Obstler-Horror

Ich habe gebrochen. Zwar nicht in die Ecke, ins Gebüsch oder auf meine Schuhe, aber mit meinem Versprechen. Ganz dunkel meint man sich zu erinnern, das ich am Ende meines letzten Eintrags ein Versprechen abgegeben habe, das ich keinen Obstler trinken würde. Leider ist mein Gedächtnis zur Zeit nicht gut, da mir eine Menge Informationen durch den Kopf jagen (regelmäßiges Atmen, Essen, Trinken, Trinken, Trinken, Auto fahren und Atmen) daher kam es zu exzessiven Obstler Konsum und das auch noch am Freitag. Und das kam so…

Am Freitag hatten wir das Oktoberfest der Mannschaft geplant. Es war als Ersatzveranstaltung für eine Mannschaftsfahrt geplant, da die dieses Jahr nicht stattfinden konnte. Durch einen sehr straff organisierten Spielplan bleib kein freies Wochenende für eine Fahrt in eine Metropole in Deutschland. Für’s erste. Denn aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Wir werden diese Fahrt noch machen und das wird eine Riesen-Gaudi. Ich prophezeie schon mal einen mehrseitigen Bericht. Ganz entgegen meiner Gewohnheit. Aber bleiben wir im Hier und Jetzt. Wir suchten uns den Freitag aus, da Sonntag das nächste Spiel war. Das Training sollte früher statt finden und somit konnten wir pünktlich um 2000 Uhr beginnen. Da ich mit zum Organisationskomitee gehörte fand ich den Weg zum Sportplatz schon ein wenig früher. Den Nachmittag hatten wir damit verbracht die ganzen Sachen einzukaufen und zum Tennishaus zu bringen, da konnte ich es mir natürlich nicht nehmen lassen, vorweg schon einmal eine Kostprobe des Hefe-Weizen zu nehmen. So dachte ich zumindestens. Denn als ich dann gegen 1930 Uhr mit einer großen Tüte frisch aufgebackener Brezeln zum Sportplatz runter ging, war die Mannschaft noch beim Training und Ingo saß dabei und guckte zu. Er wollte ja eigentlich zum Training gehen, aber hat wohl irgendwie die Zeit verpennt. So sagt er zumindestens. Mir war es recht, denn so sah es nicht ganz versoffen aus, wenn ich mir vor allen anderen ein Hefe rein kippte. Doch Ingo mußte nochmal nach Hause und überließ mir die alleinige Pflicht, die Getränke auf Güte zu prüfen. Eine harte Aufgabe, aber Jemand mußte sie machen. Ich opferte mich quasi für die Allgemeinheit. Nicht auszudenken, wenn mit den Getränken etwas nicht stimmen würde und die gesamte 1. Mannschaft des FC Westerode außer Gefecht gesetzt worden wäre.

Also betrat ich alleine, nur mit 40 Bretzeln bewaffnet das Tennishaus und fand die üblichen Verdächtigen vor. Titte, Carsten, Macker, Ottmar und Rita. Ich würde standesgemäß mit einem Pils begrüßt. So gefiel mir das. Doch das dicke Ende kommt ja zum Schluß und mir wurde de nächste Runde aufgehalst. Nebenbei wurde mir üble Vergehen unterstellt. Titte, eigentlich ein recht verlässlicher Nachbar, der nun ständig zu dicht am Feuer steht und andauernd Asche im Haar und an anderen behaarten Körperstellen hat behauptet, das meine Unterbuchse auf dem Kopf einer nicht näher genannten Statue in Westerode positioniert wurde. Alles Lüge und böse Verleumdung, da ich keine Unterbuchsen besitze da ich so etwas nie machen würde. Ich habe ja schon viel angestellt und an diversen Stellen in Westerode genächtigt, aber meine Unterwäsche hatte ich dabei immer anbehalten. Ich vermute etwas ganz anderes hinter diesen haltlosen Behauptungen. Ich vermute Titte war es selber kennt diesen Jemand ganz gut und will so von seiner dessen Tat ablenken. Man sollte eine DNA-Probe nehmen, vielleicht gibt es sogar graue Haarproben.

Das Bier schmeckte jedenfalls hervorragend und als dann Philip die Bude betrat gab es gleich die nächste Runde. Oha, ich hatte da eine ganz leise Vermutung was die vor hatten. Aber ich machte mir nichts daraus und nahm dankend das nächste Pils an. Genau wie den Schnaps. Das ganze Spiel ging dann noch bis Andre weiter und dann löste sich die Veranstaltung so langsam auf. Mittlerweile war es auch schon 2000 Uhr geworden und die Party sollte bald los gehen. Also waren schon vor offiziellen Beginn der Feier, 4 Bier meine Kehle hinunter gelaufen und dabei wollte ich nur Hefe-Weizen trinken, weil das ja so gut für die Haut sein sollte. Aber nun hatte das Weizen freie Bahn. So nach und nach trudelten dann auch der Rest vom Training ein. Wir hatten zwar im Vorfeld gesagt, das die gesamte Party mit Frauen statt finden sollte, aber irgendwie sind da ein paar Informationen schief gelaufen, denn es sind nur Sabrina und Susanne mitgekommen. Alles halb so wild. Ein paar der Männer konnte ich auch fast ansehen, das sie gar nicht so viel dagegen hatte, das ihre Frauen nicht mir von der Partie waren. Ich kann mich auch täuschen und einen leicht verschleierten Blick gehabt haben. Die Böden der Weizen-Gläser sind ja immer recht dick. Als feste Nahrung wurde dann Weißwürste, Leberkäse, Bretzeln und Radi gereicht. Die Radi hat Ingo persönlich ausgesucht und ganz schön große Lumpis ausgesucht. Allein die Form beflügelt den normalen Geist und es war klar, das jeder, aber auch wirklich jeder einen dummen Spruch zu den, mit ziemlicher Sicherheit genmanipulierten Radis hatte. Das Essen wurde recht gut angenommen. Leider kann ich ja an Leberkäse nicht so richtig ran. Ich weiß nicht warum, aber er schmeckt mir stets zu lasch. Besser sind da schon die Weißwürste. Ich esse sie gerne. Kann sie zwar nicht das ganze Jahr essen, aber zu der Zeit des Oktoberfest kann man davon eigentlich nicht genug bekommen. So hielt ich mich dann an Weißwurst und Käsebrocken. Man muß sich ja eine solide Grundlage schaffen. In meinem Hinterkopf hatte ich ja immer noch das Versprechen das ich keinen Obstler anrühren werde. Ich hoffte stark zu bleiben, wenn die Gretchen-Frage kommen würde.

Das Essen war vorbei und ich hatte mittlerweile aufgehört zu zählen, wie viele Weizen ich getrunken hatte. Teilweise aus Angst Desinteresse und teilweise weil ich vergessen hatte eine Strichliste zu führen. War vielleicht auch besser so. Die Zunge wurde so langsam locker und mit den vorweg getrunkenen Bieren haben die Augen schon einen leichten Dämmerzustand angenommen. Ich hatte auch noch einen taktisch klugen Platz an der Theke eingenommen. Allerdings davor und nicht dahinter. Dort führten Biensi und Fasel ein strenges Kommando. Ich hatte somit einen guten Beobachtungsposten und hätte sämtliche Getränkebestellungen aufzeichnen können. Wohlgemerkt hätte können, denn dazu hatte ich wenig Lust. Sollte ich jetzt aber eine Schätzung abgeben, welcher Teilnehmer die Theke am meisten frequentiert hat, dann wäre das mit größten Abstand der Florian. Er hatte wohl einen thekennahen Platz bei den Tischen und wurde so zum Bier holen geschickt. Wenn man das ganze großzügig auslegt. Vielleicht lag es aber auch daran, das er sein Bier immer als erstes ausgetrunken hatte. Was wohl eher zutreffen wird. Ach ja, als Bier-Sorten gab es Hefe hell und dunkel und den Knock Outer schlecht hin. Oktoberfestbier. Ich hatte einmal das Vergnügen mich daran zu laben. Und habe es wie immer übertrieben. Es war einübend mit wenig Erinnerungen und einer Menge Kopfschmerzen. Wobei, warten wir mal ab wie sich dieser Abend entwickelt….

Nach dem Essen ging es dann los. Da wir Obstler gekauft hatten mußte auch Obstler getrunken werden. Selbst beim Einkaufen habe ich Andre und Ingo beteuert, das ich keinen Obstler trinken werde. Sie lachten mich aus. Wie sollt eich auch ahnen, das Ingo die erste Runde in die Hand nahm. Auf die Frage, welchen ich denn bevorzugen würde, Birne oder Kirsche, antworte ich mich einem entschiedenen Nein! Das schien aber keinen zu interessieren, denn man schüttete mir eine Mischung aus Beiden ein. Super, so kam ich also zu einem KiBi. Schmeckte auch so, wie er sich anhörte. Ich sage nur Schlag ins Gesicht. Mein Gesicht zeigte sein wahres Können und verzog die Muskeln in ungeahnte Formen. Das hinderte die Anderen aber nicht daran mir weiterhin Obstler ein zuschütten. Sie selber tranken ja auch mit. Als besonders schlimm, möchte ich hier den Stopper hervor tun. Er trägt einen Großteil der Schuld an meinem Zustand an dem besagten Abend. Nachdem die erste Runde eingeschenkt wurde, konnte man ihn ganz leicht beschreiben. ”Stopper, das ist der junge Mann mit der Obstler-Flasche in der Hand.“ Ich glaube wenn Stopper Schnaps sieht, dann freut sich sein Herz. Anders kann ich mir seine Vorliebe für Schierker Feuerstein nicht erklären.

So ging es dann munter weiter. Neben dem Obstler wurde auch immer kräftig an den Hefe-Vorräten gezehrt. Nicht das wir nicht genug eingekauft hätten. Aber wir wollten mit aller Gewalt dem Weizen zeigen wer hier die LederHosen an hat. So ein bisschen bayrisches Bier und dieses Obstwasser kann doch einen gestandenen Eichsfelder nicht umhauen. Vorsichtshalber versteckte ich mein Glas bei einigen Obstlerrunden, aber ließ dafür mein Weizen-Glas bei manchen Runden zweifach voll machen. War ja nur Bier, das kann man ja trinken. Irgendwann in dieser Zeitspanne mußte es passiert sein. In meinem Kopf ist ein Unvorsichtiger Gedanke gegen den Schalter für die Archivierung gekommen und hat somit einen Wackelkontakt ausgelöst. Denn alles erlebte konnte nicht abgespeichert werden. Ich versuche trotzdem das wieder zu geben, was noch gerettet werden konnte. Unzensiert, so weit es möglich ist. Es kann auch diesmal kein Titel vergeben werden. Denn Strammsack des Abends waren alle Anwesenden. Vielleicht Susanne nicht, aber der Rest der Anwesenden auf jeden Fall. Besonderes Highlight ist ja bei solchen Veranstaltungen immer der Vollmer. Zunächst versuchte er sich als DJ. Doch normal kann ja jeder, als nahm er die Würstchenzange zur Hilfe. Zu meiner Überraschung hat er es auch recht gut hin bekommen. Nachdem er dann lautstark seine Sympathie für Kelly Clarkson kund getan hat wollte er dann noch unbedingt etwas bayrisches hören. Ich kann nun nicht mehr sagen, ob er was gefunden hat, aber plötzlich stand er auf einem Stuhl und tanzte. Es ist schwer diesen Tanzstil zu beschreiben, aber es sieht einfach gut aus. Und akrobatisch. Und halsbrecherisch. Zum Glück hat Vollmer einen guten Schutzengel, der entweder genau so viel trinkt wie er oder aber rein gar nichts und umso aufmerksamer wird, je voller Vollmer ist. Die Show war jedenfalls grandios. Derart ausgepowert mußte er sich erstmal auf einen Hocker niederlassen. Nun war die Zeit gekommen. Wir waren lange genug anständig gewesen und haben nur ab und an anzügliche Sachen vom Stapel gelassen. Der Radi musste seiner wahren Bestimmung zugeführt werden. Vollmer wurde als mir einem mächtigen Gemächt ausgestattet. Und es wurden Fotos gemacht. Wer weiß, vielleicht kann man die ja mal bei einer Hochzeitszeitung benutzen.

Der Rest der ganzen Mannschaft war aber mindestens genauso stramm. Und ich will mich da jetzt nicht raus nehmen. Ich kann aber ganz klar den Schuldigen benennen. Es war der Obstler. Plötzlich übermannte mich die Müdigkeit und mir fielen zeitweise die Augen zu. Das sah nach außen hin vielleicht wie schlafen aus, aber es war lediglich eine Funktionsüberprüfung der Augenlieder. Außerdem führe ich gerade einen Test durch in dem ich mit geschlossenen Augen die Stimmen ihren Besitzern zuordne. Das kann für den Laien natürlich schnell mal wie schlafen aussehen. Ich machte auch den Fehler mich neben Anselm zu setzen. Vielleicht setzte er sich auch neben mich, als ich gerade die Funktionsüberprüfung gemacht habe, ich kann es nicht mehr sagen. Anselm ist für mich aber ein wahres Phänomen. Er kann Schnaps trinken, als wäre es Wasser. Dabei rede ich von jedem Schnaps und man merkt es ihm absolut gar nicht an. Er kippte mir weiterhin Obstler ein und ignorierte meine Trinkverweigerung. Ab und an versuchte ich meinen ruf zu retten und kippte den Schnaps hinunter, aber das war alles keine gute Idee. Anselm kippte nämlich immer nach. Auch als ihn warnte und sagte, das ich bei einem weiteren Schnaps das ganze Bier auf dem falschen Wege aus dem Körper befördern würde. Ich wählte den Weg des stillen Widerstandes und trank einfach nicht mehr. Zwischenzeitlich kam die Idee auf mal in die Werkstatt zu fahren und jedes mal war ich bereit dazu. Hört sich sehr schlimm an. Zum Glück haben wir den Aufbruch nie richtig geschafft.

Die Zeit des Aufbruchs kam und ich war froh, denn ich war schlichtweg fertig. Wir waren mal wieder die letzten und haben es gerade noch so hin bekommen die Hütte abzuschließen. Es war aber auch keiner mehr in der Lage geradeaus zu gehen oder klare Sätze zu sprechen. Nur Anselm legte einen Schritt vor, bei dem keiner mit halten konnte. Aus verlässlichen Quellen weiß ich von den Leuten die etwas früher abgehauen sind, das es bei denen auch nicht mehr so einfach war. Zum Glück wird bei uns Teamgeist groß geschrieben und sie haben sich alle gegenseitig nach Hause gebracht. Der Weg war zwar um einiges länger als normal, aber wie bewiesen wurde kann man die Blumenau auch von rechts nach links begehen und man kommt ans Ziel. Trotz des Nebels kamen wohl alle gut nach Hause. Die nicht in Westerode wohnten ließen sich mit dem Taxi abholen und Matze schaffte es erneut mit seinen Tanzeinlagen die Insassen des Taxis zu begeistern. Ob sie sich wirklich freuten wage ich nicht mit Sicherheit zu sagen, denn sie waren schnell im Nebel verschwunden. Ich freute mich auf mein Bett und hoffte das es auf Gegenseitigkeit beruhte.

Samstag Morgen. Die Uhr zeigte 0812 Uhr und mein Kopf hatte die Ausmaße von Niedersachsen. Die Ruhephase dauerte mit stündlicher Weckung durch meinen Schero bis 1038 Uhr an, dann hielt ich es nicht mehr aus. Ich stand auf und fuhr zum Aufräumen. Allein. Zum Glück hatten wir mit Rita und Titte vorher einen Deal gemacht, so daß wir nicht sauber machen mußten, sondern nur die Sachen raus räumen mußten. Das habe ich gerade noch alleine hin bekommen. Doch die Tortour des Tages stand mir noch bevor. Direkt nach der ersten festen Nahrung mußte ich in Uniform zur Jugendfeuerwehrdelegiertenversammlung. Die Veranstaltung ist genau so spaßig wie sie sich anhört. Und mein Kopf hatte langsam aufgehört zu hämmern. Doch auch das ging vorbei und ich habe während der Zeit dort schon einen Teil meiner Rede für die JHV vorbereitet. Denn ich regte mich erneut über einen Kameraden in einer Führungsposition auf, mit dem ich bei einer anderen Versammlung schon mal aneinander geraten bin. Aber auch er soll an offizieller Stelle sein Fett weg bekommen. Diesmal von mir. Wie man in den Wald ruft, so schallt es heraus. Doch ich will mich hier nicht aufregen, das hebe ich mir für die Rede auf. Außerdem brachte das Ende der Versammlung den Beginn der Abendplanung mit. Im Zuge des Oktoberfestes haben wir schon beschlossen, das der Samstag Abend in Göttingen verbracht werden sollte. Und zwar im JT-Keller. Aufmerksame Leser vermuten jetzt vielleicht eine Rettungsmission in Sachen verlorener Telefonnummer. Und sie haben vollkommen recht. Ein kleiner Funke Hoffnung glimmte noch vor sich hin, das ich Nina wieder treffen würde. Und ich hatte keine Angst vor einer Abfuhr, denn ich hatte mir schon eine Entschuldigung zu recht gelegt. Die Wahrheit. Alles andere wäre von Beginn zum scheitern verurteilt. Die Wahrscheinlichkeit, das ich sie wieder treffen würde, war kleiner als 0,1% (man bedenke mein Glück in den letzten zwei Jahren bei solchen Sachen), aber ich war noch nie gut in Wahrscheinlichkeitsrechnung.

Ingo bot sich als Fahrer des Abends an, da er am nächsten Tag für das Fußballspiel fit sein wollte. Ich bedauerte ihn ein bisschen und willigte dann ein. Doch er wollte die zusätzliche Zeit nutzen um noch ein wenig zu lernen. Aber lernen wollte ich ja nicht mehr, höchstens leeren und zwar Bierflaschen. Ich hatte mir nämlich wohlweislich zum Vorsatz gemacht, an dem Abend nur Bier zu trinken. Die Kopfschmerzen vom Vorabend sollten nicht noch einmal vorbei kommen. Also trafen Schnitzel, Böning und ich uns erstmal im Feuerwehrhaus. Wo auch sonst. Dort gab es Bier, Erdnüsse und Abendunterhaltung in Form von Wetten das…? Ich muß ja zugeben, das ich das seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen habe. Und ehrlich gesagt sieht Thomas Gottschalk immer bekloppter aus in seinen Klamotten. Aber zum Glück kam dann ja noch Jennifer Garner, die einiges raus riß. Die Gäste waren ansonsten Durchschnitt und die Wetten waren um Längen besser als ich noch jung war und Wetten das zum Höhepunkt des Monats gehört hat. Allerdings hat mich das Wenden des Doppeldeckerbusses auf der Brücke doch beeindruckt. Ich wäre da wahrscheinlich vom Gaspedal gerutscht und hätte es voll durch gelatscht. Und das ZDF hätte dann von den GEZ-Gebühren den teuren Bus bezahlen müssen. Das wollen wir ja nicht. Also melde ich mich da nicht an. Aber es war immerhin eine gelungene Verkürzung der Wartezeit. Ingo tauchte dann ein wenig später auf als geplant, was aber nicht so schlimm war, denn wir hatten ja noch Pils.

Als wir dann in Göttingen angekommen waren, telefonierte der Schnitzel erstmal mit dem Vollmer, der ja auch mit von der Partie sein sollte. Der lag aber schon im Bett, was zu völligem Unverständnis bei Schnitzel führte. Wir drohten ihm trotzdem das wir gleich vorbei kommen würde um ihn abzuholen. Er faselte irgendwas von Klingel abstellen und umziehen und legte auf. Also würde er dann doch eine Spaßnacht verpassen. Da es noch etwas zu früh für den JT-Keller war nahmen wir eine taktisch kluge Position im gegenüberliegenden El Sol ein. Nach anfänglicher Platzunentschlossenheit nahmen Ingo und ich die Gelegenheit war und nahemen einen recht zentralen Viertisch in Beschlag. Ohne allerdings vorher die Lage zu überprüfen. Aber wir waren Glückskinder. Zumindestens schien Ingo eins zu sein, denn es war zwar nicht mehr allzu viel los, aber wir waren umrundet von hübschen Frauen. Ich wusste gar nicht wie rum ich meinen Kopf drehen sollte, damit ich mir die hübscheste immer im Auge behalten konnte. Dabei nahm ich auch die knackenden Geräusche aus meinem Genick nur halb war. Wie sich herausstellte, war unser Glück nicht von langer Dauer, denn nach und nach brachen die Schnitten zu anderen Locations auf. Wir hofften alle das die Location der JT-Keller war. Doch sie machten auch die Blicke frei auf die hinteren Plätze, wo ich dann eine meiner Favoritinnen gesehen habe. Sie saß weit hinten, und kam auf ihrem Weg zu den sanitären Einrichtungen an uns vorbei. Schulterlange, blonde Haare und körperlich genau mein Typ. Leider konnte ich nichts sagen, denn mein Mund stand offen und war ausgetrocknet. Ich hoffte nur auf ihren Weiterzug in den JT-Keller.

Gegen den trockenen Mund konnte schnell Abhilfe geschaffen werden, denn in meiner weisen Voraussicht habe ich mir einen Zombie bestellt. Ja ja, jeder trinkt was er ist. Außerdem schmeckt der Zombi unglaublich lecker, hat er auch drei Sorten Rum in sich vereinbart. Und er bringt einen weit nach vorne. Komischerweise schmeckte ich kaum Alkohol, die Zombies die ich immer jeden Abend selber zubereite haben eindeutig mehr Bums. Gut, damit hält man zwar nicht so lange durch, aber man hat mehr Spaß. Ingo beschämte mich ein wenig, in dem er sich eine Pretty Lady bestellte. Aber er ist ja gefahren, daher sagte ich nichts. Ich hoffe er besinnt sich wieder anständiger Getränke, wenn wir erst mal in den den JT-Keller eingerückt waren. Was auch recht zeitnah passierte, denn die oben erwähnte junge Dame verließ mit ihren Freundinnen auch das El Sol. Leider konnten wir ihren weiteren Weg nicht verfolgen, aber ich sah aus den Augenwinkel, das die Anderen die gleichen Hoffnungen hatten wie ich. Oder aber, sie mußten dringend auf die Toilette. Die Befürchtung das wir anstehen mußten hat sich schnell zerschlagen, denn es war keine Schlange vor dem JT-Keller, nur ein paar vereinzelte Gruppen standne herum und waren sich wohl unschlüssig, ob sie hinein gehen sollte. Uns war es recht, denn so kamen wir schnell dran. Ich konnte mich zu den Glücklichen zählen, die mal wieder den Eintritt gespart haben, denn ich kannte den Kassierer. Ein alter Schulkollege und da blieb ich dann auch kurz stehen um über alte Zeiten zu plaudern. Die durchaus trockene Luft trieb mich dann aber schnell weiter, außerdem hatte ich die Befürchtung das sich Ingo, Schnitzel und Böning schon wieder im Tanzwahn an den heißen Frauenkörpern reiben würden, die mit ziemlicher Sicherheit da waren.
Mein erster Weg führte jedoch zum Getränkestand an der Jackenabgabe. Das war sie jedenfalls früher mal, denn die Jackenabgabe wurde verlegt. Und verschlechtert. Denn ich traf die Anderen kurz hinter der Theke. Auf die Frage was denn los sei, sagte Ingo nur, das man immer noch anstehe um drei verpissten Jacken abzugeben. Aha, doch so schnell. Zum Glück behielt ich meine Jacke an. Es war zwar warm wie in der schwedischen Sauna, aber mit Jacke fühle ich mich immer wohler, außerdem hatten die Anderen auch Pullover an. In weiser Voraussicht hatte ich nur ein T-Shirt angezogen. Das hilft natürlich im JT-Keller, aber auf dem Weg nach Hause, hätte ich ein Problem. Aber so weit sind wir ja noch nicht. Also besorgte ich mir ein Pils und wartete. Das Gute an der Geschichte war, das so ziemlich alle ihre Jacke abgeben wollte und von mir während der Wartezeit schon mal begutachtete werden konnten. Nicht das ich das mit Absicht gemacht hätte, aber ich mußte ja eh auf die Anderen warten, da konnte ich ja auch mal gucken was sich alles für hübsche Frauen dort rum trieben. Man mußte ja auch im nüchternen Kopf gucken. Und vor allem hielt ich natürlich Ausschau nach Nina. Schnitzel warnte mich schon vor, das er mir heute Abend eine Freundin suchen würde. Aber ich kenne ja Schnitzel, er hatte ja auch schon ein paar Drinks genommen. Währen dich dann so wartete und meine Zunge mit aller Gewalt daran hinderte unkontrollierte aus meinem Mund zu hängen, traf ich dann den Tallauer. Der mich ebenfalls auf die Geschichte mit der verlorenen Telefonnummer ansprach und ob ich heute wieder auf Ausschau wäre. Verdammt, wer doch alles mein Logbuch liest. Wir unterhielten uns kurz und er schwärmte mir erstmal vom JT-Keller vor. Eigentlich stimmten wir zusammen eine Lobhymne auf den Laden an. Wer die Gelegenheit hat und in Göttingen ist, der sollte sich diesen Club nicht entgehen lassen. Es lohnt sich wirklich.

Gefühlte drei Stunden oder getrunkene zwei Bier später waren dann die Jacken endlich am Haken und wir konnten uns ins Getümmel stürzen. Allerdings kamen wir nicht weit, denn der Hauptraum hatte sich bereits beträchtlich gefüllt. Unter anderem mir wahnsinnig hübschen Frauen. Wo man auch hin guckte sah man hübsche Frauen in aufreizenden Oberteilen und teilweise viel zu engen Jeans. Man gut das es Becks gab, so hatte man etwas an dem man sich festhalten konnte um nicht gänzlich dem Wahnsinn zu verfallen. Wir entscheiden uns zunächst für einen Standort nahe der Tür, dort war die Luft noch recht angenehm und es waren genügend Frauen da. Und ich traf meine erste Favoritin. Sie stand bei einem Pärchen in der Nähe und gehörte wohl auch dazu. Allerdings interessierte sich das Pärchen wohl mehr für die Untersuchung ihrer Mandeln, als für die Freundin. Ich vermutete das es beide angehende HNO-Ärzte waren. Sie stand dann etwas abseits und stellte sich immer näher zu uns ran. Mein Zeitfenster war aber noch lange nicht da, dafür hätte ich statt dem Becks noch einen weiteren Zombie trinken müssen.

Da der Standort an der Tür immer recht gedrängt ist und man eigentlich gar nicht ruhig stehen kann verlegten wir etwas weiter nach vorne. Erstens war da die Theke und zweitens hatte ich mir schon eine zweite Favoritin aus geguckt. Sie passte perfekt in mein Schöhnheitsbefinden. Sie war brünett, ein wenig kleiner als ich und hatte einen tollen Körper. Definitiv nicht zu dünn. Also genau mein Typ. Wie so oft, wenn ich mich in eine Frau vergucke. Sie tanzte ekstatisch in der Nähe der Theke. Da war ja eigentlich keine Tanzfläche mehr, aber an einem normalen Abend im JT-Keller interessierte das eh keinen. Ich war auch der Meinung das wir ein- oder zweimal Blickkontakt hatten und sie dabei gelächelt hatte. Das konnte ja schon mal kein allzu schlechtes Zeichen sein. Als ging es auf in den Kampf. Der Kampf um die Theke zu erreichen, nicht um sie anzusprechen. Ihr wisst schon, das Zeitfenster. An der Theke wurde dann weiterhin Bier geordert. Ich wollte einfach meinem Vorsatz treu bleiben. Den Zombie haben ich mir gerade noch verziehen. Allerdings hatte man von derart weit vorne auch einen besseren Überblick, wenn einem die Brillengläser nicht beschlagen würden. Aber auch das geht vorbei. Und siehe da, perfekter Einblicke in die Tanzkultur junger Damen. Sehr nett anzusehen und ich meine auch das ein oder andere Lächeln zu mir rüber geschickt bekommen zu haben. Vielleicht hat sie auch gedacht ich lache sie an, bei meiner Freude über ein weiteres Bier. Doch kurze Zeit später wurde es ihr wohl ein wenig zu warm und sie verschwand in den Bereich aus dem wir kurze Zeit vorher gekommen waren. Sollte das etwa eine Probe sein? Ich behielt sie im Blick und guckte immer verschüchtert weg, wenn sie zu mir rüber sah. Doch plötzlich stand sie dort nicht mehr, sondern begab sich wieder auf die Tanzfläche. Nicht auf direktem Weg, sondern so, das sie an uns vorbei mußte. Nun kam es drauf an. Viel Zeit zum Überlegen hatte ich eh nicht, denn sie war bereits in der Nähe. An uns vorbei mußte sie auf jeden Fall, weil wir uns so hingestellt haben, das wir möglichst viel Weg versperren gar nicht anders stehen konnten, in dem Gedränge. Ingo stand mir gegen über und mußte einen Schritt vortreten, damit sie dann hinter ihm lang gehen konnte. Zuerst wollte ich ihn am Kragen packen, damit wir schnell die Position wechseln konnte, aber als ich dann ihr zauberhaftes Gesicht und das dazu gehörige Lächeln sah, das mit großer Wahrscheinlichkeit mir galt, ließ ich von dem Vorhaben ab. Nach weiteren fünf Minuten war ich dann wieder in der Lage Bier zu trinken. Leider war das Zeitfenster noch zu weit weg und da ich ein notorischer Feigling und Nicht-Tänzer (nur aus Rücksichtnahme auf meine Mitmenschen) bin, ging ich nicht hinter her. Kurze Zeit später war sie dann nicht mehr zu sehen, nur noch ihre Freundin die nicht so mein Fall war. Ich kam mir vor wie ein Fischer, der gerade gemerkt hat, das durch seine Faulheit sein Netz zu stopfen gerade ein ganzer Fang Fische durch die Lappen gegangen ist. Ich muß unbedingt daran arbeiten. Gleich Morgen fange ich damit an!
Was nun kam hat meine Sinne schon überreizt. An einem normalen Glashaus-Abend kann ich mich auf ein oder zwei Frauen einpendeln. Frauen bei denen ich sagen würde, die gefallen mir vom optischen her sehr gut bis perfekt. Aber an einem JT-Keller-Abend, kann man die Zahl mit fünf multiplizieren. Was wohl auch daran liegt, das ich mehr auf den Typ Frau stehe, der im JT-Keller unterwegs ist. Nicht die aufgedonnerten Disco-Schicksen, sondern die Frauen die normal bleiben und sich auch so anziehen und geben. Meine Favoritin aus dem El Sol war jedenfalls auch anwesend und war des öfteren an der Theke zu sehen. Auch wenn ich nicht viel gar nichts von Mode verstehe, sind Stiefel schon was sehr nettes. Gepaart mit einem Rock, kann das schon manche Männer zur Weißglut treiben.

Nach diesem aufreibenden Erlebnis wagten Ingo und ich einen Vorstoß in die nähere Umgebung der Tanzfläche. Ein sehr heikles Unterfangen, denn man weiß nie ob man lebend wieder zurück kommt. Die Luftfeuchte stieg plötzlich auf Tropisch an und mein Flüssigkeitshaushalt wurde vom Becks gerade so ausgeglichen. Aber das war es wert. Man hat zwar nicht aktiv getanzt, aber weil man ja andauernd irgendwelchen Leuten Platz machen mußte oder ein wenig angestoßen wurde war man immer in Bewegung. Ich nenne es einfach mal passives Tanzen. Nachdem ich kurz auf der Toilette war war Ingo eingekesselt und ich schlug vor wieder zurück an die Theke zu wechseln. Der Vorschlag traf auf offenen Ohren.

Zurück an der Theke mußten wir feststellen, das Schnitzel und Böning sich schon auf dem äußerst bequemen Sofa nieder gelassen hatten. Ein ganz großer Fehler, denn nirgends können einem schneller die Augen zu fallen, als auf einem Sofa. Ich spreche aus Erfahrung habe ich ich doch schon an exotischeren Plätzen geschlafen. Da nun langsam aber sicher die Frauenquote abnahm und man sich bestimmt keine Kerle angucken wollte, die genauso blöd waren wie man selber eine Frau anzusprechen entschlossen wir uns den Heimweg anzutreten. Ich trank noch schnell meine Havana Club Mischung aus und dann ging es los. Ja, ihr habt richtig gelesen. Ich bin umgestiegen auf Havana Club, aber nur weil er so lecker war und…. Was suche ich nach Ausreden. Ich bin halt schwach und gerade bei Havana in großen Gläsern kann ich nicht anders. Die Mischungen waren auch absolut human und nicht zu stark. Als ich den Keller verlassen habe, war ich mir sicher, am nächsten morgen keinerlei Beschwerden zu haben. Man sieht also, das trotz des Alkoholkonsums noch ein halbwegs klarer Verstand über geblieben ist. Zwar ein Verstand der es nicht hin bekommt eine Frau anzusprechen die ihn anlächelt und somit alle Tore auf stößt, aber egal. Mein Verstand und ich sind schon lange keine Freunde mehr. Jedenfalls nicht am Wochenende.

Der Rückweg führte uns über Burger King, da das viele Trinken ein größeres Loch in unsere Mägen gerissen hat, als alles FCKW der Welt jemals hätte anrichten können. Doch im Nachhinein waren wir uns mehr als einig, das ein Döner den Geldbeutel weit weniger belastet hätte und man bestimmt satt gewesen wäre. Von dem leckeren Mundgeruch haben wir nichts erwähnt. Auf dem Rückweg war ich dem Reich der Träume sehr nahe und war dann echt froh, das mein Bett mich wieder hatte. Ich glaube der Obstler hing mir immer noch in den Gliedmaßen. Das war also das Ende eines recht spaßigen Abends. Und nächsten Samstag ist das Boßelturnier. Ich lehne mich jetzt mal ganz weit aus dem Fenster und behaupte das es sehr heftig werden wird. Ich habe da so ein bestimmtes Gefühl.

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