Aggressions-Aufbau-Programm

Am Donnerstag fuhr ich nach Fulda um Sabrina und Christian zu besuchen. Da ich Urlaub hatte und Christian eh Student ist konnten wir schön das Nachtleben unsicher machen. Aber darüber will ich an dieser Stelle nicht berichten. Vielmehr über das was vor der Party lag, nämliche die Autofahrt nach Fulda. Und die Crème de la crème der deutschen Autofahrer.

Zunächst mußte ich ja erstmal auf die Autobahn kommen. Da ging es schon los, schleichende Leute die einfach die Geschwindigkeitsempfehlung mißachten. Wenn da ein rundes Schild mit rotem Rand am Straßenrand steht auf dem eine große 100 geschrieben steht, dann heißt das so viel wie das man hier 100 km/h fahren darf. Anscheinend hat man die Verkehrsregeln geändert, denn die Trulla vor mir fuhr exakte 80 km/h. Gibt es da jetzt ein Rechensystem, bei dem man von der Höchstgeschwindigkeit je nach Tagesform km/h abziehen kann oder gar drauf rechnen kann? Ich fasste es nicht. Und vor allem gab es keine Gelegenheit zu überholen. Also drückte ich meine gesamten Mordgedanken einfach nach hinten und versuchte sie dort in eine dunkle Kammer einzusperren. Die Autobahn würde ja noch kommen und dann würde ich den guten alten Volvo ordentlich treten. Doch vorher stand ich noch an einem zauberhaften Bahnübergang in Obernjesa. Ich dachte die Bahn streikt, warum stehe ich immer an diesem dämlichen Bahnübergang und kann zusehen wie ich altere während ich auf Züge warten, die leer in eine Richtung fahren. Ich verfluchte die Bahn und diesen dämlichen Übergang. Außerdem markierte ich diese Stelle auf meiner Landkarte, sollte ich jemals Zugriff auf einen Bomber oder einen Leopard haben wird diese Stelle auf der Stelle in die Steinzeit gebombt.

So dachte ich jedenfalls, denn auf der Autobahn war es recht voll und es tauchten plötzlich überall diese Geschwindigkeitsbegrenzungen von 120 km/h auf. Ich dachte nochmal über das oben erwähnte Rechensystem nach und kam zu dem Entschluß, das ich es durchaus riskieren konnte 20 km/h schneller zu fahren als die Schilder kund taten. Schließlich mußte ich ja ein wenig Zeit gut machen, die ich durch die Schnarchnase verloren habe. Falls ich dann doch geblitzt werden sollte, kann ich ja immer noch die Schuld auf die Schnarchnase schieben und sie auf meine Todesliste setzten. Was ist das überhaupt für eine dämliche Schieße, das man auf einer Autobahn Geschwindigkeitsbegrenzungen macht? Wofür ist denn die Autobahn da, damit ich da heizen kann wie ein Geisteskranker und möglichst schnell an mein Ziel komme. Vielleicht ist es auch einfach nur eine weitere Einnahmequelle für die Bundesländer. Schließlich müssen die teuren Ausgaben für die Blitzkästen gedeckt werden.

Das ich allerdings frei Fahrt hatte war ein Wunschdenken, denn es gibt ja noch die LKW’s und die Schnarchnasen. Dieses Völkchen macht sich mit Vorliebe auf den Autobahnen breit. Kommen diese zwei Ereignisse auch noch zusammen vor, kann man vom Super-GAU auf der Autobahn reden. Folgende Situation hat sich nicht nur einmal ereignet. Ich befuhr vorschriftsmäßig die mittlere Spur., da die rechte Spur mit LKW’s belegt war. Nun bekommt einer dieser Brummifahrer plötzlich einen Geschwindigkeitsrausch und meint er sei genau 2,3 km/h schneller als sein Vordermann und schert aus. Soweit ja kein Problem, die können sich ja überholen bis sie schwarz werden, so lange der Rest der steuerzahlenden Bevölkerung einfach dran vorbei rauschen kann. Ein kurzer Blick in den Spiegel verriet mir, daß das hinter mit fahrende Fahrzeug ausscherte und zum Überholen ansetzte. Nun sollte man eigentlich davon ausgehen, das nun das rechte Pedal ordentlich penetriert wird, damit man den anderen Autofahrern auch noch die Möglichkeit gibt zügig an dem Elefantenrennen vorbei zu brausen. Das kann man sich aber abschreiben, wenn Kollege Schnarchnase das Fahrzeug führt. Wir befinden uns ja noch in der Geschwindigkeitsbegrenzungszone und da darf man keinesfalls schneller fahren. Besteht ja auch keine Notwendigkeit, die Schnarchnase kommt ja ohne Probleme und ohne Zeitverzug dran vorbei. Also tuckern geschätzte 180 Jahre (Fahrer + Beifahrerin + Hut auf der Ablage + Fahrzeug) an mir vorbei, mit der gleichen Geschwindigkeitsdifferenz wie die LKW’s direkt vor mir. Also 2,3 km/h. Während mich also die Mercedes E-Klasse 280 (3,0 l Maschine, 170 KW/230 PS) überholt, kommt das Elefantenrennen immer näher, als drücke ich beherzt das mittlere Pedal und hänge hinter dem LKW und neben mit fährt das Geronten-Mobil. Tropfen um Tropfen füllt sich das Faß. Und diese Situation hat sich des öfteren wiederholt.

Kommt es nun aber zum Gegenteiligen Ereignis, also das man frei Fahrt hat und problemlos überholen kann, hat man binnen weniger Sekunden ein ähnliches Fahrzeug hinter sich, dessen Fahrer sich durchaus bewusst was für ein PS-Giganten er da unter dem Arsch sitzen hat. Also wird dicht aufgefahren und mit der Lichthupe zarte Signale im Sekundentakt gegeben, das man doch endlich mal sein Fahrzeug auf die mittlere Spur bewegen sollte. Am Besten sollte man doch den LKW ein wenig ab drängen, damit der Überholende schneller vorbei kommt. Ich bin ja geboren für solche Situationen. In meinem Kopf legte ich schon Bauteile aus, auf denen ich ein MG3 an meinem Volvo befestigen konnte. Ein kleiner Druck auf einen Knopf und schon wird die Luxuskarosse mit netten 7,62 mm großen Geschwindigkeitslöchern versehen und ich fahre mit debilen Gelächter dran vorbei.

Über das Überholverhalten von LKW’s wenn es in eine Steigung geht möchte ich mich hier nicht auslassen, denn das hat Mario Barth ja schon zur Genüge getan. Aber er hat Recht. Sobald es bergauf geht, wird gnadenlos der Blinker gesetzt und raus gezogen. Besagte 2,3 km/h treffen auch hier zu. Und die Schnarchnase überholt hier auch mit Vorlieben, allerdings nur innerhalb des Geschwindigkeitslimit.

Weiter drei Stunden auf der Autobahn hätte ich nicht ausgehalten. Entweder hätte ich irgendwelche Fahrzeugführerimitatoren von der Straße gedrängt oder aber ich wäre irgendwann von einem Nervenzusammenbruch geschüttelt in meinem Auto gefunden worden. Zum Glück war Fulda nicht so weit und ich hatte die Aussicht auf eine Party mit uneingeschränktem Zugang zu alkoholischen Getränken. Das half mir ein wenig über die Aggressionen die beim Auto fahren auftreten hinweg.

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One Response to Aggressions-Aufbau-Programm

  1. […] Bierpumpe ihm sein Weblog « Aggressions-Aufbau-Programm […]

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