Das Wochenende, an dem ich nichts machen wollte

Als ich Freitag das erste mal wach wurde war es ungefähr 07 Uhr irgendwas. Jeder Brillenträger der mal versucht hat, eine Digitaluhr ohne seine Brille zu lesen weiß wovon ich hier spreche. Man kneift die Augen zusammen und versucht irgendetwas durch den Schleier der Unschärfe zu erkennen. Anfangs sah es aus wie ein L0, aber dann probierte ich einen anderen Blickwinkel und es entpuppte sich als eine 07. Mein Hirn versuchte krampfhaft das System neu hoch zufahren, aber es gelang einfach nicht. Also drehte ich mich nochmal rum und versuchte die erschreckende Zahl auf dem Radiowecker zu vergessen. Aber um 1100 Uhr quälte ich mich dann doch aus dem Bett um festzustellen, das 13 Stunden ballern gar nicht gut sind für den menschlichen Körper. Mein Kopf fühlte sich als als wäre er in Watte gepackt und mein ganzer Organismus vermittelte mir das Gefühl, als hätte ich die Nacht auf dem Koggen-Karussell im Heide Park verbracht. Mit einem Katapult vor die Wand geschmissen zu werden kommt dem Gefühl auch recht nahe. Glücklicherweise gab es kein Mittag sondern es wurde ”gut“ gefrühstückt, was für mich hieß ich versuchte ein Brötchen zu essen. Dafür sollte dann Abends gegrillt werden. Das hörte sich dann schon eher nach einem von mir bevorzugten Tagesablauf an. Mein Schwester war gerade mit ihrem Freund da bot es sich an den Abend mit gegrilltem Schweinefleisch ausklingen zu lassen. Natürlich suggerierte der Abend auch gleich wieder ein Bild von Hefe-Weizen oder gut gekühlten Bieren in meinem Kopf. Doch diese Visionen verdrängte ich vorerst aus meinem Kopf. Hatte ich doch ein paar wenige Stunden vorher erst die Bacardi Mischung auf der Spüle zurückgelassen.
Der Tagesablauf bestand dann aus der Reinigung von Davids Vorgarten und dem Zurückbringen des Leerguts. Das wollte ich diesmal nicht so lange auf die lange Bank schieben, da eins der größten Hobbies am Vatertag ist, die Flaschen nicht ganz aus zutrinken. Lässt man nun diesen Rest ein wenig vor sich hindümpeln, bildet sich schnell eine pelzige Schicht auf dem kläglichen Rest. Wahrscheinlich ist das Bier beleidigt, das der letzte Schluck drin gelassen wurde und fängt aus purem Trotz an zu schimmeln. Hat man nun diese Kiste in einer gut durchlüfteten Waschküche, die eigentlich ein Lagerraum geworden ist, fällt dieser süßliche Geruch nicht weiter auf. Kommt man aber in die Nähe der kontaminierten Kiste, fragt man sich schon woher der Geruch kommt. Erblickt man dann die Kiste des Übels und bemerkt die zentimeterdicke Staubschicht auf den Flaschenhälsen braucht man in der Regel noch eine halbe Stunde um eins und eins zusammen zu zählen und man fasst sich ein Herz und lädt die Kiste in den ansonsten leeren Kofferraum um dann alles zum Getränkemarkt zu bringen. Man bedenke, das noch ca. 14 bis 17 Flaschen mit einem pelzigen Rest gefüllt sind. Wenn es ganz dicke kommt legt man auf dem Parkplatz vom Marktkauf noch eine Vollbremsung hin weil die Klapse mal wieder Wandertag hat und alle Grobmotoriker, die ihren Führerschein bei der Klassenlotterie gemacht haben Freigang haben. Die wissen dann nicht das auf dem Parkplatz die StVO gilt und meinen mit ihrem tollen dicken Auto, inklusive Klorolle auf der Ablage, immer Vorfahrt zu haben. Dank dieser Vollbremsung hört man dann aus dem rückwärtigen Raum ein leichtes Klatschen mit anschließendem Klirren und Klappern von Flaschen. An sich ist dieses Geräusch ja sehr durstanregend, aber in diesem Fall werden plötzlich Worte wie: ”Fuck!“, ”Shit!“ und ”Du dämlicher Vollidiot! Sei froh das ich meine abgesägte doppelläufige Schrotflinte gerade beim Einschießen habe!“ an die Leinwand im Kopf projiziert. Das ganze Ausmaß der Katastrophe wird man erst gewahr wenn man dann den Kofferraum öffnet und sieht das sich die schimmelige Brühe aus den Falschen im Kofferraum verteilt hat. Und der Geruch ist unbeschreiblich.
Jedenfalls um diesen Vorfällen vorzubeugen beschloß ich die Kisten diesmal zeitnah zum Vatertag zurück zu bringen. Nachdem dies dann geschehen ist, bemerkte ich das eine der Kisten in klebriger Cola gestanden hat. Super, jetzt klebt halt meine Unfalltasche. Man gut, das ich mir im nächsten Jahr ein neues Auto kaufen werde will. Später dann am Tag hatte ich noch Jugendfeuerwehr. Eigentlich genau das richtige um den Brückentag zu begehen. Mein Körper machte aber keine Anstalten irgendeine Besserung zu zeigen und ich hoffte das die Aufregung und der Stress der Spaß mit den Jugendlichen dem ein Ende bereitete. Teilweise war es ein Erfolg, aber gänzlich kuriert war ich tatsächlich erst am Abend.

Der Grill hatte schon eine gute Hitze und ich legte schon mal die ersten Fleischstücke drauf, als ich bei meinen Eltern ankam. Fast schon automatisch kam dann der Griff zur Bierkiste und ehe ich mich versah hatte ich eine geöffnete Flasche Hasseröder der Größe 0,5 l in der Hand. Irgendwie ist mein Vater auf dem Trichter, das 0,5 l Flaschen besser schmecken. Mir soll es recht sein. Da halten dann die Flaschen ein wenig länger. Irgendwann trudelten dann noch die Cousine und der Cousin mit Teilen der Kinder ein. Also schon mit ganzen Kindern, aber eben nicht alle. Dank der Radikalkur Grillen-mit-Bier-trinken ging es mir schon wieder recht gut und ich konnte an Erfolgsleistungen des Vorabends anknüpfen. Da ich aber zu Hause war achtete ich ein wenig mehr auf die Gepflogenheiten und ließ ein paar Anstandsminuten zwischen den Bieren.

Gegen 2300 Uhr löste sich die ganze Gesellschaft auf, da der Stern die Erde noch nicht genügend aufgeheizt hat und es recht schattig wurde. Doch den angebrochenen Abend zu enden zu lassen widerstrebte mir schon ein wenig. Ich hatte ja eigentlich geplant den Freitag ruhig zu begehen. Aber das bereits konsumierte Bier weckte die Partybereitschaft in mir. Die Leber protestierte heftigste gegen den von mir gefassten Plan und hatte in Windeseile die Mehrheit der Organe auf ihrer Seite. Ein kurzes Telefongespräch mit Schnitzel später und ich befand mich auf dem Weg zum Feuerwehrhaus. Das Endziel des Abends war mir eh schon bekannt ohne das ich groß Nachfragen mußte. Im Feuerwehrhaus waren die üblichen Verdächtigen anwesend plus Oppermann. Oha, das konnte ja heiter werden. Ich war dicht an der Versuchung und wollte auf den Tisch klopfen, aber riß mich nochmals zusammen und griff auf die altbekannte Begrüßungsform zurück. Etliche Hände später konnte ich dann die bereits wund geschüttelten Hände an den kühlen Hals eines Krombachers legen. Und es folgte noch ein weiteres, bevor die Kutsche zur Werkstatt aufbrach.

Die Ankunft in der Werkstatt war dann doch eher ernüchtern. Denn es war nichts los. Jedenfalls nicht ganz so viel, wie man erwarten sollte. Die plötzlich eintretende Ernüchterung wurde verfolgt vom Schock und eh ich mich versah war ich an der ersten Flasche Wodka beteiligt. Es ist schon schlimm was so alles passiert wenn man mal wenige Minuten nicht aufmerksam ist. Schon hat man einen Lamborghini Diabolo gekauft oder ist Mitglied in der Fremdenlegion. Oder aber man haut sich eine weitere Falsche Wodka in der langen Geschichte der Werkstatt rein. Oppermann war schlau, der hat sich gleich einmal um die Werkstatt-Theke geschlichen und kam mit einem widerlichen Bier-Mix-Getränk zurück. Gut ob das jetzt eine gute Wahl war sei jetzt mal dahin gestellt, aber auf jeden Fall hat er sich an keiner Flasche Wodka beteiligt.

Die Falsche war recht schnell alle und ich bin mir nicht mehr ganz so sicher, aber wir haben noch eine zweite Falsche getrunken, doch die richtige Stimmung wollte nicht aufkommen. Dann kam noch der Florian W., ein alter Schulkollege, um die Ecke und wir haben über dies und das gequatscht. Und er hat tatsächlich keinen Vatertag gefeiert, weil er zu kaputt von der Arbeit war. Kann man sich so was vorstellen? Ich jedenfalls nicht. Selbst wenn ich gerade aus dem Steinbruch oder vom Kohleabbau kommen würde, wäre ich noch in der Lage Vatertag zu feiern. Aber er wird ja in diesem Jahr noch 30, da sei es ja verzeihen. Man gut das ich von diesem Alter noch ein ganzes Jahr meilenweit entfernt bin. Ehe ich mich versah, bereiteten sich die anderen auf den Heimweg vor, sagten mir aber nichts davon. Also mußte ich meine Mischung exen, was mir ja so gar nicht liegt und überhastet aufbrechen. Wenn mir also am Folgetag schlecht sein sollte, dann weiß ich wer Schuld ist. Auf dem Rückweg ging es dann noch kurz zu McDreck und dann ab nach Hause. Wurde auch Zeit.

Samstag, meine körperliche Verfassung gegenüber dem Freitag Morgen lässt sich nur als 80% besser einstufen. Meine Körperfunktionen sind in ihre alten Verhaltensmuster zurückgekehrt und mein Hirn führte einen kurzen Termincheck für den Samstag aus. Was lag denn alles an. Ach ja, ich fahre ja heute zum Bundesligafinalspiel nach Wolfsburg. Davon mal abgesehen das Wolfsburg Scheiße ist und nur eine dämliche Werkself kann ich mir wenigstens Werder Bremen angucken. Die haben zwar ihre Chancen auf eine Meisterschaft eine Woche vorher auch verkackt, aber da sind sie selber Schuld. Wenn ich mir vorstelle, das sich die Meisterschaft eventuell in Wolfsburg entschieden hätte und ich wäre dabei gewesen… Da wäre ich mit Sicherheit Sonntag Abend noch nicht zu Hause gewesen. Aber ich habe ja eh gut reden, denn ich favorisiere keinen Verein der in der jetzigen Bundesliga spielt. Erst wenn die Eintracht Braunschweig wieder aufsteigt, dann bin ich wieder mit dabei. Das wird jetzt noch ein Jahr länger dauern als geplant, aber ich habe Geduld. Den Grund der einjährigen Verlängerung möchte ich hier nicht hinschreiben. Aber sagen wir mal so, nächstes Jahr kann die Eintracht mal wieder die Nordsee sehen, wenn sie zum Auswärtsspiel nach Wilhelmshaven fährt. Aber konnten wir uns auf eine Standard-Bundesliga-Spiel freuen, bei dem es um nicht mehr viel ging. Wir, das waren David und ich. Eigentlich wollte er ja mit Andre zum Spiel, aber Andre hat kurzfristig abgesagt, weil es seiner Frau nicht so gut ging. Da springe ich doch gerne ein. Fußballstadion ist bei mir gleichbedeutend mit Bier und Bier. Also Bier auf der Hinfahrt, im Stadion und auf der Rückfahrt. Da bin ich doch immer dabei.

Eigentlich hatte ich ja geplant, das ich den Samstag nicht viel machen wollte da ich ja schon Freitag nicht viel machen wollte und dann doch wieder in der Werkstatt gelandet bin. Doch als wir durch Herzberg gefahren sind, hat David mich drauf hingewiesen, das ich bei der Tanke ja noch einen Sechser-Träger holen könnte wenn ich wollte. Werden bestimmte Schlüsselwörter gesagt, schaltet mein Hirn um auf den Zu-baller- Party-Modus und ich stimmte automatisch zu. Schlüsselwörter sind quasi, alles was mit Bier, Trinken, Party oder Bier zu tun hat. Das gute war, das David fahren wollte, da er noch an Nachwehen vom Vatertag litt. Mir kam das nur zu Gute. Der Sechser-Träger wurde gut im Fußraum verstaut und ich nahm mir vor mich zurück zu halten. Bis 1300 Uhr ging das ja auch ganz gut, doch dann nahm die interne Diskussion Ausmaße an, die ich nicht mehr kontrollieren konnte. Die Mehrheit lag eindeutig bei ”Kanne aufreissen“, da sonst das schöne, leckere Becks ganz warm werden würde. Da gab ich mich geschlagen und David hörte das erste Ploppen eines Kronkorkens neben sich. Der Beginn eines langen Tages.

Auf einem Parkplatz in der Nähe von Braunschweig trafen wir uns mit David, einem Ex-Nachbarn von David. Der hat wahrscheinlich einmal im Werder Bremen Fan Shop rauf und runter bestellt, denn er sah aus wie ein grün-weißer Pirat, da er sich eine Werder Fahne um den Kopf geschlungen hat. Ich wundere mich ob ich auch so rumlaufen würde, wenn die Eintracht gerade die Meisterschaft verspielt hätte. Wahrscheinlich nicht, ich würde wahrscheinlich im freien, mit blau und gelben Farben angemaltem Oberkörper durch die Gegend laufen. Ein Grund mehr zu hoffen, das die Eintracht nie so knapp an einer Meisterschaft vorbei schrappen wird. Auf dem Rastplatz kam dann noch ein Bus mit anderen Werder Fans aus einem, Nachbardorf an und einige davon erkannte ich wieder, da ich sie am Vatertag schon getroffen habe. Die Berichte auf beiden Seiten hatten frappierende Ähnlichkeiten. Bei beiden Berichten war das Ende sehr verschwommen.Dann kamen wir in Wolfsburg an und Superschlaumeier Peter hatte natürlich die Route vorher ausgedruckt, weil sie dem Superschlaukopf David vor einem Monat das Navi aus dem Auto geklaut haben. Da wir aber beide Superschlauköpfe sind, habe ich die Adresse von der Vereinsverwaltung eingegeben und nicht vom Stadion. Man merkt irgendwie das wir Cousins sind. Aber wir würden unseren Weg schon finden. Doch David wird in solchen Situationen schnell fickerig. Es ist aber auch eine Frechheit, das der Weg zum alten Stadion perfekt ausgeschildert ist und der Weg zum neuen Stadion überhaupt nicht erwähnt wird. Wir entscheiden uns also erstmal den Weg zum alten Stadion zu nehmen um von dort aus hoffentlich weiter zu kommen. Schimpfend wie die Rohrspatzen, über die fehlende Beschilderung, kamen wir dann also am Auestadion an und mußten feststellen, daß das neue VW-Stadion fast auf der Nachbarschaft lag. Stolz auf unseren unvergleichlichen Orientierungssinn klopften wir uns gegenseitig auf die Schulter und sagten uns gegenseitig was wir doch für tolle Kerle sind. Dann sind wir erstmal falsch abgebogen und haben uns in die Schlange mit den speziellen Parkausweisen eingereiht. Da wir aber keinen hatten durften wir wieder kehrt machen. Das 8 Meter große Schild, was darauf hinwies war aber auch schlecht beleuchtet. Aber wir fanden noch einen recht moderaten Parkplatz und hatten nur einen kleinen Fußmarsch vor uns. Auf dem Weg zum Stadion öffnete ich mein drittes Bier und war recht stolz, das ich noch gar nicht den Drang verspürte das bereits konsumierte Bier wieder frei zu lassen.

Der Weg zum richtigen Eingang wurde auch schnell gefunden und das Bier wurde schnell noch geleert, denn man darf ja keine eigenen Getränke mit in das Stadion nehmen. Dämliche Regelung, ob sie einen damit nötigen wollen, das teure Bier aus dem Stadion zu trinken? Wittere ich da eine diabolische Verschwörung? Das Abtasten war für mich wie immer eine große Freude. Anscheinend für mein Gegenüber auch der er kontrollierte mich ganz genau. So viel Sex hatte ich schon lange nicht mehr. Drinnen drängte es den David bald zur Fressbude und mich auf magische Weise zur Bierbude. Ich vermute mal das zu der groß angelegten Verschwörung auch heimlich installierte Lockruf-Sender gehören, die dem Unterbewusstsein suggerieren, das man jetzt sofort und keinen Augenblick später ein Bier braucht. Da es bei jedem Menschen anders ausgeprägt ist, werden halt einige zur Fressbude gelockt und die anderen zur Bierbude. Das Bier kam in 0,4 l Bechern daher und war leider von Hasseröder. Aber was wollte man auch im Wolfsburg Stadion erwarten? Aber dafür sah ich einen der coolsten Rucksäcke der Welt. Ein paar arme Schergen mußten sich ihr Geld damit verdienen, das sie den faulsten Säcken der Faulen das Bier an den Mann brachten. Man brauchte sich also den weiten Weg von ganzen 2 m zur Theke nicht mehr antun, sondern ließ einen jungen Mann mit aufgeschnalltem Faß zu sich kommen. Der füllte dann den Becher für das gleiche Geld. Eigentlich gar nicht so dumm. So ein Aufschnallfaß hätte ich natürlich auch gerne, denn es war mit eingebauter Zapfanlage. Der Hahn befand sich direkt vor dem Bauch und war somit immer im schnellen Zugriff. Und wenn keiner hin sah, dann konnte man auch eben mal den Hahn an den eigenen Mund halten. Gut, wenn ich den Job gemacht hätte, dann hätte ich ungefähr 9 € eingenommen und die restlichen 30 Liter in mich selber rein geschossen. Denn in der Besenkammer kommen nicht so viele zahlende Gäste vorbei.

Ich leerte also das erste Bier und organisierte mir noch ein weiteres und dann begaben wir uns ins Stadion. Von Kind auf bin ich ja eigentlich Eishockey-Fan und kein Stadion dieser Welt kann es eigentlich mit einer Eishalle aufnehmen, sei die Eishalle auch noch so alt. Die Atmosphäre ist einfach unbeschreiblich und lässt mich jedes mal eine Gänsehaut bekommen. Allein der Geruch vermittelt mir ein Gefühl, welches man hat, wenn man nach einer langen Reise endlich am Zielort angekommen ist. Ich fühle mich einfach rundum zufrieden, wenn ich in einer Eishalle bin. Ich bekomme ein Kribbeln im Bauch und werde so nervös, wie ich es sonst nur werde wenn bestimmte, hier nicht erwähnte, junge Damen vor mir stehen. Der Anblick der sich mir in der VW Arena bot, war schon beeindrucken. Ein wirklich schönes Stadion. Doch so richtig wissen es die Fans vom VfL Wolfsburg nicht zu würdigen. Die Werder Fans überwiegten und das ist schon ein trauriges Zeichen für eine Heimmannschaft. Umso besser war es natürlich für die Werder Fans.
Das Spiel war solide Kost. Wobei die erste Halbzeit besser war als die zweite Halbzeit. Vor allem für mich. Denn nach kurzen 20 Minuten machte sich ein Druckanstieg in meinem Leistenbereich bemerkbar. Da wollten unbedingt zwei Liter Bier wieder den weg an die frische Luft. Praktischerweise saß ich ganz am Ende einer Sitzreihe. Richtig, genau da wo die räumliche Trennung von den einzelnen Blöcken ist. Aber die Sicht war noch annehmbar. Nun gab ich Durchhalteparolen an meinen Körper durch. Ich nahm mir vor bis zur 35. Minute auszuhalten, damit ich nicht im größten Ansturm auf die Toilette mußte. Doch wenn der Druck erstmal anstieg, dann wird es schlimm. Jeder der schon mal den nötigen Gang zur sanitären Einrichtung aufhalten mußte weiß wovon ich rede. Egal wo man hin guckt, überall wird man an fließendes Gewässer erinnert. Und die Uhr hatte plötzlich die Geschwindigkeit einer Schnecke bekommen. Die Minuten gingen nur noch im Zeitlupentempo vorbei. Ich erwischte mich sogar schon bei dem Gedanken ob es möglich wäre unbemerkt meine Last in einen der Bierbecher zu entladen. Aber der Anstand vertieb diesen Gedanken schnell mit Mistgabeln und Fackeln. Dann war es endlich soweit und die Uhr zeigte die 35. Spielminute. Ich gab mir einen Ruck und kämpfte mich durch die vollbesetzte Reihe und hatte sogar auf dem Klo das alleinige Vergnügen. Grob geschätzt sage ich jetzt mal das ich mit ungefähr 10 bar das Pinkelbecken traf. Es war ein Wunder das die Dübel in der Wand hielten.

Nun da ich Platz in der Blase gemacht hatte und außerdem einen unglaublichen Durst entwickelt habe organisierte ich mir gleich einen weiteren Becher Bier. Es war ja leer an der Theke. Den Rest der Halbzeit guckte ich dann vom Eingang ins Stadion aus, wo auch schon die ersten richtigen Strammsäcke die recht steilen Treppen herunter purzelten. Schön wenn man so stramm ist. Für mich bedeutete das noch einen langen Weg. Kurz bevor dann die Halbzeitpause da war organisierte ich nochmals zwei Bier, für David und mich. Glücklicherweise stand ich die zweite Halbzeit ohne größere Probleme durch. Meine Blase ist doch schon trainiert. Doch sie ist durchaus noch aufbaubar. Über Fernmeldetechnik erreichten wir dann auch Manuel, der mit Melanie und seinem Sohn im Stadion war. Über ca. 400 m wie der Rabe fliegt prosteten wir uns zu und verabredeten uns nach dem Spiel vorm Stadion. Die zweite Halbzeit hatte einiges an Biß verloren, aber Werder hat gewonnen und David konnte zufrieden nach Hause fahren.

Ich muß zugeben, das der Weg aus dem Stadion auch sehr problemlos ging. Trotz der Menschenmassen war alles sehr übersichtlich und ging flugs voran. Nach einigem Verwirrspiel trafen wir dann mit Manuel, Melanie und Moritz zusammen und genehmigten uns noch ein Pils an einer Bierbude. Doch man wollte ja nicht den ganzen Tag in Wolfsburg verbringen und der kleine Moritz war auch schon ein wenig quengelig und so trennten sich unsere Weg recht schnell. Außerdem drückte meine Blase schon wieder. Aber es waren jetzt auch schon gut 2,5 Liter Bier durch meinen Schlund in die Blase gelaufen. Und ein dritter wartete noch im Auto auf mich. Obwohl ich den wohl vergessen konnte, weil er ja nun schon fast 2,5 Stunden im Auto gestanden hat. Zu meiner großen Überraschung war er doch noch trinkbar und die geleerte Blase versprach eine reibungslose Rückfahrt.

Wir nahmen den langen Weg aus Wolfsburg, da wir zu blöd waren die Schilder zu lesen noch an der Autostadt vorbei wollten. Und noch während der Fahrt manifestierten sich meine Pläne für den Abend. Falls ich weiter oben erwähnt habe, das ich nichts machen wollte an dem Samstag Abend, dann bitte ich das hier sofort zu vergessen. Ich verabredete mich also mit Schötti und dem Dr. Dieck und hatte schon Befürchtungen das es wieder ein harter Abend mit Glashaus-Abschuß werden könnte. Aber als mich Schötti um 2100 Uhr abholte war schon klar, das es nicht so lange gehen sollte. Denn auch den Beiden hing noch der Vatertag in den Knochen. Was um Himmels Willen haben die denn alle gemacht. Ich habe doch auch nicht gerade zimperlich getrunken, aber mir geht es schon wieder gut und vor allem hatte ich schon 3,5 Liter Bier intus.

Wir begaben uns also ins Ambiente und mußten feststellen, das auch dort nicht mehr ganz so viel los ist. Aber für ein paar Hefe-Weizen würde es schon noch langen. Zu den Hefe-Weizen wurden dann noch die Geschichten der vergangenen Wochenenden ausgetauscht. So erfuhr ich quasi aus erster Hand das der Dr. sich ganz böse am Vatertag betrunken hat und im ”Halben Mond“ auf der Theke geschlafen hat, inklusive Fotobeweis. Aus Markus seiner Reaktion wurde mir klar, das es auch für ihn neu war. Als wir tiefer in die Erzählung einstiegen stellte sich heraus das übelster Mißbrauch mit hochprozentigen Spirituosen getrieben wurde. Ich muß zugeben, das ich nun ein wenig neidisch wurde denn der Mißbrauch sowohl auch die hochprozentigen Spirituosen bleiben bei mir aus. Ich muß unbedingt die Planung für den Vatertag des kommenden Jahres überdenken.

Der Abend war aber relativ schnell vorbei und nach vier Hefe ging es dann schon nach Hause. Ich muß an dieser Stelle aber zugeben, das ich wirklich fertig war und die 5,5 Liter Bier die mittlerweile meinen Körper durchflossen haben blieben nicht ohne Wirkung. Aber an der Tatsache, das ich noch genau beziffern kann wie viel ich getrunken habe lässt darauf schließen, das ich nicht bis zur Besinnungslosigkeit getrunken habe. Und das ich gut im Training war. Übrigens kommendes Wochenende ist nicht nur Pfingsten, sondern auch noch Schützenfest in Westerode!

Übrigens: Die Anfangsszene des Films ”Saving Private Ryan“ basiert auf einem Fußballspiel von Chuck Norris aus der dritten Klasse!

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