If you want blood…

Huch, welch blutrünstige Überschrift und dann auch noch ein Song-Titel von einer australischen, extrem geilen Rock-Band die öffentlich zu gibt mit der Hölle zu sympathisieren. Aber es ist alles viel harmloser. Von einem gewissen Standpunkt aus.

Ich habe nämlich gestern Blut gespendet und zwar beim ”Roten Kreuz“. Ja ja, ich kann die Sprüche schon hören. ”Wer soll denn Dein Blut bekommen? Porno Harald Juhnke?“ oder ”Aha, die planen wohl eine Betriebsfeier beim Roten Kreuz.“. Aber es war ja Donnerstag und der Samstag, so heftig er war, ist nun schon ganzen 96 Stunden zurück, also habe ich gute 9,6 Promille abgebaut. Das sollte durchaus reichen um keine erhöhten Leberwerte zu bekommen. Eigentlich hatte mich der Ingo ja überredet und er hat ganz fiese Mittel dazu benutzt. Er berichtete mir nämlich das beim letzten Mal eine nicht näher genannte junge Dame mit einem Granatenarsch auch ihr Blut gespendet hat und schon bettelte ich darum mit beim nächsten Mal Bescheid zu geben, denn ich wollte unbedingt den Saft des Lebens spenden. Am Besten im Beisein besagter junger Dame. Scherz beiseite, ich wollte eh mal wieder mit dem Blutspenden anfangen. Das größte Problem bestand allerdings in meiner schier unheilbaren Phobie vor Nadeln und anderen spitzen Gegenständen die in Menschen rein gesteckt werden können.

Aber das Blutspenden stand ja noch nicht vor der Tür. Bis sich dann der Ingo meldete und meinte das am Donnerstag Blutspenden ist und ob ich Lust hätte mitzukommen. Gemeinerweise ließ er auch wieder den Namen besagte jungen Dame mit dem Granatenarsch fallen. In meiner Euphorie sagte ich schneller ja, als meine Synapsen im Hirn schalten konnten. Und der Donnerstag kam und ging rasend schnell vorbei. Ziehen sich sonstige Arbeitstage hin wie Kaugummi, auf welches man an warmen Tagen auf dem Asphalt tritt (und anschließend auf der sündhaft teuren Auslegeware im heimischen Wohnzimmer verteilt), ging der Donnerstag so schnell vorbei als der neue TGV (Wo wir gerade dabei sind: Verdammte Franzacken!) und der Abzapftermin rückte näher. Doch ich wollte mich meinen Dämonen stellen und mir endlich mal wieder Blut abzapfen lassen.

Ich fuhr also gegen 1800 Uhr zur AOK um Ingo abzuholen. Vorher mußte ich noch eine Besorgung in der Bahnhofsapotheke machen, in der Apotheke, mit den absolut hübschestens Verkäuferinnen. Bin ich dort drin, gehören klare deutsche Sätze sprechen nicht mehr zu meinen Eigenschaften. Stummes deuten auf Artikel die man käuflich erwerben möchte ist schon das Höchste an Körperkontrolle. Anschließend ging es dann gleich zur Astrid-Lindgren-Schule und zur Anmeldung. Leider konnten meine Daten vom letzten Blutspenden nicht mehr gefunden werden, weswegen ich als Erstspender geführt wurde. Gut, das letzte Mal ist schon ein wenig her und davor war ich das letzte Mal beim Bund spenden. Man drückte mir also den obligatorischen Fragebogen in die Hand. Noch konnte ich aus der ganzen Sache fliehen. Nur eine einzige Frage falsch beantworten und schon war ich draußen. Aber das konnte ich dann beim besten Willen nicht mit meinem Gewissen vereinbaren. Bei zwei Fragen war ich mir ein wenig unsicher, aber Ingo half mir brüderlich aus der Misere. Ich glaube das war ”Wiegen sie weniger als 50 kg?“ und ”Leiden sie an erhöhten Gewichtsverlust?“. Nach kurzer Diskussion mit Ingo konnte ich die erste Frage mit ”Nein“ beantworten und bei der Zweiten würde ”Leiden sie an erhöhten Gewichtszunahme?“ eher zutreffen. Also wurde nicht gekniffen und es ging weiter, der drohenden Spritze entgegen. Zunächst piekste mich eine junge Dame mit osteuropäischen Akzent in den Finger. Sie lächelte dabei, aber sie war knallhart. Dann gings weiter zum Doktor, der meinen Blutdruck aufnahm. Bisher alles kein Problem und in eine Papiertüte mußte ich auch noch nicht atmen. Nun kam der Kollege, der die Beutel verteilte. Ich staunte nicht schlecht, als er mir ganze vier Beutel auf mein Klemmbrett legte, gefolgt von einem Ständer für drei Ampullen. Langsam machten sich Zweifel breit, ob ich hier wirklich nur einen halben Liter spenden sollte. Dann kam der Moment, wo ich auf die Liege gebeten wurde. Links der Ingo und rechts das Fixerbesteck Blutentnahmeuntensil. Nun gab es kein zurück mehr. Und die erhoffte junge Dame mit dem Granatenarsch war auch noch nicht da um Zeuge meines heroischen und selbstlosen Verhaltens zu werden.

Eine Dame fortgeschrittenen Alters trat an mich ran und versuchte mich mit Worten durcheinander zu bringen, doch ich warnte sie vor, das sie meinen Arm lieber fixieren sollte. Nur zu ihrer eigenen Sicherheit. Und bevor ich mich versah steckte eine Nadel so groß wie ein Gartenschlauch in meinem Arm und die drei Ampullen zur Blutuntersuchung wurden gefüllt. Ich weinte ein bisschen und bekam einen Lutscher. Den Einstich merkte ich ganz kurz und dann fiel ich in Ohnmacht lief es ganz gut raus. Nach knappen 10 Minuten war dann der Beutel auch schon voll und ich konnte mich eigenen Fußes zu den Erholliegen begeben. War zwar nicht nötig, aber ist so vorgeschrieben. Anschließend gab es dann noch lecker Essen, wo Ingo und ich uns noch gütlich taten. Und zwar nicht zu knapp!

So schlimm wie ich es mir ausgemalt habe, war es nun wirklich nicht und ich schäme mich ein wenig meiner Phobie. Beim Bund waren sie jedenfalls nicht so fürsorglich. Da wurde die Nadel in den Arm gerammt und dann gings im Laufschritt wieder zurück zur Kompanie.

Nun meine Empfehlung an alle meine Leser. Geht Blut spenden. Es tut nicht weh und man hat davon mehr als genug. Ob ihr nun dorthin geht wo es Geld gibt oder wo man unentgeldlich angezapft wird, ist ziemlich egal. Nur tut es. Junge Blutspender gibt es immer weniger und Blut ist extrem wichtig. Ich werde auf jeden Fall wieder hingehen und hoffe ein paar von Euch dazu überzeugt zu haben. Wer sich erkundigen will guckt beim Roten Kreuz oder auch bei Wikipedia nach.

Folgende Punkte helfen vielleicht bei der Entscheidung:

1) Man rettet Leben

2) Das Blut wird gründlich untersucht und bei etwaigen Problemen bekommt man sofort Bescheid.

3) Man bekommt freies Essen und Getränke (und im Klinikum Geld)

4) Wenn man Glück hat sind gewisse junge Damen mit einem Granatenarsch da!

Außerdem geht Chuck Norris auch Blutspenden. Aber wenn Chuck Norris Blut spenden geht, dann verlangt er statt der Nadel und dem Beutel eine Pistole und einen Eimer!

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One Response to If you want blood…

  1. […] Außerdem hatte ich ein wenig Bedenken, das ich durch den akuten, bewusst herbei geführten Blutverlust am Donnerstag nicht so standfest sein könnte, wie man es sonst von mir gewohnt ist. Daher hielt mich an den […]

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