Missing reel

Es wurde mal wieder vollbracht. Das Wochenende ist härter abgelaufen, als ich es eigentlich geplant hatte. Lag vielleicht auch daran, das ich immer so überarbeitet bin. Ständig Meetings abhalten kann ganz schön schlauchen. Und daher dachte ich mir, das ich mich an diesem Wochenende so richtig schön betrinken werde. Naja, eigentlich wollte ich mich ausruhen, damit ich in der nächsten Woche wieder voll und ganz meine Arbeit schaffen kann. Aber dank einiger glücklicher Umstände kam ich doch dazu ein oder mehr Bier zu trinken.

Glücklicher Umstand am Freitag war die Geburtstagsreinfeier vom Langen. Der hatte nämlich am Samstag Geburtstag. Praktischerweise fiel es perfekt in meinen Terminplan und ich bereitete mich schon seelisch darauf vor mit dem Fahrrad nach Germershausen zu fahren. Sollte ja nicht so weit sein und außerdem trainierte es mich ja. Doch als ich dann beim Abendessen saß und mir ein gepflegtes Bierchen zu führte klingelte mein Telefon und der Doktor war dran. Er überredete mich, das ich doch mit dem Auto mit fahre. Schötti wollte fahren und würde mich abholen. Da kann man ja nicht nein sagen. Nachher verletze ich Schöttlers Gefühle und der ist beleidigt. Und ein Taxi können wir uns auch zurück teilen. Hoffte ich zumindestens. Taxi Schöttler fuhr also gegen 2040 Uhr bei mir vor und wir nahmen den Rübenschnellweg nach Germershausen. Als ortskundiger kennt man sich ja in der Gegend aus und wenn man nicht so schnell fährt, dann kriegt man auch alle Kurven mit. Wenige Zeit und ein paar Herzinfarkte später kamen wir wohlbehalten in Germershausen an und stießen zu der Party. Die wurde nämlich in einem privaten Partyraum der Bekannten von den Eltern des Langen gemacht. Hat das jetzt irgendwer verstanden? Egal, der Raum war Klasse, ausreichend beleuchtet und man konnte von draußen schon sehen wer denn alles da war.
Außerdem war er gut beheizt, doch bevor man ablegen konnte, wenn man wollte, ging es erstmal die Reihe rum und es wurden alle begrüßt. Ich liebe es ja. Ich versuche ja immer in die Runde ein großes Hallo zu rufen um so dem Händeschüttelmarathon zu entgehen, aber dann kommen immer die einen oder anderen auf einen zu und drücken einem die Hand oder umarmen einen gleich. Und dann steckt man ja in der Bredouille. Also macht man es sich einfach und schüttelt gleich mal jedem die Hand. Vielleicht gab es ja auch schon Bier? Ja, gab es und ich hoffte gleich mal eins in die Hand gedrückt zu bekommen. Aber der Lange war gerade am Machen, also mußte ich mich ein wenig gedulden. Als ich wieder zu mir kam, hatte ich drei Stühle zertrümmert Man kann auch mal ein wenig ohne Bier umher stehen. Allerdings werde ich da schnell nervös und weiß nicht so recht was ich mit meinen Händen machen soll. Und wenn man die ganze Zeit mit verschränkten Armen da steht, dann macht das auch nicht so einen guten Eindruck. Ich habe mal gehört das es eine abwehrende Haltung sein soll. Mag ja sein, aber bei mir bestimmt nicht. Daher behielt ich meine Jacke an und konnte die Hände super in den Taschen parken. Wer weiß vielleicht fand ich darin ja noch was praktisches. Leider nicht und dann hatte ich ja auch schon mein Pils in der Hand. Ich wurde dann auch sehr bald genötigt meine Jacke doch auszuziehen. Es war aber auch wat warm in der Bude. Derart dem Ausdörren nahe griff ich beherzt zum zweiten Bier, welches mir nun von Helena gebracht wurde. Die junge Dame hat echt ein gutes Timinggefühl, denn sie kam genau zur rechten Zeit.

Nun wurde es Zeit dem Smalltalk ein wenig zu frönen. Obwohl ich ja eigentlich den Begriff Smalltalk hasse. Das hört sich immer an als würde man im zweiten Satz schon auf das Wetter umschwenken. Aber es war ja mehr ein Informationsaustausch mit Leuten die man lange nicht mehr gesehen hat. So erfuhr man vieles Neues. Und der Conrady teilte mir erstmal mit das er schon wüsste was meine neue Anschaffung ist. Er hatte natürlich Recht. Und gab mir gleich mal ein paar Tips für das Tuning. Da ich aber eher der Nicht-Tunig-Typ bin stand ich der ganzen Sache ein wenig kritisch gegenüber. Aber ein paar Flügeltüren würden mir schon gefallen. Naja, reden wir davon, wenn es soweit ist. Der Schötti berichtete mir erstmal das er jetzt nur noch Saufen will. Halt nein, da war ja noch was anderes. Arbeiten will er dann doch noch ein wenig. Er macht ja so einen Telefondienst bei Siemens und das immer Nachts. Ich weiß a nicht ob mir das gefallen würde, wenn ich Nachts immer am Telefon rum hängen würde und darauf warten das irgendwelche DAUs bei mir anklingeln weil sie aus versehen den Bildschirm am Kabel durch das Büro geschleift haben. Und Schlafen kann er da auch nicht. Es gab da wohl mal einen Zwischenfall. Jeder wie er will.

In der gesamten Zwischenzeit liefen die Biere recht gut den Schlund runter. Ich habe ja immer ein wenig Bedenken wenn ich Faßbier trinke, das die Lust weiterhin Faßbier zu trinken nicht lange vorhält. Eine meiner Strategien besagt, das ich bis zu einer mir selbst gesetzten Uhrzeit Bier trinke und dann auf Mixgetränke umsteigen würde. Meistens komme ich eh über die Zeit heraus und halte dann länger durch. Außerdem bleibt die Lust auf das Bier bestehen. Ich hatte auch eine taktisch kluge Pinkelpause eingelegt, nämlich genau dann, wenn Nicole mit dem Schnapstablett umher gegangen ist. Auf diese Weise konnte ich dann doch zu Anfang Eskalationen verhindern. Die Uhr raste förmlich dahin und ich hatte mich oben genannter Strategie angenommen und wollte gegen 2300 Uhr auf Havana Club umsteigen. Conrady stieg noch ein wenig früher um. Und das war der Anfang vom Ende. Ich hatte mich an die Trinkgeschwindigkeit des Biers gewöhnt und setzte diese bei den hochprozentigen Mischungen fort. Das kann natürlich fatal enden. Die Mixgetränke kamen in recht kurzen Zeitintervallen und brachten mich weit nach vorne. Und zwar so weit das ich einem großen Fetttopf nicht mehr ausweichen konnte. Aber dafür bin ich ja eigentlich prädestiniert, das ich solche Töpfe von weitem sehe und genau drauf halte.

Es war nämlich so das auch Helenas Schwestern da waren. Nicole kannte ich ja schon und dann hatte sie noch eine weiter Schwester dabei, die ich vorher noch nicht kannte und deren Namen ich auch schon wieder vergessen habe. Ich weiß, das ist schon ganz schön Schlimm, aber wenn ich Alkohol trinke und dann mir neue Namen zugetragen bekomme, dann klappt das mit der Abspeicherung der Daten nicht so ganz. Schließlich müssen die Grundfunktionen aufrecht erhalten werden. Aber das war noch lange nicht das Fettnäpfchen in das ich rein treten sollte. Es kam nun irgendwie zu der Frage des Alters und ich wurde dazu aufgefordert zu schätzen. Na toll, ich bin ja der Meister im Schätzen. Und gerade das Alter von Frauen kann ich gar nicht einschätzen. Bis zu einem Alter von 18 Jahren kriege ich das noch einigermaßen hin, aber alles was danach kommt entzieht sich vollkommen meines Horizonts. Fassen wir mal kurz zusammen, ich hatte zu dem Zeitpunkt schon einige Biere und seit einiger Zeit ordentlich Mischungen in mich hinein gekippt. Ich war also richtig gut drauf und lehnte mich weit aus dem Fenster. Und schätzte die gute Frau auf irgendwas Jenseits der 30. Weit Jenseits. Sie war 21. Man konnte nahezu hören wie ich mit beiden Beinen voraus in das Fettnäpfchen den Fettkübel sprang. Ich versuchte sogar eine Arschbombe. Man gut das der Alkohol meine Durchblutung schon längst durcheinander gebracht hat, denn sonst wäre mein Kopf auf eine Farbe gewechselt die ich locker an Ferrari hätte verkaufen können. Off the RAL-Skala, Baby. An ihre Reaktion kann ich mich nicht mehr ganz erinnern, aber ich glaube so schlimm war es nicht. Ich meine mich aber noch daran zu erinnern, das Nicole es ganz amüsant fand.

Der Tag wechselte und der Lange hatte Geburtstag. Es folgte das obligatorische Gesinge und die Gratulationen. Danach ging es im gleichen Takt weiter. Ich hielt es nicht für angebracht einen strategischen Wechsel zu machen und bleib an der Theke stehen. Dort stand ich dann mit Nicole ein wenig und wir unterhielten uns. Da wir ja in der gleichen Firma arbeiten fragte sich mich warum ich denn noch nicht vorstellig geworden bin. Da ich gar nicht weiß in welcher Abteilung sie arbeitet könnte das unter Umständen sehr schwer werden. Aber in der Abteilung wo sie arbeitet war ich eigentlich schon. Naja, dann muß man sich mal zu einer Kaffeepause treffen mal ein Meeting organisieren bei der ich dann die Möglichkeit habe mich und meine Position vorzustellen. Außerdem entdeckten wir unsere gemeinsame Leibe zur englischen Sprache und unterhielten uns ab nun nur noch auf englisch. Man frage mich aber nicht worum die Gespräche gingen, denn das weiß ich beim besten Willen nicht mehr. Wie so einiges mehr.

Ich muß zu meiner Schande gestehen, das ich seit Längerem mal wieder einen Filmriß hatte. Aber einen der es locker mit der Extendend Version von Herr der Ringe aufnehmen könnte. Ganze Stunden fehlen mir. Ich weiß auch gar nicht woran das liegen könnte. Und man gebe jetzt nicht dem Havana die Schuld, denn der Havana ist mein Freund und Freunde lassen einen nicht vergessen. Ich schreibe einfach das nieder an was ich mich noch erinnere. Sollte also schnell gehen. Wie ich erfahren habe hab eich ordentlich Schnaps getrunken. Ich wollte ja eigentlich gar keinen trinken, aber Nicole hat mich dann doch irgendwie dazu bekommen. Schöttler meinte nur, das er mich ständig mit einem Schnapsglas gesehen hätte. Erst voll, dann leer. Und dazu gab es die üblichen Mischungen. Jaha, da geht es rund auf dem Alkohol-Express.

Als nächstes weiß ich das wir irgendwann an einen Ecktisch verlegt haben und dort weiter über das Leben sinniert und kulturelle Probleme diskutiert haben. Natürlich nur auf höchster Ebene, so gut das eben mit 3,0 Promille geht. Dort ging der Schnapsexzess auch weiter und ich kann mich da keiner Schuld ergeben, denn ich war immer der Leidtragende. Ich saß nur rum und trank die mir ein geschütteten Gläser auch. Ich glaube Nicole war hier die Hauptdrahtzieherin. Ich werde also nie wieder Schnaps mit Frauen trinken. Das bekommt mir nicht gut. Schnaps ja eh nicht. Und Frauen trinken den dann auch literweise. Als nächstes weiß ich wieder das ich an der Musikanlage herum gespielt habe um der Party mal ein paar anständige Leider zu geben. Allerdings waren auch nicht mehr allzu viele Leute anwesend. Quasi der harte Kern hielt noch die Fahne in den Wind. Der Vater vom Langen war noch da und der war ein ehemaliger Lehrer von mir. Damals auf der Realschule, wo die Zeit noch gut war und man sich noch an einem Zelten mit Dosenbierhappening erfreuen konnte. Er erkannte mich zwar nicht mehr, aber das sei verzeihen, denn als Lehrer hat man ja tausend Gesichter schon gesehen. Meins wurde wohl aus Schock nicht abgespeichert. Aber er hat einen guten Musikgeschmack. Da der Lange und ich ganz gerne mal den Klängen von Black Sabbath lauschen habe ich ihm eine Art Best of Black Sabbath CD mitgebracht und die wurde nun erstmal ein geschmissen. Und lauthals mit gegröhlt. Ich konnte an dem ungläubigen Blick und dem offenen Mund von Mambo erkennen, das er es nicht fassen konnte das noch andere Leute Black Sabbath gut finden. Leute die ca. 30 Jahre jünger waren.

Es wurde nun Zeit die Party zu verlassen. Warum kann ich nicht mehr sagen, doch es fühlte sich richtig an. Also enterten wir draußen ein Taxi. Ich spielte erst mit dem Gedanken das ich ja auch nach Hause reiten könnte. Auf dem Hof war ein paar Pferdeboxen und so schwer konnte reiten ja nicht sein. Ich hätte natürlich die Methode ohne Sattel bevorzugt, da spürt man die Natur des Pferdes besser. Wahrscheinlich wäre ich keine drei Schritte gekommen, dann wäre ich vom Pferd gefallen und wäre mit dem linken Auge in einer Mistgabel gelandet. Ich kenne doch mein Glück. Und Taxi fahren wäre bestimmt bequemer. Außerdem hätte ich dann am nächsten Tag das Pferd wieder zurück bringen müssen. Wäre aber bestimmt gut gekommen wenn anstatt meines Volvos ein Zosse vor meinem Haus gestanden hätte. Ich fuhr bis Westerode mit und ging dann Rest zu Fuß nach Hause. Auch hier möchte ich erwähnen, das ich keinerlei Erinnerungen an den Weg habe. Das nächste was ich wusste war das ich die Augen aufschlug und in meinem Bett lag. Neben meinem Kopf lag eine kleine volle Kümmerlingflasche und meine Klamotten sahen aus als hätten sie die Detonation einer Panzermine so gut wie möglich abgeschirmt. Sie waren nicht zerfetzt, sondern lagen in allen Ecken des Zimmers. Und mir ging es megascheiße. Ich machte einen Schwur der schon zum Scheitern verurteilt war. Nie wieder Alkohol. Aber auf jeden Fall bin ich erstmal vom übermäßigem Schnapskonsum kuriert.

Der Tag verging recht fix, was nicht so in meinem Gusto lag. Aber eher an diversen Umständen lag, die nicht in der Hand hatte. Schnitzel teilte mir mit, das er später zur Elferratssitzung kommen würde. Eine Sitzung von der ich zu dem Zeitpunkt zum ersten Mal hörte. Ich war zwar letztes Mal anwesend aber wohl nicht aufnahmefähig. Um die Zeit bis dahin zu überbrücken guckt eich einen Film, der absolute Schieße war. Wenn ich eine Zeitmaschine erfinden würde, dann würde ich mir eine Liste machen, mit Filmen die ich nicht gucken brauche. Die würde ich meinem jüngeren Ich im Jahre 1990 geben und hoffen so ordentlich Zeit gut zu machen. Wenn ich dann schon mal da wäre, dann würde ich mir noch ein paar mehr Tips geben. Zum Beispiel nicht so viel Schnaps zu trinken und nicht mit dem Toyota in den Graben zu fahren.

Abends hatte ich dann voll zu tun. Ich sollte nämlich bei Silkes 40ster Geburtstagsfeier zapfen. Mache ich doch gerne, da ich ja wusste welche Spezialisten da alles auftreten würden. Florian und Patrizia würden dann mit Tabletts durch die Gegend ziehen und ich hatte nur den Zapfhahn zu bedienen. Meine Lieblingsaufgabe. Man steht direkt an der Quelle und hat unendlichen Zugriff zu Pils. Gegen 1830 Uhr holten die Beiden mich dann ab und wir fanden uns am Schützenhaus ein. Glöckner wies uns kurz ein und ich machte mich daran die Maschine in Gang zu bringen. Kurze Zeit später kamen dann auch schon die ersten Gäste. Doch der Bierhahn war noch nicht in Schwulitäten. Das Schlimme ist ja, das gar nicht so viel Bier getrunken wird, sondern eher Biermixgetränke. So was kann ich ja nun gar nicht ab. Aber man beugt sich ja dem Kundenwunsch. Warten wir aber erstmal ab. Die ersten Bestellungen waren noch anständig. Bier in wenigen Mengen, aber immerhin Bier. Während Patrizia und Florian bedienenderweise ihre Runden drehten zapfte ich sporadisch flüssiges Gold aus dem Hahn. Naja, Gold ist vielleicht ein wenig übertrieben, es war ja Hasseröder. Ein Bier welches mir zumindestens am nächsten Tag einen wunderbaren Kopfschmerz in den Brägen zaubert. Ich war aber zum arbeiten da und nicht zum Saufen, daher gab es nichts für mich.

Der Vorsatz saß und ich hielt mich ungefähr 40 Minuten dran, was für mich schon mal eine ausgezeichnete Zeit ist. Dann schnappte ich mir ein optisch anderes Glas als die Gäste und zapfte es voll. Es schmeckte sehr gut, als die Gerstenflüssigkeit meine Lippen benetzte. Besser als ich erwartet hatte. Der Teufelskreis schloß sich und ich entschied im Bruchteil einer Sekunde, das ich doch etwas trinken würde am Abend. Ich bewunderte auf der anderen Seite den Vollmer, der nichts trinken würde, weil er fahren mußte. Patrizia konnte sich dagegen einen brettern. Dann wird es immer lustig. Ein weiterer Grund warum ich mich zum exessiven Bierkonsum entschieden habe, war das Bestellen von Biermixgetränken. Alster ist die Geisel des Zapfhahnbedieners. Ewig muß man widerliche Zitronenbrause in wunderbares Bier schütten. Wie kann man so was nur trinken. Wenn einem Bier zu herb ist dann soll man gefälligst Brause trinken, aber nicht das Bier verschandeln. So dachte ich und servierte mit einem Lächeln das Alster. In meinem Kopf fügte ich ein paar weitere Personen der Bierindexliste hinzu.

Das Essen wurde serviert, besser gesagt es wurde das Buffett frei gegeben und Glöckner war der erste an den warmen Platten. Buffet heißt immer wenig zu tun, aber dann geht es richtig los. Immer dann wird die Thekenmannschaft zur Nahrungsaufnahme genötigt. Doch vorher gab es noch die Runde Schnaps. Ich war froh das ich diesmal auf der richtigen Seite vom Tresen stand. Als dann Florian und Patrizia wieder da waren wurden wir von einem Jungen abgelöst, dem ich das Zapfen zu traute. Ich erklärte ihm kurz mein System und folgte ans Buffet. Das Essen war sehr lecker. Kann ich nur wiederholen. Aber wie immer gilt hier das Motto nur einmal los zugehen und so viel wie möglich vom Angebotenen abzudecken. Zurück an der Theke war ich dann bereit meine Aufgabe wieder zu übernehmen. Ich muß sagen der kleine Kühne hat seine Sache gut gemacht, doch etwas stimmte am Gesamtbild nicht. Nach kurzer Zeit stellte ich fest was es war. Das Tröppelbier fehlte. Das ist das Bierglas in welches die letzten Tropfen vom Zapfhahn rein fallen. Meistens steht es schon lange und ist halt nicht mehr so lecker. Ich vermute jetzt mal das es gleich zu Beginn über den Tisch gegangen ist. Zum Glück habe ich ja mein eigenes Glas.

Nach dem Essen wurden dann diverse Sachen vorgeführt. Texte wurden vorgetragen und Silke durfte sich zum Ei machen. Eigentlich ist das ja auch fies gewesen. Sonst kriegt man immer was vorgeführt worin sich andere zum Ei machen und Silke darf selber ran. Sportliche Aktivitäten standen im Vordergrund. Und ich war beeindruckt, wie fit doch die Silke ist. Liegestütze, Situps alles kein Problem. Doch richtig überzeugt hat sie mich bei der Darstellung des Schwanensees. Tänzerische Ausführung war vom aller feinsten und ihre Freunde aus dem Puttfeld schienen sie richtig gern zu haben, denn sie spielten die lange Version. Gott habe ich Angst vor meinem nächsten Geburtstag!

Da nun die kulinarischen und darbieterischen Aktionen ziemlich gelaufen waren konnte man gemütlich zum eigentlich Teil des Abends übergehen. Das grenzenlose Zuballern an der Theke. Nach und nach rückten die üblichen Verdächtigen an und ich konnte mir ausmalen, das es nun hoch her gehen würde an der Theke. Ich weiß gar nicht wer als erstes da war, aber manche Gesichter vergisst man einfach nicht. Zum Beispiel der Schmierpopel, der sich ja gerne mal Pils reinkanllt. Auch gerne gesehen sind Friede und Leiche, die früher ja schon üble Züge in der Gemeinde gemacht haben. Da es nun schon die ersten Schnaps angefixten gab, wurden die Spirituosenflaschen immer öfter gezogen. Verdächtig oft war die Ouzo-Flasche unterwegs und ich wusste wohin sie dort um die Ecke ging. Nämlich zu Böning und Günner. Sie hatten sich wohl zur Aufgabe gemacht recht früh in das Land der Strammsäcke einzutreten. Und sie leisteten ganze Arbeit. Ich war fast der Versuchung erlegen ihnen frühzeitig den Titel zu verleihen, doch aus Erfahrung wusste ich das es an diesem Abend noch besser werden würde. Gewisse Konstellationen bei den Gästen lassen auf einen heiteren Ausgang schließen. Ich sollte Recht behalten.

Das ändert aber nichts an der Tatsache, das Günner und Böning schon relativ früh einen im Sack hatten. Man merkte es an der leicht entgleitenden Zunge beim Sprechen und dem netten Lächeln was sie aufgesetzt haben. Richtig sicher war man sich aber erst, als sich dann der Günner an die Musikanlage gesetzt hat und seine berühmt berüchtigten Discoansage gemacht hat. Man kennt das ja wenn in den Discos die DJ mitten im Lied die Lautstärke runter drehen und dämliche Ansagen machen. Günner hat es perfektioniert. Aber ich muß sagen, das er es recht gut kann. Und seine Frau nahm es alles mit einem Lächeln auf. Macht auch nicht Jede. Kotzo ist aber ein echt fürchterliches Zeug und stellt gar seltsame Sachen mit dem Hirn an. Ich spreche da aus Erfahrung. Doch für Günner wurde es dann wenig später Zeit die Segel zu streichen, da der Kotzo seinen Tribut zollte. Die Besten gehen immer zu erst. Wie Florian berichtete hat er ihn nach Hause gefahren und mußte noch 10 Minuten warten, bis Günner dann endlich den Weg in seine Wohnung gefunden hat. Reife Leistung und hat ihm gut Punkte auf der Strammsackskala gebracht. Sollten sie zum Sieg reichen?

Bleiben wir aber in den gewohnten Gefilden des Schützenhauses. Dort konnte ich seit langer Zeit mal wieder einen Blick auf den Friede werfen. Er hat sich gleich nach seiner Ankunft in eine Ecke verkrümelt und sich immer fein das Bier vor den Arsch tragen lassen. Nun sah ich das Ergebnis und es sah noch recht gut aus. Der Gang war zwar nicht mehr so sicher, aber die Sprache war noch klar. Obwohl ich vor der Tür schon den Chief Heavy-Tongue Streife laufen sehen habe.

Der Abend wurde später und es wurde des öfteren das Tanzbein geschwungen. Ein weiterer Vorteil wenn man hinter der Theke arbeitet. Es kommt gar keiner auf die Idee einen aufzufordern. Man wird gleich von vornherein gar nicht erst gefragt, ob man denn Lust zum Tanzen hätte. Aber der Rest drehte dafür kräftig auf. Es schien früher kräftig in Mode gewesen zu sein Partnertanz zu machen. Was rede ich da, es ist ja heute noch ordentlich in Mode. Wenn ich aber 10 Jahre älter wäre dann würde ich trotzdem nicht so gerne Partnertanz machen. Ich glaube ich wäre früher schon der Typ gewesen, der sich im Checker eher an der Theke aufgehalten hätte, als die Mädels bei den neuesten Italo-Krachern über die Tanzfläche zu schleudern. Warum sollte ich auch anders sein, 10 Jahre früher.

Die Gästeschar lichtet sich, ließ aber dennoch einen harten Kern zurück. Ein ziemlich großen harten Kern erfreulicherweise. Nichts ist schlimmer als ein kleiner harter Kern. Je mehr Leute da sind, desto besser wird die Party meistens. Aber Silke hat ja die richtigen Leute eingeladen. Allein die Puttfelder machen schon gut Party. So wurde schon früh genug mit Mixgetränken angefangen. David, der zwar kein Puttfelder ist, kam zuerst an, ob denn auch Asbach da wäre. Und ich konnte seinen Wunsch erfüllen. Derart aufgestachelt kamen gleich der Olli und ein weiterer Puttfelder an, von dem ich leider nur den Nachnamen weiß. Aber er wusste eine gute Mischung zu schätzen. Er war eh nach meinem Geschmack, da er schon früh die Cola-Zufuhr stoppte. O-Ton: ”Sonst verwässert der Asbach so!“. Wir verstanden uns schon. So hatte ich dann also meine drei Asbach-Kunden und wurde in Versuchung geführt. Der Asbach stand greifbar nah und das Bier hat meine Hemmschwelle schon genügend herunter gesetzt. Zweimal widersagte ich dem Asbach, doch beim dritten Mal wurde ich schwach. Jesus hatte große Hoffnungen in mich gesetzt ob ich denn seinem Beispiel aus der Wüste folgen würde, doch meine Dämonen waren stärker als mein Wille. So tappte ich in die Asbachfalle. Früher wurde mir beim Gedanken an Asbach schon schlecht, heute kann ich ihn ganz passable trinken. Nicht das ich ihn einem Havana vorziehen würde, aber bevor ich gar nichts trinke. Er mundete recht gut.

Früher oder später wird es dann auch ekelig. Meistens dann wenn der Schmierpopel auf den Plan tritt. Er kam an die Theke und hatte schon eine gute Fackel nach Kotzo und Bier und fragte auf seine ihm eigene und sehr charmante Art und Weise was es denn für Mixgetränke gab. Ich antwortet kurz und knapp das Wodka und Asbach im Angebot sei. Eigentlich war die Information kurz und knapp verpackt so daß keine Rückfragen kommen sollten. Doch ich redete mit Schmierpopel und der hat seine eigene Art der Auffassungsgabe. Nun folgte eine Fragestunde nach Mixgetränken die nicht vorhanden waren. Von Havana bis Whisky hatten wir alles durch und ich konnte ihm dann einen Wodka-O reichen. Beschwerden über die kleine Auswahl waren natürlich inbegriffen. Natürlich wurden keine Abstriche in Sachen Schnaps gemacht. Zwischenzeitlich wurde dann noch ”Die Reise nach Jerusalem“ gespielt. Ich schätzte kurz die Anwesenden und deren Alkoholpegel ab und gab den Stehtischen an der Theke eine Überlebenschance von drei Runden, da die Stuhlreihen recht lang war. Jeder der Ausschied mußte einen Schnaps trinken. Ich nahm das zum Anlaß mir den einen oder anderen Korn einzuflößen. Ja man hat richtig gelesen, ich trank freiwillig Schnaps. Wenn man nicht dazu gezwungen wird, dann schmeckt der auch recht gut.

Das Spiel war vorbei und Ellen hatte gewonnen. Und weiter ging die lustige Reise ins Land der reitenden Alkoholleichen. Im Rennen um den König der Strammsäcke waren nun noch Schmieri und Leiche. Böning hatte zwar gut losgelegt, aber heilt seinen Pegel. Die anderen Beiden schütteten nur noch drauf. Ab und an wurden wir auch hinter der Theke besucht von den Anwärtern. Ich weiß nicht ob sie sich so mehr Chancen versprachen. Wir unterhielten uns ganz nett. Schmieri ist ja gar nicht so verkehrt und drückte seine Zuneigung gerne aus in dem er einen drückt. Meistens so fest das man meint man sei in einer ”Eisernen Jungfrau“ gefangen. Und Leiche hat sich zu uns gesellt um sich erstmal gehörig auszuschlafen. Er hat dafür ja ein Talent. Egal ob auf Bierkisten oder auf Bierfässern, Leiche kann überall schlafen. So auch auf Cola-Kisten hinter der Theke. Und er nahm uns unsere Sitzplätze weg, meine Füße taten unglaublich weh. Ich schiebe es jetzt einfach mal auf meinen nächtlichen Fußmarsch nach Esplingerode am frühen Samstag Morgen.

Die Uhr rückte in genau diese Richtung vor. In die frühen Morgenstunden. Patrizia und Florian sind gegen 0300 Uhr verschwunden und ich schmiß die Theke alleine. Besser gesagt, gegen 0430 Uhr endete mein Dienst und ich gesellte mich noch ein wenig zu den übrig gebliebenen Gästen, die nun wirklich zu einer kleinen Gruppe zusammen geschrumpft waren. Bei ein bis zwei Käsebrötchen, weil nichts anderes mehr da war, genoß ich noch die letzten Mischungen und unterhielt mich mit Naja ein wenig. David und ich sind dann um 0500 Uhr aufgebrochen. Meine Füße taten unglaublich weh und ich wollte mich einfach nur noch ins Bett legen. Eine wahre Wohltat.

Als ich gegen Mittag aus dem Koma erwacht taten meine ganzen unteren Extremitäten (man merkt das ich jetzt für ein Orthopädieunternehmen arbeite) weh. Viel ging nicht. Jedenfalls nichts was mit körperlicher Bewegung zu tun hatte. Weblog schreiben und fernsehgucken war gerade noch so drin. Und eigentlich war dieses Wochenende eine wunderbare Generalprobe für das kommende Wochenende. Denn da ist Karneval. Ich habe ein wenig Angst!

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