Oh Du schöne Weihnachtszeit

Herzlich Willkommen in der Adventszeit. Falls es jemand noch nicht mitbekommen hat, haben wir am Sonntag schon die zweite Kerze angezündet. Ich jedenfalls hab es irgendwie verdrängt. Nun bin ich auch nicht gerade der Typ, der sich so viel aus der Weihnachtszeit macht und Adventskränze sind eh viel zu gefährlich. Aber auch ich schätze die Weihnachtszeit. Man kann besinnlich beisammen sitzen und über gute alte Zeiten sprechen, dafür prädestiniert sind Weihnachtsfeiern. Oder Weihnachtskneipentouren. So geschehen am Freitag.

Wie sich herausstellte fand diese Weihnachtskneipentour nun schon zum 9. Mal statt. Das ist entweder ein Anzeiger das es schon Tradition hat oder aber das man unglaublich schnell alt wird. Vor 9 Jahren da habe ich gerade mal Abitur gemacht. Oh Gott, dann steht ja nächstes Jahr das nächste Jubiläum an. Ich darf da gar nicht dran denken. Bleiben wir also bei der Gegenwart und tauchen ein in die unglaubliche schöne Welt der Kneipentouren. Treffpunkt war wie gehabt die Bar am Stadtberg. Ich glaube ich muß an dieser Stelle mal einen großen Dank an die Familie Kühne ausrichten. Das Bemis Eltern unsere Parties seit Jahrzehnten da unten akzeptieren und uns sogar einen Raum dafür zur Verfügung gestellt haben. Nachdem dann also das erste Pils der Marke Becks den Weg in meinem Schlund gefunden hat war ich in der richtige Feststimmung und wir konnten los gehen. Der Start der Tour war ja offiziell nicht die Bar sondern Kalutschis Kiosk. Doch der Weg vom Stadtberg zum Kiosk war recht weit und so war man dankbar das man sich Wegzehrung in Form einer weiteren Flasche Bier mit nehmen durfte. Diese hatte dann stattliche 0,5 l Größe. Leider war das Kiosk nicht mehr vorhanden Sozialer Mittelpunkt vieler, sagen wir mal Randgruppen wurde einfach dem Erdboden gleich gemacht. Aber wir hielten trotzdem an und tranken unseren Jägermeister wie schon jedes Jahr. Dem einen oder anderen rollte eine kleine Träne über die Wange. Das kann aber auch am Jägermeister gelegen haben. Bei mir was das jedenfalls der Fall. Ich kann mich einfach nicht an Kräuterschnäpse gewöhnen. Ist vielleicht auch besser so. Nachdem dann das Gesicht sich langsam wieder entspannte zogen wir im Schützenrudel in kleinen Grüppchen weiter Richtung Innenstadt und mußten erneut eine Kneipe von unserer Tour streichen. Die Stadt Mainz, dem einen oder anderen besser bekannt als Hartz IV, hatte auch schon ihre Tore geschlossen. Dabei wollten wir mit unserem Besuch gerade diese Kneipe am Laufen halten. War es doch auch ein Mittelpunkt vieler sozialer Randkompetenzen in Duderstadt. Doch mit den halben Litern konnte man den Weg bis zum Budapest locker überbrücken. Hier muß ich mal erwähnen das diese halben Liter Pullen den Assi-Faktor auf eine glatte 8 hochprügelten. Auch wenn es ein Becks war kommt man sich seltsam vor wenn man mit so einer Falsche durch die Straßen zieht. Was solls, es ist ja Weihnachten.

Bemi bildete im Budapest die Vorhut und fragte recht schüchtern ob wir denn ein oder zwei Pilschen trinken können. Alles kein Problem und schon wurde eingerückt. Die halben Liter wurden aber stilecht geleert, damit der Assi-Faktor ein wenig hinunter geschraubt wird. Jedenfalls wurde sie von mir geleert. Ich habe so einige andere beobachtet, die sie halb Voll in den Mülleimer stellten. Ich nenne hier keine Namen, aber ich hoffe das die Angesprochenen sich ein wenig schämen. Im Budapest nahmen wir die Plätze direkt an der Theke ein und hatten somit kurze Anlieferungswege. Die Logistik muß immer stimmen. Und schnell wurde ins lockere Gespräch verfallen. Ich stand etwas weiter hinten mit dem Lars, der mich erstmal über Bankgeschäfte aufklärte und wenn alles klappt, gehöre ich bald zu den oberen 10000 der Wirtschaftsriesen dann verfiel das Gespräch auf das alte Thema Partnerschaft. Lars redete mit erneut ins Gewissen und ich mußte ihm ja Recht geben. Aber er hatte ein paar aufbauende Worte für mich. Nett, wenn sich Leute um einen Gedanken machen. Und das meine ich ernst. Aus dem einen Bier sind dann zwei Bier und ein Obstler geworden. Fragt mich bitte nicht warum es immer mit Schnaps enden muß. Der Schnaps wurde dann noch vom Besitzer ausgegeben und auf Nachfragen warum es denn Obstler sein mußte sagte er mit einem lachenden Auge, das er so schnell nichts ekelerregenderes gefunden hat. Aha, wenigstens ehrlich. An der Theke waren auch ein paar englischsprachige Leute, deren unser Auftreten mit ”That is german culture“ erklärt wurde. Hui, hier muß man aufpassen. Es war ja erst der Anfang der Tour, die zwei Kollegen sollen uns mal in zwei bis drei Stunden sehen. ”That is german culture!“ Im Budapest stieß dann auch der TZ zu uns und reihte sich fließend in die Gepflogenheiten ein. Da ist er dann doch sehr anpassungsfähig. Doch die Zeitschiene drückte ein wenig und wir mußten weiter ziehen.

Es ging ohne Umschweife in das Elaton, denn da wartete das Essen auf uns. Da ich im letzten Jahr leider der Kneipentour nicht beiwohnen konnte weiß ich das hier erlebte und zu erwartende nur aus Erzählungen, aber die haben gereicht. Nachdem die Getränkefrage recht schnell geklärt wurde wurde sich auch auf das Essen geeinigt. Drei Mal Olympia-Platte. Jeweils für vier Personen. Das dürfte vorerst reichen. Die Vorspeisen gingen auch recht fix und schmeckten schon mal sehr lecker. Es gab Bauernsalat, gebratene Peperoni und frittierten Feta. Eins dürfte klar sein, Kneipentouren sind nicht dazu da um Frauen anzusprechen. Also gingen die Zwiebeln ohne groß zu überlegen in den Magen. Man braucht ja genügend Treibstoff für den nächsten Tag. Auch mit dem Tzaziki wurde nicht gespart. Hatte ich schon erwähnt das keinerlei Gedanken an Frauen verschwendet wurden. Jedenfalls ab jetzt nicht mehr. Nach den Vorspeisen kam dann die Fleischplatten rein. Was soll ich sagen, es war einfach fabelhaft. Fleischspieße, Lammkotletts und als Unterlage Gyros. Dazu wurde dann Reis und Pommes gereicht. Da ich meinen Diätplan erst im nächsten Jahrtausend bei der nächsten vollständigen Sonnenfinsternis, die in Deutschland zu sehen ist nächsten Jahr in Angriff nehmen wollte schlug ich ungeniert zu. Was soll man sich auch zur Weihnachtszeit um so einen Firlefanz wie abnehmen Gedanken machen. Klar, die Weihnachtsfeiern stehen vor der Tür und manche Leute machen sich Gedanken über Kalorien zählen. Das Bier kam übrigens zu allen Gängen regelmäßig. Nicht zu vergessen war auch der Kotzo auf nüchternen Magen. Wie aus dem Elaton schon gewohnt. Und als dann die gesamten Platten vernichtet wurden wanderte noch ein weiterer Kotzo hinein. Ich hoffe meine Verdauung stand noch auf Pause, denn wenn das alles so durch geht, dann muß ich bei der EAM anrufen, damit sie stoßweise den Wasserdruck erhöhen. So ein Schreiben wäre im allgemeinen nicht schlecht, sonst würde es den Tag nach der Kneipentour zeitweise zu Problemen in der Wasserversorgung in Duderstadt und den umliegenden Dörfern geben.

Die Platten waren vernichtet und die Rechnung bezahlt. Ich glaube ich habe davon sogar Fotos gemacht. Also konnten wir mit ruhigem Gewissen weiter ziehen. Es wurde angedacht, das wir zunächst zu Dr Hippe, stadtbekannter Tierarzt, gehen um dort einen Pansenstich durch zu führen, aber der Durst trieb uns in Richtung der nächste Kneipe. Welches das Keglerheim sein sollte. Eine kleine, sehr alte Kneipe, bei der wir immer sehr nett bedient wurden. Die Frau die die Kneipe betreibt ist mit Sicherheit schon 300 Jahre alt, aber es gibt immer noch herzhaftes Flaschenbier. Und wenn man Glück hat kleine Schnapspullen aus dem Jahre 1995. Doch als wir ankamen mußten wir leider feststellen, das die gute Frau schon wieder zu gemacht hat. Vielleicht hat sie auch erfahren, das an dem Abend die Kneipentour statt findet und frühzeitig die Bude dicht gemacht. Wir trinken zwar jeder ein Pils, aber verbrauchen wohl auch Wasser für 10 Leute, bei den Toilettengängen. So standen wir vor verschlossener Tür. Und Bemi hat seinen ganzen Charme spielen lassen, doch es half nichts. Also drohten wir damit Molotov-Cocktails zu organisieren zogen wir mit gesenkten Häuptern weiter. Doch lange blieben wir nicht traurig, denn Kalli Gerbode war ja nicht weit. Frohen Mutes zogen wir dann in den ”Eichsfelder Hof“ ein. Dort reichte man uns auch recht fix die Bier an die Hand. Gleichzeitig waren auch Teile der Duderstädter Mannschaft anwesend, von denen ich ja auch ein paar kenne. Doch das Bier hat ja die Angewohnheit wieder raus zu müssen und wenn man dann erstmal der Natur freien Lauf gelassen hat, dann kommt es immer häufiger vor, das die Blase überfüllt ist. Und die Toilette im ”Eichsfelder Hof“ ist immer ein Highlight. Die Farbgebung sieht aus wie ein Lungendurchschuss oder eben wie Labskaus. Den Unterschied kann ich nie so recht heraus finden.

Nach dem ”Hof“ gings dann weiter in Richtung ”Halber Mond“. Ich schlug zwar noch vor in die Backstube ein zukehren, aber der ”Halbe Mond“ war wohl verlockender, vor allem weil es da Heidegeist gab. Nun muß ich hier zu geben, das ich ab nun nur noch in der Lage bin einen groben Abriß der Ereignisse zu geben. Seltsamerweise hat irgendwas große Lücken in meine Erinnerungen gerissen. Dabei gab es doch noch gar nicht so viel Schnaps. Die Luft hat sich draußen zwar schon extrem abgekühlt, aber den schwarzen Mann mit dem großen Hammer habe ich noch nicht gesehen. Nun ja, im Halben Mond gab es dann wieder cremiges Krombacher und wir haben die hinteren Sitzplätze für uns beansprucht. Immer sehr nett dort. Dummerweise haben sich oben angedachte Bedenken auf Grund der Verdauung bewahrheitet und ich habe einen großen Mment verpasst. Der Stan hat kund getan das er im nächsten Jahr heiraten wird und einen Heidegeist ausgegeben. Ich gratulierte ihm und dachte das keiner merken würde, das ich keinen Schnaps bekommen hätte. Aber da hatte ich mich geirrt. Schnaps rein, Grimassen gezogen und wieder entspannt. Ich führte einen kurzen Check durch und stellte fest, daß das Schnaps-O-Meter kurz vor dem roten Bereich stand. Zum Glück gab es weiterhin Bier. Außerdem mußte ich feststellen, das ein paar neue Arbeitskollegen von mir auch an der Theke standen. Dummerweise bin ich immer sehr gesprächig wenn ich einen im Kahn habe. Ich kann mich nun nicht mehr an jedes Wort erinnern, aber es ging hauptsächlich um meine neue Anstellung. Ich darf einfach nicht mehr reden, wenn ich mehr als fünf Bier getrunken habe. Vielleicht sollte ich mir da ein Stempel anschaffen, den ich mir freiwillig dann aufdrücke, wenn die magische Grenze erreicht ist. Falls dann dieses Zeichen von mir deutlich sichtbar getragen wird, einfach kein Gespräch mit mir anfangen. Ich bin erschreckend ehrlich und offen.

Der Uhrzeiger rückt bei solchen Angelegenheiten immer beunruhigend schnell vorwärts. Etwas später stießen kurzzeitig Jenny und Helena zu uns und tranken ein paar Runde mit. Doch die Zeit war nicht auf unserer Seite und wir entschlossen gegen 0230 Uhr noch in die Werkstatt zu gehen. Eigentlich ja immer traditioneller Abschluß der Kneipentour. Und draußen vor dem ”Halben Mond“ kam dann das unfassbare. Der Doktor hat sich der Werkstatt entzogen und ist einfach alleine den Heimweg angetreten. Was war da los, ist er etwa vernünftig geworden. Hatte er noch etwas vor von dem wir alle nichts ahnten. Vielleicht tat er auch nur so als sei er sturz betrunken und geht nun seiner zweiten geheimen Identität nach. Vielleicht sollte ich auch meine wilden Spekulationen mit fundiertem Wissen begründen. Aber genau da liegt der Hase im Pfeffer. Ich kann nichts vorweisen. Um ehrlich zu sein hätte es bei Jedem schon gereicht und der Weg zur Werkstatt hätte nicht mehr angetreten werden müssen. Sollen wir aber mit Traditionen brechen? Ich sage nein und mit mir der Rest der Kneipentour. Der Einmarsch in die Werkstatt hat keine Überraschung gebracht. Gewohnte Leere und gewohnte Gesichter. Dazu gehörte auch der Oppermann. Ich konnte ihn leider nicht umgehen. Nein, er ist ja ein netter Zeitgenosse. Auch wenn er bumsvoll war. Ich nahm noch ein Getränk mit ihm und dann mußte er auch schon los. Nun kann ich leider nicht mit Gewissheit sagen, ob er voll wie die Hacke war, da ich mich selber nur bruchstückhaft an diese Begegnung erinnere. Was jetzt aber nicht den Umkehrschluß zulässt, das ich bumsvoll war. Es waren einfach nur zu viele Sachen die passiert sind, das ich mir alle merken konnte.

Ach ja, mittlerweile sind wir sinnigerweise auf Mix-Getränke umgestiegen. Ich kann mich aber nur noch an den Havana-Club erinnern. Ihr wisst ja, die vielen Eindrücke haben mir sehr zu schaffen gemacht. Aber immerhin haben wir noch fünf Tabletts geschafft und das nicht mit voller Besetzung. Bemi, der ja die Kasse hatte, hatte sich zwischenzeitlich mal auf einem Sofa lang gemacht und schlief den Schlaf der Gerechten Vollstrammen. Jeder hat ihn beneidet war sich aber selber zu schade, sich die Blöße zu geben und so vielen einige über ihn her und wollten ihn nicht schlafen lassen. Die Kasse ist seltsamerweise in meiner Tasche gelandet. Dieser Teil entzieht eindeutig meiner Erinnerung. Aber so konnte ich dann ja immer nett bezahlen. Und wir haben die Kasse noch gut voll gehabt. Vermute ich mal, denn die Tabletts kamen ohne Unterlaß. Bis zu dem Zeitpunkt als bei allen das Maß voll war. Seltsam das es bei allen gleichzeitig so war. Aber was rede ich denn da, so war es ja gar nicht. Ein Teil ist nach Hause gegangen, aber ein anderer Teil hatte noch vor nach Göttingen zu fahren. Ich allerdings fühlte meine Beine nicht mehr und beschloß das ich nun besser nach Hause gehe, so lange ich noch gehen kann und ungefähr wusste wo ich wohnte. Das Kriegerdenkmal ist auch nicht so schwer zu verfehlen. Nun kommt ein kleiner Einschub. Aus verlässlichen Quellen, die ich aber keineswegs preis gebe, weiß ich, das die Tour für Kramer, Hoppi, Tallau, kurz KHT, und Topper noch nach Göttingen ging. Und zwar zum Schnitzel essen. Pervers was sich manche Leute noch am frühen Morgen antun. Und eine absolute Frechheit, das sie mich einfach aussteigen lassen haben. Auch wenn ich manchmal sage, ich möchte jetzt nach Hause, kann ich damit sagen wollen, das ich zwar den Satz gesagt habe, aber ihn keineswegs gemeint habe. Man muß auch mal zwischen den Zeilen lesen können!

Samstag morgen, ich erwachte und hatte das Gefühl ich würde mich in einem langsam drehenden Kettenkarussell befinden. Was war hier los? Hatten Außerirdische mich in einen Stasis-Schlaf gesteckt und testen nun meine Reaktion auf langsam Drehung? Hatte man mir den Gleichgewichtssinn gestohlen? Oder war das etwa die Nachwirkung von dem übermäßigen und mit Sicherheit nicht gesunden Verzehr von zu viel Alkohol? Ich konnte es nicht genau benennen, aber es sollte sofort aufhören. Tat es aber nicht, nicht mal als ich mein Auto nach dem Mittag abholte und bei der Tanke war. Dort traf ich auch auf eine Frau die ich unglaublich gut finde. Schon seit längerem. Naja, sagen wir mal so, sie fuhr gerade auf die Tanke und ich fuhr weg. Nun hätte ich drehen können und zu ihr rüber fahren können um ein kleines Pläuschchen zu halten. Doch mein gesunder Menschenverstand siegte dann doch. Ich hatte am Vorabend eine Kneipentour gemacht, von der ich nur noch den Anfang mit Sicherheit weiß und in der Tour inbegriffen war ein ausgiebiges griechisches Essen. Trotz intensiven Zähne putzen hatte mein Atem immer noch die Konsistenz eines Abbeizmittels und das wollte ich ihr keinesfalls an tun. Es gibt bestimmt nochmal eine Gelegenheit in der ich ihr meine Zuneigung gestehen kann. Wenn ich nicht zu diesem Zeitpunkt wieder ganz knapp mein Zeitfenster verpasse, in dem ich Frauen gefahrlos ansprechen kann. Nicht das ich es nicht versuchen würde.

Vielleicht aber brachte der Abend schon neue Erkenntnisse. Denn da sollte es zur Nikolaus-Party nach Göttingen gehen. Am Nachmittag schaute ich nochmal bei David und Ellen vorbei und David, Frank und ich tranken ein paar Bier. Ja ja, ich weiß schon wieder welche Gedanken den geneigten Leser plagen. ”Muß man denn schon am Samstag Nachmittag Bier trinken und dann auch noch aus einem 5 Liter Krombacher Fässchen?“ Die Antwort ist einfach. David wollte unbedingt und ich lasse doch keinen guten Freund und Familienangehörigen hängen. Also folgte ich seinem Angebot und wir schauten Fußball und tranken Bier. Jetzt soll noch mal einer sagen, das Männer nicht Multitaskingfähig wären. Ich aß sogar zeitweise noch eine Bretzel dazu. Ha!

Der Abend fing allerdings recht unentschlossen an. Mich packte spontan die Müdigkeit und ich legte mich nochmal hin. Gegen 2130 Uhr holte ich dann den Ingo ab und wir bezogen Stellung im Feuerwehrhaus. Dort wollten wir mit Pablo und Philip zusammen treffen um gemeinsam in Richtung Göttingen zu starten. Doch die Zwei ließen ein wenig auf sich warten, was auch daran liegen könnte, das sei schon seit dem frühen Nachmittagsstunden sich ordentlich Bier in den Kopf knallten. Das konnte ja ein heiterer Abend werden. Philip hätte sich auch gleich ins Bett legen können, aber er war wohl der Meinung das er eh genügend Geld hätte und doch noch auf Piste gehen mußte. Die Grundeinstellung ist schon mal nicht verkehrt. Also kamen sie erstmal 20 Minuten zu spät und hatten dann auch noch zwei Mädels im Gepäck. Und ein kleines Fahrerproblem. Eines der Mädels wollte zwar fahren, bekam aber keine sechs Leute in ihr Auto. Wir hätten zwar die Möglichkeit mit dem Feuerwehrauto zu fahren, aber da drückte das Gewissen dann doch ein wenig. Wir wären zwar nicht angehalten worden, aber man kriegt damit ja immer so schlecht einen Parkplatz und das Blaulicht ist immer so auffällig. Also gab es die Mietkutsche nach Göttingen zu mehr oder weniger moderaten Preisen.

In Göttingen angekommen begann dann die Odyssee nach den Karten. Wir hatten mit Matze abgemacht, das er uns Karten besorgt. Was auch ganz gut geklappt hat. Wir hatten sogar telefonischen Kontakt auf dem Weg nach Göttingen mit ihm, aber dann herrschte Funkstille. Wir waren am vereinbarten Treffpunkt, aber der Matze war nicht da. Außerdem war es schweinekalt. Was mir egal war, denn ich hatte ja meine gute Jacke an von der man sich erzählt, das dort eine halbe Kiste Bier rein passt, welches ich nur bestätigen kann, die mich sehr warm hielt. Wir beschlossen dann doch mal in den Vorraum zu gehen um dort wenigsten der Kälte zu entfliehen. Was ich zunächst für die Schlange für die Abendkasse hielt stellte sich dann aber als Schlange für die Garderobe heraus. Tja, Jacke abgeben war dann wohl nicht. Hätte ich eh nicht gemacht. Doch bevor wir alle drinnen waren, herrschte Verwirrung hoch zwei. Denn ich guckte hier mal und da mal und verlor den Rest aus den Augen. Nach einige Minuten wirren Umherlaufens und Telefongesprächen mit Ingo traf ich ihn wieder. Allerdings ohne Philip mit Anhang. Die teilten uns telefonisch mit, das sie schon drinnen waren. Durch eine kleine unerlaubte Aktion, aber wir wollen ja hier keinen Anprangern. Da standen nun Ingo und ich, die zwei ehrlichsten Idioten Häute der Welt und warteten auf Matze. Ich hoffte nur das mein Akku hielt, da ich Matze im Minutentakt anrief. Was sich allerdings zwischen diesen stressigen Minuten meinen Augen bot entschädigte ein wenig. Man konnte nirgends hin gucken ohne eine hübsche Frau zu sehen. Meistens sammelten sie sich in Grüppchen an und sahen so noch besser aus. Die Möglichkeit sich gewisse Gesichter einzuprägen war bald vorbei, da der Speicher schon voll war. Schließlich mußte man ja neben den Gesichtern auch eine gewisse Wertung mit abspeichern. Alles nicht so einfach, wenn man darin keine Übung hat. Ich habe schon den einen oder anderen Anfänger gesehen der mit diesem Druck nicht fertig geworden ist. Aber man ist ja schon lange im Stelzbock-Geschäft und hat eine gewisse Vorfiltration entwickelt.

Irgendwann klappte es dann auch eine Verbindung zu Matze herzustellen, der gerade in einer nicht näher definierten Schlange stand um seine Jacke abzugeben. Dem Ton zu Folge war er nicht gerade begeistert von der Sache. Nachdem Ingo und ich ihn dann ausfindig gemacht haben, berichtete er uns erstmal von seinem Glück, seinen Jackenchip kurz nach Erhalt verloren zu haben. Irgendwie erinnert mich das an eine Aktion die auch hätte machen können- Gut, mir wäre bei dem Verlust des Jackenchips noch diverse Sachen auf den Kopf gefallen, aber es gibt ja für alles eine Steigerung.Wir sollten nun die Hallen betreten, die für eine gelungen Party stehen sollten. Um ehrlich zu sein hätte ich schon nach Hause gehen können, denn der Speicher für die Eindrücke war schon voll. Aber vielleicht kann man durch defragmentierung oder aber Löschung einiger Sachen noch etwas Spiecherplatz frei räumen. Organische Chemie habe ich nie gebraucht. Was soll man groß sagen. Die Nikolaus-Party hält genau das was sie immer verspricht. Wer einmal da gewesen ist wird wissen was ich meine-. Zunächst betraten wir die oberen Ränge auf denen nahezu tropische Temperaturen, inklusive Luftfeuchtigkeit, herrschten. Da der Flüssigkeitshaushalt extrem wichtig ist, nahm ich gleich Witterung zum nächsten Bierstand auf. Doch der war überfüllt. Zum Glück telefonierte Ingo gerade mit dem Philip. Es hörte sich zwar eher nach Schreien an, aber er fand heraus, das Philip bereits Stellung an einem der unteren Bierpilse bezogen hat und wir sollten dort hin kommen. Kurze Wartezeiten ließen mich beinahe die Treppe hinunter schweben. Doch man mußte die Zeit in der Masse auch nutzen um sich um zu gucken. Mit dem Bierpils hatte ich keine Probleme, denn das sah man aus weiter Entfernung. Und die Zeit war auch gerade günstig, denn die nächste Band bereitet sich gerade vor. Also wurde die Tanzfläche wieder langsam voller und die Zelte langsam leerer. Nun mußten wir nur noch Philip finden. Ich wollte ja erst eine kleine Erfrischung zu mir nehmen, aber Ingo trieb uns weiter. Bei Philip angekommen mußten wir feststellen, das er gar kein Pils für uns organisiert hatte. Ich war nun ein wenig traurig, aber ging mit dem Ingo gleich mal Nachschub holen. Die Wartezeit war annehmbar. Sie war weit von perfekt entfernt, aber annehmbar. Außerdem konnte man sich noch ein wenig umschauen und hübsche Frauen vorlassen. Nicht das das bei uns passiert wäre, denn im Moment mußten wir an die Dehydrierung denken.

Zurück bei den Andere genoß ich erstmal ein wenig die Aussicht. In meinem direktem Umfeld fand ich gleich drei Mädels die mir auf Anhieb gefielen. Ich versuchte mein alten Trick sie so lange an zugucken und dann im entscheidenden Moment weg zugucken. Das klappte auch ganz gut, darin war ich ja auch Meister. Eigentlich kann man mein Interesse ganz einfach abfragen. Wenn ich in der Gegend umher gucke und etwas länger bei einer Frau anhalte als normal, denn besteht Interesse. Falls ich dann noch nervöse Flecken im Gesicht bekomme anfange zu trinken, wenn sie zufällig in meine Richtung guckt, dann besteht eindeutiges Interesse. Diese Aktion wird nun mehrmals wiederholt. Das ist dann auch der Grund warum mein Getränk so schnell alle ist. Nun kann man sagen, das egal was los sei, ich ja immer am Trinken bin. Für den normalen Beobachter mag das so aussehen, aber wenn man genauer hin guckt, entwickle sich da ein gewisses Muster. Der Tierbeobachter muß halt Geduld beweisen. Das war schon bei Heinz Sielmann so.

Philip war ja nun im Feuerwehrhaus schon megahacke und gab nun sein tänzerisches Können zum besten. Die Band hatte bereits angefangen zu spielen und füllte unsere Gehörgänge mit recht unterhaltsamen Liedern. Ein leichtes Kopfnicken meinerseits konnte ich nicht verhehlen, aber Philip zog gleich wieder richtig vom Leder. Tanzeinlagen wie sie Fred Bugiel nicht besser hinbekommen hätte. Ich war begeistert, ebenso wie Johanna. Philip beichtet uns das er sein Leben demnächst als Musical aufführen will. Ich bin da gespannt auf diverse Tänze. Mir fallen da nämlich einige Zwischenfälle ein. Das wäre sogar ein Musical in das ich auch rein gehen würde. Die Tanzerei schien ansteckend zu sein, denn kurz darauf verkündete die Gruppe um Philip das sie ins Savoy gehen wollen, weil man da besser tanzen könnte. Selten habe ich so viele Fragezeichen auf einem Mal in meinem Kopf gesehen. Häää, Tanzen gehen? Es ist Nikolausparty, da geht man doch nicht tanzen und wenn doch dann zu akkurater Rockmusik. Aber sollten sie man gehen, die wussten halten nicht was gut ist.

Der weilen trafen wir auf Susan und ihre Freundin. Beide umwerfend im Aussehen, aber auch Beide vergeben, wenn ich mich recht erinnere. Aber Susan kenne ich noch aus der Schulzeit, habe ich doch fast drei Jahre neben ihr gesessen. Ist schon eine nette und wenn man sich mit hübschen Frauen sehen lässt, dann ist das gut für das Image. Jedenfalls für meines. Die Zwei wollten mal ein drauf machen und Susan mußte noch nicht mal fahren. Sie hat schon angekündigt, das sie sich heute wohl sehr betrinken wird. Ich sagte ihr, das ich mich schon auf ihren Auftritt auf der Bühne freuen würde. Worauf sie an meine Ehre appellierte und mich bat sie dort herunter zu holen, falls es so weit kommen sollte. Würde ich natürlich nach einer Stunde auch machen sofort machen. Für alte Klassenkameradinnen macht man ja alles. Die zwei zogen erstmal weiter, aber wir sollten uns noch ein paar Mal treffen an dem Abend. Wenig später dann das nächste bekannte Gesicht. Tobi D I Doppel-T Mann. Der war mit ein paar Kumpels eingerückt und fühlte sich auch gleich richtig wohl. Er ist ja immer ein Spezialist im Nummern verteilen. Und gerade bei der Nikolausparty ist er da genau richtig. Ich war gespannt was er mir später zu berichten wusste. Er machte sich dann erstmal auf den Weg eine Runde zu gehen. Die wollten Ingo und ich auch noch in Angriff nehmen. Doch zunächst sollte der Getränkevorrat aufgefüllt werden. Und an der Biertheke trafen wir dann auch mal den Matze wieder, der sich zwischenzeitlich mal abgesetzt hatte. Zu Matze muß ich sagen, das er es schafft von 0 auf 100 stramm zu werden. Wir haben ja gemeinsam die Party betreten und ca. 40 Minuten oder drei Bier später bin ich das erste mal auf Toilette gegangen, mit mir der Matze und da war er schon hacke voll. Türen wurden eingetreten und gegen einen Spiegel gehauen. Was aber mehr dem Matze als dem Spiegel weh tat. Verrückt was Alkohol mit manchen Leuten anstellt. Manchmal frage ich mich wie mich der Alkohol in den Augen von anderen Leuten aussehen lässt. Oder besser nicht, das kann schlimme Diskussionen aufrufen.

Ingo und ich sind also auf Erkundungstour gegangen und haben jede Menge Leute gesehen. Ich vornehmlich Frauen. Wenn mich heute Jemand fragen würde ob denn auch Männer auf der Party waren, dann könnte ich das nicht mit Gewissheit sagen. Spricht eigentlich für die Party. Nun ja, als wir dann wieder eine der Treppen zum Erdgeschoss runter gingen sollte uns der härteste Kampf noch bevor stehen. Der Kampf durch die Massen. So viel heiße Frauenkörper und deren Ausbuchtungen Menschen auf einem Platz. Aber wir haben es geschafft, nur um dann eine alles entscheidenden Durchsage kurz vor dem Bierzelt mit zu bekommen. Wir erinnern uns das im letzten Jahr ein Feueralarm kurzzeitig die Fete unterbrochen hat. Doch in diesem Jahr sollte es ein Bombenalarm sein. Öfter mal was neues. Wir wurden gebeten den Saal zügig zu verlassen, was dann auch mehr oder weniger getan wurde. Das Schlimme war, das wir nichts mehr zu trinken bekamen. Da hört der Spaß natürlich auf und Ingo konnte mich gerade noch so zurückhalten, das ich nicht den Bierpils mit bloßen Händen zerstörte, aber wir gaben uns friedlich und kamen den Aufforderungen nach. Draußen wurde uns dann plötzlich bewusst das diese Party vorbei ist, denn nun muß erstmal eine Hundertschaft der Polizei das Gebäude durchsuchen. Tolle Wurst. Egal wer es war, der kann sich warm anziehen, falls da mal heraus kommt. Ich hoffe nur das die Polizei ihn an Hand der Anruferkennung ausfindig machen kann und ihm eine gehörige Strafe aufgedrückt wird. Ich will hier mal keine Vermutungen ausstellen, da ich auf eine Unterlassungsklage keine Lust habe.

Vor dem ZHG tummelten sich also die ganzen Besoffenen und Ingo und ich. Wohin sollte unser Weg nun gehen? Mein Vorschlag war der JT-Keller, der aber eine Wanderung durch die gesamte Innenstadt nach sich zog. Oder aber die zwei naheliegenden Alternativen: Alpenmax oder Savoy. Seltsamerweise waren diese zwei Läden nun brechend voll. Sehr verdächtig, ob das wohl vor einer Stunde auch schon so war? Leider kann ich es nicht nachvollziehen, da ich zu der Zeit noch auf einer extrem guten Party war! Wir entschieden uns für das Savoy, weil wir da ja eh noch den Philip und Konsorten vermuteten. Das Taxi nach Hause konnte nur billiger werden. Nach kurzer Anstehzeit waren wir drinnen und auch hier konnte die große Anzahl des weiblichen Klientel überzeugen. Gerade am Eingang verlor ich fast mein Herz. Sie stand zwei Leute vor Ingo in der Schlange zum Jacke abgeben. Hatte dunkle gelockte Haare und ein zauberhaftes Gesicht. Ich bin auch fast der Meinung, das sie mich angelächelt hat. Kann aber auch ein Schmunzeln gewesen sein, da ich Ingo gerade von meinem Telefongespräch mit Matze berichtet habe. Der ist nämlich zu Wölfis gegangen, weil er und seine Kumpels noch Hunger auf 1A Schnitzel hatten. In Anbetracht der Alkoholwelt in der sich Matze bereits befand war Wölfis vielleicht genau das richtige.

Im Savoy drehten Ingo und ich erstmal eine Runde um den Walter ausfindig zu machen. Dazu muß0ten wir auch nach unten, wo die Hardcore-Techno-Szene zu Hause ist. Und ich muß sagen, das es absolut gar nicht mein Geschmack ist. Auch wenn sonst Hardcore nicht verkehrt ist. Und wen mußten wir unten treffen? Susan und ihre immer besser aussehende Freundin. Deren Plan schien nach dem Bombenalarm unserem nicht unähnlich gewesen zu sein. Nur waren sie halt sehr viel Entscheidungsfreudiger gewesen. Frauen halt. Während Ingo und ich noch abwägen mußten wo denn die meisten heißen Schnitten Leute so hingehen würden, sind die Zwei einfach los gegangen , da sie ja zu den heißen Schnitten gehörten. Allerdings war mir die Mucke dort unten zu extrem und die Leute einfach zu cool. Was uns wieder in den überirdischen Bereich lockte. Dort war die Musik moderater und vor allem war dort die schwarzgelockte Schönheit. Es dauerte auch nicht lange bis wir den Philip entdeckten. Ich hätte eigentlich Wetten darauf abschließen können, das er wie ein Derwitsch tanzend auf der Tanzfläche sein würde oder zumindestens an einer der Stangen, aber nichts dergleichen. Er stand recht thekennah und sah aus als hätte man ihm gerade die Methadon-PaApckung weggenommen. Aber er freute sich sichtlich uns zu sehen.

Nun folge eine Zeit an der man an der Tanzfläche stand und sich über dies und das unterhielt. Dabei sollte man den Blick für das weibliche Geschlecht nicht verlieren. Und auch die Nähe der Theke immer bewahren. Dafür war unser Platz nahezu perfekt. Ab und an bekam Philip einen Schub Tanzwut und begab sich auf die Tanzfläche. Was mich dennoch wunderte war, woher er die Energie her nahm. In der Zwischenzeit trank er weiter quer durch den Garten und dennoch fand er immer wieder das Gleichgewicht. Aber es war nun abzusehen, das der Akku langsam aber sicher dem Ende entgegen ging. Kurze Zeit später war es dann auch so weit. Wir wollten den Heimweg antreten. Ich übernahm die Kutschenbestellung und Philip orderte noch eine Runde. Schließlich mußte das Taxi ja erstmal in Göttingen sein. Um ehrlich zu sein haben wir noch ordentlich Runden getrunken, eine halbe Stunde kann lang sein, wenn die Mischungen sehr klein sind. Dann noch zahlen und wir waren draußen und im Taxi. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde das die Taxifahrt harmlos war. Philip nutze jede Ampel um laut ”Jucki, Jucki, Jucki“ zu schreien. Natürlich mußte, um die Akustik zu verbessern dazu die Tür aufgerissen werden. Vielleicht wusste er auch nicht das man die Fenster öffnen konnte. Denn als Ingo ihm diesen entschiedenen Tip gab, blieb nun das Fenster auf. Nach etlichen Jucki-Jucki-Jucki-Rufen und einigen anderen Dingen die nicht jugendfrei waren hatten wir Westerode erreicht und ich hörte schon mein Bett rufen. Ich sah auf die Uhr und stellte fest das ich in guten 4,5 Stunden wieder aufstehen würde. Ich mußte nämlich zum Frühschoppen.

Sonntag Morgen, der Wecker klingelt und ich stand auch um zum Trinken zu gehen. Es war kein Schützenfest und auch keine Feuerwehrveranstaltung. Gerstenberg wurde 30 Jahre alt und dachte sich das er dieses Ereignis mit einem Frühschoppen begehen muß. Eigentlich gar nicht so verkehrt, wenn man bedenkt, das man so die Strammsäcke schon um einiges früher los wird und vor allem das schlechte Gewissen bei jedem vorhanden ist, der feststellt das er schon einen im Kahn hat, aber die Uhr erst 1430 Uhr zeigt. Ich sollte mir meine Geburtstagsfeier im nächsten Jahr nochmal überlegen. So rückte ich jedenfalls gemeinsam mit Heiko und Carmen und Daniel und Maike im ”Halben Mond“ ein, voller guter Vorsätze nichts zu trinken. Die Vermutung, das Kalle Marschall mich gleich erkannte hat sich bestätigt. Da er aber noch lachte muß ich wohl doch artig gewesen sein. Nach dem üblichen Gratulationsakt wollte ich mich gleich mal verstecken, damit ich nicht gezwungen wurde Bier zu trinken. Tja, da hatte ich den Heiko wohl unterschätzt, denn der hielt mir gleich was hin. Um nicht unangenehm aufzufallen nahm ich das kühle Bier entgegen. Schließlich will man ja lecker einen zusammen trinken und ordentlich Spaß haben. Und ich muß sagen, das es ein schönes Gefühl war das kalte Glas in der Hand zu halten. Nun blieb nur noch der Geschmackstest abzuwarten. Tja, es hat geschmeckt. Viel zu gut für einen Sonntag morgen und als ich dann die letzten Tropfen in meinem Schlund laufen ließ hatte ich ein ängstliches Auge nach draußen gerichtet. Trotz Dezember war es noch sehr hell draußen und ich hatte schon ein Pils getrunken. Es war erst 1130 Uhr! Ich hatte ein wenig Angst.

Martin hatte mittlerweile zum Sturm auf die Fressalien geblasen und meine Angst war verflogen. Kein Wunder den ich stand ja nun nicht mehr am Fenster sondern an der kalten Platte. Genau das richtige nach einer durchzechten Nacht mit ordentlich ”Jucki, Jucki, Jucki“. Der Standort bleib auch erstmal draußen, denn die nette junge Bedienung brachte das Pils ja auch nach draußen. Doch ich stellte fest, das es so nicht weiter gehen konnte. Auch wenn es ein herrliches Gefühl war konnte ich mich nicht einfach vollaufen lassen, ich mußte ja Montag wieder arbeiten. Also bestellte ich einen Kaffee zwischen zwei Bieren und erntete seltsame Blicke. Ja, das Gewissen hatte noch ein kleines Wörtchen mit zu reden. Auch wenn es nach dem Kaffee zusammengeschlagen und in die Besenkammer gesperrt wurde nicht mehr zu Wort kam. Während wir dann draußen standen wurden auch schon Vorträge gemacht, die aber an mir vorbei zogen, da wir ja draußen unsere eigene Unterhaltung hatten. Aber sie schienen recht spaßig gewesen zu sein. Irgendwann kam dann auch der Moment wo die Seulinger ihre Geschenk überreichten. Es war ein gefakter Bungee-Sprung, wie sich später heraus stellte. Und ich möchte hier erwähnen, das ich mich von solchen Aktionen distanziere. Denn ich werde ja im nächsten Jahr auch 30 und da möchte ich keinesfalls in schlechter Erinnerung deren bleiben, auf deren Geburtstage ich nun eingeladen werde. Auch wenn es nichts bringen wird.

Die Uhr rückte langsam auf die Sperrstunde vor, die vom Gastgeber auf 1500 Uhr festgelegt wurde. Was er aber nicht wusste war das es für ihn dann erst richtig los gehen würde. Denn er mußte ja fegen. Gehört sich ja so für einen 30jährigen. Auch hier distanziere ich mich von solchen Äußerungen. Ich bin strikt dagegen und halte diesen Brauch für überflüssig. Vor allem für die, die im Jahre 1978 geboren sind. Gerstenberg bekam also einen Blaumann an einen Minisombrero auf und Holzschuhe an. So mußte er dann einen Bollerwagen mit Blaulicht durch die Stadt ziehen. Bis zum Rathaus, wo er dann fegen mußte. Und ich muß ehrlich sagen, das es ein sehr humanes Fegen war. Es gab nur ein paar Kronkorken und er mußte keinen Schnaps trinken. Da habe ich eindeutig schlimmere Dinge schon miterlebt. Ich kann mich noch lebhaft an Ingo erinnern. Das war mit das Schlimmste und hat meine Ängste regelrecht hoch gekocht. So stand Martin noch aufrecht, als er endlich zu Ende gefegt hat. Begleitet wurde er dabei von Gesangskünsten der Seulinger, die Lieder sangen, die ich nur im Entferntesten kenne. Doch zum Schluß ließ Martin nochmal eine Bombe platzen. Er machte seiner Freundin einen Heiratsantrag. Ob es nun romantisch war oder nicht, sei jedem selbst überlassen, sie jedenfalls sagte ja. Mir fiel dazu spontan nur eine Sache ein: Junggesellenabschied. Herrlich, wenn eine Party eine andere hinter zieht. Sagt man das über Hochzeiten nicht auch?

Zurück ging es dann mit dem Bollerwagen zum Weihnachtsmarkt. Den hatten wir auf dem Hinweg schon besucht und Martin durfte da schon Kinderkarussell fahren. Wobei das Kind, welches hinter ihm gesessen hat bestimmt einen Schock für das Leben bekommen hat. Er war stark alkoholisiert und fuhr immer im Kreis. Naja, vielleicht war es das von zu Hause ja auch gewohnt. Da hatten wir also schon Hausverbot, also ging es an die Glühweinbuden zurück. Nun muß dazu gesagt werden, das die Seulinger sich nicht so ganz an den minderen Alkoholkonsum gehalten haben wie ich. Ich war nun nicht gerade sparsam, aber ich wusste mich zu bändigen. Zumal ich ja eh nicht er Schnelltrinker bin. Wären wir länger im ”Halben Mond“ geblieben, wäre ich bestimmt auch schon mit leicht lallender Zunge unterwegs gewesen. So aber traf ich noch ein paar Westeröder und konnte vor denen glänzen und mir gleich eine Mitfahrgelegenheit organisieren.

Irgendwie war die ganze Veranstaltung leicht im Auflösen begriffen und ich fuhr dann mit den Westerödern zurück. Es hat eine Menge Spaß gemacht und war mal etwas anderes. Ich wünschte nur ich könnte meinen 30sten auch so feiern. Aber es gibt denke ich genügend Leute die das nicht zu lassen werden. Warum gehe ich auch immer überall hin? Auf jeden Fall hat es gereicht und ich mußte ja am Montag Morgen meine volle Arbeitskraft meinem Arbeitgeber zur Verfügung stellen. Wie ich erfahren habe, hatte Scholle frei. Daher auch der Ansporn mich mit Glühwein abfüllen zu wollen. Frechheit!

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