Klopfgeräuschen bemerkbar und wurden dann doch durch die Panorama-Fenster eingelassen. Nach kurzer Begrüßung und nachträglichen Glückwünschen fanden wir uns recht fix an der Theke ein. Der Vorteil, wenn man nicht so viele Leutchen kennt ist, das man sich das übliche Hände schütteln spart. Ein kurzes Hallo in die Runde und man hat sich ausreichend vorgestellt. Alles andere kommt ja eh späte, wenn man an der Theke in tiefsinnige Diskussionen vertieft ist. Kai hatte dann endlich Erbarmen mit uns und drückte jedem erstmal eine Kanne Bier in die Hand. Genau das Richtige um richtig wach zu werden. Ein Blich auf meine Uhr verriet mir das es schon nach 2100 Uhr war. Das bedeute Plan „Später Vollrausch“ tritt ab sofort in Kraft. Ich blieb also erstmal beim Bier und würde dann eine Stunde vorm Tageswechsel auf Mixgetränke umsteigen. Damit fahre ich eigentlich immer ganz gut. Außerdem ist die Vorfreude auf die entsprechende Stunde umso größer. So langsam hat sich meine Brille auch den Raumtemperaturen angepasst. Ein weiterer Vorteil wenn man auf eine Party kommt. Die Brille beschlägt und ich bin sofort blind. Nun ist es egal, ob ich sie auf behalte oder sie absetzte. Ich sehe eh nichts. Also kann ich auch durchaus ein paar Leutchen übersehen. Das kann einem ja keiner böse nehmen. Nun sah ich also wieder was und stellte fest, das ich doch nicht so viele Leute kenne. Und ich war noch nicht mal Stubenältester. Zumindestens einer war noch älter als ich.

Das Bier lief besser als ich gedacht habe und ich habe auch meinen Platz an der Theke manifestiert. Ein Hocker ist hier sehr von Vorteil. Dummerweise ist man dann immer im Dunstkreis von diversen Leuten die gerne mal die Beschleuniger früh am Abend ansetzen, damit man auch später schön stramm durch die Gegend läuft. Irgendwie bin ich da so gar nicht der Fan von. Aber man trinkt dann mit. Getränk war „Saurer Paul“. Es war grün und ich kann nicht sagen, was drin war. Ich will es auch gar nicht wissen, da es definitiv nicht mein Geschmack war. Schnell versteckte ich mein Schnapsglas. Ach ja der Initiator dieser tollen Schnapsrunde war ja der Kai, der dann gleich noch eine weitere Runde trinken wollte. Ich fand das gar nicht gut und lehnte dankend ab. Tobi und Schnitzel übrigens auch. Wenige Minuten später wurde mir dann Wick Blau Korn angedreht. Ich wage es ja kaum zu sagen, aber ich habe mit dem Dreckzeug mal angefangen. Man nehme eine Flasche Wodka oder Korn, egal, man schmeckt nachher eh nur noch Wick Blau, und löse dort drin eine Packung Wick Blau Hustenbonbon auf. Wärme hilft hier sehr. Im Anschluß wieder ins Eisfach, denn das ist echt nur kalt zu genießen. Nun haben die jüngeren Walter Brüder das nachgemacht. Allerdings haben sie zwei Packungen Wick Blau in eine Flasche Korn geschmissen. Ich verdamme den Tag, als ich das angebracht habe. Was habe ich mir damals nur gedacht. Wenn man jung ist macht man schon viel Dönekens. Aber nur weil ich damals mal angebracht habe muß ich das doch nicht automatisch mögen? Kai machte keine Ausnahme, ich mußte trinken. Seltsamerweise konnten die anderen durch einfaches Ablehnen diesen Kelch an sich vorüber gehen lassen. Mein Ruf schadet mir langsam sehr.

Schnitzel und Tobi sind mittlerweile auf Mixgetränke umgestiegen. War aber Wodka Red Bull, daher tangierte das mich nicht so sehr. Obwohl der Bacardi ja schon sehr verführerisch herum stand. Diese ganze Konstellation machte auf mich einen Eindruck, als würde man heute Abend wieder ein hartes Rennen um den Strammsack des Abends mit bekommen. Ich war schon sehr gespannt. Kai teilte mir auch mit, das er den Holger auch eingeladen hat, er aber auf der JHV der Werksfeuerwehr ist. Ich habe ihm dann dennoch ein paar SMS geschrieben um ihn noch nach Tiftlingerode zu lotsen. Wenige Minuten später kam dann auch sein Anruf und ich brachte ihn sicher in den Hafen. Es wimmelte quasi nur von Special guests. Als Holger dann eintrat ging es ihm nicht anders als uns. Erst irrte ein wenig wirr umher, da auch er den Eingang nicht fand. Wir machten uns ein wenig lustig über Verwirrung im Alter und dann ließen wir in ein. Sein Gang war schnurstracks zur Theke, wo er auch gleich mit einem Pils versorgt wurde. Kai, Holger Und dich hielten dann ein kleine Kommandositzung in der wir über diverse Feuerwehrthemen sprachen. Gut, davon waren ca 2% ernst gemeint, der Rest war einfach Schwachsinn, der in feuerwehrtechnische Sachen verpackt wurde. Muß auch mal sein.

So langsam nährte sich die Uhr meiner bevorzugten Stunde. Das bedeute das ich demnächst auf Mischungen umsteigen würde. Zum Glück reichte mein Pils noch ein wenig und ich mußte mir um dehydrierung keine Gedanken machen. Die erste Mischung schmeckte verdammt gut. Es war zwar Bacardi, aber nach Havana meine Lieblingsspirituose zum mixen. Das Verhältnis war auch sehr ausgeglichen. Ich wollte ja nicht zu schnell dem Abgrund nahe kommen. Wer weiß wer noch alles ein weblog schreibt und ich finde mich dann auf irgendeiner Seite wieder. Außerdem hatte der Timo wieder mal seinen Fotoapparat dabei. Und wenn Timo Fotos macht, dann landen die früher oder später auf seiner Homepage. Normalerweise bin ich ja immer auf der richtigen Seite von Fotoapparaten, leider hatte ich meinen aber zu Hause gelassen. Und Timo macht immer so Hüftschüsse. Ganz gefährlich. Meistens ducke ich mich sofort weg, wenn ich irgendwo einen Blitz sehe. Wer weiß wer schon wieder sauer auf mich ist. Und beim Bund hat man mir beigebracht, das man sich ab ducken soll, wenn man einen Blitz sieht. Dann ist es eh schon zu spät, aber man ist erstmal schön in den Schlamm gesprungen. Hoffen wir einfach mal das Timos Kamera noch funktioniert.

In der Zwischenzeit ist dann der Holger auch auf Mischungen umgestiegen. Er war neugierig was ich mir da so gerne in den Kopf kippe und wollte dann auch gleich was haben. Ach ja und die zwei dreifachen Runden Wick Blau Korn will ich mal nicht unter den Tisch fallen lassen. Kai schien das Zeug echt zu mögen und nötigte Holger und mich mit zutrinken. Dummerweise waren die Schnapsgläser ausgegangen und man mußte aus Plastikbechern trinken. Da Kai nun nicht mehr der sicherste war was das Augenmaß anging wurden dann die Becher voller. Im Hinterkopf muß man behalten, das man hier Doppelkorn trinkt, auch wenn es schmeckt wie Odol Mundwasser. Der Zucker in den Bolchen treibt dann die wichtigen Zusatzstoffe direkt in die Blutbahn und somit in das Hirn. Scheute ich mir so manche Leute auf der Party an, hat es schon gut gewirkt. Die haben zwar andere Sachen getrunken, aber Alkohol in der Blutbahn ist Alkohol in der Blutbahn.

Sensationell auch der Jense, der sich gut einen rein half. Mit dem Hinweis, das seine Freundin ja noch noch da sei hat er sich dann die nächste Mischung gemacht. Und was für eine. Aber Jense war noch harmlos. Kommen wir nun zu den etwas gewagteren Vertretern. In persona Matze D. Matze hat sich so dermaßen einen rein geschossen, das er schon vor Mitternacht seine Augen nicht mehr unter Kontrolle hatte. Es war nun nicht so das er unkontrolliert den anwesenden Damen in den Ausschnitt geguckt hat, es war eher die Kontrolle. Ein Auge sah aus als würde es den Befehlen die vom Körper kommen anstandslos gehorchen, während das andere irgendwie in der Gegend herum blickte. Vielleicht hat sein Körper auch die Befehle interpoliert. Soll heißen Matze wollte eigentlich geradeaus gucken, da sein Zustand ihm das aber nicht erlaubte machte sein Gehirn das Beste aus dem was es bekam. Auch überzeugend waren seine Mischungskünste. Eine Mischung bei ihm sah so aus, das er erst am die Hälfte des Bechers mit Wodka voll kippte. Der Befehl zum stoppen kam bestimmt schon vorher, aber dank der lahmlegten Nervenbahnen stoppte er zu spät. Dann schaute er ein wenig teilnahmslos in der Gegend herum und kippte dann Red Bull drauf. Bei den Mischungen die er für Schnitzel gemacht hat vergaß er dann komplett den Red Bull. Außerdem kippt er sie Schnitzel über die Hose, da Schnitzel noch nicht zugefasst hat. Kurz nach Mitternacht hat dann Matze den Großteil des Abends draußen verbracht. Entweder mochte er die frische Morgenluft so sehr oder aber die ganzen Getränke wollten nach gucken wer denn da so fiese Mischungen macht. Eindeutige Geräusche von hinter dem Haus und aus diversen Büschen lässt sehr auf den Getränkeumstand schließen.
Mitternacht, ein gutes Stichwort, denn der Philip hatte Geburtstag. Im Vorfeld haben wir ihm scherzhaft schon Angst gemacht, das dieser Geburtstag etwas besonderes werden würde. Eine meiner Lieblingskonstealltionen war ein großer Geburtstagskuchen aus dem dann seine Ex-Freundinnen heraus springen würden. Das müsste dann nur eine besonders große Torte werden. Wir wollten dann dem Tieflader den Weg weisen und auf den Tennisplätzen wäre ja genügend Platz für solch eine Torte. Ab und an war sich Philip nicht sicher, ob es nicht doch ernst wäre. Leider nicht, dafür wurden aber sehr exotische Lieder (Achtung! Definitiv nicht jugendfrei! Eltern aufgepasst!) gesungen. Ich bin der Meinung eins war sogar von den Kassierern. Nach dieser sehr diffizilen Darbietung deutschen Liedgutes ging es dann zum Standardprogramm über. Ballern bis die Schwarte kracht.

Der Zustand einiger meiner Begleiter hat sich auch sehr in den Promillehimmel verwandelt. Schnitzel, der ja in der glücklichen Lage war Mischungen von Mischungs-Matze zu bekommen, war auf der Skala schon weit oben. Tobi auf der anderen Seite hatte ich ein wenig zurück gezogen und machte der Damenwelt eindeutige Komplimente. Ach ja und gegen 0100 Uhr verschwand er dann in die Werkstatt. Das er am nächsten Tag zum Sprechfunkerlehrgang mußte störte ihn sehr wenig. Aber auch er wird merken, das gerade der Sprechfunkerlehrgang nur mit ausreichend Schlaf zu überstehen ist. Ich spreche da aus Erfahrung, denn ich habe damals auch so gehandelt wie der Tobi. Ein sehr harter Sonntag und eine unglaublich langatmige Prüfung. Das die Prüfer nicht umgefallen sind, war ein wahres Wunder. Der Holger stand aber noch aufrecht. Hatte er sich auch stetig an den von mir kredenzten Mischungen gehalten. Die waren zugegebenermaßen ein wenig hart, aber verträglich. Ich mag luschige Mischung nicht, man muß ein wenig was vom Alk schmecken. Aber zu hart sollten sie auch nicht sein. Trinken soll Spaß machen nicht zu einem perversen Wettkampf entarten.

Das Jungvolk hat sich dann seinen überschüssigen Energien auf der Tanzfläche abgearbeitet. Vielleicht ist das ja auch eine Möglichkeit. Man haut sich richtig die Hucke zu und dann geht man Tanzen, um nichts mehr trinken zu müssen. Aber definitiv nichts für mich. Mein Platz war nun hinter der Theke, dort leistete ich dem Kai Gesellschaft. Schnitzel ist dann irgendwann für kurze Zeit sitzend auf ein paar Cola-Kisten ins Reich der Träume entschlummert. Sensationell sein Mischungshandling. Es stand immer auf der Kippe, wurde von ihm aber im Schlaf noch ausbalanciert. In vergangenen Zeiten habe ich das mal im Glashaus praktiziert. Mein Getränk war aber eine ultraharte Jim Beam Mischung von Elmar zubereitet und mein Schlafplatz war ein Hocker. Man wollte mir zwar das Glas aus der Hand nehmen, aber ich ließ nicht los. Wer weiß was man dann bekommen hätte. Entweder eine noch stärkere Mischung oder Wasser. Ich wollte mich ja nicht waschen. Holger hatte aber Erbarmen mit ihm und nahm ihn mit nach Hause. Von der ganzen Aktion habe ich aber nichts mit bekommen und stand dann alleine mit Kai hinter der Theke. Ja, das was Kai da gemacht hat ist stehen gewesen. Auch wenn er mehrmals eingeschlafen ist und seltsame Zuckungen von sich gegeben hat. Ich entschied nun für mich, das ich den Heimweg antreten sollte. Die Müdigkeit vom Beginn des Abends kam langsam wieder zurück. Als machte ich mich noch einen Scheidebecher und rief mir ein Taxi. Draußen war es immer noch kalt, aber das Taxi war schön mollig warm. Die frische Luft hat mich dann kurzzeitig wieder wach gemacht und ich dachte das es vielleicht noch ein wenig was zu trinken in der Werkstatt geben würde. Der Gedanke war noch in meinen Synapsen vorhanden, da hatte ich auch schon das Telefon in der Hand und versuchte Porno zu erreichen, von dem ich wusste, das er mit Görtler unterwegs war. Ein kleiner Teil meines Selbst machte mich darauf aufmerksam, das ich dabei war einen großen Fehler zu begehen. Andere Teile meines Bewusstseins machten einfach die Tür zu und brachten diese unbeliebten Teil so zum Schweigen. Porno ging nicht mehr ans Telefon, als versuchte ich mein Glück bei Görtler. Nach einer kurzen Konversation, bei der sich herausstellte, das Porno eine verweichlichte Lusche ist und schon zu Hause wäre, war klar, das es nur den Weg nach Hause gibt. Görtler wurde gerade von seiner Freundin abgeholt und teilte mir mit, das keine Westeröder mehr da waren. Es war besser so, ich fuhr nach Hause.

Dort fiel ich nur in mein Bett und öffnete erst gegen Mittag meine Augen wieder. Erholt war ich trotzdem nicht. Aber es gibt ja den Sonntag an dem man ruhen soll. Genau das war mein Plan. Harte Wochenende werfen nämlich ihre Schatten voraus. Und bald geht die Grundausbildung Truppmann-Ausbildung wieder los. Samstag Morgen ist so gar nicht meine Uhrzeit!

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