Der Hesse lacht zur Fasenacht

Der Freitag begann wie gewohnt harmlos. Wir hatten schon früh festgelegt, das wir nach dem Training bei Kellner einkehren wollen um dort ein paar Bierchen zu trinken und die eine oder andere Schlachteplatte zu verputzen. Für hieß das so viel, das ich an diesem Freitag nicht zum Sporthaus runter laufen mußte, sondern konnte gleich frühzeitig zu Kellner gehen, welches meinen Fußmarsch um etliche Meter verringerte und das ich vielleicht mal nicht in der Werkstatt enden werde, da vielleicht noch ein After-Schlachteplatten-Programm geplant war. So hoffte ich zumindestens. Und auch der Ingo war der ganzen Sache nicht abgeneigt, so jedenfalls tat er mir am Telefon kund. Sehr gut, wenn ein Freitag so begann konnte der Rest des Wochenendes nur gut werden. Es stand zwar noch der Karnevalsauftakt an, aber auch der wird mit ziemlicher Sicherheit um die Ecke gebracht.

Ich verabredete mich dann also mit dem David, das wir uns gegen 2000 Uhr schon mal bei Kellner treffen werden. Das Training begann um 1800 Uhr so daß wir vielleicht zeitgleich mit der Mannschaft dort eintreffen würden. Da aber nicht alle so schnell sind, wenn es um das Umziehen und Duschen geht, waren wir die Ersten. Ist ja auch nicht verkehrt, denn so konnten wir uns die besten Plätze aussuchen und schon mal probieren, ob denn hier auch das Bier genießbar ist. Aber auf Thomas K. ist Verlaß. Dort bekommt man nur einwandfreie Ware. Und ich glaube er freute sich sichtlich uns zu sehen. Nach einem kurzen Hallo in die Runde der anwesenden Gäste nahmen wir an einer langen Tafel Platz und harrten der anderen Mannschaftskameraden. Die Wartezeit wurde verkürzt durch zwei cremige Krombacher, die uns Thomas brachte. Ich fühlte mich wohl. Ich kann es nicht anders sagen. Krombacher vom Faß in einem Krombacher Glas schmeckt einfach. Und das sind nun nicht die Schützenfest Willy Becher. Man mag es nicht glauben, aber das Auge trinkt mit. Nach einer kurzen Wartezeit trudelten auch schon die nächsten ein. Wie sollte es anders sein, waren Köppel, Andre und Matze R. die ersten, die mit hungrigen Mägen die Gaststube stürmten. Andre konnte es noch gar nicht fassen, das ich schon ein Bier hatte. Also bestellte er sich zunächst in Alster. Auf die Frage ob er denn krank sei oder irgendwelche Probleme mit dem Gehirn, das er sich Alster bestellt, sagte er nur das er nach dem Training schon ein Bier getrunken hat. Ach so, nach dem Training hauen die sich Bier rein und dann aber entsetzt sein, das ich schon bei Kellner ein Pils bestellt habe. Ich verriet ihm aber nicht, das ich zu Hause schon ein Hefe mit meinem Vater getrunken habe. Somit habe ich meinen Vorsprung gesichert. Allerdings gab es mir zu denken, das es nach dem Training eine Kiste Bier gab. Sollte ich einen essentiellen Fehler begannen haben, nicht zum Training zu gehen und die warme Gaststube von Kellner vorgezogen habe?

Es waren nun alle da und hatten unglaublichen Hunger. Ich befragte meine Organe ob ich mich denn der Schlachteplatten Bestellung anschließen sollte, aber mein Magen meldete keine Probleme und die Verdauung sei im grünen Bereich. Wenn ich nun eine ganze Schlachteplatte inhalieren würde wäre mein Magen bis zum Rand gefüllt und ich müßte schon vor der Final Runde den Heimweg antreten. Also gab es nichts zu essen, dafür aber noch eine Runde Bier. Während wir dann so warteten wurden allerlei Gespräche angezettelt. Auch über mein neues Auto. Costa der ja neben mit saß, wollte mir einfach nicht glauben das der E 280 230 PS hat. Dummerweise hatte ich den beweisenden Prospekt nicht dabei. Aber so wie es im Moment aussieht habe ich eh einen anderen Favoriten. Und der kommt von Chrysler. Warten wir aber mal die Probefahrt von Mercedes ab. Dann kann ich mehr zu der ganzen Geschichte sagen. Weitere Gespräche drehten sich um den am Samstag anstehenden Karnevals Auftakt. Vor allem die Frage des neuen Prinzenpaares stand im Raum. Die wildesten Vermutungen wurden angestellt. Und dabei saß der neue Prinz mit an unserem Tisch und sagte keinen Sterbenswörtchen. Eins mußte man ihm lassen, er hat dicht gehalten und ich habe ihn am wenigstens in Verdacht gehabt. Aber dazu später mehr.

Das Essen wurde aufgefahren und die hungrigen Mäuler fielen über die Schlachteplatten her wie ein Wolf über eine Herde Lämmer. Ja, ich scheue keine Vergleiche. Und ich muß zugeben, das sich plötzlich mein Magen ein wenig meldete. Aber er hat es vorher gewusst. Und die Platte wäre eindeutig zu viel für mich gewesen. Mittlerweile war auch der Ingo angekommen und hat sich zu uns gesellt. Auch er hat sich gegen eine Essen entschieden. Doch unsere Mannschaftskameraden sind ja richtige Freunde und haben uns höflicherweise etwas angeboten, da einige nicht alles geschafft haben. Sehr nett und es wurde auch dankend angenommen. Auch wenn ich nur eine Scheibe Brot gegessen habe war es ein wahres Geschmackserlebnis. Die Schlachteplatte bei Kellner hat schon was für sich. Ich konnte sogar die Mettwurst probieren, die Köppel zu Recht als Königswurst beschrieben hat. Sie war sehr gut. Das Essen wurde dann von einem Schnaps abgerundet. Ich weiß auch gar nicht welcher Teufel mich da geritten hat oder ob es die schon leicht lockere Zunge war, für die das Bier gesorgt hat, aber ich hörte ich selber sagen, das ich gerne einen schönen nussigen Bismarck haben möchte. Erst wollte ich laut fragen, wer denn so verrückt ist und sich nun ein Bismarck bestellt hat, obwohl er meinen Respekt hat, denn Bismarck wird bei uns eher selten getrunken. Dafür aber Löwentor in Industriegroßen Gebinden. Doch dann merkte ich das die Stimme mir seltsam bekannt vor kam, bis mein Gehirn mich dann rüde darauf hin wies, das ich es selber war. Anstatt dann die Frage zu stellen, beschimpfte ich mich selber mit dem verlängerten Rücken. Da haben wir den Salat. Aber der Bismarck war lecker.

Es wurden noch ein paar Bierchen getrunken und dann löste sich die gesamte Gesellschaft so langsam aber sicher auf. Ich wagte meinen Augen und Ohren nicht zu trauen, als alles meinten das sie jetzt nach Hause gehen und nichts mehr machen würden. Hallo, was ist denn hier los. Wir sind doch hier nicht beim Seniorenkaffee, wo man schnell wieder nach Hause muß um seine Gebrechen zu kurieren. Ich fasste es nicht, was war denn nur los. Nur der Ingo stand mir treu zur Seite und wollte noch in der Stadt in oder zwei Läden gucken. Nur nicht in der Werkstatt. Er sprach meine Sprache. Also setzten wir den Köppel noch zu Hause ab und zogen weiter in die Stadt. Eine einschlägig bekannte Kneipe hat neu eröffnet und da muß man doch seinen Antrittsbesuch abhalten. Leider war nicht allzu viel los und wir wählten einen Thekenplatz. Das dort anwesende Klientel war leider auch nicht so prickelnd. Sagen wir mal so, die hübschen Frauen fehlten irgendwie und die Männer waren alle stramm. Da erzähle ich jetzt keinem etwas neues, wenn ich sage, das man als Vollstrammer als leicht angetrunkener Mann keine Geschlechtsgenossen sehen will, die sich gerade in einem ähnlichen Zustand befanden. So tranken wir dann also unsere Getränke aus und ich zahlte, damit wir unsere Suche nach dem weiblichen Geschlecht fortsetzen konnten. Unser Weg führte uns am ”Halben Mond“ vorbei, doch ein scheuer Blick durch die spärlich verhangenen Fenster brachte schnelle Ernüchterung. Dummerweise hatten wir auch gerade die Geisterstunde passiert, so daß das MaxM gerade seine Pforten schloß. Da blieb dann nur noch der Weg zum Ambiente. Wollt ihr raten? Dort war der Bär los, eine Playboy-Promotion-Party mit mindestens zwei Playboy-Bunnies für jeden männlichen Gast der einen Bieratem vorweisen kann. Und alle Getränke waren frei. Hat man seinen 10 Havana Club bestellt bekam man eine selbstgeschreinerte Kiste mit Inhalt 10 Flaschen feinstem Havana Club geschenkt. Überreicht von einer kubanischen Schönheit, die mit ihren dunklen Augen bis auf Deine Seelen gucken konnte und Dir jeden Wunsch erfüllte. Ich war im Paradies. Ich glaube ich sollte nicht mehr so viel laut denken. Wo war ich? Ach ja, auf der Suche, nach den Frauen und einer Lokalität in der nur ein bisschen was los ist. Im Ambiente war es zumindestens nicht. Die Dichte an Autos vor der Ambiente verriet und auch ohne das warme Auto zu verlassen, das hier der Hund verfroren ist. Meine Hoffnungen schwanden. Sie schwanden nicht nur, sie wurden mit einem Katapult gegen eine Mauer geschossen. Da blieb nur noch ein Ausweg. Ich mußte die Party-Hotline anrufen.

Anders ausgedrückt versuchte ich mich mit Schnitzel in Verbindung zu setzten in der Hoffnung er ist noch nicht zu Hause. Die Versuche scheiterten kläglich, denn er befand sich wohl in einem stahlbetonverstärkten Gebäude. Spontan fällt mir da nur der Führerbunker in Berlin ein oder meine Stube. Nirgends hat man weniger Empfang. Ich wusste aber, das er sich in Mingerode befand und sich dort kollektiv den Kopf zu knallte. Nach weiteren erfolglosen Anrufversuchen rief ich dann bei Kai an, der dann auch mal Empfang hatte. Ich hatte ja eigentlich vermutet, das sie schon in die Werkstatt verlegt haben und mich damit abgefunden, das obwohl ich mich dagegen wehte ich doch wieder in dem Laden enden werde. Aber sie waren noch in Mingerode und ich sollte doch kurzer Hand vorbei kommen, da eh nicht mehr so viel los ist. Das hört sich jetzt so an, als könne man mich nicht größeren Menschenmengen präsentieren, aber ich es ist ganz einfach so, das es mir unglaublich unangenehm ist, bei Parties aufzutauchen, bei denen ich nicht eingeladen bin. Auch wenn niemand etwas dagegen hat, ist es immer ein komisches Gefühl. Bis ich dann sturzbetrunken bin und alle mit Vornamen kenne, wobei mich eh schon die Hälfte der Anwesenden kennt. Meistens kriegt man dann so Begrüßungsformeln präsentiert, wie: ”Du bist also die Bierpumpe!“ Aber ich kannte ja alle Anwesenden. So traf ich dann auch mal wieder mit dem Kunkel zusammen und wir haben ein paar Pils getrunken. Wenn ich mich noch recht erinnere, waren es vier an der Zahl. Ich schien im richtigen Moment gekommen zu sein, denn wir wollten dann tatsächlich los. In die Werkstatt. Ich kann mir einfach nicht erklären, warum es mich immer in diesen Laden zieht. Vermutungen gehen dahin, das Eberhard eine Sammlung von Voodoo-Puppen hat in denen jeweils eine Nadel in der Lebergegend steckt.

Die Taxifahrt war recht abenteuerlustig, da ich wieder das zweifelhafte Vergnügen hatte auf den Sitzen im Kofferraum Platz zu nehmen. Nicht das die Sitze schlecht wären, aber es ist doch manchmal komisch, wenn hinter einem jemand fährt. In der Werkstatt angekommen war unsere Gruppe nur noch auch drei Personen zusammen geschrumpft. Schnitzel, Tobi und ich. Und wir passten perfekt an den Tresen. Dort verweilten wir auch für die Zeit unseres Besuches. Mixgetränke gab es in rauhen Mengen. Aber sonst ist eigentlich nichts nennewertes passiert. Man hat halt über dies und das geredet. Hat den vollstrammen Schmidti beobachtet. Dieser hat sich auf einen Stuhl nieder gelassen und ist dort wenige Minuten später in das Reich der Träume abgedriftet. Tobi nutze seine Unaufmerksamkeit um ihm seinen Pieper zu mopsen und ihn erstmal auszuschalten. Einsatzbereit war er eh nicht mehr. Nachdem wir uns dann also ausgiebig betrunken haben und Eberhard über das Wochenende gerettet hatten machten wir uns auf dem Heimweg.

Der Hunger trieb uns dann noch zum Bäcker. Dummerweise gab es dort noch keine Brötchen, nur Gebäck vom Vortag. Ich machte den entschiedenen Fehler mir einen Nougatring zu kaufen. Zu Beginn schmeckte er ja recht gut, aber die Überdosis Zucker war irgendwie nicht gut. Geschmacklich gibt es nichts was schlechter schmeckt nachdem man sich nicht zu knapp an Havana Club gütlich getan hat.

Der Samstag fing sehr seltsam an. Ich stand auf und fühlte mich wohl. Allerdings nur kurz, denn dann mußte ich wohl oder übel zum Aufbauen für den Karnevalsauftakt. Und ich mache hier kein Hehl um die Sache, denn ich hatte dazu absolut gar keinen Bock. Zumal ja der Nachmittag von einer Feuerwehrübung beherrscht wird. Also hatte ich Null Freizeit an diesem Wochenendtag. Aber dafür ist man halt in den ganzen Vereinen und muß halt immer gerade stehen. Das Aufbauen ging dann einigermaßen vorwärts und der Großteil war geschafft, als Schnitzel und ich dann zur Feuerwehr aufbrachen. Eigentlich sollte eine Alarmübung statt finden, die überraschend für jeden kam. Doch leider können manche Leute ihren Mund nicht halten und somit wussten alle alarmierten Wehren schon vorher Bescheid. Uns will ich da gar nicht heraus nehmen. So trafen wir uns frühzeitig im Feuerwehrhaus. Was dort abging will ich hier gar nicht niederschreiben. Ich sage nur ein Kindergartenausflug in den Zoo wäre gesitteter von statten gegangen. Aufgeregt wie eine Horde junger Mädchen bei einem Beatles-Konzert sprangen alle durch die Gegend und warteten auf das Klicken des Relais, damit die Sirene endlich anfing zu heulen. Zeitweise saßen wir schon im Auto mit laufendem Motor. Peinlich, oder. Als es dann endlich so weit war ging es ab wie die Feuerwehr. (Dämliches Wortspiel) Die Lage war ein Verkehrsunfall mit Bus, LKW, Traktor und PKW. Öfter mal was Neues. Ich fuhr was der alte Feuerwehrbock her gab. Doch das war nicht viel. Und doch waren wir die erste Wehr an der Einsatzstelle. Alles andere hätte mich auch gewundert. Traumhafte Ausrückzeit und ein sensationeller Fahrer. Kai war Einsatzleiter, da er der erste Ortsbrandmeister am Ort des Geschehens war. Ich als Gruppenführer übernahm die Menschenrettung aus dem Reisebus. Ein sehr ruhiger Job, wie ich mal zugestehen muß. Aber einige der Leute konnten recht gut schauspielern. Ein Glück für sie, das ich mein Feuerwehrbeil nicht dabei hatte. Der Bus war recht schnell geräumt und ich leistete einem Verletztem Gesellschaft, der nicht bewegt werden konnte auf Grund von Halsverletzungen. Immer noch besser als draußen umher zu springen. Und vor allem konnte ich die Rettung der Treckerfahrerin beobachten. Einige Feuerwehrleute hatten ihre Hände dort wo sie nicht unbedingt hin gehörten und hinterher wurde wieder behauptet, das es zur Rettung gehörte. Ich nenne hier mal keine Namen. Nachdem dann der Bus leer war guckte ich mit Holger hier und da mal bei den Einsatzstellen. Genügend Leute waren ja eh da und helfende Hände mehr als genug. Das Zelt des DRK hatte ja auch so seine Reize. Man sollte viel öfter Übungen mit dem DRK machen, stellte ich spontan fest. Leider konnte ich die Aussicht nicht allzu lange genießen, denn Holger und ich wurden gleich mal zum Verletztentransport eingeteilt. Sehr anstrengend. Alle Wehren haben ihre Arbeit hervorragend abgeleistet und haben sich die anschließende Stärkung in Esplingerode redlich verdient. Dummerweise ist mir zum Schluß noch ein oder zwei Flaschen Bier in die Hand gefallen, die ich dann leider trinken mußte. Ich weiß auch nicht wie das passieren konnte.

Wieder zu Hause angekommen, hatte ich noch weniger Lust auf den Auftakt. Vor allem fühlte ich mich durch die ganze frische Luft leicht erschöpft. Aber es half nichts. Nachdem ich dann ein bis zwei mal auf dem Sofa eingenickt bin, raffte ich mich auf und reinigte meinen Körper. Von außen wohlgemerkt, denn innen kamen ja noch ein paar Löwentor rein, da hätte eine Reinigung absolut gar keinen Sinn gemacht. Wenn man solche Uniformen wie die Elferratsjacke wieder mal hervor holt, ist es ja immer ein kleines Glücksspiel ob denn heimlich Außerirdische sie enger genäht haben, weil sie mal wieder kräftig lachen wollten. Aber die Elferratsjacke passte hervorragend. Und ich machte mich auf den Weg. In der Kälte der Nacht fiel mir dann plötzlich ein, das ich ja praktischerweise Schlüsseldienst hatte und auch noch Prinzenpatrouille. Die Patrouille mache ich ja sehr gern, aber der Schlüsseldienst ist etwas sehr undankbares. Man muß bis zum Schluß ausharren und die letzten Besoffenen raus schmeißen. Meistens gehöre ich ja dazu, aber wenn man dann selber diesen Dienst hat, wird es nochmalig unnötig in die Länge gezogen werden. Irgendwie wusste ich, das dies einer der längsten Auftakte seit langem wird.

Nachdem ich dann den Schnitzel eingelesen habe ging es zur MZH. Dort wurden erstmal wieder Hände geschüttelt und dann konnte ich endlich meine Lippen an ein herrliches Bier legen. Da erste ergaunerte ich mir mit einer Geschmacksprobe. Wer wusste denn ob das Bier nicht vielleicht schlecht geworden ist. Und das kann ich ja meinen Elferratskollegen nicht antun. Aber es war alles super im Geschmack. Es dauerte dann auch nicht lange bis sich eine Elferratstraube an der Theke gebildet hat. Man will ja den zahlenden Gästen nicht die besten Plätze weg nehmen. Nicht das wir nicht auch Eintritt bezahlt hätten, aber wir waren ja der Elferrat. Also gleichbedeutend mit der Arbeiterschicht. Mir war es eh nicht so wichtig, das ich keinen Sitzplatz hatte, denn mein Platz war entweder vor oder hinter der Theke. Wie gesagt: Arbeiterschicht. Zunächst gab es eh Essen und da lösten Thomas und ich die Thekenbesatzung ab, während die anderen fleißig die Haxen auftaten. Wohlgemerkt war dabei immer schön die Kappe auf dem Schero. Das ist so Brauch, das ist so Pflicht und ansonsten gibt es was auf den Deckel. Spätestens beim Hohen Gericht. Doch was sich später am Abend noch ereignete übertraf alles was bisher geschehen ist. Ich glaube größere Verfehlungen gab es nie. Und ich hoffe das hohe Gericht wird gerecht walten.

Nach dem Essen folgte dann der Einmarsch und die Eröffnung der Karnevalssaison. Und das neue Prinzenpaar wurde gekürt. Immer sehr spannend. Ich tippte ja in diesem Jahr auf Porno und Hüfte, doch als noch vor dem Essen Kurzer und Anja die Halle betraten, änderte ich meine Meinung spontan. Mit sich brachten die noch einen ganzen Haufen weitere Pärchen. So viel potentiell Prinzenpaare hatten wir noch nie auf einem Haufen. Aber ich war mir sicher das es Kurzer und Anja machen würden. Zu meiner großen Überraschung wurden es dann aber Sylvia und Fasel. Und der Misthund hat am Vorabend kein Wort verloren. Von seiner Antrittsrede habe ich nur sehr wenig mit bekommen, da ich plötzlich dazu verdonnert wurde Löwentor zu besorgen. Also falls ich nun irgendwelche Fehltritte begehe und die Worte des Prinzen missachte, ist das nicht meine Schuld, denn ich wurde zum Schnaps holen genötigt. Verteilen durfte ich den Sermon dann auch gleich und dachte das ich so um den Schnaps herum kommen würde. Leider war genügend auf dem Tablett. Selbst als ich die Prinzengarde gedrängt habe welchen zu trinken. Verdammt, ich kam nicht darum herum. Als das Gesöff meinen Rachen hinunter lief sah ich Sterne und mußte mich konzentrieren das der Schluckmechnanismus nicht plötzlich aufhörte zu arbeiten. Ich werde mich wohl nie dran gewöhnen.

Das frische Prinzenpaar drehte seine Antrittsrunde und trank an jedem Tisch seinen Löwentor. Ich würde das nie überstehen. Ein weiterer Grund warum ich kein Prinz machen würde. Oder aber ich würde für mich den Bismarck erlassen. So würde das klappen. Aber was rede ich da, ich werde nie Prinz machen. Aus der Ferne bewunderte ich Fasels Durchhaltevermögen. Bei einer solchen Menge Löwentor hätte ich schon längst den Kollaps bekommen, doch Fasel hielt durch und gar nicht mal so verkehrt. Irgendwann folgte die obligatorische Quizfrage, die mit ziemlicher Sicherheit so gestellt wird, das nur Der Quizmaster sie richtig beantworten kann, weil er als Einziger das entsprechende Alter hat. Es werden da immer Fragen ausgegraben die ohne Raten nur beantwortet werden können, wenn man während des 1. Weltkrieges ohne Probleme in einen Stripclub rein gekommen wäre. Also durfte der ganze Saal raten. Es war irgendwas mit Tabakpflanzen und Pflanzern. Ich habe Fantasiezahlen drauf geschrieben, ein Schiffchen aus dem Zettel gefaltet und abgegeben. Als erster. Da ich es eh nicht wusste konnte ich schnell raten und weiter dem Bierkonsum frönen.

Kurz vor der Quizfrage nötigte ich Patrizia noch einen Löwentor mit ihr zu trinken. Ich dachte ich hätte es hinter mich gebracht, aber die Tortour war noch nicht vorbei. Wobei ich hier das Löwentortrinken meine und nicht das Trinken mit Patrizia. Denn das macht einen Höllenspaß. Sie überraschte mich mit einem Brüderschaftskuss. Und nun war ich gezwungen ihn zu erwidern, hatte aber das Problem das mein Mund noch mit Löwentor voll war. Auch auf die Aussicht gleich eine schöne Frau zu küssen, konnte ich es nicht genießen, denn der Löwentor tötete alle Sinne in meinem Körper ab. Nach dem Quiz ging es gleich wieder an die Theke um dort den nötigen Unsinn zu verbreiten. Ich muß nun sagen, das ich mehr und mehr Gefallen an dem Auftakt gefunden habe. Die anfängliche Unlust hat sich gänzlich verzogen und ich war gut drauf und freute mich sogar auf den Schlüsseldienst und vor allem auf die Prinzenpatrouille. Bei dem Prinzenpaar wird das eine wahre Wonne. Ich sollte nicht so viel schleimen. Am Stehtisch eröffnete uns Philip seine Pläne Prinz in Desingerode zu werden. Da seine Freundin aus Desingerode kommt, scheint das gar nicht so weit her geholt. Ich machte mich aber gleich daran eine passende Antrittsrede auszuarbeiten. Die ich hier aber nicht präsentieren kann, da ich sonst die Gefühle der Desingeröder verletzen würde sonst die Überraschung weg wäre. Die Uhr tickte ja unaufhörlich in Richtung Mitternacht, meiner Übernahme der Theke. Da ja Schlüsseldienst bestand. Schöne Bescherung.

Und so kam es auch. Kai und ich wurden hinter die Theke beordert und mußten schuften wie die Kumpels in der Zeche. Bier zapfen ist unglaublich anstrengend. Ewig läuft das Rinnsal an köstlicher Flüssigkeit aus dem Hahn und man darf nicht davon kosten. Jedenfalls nicht wie man will. Die Zapfpausen wurden pfleglich mit Bier überbrückt. Ein Gutes hatte es aber, denn man gab nicht so viel Geld aus. Und was noch sehr von Vorteil war, war das man von den Tanzwütigen so ziemlich sicher war. Vorerst, denn es gibt ja immer ein paar Mutige die den Vorstoß wagen. Die erste war Ramona, die mich ohne zu fragen auf die Tanzfläche zerrte. Also mußte ich tanzen. Derart eingeschüchtert von den ganzen Lichtern verzog ich mich gleich wieder hinter die Theke wie ein Reh das aus dem Lichtkegel des heranrasenden Autos flüchtet. Natürlich brachte ich Ramona erst wieder zurück an die Theke, als Gentleman gehört sich das ja. Ich konnte mich dann aber schnell wieder retten, da ich ja Thekendienst hatte. So bleib es auch eine Zeit lang recht ruhig. Bis dann Patrizia auf die gleiche Idee kam und mich ebenfalls auf die Tanzfläche zerrte. Warum bin ich auch so willenlos. Dort drehten wir uns wohl ein paar mal zu schnell, denn Patrizia wurde sehr schwummerig. Natürlich hatte das ganze nichts mit Löwentor oder anderen alkoholischen Getränken zu tun. Nicht die Bohne.

Hinter der Theke hatte sich eine seltsame Spannung aufgebaut. Zunächst mal waren alle voll. Sowohl vor der Theke, als auch hinter der Theke. Dann fing Kai an mich zu schubsen und ich schubste zurück. Plötzlich sprang Kalle S. zwischen und und wir waren ein großes Knäuel an Fleisch das unkontrollierbar hinter der Theke rumtorkelte. Als absoluter Höhepunkt gesellte sich dann noch Böning dazu und wir gerieten außer Kontrolle. Als wir dann fertig waren, hatten wir sehr viel zu lachen und Kai eine Schnittwunde am Hals, die nicht zu knapp blutete. Wir lachten, er weinte. Er versorgte sie fachmännisch und wir klatschten ab. Ich kann nun im Nachhinein nicht mehr nachvollziehen, wie es derart eskalieren konnte, aber es hat Spaß gemacht. Auch wenn mein Arm jetzt ein wenig blauer als zuvor ist.

Hinter der Theke bekommt man meistens nur die Hälfte mit. Doch was meine trockenen Augen plötzlich sahen, konnte ich zunächst nicht glauben. Es fing ganz harmlos an. Vollmer stand auf dem Tisch und tanzte. Gut, das hört sich jetzt schon wieder nach einer Eskalation sonder gleichen an, aber man möge mir Glauben schenken, das ist für Vollmer normal. Entweder hat es was mit seinem Zwergenwuchs seiner größere zu tun oder er hat eine natürlich Zuneigung zu Tischen und Hockern. Aber Patrizia war ja nicht ganz unschuldig an der ganzen Geschichte, hat sie ihn ja dazu verführt auf den Tisch zu steigen und gemeinsam haben sie sich dann die Tischdecke um die Beine getanzt. Patrizia war mittlerweile wieder vom Tisch und dafür wurde sie dann vom Kai abgelöst. Plötzlich hatten sie aber Zepter von Prinz und Prinzessin in der Hand. Ich kann nicht mehr mit Gewissheit sagen, wie sie daran gekommen sind, aber sie waren plötzlich da. Und was nun folgte war ein Mißbrauch der Insignien der so in der Geschichte des WCC noch nicht vorgekommen ist. Die Zepter wurden dazu mißbraucht um sich gegenseitig den Hintern zu versohlen. Weiterhin wurde angedeutet, das sie in …. in…. ich wage es gar nicht nieder zu schreiben, so erschütternd ist es… in diverse Körperöffnungen eingeführt wurden. So jetzt ist es raus. Der Saal grölte und Nollau machte Fotos. Fotos, die noch mit ziemlicher Sicherheit als Beweismittel vorgelegt werden. Ich glaube das hohe Gericht wird im kommenden Jahr nur ein Fall behandeln. Den Fall Vollmer-Walter, damit sind sämtliche Ausgaben für die kommende Saison gedeckt.

Zu dem Zeitpunkt war der Großteil der Gäste schon gegangen und der Elferrat war wohl der einzige Zeuge dieser Schandtat. Wir haben mittlerweile auch vor die Theke verlegt, da sich das Zapfen nicht mehr gelohnt hat. Ach ja, ich bin dann auch schon auf Bacardi umgestiegen. Es war zwar kein öffentliches Getränk, aber wir hatten noch eine angefangene Flasche im Archiv. Und als die alle war machte ich mir um nichts mehr Gedanken, sondern trank munter Asbach. Ich weiß, ich bin tief gesunken. Der Prinz forderte seine versprochene Prinzenpatrouille, die ich ihm leider verweigern mußte, da der Kai schon vorher die Biege gemacht hat und ich die Theke abschließen mußte. ER hatte aber vollstes Verständnis. Man kann sich jetzt aussuchen auf welchem Wort die Betonung lag. Er fragte mich noch ob er denn unbedingt die ihm überlassenen Utensilien (2 x Zepter, Schlüssel und eine Kiste) mitnehmen müsse. Ich riet ihm dazu, denn ansonsten ist am nächsten Tag nur noch die Hälfte davon da. Es muß ein lustiges Bild gegeben haben, wie Sylvia und er mit der Kiste in der Mitte durch das Dorf getorkelt sind. Ich hätte zu gerne die Patrouille gemacht, aber leider war ich verhindert. Vor der Theke habe ich mich noch ein wenig mit Susanne unterhalten, bis die dann mit Görtler auch die Biege gemacht hat. Die einzigen Überlebenden waren dann Kalle, Karlchen und ich. Und wir machen nach einer gehörigen Portion AC/DC auch Schluß. Ein nächtlicher Anruf bei Schnitzel brachte mir Sicherheit, das auch er zu Hause war. Es hätte ja schließlich sein können, das es in der Werkstatt noch rund gehen würde. Denn müde war ich schon lange nicht mehr!

Der Sonntag war leicht im Eimer. Nach dem Aufräumen war nicht mehr viel angesagt. Schnitzel Tobi und ich besuchten noch den Morchel im Krankenhaus und dann war der Tag auch schon rum.

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