Das 3-Tage-Wochenende

Das Schützenfest hing mir immer noch in den Knochen, aber schon wurde sich wieder auf die nächste Party vorbereitet. Und vor allem war das Wochenende derart voll gestopft, das ich kaum Zeit zum Luft holen hatte. Es ging auch schon wieder Freitag früh los.

Als Mitglied des Elferrates hat man das Privileg auch mal zu Geburtstagen eingeladen zu sein. Und zwar als Abordnung des Vereine. An diesem Freitag feierte Johannes Böning seinen 50 Geburtstag (wir erinnern uns, der Orginaltag war ja am Pfingstmontag, also Schützenfest, kein guter Tag zu feiern) und hat eine Abordnung aller Vereine in denen er tätig ist eingeladen. So weit so gut, aber die Fete sollte schon um 1800 Uhr losgehen. Was so viel bedeutet, das ich mich tierisch beeilen mußte, denn wir hatten in irgendeiner Elferratsversammlung abgemacht, das wir zu solchen Festivitäten in unseren Elferratsklamotten gehen. Verdammt, warum bin ich bei solchen wichtigen Abstimmungen immer nie dabei. Da ich aber eh schon ein kleines Problem mit meinem Zeitmanagement habe, kam ich wieder Erwarten erstmal schön zu spät. Will sagen, die anderen Vereine standen schon alle parat und warteten auf mich. Wollt eich jetzt die ganzen Sprüche hinschreiben, die ich so zu hören bekommen habe, würde das den Rahmen sprengen, was ich ja auch regelmäßig mache.

Der Weg zum Schützenhaus, wo die Feier statt fand, war sehr schweißtreibend. Aber dank des Schützenfestes war mir der Weg noch sehr vertraut und ich konnte ihn mit geschlossenen Augen gehen. Ich konnte sogar mit hoher Genauigkeit sagen, wo welche Straßenlaterne steht und anhand der Unebenheiten der Blumenau wusste ich immer genau wo ich war. Die Blumenau hatte ich ja auch mehr als einmal komplett ausgemessen. Eigentlich sollte mich ja noch der schmierige Schmierpopel begleiten, aber da er ja von Natur aus ein wenig verwirrt ist, hat er alles falsch verstanden und hat sich dann ärgendwie was anderes vorgenommen. Nun ja, dann waren halt Stefan und ich die einzigen offiziellen Elferratsmitglieder bei der Feier. Das Teile der anderen Vereine auch im Elferrat waren, tat nichts zur Sache.

Bei der Ankunft mußten wir mit Erschrecken feststellen, das wir mit die ersten waren. So was hasse ich ja immer. Man steht rum und kriegt ein Glas Sekt in die Hand gedrückt. Sekt ist so ziemlich mein Lieblingsgetränk, kommt direkt nach Salzsäure. Der Beginn bei Feiern ist wie ein erstes Date. Wie weit geht man, was tut man am Anfang? Wollen es nicht Beide? Umgemünzt auf den Empfang stellt sich hier die Frage ab wann man sich dem kühlen Pils widmen kann. Der Mann hinter der Theke, in diesem Fall Florian, ein alter Hase in Sachen Zapfhahnbedienung, würde am liebsten schon mal den Hahn mit Bier druchspülen und ich auf der anderen Seite würde das Bier gerne meinen Hals runter laufen lassen. Auf der Innenseite natürlich. Verstohlen gucken wir uns an und ich blicke schüchtern in die Runde. Man tigert immer um den Zapfhahn ein wenig rum und Florian traut sich die ersten Bier anzuzapfen. Trotzdem standen alle noch mit dem Begrüßungsgetränk herum. Darf man zu Sekt eigentlich Getränk sagen oder ist das nicht eine Beleidigung für alle anderen Getränke? Und dann war es soweit. Das erste Bier wurde ausgeschenkt und dann auch noch an eine Frau. Ich war in der glücklichen Lage, das Florian mich ohne Worte verstand. Ein scheuer Blick und schon hatte ich ein gekühltes Glas Bier vor mir stehen. Vielleicht lag es auch an dem unappetitlichen Sabberfaden, der aus meinem Mund tropfte.
Als Bedienungen waren noch Patrizia und meine kleine Hüfte mit von der Partie. Das hieß das meine Angetraute immer wusste wann ich Durst hatte. Das könnte ein netter Abend werden. Zu Beginn stand man natürlich ein wenig an der Theke rum und unterhielt sich hier mal und da mal. Besonders Klasse fand ich ja, das der Keile-Günther mal wieder dabei war. Und wenn man ihn so beobachtete freute er sich auch und zeigte seine Freude darin das er eine gute Schlagzahl vorlegte. Aber ich wollte langsam beginnen, war man ja als Vereinsabordnung geladen. Da sollte man immer darauf bedacht sein, das man gute Manieren an den Tag legt. Jedenfalls zu Beginn.
Nachdem dann die Begrüßung vorbei war und vereinzelt auch schon Magenknurren vernommen wurde, setzten sich erstmal alle hin und lauschten den Worten des Gastgebers und einigen Gästen. Wie es nun mal so ist, werden bei runden Geburtstagen gerne Mal Anekdoten ausgegraben. Man lässt also alles über sich ergehen und ist dankbar, das die Bedienungen noch sehr aktiv sind. Hüfte hat es so eingerichtet, das sie an unserem Tisch bedient und versorgte mich so immer mit ausreichendem flüssigen Nahrungsmitteln. Es war wieder mal Hasseröder. Trotz der intensiven Kur des vergangenen Wochenende, kann ich mich immer noch nicht damit anfreunden. Da wird der Abend mehr nun auch nichts mehr dran ändern. Im Gegenteil er wird es bestimmt noch schlimmer machen. Aber im Schützenhaus wird nun Mal Hasseröder ausgeschenkt und Punkt. Ich werde es schon überstehen. Die Reden waren mittlerweile auch vorüber und das Buffet wurde eröffnet. Ich muß nun ehrlich zugeben, das es eins der leckersten und besten Buffets war an dem ich mich jemals laben durfte. Man erkennt, das es mir schmeckt, wenn ich ein zweites Mal los gehe. Es kommt nicht oft vor, auch wenn ich anders aussehe. Aber es war ein Grillgut-Buffet. Also nur Leckereien und Salate. Ich glaube so was lasse ich mir mal für zu Hause kommen.

Durch meinen zweiten Gang zum Buffet wurde mein Magen auf ungewohnte Weise gefüllt. War es sonst durch den Überschuss an flüssigen Sachen, wurde nun der Großteil durch feste Nahrung eingenommen. Ich hoffte das meine Verdauung damit zurecht kam, damit ich später noch genügend Bier rein schütten könnte. Aber auf der anderen Seite, würde ich den Verdauungsvorgang erst zu Hause abschließen wollen. Da schwang natürlich eine gewisse Ungewissheit mit und das machte die Sache noch spannender. Es folgte nun das unvermeidliche. Die Schnapsrunde und diesmal begrüßte ich sie sogar. Eine Linie wanderte die Kehle runter. Sitze man nun mit ein paar älteren Herren am Tisch kommen die guten alten Sprüche Marke: ”Auf einem Bein kann man nicht stehen!“ auf den Tisch. Also folgte der ersten Linie gleich noch eine Zweite. Es schmeckte aber nicht besser, ich hatte nur mein Gesicht ein wenig besser unter Kontrolle. Was wohl auch daran lag, das ich noch nicht so viel getrunken hatte. Ich merkte aber, das im Gegenzug andere Muskeln sehr aktiv waren. Aber die sanitären Einrichtungen im Schützenhaus sind ja auch recht nett. Außerdem kann man neue Spiele entdecken. So kann man beispielsweise am Stöhnen und Seufzen erraten wer gerade das Pinkelbecken in Beschlag genommen hat. Pfeifen ist meistens auch sehr beliebt.

Im Anschluss an das Essen folgte dann ein gefährliches Spiel. Das Rundenhopping. Angerissen habe ich die ganze Geschichte ja schon mal beim Schützenfest, aber bei Feiern ist der Schwierigkeitsgrad bedeutend höher, da keiner was bezahlen muß und alles umsonst. Bekommt man bei Bezahl-Feiern, wie sie mal nennen will, eher ein Bier als einen Schnaps in die Hand gedrückt, läuft der Hase hier anders. Hier gibt es gleich Getränke im Doppelpack. Bier und Schnaps. Kurzeitig fühlte ich mich an meine Studienzeit in WHV zurück versetzt, wo ich unter schwierigsten Bedingungen Kurz-lang-trinken gelernt habe. Aber was solls. Schnaps rein, dummes Gesicht machen, dummes Gesicht so lange halten, bis wirklich der gesamte Inhalt des Mundes den Magen erreicht hat, erleichtertes Gesicht machen, umdrehen und schütteln, Gesicht wie gerade gesteinigt machen und ein Bier hinterher kippen. Ist doch gar nicht so schwer.
Natürlich durften die obligatorischen Spiele und Fragen nicht fehlen. Patrick hat ein Glas Erbsen umher gehen lassen und die Gäste sollten schätzen. Ich vermute mal, das er an jedem Tisch die gleichen Fragen gestellt bekommen hat. Denn jeder wollte wissen, ob die Erbsen handverzählt sind. Das leicht melancholische Gesicht und das leichte Zucken des rechten Augenlids ließen erkennen, das es wohl so war. Vielleicht hat er sich auch das eine oder andere Mal verzählt und mußte bei 865 wieder von vorne anfangen. Man wird es nie erfahren, denn jedesmal wenn die Sprache auf das Zählen kam machte er ein Gesichtsausdruck, wie der Reiniger eines Elefantenkäfigs, der bei einem Betriebsunfall sein Haupthaar verloren hat. Themenwechsel. Der Männergesangsverein gab auch ein bis 18 Lieder zum Besten. Nach den ersten drei habe ich aufgehört zu Zählen. Besser gesagt Hüfte kam ihren Tätigkeiten hervorragend nach und versorgte mich immer mit genügend Bier. So war ich genügend abgelenkt, um die Musik um mich herum zu vergessen. Nur Antons Solo hat sich in meinem Gehörgang festgesetzt. Ich bin auch der Meinung das noch ein Spiel gemacht wurde, aber an mehr kann ich mich beim besten Willen nicht erinnern, da, wie schon erwähnt, Hüfte gute Arbeit leistete.

Früher oder später landete man bei jedem Geburtstag oder Feier an der Theke und dann beginnt der harte Teil des Abends. Man muß bestellen und gleichzeitig die fünf Bier austrinken, die vor einem stehen. Da jeder einen nicht zu kurz kommen lassen möchte, gibt es Breitseiten von allen Seiten. Ach ja, die ab und zu eingestreuten Schnäpse darf man hier mal nicht unter den Tisch fallen lassen. Ich blieb bei der Linie. Ein schöner Kümmelgeschmack auf der Zunge schadet nie. Auch wenn der Verdauungstrakt durch die Zufuhr des Kümmels in flüssiger Form auf Hochtouren lief. Das gibt ein wahres Freudenfest am nächsten Tag. Wir kommen nun auch so langsam in die Phase des Abends in der das Bier nicht mehr so ganz schmeckt und man umschwenkt auf alternative alkoholische Getränke. Zu der Zeit verlassen dann auch die meisten Geäste die Party. Doch wenn man will, dann findet man immer eine Ausrede um da zu bleiben. Aber ich wollte ja diesmal nicht so auffallen und hielt mich an Kalle Steinmetz. Stefan war schon gegangen und ich wollte dann mit Kalle los. Doch ich habe nicht mit Patrick gerechnet. Hinterrücks zog er mir mein Jacket wieder aus und stellte mir eine weiter Mischung Wodka O-Saft hin. Ja, ich trank Wodka-O. Ein Zeug was mir bereits mehr als einmal das Genick gebrochen hatte. Aber Jim Beam war außerhalb des Möglichen. Ein weiterer Versuch frühzeitig abzuhauen wurde auch vereitelt. Doch weiter trinken könnte in einem schlimmen Ende enden. Also tanzte ich mit Hüfte eine Runde auf der Tanzfläche. Sie sah einen aber auch mit diesem Hundeblick an, so daß wenn ich nicht mit ihr getanzt hätte, wieder ein schlechtes Gewissen gehabt hätte.

Wieder zurück an der Theke, machte Maren den folgenschweren Fehler meine eh schon poröse Fliege vom Elferrat anzufassen. Zupp und schon war sie ab, da ich gerade über den Vorfall nachdenke, ist mir ganz entfallen wo ich den alten Brummer hingepackt habe. Ich hoffe ich habe ihn nicht unterwegs entsorgt. Sicherlich nicht! (Mentale Notiz: Fliege vom Elferrat suchen, sonst gibt es bestimmt einen Einlauf!) Dann schaffte ich es endlich durch einen Trick fast den Aufbruch geschafft zu haben. Mein Telefon klingelte und David war dran. Stark alkoholisiert wollte er wissen, ob es heute Abend noch auf Tour gehen sollte. Ein Blick auf meine Uhr brachte erstmal gar nichts. Nachdem ich dann ein Auge leicht zu kniff, konnte ich den Großteil der Fehlerscheinungen eliminieren und mich auf die tatsächliche Uhrzeit konzentrieren. 0230 Uhr, meine ich erkannt zu haben. Kurz vorher habe ich mit Hüfte abgemacht, das wir jetzt abhauen. David hatte dann plötzlich keine Lust mehr und wollte auch ins Bett. Die zuvorkommende Hüfte hatte sogar schon mein Jacket mit raus gebracht, aber ohne eine Verabschiedung wollte ich nicht los gehen. Also machte ich einen folgenschweren Fehler. Ich ging wieder rein und wollte mich verabschieden, hatte aber mein Jacket schon an. Patrick schient für so was ein Händchen zu haben, denn das nächste an was ich mich erinnern kann, war das ich kein Jacket mehr an hatte und mit einer neuen Mischung an der Theke stand. Hüfte ging dann trotzdem nach Hause und all meine Überredungsversuche landeten vor einer Mauer.

Die Uhrzeit konnte nicht mehr festgestellt werden, aber gefühlt war es glaube ich 0330 Uhr als ich mich mit Schocker auf den Weg machte. Wie viele Wodka-O noch den Weg in meinen Magen gefunden haben, möchte ich gar nicht wissen. Auf jeden Fall waren wir auf dem Sportplatz unterwegs. Wie Alkohol-Motten wurden wir vom gleißenden Licht des Sporthauses angezogen. Da war wohl auch eine Party und die waren gerade am Aufräumen. Ich konnte Schocker gerade noch von den Leberwurstbrötchen abhalten und wir setzten unseren Weg fort. Ich zumindestens, da Schocker zu sehr geschwächt war, mußte er sich eine Taxi rufen. Vom Sporthaus bis zu sich nach Hause. Grob geschätzt 500 m. So schlecht kann man als Marktleiter gar nicht verdienen.
Der Samstag Morgen fand für mich nicht statt. Der Tag begann erst Mittags, da ich mit der Jugend zum Wettkampf mußte. Ich wollte zwar lieber meinen Kopf kurieren, da er durch den Vitaminschock des O-Saftes ein wenig schmerzte, aber die beste Kur gegen so was ist ja sich in schwül-warmen Wetter auf Feuerwehrwettkämpfen rum zu treiben. Ich bereitete mich auf alles vor, denn Hartmann war ja wieder mit von der Partie. Er hat ein natürliches Talent Fragen zu stellen, auf die eigentlich keiner eine Antwort weiß oder keiner eine Antwort geben will. Der Wettkampf ging schön in die Hose, denn wir haben zu viele Miese gemacht. Warum kann ich gar nicht sagen, denn getrunken haben die am Tag vorher ja nichts. Wenn mir so was passiert wäre, hätte ich wenigstens eine Erklärung dafür.

Abends traf ich mich dann mit Ingo und Matze. Nach einigen organisatorischen Stolpersteinen hatten wir aber das Abendprogramm festgelegt. Ingo holte Matze und mich ab und wir fuhren erstmal zum Einkaufen. Bier, Erdgenüsse, Tiefkühl-Pizza und Chips. Hört sich verdammt nach Fußball an. An der Kasse fiel dann mein Kiefer scheppernd auf das Förderband. Stand doch an der Nachbarkasse eine der hübschesten Apotheken-Angestellten in ganz Duderstadt. Ich mußte allerdings aufpassen, das meine Zunge nicht vom Förderband mitgenommen wurde und sich zwischen Förderband und Edelstahlkante fest klemmt. Supermarktkassen eitern ganz schlecht wieder raus und geben immer so häßliche Flecke. Bei ihr vorstellig zu werden war undenkbar, denn klare Sätze hätte ich gar nicht sprechen können, im Moment war ich froh das meine Lebenserhaltungssysteme tadellos funktionierten. Selbst das klare Denken war vorübergehend in einen Ruhezustand gewechselt.

Nach diesem freudigen Ereignis konnte der Abend enden wie er wollte, er war jetzt schon gut. Das Spiel war eher mau, dafür aber das Becks umso besser. Die Pizza war auch nicht zu verachten und die Erdgenüsse machten ihrem Namen alle Ehre. Nach dem Spiel guckten wir noch Teile eines harten Actionkrachers und dann ging es auch schon los. Zunächst mal ins MaxM. Doch dort war die Zahl der Anwesenden eher gegen Null tendierend. War ja eigentlich auch klar, denn beim Autohaus Otto war ja eine Mallorca-Party. Also konnte man davon ausgehen, das wir dort auch noch landen werden. Aber der lange Weg vom Kutschenberg zum MaxM ermüdete schnell und vor allem machte er einen höllischen Durst. Wir mußten zunächst unsere Kehlen benetzen. Während die Anderen schon bestellten, traf ich noch einen alten Arbeitskollegen. In der Hoffnung, das wir alle das gleiche bestellen würden nahm ich ein Weizen. Umso größer war dann die Überraschung, als die anderen normale Bier vor sich stehen hatten und ich mal wieder einen halben Literpott. Das mit Sachen peinlich sind, habe ich mir schon seit längerem abgewöhnt. So konnte ich in Ruhe mein Hefe genießen und Matze und Ingo konnten sich noch ein weiteres Bier gönnen.

Unsere Entscheidung stand aber fest, das wir definitiv noch zur Mallorca-Party gehen wollten. Ach ich vergaß zu erwähnen, das am Sonntag ja die Feuerwehrfahrt ist. Da das Organisationskomitee aus Friede und mir bestand, machte ich aber darauf aufmerksam, das ich nicht viel machen werde, besser gesagt zeitig nach Hause gehen werde, da mein Wecker um 0540 Uhr klingeln würde. So war zumindestens der Plan. Auf kürzestem Wege nahmen wir also den Weg zum Autohaus auf. Es hätte Eigentlich ein netter Spaziergang werden können, hätten uns ab dem Wall nicht drei total stramme und nervende Mädels verfolgt. Die fanden es total super, den gesamten Weg zu singen. Und das war Strafe im Doppelpack. Dann doch lieber die Fußsohlen mit einem Rohrstock verprügelt kriegen. Sie sangen schief, sie sangen laut und sie sangen Scheiß-Lieder.

Wir zogen unsere Geschwindigkeit an und konnten somit einen Sicherheitsabstand zwischen ihnen und uns bringen. Allerdings war er noch zu gering, denn wir hörten sie immer noch singen. Vorteilhaft war an unserem schnelleren Schritt, das wir schneller beim Autohaus waren. Eintritt bezahlen, Marken kaufen und los ging die Party. Überraschenderweise mußten wir nicht anstehen und drinnen war schon gut was los. Was natürlich negativ zu bewerten war, war die Tatsache, das wir Marken für Getränke kaufen mußten. Und Elton verkaufte die Marken. Ich hoffte natürlich auf einen besonders günstigen Rabatt, da ich ja nun schon Elton kannte (zu irgendwas muß diese Bekanntschaft ja mal gut sein), aber nichts dergleichen stellte sich heraus. Der volle Preis mußte auf den Tisch gelegt werden. Während die Anderen erstmal für 10 Euronen Marken holten, ging ich gleich in die Vollen und haute einen 20er auf den Tisch. Beim nächsten Mal sollten wir uns vielleicht besser absprechen. Kurz nach dem Betreten des Geländes lief uns auch schon Finke über den Weg. Der machte uns darauf aufmerksam, das wir doch Flaschenbier nehmen sollten, da es praktischer sei. Guter Tip. Aber woher sollten wir denn Flaschenbier nehmen. Am Besten von einer der Bierbuden, die überall rumstanden. Und es waren Becksbuden, was schon Mal als Pluspukt zu werten ist. Auf unserem Weg zu dem nächsten Versorgungspunkt traf ich dann auch Kerstin inklusive ihrer großen…, aber für eine innigere Begrüßung bleib keine Zeit. Der Durst trieb uns weiter und ich hatte die Führung übernommen. Das Bierschiff wurde dezent umschifft, da ich aus Aussagen von Finke schließen konnte, das weiter hinten ein weiterer Verkaufsstand war, an dem es dann Flaschenbier geben sollte. Die Ernüchterung war groß, als sich der vermutete Verkaufstand als ein stinknormaler, übergroßer Becks-Sonnenschirm entpuppte. Nun hieß es schnell schalten, da wir nicht weit vom Bier-Schiff entfernt waren. Da Ingo ganz hinten ging, was es seine Aufgabe nun sich schnellstmöglich um zudrehen und die Bestellung vorzunehmen. Seine Wahl viel auf frisch gezapftes und seine Wahl war schlecht. Selten so ein jauchiges Bier getrunken. Ich bezweifele auch das es Becks vom Faß war. Die nächste runde war dann wieder Flaschenbier. Das war dann zwar Becks Gold, aber es war um Längen besser als das gezapfte Bier.

Zwei weitere Runden später, machten wir uns langsam daran die Umgebung einmal genauer zu untersuchen. Unser Puls hat sich langsam beruhigt und der Durst wurde langsam gelöscht. Ganz weg ging er ja nie. Also machten wir uns auf unsere Odyssee durch die Menschenmenge. Als wir das äußere Areal komplett abgegangen sind, wagten wir uns in den inneren Bereich vor. Die Luft die uns entgegen schlug war schon mal kein Geschenk. Warm, stickig und voll von Frauen. Das war es dann wert doch einmal einen Blick zu riskieren. Und wen trifft man in der hintersten Ecke, nahe der Theke? Genau, die Westeröder. Tja, dann bleiben wir wohl erstmal ein wenig hier und schauten uns das ganze Spektakel mal aus der Nähe an. Es gab dann tatsächlich noch ein paar ganz mutige, die bei dieser Luft noch tanzten. Ich hätte bei solchen Temperaturen Probleme meinen Flüssigkeitshaushalt aufrecht zu erhalten, daher fiel für mich das Tanzen komplett aus. Nicht aber für Finker, der sich schon wieder rhythmisch zu der Musik bewegte. Er fühlte sich ganz in frühere Zeiten zurück versetzt. Schaute ich mich um, ging mir das ähnlich. Die Musik, Inka als Bedienung hinter der Theke, es war wirklich wie früher.

Dann kam das unvermeidliche. Ein junge schwarz haarige Dame stellte sich an die Theke. Und es war um mich geschehen. Nachdem ich aus meiner Trance in der ich wahrscheinlich wie der erste Mensch gestarrt habe, als er gerade das Feuer entdeckt hat wieder erwacht bin, wollte ich sie Ingo zeigen um vielleicht Namen, Alter, Adresse, sexuelle Vorlieben heraus zu bekommen, aber da war sie schon wieder weg. So mag ich das ja. Erst sieht man ein Frau die einem gefällt und dann geht sie wieder. Ich war plötzlich sehr rastlos und wollte unbedingt nochmal eine Runde gehen. Vielleicht, besser gesagt hoffentlich, treffe ich sie ja wieder. Ingo, der meine Probleme verstand kam dann auch mit und Matze schloß sich auch noch an, schließlich mußte unsere Runde ja zusammen bleiben. Nach zwei Runden im Außenbereich ging dann auch mein Biervorrat zur Neige und wir entschlossen uns für einen Zwischenstop. Ich war es auch leid, mich ständig zwischen den Leuten durchzudrücken. Ingo verspürte dann den Drang seine Blase ein wenig zu erleichtern, was mir auch recht war. Auf dem Weg zum Toilettenwagen fielen mir dann die Go-Go-Tänzerinnen auf, die zusammen mit dem DJ unter einem Pavillon gepfercht waren. Gut, da habe ich in der Hinsicht an dem Abend nichts verpasst.

Der Rückweg in den Innenraum stellte sich als neue Herausforderung raus, da unsere Route komplett überarbeitet werden mußte. Ingo traf dann noch wen unterwegs und Matze und ich mußten den Weg alleine fortsetzen. Ein kleine Engstelle war dann immer der Eingang. Manche Leute meinen sich dort zu platzieren, wo es am Engsten ist. Dieses Phänomen beobachtet man aber immer wieder. Da Schärfste finde ich dann ja aber immer, wenn sie einen böse angucken, wenn man an ihnen vorbei will. Vor und hinter dem Eingangsbereich waren riesige freie Flächen, wo sie sich jeder der Länge nach hinlegen können, aber nein, es wird dort stehen geblieben, wo so viel Platz ist, wie in der ersten Reihe bei Fußballspiel Hansa Rostock gegen Energie Cottbus. Die Reihen im Inneren haben sich schon ein wenig gelichtet, so daß das umher stehen nun auch angenehmer war. Doch lange hielt man es drinnen nicht aus, auf Grund der Luftqualität.
Bei der Fluch nach draußen lief ich dann in Manuel und wir kamen auf unser altes Thema, der Besuch bei Simone zurück. Er beschwerte sich erstmal das sie sich gar nicht mehr meldete. Also beschlossen wir, das sie uns den Schlüssel ihrer Wohnung zukommen lassen sollte und wir würden uns dann ein schönes Baller-Wochenende machen. Die Idee fand er hervorragend und wollte gleich mit Simone in Kontakt treten. Sobald er wieder klare Wörter sprechen konnte, versteht sich. Matze und ich setzten unsere Reise fort und ich traf an der Bierbude auf den Langen, der meinte mir erstmal zwei Bier ausgeben zu müssen. Ich wies ihn darauf hin, das er doch Flaschenbier nehmen solle, aber da hatte ich dann auch schon zwei Becher mit gezapften Bier in der Hand. Der Geschmack wurde aber verdammt nochmal nicht besser. Ich weiß gar nicht was die für ein Bier genommen haben. Auf jeden Fall hatte ich jetzt zwei Stück davon und den Rest aus meiner Flasche. Stellte sich mir nun die Frage, wie ich vorging. Tank ich zuerst die Falsche aus und stürze mich dann auf die nicht sehr lecker aussehenden Becher oder stelle ich die Falsche erstmal auf Halde und spüle den mit Sicherheit auftretenden Nachgeschmack mit dem Flaschenbier hinweg. Da ich wieder zu Lange überlegt hatte, kam es ganz anders. Matze kam zurück, sah meine missliche Lage und erleichterte mich um die Flasche. Irgendwie habe ich das Gefühl, das ich bei diesem Geschäft nur verloren habe.

Ingo stieß dann auch mal wieder zu uns und Matze verschwand dann aus unerklärlichen Gründen. Nun ja, dann ging ich eben mit Ingo wieder in die Sauna, die dort als innen liegender Discobereich bezeichnet wurde. Wir ergattert uns einen Stehtisch und einen herrlichen Ausblick auf die Theke. Leider habe ich die schwarz haarige Schönheit nicht mehr wieder gesehen, aber die Frauen die waren, waren auch nicht gerade unansehnlich. Die Uhr war aber auch schon weit nach vorne gerückt und mein Aufbruchtermin lag verdammt nahe. Die anderen Westeröder haben zwischenzeitlich schon die Zelte abgebrochen. Es war aber auch höchste Zeit, da alle die am nächsten Tag mit auf Feuerwehrfahrt gingen der deutschen Sprache nur noch rudimentär beherrschten. Schnitzel hatte die typische Rammbockstellung eingenommen. Kopf nach unten und alles was vor ihm war und nicht schnell genug zur Seite springen konnte wurde aus dem Weg geräumt. Zwei Mädels konnten nicht schnell genug reagieren und Schnitzel hat sich Platz gemacht. Kolbi, der hinter Schnitzel ging entschuldigte sich aber dann bei den Mädels. Ein kleines Vögelchen hat mir noch zu gezwitschert, das die ganze Truppe noch bei McDonalds war. Wer schon mal bei McDonalds war und dann kam eine Truppe vollstrammer Westeröder rein, weiß das es kein Geschenk war.

Matze, Ingo und ich sind mittlerweile etwas weiter nach vorne gerückt, da man dort einen besseren Überblick über die heißen Frauen Tanzfläche hatte. Ein kurzer Blich auf meine Uhr verriet mir, das ich jenseits meines Zeitlimit war. Ich haute die restlichen Marken auf den Kopf und sagte das ich nun verschwinde. Matze kam gleich mit und Ingo wollte dann auch gehen. Als ich mich dann in die Waagerechte begab, zeigte meine Uhr 0430 Uhr, mein Wecker war auf 0540 Uhr eingestellt. Ich stellte fest, das ich ein Riesenidiot war und schlief ein.

Der Wecker klingelte und ich mußte ihn erstmal weiter stellen. Der versuch aufzustehen wurde dank meiner Muskeln die nicht mir gehorchten vereitelt. Als ich dann endlich aufgestanden war klingelte auch gleich mein Telefon und Friede war dran. Er nölte mich voll, wo ich denn wäre und das ich doch schon längst da sein wollte. Und er hatte Recht. Ich hatte ein schlechtes Gewissen und wollte wieder zurück in mein Bett. Der Anschiß den ich mir abholen konnte war gewaltig, aber es gab andere Kameraden, die noch einen größeren Anschiß ab bekamen. Zum Beispiel unser Ortsbrandmeister, der Kai. Der kam nämlich ganz spät und hat sämtliche Termine verpeilt. Als die größte Aufregung vorbei war konnten wir dann los und Friede und ich haben uns auch wieder vertragen. Allerdings schmeckte mein erstes Bier absolut gar nicht. Noch nie habe ich länger für ein Bier gebraucht. Was noch erschwerend dazu kam, war das die Temperatur eher zu nahm als abnahm. Quasi ein Teufelskreis. Auf der Schnellstraße an dem Oker-Stausee entlang, fiel dem Ortsbrandmeister ein, das ihm ja schlecht war. Wir hielten an und er lief draußen rum. Nur die Blamage verhinderte dann das er sich übergeben mußte. Er verbrachte den restlichen Weg auf einem der vorderen Plätze in dem Schoß seiner Freundin. Wie kann man sich nur so vollaufen lassen. Matze hat dann übrigens auch noch in eine Tüte gebrochen.

Die erste Station war Thale, wo der Großteil auf den Hexentanzplatz gefahren ist. Friede und ich sind zu dem Zeitpunkt aber lieber mit zwei Freunden von Friede aus Thale zum Frühschoppen gegangen. Natürlich wurde erstmal gefrühstückt. Danach ging es bei mir aber auch bedeutend besser. Und das Weizen hat auch wieder geschmeckt. Anschließend ging es dann zur Wendefuhrttalsperre, die wir besichtigten. Keine besonderen Zwischenfälle hier, außer den üblichen doofen Fragen bei der Führung. Die Müdigkeit versuchte ein zwei Mal bei der Filmvorführung ich zu übermannen, aber dank Friede blieb ich wach. Nach dem Staudamm kam für mich der eigentlich Höhepunkt. Pullman City.

Die Westernstadt interessierte mich eigentlich nur mäßig. Nur der mechanische Bulle, den wollte ich reiten. Besser wäre es aber, wenn ich mir vorher noch ein wenig Mut antrinken könnte. Also gingen Friede und ich erstmal in den Saloon und stärkten uns bei Burger und einem Pitcher. Die Stimmung war trotz der Nachmittagsstunden grandios. Ein Band spielte und das Bier floß. Doch auf Nachfragen, wo man denn auf dem Bullen reiten konnte, bekam man nur die Antwort, das der Kollege nur Freitags und Samstags Abend in Betrieb wäre. Ich war enttäuscht. Eine ganze Woche freute ich mich auf das Bullenreiten und nun fiel es ins Wasser. An der Wild West Show hatte ich gar keine richtige Freude mehr. Sie besserte sich erst als wir im Anschluß noch einen Pitcher tranken.

Die Rückfahrt ging erstaunlich schnell vorwärts und bei Grillgut ließen wir den Abend ausklingen. Ich entschied aber für mich, das ich diesmal früh nach Hause gehen wollte. 2000 Uhr setze ich mir als Limit. Um 2100 Uhr kam ich dann auch endlich weg. Mein Bett war eine willkommen Abwechslung. Mit der Gewissheit, das der Montag ein ziemlicher Scheißtag werden würde schlief ich ein.

Wenn man Chuck Norris fragt wie viel Uhr es ist, sagt er immer ”Zwei Sekunden bis…“. Fragt man dann ”Zwei Sekunden bis was?“ bekommt man einen Roundhouse Kick ins Gesicht.

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