Jungesellenabschied, Part II

Ich hätte diesen Eintrag auch mit ”Ich hab es mal wieder versiebt! Aber mit Anlauf!“ betiteln können. Manch einer mag sagen das es Schicksal war aber ich sage, das ich wieder mal zu dämlich war und das ich mich nun und für die nächsten 10 Jahre am liebsten in den Arsch beißen möchte. Zum Glück fand diese Aktion erst am Samstag an, sonst hätte ich das ganze Wochenende schlechte Laune gehabt. Daher beginnen wir mal mit dem Freitag.

Naddel und Biensi feierten ihren Geburtstag. Marco hatte ja schon Ende Mai und Naddel am Donnerstag. Da kann man prima den Sportplatz in Rollshausen mieten und sich ordentlich die Mütze zu knallen. Das stand wohl auch auf großen unsichtbaren Fahnen über dem Sportplatz. Komischerweise konnte nur ich sie sehen. Zunächst ging ich aber zum Training, da wir eh von dort aus aufbrechen wollten. Ingo ist gefahren und somit war die Rückfahrt auch gesichert. Ich habe so langsam das Gefühl, das Ingo zum Gesundheitsapostel wird. Am Wochenende nichts zutrinken kann doch nicht gesund sein. Da das Training aber noch nicht vorbei war und ich vorher noch Sabrina abgeholt habe gönnten wir uns noch ein paar erfrischende Getränke. Sie nahm Alster ich nahm Pils. Während wir dann also warteten, wanderte noch ein weiteres Pils in meinen Schlund. Man muß ja die Zeit irgendwie überbrücken und vom vielen Reden bekommt man einen sehr trockenen Mund. Außerdem machte mir mein Husten Noch ein wenig zu schaffen, der wahrscheinlich von zu wenig Flüssigkeit herrührt. Vermute ich jetzt mal, denn wenn ich genügend trinke wird es besser. Aber so lange kein blutiger Auswurf kommt, ist das schon alles in Ordnung.

So langsam waren dann auch alle fertig und Ingo fuhr mit Christian, Sabrina und mir nach Rollshausen. Christian wollte zwar erst fahren, aber hat es sich dann noch anders überlegt. Man gut, denn zwei Fahrer wären ja nicht nötig gewesen. Bei der Ankunft lief das übliche ab. Viel Körperkontakt durch Händeschütteln und Umarmungen und dann gab es endlich was zu trinken. Mein Husten war auch schon wieder schlimmer geworden und ich genoß das kühle Naß welches sich den Weg in meinen Mag bahnte. Ein wahrer Balsam für meinen Hals. Ich entschied mich vorerst beim Pils zu bleiben, denn ein allzu früher Umstieg hat mich schon öfter dahin gerafft. In den frühen Morgenstunden. Zu Essen gab es Bratwürstchen, von denen ich mich aber nicht hingezogen fühlte, da ich keinen Hunger verspürte. Vielleicht kann man da ja später nochmal dran vorbei gucken und sehen ob sich der eine oder andere Happen in den Mund verirrt.
Borchardts waren schon vor Ort und somit waren wir schon eine kleine gemütliche Runde. Natürlich kam die ganze Sache erst in Fahrt als dann später die Fußballkolleginnen von Naddel vorbei schauten. Ingo gab mir gleich mal den Tip, doch mal in Zukunft bei einem Spiel der Damen-Mannschaft vorbei zu schmirgeln. Ich gab ihm da vollkommen recht. Man sollte auch etwas weniger besuchte Sportarten, wie Fußball besuchen. Würde sich jedenfalls optisch schon mal lohnen. Während wir als die Aussicht genossen, schlich sich Naddel einfach so an und drehte erstmal jedem einen Schnaps an. Ich gehörte da zu der Personengruppe, der es nicht gestattet war abzulehnen. Aber ich hatte die Wahl. Jägermeister, Roter oder Kotzo. Na dann, nehme ich doch geistesgegenwärtig einen Kotzo. Denn klare Flüssigkeiten bereiten einem keine Kopfschmerzen am nächsten Tag. Als ob ich mir darüber Gedanken machen müsste, war ich mir doch sicher, das noch mehrere Getränke den Weg in meinen Magen finden würden. Und es dauerte auch nicht lange, bis Naddel mit der nächsten Runde ankam. Diesmal entschied ich mich für den Roten, da der Kotzo diesmal nicht mitgeführt wurde. Ich war ja nur dankbar, das kein Tequila in greifbarer Nähe stand. Wohl aber noch irgendwo versteckt wurde. Ich hatte nun ein klein wenig Angst. Der Rote hingegen war absolut kein Geschenk, denn der Zucker verklebte meine Geschmacksnerven ein wenig. Außerdem hat das Bier den Weg für weitere klare Schnäpse bereit gemacht.

Ich entschied mich dann doch auf Mischungen umzusteigen. Schließlich war meine innere Zeitgrenze schon überschritten. Eigentlich war sie schon überschritten, als mir Kalle ein weiteres Pils gebracht hat, obwohl ich noch ein halbes in der Hand. Aber was tut man nicht um die Wirtschaft ein wenig anzukurbeln. Im Anschluß widmete ich mich dann voll und ganz dem Bacardi. Die ersten gingen schon mal recht gut den Schlund hinunter. Doch dann verschwand der Bacardi auf seltsame Weise und ich mußte eine neue Flasche öffnen. Und die schmeckte leicht seltsam im Abgang-. Fragt mich nicht warum, aber der Nachgeschmack war irgendwie in Richtung Gummibärchen. Nein, ich habe das nicht mit Red Bull verwechselt. Schien an der Marke gelegen zu haben. Aber ich stelle mich ja jeder Herausforderung. Auch gerne mehrmals.
Kaum hatte ich also meine Mischungen in der Hand lief mich erstmal die Naddel um. Und schon hatte ich die erste Brosche auf meinem Pullover. War aber halb so wild, denn man kann ja alles waschen und außerdem rieche ich so gerne Bacardi. Ich wartet so ein wenig, bis dann die Brosche so gut wie weg war und trank weiter. Gut, ich habe jetzt nicht die ganze Zeit gewartet, sondern fleissig weiter getrunken. Kurz bevor ich dann einigermaßen wieder salonfähig war, sieht man vom Gesicht mal ab, reihte sich der zweite Anfang eines Schlips dazu. Mittlerweile war nämlich die Tanzfläche eröffnet und der Partnertanz florierte. Nun ein Tip an die Allgemeinheit. Niemals sollte man sich mit dem rücken zur Tanzfläche stellen. Und schon gar nicht, wenn der Alkoholpegel höher ist, als das Hochwasser von Wiegald Boning in frühen Jahren. Es geht verdammt schnell und man bekommt die ersten Arme in den Rücken gerammt und fängt an Mischungen zu verschütten. Das kann man nicht zu lassen und versucht den Großteil zu retten. Die andere Hälfte verteilt sich dann meistens in Schlipsform auf dem Pullover, respektive T-Shirt.

Plötzlich wurde die Musik etwas Bassarm und es stellte sich heraus, das etwas mit den Boxen nicht stimmt. Wir doktorten ein wenig dran rum, aber es half wohl nichts. Naja, rumdoktern trifft es ganz gut, denn der Alkohol verhinderte die ruhige Hand. Leider war es dann so, das wir es nicht hin bekommen haben und die Party bekam die ersten Auflösungserscheinungen. Wir hielten zwar bis fast zum Ende durch,aber auch dann konnte ich nichts mehr halten. Ich wollte zwar noch da bleiben in der Hoffnung das die Musik bald wieder los ging, aber Ingo wollte dann doch los. Die Mitfahrgelegenheit konnte ich mir dann nicht entgehen lassen, denn zu Fuß wäre ich wohl nicht mehr pünktlich zum Junggesellenabschied von Lars am Samstag Nachmittag gekommen.
Spontan entschieden wir uns dann noch nach Tiftlingerode zu düsen, da dort Alpenmax on Tour war. Und so sah es dann auch aus. Auf Tour war da einiges. Nämliches alles auf Tour von der Disco weg. Das Zelt war sehr leer aber dafür auch sehr übersichtlich. So bekam man wenigstens schnell was zu trinken. Und traf vor allem die Leute schnell wieder. Unter anderem den Matze, der sich nicht mehr so ganz an unseren Mittwochsausflug erinnern konnte. Er dachte sich wahrscheinlich, das er am Besten zur Reaktivierung seiner Erinnerungen zu dem Platz gehen sollte, wo er sie verloren hatte. Leider hatte niemand vom Alpenmax-Team die Erinnerungen dabei. So versenkte er seine Sorgen im Alk und schon waren sie weg. Auf jeden Fall war er gut drauf.

An der Theke traf ich dann die Karina mal wieder. Mich hat es dann ja schon gewundert, das sie beim Alpenmax bediente. Aber sie sagte das es ihr Spaß machen würde. Naja, für mich wäre das nichts. Ich wäre wahrscheinlich eh mein bester Kunde. Den Schocker habe ich dann auch noch an der Theke gefunden. Leider war sein Sprachzentrum auf Vollstörung gegangen, denn so richtig konnte ich seinen Gedankengängen nicht folgen, was halt daran lag, das ich nicht die Bohne verstanden habe. War aber trotzdem lustig.

Da das Festzelt eher ausgestorben war, entscheiden Ingo und ich dann zum verfrühten Rückzug. Es hat sich auch nicht mehr gelohnt und mir stand ja am Samstag noch die Wanderrallye der Jungendfeuerwehr bevor. Auf dem Weg zum Auto gabelten wir dann noch Hüfte, Porno und eine Freundin von Hüfte auf. Die stellte sich als eine der Mädels heraus, die im Philip Walter Fan Club waren. Prompt klingelte auch das Telefon und Philip war dran. Heraus kam dann das Ingo noch Taxi-Unternehmen spielen durfte. Ich allerdings stieg mit Hüfte und Porno in Westerode aus und ging meiner Wege. Was der Rest der Fahrgemeinschaft gemacht hat, wird wohl in Schweigen gehüllt.

Als der Samstag mit Weckerklingeln anfing hatte ich schon keinen Bock mehr. Nicht auf den Junggesellenabschied, wohl aber auf die Wanderrallye der Jungendfeuerwehr. Eine der leidlichen Pflichten ist es ja, sich durch die Wildnis des Eichsfeldes zu schlagen, während die Jugendlichen Aufgaben zu bewältigen haben. Doch vorher fuhr ich nach Duderstadt um die Hochzeit von Keile-Günther zu begutachten. Nachdem nun das Brautpaar das Standesamt verlassen hatte, wurde noch schnell mal in die Runde gratuliert und dann mußte ich auch schon wieder los. Ich hasse diese Hetzerei. Aber ich mußte ja um spätestens 1500 Uhr schon in Göttingen sein. Ihr wisst schon: Junggesellenabschied. Die Tour in Breitenberg war die Hölle. Nach zwei Stationen ging es den Berg steil bergab und ich wusste das wir das alles wieder hoch gehen mußte. Mir bleib nur die Hoffnung, das es langsam und gemächlich bergauf ging. Die Hoffnung starb dann kurz hinter eine Kurve. Es ging so wie es runter ging auch wieder hoch. Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube ich habe leicht Blut gespuckt beim Aufmarsch. Durch die ganzen Sterne vor meinen Augen konnte ich nicht richtig sehen. Das ganze erwartete uns noch ein zweites Mal und wir hatten es fast geschafft. Das Spiel für den Jugendwart war diesmal erfreulicherweise sehr harmlos. Ich mußte nur die Kübelspritze bedienen. Natürlich auf der Pumpenseite. Die Beine waren eh schon im Arsch, da können die Arme gleich hinter gehen. Aber geschafft war geschafft. Nach einer Rekordzeit im Duschen saß ich dann auch schon im Auto Richtung Göttingen, wo dann der Junggesellenabschied starten konnte. Und diesmal ging es nach Hannover. Für mich der bisher weiteste Junggesellenabschied. Als Braunschweig-Fan kein leichtes Unterfangen. Ich mußte nur zusehen, das ich meine Zunge ein wenig im Zaum hielt.

Am Bahnhof kam ich noch pünktlich an und traf dort gleich den Florian C. und Anja. Die hatten nämlich vom Schötti den Auftrag bekommen das Bier für die Zugfahrt zu besorgen. Aus dem Kofferraum lächelten mich drei leckere Kisten Becks an. Zum ersten Mal in meinem Leben, freute ich mich auf eine Bahnfahrt. Wenig später kamen dann auch die restlichen Konsorten an. Allen voran der Lars, der im Supermankostüm kund tat, das er nun in den Hafen der Ehe einlaufen wird, aber nicht ohne vorher sich nochmal gehörig zum Ei zu machen. Das Gefolge bestand bisher aus Holger, Manuel, Dr Dieck, Hoppi, Schötti, Fabian, dem Langen und Thomas Z. Sah nach einer sehr trinkfreudigen Truppe aus. Kurze Begrüßung und die Lust nach einem Bier wurde extrem groß. Ich hatte ja schließlich einen Gewaltmarsch durch die Flora und Fauna von Breitenberg hinter mir. Aber ich konnte meine Lippen noch nicht an ein Becks legen. Nein, es wurde vorgesorgt. Man versorgte mich zunächst mit einer Holsten-Plastik-Flasche, schließlich sollte es extrem assig los gehen. Egal, Holsten schmeckt auch aus einer Plastik-Flasche und die 0,5 l Holsten Pulle sieht nicht so versoffen aus wie andere Glas-Flaschen. Ich hätte trotzdem lieber ein Becks. Nachdem dann Schötti die Tickets besorgt hat ging es dann in den Metronom. Fragt mich nicht warum der dämliche Zug so hieß, aber auf jeden Fall war es halt ein Reisebus auf Schienen. Für uns und unsere Bierlisten ideal. Ein Platz wurde schnell gefunden und dann ging es auch schon los. Die anderen Fahrgäste die mit uns in dem Abteil saßen hatten bestimmt noch eine große Lust mit uns weiter zu fahren. Stimmung machten wir jedenfalls genug. Irgendjemand kam dann auf die Idee das Lars doch ein paar Schnäpse verkaufen sollte. Vorerst wurde die Idee abgeschmettert und wir entsorgten die ausgepackten Flaschen in unsere Hälse. Man kann doch keinem schon ausgepackte Flaschen andrehen. Aber dann mußte Lars doch ran. Charmant begrüßte er die Gäste im Metronom und bot seine Getränke feil. Eine junge Dame hinter uns sprang gleich an. Anne-Christin hier sie und war 29 Jahre alt, aber auf dem Weg nach Hamburg und konnte sich uns so nicht anshcließen. Nicht das jetzt wieder vermutete wird, ich hätte die Informationen aus ihr heraus gepresst. Niemals würde ich auf solche niederträchtigen Ideen kommen. Nein, der Hoppi war der Informationssammler. Außerdem hatte er sie fast herumgekriegt mit dem verzweifelten Spruch, das er noch eine Begleitung zur Hochzeit benötigte. Verdammt clever. Aber sie ließ sich von ihren Plänen nicht abbringen. Die Tour ging weiter durch den Zug, aber die Ausbeute war eher karg. Was dann uns wiederum zu gute kam, denn die Schnäpse wurden dann halt bei uns entsorgt. Ihr wisst, ja um das Problem mit schon ausgepackter Ware. Leider mußte ich auch Schnäpse mit trinken. Zunächst war da Jägermeister, der gar nicht schmeckte. Dann folgte ein Roter, der mir irgendwie die Plomben zog und zu guter Letzt kam dann noch Kümmerling. Dazu sage ich lieber nichts. Wer um alles in der Welt trinkt gerne Kümmerling? Ich jedenfalls nicht. Das war doch zu letzt in den 70er in.

Der Zug hielt planmäßig in Hannover und dort stieß dann auch der Stan zu uns. Allerdings hatten wir noch gut anderthalb Kisten Bier mit uns und mußten die irgendwie wieder los werden. Also ab damit in die Schließfächer. Dort trafen wir vier junge Damen aus dem osteuropäischen Ausland. Dank des gemäßigtem Bierkonsum konnte man behaupten sie waren recht hübsch. Deutsch war fast ihre zweite Muttersprache und vor allem ließen sie sich gerne fotografieren. Einem der Mädels mußte ich dann noch erklären wie die Geschichte mit den Schließfächern funktioniert, aber mit Händen und Füßen ging es dann. Denn englisch verstanden sie auch nicht. Wir luden sie dann doch in das Brauhaus ein, denn dorthin sollte unsere Reise gehen. Sie taten so als würden sie uns verstehen und ließen sich nochmal mit dem Superman ablichten und wir zogen weiter. Lars wurde die ganze Zeit von diversen Leuten als Superman angefeuert und genoß die Aufmerksamkeit. Nicht! Mir wäre es auch peinlich. Aber vor dem Bahnhof war alles wieder gut, denn dort trafen wir einen anderen Junggesellenabschied. Und die arme Sau wurde als Hase verkleidet. Nun war Lars gleich besser drauf. Allerdings sagte dann der Hase zum Abschluß zu Lars, das er ihn echt nicht um sein Kostüm beneidete. Denn er hatte wenigstens einen Reißverschluß. Lars dagegen nicht. Das ist schon bitter, wenn der Superman den Hasen um einen Reißverschluß beneiden muß.

Nach einigen Zwischenstops bei diversen Toilettengängen und Esspausen zogen wir dann langsam aber stetig in Richtung Ernst-August-Brauhaus. Unterwegs verkaufte dann Lars mehr schlecht als recht, die mitgebrachten Spirituosen. Natürlich gab es des öfteren Küsschen als Belohnung, die dankend angenommen wurden. Nach einer derartigen Tortour kam die Toilette im Brauhaus gerade recht. Ich hoffte nur das die Blasenkapazität ausreichend wäre. Nach dieser Entspannungspause wurde dann erstmal dafür gesorgt das ein wenig fest Nahrung zugeführt wurde. Dies geschah in Form eines Brauhaus-Burgers. Sehr lecker und sehr große Portion. Dafür aber auch teuer. Egal, man lebt nur einmal. Stan bestellte dann erstmal eine Runde Lütje-Lage. Ich wähnte mich ja als Könner Jemand der das schon mal getrunken hat und recht schadensfrei aus der Sache raus gehen würde. Aber da hatte ich falsch gedacht. Anscheinend hatte ich zu wenig Bar auf dem Kessel und konnte die ganze Geschichte nicht richtig koordinieren. Ich schaffte es aber den Tisch recht unauffällig vom Korn zu befreien. Das Bier was im Brauhaus gereicht wurde war nicht ganz mein Geschmack. Es war ein naturtrübes, aber trotzdem mundete es mir nicht so recht. Aber auf jeden Fall gab es Freude am nächsten Tag, wenn die ganze Hefe ihre Arbeit getan hatte. Und vor allem ging es irgendwann um das Thema Fußball. Da ich nun auch schon leicht angetrunken war konnte ich meine Klappe nicht halten und brachte meine üblichen Eintracht Braunschweig Argumente auf den Tisch. Damit einen die Anderen auch verstehen muß ich dafür ja ein wenig lauter sprechen. Ich erntet also den einen oder anderen bösen Blick. Aber in der Gruppe sind wir ja stark.

Nach dem Brauhaus ging es dann erstmal zu irgendeinem Fest, welches ich jetzt nicht mehr benennen kann. Dort gab es auf jeden Fall ein Karussell auf dem Lars erstmal ein Runden drehen durfte. Ein paar von uns redeten so lange auf den Karussellbremserbetreiber ein und drohten ihm die ganze Bude kurz und klein zu schlagen bis er Lars dann fahren ließ. Zunächst auf einem gelben Vieh, das irgendetwas mit Pokemons zu tun hat und später in einer drehbaren Tasse. Quasi Karussell mit Afterburner. Die Geschwindigkeit ließ ein wenig zu wünschen über, aber schneller lief das Teil nicht. Im Anschluß wurde erstmal aufgetankt an einer Bierbude. Und dann ging es zum Höhepunkt des Abends.

Das Rotlichtmilieu erwartete uns. Recht geschickt wurden wir dort hin geführt. Um ehrlich zu sein, habe ich nach dem Brauhaus ein wenig die Orientierung verloren und plötzlich standen wir an einer Straße die mit bunten Leuchtreklameschildern lockte und vor allem Sand auf der Straße hatte. Sand? Ja, denn es war Strandfest. Und was für eins. Die ganzen, sagen wir mal, Etablissements mit den exotischen Tänzerinnen hatten davor Strandbars aufgebaut und ihre hübschesten Mädels in den knappesten Sachen dort aufgebaut. Ich vermute mal das der Sand die ganze Zeit da ist und nicht zum Strandfest, denn ansonsten sieht man überall die Sabberspuren. Es war aber auch der Teufel los und nach kurzer Pause um die Gehirne wieder neu hoch zu fahren Überlegungspause zog uns der Weg in die Drehscheibe. Doch da werde ich an dieser Stelle nichts drüber berichten. Denn was in der Drehscheibe passiert, bleibt in der Drehscheibe. Ich sage nur das die Becks dort 5 € gekostet haben und sie haben sich gelohnt. Üüüüüüübel!

Nach diesem wirklich actionreichen und spitzemäßigen Zwischenstop tat die frische Luft richtig gut. Einige der Mädels verkauften draußen noch Bier und wir bleiben noch ein wenig länger. Außerdem spielte ein recht guter Elvis-Imitator auf der Bühne. Und die richtig Guten spielen nicht nur Elvis Songs nach, sondern drücken seinen Stil auch den Rock-Songs auf. Wer das kann, hat bei mir ein Stein im Brett. Und dieser Kollege war recht gut. Natürlich war auch was für das Auge überall zu sehen. Ich hoffte nur der Alkohol würde mir keinen Streich spielen. Leider tickte die Uhr unaufhörlich und wir mußten den Zug um 2330 Uhr nehmen. Oder aber wir nehmen den Zug um 0630 Uhr. Gegen 2300 Uhr vernahm man dann von der Theke der Drehscheibe laute Sprechchöre, die riefen ”Halb sieben, halb sieben, halb sieben“. Ich vermute mal das wir das waren. Aber es gibt ja immer ein paar Vernünftige, die dann anmahnten, das es bis 0630 Uhr lange Zeit werden kann. Aber es war doch Samstag und wir waren in Hannover. Bis dahin kann man sich doch locker die Zeit vertreiben. Aber wir ließen die Vernunft wieder in unsere Köpfe, was verdammt schwer fiel. Denn sie mußte sich erst Platz machen. Die Köpfe waren voll, von hübschen Frauen, Unmengen an Bier, dicken Brüsten und kurzen, sexy Klamotten. Sie schaffte es dann aber doch.

Auf dem Weg zum Bahnhof verloren wir uns ein wenig aus den Augen, aber ich hielt mich an Florian C., da er ja auch eine Wohnung in Hannover hatte. Wir hatten sogar noch Zeit Burger beim Burger King abzugreifen, obwohl mir das nicht geheuer war. Wenn es um Zeitdruck geht, bin ich ja der leicht panische Typ. Wir schafften es aber doch noch rechtzeitig und ich weiß nicht mehr wie wir den richtigen Zug und Wagen gefunden haben. Aber wir haben es geschafft. Im Zug wurde dann das restliche Bier konsumiert. Und nicht nur das. Der Snack-Automat lockte mit eingeschweißten Sandwiches. Nichts stellt sich zwischen eine Horde Strammsäcke und einem Snackautomat. Als das Ding dann endlich draußen war wurde es binnen weniger Sekunden von der Horde zerfleischt. Dieses Sandwich konnte sich sicher sein, das es seinen Auftrag erfüllte. Nur die Schaffnerin sah es nicht ganz so gerne, das im Zug geraucht wurde und drohte mit Verwarnungen und Aufschreiben. Das kostete den Großteil natürlich ein müdes Lächeln. Und Lars durfte vor allem noch Knöpfe drücken, welche diverse Signale frei schalten würden. Vermute ich jedenfalls mal. Die Zugfahrt ging aber ohne Probleme weiter.

Nach einer unendlichen langen Fahrt, wo bei einen schon leicht der Schlummermodus aktiviert wurde, kamen wir dann in Göttingen an. Und der Großteil war wieder topfit. Wir hatten nun die Qual der Wahl. Zum Glück hatte ich Verstärkung in der JT-Keller Fraktion bekommen und wir entschlossen über einen kleinen Umweg dorthin zu gehen. Nicht ohne im Bahnhof noch einen Burger zu verdrücken. Ernährten wir uns ja den ganzen Tag eh schon so gesund. Der Umweg führte uns schnurstracks in den 6 Millionen Dollar Club. Und wieder Erwarten war dort wieder wenig los. Ein kurzer Blick auf meine Uhr verriet mir nicht gerade viel, wohl aber das es schon fortgeschrittenen Stunde war und höchstwahrscheinlich der Großteil schon weiter gezogen war. Dies hielt uns aber nicht davon ab, einen Long Island Ice Tea zu trinken. Eins ist sicher, das beste Preis-Leistungsverhältnis beim Long Island gibt es im 6 Millionen Dollar Club. Derart Erfrischt ging es dann zum JT-Keller. Nun ja nicht wirklich, denn es mußte wieder mal an einer Döner Bude angehalten werden, da es sonst Schwächeanfälle gegeben hätte. Dort kam dann auch der Lange auf die Idee einfach mal wahllos die Leute in den Bauch zu boxen. Er nannte es Überraschungseffekt. Ich nannte es keine gute Idee, wenn man bedenkt was ich schon alles getrunken und gegessen hatte. Und in welchem Mischungsverhältnis die einzelnen Komponenten vor lagen. Aber er wollte dann selber noch ein paar Schläge in die Magengegend haben. Ich würde echt gerne wissen was er genommen hat, hatte aber keine Zeit zu fragen, da ich mit schlagen dran war. Und weiter ging der Marsch. Bis zu der irrsinnig langen Schlange vorm JT-Keller.

Wir standen also vor dem JT-Keller an. Dort war Cry Baby Club. Feine Musik und exzellente Atmosphäre. Wie man es eigentlich vom JT-Keller gewohnt war. Aber noch waren wir lange nicht drin. Vor allem waren wir alle lattenstramm und kamen nicht vorwärts. Jene die einen Stempel auf der Hand besaßen gingen fröhlich pfeifend an uns vorbei und in den Keller. Ein kleiner Tip an jene Leute, wenn man derart gut gelaunt an einer Gruppe genervter, weil anstehender Menschen vorbei geht, zieht man automatisch den Zorn auf sich. Aber wir waren ja alle friedlich. Noch! Die ersten fingen nun schon eine wenig an zu maulen und wollten dann lieber ins Alpenmax. Das war für mich aber nach wie vor eine Horrorvorstellung. Nicht wenn im JT-Keller derart der Teufel los ist. Da bringen mich keine 10 Pferde in das Alpenmax. Also standen wir weiterhin geduldig an. Superman, respektive Lars, wurde es dann zu bunt und wagte einen Vorstoß. Nach einiger Diskussion mit dem Türsteher kam er dann rein. Aber er war alleine im JT-Keller. Glaubt man seinen Erzählungen, dann wollte er uns alle noch hinterher schleusen. Hat aber nicht so toll geklappt und so standen wir weiter an. Da geschah es dann das eine hübsch anzusehende junge Dame, die einen recht gut gebauten Oberkörper hatte an uns vorbei schlenderte und kurz bei mir anhielt, mir ein Lächeln schenkte und folgendes in meine Richtung hauchte: ”Mmmmh, Du riechst gut!“ Vollkommen perplex, habe ich nicht angenommen das ich gemeint war. Ich meine wenn es um gute Gerüche geht, dann bin ich der letzte der sich in die erste Reihe stellt. Ich schaute ihr ein wenig fragend hinterher und meine Gesichtsausdruck schien für sich zu sprechen, denn sie zeigte auf mich und sagte etwas in der Art, das ich gemeint war. Ich bedankte mich recht herzlich und sie verschwand mit einem Lächeln in der Tür. Davon war ich jetzt zwar noch nicht im Keller, aber zumindestens hat sie mir was zu denken aufgegeben. Ich konnte nun meine Gedanken wieder auf das Wesentliche konzentrieren: literweise Bier auf das mir eben gemachte Kompliment. Ich nahm es jetzt einfach mal als Kompliment auf. Ich durchdachte die gesamte Situation mehrere Male und komme immer auf den gleichen ScChluß. Warum rieche ich gut? Ich meine, seit 1500 Uhr habe ich mehrere Liter Bier der verschiedenste Sorten getrunken, diverse Kräuterliköre der Marken Kümmerling und Jägermeister haben sich dazu gesellt und öfter mal einen Streit im Magen angefangen, weiterhin wanderten mehrere Burger den Schlund hinunter. Nicht zu vergessen ist der Besuch in der ”Drehscheibe“ und das unvermeidliche Reiben an verschiedenen mehr (Frauen) oder weniger (Männer) gut aussehenden Menschen. Aber nichts ließ mich darauf kommen, das ich gut riechen würde. Ich machte einen fixen Geruchscheck an entscheidenden Körperstellen und konnte nichts wirklich außergewöhnliches feststellen. Zum ersten Mal hatte ich keine Erklärung. Was sich hier recht schnell liest hat dann doch so lange gedauert, das wir dann endlich den Keller betreten konnten. Am Eingang erwartet mich dann der Jan und ich konnte mal wieder den Eintritt sparen.

Drinnen war die Hölle los. Luftfeuchtigkeit geschätzt 70%. gefühlt mindestens 130%. Und der Laden war voll bis oben hin. Hübsche Frauen so viel man nur essen konnte wo man nur hinsah. Ich fühlte mich zu Hause, außerdem gab es Becks. Ich wollte ein paar Freudentränen vergießen, aber konnte sie gerade noch zurückhalten. Nachdem ich mich dann mit einem gekühlten Becks versorgte, damit die Hustenanfälle ein wenig besser wurden, konnte ich mich meinem sekundären Ziel widmen. Die junge Dame mit dem seltsamen Geruchssinn wieder finden. Dann kam das nächste Problem, man konnte sich gar nicht konzentrieren, denn hübsche Mädels waren überall und man wusste gar nicht wo man zuerst hin gucken sollte. Eins war klar, der JT-Keller war definitiv die richtige Wahl für den Abschluß vom Junggesellenabschied. Vielleicht sehe ich sie ja wenn ich mich weiter ins Getümmel stellen würde. Dabei war das ”weiter ins Getümmel stellen“ nur metaphorisch gemeint, denn Getümmel war überall. Bei den Anderen angekommen ging es schon wieder gut ab. Es wurde getanzt, wo man gerade stand und das stört niemanden. Ein sehr großer Vorteil im JT-Keller ist die wirklich friedliche Atmosphäre. Das tut richtig gut, wenn man nicht gleich von jedem böse an geguckt wird, wenn man dank zweistelliger Promillezahl der lauten Musik ein recht unsicheren Gang hat und irgendjemanden an rempelt. Das Bier wurde direkt in Flüssigkeit zur Kühlung des Körpers eingesetzt. Ein großer Vorteil, denn so muß man nicht so oft auf die Toilette. Gut, es ist dann ein nicht so angenehmes Gefühl, wenn die Klamotten am Körper kleben, aber den Anderen um einen herum ging es ja genauso und so wird niemand schief angeguckt. Da ich nun eh schon am Schwitzen und stramm war, konnte ich mich noch so richtig zum Ei machen und bewegte mich rhythmisch zur Musik. Die war übrigens extrem Klasse und genau das richtige um in einem Keller, der den cambodschianischen Dschungel wie eine Waschküche aussehen lässt, warm zu werden. Ich bezweifele, daß das Bier jemals meinen Darm gesehen hat. Da passierte es, das mich jemand von hinten antanzte und meinen verlängerten Rücken freiwillig anfasste. Ich vermutet einen der Teilnehmer des Abschiedes, der versuchte mein Geldbeutel zu stibitzen und drehte mich um. Doch was ich dort sah war viel besser. Die junge Dame mit dem seltsamsten Geruchssinn stand dort und rieb ihren Hintern an meinem und lächelte mich lasziv an. Ich ahnte Schlimmes. Ich baute nämlich ein Guthaben an Glück auf und das wandelt sich dann mit ziemlicher Sicherheit in großes Pech um. Da helfen auch keine Kettenmails. Nun ja, ich ließ mich darauf ein und wir tanzten ein wenig neben her und ich riskierte den einen oder anderen schüchternen Blick. Die hatte aber auch eine große Oberweite. Nach eine unplanmäßigen Drehung mit gleichzeitigem Scheißelabern mit den Kumpels war sie aber plötzlich weg. Aha, sollte die Pechsträhne etwa schon losgehen?

Egal, mein Getränk neigte sich auch dem Ende und ich ging tanzte in Richtung Theke. Die kleine Theke eignet sich hervorragend um ein wenig abzukühlen und eben Bier zu kaufen. Plötzlich drang eine feine Stimme an mein Ohr, die sich als Stimme als eben jenen hübschen suizidgefährdeten Mädels entpuppte, welche sich offenbar für mich interessierte. Sie sagte sie sei Nina und drückte mir einen Zettel mit ihrem Namen und ihrer Telefonnummer in die Hand und meinte, wenn ich denn Lust verspüren würde sie anzurufen, dann sollte ich nicht zögern. Ich stellte mich kurz vor und dann mußte sie auch schon los. Nahm ihre Jacke und ging. Sie könnte ihre große Oberweite ihren Arsch darauf verwetten, das am Sonntag ihr Telefon klingeln würde. Dermaßen gut drauf ging es zurück zu den Anderen und ich gab dem Bier weiter Gelegenheit meinen Körper, der nun mit Sicherheit nicht mehr gut riechen würde, zu kühlen.

Die Musik legte nochmal einen Zahn zu und verlangte von uns allen das Äußerste. Und wir entschlossen die Tanzfläche zu räumen. Ansonsten würde einige womöglich noch die Nacht im Krankenhaus verbringen, weil sie dehydriert waren. Ich hatte damit keinerlei Probleme. Erwähnte ich das es meinem Husten besser ging? Wir standen draußen und warteten auf das Taxi. Da Lars Zukünftige ja am gleichen Abend Jungesellinnenabschied hatte, war geplant das wir alle zusammen mit dem Taxi-Bus nach Hause fahren. Sehr gute Idee. Während wir in der kalten Nachtluft standen, schaute wir uns gegenseitig die T-Shirts an um festzustellen wer sich was geschwitzt hat. Ganz vorne dabei, der TZ, der sich entweder ein Unterhemd oder eine sehr sexy Neckligègeschwitzt hat. Bei Fabian war ich mir nicht sicher, ob der Drache schon vorher auf dem T-Shirt war oder ob frisch geschwitzt wurde. Ich hatte wohl den üblichen BH. Die Busfahrt in die Heimat war extrem kurzweilig. Fabian und Jenny gaben Malotze Hits zum Besten und hielten somit den Rest der Truppe auf Zack. Helena beschwerte sich erstmal das sie bei meinem Bericht zur Zapfe-Party zu kurz gekommen ist. Und wir wollten einen Kosenamen festlegen. Sie schlug Hase vor, aber mein Hase ist ja schon die Kathrin, da komme ich dann ja durcheinander. Schnubbi geht auch nicht, denn das ist ja die Hüfte. Helena schlug Hascherl vor, aber das erinnert mich zu sehr an Peter-Alexander-Filme und das geht ja gar nicht. Ich werde ich mal Schneckchen vorschlagen. Obwohl ja Schnecke ein sehr seltsamer Kosename ist, bedenkt man das Aussehen und die Konsistenz einer Schnecke. Hmmm, scheint eine schwere Aufgabe zu werden.
Der Doktor und ich stiegen dann in Westerode aus und es ging ohne Umwege nach Hause. Gut, ich habe noch bei Schnitzel und Philip versucht anzurufen um zu fragen ob noch irgendwo was ging, aber glücklicherweise nahm keiner der Beiden ab. Mein Bett empfing mich mit wohliger Wärme und ich schlief endlich mal ein ohne das Gefühl zu haben den ganzen Abend gehörig in den Sand gesetzt zu haben. Bleibt dann nur noch den Telefonanruf zu überstehen.

Der nächste Tag begann ungewohnt früh, denn es stand mal wieder ein Feuerwehrwettkampf an. Nachdem ich mich also aus dem Bett gequält habe, ließ ich den vergangenen Abend ein wenig Revue passieren. Also nur geistig und nicht auf der sanitären Einrichtung. Und mir fiel spontan der bevor stehende Anruf ein. Und mir wurde schlecht. Und das lag nicht an den Unmengen an Alkohol vom Vorabend. Wenn das jetzt schon mit der Nervosität los gehen sollte, wie sollte es dann erst am Nachmittag werden. Denn dann wollte ich den Anruf wagen. Aber zunächst stand erstmal der Wettkampf an. Auf dem Weg nach Wollershausen weihte ich dann Schnitzel und Friede in meinen Plan ein. Der Wettkampf ging gehörig in die Hose, da sich ein Schlauch am Verteiler gelöst hatte. So was passiert und es gab ja eine Bierbude. Doch so recht wollte das Bier nicht schmecken. Und voll laufen lassen wollte ich mich ja auch nicht. Erstens mußte ich ja arbeiten am Montag und zweitens hatte ich Horrorvisionen eines Telefonanrufes.

Es half aber nichts, ich mußte sie anrufen, sonst würde ich mir wieder den Rest des Jahres Vorwürfe machen. Aber zunächst mal was essen, dann was trinken. Ist es nicht seltsam, was einem alles einfällt, wenn man eine Sache vor hat, die man am liebsten schon hinter sich hätte. Man findet auf einmal Lust an den schlimmsten Dingen. Aufräumen, Fliesen im Bad abstemmen, ein Gartenhaus aufbauen, den Hof neu pflastern, weil einen die Unkrautdinger in den Fugen stören. Doch irgendwann gibt es kein zurück mehr. Ich nahm mir also meine Jacke zur Hand und suchte die Nummer. Und suchte. Und suchte. Und suchte. Ich räumte meine Jacke aus, hatte ich ja eh vor, das sie durch geschwitzt war. Ich fand längst verschollen geglaubte Zettel in den Untiefen meiner Jacke. Längst deaktivierte e-mail-Adressen, Mensa-Pläne der Mensa Wilhelmshaven von 2001. Aber der Zettel mit der Nummer war nicht zu finden. Das konnte nicht sein. Ich schrie und durch suchte nochmal alles. Ich zerstörte Dinge. Ich wurde wütend. Nichts. Meine Hose wurde gefilzt. Mein Portemonnaie. Meine Schuhe. Meine Unterbuchse. Nichts, der Zettel war weg. Ich fasste es nicht. Ihr müsst mir glauben, ich habe eine ganze Stunde gesucht. Alles was ich jemals in meine Jacke gesteckt hatte wurde mehrmals umgedreht, auseinander gefaltet und geguckt ob sich zwischen den einzelnen Lagen des Papiers nicht eine Nummer versteckt hatte. Nichts. In meinem Magen machte sich ein Gefühl breit, als hätte ich einen Findling der Größe Neufundland verschluckt. Warum um alles in der Welt mußte ich gerade diesen Zettel verlieren und vor allem wo habe ich ihn verloren? Im Taxi-Bus? Auf dem Weg vom Bäcker nach Hause? Hatte ich da nicht mein Handy raus geholt? Verdammt, verdammt, verdammt, verdammt, verdammt, verdammt, verdammt, verdammt, verdammt, verdammt, verdammt, verdammt, verdammt, verdammt, verdammt, verdammt, verdammt! Aber es war wie es war. Der Zettel war weg und ich bin mal wieder der Arsch. Da spricht mich schon mal eine hübsche Frau an und gibt mir ihre Nummer und ich verliere sie. Ich glaube ich bin noch nicht dran mit dem Glück haben. Vorher muß ich wohl noch ein paar Jahre Pech ertragen, bevor es dann endlich mal klappt.

Oder aber es ist wie ich es denke. Jedesmal wenn ich mir ein wenig Glück aufbaue, baue ich mir an einer anderen Stelle die doppelte Menge Pech auf. Und wenn es dann richtig gut läuft, dann kommt die Lawine auf mich zu. Ich kann es aber nicht ändern. Nina hat vielleicht vergeblich auf meinen Anruf gewartet und mich einen idiotischen Strammsack genannt, weil ich nicht angerufen habe. Aber Gott und nun auch meine Leser wissen, das ich angerufen hätte.

Wäre ich nicht der größte Idiot der Welt.

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3 Responses to Jungesellenabschied, Part II

  1. […] geklärt habe konnte ich mir der stilvollen Konversation widmen. Es gab allerdings nur ein Thema: Der Junggesellenabschied von Lars. Und vor allem die von mir geschossenen Fotos. Meiner Aufforderung kam allerdings nur der Fabian […]

  2. Highwater « sagt:

    […] im Anschluss dann das weblog schreiben. Doch es kam ein Telefonanruf dazwischen. Nein, es war nicht Nina, die mich zusammen scheißen wollte. Es war der feine Herr Ortsbrandmeister, der mich telefonisch aus dem Ikea kontaktierte. Ich […]

  3. […] hat so eine große Auswahl an Taschen, in die man Sachen hineinstecken kann. Mensa-Pläne aus WHV, Telefonnummern, seltsames, krümeliges Zeug, das nach Resten eines Zigarillos aussieht, Knöpfe, Kronkorken, platt […]

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