Bergfest

Die letzte Urlaubswoche hat angebrochen und war sogar schon zur Hälfte rum. Zum Glück versprach diese letzte Woche genügend Abwechslung. Denn schon früh wurde ausgemacht, das die Mitte der Woche ausreichend zelebriert werden sollte. Ich finde eh das der Mittwoch eigentlich immer zu kurz kommt, daher setze ich mich für die Kampagne ein ”Das Wochenende sollte schon am Mittwoch beginnen“.

Bevor wir jedoch durchstarten konnten mußte ich erstmal mit der Jugendfeuerwehr für die Leistungsspange üben. Sehr anstrengend, aber doch immer wieder spaßig. Im Anschluß fuhr ich dann zum Sporthaus um dort die letzten Einzelheiten für den Abend zu besprechen. Matze nahm dann Ingo, Christian und mich mit nach Göttingen und Philip, Tobi und Schnitzel ließen sich von Kai hin fahren. Was sich jetzt hier so einfach hinschreibt, das hat einiges an telefoniererei und Nerven gekostet, aber man will sich ja den Abend nicht frühzeitig verderben lassen und ging die ganze Sache locker an. Wir machten als Treffpunkt das Thanners aus, da sich ein Start in den Mittwoch Abend immer lohnt. Allerdings hatte der Matze-Express extreme Verspätung. Das Schlimme an Verspätungen ist ja immer, das man nie weiß, wann es dann wirklich los geht. Lohnt es sich noch ein Pils zu trinken oder gar ein Drei-Gänge-Menü vorzubereiten. Man hat sicherlich noch Hunger wenn man nach einer durch gesoffenen langen Nacht die heimischen vier Wände betritt. So saß ich dann also in bibbernd in meine Decke gehüllt zu Hause und harrte der Ankunft von Matze. Hätte ich es vorher gewusst, dann hätte ich noch zwei Bier trinken können und zumindestens eine kalte Pizza vorbereiten können. Die Fahrt nach Göttingen war dementsprechend sehr kurzweilig, Bier hatte ich aber immer noch nicht und wahrscheinlich hätte mich dann der Harndrang unterwegs wieder in den Wahnsinn getrieben. Außerdem wurde die Vorfreude auf das Hefe in die Höhe katapultiert. Und wurde noch ein wenig in die Länge gezogen, denn wir sind erstmal zum Matze gefahren und von dort aus mit dem Taxi weiter in die Innenstadt. Während unseres Aufenthalts haben wir dann erstmal sein Zimmer auf den Kopf gestellt. Ich habe leicht die Pinnwand zerstört, es aber mit Ingos Hilfe wieder so hin bekommen, das es nicht auffällt. Erst wenn Matze wieder was dran befestigen will, fällt das Ding wahrscheinlich mit Getöse zusammen. Dann haben wir noch ein wenig in seinen CDs gestöbert und die Kutsche war da.

Das Taxi fuhr uns quer durch die Innenstadt und hielt dann auch noch genau vor dem Thanners. Das Gefühl beim Aussteigen war vergleichbar mit dem Gefühl, wenn man früher einem Elternteil zur Party gefahren wurde. Man versicherte zwar das man weiter vorne raus gelassen werden wollte, da man hier besser wenden kann, aber es wurde trotzdem direkt bis vor das Haus gefahren. Im Besten Falle standen dann noch ein paar Leute vor der Tür und tranken schon ausgelassen Bier. Hat man 6 Richtige im Lotto standen dort nicht ein paar Jungs sondern ein paar Mädels und mit Zusatzzahl, noch das Mädel auf welches man gerade stand. Um dann die Katastrophe komplett zu machen, gab es noch gute Ratschläge mit auf den Weg: ”Trink nicht so viel!“ ”Wie kommst Du nach Hause?“ ”Kennst Du die Mädchen da? Warum kichern die so?“ So ungefähr fühlt man sich, wenn der Taxifahrer genau vor dem Thanners hält und gefühlte tausend Leute gucken einem beim Aussteigen zu. Und ich hatte noch nichts getrunken.

Das Reinkommen ging noch ganz gut, doch dann fingen die Probleme an. Es gab kein Vorwärtskommen, denn es war gerappelt voll. Man konnte sich quasi nur in den Schwarm einklinken und hoffen, das man den Kreislauf irgendwann wieder verlassen kann. Zum Glück hatten wir es nicht weit, denn Philip, Tobi und Schnitzel hatten eine begehrten Platz an der Theke ergattert. Ich vermute mal das es nur ganz gering mit Philips Krücken zu tun hatte. Der Verrückte wurde nämlich am Montag operiert und dachte sich das es eine gute Idee wäre, am Mittwoch zu ballern. Recht hat er. An seiner Aussprache gewisser Wörter konnte ich feststellen, das er schon in der Express-Phase war. Das Dumme ist, wenn es im Thanners voll ist, dauert es immer eine Ewigkeit, bis man was zu trinken hat und vor allem laufen die Bedienungen einen fast immer über den Haufen. Zum Glück haben sie ein kräftiges Sprachorgan, mit dem sie einem dann dem Hörsturz etwas näher bringen können. Während man also auf das Hefe wartet kann man sich ja schon mal prima das Publikum ansehen. Was ich sah gefiel in einigen Fällen gleich auf den ersten Blick. Leider manchmal schon wieder zu gut und die Nervosität meldete sich zu Wort. Meine Hände wussten nicht was sie machen sollten und wechselten von der Verschränkungsposition in die Taschenposition und wieder zurück. Ich hasse es nichts in der Hand zu halten. Man kommt sich immer so nackt vor. Die Nervosität ging erst wieder zurück, als ich dann endlich das Hefe in der Hand hielt. Es schmeckte einfach herrlich. Gekühlt und eine Gaumenfreude wie immer.

Nachdem nun der Magen und die Leber beruhigt wurden, konnte man eine kleine Auswahl treffen. Die anfängliche Sinnesüberflutung wurde nun gefiltert und es kristallisierten sich ein paar Favoritinnen heraus. Natürlich war jede außerhalb meines Handlungsbedarfs, aber aus der Ferne bewundern war noch möglich. Sehr angetan hat es mir eine sehr hübsche blonde Dame, die dank ihres (großmaschigen) Pullover öfter mal die kalte Schulter raushängen ließ. Und Christian bemerkte es schon recht treffend: ”Du hast das Geschick in genau dem richtigen Moment weg zugucken.“ Ich schwöre das es nicht mit Absicht war. Sie kam von rechts und ich schaute nicht nur nach links sondern hatte auch noch den Mund voll mit leckerem Hefe. Aus lauter ärger konnte ich ihr nur noch nach gucken. Ich wollte also warten bis sie wieder zurück kommt und blickte also den Großteil nach links. Da es aber einen steifen Hals gibt, mußte ich auch ein paar Mal nach rechts gucken, wo es ja auch keine verachtungswerte Kost gab. Es sollte dann auch so sein, das ich mich in genau dem Moment wieder umdrehte als sie gerade hinter mir war. Da ließ Christian den Spruch fallen und ich fragte erstmal wie er darauf kommen würde. Zu Beginn glaubte ich ihm kein Wort und dachte er wolle mich verarschen. Aber er hatte recht. Zum Glück traf mein Blick auf eine andere junge Dame, die anscheinend mich anguckte. Ich blickte nochmal in die Runde und suchte nach Gründen warum sie in meine Richtung geguckt haben könnte. Also riskierte ich einen zweiten Blick und diesmal lächelte sie. Jetzt war es offensichtlich, das sie nicht mich meinen konnte. Aber ein kleine Funke Hoffnung bestand. Als sie mich bei einem vermutlichen Toilettengang mal passierte lächelte sie wieder. Als wäre meine Nervosität nicht schon groß genug.

Schicksalshafte Verstrickung verhinderten allerdings ein Ansprechen meinerseits. Zunächst mal war ich noch nicht stramm genug. Das Zeitfenster hat sich noch nicht geöffnet, ließ aber schon ein Strahl Licht hinein. Doch der Rest der Meute wollte schon weiter ziehen. Da ich ja nun nicht so der Freund von schnellen Entscheidungen bin, habe ich mich dann hinreißen lassen und noch ein letzten Blick in ihre Richtung riskiert und wieder ein Lächeln geerntet. Ja, verdammt, ich ärgere mich tierisch, das ich nicht zu ihr hingegangen bin oder sie kurz angehalten habe, als sie an mir vorbei gegangen ist. Aber das ändert ja jetzt nichts mehr daran.

Schnitzel, Tobi und Philip wollten in das Alpenmax, doch Christian, Ingo, Matze und ich schauten noch beim 6 Millionen Dollar Club rein. Die Lust auf einen Long Island Ice Tea war einfach zu groß. Doch im Mio ClLcub erwartete uns gähnende Leere. Sehr ungewohnt und wir wollten gerade wieder gehen, bis ich Jemand unbedingt einen Long Island trinken wollte. Zum Glück, denn die Bardame war hübsch anzusehen und beim Schütteln des Shakes fielen mir zwei weitere Gründe ein Havana Club zu mögen. Der Ice Tea war extrem Klasse, doch die Leere machte einem zu schaffen und wir entscheiden uns in den Alpenmax weiter zu ziehen. Mit Umweg über den Dönermann. Diesmal sogar einen den ich noch nicht kannte. Und zum ersten mal mußte ich eine Gabel verlangen, da so viel Gemüse auf dem Ding war. Aber das Fleisch konnte sich auch sehen lassen.

Im Alpenmax, war es dann ein wenig voller. Doch Voll war was anderes. Dafür nährte sich unser Zustand dem Bereich Vollstramm schon sehr an. Das Getränk des Abends wurde dann vom Hefe auf Bacardi-Cola umgestellt. Nur nicht Ingo, der trank Holsten alkoholfrei. Sein Gesichtsausdruck sprach Bände und ich versucht ihn zu trösten. Gelang mir aber nicht richtig. Doch ich hatte noch einen Trumpf im Ärmel. Dank einer Highscore vor gar nicht allzu langer Zeit hatte ich eine Art Gutschein bekommen. Es gab gemäßigten Eintritt für uns vier und eine Prosecco Flasche gratis. Prosecco ist nicht wirklich mein Getränk. Eher würde ich drei Tonnen Scheiße fressen.Aber zur Not kann man damit ja ein paar hübsche junge Damen glücklich machen. Von wegen. Ingo hat sich der Falsche gerne angenommen. Fragt mich bitte nicht warum er gerne Prosecco trinkt. Es gibt Dinge die möchte man einfach nicht wissen. Ingo war also bedient und wir tranken rundenweise Bacardi Cola. Da ja Philip, Tobi und Schnitzel schon da waren und dachten das wir nicht mehr kommen würden hatten die sich schon ein Taxi geordert. Besser gesagt holte Kai sie wieder ab. Das nennt man Pech. Wir bleiben jedenfalls noch. Doch Philip konnte das Alpenmax nicht verlassen ohne nicht noch mal auf die Box zu steigen. Operation, Krücken, alles war vergessen. Wenigstens bis zum nächsten Morgen.

Da standen wir also ziemlich allein gelassen und hauten uns schön die Kiepe zu. Der Abend schritt gemächlich vorwärts und Felkl entschied sich doch näher an die Tanzfläche zu rücken. Dort hatte er einen besseren Ausblick auf die Choreo. Vermute ich jetzt mal, denn es dauerte nicht lange, bis er sich auf die Tanzfläche schwang. Dort vollführte er seinen patentierten Bacardi-Dance. Sensationell.

Die Flasche Prosecco ging zu Ende und wir brachen leicht enttäuscht in Richtung Heimat auf. Nach einer kurzen Preisdiskussion fuhren wir dann ab. Begleitet von einem Matze, der anscheinend Substanzen konsumiert hat, die gesetzlich verboten waren. Er sprang jedenfalls wie Rumpelstilzchen auf Crack neben dem Taxi her, bis er nicht mehr Schritt halten konnte. Wir feuerten ihn aus dem inneren des Taxis mit ”Lauf, Forrest, Lauf!“ Rufen an, aber er konnte nicht mehr. Die Rückfahrt ging dann seltsamerweise über Geismar und dann waren wir auch schon zu Hause. Mir allerdings stand noch ein kleiner Fußmarsch von Westerode nach Esplingerode bevor. Und danach war ich aber so gut wie nüchtern.

Am nächsten Tag ging es mir prima. Jedenfalls besser als gedacht. Am Nachmittag traf ich mich dann mit Ingo zum Blutspenden. Egal wer diese Konserven bekommt, kriegt unter Garantie Kopfschmerzen. Und ich freue mich schon jetzt auf den Anruf meines Hausarztes, der mir mitteilt, das meine Leberwerte zu hoch sind. So hält man sein Sozialleben auf Trab!

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