Berg und Tal

Mein Wochenende fing dieses Mal schon mal an einem Donnerstag an. Was soll man auch sonst alles machen, wenn man schon mal Urlaub hat. Also habe ich mit dem Felkl ausgemacht, das ich ihn in Fulda besuchen werde. Das hatten wir ja eh schon lange einmal vor und dann wollten wir dort einen ordentlich Zug durch das Nachtleben machen. Beim letzten Mal hat es nicht ganz so gut geklappt, da wir nur bis zur ersten Kneipe gekommen und dort irgendwie versackt sind. Aber diesmal wollte Sabrina mit kommen und die kennt ein paar mehr Kneipen, obwohl sie noch nicht so lange in Fulda studiert wie der feine Herr Felkl. Eigentlich sollte das für Christian sprechen, das er mehr studiert als das Nachtleben zu genießen, aber ich kenne ihn schon länger und kann somit versichern, das er keinesfalls aus Studierwut nicht so viele Kneipen kennt. Eher aus Faulheit mal wo Neues hin zu gehen. Aber wie gesagt, jetzt war ja Sabrina mit von der Partie. Außerdem brauchten wir gar keine Kneipentour zu machen, denn es war eine Fachbereichsparty angesetzt. Und zwar vom Fachbereich Oecotrophologie. Gut, das gleiche Gesicht habe ich auch gemacht, als mir der Felkl davon erzählt hat. Und der Lachkrampf, das es sich dabei um Ernährungswissenschaft ginge hat auch recht schnell wieder aufgehört, als ich sah das es Christian damit ernst ist. Wie schon erwähnt kenne ich Christian schon länger und konnte mir absolut gar nicht vorstellen, das er ein Ernährungsberater werden möchte. Nicht bei den Mengen an Tiefkühlpizzen die er damals verdrückt hat. Aber das Blatt hat sich gewendet. Was nun auch noch erwähnenswert ist, ist die Tatsache das dieser Studiengang zu 80% aus weiblichen Studierenden besteht. Eine Tatsache die man bei Fachbereichsparties nicht außer Acht lassen sollte. Eine gewisse Vorfreude machte sich bei mir bereit, als ich an die Party dachte. Endlich mal wieder günstige Getränke!

Nach einer sehr entspannenden Autofahrt kam ich in Fulda an und fuhr erstmal am Ziel vorbei. Eine kurzes Telefonat später, bei dem ich Christian aus einer kreativen Phase herausholte (erneuter Lachkrampf), und ich war wieder auf Kurs. Dann hieß es nur noch die richtige Wohnung zu finden. So viele Hausnummern. Fast wäre ich in das Tattoo-Studio auf der Nachbarschaft gegangen und hätte mir so gleich mal eine Ganzkörper-Tätowierung anfertigen lassen, als ich dann endlich das richtige Klingelschild gelesen habe. Da Christian noch in einer Vorlesung war brachte mich Sabrina auf den neusten Stand und berichtet mir ganz neue Seiten von ihm. Sie hat einen sehr guten Einfluß auf ihn, muß ich schon sagen. Ich hoffe das mache ich mit einem Abend in Fulda nicht wieder alles kaputt. Aber wir hatten ja noch nicht angefangen. Nachdem dann Christian zu Fuß (!!) von der FH wieder da war aßen wir etwas und die ersten Bier wurden geöffnet. Naja, eigentlich nur ein, denn Sabrina trank keins und Christian, der an diesem Abend richtig Gas geben wollte hielt sich vorerst an Bacardi. Dazu sollte ich dann später auch übergehen, aber ich wollte dann doch das Gehirn und meinen gesamten Organismus in Ruhe auf den bevorstehenden Abend vorbereiten. Außerdem gehört zu einer Studentenfete als Beginn immer Pils. Und wenn es gekühltes Becks ist, dann erst recht. Vier Stück fanden den Weg in meinen Schlund, bevor ich dann auf den Bacardi umsteigen wollte. Unterdessen hat sich noch Steffi, eine Kommilitonin von Felkl, eingefunden. Eigentlich nutzen wir die Anwesenheit von neuen Opfern immer um unsere Geschichten aus frühester Jugend zum Besten zu geben, aber die Diskussion ging dann irgendwie in eine andere Richtung. Vielleicht auch besser so, denn den Ruf konnte man auf der Party noch früh genug ruinieren, das mußte ja nicht schon im Vorfeld sein.

Die Uhr tickte unaufhörlich und wir wollten eigentlich gegen 2230 Uhr schon auf der Party sein. Doch dank einer ausgeklügelten Einschütt-Taktik von Christian hat er nochmal eine Verlängerung raus geholt. Das Gesicht von Sabrina war übrigens unbeschreiblich, als sie mit bekommen hat, das Christian sich eine weiter Mischung angefertigt hat. Obwohl sie nicht weit weg von ihm saß, hat sie es nicht mitbekommen. Man konnte sehen wie stolz Felkl auf sich war. Dann mußten wir auch noch zur Bank und dann konnten wir endlich zur Party aufbrechen. Das war eine Kittelparty und alle die einen Kittel an hatten bekamen eine Überraschung. Hmm, Kittel kenne ich nur von meinem Vater, aber die waren alle voll mit Mörtler oder Fliesenkleber und die Zeiten in denen Ingenieure Kittel angezogen haben sind schon seit längerem vorbei. Dann verzichte ich halt auf die Überraschung.

ls wir zur FH kamen mußten wir anstehen. War ja nicht anders zu erwarten. Und was meine Augen dort sahen kann ich kaum in Worte fassen. Egal wo ich hin blickte sah ich hübsche Frauen. Und vor allem so viele. Jetzt hatte ich eine ungefähre Vorstellung von dem Paradies in dem sich Felkl seit Jahren befand. Und vor allem konnte ich es mir ungefähr vorstellen, wie es ist, mit Frauen zusammen zu studieren. Als Maschinenbauer hat man da meistens nicht so ein Glück. Wobei es sich ja bisweilen gebessert hat. Trotz allem ist Maschinenbau nicht gerade die erste Wahl, wenn es an die Studienwünsche der Frauen geht. Zurück zum Thema. Ich mußte aufpassen, das ich nicht unkontrolliert in die Gegend starrte und undefinierbare Flüssigkeiten aus meinem Mund verlor. Noch bevor wir drinnen waren hatte ich mich schon zwei Mal verliebt. Die eine war einfach nur hübsch und die andere hat das gewisse Etwas. Da sie noch draußen stand hoffte ich das sie demnächst den Weg nach drinnen fand. Ich hatte ja keine Ahnung. Als wir drinnen waren eröffnete sich mir die ganze Pracht des weiblichen Geschlechts. Ich konnte leider meiner Faszination nicht im vollen Maße kund tun, da wir ja von Sabrina und Steffi begleitet wurden. Es würde bestimmt albern aussehen, wenn ich johlend und schreiend durch die Gegend springen würde und Christian immer das Daumen-nach-oben-Zeichen geben würde. Aber ein paar Blicke mit eindeutigen Gesichtsausdrücken in Christians Richtung gaben ihm schon die richtigen Hinweise. Er bot sich sogar an, die erste Runde zu holen. Also wenn das so weiter geht, dann wird das der schönste Abend in meinem Leben. In meinem Leben bis jetzt! Erst jetzt bemerkte ich den riesigen Stempel der mir aufgedrückt wurde. Selbst als ich meine Handfläche hingehalten habe wurde mir das Ding in der Größe von Amrum auf den Handrücken gedrückt. Da frage ich mich doch ernsthaft wozu das jetzt gut ist. Sind die Damen an der Kasse etwas sehbehindert? Den Stempel kann man jedenfalls ohne Probleme vom Mond aus sehen.

Ich entschied mich für einen Bacardi Cola, da ich damit ja aufgehört hatte. Dazu brachte Christian die Überraschung für Kittelträger mit. Eine Spritze mit grünlicher Flüssigkeit gefüllt, die sich als Pfefferminzlikör herausstellte. Na toll, Schnaps in Spritzen gehört jetzt nicht wirklich zu meinen Leibgetränken. Da ich mir ziemlich sicher war, das ich beim Trinken wieder grobmotorische Anfälle kriegen würde und einen Teil des Inhaltes aus meinem Mund über mein Kinn auf meiner Hose oder meinem Pullover landen würde. So macht man dann bei den anwesenden Frauen gleich den richtigen Eindruck. Nach einer kleinen Kostprobe war klar, das meine Geschmacksnerven für die nächste Stunde außer Gefecht gesetzt wurden. Dieses süße klebrige Zeug schmeckte als würde man eine Tasse ”After Eight“ auf dem Herd warm machen und auf Ex austrinken. Alles was ich in der folgenden Stunde trank schmeckte nach Pfefferminz und war unglaublich kalt. So sparte man die Eiswürfel. Allerdings war die Mischung nicht gerade die Offenbarung. Nachdem ich die Standard-Vorbereitungsmischung bei Felkl intus hatte schmeckte dieses Getränk nur nach Cola. Sehr erschreckend!

Wir verlegten unseren Beobachtungsraum etwas weiter in Tanzfläche, nachdem sich die Kitteltruppe ablichten gelassen hat Ich verzog mich früh genug, denn ich habe ja eine natürliche Abneigung gegen Fotoapparate. Nachher geht die Kamera kaputt und ich bin dann der Doofe, der sie bezahlen darf. So ja nun nicht. An der Tanzfläche angekommen, war ich weiterhin sprachlos. Hier also waren alle hübschen Frauen, die im Maschinenbaustudium gefehlt hatten. So gesehen habe ich echt das falsche studiert. Es würde aber auch großes Gelächter geben, wenn ich verkünden würde, das ich ab jetzt Ernährungsberatung studieren würde. Das wäre so als würde Georg W. Bush den Friedensnobelpreis bekommen. Aber so eine Vermischung zwischen den Studiengängen ist ja auch nicht verkehrt. Auf jeden Fall sollte man Maschinenbau-Fachbereiche immer an den FH’s ansiedeln, wo auch Studiengänge sind die mehr vom weiblichen Geschlecht frequentiert werden. Allein schon wegen der Sicherheit.

Anfangs hatte ich ja ein wenig Bedenken, das ich die junge Dame vom Eingang nicht mehr wieder sehen würde. Nun war es mir fast egal, denn auf der Tanzfläche biegten sich genügend hübsche Körper, so daß ich mich ungefähr alle fünf Minuten neu verliebte. Es war als wäre ich im Himmel. Würde nun auf die FH Fulda ein Komet nieder stürzen und alles zerstören, würde man meine Leiche mit einem Lächeln aus den Trümmern ziehen. Bevor ich aber weiter den Verstand verlor, sorgte ich dafür, das ich vor lauter umher starren mit offenen Mund nicht austrocknete. Nach der eher ernüchternden Mischung lenkte ich wieder auf den Bierzug um. Die Geschwindigkeit gefiel mir und so lange es mir noch schmeckte wollte ich daran fest halten. Kurz noch die Runde zusammen gesammelt und ab ging es mit der Getränkeorganisation. Es war einfach nicht zu fassen, die vom Fachbereich gestellten Bedienungen waren auch eine wahre Augenweide. Ich konnte mich fast nicht mehr an meinen Text erinnern. Aber ich habe die kurve dann doch noch bekommen. Zurück bei den Anderen konnte ich mich dann für wenige Minute konzentrieren und mein Umfeld ausmachen. Es war so wie es mir gefiel. Es war gut gefüllt, aber nicht zu voll. Sehr viele hübsche Frauen (auf einen Mann kamen ungefähr drei Schnitten) und vor allem wurde die richtige Musik gespielt. Wenn man durch das Glashaus und die Werkstatt immer verdorben wurde, machte hier der DJ alles richtig Und das schönste war, das alle die Musik Klasse fanden und dazu tanzten. Ich hatte ein heimeliges Gefühl und war mir nun sicher, das dies ein absolut gelungener Abend werden würde. Wäre zu dem Zeitpunkt vorbei gewesen, wäre er schon gelungen gewesen. Und der Gipfel war noch nicht erreicht. Die Becks-Zufuhr wurde minütlich erhöht. Dehydrieren in Discos ist ein nicht zu unterschätzendes Risiko. Allerdings offenbarte ich so den Kommilitoninnnen von Christian mein wahres Gesicht. Im 15 Minuten Takt fragte ich ob Jemand etwa zu trinken haben wollte. Was sollte ich machen. Es war sehr warm, ich hatte meine Jacke an und stand Größtenteils mit offenen Mund herum. Da trocknet man sehr schnell aus! Als wir dann mal kurz ohne weibliche Begleitung waren, fragte mich der Felkl ob es mir denn gefallen würde und ich schon Frauen gesehen hätte, die mich interessieren würden. Nach einer kurzen Schilderung meines derzeitigen Geisteszustand war Felkl zufrieden. Bei den Frauen die mir gefallen würden hatte ich nicht genügend Zeit alle aufzuzählen. Ich beschränkte mich auf die, die in unmittelbarer Nähe standen. Und da habe ich noch nicht mal alle erwähnt.

Da Felkl sehr schnell des Herumstehen müde wurde suchten wir eine Sitzgelegenheit, die wir auch schnell fanden. Die Party gefiel mir immer besser. Und die Bierzufuhr hat sich jetzt auf ein normales Mittelmaß eingependelt. War aber wohl immer noch zu schnell für die Mädels in unserer Runde. Man sagt mir immer das ich mich natürlich geben sollte. Und das tat ich, was kann ich denn für den großen Durst und den leckeren Geschmack von Becks. Felkl allerdings bleib beim Bacardi und seitdem er bei der Bedienung ”Bacardi-Cola, mit wenig Cola“ bestellte. Jedesmal wenn ich diese Order ausgab, freute sich die Bedienung sehr und machte einen Hammermischung zu recht. Ob sie wohl wusste, das sie für den Felkl war. Ich weiß es nicht. Was nicht sehr schön war, war das die Musik unglaublich laut. Der DJ hatte wohl die Anschläge an dem Lautstärkeregler gefunden und dort die Schalter befestigt. Allerdings vertrugen das die Boxen nicht ganz so gut und zerrten ganz schön. Bei einem Zwischenstopp auf der Toilette fühlte ich mich als hätte mir jemand ein Pfund Watte in jedes Ohr gesteckt. Und Felkl nutze die Gelegenheit um zu fragen wie ich denn Steffi finden würde. Aha, jetzt kommen wir also zur Essenz. Ich antwortet ehrlich und direkt. Mußte zwar etwas lauter sein, da Felkl ein ähnliches Wattepaket vor dem Ohr hatte. Sie ist zwar hübsch, aber wohl eher nicht mein Fall. Es fehlte das gewisse Etwas. Wie ich später erfahren mußte war Sabrina da ähnlicher Meinung und war sogar davon überzeugt, das man eine andere für mich finden würde. Oha, so waren also alle um mein Seelenheil bemüht. Sehr nett.

Es kam also die Zeit nach etlichen Litern Becks, das ich dann auch umstieg. Eigentlich war der ausschlaggebende Punkt, eine Kostprobe von Felkls Mischung mit Anlauf. Ja, das war die Mischung zu der ich auch Bacardi-Mischung sagen würde! Der Umstieg war recht einfach und Felkls Gesicht sprach für den gekonnten Leser Bände. Er war schön stramm. Und fing an zu tanzen. Sabrina wusste ja mittlerweile was Sache war, doch die Gesichter der anderen Mädels sahen ein wenig unsicher aus. Ich kommentierte dann mit passenden Phrasen Tanzschritte von dem feinen Herrn. Sehr amüsant. Doch lange sollten wir den Tanzkünsten von Felkl nicht frönen dürfen, denn die Bar machte um 0300 Uhr zu. Besser gesagt gegen 0330 Uhr. Um ehrlich zu sein hat es vollkommen ausgereicht, aber ein wenig länger ist ja immer schöner. Und was für mich sehr überraschend war, war das viele hübsche Frauen immer noch anwesend waren. Normalerweise bin ich es ja gewohnt, das zu der Zeit, wenn die Bar zu macht, nur noch der harte Kern, quasi der Bodensatz da bleibt. Es gefiel mir sehr.

Der Heimweg verlief problemlos, mit einem Zwischenstop an einem frei zugänglichen Baum. Für den Christian wohl gemerkt. Ich konnte noch anhalten und war nicht annähernd so stramm. In der Wohnung haben wir dann noch ein Schlummertrunk genommen und ein Toastbrot verdrückt. Man gut das kein McDonalds auf dem Heimweg lag. Und dann ging es in die Falle. Abschließend ließ sich sagen, das ich mich circa 50 Mal an dem Abend verliebt hatte und bei mindestens 30 Frauen sofort Feuer und Flamme war. Kurz gesagt es war in nahezu perfekter Abend. Da ich aber doof bin, ging natürlich nichts. Wäre auch idiotisch gewesen, Fernbeziehungen halten eh nicht lange. Schön wenn man immer eine Ausrede parat hat!

Die Nacht war relativ kurz, da über mir der Circus Roncalli gastierte. Nach einem leckeren Frühstück ging es wieder Richtung Heimat. Diesmal hatte ich den Felkl mit an Bord und es war nicht annähernd so langweilig. Und ich war nicht einen Bruchteil so aggressiv wie auf dem Hinweg. Könnte aber auch an den schlechten Witterungsverhältnissen gelegen haben. Da konnte ich ja eh nicht so ballern.

Abends hatte dann der KCW geladen. Es stand die Jahreshauptversammlung an. Inklusive Weihnachtsfeier. Ich hatte schon ein wenig Angst, denn solche Aktivitäten des Krombacher Clubs arten meistens recht schnell aus. Denkt man da nur an diverse Grillfeiern oder Neujahrswanderungen. Aber Spaß wird da immer groß geschrieben. Da ich ja im allgemeinen sehr schüchtern bin habe ich mich mit dem Fabian beim Bäcker getroffen, damit wir gemeinsam einmarschieren können. Eigentlich hatte ich ja nur Angst vor den üblichen Sprüchen und hoffte das Fabian davon ein paar auf sich bezog. Leider wurden dann die Begrüßungssprüche immer mit meinem Namen in Verbindung gesagt, so das der Plan nicht geklappt hat. Aber ich habe in der Richtung schon ein dickes Fell entwickelt. Zur Begrüßung gab es erstmal ein frisch gezapftes Krombacher. Sehr lecker und stilvoll im 0,4 l Humpen serviert. Die Eröffnungsrunde wurde nach und nach immer größer und wir konnten dann mit der Versammlung beginnen. Da es im Anschluß Essen gab wurde sich auch redlich beeilt. Es wurde zwar vorher gesagt, das man trotz des anstehenden Hungers sich alle Zeit der Welt nehmen wolle, aber jeder hoffte das es nur leere Phrasen waren, die dort vom Vorsitzenden zum Besten gegeben wurden. Porno auf der gegenüberliegenden Seite des Tisches hatte schon ganz leere Augen, als er diese Worte vernahm. Als besonderes Highlight wurde der Bericht des Kassenwartes vernommen, der musikalisch von einem Mitglied unterlegt wurde. Ich sage nur Handkäs mit Musik! Ich wurde gebeten, seinen Namen hier nicht zu nennen, da seine Lebensgefährtin hier regelmäßig mit liest und da halte ich mich auch dran. Keine Angst Michael, ich werde die entsprechenden Stellen wieder raus streichen. Sollte ja genügen. Schön ist auch immer wenn manche Mitglieder Vorschläge machen die dann in alle Breite geredet werden. Es ging dabei um Fahrten und um neue Mitglieder und jedesmal entbrannte daraus eine hitzige Diskussion. Das verlagerte natürlich das anschließende Essen immer weiter nach hinten. Wie gesagt ich machte mir Sorgen um Porno, der seinen Tischnachbarn schon mit so komischen Augen ansah. Ich war nur froh, das noch kein Besteck an den Plätzen lag. Sonst hätte es leicht vorkommen können, das Schnitzel eine Gabel in seiner Hand vorgefunden hätte.

Nachdem dann der offizielle Teil vorüber war konnte ohne Probleme zum Sturm auf das Buffet geblasen werden. Den Anfang machte eine Schlachtesuppe. Da ich aber nicht so der Suppen-Fan bin, wenn sie nicht aus massig Bohnen besteht und auf den Namen Trappertopf hört, wartete ich erstmal den ersten Strumtrupp ab und machte mich so an das jungfräuliche Buffet aus fester Nahrung her. Die ganze Geschichte lief unter dem Namen Schlachteessen und hat den Namen redlich verdient. Das hat mal richtig gut geschmeckt und entgegen meiner Angewohnheit bin ich sogar ein zweites Mal zur Fleischtheke gegangen. Die letzte Scheibe mußte dann aber auch mit der Gabel nach gedrückt werden. Ich muß hier an dieser Stelle mal ein Kompliment an Strackse machen, der die Platten zubereitet hat. Die Leberwurst war ein absolutes Gedicht. Ein wenig anders im Geschmack, als ich es gewohnt war, aber gerade das machte es aus. Man sollte sich auf jeden Fall vormerken zu später Stunde nochmals den beherzten Griff zum Graubrot zu wagen. Wenn denn noch was über bleiben würde, denn die Buffetfräse Porno war ja immer noch beim Flüssignahrungsgang. Zu dem Essen wurde weiterhin cremiges Krombacher vom Faß gereicht. Ich stolperte also von einem paradiesischen Zustand in den anderen. Doch das sollte ich schnell ändern.

Nach dem Essen wurde dann erstmal der Löwentor herumgereicht. Als Alternative gab es Obstler. Als kleine Abschreckung habe ich erstmal die noch vorhandenen Erinnerungen von der bayrisch angehauchten Mannschaftsfeier Revue passieren lassen und war sofort kuriert. Allerdings war der Löwentor auch keine wirkliche Alternative. Ich versuchte der Falle zu entkommen und verweigerte die Annahme. Keile-Günther lachte nur kühl und stellte den Löwentor an meinen Platz. Das seltsame ist halt, das mein Tischnachbar Andreas das gleiche sagte und an ihm ging der Kelch vorbei. Da sieht man mal wieder, das ich mich gar nicht betrinken will, sondern immer dazu gezwungen werden. Ich bin quasi immer das Opfer und hinterher heißt es dann wieder ”Boah, der Pitsche war ja wieder stramm. Der hat ja den Löwentor weg geknallt wie kein Zweiter!“ Dabei will ich ihn nur schnell vom Tisch haben. Es folgte die Grimassenparade, die ich leider nicht verhindern konnte. Aber er war unten und ich schwor mir, das dem Löwentor kein weiterer mehr folgen würde. Sehr leichtfertig aufgestellte Behauptung!

Eigentlich konnte es ja nun nicht mehr schlimmer kommen. Doch für alles gibt es noch eine Steigerung. Denn es kam das Stiefel trinken. Gut, es war Krombacher und der Stiefel war noch sehr ansehnlich, aber um ehrlich zu sein ist es eine sehr grenzwertige Angelegenheit. Der Stiefel ging reihum und kam gar nicht bis zu unserer Position, denn er wurde vorher schon geleert. Unglaublich was es alles für Schluckspechte gibt. Stefan war der Glückliche, der dann den Stiefel wieder voll machen durfte und einen Löwentor trinken muß. Da man ja nichts bezahlen mußte, hatte man sich eine andere Strafe ausgedacht. Vollstrecker war der Günner. Ich nahm mir also vor niemals den Stiefel wieder füllen zu müssen und vor allem keinen Löwentor mehr zu trinken. Der Stiefel war frisch gefüllt und ging weiter. Da ich nicht so der Ex-Trinker bin habe ich bei solchen Spielen immer die Probleme, aber ich dachte, das es mein Nachbar Fabian eh nicht schaffen würde. Da hatte ich dann falsch gedacht. Na Klasse, den Stiefel voll machen ist kein Problem, doch vor dem Löwentor konnte ich mich leider nicht drücken. Also wurde der Vorsatz nach ungefähr zehn Minuten schon wieder gebrochen. Die nächste Runde ging also los. Ich hatte ja auch eigentlich damit gerechnet, das es bei nur einer Runde bleiben würde, aber wie es aussah waren sämtliche Kehlen so ausgedörrt, das es wohl mehrere Runden werden würden. Ich hoffte jedes Mal das ich nicht schon wieder dran sein würde. Als der Stiefel wieder eine kritische Höhe erreicht hatte machte ich mit Fabian aus, das wir nicht austrinken würden. Ich hielt mich dran, aber Fabian der Mistbock hat dann wieder den Stiefel weg gelutscht. Auf die Frage, warum er das jetzt gemacht und gegen unsere Abmachung gehandelt hat, sagte er nur das Gaudo ihn dazu angestiftet hat. Ich bedankte mich herzlich bei dem 2. Trötenbeauftragten des Elferrates und machte mich daran den Stiefel wieder zu füllen. Dummerweise hatte Gaudo auch noch mit gedacht und für mich schon mal den Löwentor besorgt. Ich wusste diese Fürsorge wirklich zu schätzen. Leider wurde das Trinken des fiesesten Kräuterlikörs der Welt nicht gerade besser. Der Schluckmechanismus verweigerte mehr und mehr seinen Dienst. Was auch ganz gut war, denn so wollte er mich vor dauerhaftem Schaden bewahren. Aber ich mußte ihn dazu zwingen gegen seinen Instinkt zu handeln und den Löwentor hinunter schlucken. Ich hatte schon ein hartes Los. Bei der anschließenden Runde hatte ich wieder das Glück und Fabian machte den Stiefel schon wieder leer. Ich fragte ihn ernsthaft ob er mir heimlich die Freundschaft gekündigt hat. Die übliche Tortour ließ ich dann auch wieder über mich ergehen. Ich bin ja leidensfähig und weiß wann ich mich zu fügen habe. Sollen sie man ihren Spaß haben. Ich hatte ja an dem Vortag schon getrunken und war in diese Richtung abgehärtet.

Besonders schlimm hat es wohl den Matze getroffen, denn der mußte zwischenzeitlich mal raus um ein wenig mehr Platz im Magen für weitere Stiefel zu machen. Geplant war wohl bis zum Rasen zu kommen, aber die gute Schlachteplatte landete dann halt genau auf den Platten vor der Mehrzweckhalle. Aber danach ging es munter weiter. Ob das nun schlau oder nicht ist, sei ihm selbst überlassen. Ich jedenfalls zog mich gemächlich zurück und verlegte meinen Standort mal an andere Plätze. Sehr nett war es zum Beispiel bei Kai und Görtler, die machten es sich nämlich zur Aufgabe den Schmierpopel mit Papierkugeln zu beschießen. Natürlich klappte es nicht, da sie sehr unterschiedliche Flugbahnen hatten. Es benötigte schon das Auge eines Scharfschützen (ATN in Osterode erworben) um Schmieri einen Papierklumpen an die Marmel zu ballern. Danach zog ich mich auch von dort dezent zurück, denn ich sah schon an dem Qualm der aus seinen Nüstern hervor quoll, das Schmieri sich das nicht lange gefallen lassen wird. Ein Kopfschuß reicht ja vollkommen aus. Ich setzte also meinen Gesprächsrundgang fort und kam nach langer Zeit wieder an die gleiche Ecke zurück.

Während dieser Zeit muß eine ganze Menge passiert sein. Zum Beispiel mußten mehrere Injektionen mit Stroh Rum verteilt worden sein, denn es waren alle stramm wie die Hacken. Ich traute meinen Augen nicht mehr. Es wurde plötzlich Bier in Schnapsgläsern ausgeschenkt. Jedem anderen wurde es normal serviert nur bei mir stellte M7 das Glas auf den Kopf. Bitte keine Fragen warum er das gemacht hat, er weiß es selber nicht mehr. Da ich ja der geborene Glückspilz bin hat er es auch so ungeschickt auf meinen Schero gestellt, das es umkippte und ich den Inhalt auf meinem Ärmel und meinem Bein wieder fand. Meine Laune wuchs immens. Aber aufgeregt habe ich mich nicht. Denn es hätte keinen Sinn gehabt. Er hat es nicht mit Absicht umgekippt und naß war ich eh. Und es war ja nur Bier, das gibt wenigstens keine Cola-Flecken. Dann wurde ich eingekreist von Jens und Porno. Zwei Anwärter auf den Titel Strammsack des Abends. Jens versuchte noch geradeaus zu gucken, aber es sah aus als seien seine Augen so weit heraus getreten, das sie gegen das Brillenglas kamen. Sprechen war auch nur noch sehr schwer möglich, es war eher eine Lautsprache mit sehr ausladender Gestik. Aber er verstand sich perfekt mit Porno. Die hatten nämlich die gleiche Sprache. Und Porno war übrigens immer noch nicht mit dem Essen fertig. Ich hatte leider meinen Fotoapparat nicht betriebsbereit, sonst hätte ich das Foto geschossen. Zwei Mann hielten den großen Einkochtopf gekippt und schütteten den Inhalt in Porno seinen Teller. Der brauchte schon Anlegebretter. So kam er dann an den Tisch zurück und kippte mir Teile auf die Hose. Er konnte froh sein das die Suppe nicht heiß war, denn sonst hätte ich ausprobiert ob der Teller auch quer in seinen Mund geht. Etwas weiter vorne an der Theke spielten sich andere Szenen ab. Keile-Günther hatte wohl den Auftrag so viel Bier in der kürzesten Zeit die Möglich war in sich hinein zu kippen. So trank er drei Humpen auf Ex und machte dann ein Gesicht als hätte er gerade einen einen großen schwarzen Mann gesehen der ihm einen Hammer in der Größe des Rathauses auf dem Kopf gehauen. Kurz darauf war er verschwunden und ist wohl nach Hause gegangen.

Doch kommen wir nun zur Hauptattraktion. Wenn ich bisher gedacht habe, das es nicht mehr schlimmer geht, besser gesagt, das es nicht mehr Voller geht, dann habe ich mich gründlich geirrt. Nun drehten die Leute richtig auf. Ich war zwar auch nicht mehr nüchtern, aber so stramm war ich dann doch nicht. Ich hielt mich den Großteil des Abends hinter der Theke auf, nicht nur weil ich dort uneingeschränkten Zugriff auf die Zapfanlage hatte, sondern weil dort eh immer am Meisten los ist und man kann so gleich für die Anderen die Biere voll machen. Vollmer, ein weiterer Anwärter auf den Strammsacktitel, kam ab und an auch mal vorbei und riß dann wie ein Berserker an den Zapfhähnen rum. Ich hatte zeitweise Angst, das er gleich die ganze Zapfanlage aus den Ankern reißt, aber sie hat gehalten. Der Konstrukteur muß wohl solche Attacken mit eingerechnet haben. Wenn ich eine Zapfanlage konstruieren sollte, dann wäre die aus massiven Edelstahl und mit M8er Schrauben befestigt, die geht so schnell nicht kaputt. Gut, die wird dann etwas teuer, aber dafür hat man dann Qualität. Nun ja, es flogen schon einige Gegenstände durch die Gegend und Vollmer fand dann irgendwann die Zwiebeln die zur Zwischenlagerung hinter der Theke lagen. Und Zwiebeln gaben hervorragende Wurfgeschosse ab. Und los ging es. Die Gegenseite die zur der Zeit mitten in der Mehrzweckhalle campierte spannte den Krombacherschirm auf. So ging es dann ein wenig hin und her. Ich war nur froh das ich Deckung in dem sicheren Türbereich gesucht hatte. Und das ich die Kamera mitlaufen gelassen habe. Sensationell Bilddokumente über das Verhalten von Strammsäcken konnte ich sicherstellen. Ich sollte die Nachfolge von Grzimek antreten. Irgendwann wurde es dann dem Vollmer zu bunt und er verließ seinen sicheren Verschlag die Theke und schnappte sich den Schirm. Dieser überlebte leider diese Attacke nicht und hat arge Schäden davon getragen. Wie ich aus verlässlichen Quellen weiß hat er die Nacht nicht mehr überlebt und weilt nun nicht mehr unter uns.
Da nun die Zwiebeln essfertig in kleine Stücken gesprengt waren konnte man auch noch mal das Buffet plündern. Diese hat, sehr zu meinem Erstaunen nicht viel abbekommen. Aber es war immer noch sehr lecker. Leider war die Leberwurst auch bei den anderen sehr beliebt gewesen, so daß davon nichts mehr über war. Aber der Rest der Wurst schmeckte auch vorzüglich. Kai hat sich derweilen noch einen Kelle voll Suppe genommen. Ohne Teller und trank die Suppe direkt aus der Kelle. Man sieht hier ist nichts zu schade. Den Teller hätte man ja eh wieder aufwaschen müssen und die Suppenkelle war eh schon dreckig. Man muß jetzt dazu sagen, das es eine große Suppenkelle war, die mindestens zweieinhalb normale Teller fasste.

Wie man zweifelsfrei feststellen konnte war es Zeit den Heimweg anzutreten. Alle waren abgefüllt bis zur Oberkante. Doch wir wären ja nicht in Westerode wenn es normal nach Hause gehen würde. So sang man auf vollem Hals Weihnachtslieder. Schließlich waren wir ja gerade von einer Weihnachtsfeier gekommen. Und die große Kelle ist mitgekommen, denn sie sollte noch bei dem Strackse abgegeben werden, da er sie am nächsten Tag für das Schlachten brauchte. Es ist eigentlich ganz einfach. Große Kelle + Strammsack Kai = Eine Menge Lärm. Denn die Kelle wurde erstmal dazu genutzt um an sämtliche Schilder an zu klopfen. Auch die, die außerhalb der Reichweite eines normal gewachsenen Menschen lagen. Vollmer probierte das gleich ohne Kelle und sprang unter dem Schild durch. Sein Schutzengel veranlasste, das ihm nicht mehr passierte. Der Weg sollte aber nicht direkt nach Hause führen, vorher wurde der Einkehrschwung bei Böning geübt. Vollmer machte sich gleich auf den Weg um Julia zu suchen, die glücklicherweise noch außer Haus war. Derart unzufrieden fiel er dann gleich im Flur mal hin und bleib dort liegen. Nachdem dann genügend Beweisfotos gemacht wurden, wurde ihm auch gleich wieder aufgeholfen. Fies wie schwer sich Besoffenen machen können. Böning organisierte noch ein paar Biermixgetränke und lud zum Kekse essen in die Küche ein. Halt, so ganz stimmt das ja nicht. Er lud in die Küche ein und Kai schnappte sich einfach die Keksdose und fing an zu essen. Als Böning sie ihm wegnehmen wollte, schüttelte er sie kräftig und fragte ob Böning gerne Keksbruch isst. Ein weiterer Grund warum man Schleudersitze in Küchen installieren sollte. Ein Knopfdruck später und Böning hätte den Keksunhold entfernt. Aber so hatte er ihn an der Backe. Vollmer konnte die Flüssignahrung nicht mehr genießen und erfreute sich lieber an den Ofenhandschuhen. Die mollige Wärme schien ihm zu Kopf gestiegen zu sein und er legte sich unter den Küchentisch und schlief ein. Mir war das alles zu viel und ich trank mein Bier aus. Ich mußte ins Bett, denn meine Augen fielen fast schon von alleine zu und unter dem Tisch neben Vollmer sah es sehr gemütlich aus. Wie ich dann später erfuhr hat man versucht den Vollmer auf das Sofa zu legen, von dem er aber binnen kürzester Zeit, so lange man eben mit 8,0 Promille braucht, wieder aufgestanden und nach Hause gegangen ist.

Samstag früh, mein Telefon klingelte. Eine Stunde zu früh. Und am anderen Ende waren schlechte Nachrichten. Sollte mir aber nicht den Tag vermiesen. Also wurde aufgestanden und Versorgungsfahrten mit meinem Vater gemacht. Die Abendplanung stand noch nicht felsenfest, aber es sollte wohl in die Werkstatt gehen. Dort wäre eine Party zu Gange. Naja, man war ja schon seit Ewigkeiten nicht mehr in der Werkstatt, da konnte man sich da auch nochmal blicken lassen. Treffpunkt 2030 Uhr an gewohnter Stelle im Feuerwehrhaus. Dort angekommen war ich erstmal alleine, da der Rest es wohl nicht für nötig hielt pünktlich zu sein. Nun ja, Bier kann man auch alleine trinken und der Fernseher spuckte einen recht passablen Film als Abendunterhaltung aus. ”Schlappe Bullen beißen nicht“. Mir gefällt er, auch wenn er aus den 80ern kommt. Vor allem die Vorführung des PAGAN-Tanzes im Büro des Captain von Friday und Streebeck. Aber wir sind ja hier nicht bei einer Filmrezession. Der erste der ankam war Porno und reihte sich gleich beim Bier trinken ein. Er war heute Abend ja ”Strohwitwer“ weil seine Hüfte ja bei einer Dankesfeier war. Noch etwas später kamen dann noch Wiebke und Kai und der Tobi. Mittlerweile sind dann auch schon mehrere Bier den Schlund hinunter geflossen. Und ich habe noch SMS-Kontakt zu David gehalten, der zur selben Zeit mit seinen Arbeitern bei Kellner gesessen hat und ein kleine Weihnachtsfeier feierte. Ich solle noch vorbei kommen. Was ich dann auch noch tat, denn der David hatte bestimmt noch Bock auf etwas mehr Action. Die Werkstatt war ja nah.

Also schlug ich bei Kellner auf und begrüßte erstmal mit einem lockeren Tischklopfen die anderen. Ein paar kannte ich noch von einer Weihnachtsfeier vor ein paar Jahren. Und es ist ja immer eine große Freude, den Thomas zu sehen. Der zapfte mir auch gleich erstmal ein cremiges Krombacher. Er freut sich auch immer sehr, wenn ich da bin. Kein wunder bedeutet meine Anwesenheit a Umsatz und das nicht zu knapp. Ich hatte das Gefühl, das die Anderen alle nicht mehr so ganz alleine waren, da manche nicht mehr so sprach sicher waren. Als ich dann eine der Runden gesehen habe wurde mir einiges sofort klar. Es gab Bier und Schnaps bei jeder Runde. Holla, da würde ich auch schon perfekt ausländisch sprechen, wenn ich das seit vier Stunden in mich rein schütten würde. Ich beneidete sie ein wenig, hielt mich aber an mein Bier und hoffte das niemand auf den Trichter kam, ich solle doch Schnaps mit trinken. Ich hatte nämlich noch genug vom Vorabend. Vor allem sollte es kein Löwentor geben. Thomas hat ja eine kleine Auswahl. Das ging auch eine zeit lang ganz gut, bis dann einer mit seinem Schnaps nicht mehr hinterher kam und der dann einfach bei mir hingestellt wurde. Da ich ja der geborene Glückspilz bin war es natürlich ein Löwentor. Ich versuchte die Entgleisung meines Gesichtes so gering wie möglich zu halten, schaffte es aber nicht ganz. Sehr zum Amüsement der Anwesenden. Naja, die kannten mich ja schon von der anderen Weihnachtsfeier, wo ich mir Korn im Überfluß rein geknallt habe. Sah wohl auch nicht besser aus. Während dann man da so sitzt, lernt man doch immer wieder neue Leute kennen und kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Ich saß neben einem Lieferanten von David, der jahrelang in der gleichen Straße in Westerode gewohnt hat wie ich. Es hat sich sogar zugetragen, das er schon mal Bier für mich gezapft hat, weil die Tochter des Vermieters Schützenkönigin geworden ist. Da war ich natürlich auch zugegen und er war damals der Mann hinter dem Zapfhahn. So klein ist die Welt. Allerdings konnte ich mich nicht daran erinnern ihn jemals in der Mühlenstätte gesehen zu haben. Aber das kommt vor. Es geht mir ja nicht wie Billy Idol, der laut eigenen Aussagen, die 80er nur im Dämmerzustand mitbekommen hat. Das nenne ich mal Mut zur Wahrheit.

Gegen Mitternacht regte sich dann die Unruhe und man wollte noch irgendwas machen. Was bot sich da besser an als die Werkstatt. Also organisierte ich ein Taxi, welches mit dem einer Abschiedsrunde an der Theke erwartet wurde. Dummerweise wieder Bier und Schnaps. Ich kam aus dem Teufelskreis nicht mehr heraus und fügte mich dem Schicksal. Ich freute mich auf die Werkstatt auch wenn dort nicht viel los sein wird, gibt es dort wenigstens keinen Löwentor! Da die anderen aber gute drei Stunden länger am Trinken waren als ich, hatten sie auch etwas mehr an Promille aufgebaut. Das es aber so viel sein würde hätte ich nicht gedacht. Einer von Davids Arbeitern schien etwas auf dem Boden gesehen zu haben, das er sich näher angucken wollte. Er kam aber schnell wieder hoch, waren doch viele helfende Hände da. Eins dürfte klar sein, das wird noch spaßig in der Werkstatt. Wenn wir denn endlich mal losfahren würden. Denn alle Mann in ein Taxi zu bekommen grenzte fast an ein unmögliches Unterfangen. Erst wurden wildfremde Leute angesprochen ob sie den Strammsack nach Hause fahren würden und dann wurde diskutiert. Als Taxi-Fahrer hat man es nicht leicht. Ich saß hinten und wartete. Und dann konnten wir endlich los.

Bei der Ankunft an der Werkstatt wollte ich meinen Augen nicht trauen. Es standen tatsächlich Autos draußen und sogar Menschen die auf Taxis warteten. Da es erst Mitternacht durch war konnten die nur gerade aus der Werkstatt raus geflogen sein, weil halt die Sperrstunde für Jugendliche schon durch war. Drinnen traf mich der Schlag. Es war voll und nicht zu knapp. Die Werkstatt war tatsächlich voll. Einen Anblick den man so gar nicht kennt und eigentlich genießen sollte. Doch unsere Gruppe sprengte sich sofort auseinander. Ich stand irgendwie in der Mitte. Da ich noch auf David wartet fragte mein Tischnachbar von Kellner ob ich denn auch ein Bier haben wollte. Ich nickte und fragte mich wo er das jetzt so schnell her holen wollte. Voller Erstaunen nahm ich war das die Theke am Eingangsbereich auf geöffnet hatte. Das passiert sonst nur an Weihnachten. Dankend nahm ich das Becks an und wollte eigentlich zum Rest der Gruppe stoßen, unterwegs merkte ich aber, das von den anderen keiner mitgekommen war. Es hat sich alles verloren. Seltsam wie schnell das geht. An der Theke auf dem Weg in den hinteren Bereich traf ich dann zwei Mann wieder die sich schon ausreichend mit Becks versorgt hatten. Und vor allem kamen noch die Westeröder auf mich zu. Porno war überglücklich und verkündete mit lauten Rufen, das ich mir sofort ein Glas besorgen sollte, es wären zwei Flaschen Wodka am Start. Aber ich wollte doch das Wochenende ohne Red Bull verbringen. Außerdem hatte ich noch Bier.
So sollte es dann auch ein wenig weiter gehen. Bier war das Getränk meiner vorläufigen Wahl. Ich gesellte mich also zu den Westerödern, die sich eine recht ungünstige Stelle zum campieren ausgesucht hatten. Mitten im Durchgangsverkehr. Aber man kann sich ja mit allem arrangieren. Das Publikum war zwar recht jung, aber dennoch gut durchmixt. Meine beste Ramona war auch da, der ich gleich mal einen ausgab. Traf sich ganz gut, denn mein Bier war schon wieder zur Neige gegangen. Die trockene Luft und die ganzen Menschen verursachten einen Dürre in meinem Hals. Also mußte ich viel trinken. Irgendwie landete ich dann im Anschluß an der Theke wo sich die versprengte Gruppe von Kellner zusammen gesammelt hat und da wurde mir erstmal mitgeteilt, das der Kollege, der bei Kellner schon mal den Boden untersucht hat vermisst wird. Ich war der Meinung das er mit David mitgegangen war und fragte wo der denn sei. Fragezeichen in den Gesichtern klärten einiges auf. Also ging ich los um David und den vermissten Kollegen zu suchen. Bei den Menschenmassen in der Werkstatt dauerte das einige Zeit. Man war es gar nicht mehr gewohnt sich irgendwo durch zu drängeln, denn sonst hat man hier so viel Platz das man aufpassen muß, das man sich an der Theke nicht verläuft. Aber der Kollege blieb vermisst, David hingegen fand ich an einer anderen Stelle der Theke. Bei David ist es eh ein Phänomen. Der kann mehrmals eine Runde in der Werker drehen und trifft immer neue Leute mit denen er sich unterhalten kann.

Wieder zurück am Sammelpunkt ging es weiter mit Bier. Die kleinen Flaschen halten echt nicht lange vor. Was mich von Beginn an gewundert hat, war das Schnitzel gar nicht dabei war. Aber das Rätsel löste sich schnell, denn er kam gerade an. Er war vorher auf einer kleinen Dankesfeier und hat sich die anderen Mitfeiernden geschnappt um in die Werkstatt einzufallen. Mit sich brachte er die Julia, die gleich mal bei mir an der Theke anhielt. Wir unterhielten uns kurz und ich bestellte noch ein paar Mischungen. Meine ersten Mischungen an dem Abend wohl gemerkt. Und ich war überrascht das ich Geld wieder bekam, war ich doch sicher das Geld abgezählt zu haben. Beim nochmaligen Nachrechnen kam ich dann darauf das Mix-Getränke nur einen Euro kosteten. Und ich Arsch trinke das teure Bier. Das lässt sich aber ändern. Nebenbei hat sich dann auch die Ramona wieder zu uns gesellt und erzählte mir von ihrem Musikgeschmack. Ich war positiv überrascht, das sie auf handgemachte Musik steht. Ist ja nun nicht immer so und lobte sie für ihren Geschmack.

Ich tingelte nun von Ort zu Ort, denn überall kannte man ja irgendwie wen. Sensationell auch der Auftritt von Philip, der mit neuer Zuhälter-Jacke um die Ecke gekommen war. Es war ein Jacket, welches an den Kragen echten Hermelin Kunst-Pelz angenäht hatte. Allerdings war es ein wenig üppig geraten und sah aus als hätten sich zwei Marder an seinem Hals fest gebissen. Gut, ich bin jetzt keiner der die absolute Ahnung von Mode hat und sich überhaupt anmaßen könnte über Mode zu urteilen. Aber ich weiß das ich nicht jeden Trend mit machen muß. Wenn es ihm aber gefällt, dann soll er es gerne anziehen. Es ist nur ein seltsames Bild, wenn man Philip halt auch sonst nur in Jogginghose und Schlabberpulli sieht. Sein Trinker-Outfit, wie er es liebevoll nennt. Philip hatte dann aber auch die Pose des konkreten Checkers an der Theke sensationell gut drauf. Respekt! (Jetzt stelle man sich noch ein paar abgefahrene Posen dazu vor, wie die Hände in die unmöglichsten Postionen verbogen und dabei scheiße gucken)

Dann traf ich einen guten Freund an der Theke und hatte eine recht lange Unterhaltung mit ihm an der Theke. Die will ich hier aber nicht ausbreiten, weil sie einfach nicht hier her gehört. Ziemlich viel privates Zeug und das muß man ja in einem öffentlichen Logbuch breit treten. Ich gab ihm ein paar Ratschläge und wir hatten eine wirklich gute Unterhaltung. Falls er das hier lesen sollte, weiß er eh sofort Bescheid. Warum ich das nun hier erwähne hat folgenden Grund. Als ich sehr viel später zu Hause war, der ganze Trouble vorbei war und ich meine Gedanken ein wenig sortieren konnte und sie nicht alle ungeordnet auf dem Boden meines Gehirns herumliegen lassen wollte. Kam ich zu dem Entschluß, das alles was ich ihm geraten habe, ich auch auf mich anwenden kann. Und das ist sehr seltsam. Alles was ich ihm gesagt habe hat Sinn gemacht und war denke ich auch Vernünftig. Wenn er heute vor mir stehen würde und wir auf das gleiche Thema kommen würden, würde ich ihm genau das gleiche sagen, weil ich davon überzeugt bin. Egal ob ich am Samstag 15 Bier und unzählige Havana Club getrunken hatte. Das gleiche würde ich jetzt im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte und ohne einen Tropfen Alkohol im Blut auch zu ihm sagen. Das ist nicht immer so. Denn manchmal stelle ich im vollen Kopf Thesen auf, die ich am nächsten Tag verwerfe und mich fast schäme jemals so etwas gedacht zu haben. Ich hole wieder zu weit aus. Was ich eigentlich sagen wollte, daß das komische einfach ist, das alles was ich gesagt auch auf mich zutreffen würde, ich aber keinen Deut danach handele. Da gebe ich anderen gute Ratschläge, schieße sie aber selber alle in den Wind. Ist das irgendwie pervers oder krank? Traue ich mir selber nicht genug über den Weg? Naja, ich hatte jedenfalls das Gefühl das ich meinem Freund ein wenig geholfen habe und hoffe er nimmt sich die Ratschläge zu Herzen. Denn sie machen auch jetzt noch für mich Sinn und Verstand und ich werde dran arbeiten auch danach zu handeln.

Nachdem dieses lange und intensive Gespräch beendet war war es auch schon fast 0530 Uhr und die Bar hat zugemacht, also hieß es für uns den Heimweg anzutreten. Aber auch hier in der Werkstatt war es irgendwie komisch. Es schien als hätten alle irgendwie Kraft getrunken oder vertragen den Alkohol nicht so gut. Ich tippe eher auf das letztere. Denn was sich vor der Werkstatt abspielte war keinesfalls mehr feierlich. Irgendwelche Vollhonks waren der Meinung David zu verkloppen und Schnitzel Brandlöcher in die Jacke zu machen. Als man das dann klären wollte ging es noch mehr ab. Ich hasse solche Typen, die einmal im Jahr aus der Klapse gelassen werden und dann im Vollrausch Streit anfangen wollen. Gut, wenn man provoziert wird, dann ist es schwer den Klügeren zu spielen und nachzugeben. Das geht schon mal gar nicht, wenn man was getrunken hat. Von daher können wir uns auch nicht sagen, das wir alles getan hätten um den Streit nicht weiter am Laufen zu halten. Aber man hat doch noch ein wenig Anstand. Aber was die dort abzogen das kam mir wirklich wie Kindergarten vor. Oder aber die Klapse die Wandertag hatte. Wenn man keinen Alkohol vertragen kann, dann sollte man das lassen. Nicht umsonst ist es ein Erwachsenengetränk. Diese Leute mit dem IQ von einem Krümelkuchen hatten definitiv genug getrunken um den IQ noch ein weniger nach unten zu schrauben. Zum Glück waren nicht alle so und hielten sie zurück. Im Endeffekt steigen wir dann in ein Taxi und fuhren heim. Aber ansonsten war es ein recht spaßiger Abend.

In Westerode wurde sich dann nochmal kräftig aufgeregt und dann ging es nach Hause. Wurde auch langsam Zeit. Nur der David hatte seine Jacke vergessen. Entweder bei Kellner (meine Vermutung) oder in der Werkstatt (seine Überzeugung). Nach einer kleinen Diskussion an der Molekerei inklusive Taxifahrt durch Westerode (bei der sich dann mein Entschluß manifestierte nie wieder mit Taxi Wenig zu fahren, weil die eine absolute Klatsche haben) lieferte ich dann David zu Hause ab. Ich unterstütze ihn mental, da er seine Frau aus dem Bett klingeln mußte. Aber Ellen war nicht böse auf ihn. Ich glaube das kann sie gar nicht. Ich hingegen machte mich auf den direkten Heimweg. Wenig später in meinem Bett wurde mir oben erwähntes klar. Und ich stellte fest, das ich wenn ich stark angetrunken bin am ehrlichsten bin. Sowohl über meinen Gemütszustand als auch über die Welt. Ich sehe dann wohl irgendwie klarer und habe nicht ständig verwirrende Sachen um mich herum die mir die Sicht nehmen. Es ist als könnte ich mich besser auf das wesentlich in meinem Leben konzentrieren und bin einfach ehrlich.

Ich war froh als ich am Sonntag morgen die Augen aufschlug, daß das Fußballspiel am Sonntag abgesagt war. Ich dankte Gott von meinem Bett aus. Wäre ich auf die Knie gefallen wäre ich da nicht mehr hoch gekommen. Und es war verdammt kalt in meinem Schlafzimmer.

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