Reservisten-Schießen

Der erste Freitag in diesem Jahr an dem ich total entspannt war. Der Grund? Fronleichnam. Feiertag im katholischen Eichsfeld. Im ganzen Eichsfeld? Nein, nur im Osten des Eichsfeld und da arbeite ich ja. Es muß ja auch Vorteile haben, wenn man schon in Thüringen arbeitet. Und die zwei zusätzlichen Feiertage im Jahr nimmt man natürlich gerne mit. Natürlich ist man dann am Donnerstag so entspannt vom Kirchgang eingenommen, das man den Freitag unmöglich wieder arbeiten kann und diesen gerne als Brückentag nutzt. Was soll ich auch sonst mit meinen unzähligen Überstunden machen? Verfallen lassen? Von wegen.
Und diesen Freitag war nicht nur normales Ballern angesagt. Nein! Da ging es zurück in die Kaserne. Folgende Geschichte spielte sich ein paar Wochen vorher ab. Friede fragte mich, ob ich Bock hätte mit zum Reservisten-Treffen zu kommen. Dort könnte ich (Achtung O-Ton) ”mir so richtig schön den Schero zu schütten und ein bisschen G36 schießen“. Als meine Ohren diese Information an das Gehirn weiter geleitet hatten, sagte ich sofort zu. Da ich zu dem Zeitpunkt keinen Alkohol getrunken hatte, dauerte die ganze Aktion wenige tausendstel Sekunden. Einer der Dinge die mir bei der Bundeswehr am meisten Spaß gemacht haben, war das Schießen. Nicht umsonst habe ich damals die ATN 300 1086 Zielfernrohrschütze G3 bekommen. Nun gut, um ehrlich zu sein, habe ich sie aus einem Barett gezogen. Aber die Ausbildung hatte ich trotzdem. So freute ich mich also an diesem Freitag auf einen netten und ruhigen Abend in Bad Frankenhausen.

Ich holte Friede also gegen 1430 Uhr ab und mußte erstmal auf ihn warten. Aber das war in Ordnung, da er sonst immer auf mich warten muß. Er erfand irgendwelche fadenscheinigen Ausreden, das er noch so viel auf der Baustelle zu tun gehabt hatte und deswegen so spät dran war, aber ich glaubte ihm kein Wort. Wahrscheinlich war er beim Sonnenbad eingeschlafen und hatte die Zeit verpennt. Die Fahrt nach Bad Frankenhausen verlief ohne Zwischenfälle, da wir Autobahn gefahren sind, konnte ich den guten alten Volvo auf ganze 220 Klamotten hoch jagen. Aber dann war auch Schluß. Schade, eigentlich hatte ich bei der 2,0 l Maschine etwas mehr erwartet, aber das war wohl nicht drin. Der Geräuschpegel im Inneren war jedenfalls mit dem Start eines Hubschraubers vergleichbar. Von der Autobahn runter ging es dann den Kyffhäuser hoch. Ich hasse Kurven und hier erwarteten mich dann gleich 36 Stück. Und was für Kracher. Allesamt enge Kurven und unzählige Organspender Motorradfahrer waren auch noch unterwegs.

Bei der Ankunft in der Kaserne mußten wir natürlich das übliche Prozedere überstehen, das man halt als Zivilist über sich ergehen lassen muß. Ausweise abgeben und Personalien checken. Danach ging es weiter und ich mußte staunen, wie groß doch die Kaserne ist. Da war die Kaserne in Osterode ein Scheißdreck gegen. In Osterode war zwar nur das PzGrenBtl 12 untergebracht und in Bad Frankenhausen sind gleich drei Bataillone bzw. Batterien, da muß das ja ein wenig größer sein. Beeindruckend war das aber schon. Wobei ich jetzt nur die Gebäude gesehen habe und nicht den T-Bereich.

Nachdem wir also die Wache passiert haben ging es weiter in die UHG. Dort trafen wir erstmal auf die Anderen, von denen ich keinen Einzigen kannte. War vielleicht auch besser so, denn die Anwesenden kannten mich auch nicht. Ergo, wussten sie auch nicht was ich für ein übler Trunkenbold bin. Bevor ich mich überhaupt bei jedem vorstellen konnte, kam der Friede auch schon mit zwei schön gekühlten Hefe-Weizen um die Ecke. Natürlich waren sie für den feinen Herrn Friede nicht kalt genug. Er hatte schon die ganze Fahrt über genaselt, das er total durstig ist. Es hat nicht viel gefehlt und ich hätte an einer Tankstelle angehalten und ihm ein Sechser-Träger raus geholt. Nachdem dann das Weizen mehr oder weniger inhaliert hatten, kamen wir zu dem eigentlichen Höhepunkt des Tages. Jedenfalls für mich. Ballern kann ich jeden anderen Tag auch aber mit dem G36 schießen, kommt nun nicht so oft vor.

Wir begaben uns auf schnellsten Wege zum AGSHP. Leider konnten wir nicht auf die Schießbahn und scharf schießen, aber mit dem Simulator würde mir das total reichen. Simulator habe ich in Osterode nur ein Mal geschossen und das war schon recht nett. Wobei damals noch das G3 als Standard-Gewehr der Bundeswehr aktuell war. Das G36 hatte ich nur mal in der Waffenkammer in der Hand und konnte mal durch das Reflexvisier gucken. Mehr aber auch nicht. Im Simulator wird der Rückstoß recht realistisch mit Hilfe von Luftdruck nachgestellt. Beim G3 kratzte es allemal an der Realität, denn nach einem Nachmittag auf der Schießbahn fühlte sich die Schulter an, als hätte man drei Tage lang Kohle mit der Spitzhacke abgebaut. Im Anschluß kam dann noch eine kleine Runde MG-Schießen, um die Schulter gänzlich zu desjustieren. Beim G36-Simulator, soll der Rückstoß0 schon eher realistisch sein, habe ich mir sagen lassen. Kann ich aber keine Aussage drüber treffen, da es ja meine Premiere war. Ich begab mich also in Stellung und vergaß nicht die Hacken abzuklappen. Was nach der Meinung einiger Ausbilder das wichtigste an der ganzen Stellung war. O-Ton meines Ausbilders: ”Wir wollen ja nicht das der feindliche Scharfschütze einem in Hacken schießt!“ Ja klar, als ob Scharfschützen nichts besseres zu tun haben als auf eine Panzerbesatzung von Panzergrenadieren zu warten und denen dann in die Hacken zu schießen. Jungen Rekruten kann man aber auch alles einreden. Als Zielfeld hatte ich ein Bild von einem Gehöft und in den Fenstern oder hinter Verschlägen tauchten dann feindliche Soldaten auf, die man halt vernichten mußte. Ja, das hört sich hier jetzt rabiat an, aber wir sind beim Bund, verdammt nochmal. Da schießt man halt auf Menschen menschenähnliche Computerfiguren. Der Rückstoß fühlte sich echt an und auch das Zielen mit dem Reflexvisier ging wunderbar von der Hand. Ich glaube mir dem G36 wird jeder zum Scharfschütze. Wenn ich da an die alte Zielvorrichtung beim G3 denke, da ist das hierzu kein Vergleich. Auch mit ZF nicht. Ich bestand sogar die Prüfung, aber das war auch nicht wirklich schwer. Nachdem dann alle geschossen hatten, probierten wir nochmal das Schießen mit der P8 aus. Allerdings gab es hier Null Rückstoß. Die Druckluft wurde wohl nur für den Repetierhub der P8 genutzt. Spaß gemacht hat es trotzdem.

Nachdem das viel zu kurze Schießen vorbei war (das hätte ich den ganzen Tag machen können), ging es dann wieder zurück in die UHG, wo wir dann erstmal Zimmer bezogen. Natürlich nicht in der UHG, sondern in Gaststuben in einer der Kompaniegebäuden. Mit dem Auto ging es dann hoch zum Gebäude und ich hatte freie Parkplatzwahl. Instinktiv nahm ich gleich den richtigen Parkplatz. Nämlich den vom Battailionskommandeur. Manche Sachen sind einfach Schicksal! Die Stuben waren natürlich die Wucht. Ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Das waren nicht so Sechs-Mann-Stuben, wie ich sie als Mannschaftsdienstgrad kannte. Nein, hier gab es Zwei-Mann-Stuben. Als Feldwebel lebt es sich beim Bund ja doch nicht so schlecht. Friede machte schon Scherze von wegen Stubendurchgang und Dienstplan, da ich ja Mannschaftsdienstgrad war und er ein feiner Oberfeldwebel. Aber ich wies ihn nur drauf hin, das wir ja sehen werden, wer als letztes Lachen bzw. stehen würde. Hefe-Weizen und vielleicht noch Erdgenüsse waren für den Friede eine gefährliche Mischung. Zurück bei den Anderen in der UHG konnte der Baller-Abend dann endlich in die finale Runde gehen.

Der Grill wurde eröffnet und ich entschied mich für die leichte Kost. Also Bratriemen und Salate. War recht lecker, doch wurde mit Leichtigkeit vom Hefe getoppt. Das war dann auch das Getränk der Wahl an diesem Abend. Friede enttäuschte schon früh. Als er kurz nach dem Essen eine Fanta haben wollte. Aber im gleichen Zuge ließ er von der Knechtschaft Ordonanz eine Schale mit Erdgenüssen reichen. Oha, das ließ schon tief blicken und ich befürchtete, das Friede die Veranstaltung schon früh verlassen würde. Aber zunächst wurde weiter Hefe geschüttet.

Ich saß neben Einem, der nun ICE Züge lenkt und er wies mich erstmal in die Handhabung ein und was man alles für Prüfungen ablegen muß um denn auch ICE-Führer zu bleiben. War recht interessant und hätte die Erinnerung nicht den Weg in die Vergessenheit gefunden, könnt eich mich wohl in den nächsten ICE setzten und mal ein paar Runden drehen. Warum ich solche interessanten Informationen wieder dem Äther überlassen habe? Da war ja noch das Weizen und vor allem die ganzen Bundeswehrgeschichten der ganzen Typen, die da rumliefen. Ich weiß ich hätte eigentlich meine Taschen zu nähen müssen, bevor ich da hin gegangen bin, aber es war extrem unterhaltend. Auch wenn von jeder Geschichte nur die Hälfte stimmen würde, dann waren sie doch schon recht gut.

Das Unvermeidliche passierte. Zwar recht spät, aber es passierte. Die Schlafnüsse, die Friede seit geraumer Zeit konsumierte entfalteten ihre volle Wirkung und er verabschiedete sich aus der Runde, als die Ordonanz die letzte Runde einläutete. Ich hatte zwar noch ein halbes Weizen vor mir stehen, aber tat es dem Rest gleich, der auch noch ein letztes Getränk orderte. Danach kam die dicke Rechnung. Irgendein Unhold hat doch tatsächlich 12 Hefe-Weizen auf meine Rechnung getrunken! Oder war ich es gar selber. Ich kann mich jedenfalls mit ziemlicher Sicherheit an die ersten acht und an die letzten vier erinnern. Es könnte da auch zu Überschneidungen kommen. Als ich in die Stube torkelte schlief der Friede jedenfalls schon ganz fest und knirschte gar fröhlich mit den Zähnen. Ein sehr erschreckendes Geräusch, wie ich feststellen mußte. Aber ich störte mich nicht lange dran und entschlummerte ins Reich der Träume.

0545 Uhr meine Augen gingen auf und ich wunderte mich, warum ich so früh wach wurde. Friede der zur gleichen Zeit wach wurde, fragte gleich nach, ob ich denn schon fahrbereit wäre und wir los könnten. Ich erkundigte mich nach seinem geistigen Zustand und versicherte ihm das ich mindestens noch eine Stunde Erholung benötigte. Aber um 0730 Uhr hielt er es nicht mehr aus und wir fuhren los in Richtung Heimat. Das war mal ein etwas anderer Freitag und ich hoffe, das ich so etwas bald mal wieder mache. Auch wenn immer alle auf die Zeit bei der Bundeswehr schimpfen und wie Scheiße das alles war. Alles war nicht schlecht. Ich muß aber zugeben, das auch nicht alles gut war.

Wir waren sehr früh zu Hause. Ich will es mal so beschreiben. An jedem anderen Samstag hätte ich zu der Zeit noch im Bett gelegen und mich vor Magenkrämpfen gekrümmt wunderbar geträumt. Aber was macht man nun mit diesem Tag. Geplant war ja, das ich mich wieder ins Bett begebe ohne über Los zu gehen und ohne 2000 € einzusammeln, aber das wäre ja verschenkte Zeit. So entschied ich mich aufs Sofa zu begeben und dort mal ein paar Filme zu genießen. Als ich dann wieder aufwachte, war es später Nachmittag und ich konnte mich langsam für den Abend vorbereiten.

Denn Abends stand die Dankesfeier der JU an. Da ich ja einen unheimlich anstrengenden Dienst bei dem diesjährigen Osterfeuer hingelegt hatte wurde ich auch eingeladen. Und ich war pünktlich da, denn ich wollte ja nichts der dargebotenen Köstlichkeiten verpassen. Kurz gesagt, ich war scharf auf das Bier, welches hoffentlich gut gekühlt war. Nun ja, es gab zwar Bier und das war auch in einer Kühltruhe, aber Patrick gestand mir, das er es erst vor zwei Stunden dort hinein verlagert hat. Aber ich vergab ihm, war es doch leicht gekühlt. Zu Beginn gesellte ich mich erstmal zu Keile-Günther, Florian, Schnitzel und Porno an den Tisch. Als mich dann die ersten Fragen erreichten was ich denn am Freitag Abend gemacht hätte und ich von dem grandiosen Schießen erzählt hatte, wurden Pornos Augen plötzlich ganz wässerig und er wollte wissen, warum er denn nicht mit durfte. Daraufhin verwies ich ihm erstmal darauf, das er erstmal dienen müsse um einen Waffe abfeuern zu dürfen. Und er freute sich darauf. Oh, wenn Porno zum Bund kommt, dann können alle Anderen einpacken. Porno nimmt wahrscheinlich im Alleingang den Standortübungsplatz im Laufschritt. Waffen werden mit verbundenen Augen auseinander genommen und Nachts murmelt er seltsame Sätze und liebkost seine Waffe. Hat jemand schon mal Full Metal Jacket gesehen?

Den Neid von Porno hatte ich also sicher und Günner, der ja selber gerade bei der Bundeswehr ist, klärte mich erstmal über das G36 auf. Nach einer kurzen Einweisung weiß ich jetzt wie man G36 und P8 zerlegt und wieder zusammenbaut. Doch genug der trockenen Theorie. Es folgt nun das Essen fassen. Gegrillte Leckereien warteten auf den geneigten Gaumen. Doch ich hielt mich erstmal zurück hatte ich ja am späten Nachmittag mich erst gestärkt. Zu dem Zeitpunkt mußte ich feststellen, das mein Magen dann doch arg über strapaziert war von einigen Hefekulturen, die sich dort festgesetzt hatten. Außerdem lief mein Verdauungstrakt auf Hochtouren. Als sich dann alle bedient hatten, wagte ich es dann auch etwas der festen Nahrung zu mir zu nehmen. Es ging Gott sei Dank gut. Doch ein rechtes Hungergefühl wollte nicht aufkommen. Durst hatte ich aber nach wie vor und dagegen gibt es wohl kein Heilmittel, außer Bier in sich hinein zu kippen. So tat ich dann auch, bis dann aus heiterem Himmel mein Handy klingelte. Ich freute mich schon auf einen Anruf des schwedischen Bikini-Teams, doch am anderen Ende meldete sich nur der Gerstenberg. Er fragte mich unverblümt, wo ich den bleiben würde, ToKo würde schon auf mich warten. Nun war ich total verwirrt. Ich überlegte meinen nächsten Satz gut und antwortete mit ”Hääää?“. Gerstenberg klärte mich also kurz auf, das ToKo an diesem Samstag seinen 30sten Geburtstag feiern würde und mich am letzten Samstag auf der Mallorca-Party dazu eingeladen hatte. Nun aktivierte ich meine Archivierungsfunktion und las den Speicher vom vergangenen Samstag zurück. Zum Glück war es kein großes Archiv. Jugendfeuerwehrwettkampf, Scheiße gehen, Mallorca Party und jede Menge Bier. Alles klar. Irgendwo zwischen den letzten beiden Einträgen lag die Einladung versteckt. In kurzen klaren Worten machte ich Gerstenberg klar, das ich nun keinesfalls mehr in der Lage bin zu fahren und nicht nach Nesselröden kommen könnte. Auch das wäre kein Problem, da seine Freundin heute eh fahren wollte. Sie holen mich ab. Verdammt, ich handelte noch eine Stunde Frist heraus und öffnete mir ein weiteres Bier. Diesem Bier folgten noch zwei weitere und als ich gerade das dritte aufmachte und mich wunderte wann denn Gerstenberg vorbei kommen würde. Klingelte mein Telefon und es wurde mir mitgeteilt, das ich mich bereit halten soll, die Ortsgrenze von Westerode wurde gerade mit 200 km/hüberschritten. Ich stieß nochmal an und wollte frecherweise ein halb volles Bier hinterlassen. Florian ist aber Fuchs und konnte mich so nicht von dannen ziehen lassen und zwang mich das Bier aus zutrinken. Und er hatte Recht. So etwas macht man nicht. Wenn man sich ein Pils oder auch ein anderes Getränk aufmacht, dann trinkt man das gefälligst auch aus. Ich rege mich ja auch immer über angetrunkenen Falschen auf. Da war dann aber noch das alte Problem mit dem Ex-trinken bei mir. Und es wurde nicht besser. Aber ich kämpfte mich durch und betrat mit einer leichten Bierfahne das Auto.

Auf der Party angekommen, war der ToKo gerade am Fegen. Schlagartig bekam ich Schweißausbrüche in dem Wissen, das ich im nächsten Jahr auch dran bin. Ich erinnere hier nochmal an das Heiratsangebot. Vorzugsweise 29jährige. So kann man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Ich glaube ernsthaft das ich auswandere. ToKo merkte man schon leicht den erhöhten Alkoholkonsum an, denn die Sprache war schon leicht Wollzüngig. Man kennt das ja, wenn man ein paar zu viel getrunken hat, dann wollen manche Worte einfach nicht klar und deutlich den Mundraum verlassen. Allerdings merkt man selber das nicht und wundert sich nur, warum einen alle so komisch angucken.

Wir betrachteten also den Rest des Fegens und begaben uns nach drinnen, wo ich mich dann erstmal um die Bierreserven kümmerte. Und wen traf ich an der Theke? Guido und Anja. Guido klärte mich erstmal auf, das er meinen Bericht vom vergangenen Wochenende schon gelesen hat und er mich so gar nicht mehr nach der Feuerwehrfahrt fragen konnte und er eröffnete mir, das er mein Logbuch auch immer fleißig ausdruckte und ihn Anja, seiner Frau, mit zum Lesen nach Hause nimmt. Oha, mir wurde leicht unwohl. Wie schon oft gesagt, ist mir nie so richtig bewusst, wer alles mein Logbuch liest. Ich bekomme zwar eine Statistik über die Abrufe, aber nicht wer abruft. Das muß dringendst mal geändert werden. Ich glaube ich werde mal mit dem Provider sprechen. Auf jeden Fall, gefällt er Beiden recht gut. Was soll ich hier groß rumdrucksen? Solche Reaktionen gehen runter wie Öl und sich strahlte sicherlich mehr als die Brennstäbe von Tschernobyl. Da ich aber schnell verlegen werde, habe ich schnell das Thema gewechselt, außerdem war mein Bier fertig und ich konnte meinen Händen was zu tun geben. Nichts ist mir unangenehmer, als mit leeren Händen irgendwo umher zu stehen. Meistens verschwinden sie in der Tasche, aber das sieht dann meistens so aus, als hätte ich mir die Taschen innen aufgetrennt.

Im inneren des Sporthauses, wo die Feier statt fand, war ein Klima, das man am Besten mit dem Regenwald vergleichen konnte und ich stand da mit Jacke an. Wir beschlossen also nach draußen zu verlegen. Dort war erstmal bessere Luft und man wurde bedient. Gerstenberg eröffnete mir dann auch schon nach dem dritten Bier, das es sich hierbei um Bitburger handelte. Und ich dachte schon es liegt an einem verfaulten Stück Fleisch, welches sich in meinen Zähnen verfangen hatte. Doch die Bedienung lernte schnell und bevor ich etwas sagen konnte brachte er mir ein weiteres Bier. Ich drehte mich nur kurz um, um Gerstenberg zu fragen, ob er denn auch mit auf Mischungen umsteigen würde, da stand dann auch schon der ToKo vor uns und hatte ein paar Päckchen Brausepulver in der Hand und eine Flasche Wodka. Ich ahnte Schlimmes und bevor ich verstecken ablehnen konnte hatte ich auch schon die Utensilien in der Hand. Wir stießen an und ich kann es in dem Moment nur auf meine vorübergehende Lethargie in Anbetracht des Gemisches, welches ich mir gleich in den Schlund kippen würde, schieben, aber ich trank den Wodka pur. Als ich dann die glasklare Flüssigkeit im Mund hatte fiel mir die geöffnete Brauspulvertüte in meiner Hand auf. Ich überlegte einen kurzen Moment, wie ich denn jetzt das Brausepulver in den Mund bekommen würde und stellte dann fest, das ich die Reihenfolge vertauscht hatte. Ich ließ mir nichts anmerken und schluckte den Wodka mit den üblichen Gesichtsverrenkungen hinunter. Das Tütchen ließ ich unauffällig auf dem Tisch liegen. Ein Mädel vom Nachbartisch schien die ganze Prozedur mit angesehen zu haben, denn als mein Blick sie streifte hatte sie einen Blick drauf, der zu sagen schien: ”Der hat jetzt nicht den Wodka pur getrunken!?“

Nun war die Gelegenheit günstig und ich haute die Bedienung an, ob er mir nicht mal einen Bacardi-Cola bringen würde. Mit einem enttäuschenden Blick kam er zurück und beichtete, das es keinen Bacardi geben würde. Wenn ich wollte könnte ich aber Havana Club probieren oder was anderes. Was er danach erwähnte weiß ich gar nicht mehr, denn ich bin ihm ins Wort gefallen. Eigentlich sehr unhöflich, aber es ging um Havana Club. Ich sagte ihm das ich nichts anderes mehr haben will, nur noch Havana, in einem großen Glas, ohne Zitrone und er solle beim Havana die Peitsche knallen lassen. Er hat seine Aufgabe gut gemacht. Wenig später verlegten wir an einen Tisch mit Sitzgelegenheit, der auch dringendst notwendig war. Bei meinen sporadischen Besuchen der Naßzelle, traf ich auch Käthe und Silke, welche eine Nachbarin meiner Eltern ist (und die Schwester von Guido, nebenbei bemerkt um mal die Verwandtschaftsverhältnisse dar zu legen). Beide hatte ich irgendwie beim Betreten des Sporthauses übersehen. Kann ja mal vorkommen, wenn man gerade im Begriff ist ein Bier zu bekommen.

Da Gerstenberg und seine Freundin früh nach Hause wollten, nutze ich die Gelegenheit und schloß mich an. Denn günstiger kam ich nicht nach Hause. Um ehrlich zu sein, habe ich vorher durch kalkuliert, wie anstrengend der Fußmarsch wäre und wie lange ich noch aushalten würde. Aber die Vernunft hat gesiegt. Außerdem wollte ich ja nochmal bei der Dankesfeier vorbei gucken. ToKo fand das gar nicht gut, das wir schon aufbrechen wollten und überredete uns zu einem Scheidebecher. Komischerweise bekam ich einen Ouzo und eine Mischung. Obwohl ich ja nur eine Mischung haben wollte und gar keinen Ouzo. Warum werde ich immer falsch verstanden. Ich glaube das ist auch ein Grund warum ich es mir bei den Frauen immer so schwer fällt. Eigentlich will ich sagen: ”Wollen wir mal einen Kaffee zusammen trinken?“ und versteht wird immer ”Drei Becks, bitte aber zack zack„. Ich sollte an meiner Artikulation arbeiten.

Martin war dann so freundlich mich am Sporthaus in Westerode raus zulassen, wo ich dann die Endzüge der Party mitnehmen konnte. So dachte ich zumindestens. Denn als ich ankam, war gerade Aufbruchstimmung. Jedenfalls bei den Mädels. Die Jungs nahmen meine Ankunft als Anlaß nochmal richtig die Sau raus zulassen. Und wenn ich hier richtig schreibe, dann meine ich auch richtig. Stellenweise muß ich den Schleier des Jugendschutzes über die ganze Angelegenheit legen. Zunächst wurde erstmal das Auto von Philip rückwärts unter das Vordach des Sporthauses gefahren und die Anlage auf ”Ohrenbetäubend“ gedreht. Das war ja seit Schützenfest eh normal. Als kleiner Zwischenwurf sei hier mal angemerkt, das der gute Porno schon zu Hause war. Irgendetwas schien mit dem Jungen nicht zu stimmen. So langsam fange ich an mir Sorgen zu machen. Ich glaube ja, das es was mit dem Lanz fahren zu tun hat, will aber keine Gerüchte in die Welt setzen. Brauche ich auch gar nicht, denn von dem was ich schon wieder gehört habe, kann ich ein neues weblog eröffnen.

Aber wir wollen ja hier nicht über Porno referieren, sondern den Rest des Abends analysieren. Auf dem Tisch waren nur noch harte Drogen vorhanden und die Softdrinks die dort standen, dienten nur dazu dem Schnaps eine andere Färbung zu geben und um nicht so assig zu sein und den Schnaps pur zu trinken. Kurz gesagt, ich fühlte mich wohl und steig gleich in die Runde ein. Erster Versuch lief auf Wodka Cola hinaus, was aber schmeckte wie ein Schlag ins Gesicht. Voller Verzweiflung dachte ich schon daran Jim Beam zu trinken, bis mir dann die Flasche Wodka auffiel und einige cm daneben lächelte mich schon die Flasche Red Bull an. Gut, verglichen mit dem Havana Club war das jetzt ein Abstieg von der Bundesliga in die Regionalliga Nord, aber als Fan nimmt man ja alles mit. Ohne Vorwarnung begannen dann die Hemmungen zu fallen. Zuerst wurden T-Shirts ausgezogen und es wurde unanständig getanzt, so daß ich rote Ohren bekommen habe. Besonders Vollmer und Philip waren sehr zeige freudig und entblößten ihre Astralkörper. Zum Glück war das Halogenlicht nicht so hell, denn sonst hätte ich mir an der schneeweißen Haut die Augen verblitzt. Ich will jetzt nicht sagen, das meine Haut eine dunklere Färbung hat, ganz im Gegenteil, aber ich alte sie nicht so in das Licht, das vorüber fliegende Flugzeuge sie mit Landescheinwerfer verwechseln könnten. Abhilfe wurde aber geschaffen in dem Philip seine Warnweste zur Verfügung stellte, die wurde nun abwechselnd von Philip und Vollmer getragen. Dabei wurde eine exzellente Go-Go-Show geboten. Bei langsamen Liedern räkelte sich der Vollmer auch noch lasziv auf der Motorhaube. Weniger abgebrühte Leute wären jetzt schon abgetickt und hätten den Vollmer mit Geldscheinen beworfen. Aber nicht Schnitzel, Böning und ich. Wir konnten gerade noch so den Brechreiz unterdrücken Wir freuten uns nur. Warum? Weil sämtliche Kameras und Handykameras liefen, die gerade zur Hand waren.

Nach diesem grandiosen Schauspiel wurde es auch langsam Zeit, das wir uns auf dem Heimweg machten. Philip fuhr noch sein Auto zur Seite und zum ersten Mal hatte ich Angst, das ich jemanden als Ersthelfer aus dem Auto retten mußte. Aber wie es so schön heißt, Kinder und Besoffenen haben das meiste Glück. Der Rückweg verlief ohne Zwischenfälle, obwohl der ganzen Blumenau mitgeteilt wurde, das wir jetzt nach Hause gingen. Ich war froh das ich endlich in mein Bett konnte. Ich hatte es vermisst, nächtigte ich doch die Nacht vorher in einer Kaserne.

Chuck Norris braucht keinen Simulator. Denn es gibt keinen Simulator, der einen Chuck Norris Roundhouse Kick simulieren kann!

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