Hochzeit! – Re, keine 90

Wem nun dieser Begriff aus dem äußerst genialen Kartenspiel Doppelkopf nichts sagt, dem sei der Hinweis gegeben, das ich an diesem Wochenende auf Hochzeiten war. Ja, richtig gelesen. Wo der normale Mensch nur eine Hochzeit am Wochenende besucht und danach erschöpft zusammen bricht, habe ich wieder das Wedding-Double-Feature gebucht. Normal kann schließlich jeder. Dank meines monatelangen Training fühlte ich mich sehr gewappnet für diese Herausforderung. Wie sehr sollte ich mich irren! Doch fangen wir am Anfang an.

Nach getaner Arbeit raste ich Richtung Heimat. Doch ich habe die Rechnung ohne die Hammerkranken gemacht, die pünktlich um 1600 Uhr die Straße gen Westerode befuhren. Es reicht nicht, das dort die obligatorischen Geronten mit Hut und wahlweise behäkelter Klorolle auf der Ablage ihr Unwesen auf den von mir vom Steuerzahler bezahlten Straßen treiben. Nein, da müssen auch noch der UPS-Wagen und ein Linien-Bus vor einem her fahren. Und ich rede hier jetzt nicht von eine kurzen Distanz. Es waren die ganzen 25 km. Und dabei war noch so viel zu tun. Der Kärcher mußte den Körper reinigen und die ganze Geschichte fing schon gegen 2000 Uhr an.

Sache? Jaha, die Hochzeit von Steffi und Lars. Der eine seines Zeichens ehemaliger Schulkollege und guter Saufkumpan Freund und die Andere seine zukünftige Frau. Besser gesagt waren sie zu dem Zeitpunkt ja schon vermählt. Doch der aufmerksame Leser hat gerade festgestellt das es ja erst um 200 Uhr losgehen sollte. Also wäre bei einem normalen Feierabend ja noch eine Menge Zeit. Aber das war mir zu dem Zeitpunkt noch gar nicht klar. Denn ich hatte mit dem Doktor verabredet, das wir um 1900 Uhr dort aufschlagen würden. Und jetzt kommt der casus kKnacktus. Die Feuerwehr verwandelte das jährliche Grillfest in eine Art Oktoberfest. Sehr zu meinem Bedauern, könnte ich mich doch in die Tochter eines bayrischen Braumeisters verlieben, wobei mir da die Äußerlichkeiten komplett egal wären.

So habe ich also beschlossen gegen 1730 Uhr bei der Feuerwehr aufzuschlagen um mich dort blicken zu lassen und im Anschluß nach Teistungen durchzustarten. Natürlich würde ich es auch sehr begrüßen, wenn das eine oder andere Weizen den Weg in mein Glas und meine Hand finden würde. Aus 1730 Uhr wurde dann schnell 1800 Uhr und aus 1900 Uhr wurde dann nach einem Anruf von Dr. Dieck schnell mal 2000 Uhr. Zunächst wurde ich gezwungen trank ich mit Freuden ein gekühltes Hefe. Außerdem bat mich der Ortsbrandmeister das Faßbier zu probieren. Das stand schon ein wenig und hatte ein wenig an Bitterkeit zugenommen. Außerdem waren ein paar Schwebstoffe hinzu gekommen. Falls es Jemand trinken sollte, könnte er sich schon mal auf gehörige Kopfschmerzen am Folgetag einstellen. Aber ich trank ja eh lieber Hefe. Das hat die Schwebstoffe schon von Haus aus drin und ist so gewollt. Und die Kopfschmerzen auch.

Das erste Hefe lief also den Schlund rein, als dann der Dr. anrief und mir eine Verlängerung anbot. Ich war dafür und mein blitzschnelles Gehirn rechnete noch zwei zusätzliche Hefe für mich aus. Die Freude war groß. So nach und nach trudelten dann auch die ersten Gäste ein und die Stimmung fing an so langsam gesellig zu werden. Schade, das man das nicht anders koordinieren konnte. Aber ich beschwere mich ja gar nicht, hatte ich ja noch die Aussicht auf eine wunderbare Hochzeitsparty. Unter den gerade eingetroffenen Gästen befanden sich auch David, Ellen und die kleine Hannah, gerade 8 Monate alt. Aus Rücksichtnahme auf die Kleine gingen dann halt auch alle raus zum Rauchen und ich saß dann mit Ellen und Hannah die meiste Zeit alleine drinnen. Ab und an kam dann der David dazu und wir unterhielten uns über dies und das. Doch dann wurde der Hunger groß. Bei den Eltern. David ging los und holte sich was, im Anschluß ging dann Ellen los. Doch was macht wenn man ein Kleinkind hat und Hunger und einen Cousin der mit am Tisch sitzt und nur ein Hefe-Weizen vor sich stehen hat. Ich erkannte die Situation zu spät und schon hatte ich ein Kleinkind auf dem Schoß und einen Arsch voll Verantwortung dazu. Ihre ersten Blicke waren sehr skeptisch, aber dann beruhigte sich die Lage. Ich lenkte sie gekonnt mit Bierdeckeln, Bieruntersetzern und Flaschenöffner ab. Bevor jetzt wieder die ”Ist ja typisch“ Rufe laut werden, möchte ich darauf hinweisen, das nichts anderes, außer meines Hefe-Weizen auf dem Tisch stand. Und ich muß hier mal betonen, das es doch mal Jemand fertig bringen könnte Baby Klamotten mit einem Griff am Rücken zu entwerfen. Ich weiß nie wo ich da anfassen muß und habe ernsthafte Angst da was kaputt zu machen. Nach einer zeit wurde sie dann doch quengelig, weil es dann doch bei Mama und Papa besser zu sein scheint. Ich denke ich habe mich ganz gut geschlagen und erfreute mich meines Weizens.

Vom Hirn kam gleich der Befehl, schnell aus zutrinken, denn die Babyaktion hat Zeit gekostet. War sie aber wert Mittlerweile ist dann auch der Schnitzel eingetroffen und war bereit den Dr. und mich nach Teistungen zu fahren. Dummerweise hatte ich mir gerade ein Hefe eingeschenkt und mußte das ja erst austrinken. Aber auch das ging fix von der Hand. Nach einer sehr ereignislosen Fahrt nach Teistungen waren wir dann am Ziel. Wie es aussah war der Großteil der Baggage schon da. Aber wir kamen zeitgleich mit Manuel an und enterten die Feier. Die Feier die mehr eine Party war, denn es gab keinen Kleiderzwang. Die Zwei haben am Freitag standesamtlich geheiratet und wollten nur klein feiern und ohne Anzugzwang. Fand ich gut und die große kirchliche Trauung kommt ja eh noch im nächsten Jahr. Glaube ich zumindestens gehört zu haben. Die Glückwünsche wurden überreicht und dann wurde dem Rest der Gästeschar die Hand geschüttelt. Leider kam ich nicht umhin, den alten Tischkopftrick anzuwenden. Derart ausgelaugt erkannte der Vater der Braut gleich den Durst in meinen flackernden Augen und versorgte mich mit einem Pils. Und was muß ich sagen, es überraschte mich rein gar nicht das es Bier aus 0,33 l Gläsern war. Da sind die Bürger aus den neuen Bundesländern ja immer vorne mit dabei. Schon seit meiner Zeit beim Bund weiß ich das es im Osten keine kleinen Biere gab. Immer nur aus großen Behältnissen. Am Anfang sehr gewöhnungsbedürftig, aber man gewöhnt sich an alles. Zeitweise jedenfalls. Ich muß allerdings sagen, das ich lieber ein kleines Bier trinke, denn das steht zwar in der gleichen Zeit ab, aber hat gar nicht die Gelegenheit abzustehen, weil die Verweilzeit in der Flasche um einiges kürzer ist, als bei 0,5 l Flaschen.

Nachdem also die Getränkefrage und vor allem auch den Nachschub geklärt habe konnte ich mir der stilvollen Konversation widmen. Es gab allerdings nur ein Thema: Der Junggesellenabschied von Lars. Und vor allem die von mir geschossenen Fotos. Meiner Aufforderung kam allerdings nur der Fabian nach und bat mich um eine CD, so machten die anderen natürlich erstmal dicke Backen. Aber ich bekam auch gleich neue Aufträge. Leider muß ich hier zu meiner Schande eingestehen, das ich die Aufträge alle vergessen habe, da mein Gedächtnis zu späterer Stunde einfach Daten gelöscht hat ohne die Eingabeaufforderung abzuwarten den Zettel mit den Namen verloren habe. Daher an dieser Stelle die Aufforderung einfach eine kleine mail an mich zu schreiben. Und das mache ich nicht, weil ich mich über mails so freue. Eigentlich war ja auch zum Essen geladen worden und es gab äußerst lecker aussehendes Grillgut, doch ein Brezel aus dem Feuerwehrhaus hat sich irgendwie in meiner Magengegend breit gemacht. Somit umging ich das Essen erstmal und hoffte auf später gereichte Snacks. Doch auch wenn ich nichts gegessen habe, schütze mich das nicht vor hochprozentigen Spirituosen. Zunächst ging der Korb mit den Schnapsflaschen an uns vorbei und ich freute mich innerlich. Doch was in das Zelt geht, das kommt auch wieder heraus. Das gleiche gilt ja auch mit Nahrungsmitteln, doch da ist der Ein- und Ausgang unterschiedlich und der Zelt besteht aus organischer Materie. Was schreibe ich hier eigentlich?? Ach ja, der Zwangsschnaps. Diverse Beschleuniger Magenbitter wurden dargeboten und keiner sprach mich auf den ersten Blick an. Es gab da Kümmerling und Jägermeister und süßen Schnaps. Alles klar, in anderen Ländern werden damit alte Bretter abgebeizt und ich soll mir das in den Hals schütten. Also erkundigte ich mich nach Korn und als Antwort gab mir die junge Dame, das es einen ”Kirsch-Korn“ geben würde. Mein Unterbewusstsein schlug sämtliche Alarmglocken und warte mich intensiv davor dieses Zeug zu probieren. Aber ich war innerlich taub, was ich zunächst auf das Hefe-Weizen schob und nahm einen Kirsch-Korn. Korn wird ja normalerweise aus Korn gemacht. Klingt komisch, ist aber so. Aber aus was wird dann Kirsch-Korn gemacht. Aus den Kirschkernen? Ich stellte mir gerade vor, wie aus den Kirschkernen der Schnaps gebrannt wird und hoffte das es nicht im entferntesten, das es nach Kirschwasser schmeckte. Wie sollte es anders sein stand dann plötzlich ein Glas von der Größe eines Windlichtes, voll mit einer klaren Flüssigkeit, vor mir und entpuppte sich als reinrassiger Obstler. Jackpot. Als sich meine Gesichtsmuskeln von dem Schock erholten hatten, hatte ein Hinterhältiger Strolch mir das Glas erneut voll gemacht. Da ich mich kurzzeitig nicht konzentrieren konnte, kann ich nun nicht mehr mit Gewissheit sagen, wer der Jemand war. Auf Nachfragen wurde mir mitgeteilt, das ich es selber war, der eine zweite Runde verlangt hatte. Ich mußte mal wieder ein ernstes Wörtchen mit meiner Leber reden.Von vor dem Zelt wurde dann nach drinnen verlegt. Dort waren Tische und Sitzgelegenheit bereit gestellt. Und vor allem entkam man dem Schnapsexpress, welches mir sehr entgegen kam. Nach einer weiteren Runde Bier wurde mir dann wortlos der Havana Club in das Sichtfeld gestellt. Eigentlich wurde er ja bereits von Fabian konsumiert und ich wurde langsam neidisch. Kurze Zeit später hatte ich dann ein frisch gemixtes Glas Havana Club vor mir stehen. Es folgten nun eine Menge lustiger und wirrer Gespräche. Und eine Unmenge an Fotos. An viele kann ich mich leider nicht mehr erinnern, aber dennoch waren sie auf meiner Kamera. Und was am allerschlimmsten ist, ich bin auch einigen der Fotos zu sehen. Mit einer Falsche Havana Club. Das ist ein weiterer Grund, warum ich meistens die Kamera habe. Ich kann mich nicht auf Fotos sehen. Es ist jetzt nicht so, das ich die Augen zu mache, aber das wäre mein Wunschtraum. Da mache ich wirklich lieber Fotos von anderen.

Nun ja, der Abend nahm also seinen Lauf und mit ihm die Flasche Havana Club. In meinen Schlund hinein. Nein, ich habe die Flasche nicht alleine geleert, denn dafür mochten ihn die Anderen auch zu sehr, aber ich habe bei einem großen Teil geholfen. Trotz der Fotos fehlt mir ein Teil des Abends, aber es sah alles sehr, sehr lustig aus. Nur an den Schluß, da kann ich mich noch deutlich erinnern. Die Taxis fuhren ach und nach ab und der Dr und ich waren die letzten Gäste, die noch da waren. Unsere anschließende Diskussion drehte sich um genau dieses Thema. Warum sind wir immer die letzten die die Party verlassen. Ich wollte die Diskussion darauf hin lenken, das wir halt zu gutmütig sind und den Anderen immer den Vortritt beim Taxi lassen. Aber ich glaube der Aufbau meiner Diskussionsgrundlage wurde schneller durchschaut, als ein Gewächshaus bei strahlendem Sonnenschein. Egal, wir waren halt wieder die finalen Gäste und nahmen das letzte Taxi. Es war aber nun wirklich so, daß das vorletzte Taxi gerade voll war und wir auf das nächste Warten mußten. Und es ist mir Wurstegal, ob man mir das glaubt oder nicht.

Die Uhr zeigte mir etwas von 0330 Uhr an, als ich durch die Straßen von Westerode schlich. Nein, das stimmt so nicht ganz. Eine SMS-Konversation mit Schnitzel verriet mir den genauen Zeitpunkt meines Eintreffens zu Hause.

Der Morgen beschwerte mir leicht drückende Kopfschmerzen, die sich aber schon im Auflöseprozess befanden. So mag ich das. Ich hatte zwar nicht viel Schlaf, aber dafür keine Kopfschmerzen. Da mein Mutter Geburtstag hatte, entschied ich mich für ein Aufstehen um den Hausfrieden möglichst lange beizubehalten. Ich machte zwar keine gute Figur, aber ich war anwesend. Bis zum späten Nachmittag, denn da begann dann die nächste Hochzeit. Diesmal war sie kirchlich und von Martina und Torsten. Kirchlich bedeutet dann so viel wie Anzugzwang. Und ein originell verpacktes Geschenk. Der Dresscode war im Allgemeinen selbstverständlich und das originelle verpackte Geschenk finde ich als Selbstverständlich. Da wir eine gewisse Doppelkopf-Vergangenheit haben (der gewitzte Leser schließt hier Rückschlüsse auf die Überschrift) verpackte ich die Moneten in einem Kartenspiel und legte dem Betrachter eine Hochzeit hin. Jaha, was war ich wieder kreativ. Allerdings bin ich beim verpacken eher der Grobmotoriker und war dankbar, das meine Cousine Monika und meine Mutter diesen Teil übernahmen. Und schwuppdiwupp holten mich auch schon Ellen, David und Hannah ab und ab ging die Fahrt nach Brochthausen zum Feiern. Und zur Kirche.

Zu allem Überfluß mußte ich auch noch eine Feuerwehruniform anlegen, da wir Spalier stehen wollten. Besser gesagt die Feuerwehr und unser Ortsbrandmeister hat nicht genügend Leutchen zusammen bekommen. Also wurde flugs die Uniformjacke über gestülpt und damit in die Kirche gegangen. Dem lieben Gott ist es bestimmt egal, wie man da auftaucht. Die Kirche an sich war sehr kurzweilig, was aber nicht unbedingt an dem Priester gelegen hat. Aber es waren jede Menge Kinder anwesend, die die Predigt ebenso interessant fanden wie eine Bundestagsdebatte von 1964. So bekam ich dann eine Spezialuntersuchung meiner Schulterklappen von Hannah und eine Turnveranstaltung von dem kleinen Tim. Von der Predigt bekam ich nur den Anfang mit bei dem es um einen Rebstock ging und der wand seine ganze Kraft auf um irgendetwas zu tun. Ich war der Ablenkung dankbar.

Das Spailierstehen verlief ohne größere Probleme und im Anschluss sind wir dann zum Festsaal gegangen. Ach ja, des weiteren eröffnete mir der Kai, das ich doch am nächsten Tag um 1200 Uhr bei der Schule in Mingerode sein sollte. Da ist Schulfest und die Feuerwehr soll dort kleine Spielchen machen. Ich fasste es nicht. Es ist eine Hochzeit und ich soll am nächsten Tag Kinderbelustigung noch vor dem Aufstehen machen. Na das konnte ja heiter werden. Als wir beim Lokal angekommen waren flitzte ich schnell zu Ellens Auto und wechselte meine Kleidung. Es ist immer von Vorteil wenn man aus dem Stehgreif eine Krawatte binden kann. Ich schaute nochmals in den Spiegel, erschrak und ging zurück um auf das Brautpaar zu warten. Im Anschluß kam dann die obligatorische Gratulationsrunde, mit eingeschlossenen Geschenk abgeben. Und der Sektempfang. Sekt ist ja für mich ein absolutes Horrorgetränk. Ich mag es einfach nicht. Dies Brause die Alkohol enthält. Warum nur, gibt es bei jeder Festivität einen Sekt zu Beginn. Mir würde es besser gefallen, wenn es da ein leckeres Hefe geben würde. Von mir aus auch einen Doppelkorn, aber Sekt muß nun nicht sein. Ich kippte das Ding halt runter und versuchte die Magenmuskeln so schnell wie möglich arbeiten zu lassen. Zum Glück gab es Leckerbissen vom Bäcker damit man diesen penetranten Geschmack von der Zunge bekam. Allerdings waren die schon wieder so scharf, das schnell was neues zu trinken her mußte. Doch was sahen meine verquollenen Auge da. Die Bedienung ging mit einem Tablett Bier rum. Leider nicht in meine Richtung, aber es war schon mal gut zu wissen, das man sich ab sofort auch ein Bier zu Gemüte führen konnte.

Ich stand in lockerer runde mit ein paar alten Bekannten und wir unterhielten uns über dies und das, als dann die Dame mit dem Tablett des Weges kam und fragte wem sie denn das Bier noch anbieten dürfte. Selbstlos wies mein Gesprächspartner Stefan zu mir und komplettierte die Geste mit den Worten: ”Hier an diese jungen Mann, der hat am größten Durst!“. Meine angeborenen Bescheidenheit wies natürlich diese Hinweis diskret zurück, aber doch dankte ich Stefan, das er mir den Vortritt lies. Später erfuhr ich dann das er eh fahren mußte, weil seine Freundin in anderen Umständen sei. Aha, daher also diese Freundlichkeit. Diesem ersten Bier folgten noch ein paar mehr. Der Ferrari-Club hatte nämlich für das Brautpaar den Spielmannszug Mingerode organisiert der mehr als ein Ständchen gab. Ich nutze die Zeit und untersuchte näher die verschiedenen Biergläser. Von innen uns von außen. Nur ein Umstand bereitete mir ein wenig Sorge. Es war Königs Pilsener. Frei nach dem Motto: ”Heute ein König, Morgen Kopfschmerzen“ malte ich mir einen Morgen voller Qualen aus. Aber bleiben wir im Hier und Jetzt und genießen die Hochzeit.

Das Ständchen war vorbei und das Essen ging so langsam los. Die Plätze wurden gefunden und es wurde auf die Suppe gewartet. Ein wenig Zeit sich den Rest der Gäste einmal anzuschauen. Leider stellte ich fest, das keine Single-Frauen in meinem Alter da waren. Ich bezweifelte das irgendwelche Single-Frauen da waren. Naja, dann kann ich mich also voll und ganz dem Alkohol widmen. Das Bier schmeckte zwar recht annehmbar, aber mir war klar, das ich wenig später auf Mischungen umsteigen würde. Ich wollte dem ganzen Drama aber dann doch ein wenig Aufschub geben. Denn der Vorabend lag mir noch ein wenig auf dem Gewissen. Das Essen war sensationell. Ich bin sogar zweimal losgegangen, was so ganz gegen meine Gewohnheit ist. Der erste Gang bestand aus einer warmen Platte und der zweite Gang dann aus den kalten Platten. Mitte des zweiten Tellers hätte ich sofort Schluß machen können, aber als echter Eichsfelder gibt man sich die Blöße natürlich nicht. Es wurde auf Teufel komm raus die letzten Happen in den Schlund gestopft. Die Gabel machte hier gute Dienste als Stopfgerät.

Nach dem Essen gab es dann die Schnapsrunde. Diesmal nicht durch die Bedienung hervorgerufen, sondern durch Jens und mich. Nach dem wir uns so dermaßen voll gestopft hatten, mußte einfach ein Platzmacher her. Vorher schworen wir Beide, das es bei dem einen bleiben würde. Noch bevor wir die erste Silbe aus dem Mund gedrückt hatten stellte sich das als Lüge heraus. Hier sei zu erwähnen, das an unserem Tisch ein Studienkollege von Tutz saß, der nun in Belgien arbeitet. Ihm wurde gleich erstmal ein Löwentor bestellt, schließlich wollte er einen Magenbitter. Das Gesicht mit der Aussage ”das es harter Tobac“ sei, bestätigten mich in meinem Urteil und ich war mir sicher, das ich nicht anders bin. Löwentor ist nicht wirklich gut. Ich war froh über meinen Korn. Quer über die Tanzfläche wurde dann mit Friede zugeprostet, der leider an einem anderen Tisch saß. Was vielleicht auch besser war, denn als wir uns an am Buffet trafen und schon wieder Englisch redeten, ernteten wir von Ute, seiner Frau, nicht sehr erfreuliche Blicke. Also doch bis zu späterer Stunde warten, bis der englische Spaß los geht.

Nach dem Essen gab es dann erstmal ein paar Präsentationen von den Freunden von Tutz und Martina. Die erste ging über das Kennenlernen von den Beiden, gespickt mit Fotos aus der Sturm und Drang Zeit. Die waren ja meine absoluten Favourites. Mein persönliches Highlight war ja das Foto von einer Kommunion, wo Tutz als Messdiener mit drauf war. Und die Kommunion war von seinem kleinen Bruder Christian und der hatte zusammen mit David Kommunion. Ich hatte das Bild ja schon öfter bei David gesehen, aber es ist immer wieder schön, wenn man die lieben Kleinen sieht. Vor allem weil David auf dem Foto absolut Klasse aussieht. Sehr kompakt. Und ein Foto von der Einschulung von Tutz. Da ist er dann mit Stefan drauf, unserem jetzigen Karnevalspräsidenten, der sagen wir mal eine sehr hohe Stirn hat. Auf dem Foto hatte er aber noch volles Haar und hatte somit Seltenheitswert. Das wurde auch gleich von mir Jemanden passend kommentiert. Im Anschluß gab es dann eine Präsentation von seinen Bundeswehrkollegen. Und die eröffnete Tutz mit dem Hinweis, das jetzt Schlimme Fotos folgen würden. Immer her damit. Ich war überrascht, was man mit den dienstlichen Bundeswehrklamotten alles machen kann und wie lustig das alles aussieht. Aber anscheinend hat jede Kompanie an Wehrdienstleistenden das Bedürfnis den Gummiüberschuh, der über die Kampfstiefel gehört sich auf den Kopf zu setzen. Ich stellte erneut fest, das ich recht normal bin.
Die Präsentationen waren vorbei und ich war froh, das keine anderen Spiele mehr gemacht wurden. Denn so toll diese Dinger auch immer sind. Meistens ist man immer der Dumme. Ganz toll sind ja immer diese Tanzspiele, bei denen man in einen Hut greifen muß und einen Namen hervor zieht. Dann ist man zum Beispiel das Krümelmonster und muß dann mit Tiffy tanzen. Sehr spaßig, vor allem wenn man tanzen mag. Wenn solche Dinger losgehen, dann versuche ich mich meistens an der Theke hinter mehreren Bier irgendwo zu verstecken. Doch sehr oft scheitert dieser Versuch, weil die Leute die solche Spiele machen meistens den Riecher für solche Personen haben oder aber es genau auf einen abgesehen haben. Schließlich ist man ja Single. Bringt aber alles nicht wenn man dann die nächste Tanzeinheit mit Tante Getrude verbringt und die es schamlos ausnutzt, das sie über das Parkett geschoben wird. Keine Erlösung bevor die Kapelle nicht zur nächsten Pause ansetzt. Hat man richtig Glück kommt dann während dieser Tanzeinheit noch die Polonaise. Spätestens dann kocht die Stimmung und meine Leber vertrocknet langsam zur Rosine. Aber diese Spielchen gab es zum Glück nicht. Oder aber ich kann mich nicht mehr dran erinnern. Aber dazu später mehr.

Nach den Präsentationen herrschte dann akuter Getränke Notstand, weswegen ich mich dann opferte und den Weg zur Theke antrat um der jungen Dame Bescheid zu stoßen zu geben. Leider traf ich dort auf einen Zusammenrottung der alkoholischen Art. Teilnehmer waren Leiche, Torte, Stefan, Guido und Stracke. Ich wollte ja eigentlich nur der Kellnerin Bescheid sagen, doch bevor ich auch nur mein Mund aufmachen konnte hatte ich schon ein Pils in der Hand. Und meine Befürchtungen wurden bestätigt. Es bleib nicht bei diesem Bier, sondern es folgten noch ein paar. Doch das sollte nicht alles sein. Zum zweiten Bier gab es dann den Schnaps. Ich wollte laufen, aber mit zwei Bier in der Hand läuft es sich schlecht ich war nicht schnell genug. Nun ja, dann sollte es so sein und ich wusste, tief in meinem Inneren. Das dieser Abend nicht gut enden sollte. So lief es dann ein paar Runden weiter, bis dann irgendwann der Dirk auftauchte und die junge Dame an den Tisch holte. Meine eigentliche Aufgabe hatte ich schon längst vergessen und bereitete innerlich schon eine Entschuldigung vor. Die würde zwar nichts nutzen, aber egal. Es hatte auch seine guten Seiten, das ich dort stand, denn Leiche hatte mich noch zum Ritteressen eingeladen. Herrlich, das wird bestimmt ein schöner Eintrag.

Als ich dann entspannt an der Theke stand kam dann eine Vorführung des Männerballetts. Ich kann nicht mehr alle Akteure benennen, aber es war nett anzuschauen. Alle waren ganz in weiß gekleidet und es handelte sich um Bundeswehrunterhosen, denn die waren grün und mindestens drei Nummern zu groß (Ganz im Gegenteil zur sehr figurbetonten Badehose, die grundsätzlich zwei Nummern zu klein ausgegeben wurde.). Aber ein sensationeller Auftritt war es dann doch, in den auch der Bräutigam eingebunden wurde.

Zurück am Tisch gab es dann die üblichen Anpflaumungen wegen der vergessenen Bedienung. Meine bereit gelegte Entschuldigung hatte ich mittlerweile vergessen und sagte sie sollen sich nicht so anstellen und das ich nichts dazu konnte. Keiner glaubte mir. Aber ich saß nun neben Docschen. Warum diese Schreibweise? Weil er es so haben wollte, besser gesagt nicht so haben wollte. Er hat ja immer Angst, daß er in mein weblog kommt und damit mit mir in Verbindung gesetzt wird. Dabei ist er der Erfinder des Scheiße laberns. Wenn ich in Feuerwehrversammlungen neben ihm gesessen habe, dann habe ich von der gesamten Versammlung nicht mitbekommen weil Docschen die ganze Zeit irgendwelchen Müll zusammen gefaselt hat und ich nicht mehr konnte. Bis ich dann etwas älter wurde und mit in die Bresche schlagen konnte. Nun sitze ich am Kommandotisch und bin von der Unruhe- Spaß-Truppe entfernt worden. So saßen wir also und laberten ununterbrochen Scheiße. Der Docschen und ich. Und der Sense. Und der David. Und der Jens. Und die Steini. Und der Christian. Und vor allem der Docschen.

Nun folgt eine Zeit in der ich ehrlich gesagt den Zeitfaden verloren habe. Und das geschah wie folgt. Gegen Mitternacht kam das obligatorische ”Ein schöner Tag“-Kerzen-zum-Brautpaar-bringen. Dabei ist der Tag doch gar nicht zu Ende sondern geht in meinem Fall erst richtig los. Zu diesem Zeitpunkt hielt ich es für das Richtige auf Mischungen umzusteigen. Nachdem ich die Bedienung die Karte zweimal rauf und runter vor beten lassen habe mich nach einschlägigen Getränken erkundigt habe, entschied ich mich recht schnell für Bacardi-Cola. Eine gute Wahl. So dachte ich. Denn als die Mischung kam und ich probierte, schlug es mir die Fußnägel hoch. Bisher dachte ich das Schmierpopel harte Mischungen machte, aber die vom Schmierigen waren eine Kinderbowle gegen diese hier. Heidewitzka Herr Kapitän, das kann ja noch heiter werden. Ich nahm mir fest vor, bei der nächsten Mischung ein ausgewogeneres Mischungsverhältnis zu verlangen, aber irgendwie bin ich darüber immer Weg gekommen. Ich hoffe nur, das ich dazu keinen weiteren Schnaps getrunken habe, denn um genau diese Zeit bricht die Zeitachse ab und ich habe nur noch ”Schnapschusserinnerungen“.

Es folgte auf jeden Fall eine Zeit des Tingelns zwischen Theke und Sitzplatz. Einmal stand ich sogar mit Friede und Ute an der Theke und habe ein paar Gläser getrunken. Inhalt des Gesprächs entzieht sich meiner Kenntnis. Aber wir haben mit Sicherheit Englisch gesprochen und uns somit den Unmut von Ute zugezogen. Fotos zeigen das sie nicht sehr begeistert war, wenn ich sie fotografiert habe. Kann aber auch an der Häufigkeit der Fotos gelegen haben. Ich weiß es nicht. Weiterhin ist ein sensationeller Klaviereinsatz von Sense. Er scheint ein wahrer Virtuose am Trockenklavier zu sein. Außerdem beherrscht er Oktaven die außerhalb des hörbaren Bereichs liegen. Aber ein sensationeller Körpereinsatz. Dies wurde Natürlich auch in bewegten Bildern festgehalten, die aber aus Jugendschutztechnischen Datenschutzrechtlichen Bestimmungen nicht online stellen darf. Aber das Brautpaar wird sich daran noch erfreuen. Genauso wie an den ganzen gar nicht gestellten Aufnahmen vom feinen Herrn Bau-Ingenieur.

Am Tisch herrschte eine große Fluktuation an Gesprächspartner. Und ich vermute das ist der wahre Grund meines Gedächtnisverlust. Es waren einfach zu viele Gesprächspartner. Aber lustig war es allemal, auch wenn ich mich nicht an jede Einzelheit erinnern kann. Aber ich habe diesmal bewusst mitbekommen, das es noch ein Mitternachtsbuffet gab. Was ja sonst nicht der Fall ist, besser gesagt ich verdränge solche Sachen immer. Ich habe nichts gegessen, aber ich bin ja schon froh, das ich mich an die Existenz erinnern kann.

Es folgt nun ein Zeitsprung. Wie beim Bund, nur nicht so anstrengend (Helm tarnen, Zeitansatz 5 Minuten“ / zwei Minuten hektische Büsche und Gras rupfen und irgendwie in die viel zu kleinen Öffnung des Tarnüberzugs stopfen / ”Zeitsprung! Restzeit: 15 Sekunden!“). Wir befinden uns nun am Ende der Feier. Diverse Mischung sind meinen Schlund hinunter geflossen und mein Hirn hat hoffentlich keinen Schaden genommen. Ich bin froh das wir effektiv nur 10% des Hirns nutzen, denn ansonsten wäre ich mittlerweile schon in der Klapse. Es folgte die Verabschiedung in mehreren Sprachen. Alle auf einmal aus einem Mund. Nicht nur von mir, doch von allen Anwesenden. Und ich war wieder der Letzte. Mit mir das Ehepaar Steinmetz. Wobei Kalle und ich uns wohl den Titel ”Strammsack des Abends“ teilen müßen. So spricht jedenfalls der Schnitzel, der als Fahrer für den Abend angeheuert wurde. Die arme Sau!. Er behauptet weiterhin das ich schon im Saal geschlafen hätte, was ich allerdings als böse Verleumdung hier stehen lassen möchte, denn so was würde ich nie machen und schon gar nicht auf einer Hochzeit. Man kann ja immer viel behaupten. Ein weiterer Grund warum ich den Fotoapparat habe!Auf jeden Fall muß er mich gut nach Hause gebracht haben.

Denn ich wachte dort auf. Zwar nicht an gewohnter Stelle, aber ich war da und habe unfallfrei den Weg geschafft. Allerdings fühlte ich mich, als hätte ich die Nacht im Schleudergang verbracht. Und es war schon 1100 Uhr. In einer Stunde ging das Schulfest los. Ich roch nach Bier, Schnaps, Mixgetränken und anderen Sachen die ich nicht wage zu identifizieren und sah nach allem zusammen aus. Beste Voraussetzungen also um sich den Nachmittag mit Kinderbelustigung zu vertreiben. Verstärkung erhielt ich von Matze und von Fabian, als Einziger aus der Jugendfeuerwehr. In Mingerode warteten dann die Kollegen von der Mingeröder Feuerwehr auf uns und fragten mich wo denn die anderen drei Jugendlichen seien. Ein Blick reichte und ich konnte mir die Antwort sparen. Kunkel meinte nur das ich Scheiße nicht gut aussah und ich dankte ihm für das Kompliment. Außerdem lud er mich zu einer Cola ein, was ich sehr begrüßte. Doch auf dem Schulhof wurde mir das gesamte Ausmaß erst bewusst. Ehemalige Lehrerinnen, Bekannte aus Westerode und ein paar hübsche und mit Sicherheit schon vergebene Mütter. Und alle hatten einen netten Spruch für mich auf Lager. So macht der Sonntag Spaß. Mittags versuchte ich dann eine Bratwurst zu essen, was sich als ein sehr schweres Unterfangen heraus stellte. Gefühlte Zeit waren drei Stunden. Tatsächliche Zeit waren 30 Minuten. Ich war froh als dieser Dienst zu Ende ging und ich zum Fußball konnte. Gegen Abend ging es mir dann wieder einigermaßen normal. Ich hasse solche Sonntage! Irgendwann wird Kai deswegen noch einen Tritt in die Eier kassieren!

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