Ostern und kein Ende in Sicht

Die Generalprobe liegt hinter mir und ich fühlte mich gewappnet für das Osterwochenende. Ostern ist ja bekanntlich das Fest der Auferstehung. Man ahnt ja gar nicht wie passend das ist. Ich fühlte mich jeden Morgen wie von den Toten auferstanden. Nur sah ich nie so gut aus. Zum Glück habe ich das Trainingslager besucht, denn ansonsten hätte ich arge Probleme gehabt, das alles so einigermaßen Zwischenfallslos durchzustehen. Das Wochenende hat mir aber in einigen Punkten die Augen geöffnet. Vor allem was den Umgang mit Wodka angeht. Doch seht lest selbst.

Mittwoch

Ja, richtig gelesen. Es ging schon am Mittwoch los, da man ja ansonsten nicht genügend zu trinken bekommen könnte. An irgendeinem Tag des vorangegangenen Wochenende wurde beschlossen, das es am Mittwoch nach Göttingen gehen sollte um zu überprüfen ob das Alpenmax auch am Mittwoch so gut gefüllt ist und ob die Gerüchte stimmen würden, das man dort alle Getränke für einen Euro bekommt. Ich meldete mich sofort für den Stoßtrupp ”Alpenmax“ freiwillig. Man hat ja eine gewisse Verantwortung und ich konnte mich nur selber von diesen Gerüchten überzeugen. Augenzeugenberichte von solchen Aktionen sind nicht immer sehr verlässlich. Der freie Tag den ich dafür am Donnerstag brauchen würde war eher ein kleines Problem, da ich genügend Überstunden angesammelt hatte.

Es konnte also beginnen. Schnitzel holte mich gegen 2000 Uhr ab und Patrick, Schnitzel und ich begaben uns auf den Weg zu Vollmer, der ja jetzt in Göttingen wohnt. Zwei Dinge waren mir sofort klar, als ich hörte das der Vollmer auch mitkommen würde. Es würde vorher Bier geben, was meine Euphorie steigerte und es könnte durchaus vorkommen, das an dem Abend wieder ein paar Barhockertanzeinlagen zum Besten gegeben werden. Schnell rief ich mir nochmal die Erste-Hilfe-Ausbildung in den Kopf. Leider mußte ich feststellen, das sie schon einige Lücken aufwies. Stabile Seitenlage und Retten aus dem Kampfstand wurden allerdings dank der Bundesweg in meine Großhirnrinde eingemeißelt. Wobei ich nun nicht wirklich einordnen kann, wann ich jemals Retten aus dem Kampfstand benötigen werde. Bei Vollmer angekommen, gab es, wie nicht anders zu erwarten Bier. Es war zwar wieder Nörten-Hardenberger, aber es sei ihm verziehen, denn als Student hat man es ja nicht so Dicke im Portemonnaie. Auf der anderen Seite ging es im Alpenmax aber auch recht gut rund. Egal, das Bier schmeckt gar nicht so übel, wenn man sich erstmal die dritte Flasche mit aller Gewalt reingedrückt hat. Kurze Zeit später kamen dann noch Kai, Wiebke, seine Freundin, und Verena dazu.

Da wir aber Nägel mit Köpfen machen wollten, tranken wir schnell mal die Getränke aus und begaben uns dann auf den Weg zum Alpenmax. Florian und Patricia versicherten uns zwar, das es nicht so weit wäre, aber ich bin nun schon mehr als einmal vom Leineberg in die Stadt gegangen, wohnte doch Streiti auch mal auf dem Leineberg. Und es ist verdammt weit. Und Bier konnten wir auch keines unterwegs mitnehmen, da sonst ja die Kiste von Vollmer nicht voll gewesen wäre. Manchmal stellen sich die Leute aber auch an. In meinem Kopf ging ich die Route ab und mußte mit Erschrecken feststellen, das auf dem gesamten Weg keine Tanke oder ein Kiosk war, an dem man im Notfall schnell mal ein Bierchen organsieren hätte können. Also wurden dann ab der Hälfte Durchhalteparolen durchgegeben. Nach einem klitzekleinen Zwischenstop beim Burger King im Bahnhof, kam das Alpenmax immer näher. Also war es nicht mehr lange bis das nächste kühle Bier seinen Weg in meinen Magen finden würde. Man sollte es aber nicht für Möglich halten, aber die Türsteher kontrollierten Ausweise. Das war das erste Mal, seit dem ich weggehe, das ich in Deutschland meinen Ausweis an einer Disco vorzeigen mußte. In den USA mußte ich den Ausweis in jeder Kneipe rausholen, wenn ich ein Bier haben wollte. Ich hatte schon Angst das die ganze frische Luft und das ganze UV-Licht ihm schaden würde. Aber in Deutschland hatte ich ihn halt nur im Geldbeutel, weil man das mir irgendwann mal gesagt hat. Ansonsten hatte ich noch nie die Notwendigkeit des Ausweises benötigt.

Im Alpenmax war es gar nicht mal so voll. Es war zwar schon gut gefüllt, aber noch angenehm, so daß man herumstehen kannte und mehr Platz hatte als Mittwochs im Aldi, wenn der Supermarkt-Gigant mal wieder einen PC auf den Markt schmeißt. Überall hing aus, das alle Getränke nur 99 Cent kosten würden. Also gings erstmal los mit Bier, denn ich wollte den Magen ja nicht gleich über strapazieren. Außerdem wollte hatte ich noch Schreckensszenarien von verfrühten und somit missglückten Umsteigeaktionen auf Schnaps im Hinterkopf. Nie wieder so außer Kontrolle geraten, war ein Vorsatz, der sich in meinem gesunden Menschenverstand manifestiert hat. Schade nur, das er unter erhöhten Alkoholkonsum manchmal, in die Knie geht. Also blieb ich vorerst beim Bier. Die Bedienung kam dann zurück mit zwei Bieren. Sie nannte das jedenfalls so, aber für mich sahen sie nicht sehr appetitanregend aus. Schaum war kaum vorhanden, dafür war aber die maximale Füllhöhe fast erreicht worden. Ich bin ja nun nicht der penibelste wenn es um dass Zuballern Trinken geht, aber ein wenig Niveu wollte ich mir dann schon noch bbewahren. Mit einem kritischen Blick musterte ich die Bedienung, die aber demonstrativ in eine andere Richtung guckte. Ich hoffte für sie war es genauso unangenehm wie für mich. Weiterhin hofft eich das sie lernfähig war und die nächsten Bier wenigstens ein wenig mehr nach Bier aussehen ließ. Da hatte ich mich aber getäuscht. Schnell avancierte die junge Dame hinter der Theke zu meiner persönlichen Favoritin. Sie zog eine harte Linie durch. Die Bier kamen permanent in der gleichen miesen Qualität, aber sie konnte sich immerhin merken, wer wann an die Theke gekommen war. Auch wenn sich vorwitzige Schmalspur-Prollos an der Theke vordrängelten. Das gefiel mir sehr gut, aber das Bier kostete dann einige Symphatiepunkte. Außerdem war sie nicht in der Lage mehr als sechs Gläser raus zugeben. Auf die Frage nach dem Grund, bekam ich zur Antwort das es wegen dem Glasbruch so sei. Nun begann in meinem großen, männlichem Gehirn ein Rechenprozess, der die eben getroffenen Aussage mit der von mir gestellten Frage in Verbindung zu bringen versuchte. Trotz Ressourcenverschiebung aus wichtigen Prozessen, habe ich es nicht zu Stande gebracht. Sie hätte genauso gut sagen können, das es wegen dem Klimawandel oder des Juckreizes unter der rechten Fußsohle von Reinhold Messner liegen würde, das hätte vielleicht sogar eher Sinn gemacht. Ein war aber klar, die Bedienung und ich würden an dem Abend keine Freunde werden. Leider war unser Standort so gewählt, das der Einzugsbereich der besseren Bedienung zu weit entfernt war. Entweder bahnte man sich den Weg durch eine große Anzahl an Spacken oder man lebte halt mit der seltsamen Bedienung. Nachdem ich dann das vierte Bier ohne Schaum und bis zum Rand gefüllt serviert bekommen hatte stand fest, das ich kein weiteres Bier bestellen würde. So wird man quasi auf den Mischungszug gezwungen. Aber ich habe ein reines Gewissen. Kommen wir nun zu einem weiteren unschönen Erlebnis. Die Musikauswahl im Alpenmax ist wirklich unter aller Kanone. Ich bin es ja gewohnt in Disco nie die Musik zu hören die ich gut finde und nach einer Zeit gewöhnt man sich auch daran und stellt gar keine Ansprüche mehr. Ich wurde schon seit Jahren mit Pseudo-Hits gequält und fing schon früh an die aktuellen Charts zu hassen und vor allem entwickelte ich eine unbeschreibliche Abneigung gegen Pur (selbst diesen Namen hier nieder zu schreiben, hat Überwindung gekostet und ich werde sie keinesfalls verlinken) und Wolle Petry. Der ja glücklicherweise seine Freundschaftsbändchen an den Haken gehängt hat. Meine Gebete wurden erhört. Leider wurde zeitgleich mit seiner Aufgabe als Sänger-Imitator seine bisherigen ”Werke“ nicht eingestampft, was bedeutet das DJs die Menschheit noch Jahre mit dieser Musik quälen können. Ein kleiner Hoffnungsschimmer besteht ja noch darin, das es irgendwann einmal ein neues Musik-Format gibt und dann wird die Übernahme dieser Lieder einfach vergessen. Nun hat sich ein neues Leid den Weg in meine Liste erkämpft. ”Ein Stern“ heißt das Machwerk und wird von irgendwelchen Pfeifenwichsen gesungen, die meinen, daß das was sie da von sich geben Musik ist. Das ganze Lied wird dann nur noch getoppt von diversen Leuten, die meinen den Text auch noch mitsingen zu müssen, aktuell Kai, der mir mit solchen Aktionen tierisch auf den Sack geht. Dann gibt es da noch die andere Sorte, die meinen es sei absolut obercool, wenn sie versuchen im Takt die Hüften zu bewegen und mit dem Fuß anfangen zu tippen. Doch das machen sie keineswegs, weil sie das Lied so unglaublich toll finden, sondern weil vor ihnen ein paar Mädels sich zu dem Lied rhythmisch bewegen. Damit wollen sie wohl ausdrücken, das obwohl sie aussehen, wie Schlauchboot, sie doch Gefühle haben und ein ”gutes“ Lied zu schätzen wissen. Ich höre hier besser auf, denn solche Typen in Verbindung mit solchen Liedern brechen die dunkelsten Seiten in mir auf. Das schafft kein Film, kein Computerspiel, keine Nachrichten, gar nichts. Eine Stunde NDR1 Niedersachsen würde reichen um mich in den Wahnsinn zu treiben und eine halbe Stunde später mit 250 km/h über die Autobahn zu rasen.

Der Umstieg auf die Mischungen brachte aber auch nicht die erhoffte Scheiß-egal-Stimmung. Erschwerend kam hinzu, das ich nun öfter auf die Toilette mußte als nach einer ganzen Kanne Blasen und Nieren Tee. Und da taten sich wirklich Abgründe auf. Ich wusste ja schon seit Langem was Alkohol mit Menschen anrichten kann. Aber die wirklich harten trifft man immer auf der Toilette. Dort wird dann mit dem Kopf an der Wand geschlafen, während die unteren Extremitäten wie durch ein Wunder in die richtige Richtung gehalten werden. Unfassbar auch wie schnell sich Leute mal eben auf die Fresse hauen wollen, weil man mal aus Versehen die falsche Frau zu lange angeguckt hat. Ich dachte ja eigentlich das man ab einem gewissen Alter von so was geheilt wird, aber da hab eich mich schwer getäuscht. Zurück an der Theke hat sich schnell ein kleiner Pendelverkehr etabliert. Ein Teil hat ja immer Durst und somit war immer irgendwer unterwegs um Nachschub zu holen. Bis dann die unvermeidbare Frage kam, wann es dann nach Hause ging.

Das nahm dann Kai in die Hand, da Schnitzel Böning und ich die uns verbelibende Zeit noch nutzen wollten um so viel Alkohol in uns reinzuschütten, wie mit aller Gewalt ging noch ein oder zwei Mixgetränke zu trinken.

Nachdem es keinen weiteren Aufschub gab, bezahlten wir also und begaben uns nach draußen. Dort konnte ich noch Teile vom Telefongespräch Kais mit dem Taxi-Fahrer Atze mitschneiden. Und Atze würde in ungefähr 30 Minuten wieder in Göttingen sein. Was lag da näher, als den Atem zu erfrischen und schnell noch einen Döner inhalieren. Der bestand natürlich nur aus Fleisch, da ja der Karfreitag immer näher rückte. Die Reserven mußten aufgeladen werden. Ein ganzer Tag ohne Fleisch ist kaum auszuhalten. Mit gehöriger Verspätung kam dann Atze auch an und es wurde höchste Zeit. Den Mädels war kalt und Schnitzel zeigte neue Dimensionen in gutem Benehmen. Er stand auf einem Betonpfosten vor einer Tankstelle und wollte der ganzen Welt zeigen, das er einen neuen Rekord im Dauerrülpsen aufstellen konnte. Manchmal frage ich mich ernsthaft welche Gehirnzellen dem Alkohol als erstes zum Opfer fallen. Das scheint bei jedem Menschen anders zu sein. Ich weiß jetzt jedenfalls, welche Gehirnzellen bei Schnitzel zuerst in den Notaus gehen.

Atze kam also und hatte eine neue E-Klasse dabei. Kein Kombi, wohlgemerkt. Was also bedeutet, das Schnitzel und Kai freiwillig in den Kofferraum gingen. In der Löffelchenstellung ging dann der Deckel auch mal zu. Dank der ganze frischen Luft beim Warten auf das Taxi, war ich nun aber wieder wach und konnte mich bei der Ankunft zu Hause nicht einfach ins Bett legen. Also überprüfte ich noch das Haltbarkeitsdatum der Bierkiste. War aber noch alles in Ordnung.
Gründonnerstag
Trotz des sehr übertriebenen Alkoholmißbrauchs der paar alkoholischen Getränke am Vorabend ging es mir erstaunlich gut, als ich am frühen Vormittag erwachte. Ich entschied mich aber spontan dazu einfach nochmal liegen zu bleiben. Es gut frei zu haben. Der Tag ging eher schleppend vorbei und ich fragte mich, ob ich überhaupt genügend Elan aufbieten kann Abends nochmal auf die Piste zu gehen. Geplant war ja eigentlich mit Friede, Atze, Torte, Tobli, dem Ollibert, Björni, Guido (nicht Gaudo) und Leiche einen trinken zu gehen. Die haben jedes Jahr am Gründonnerstag irgendwann mal Squash gespielt und sich anschließend gemütlich ins Koma gesoffen zusammengesetzt und noch ein paar getrunken. Squash spielen sie jetzt aber schon länger nicht mehr, sondern hauen sich nur noch so die Mütze zu. Ich habe ja ein gewisse Theorie, das alles ein wenig den Bach runter gegangen ist, als der Ollibert dazu gestoßen ist. Er spielte nämlich von Anfang an nicht mit, sondern freute sich insgeheim auf die Ballerei im Anschluß. Daran nahmen sich die anderen ein Beispiel und bauten beim Spiel immer mehr ab, damit sie schneller beim Ballern sein können. Soweit meine Theorie. Doch es sah so aus, als ob ich die Praxis nicht vertiefen könnte, da wir auch von der Mannschaft ein Ballerabend geplant hatten. War ja der Karfreitag ein freier Tag und da könnte man ein paar durchtrainierte Kerle und ihren Betreuer mal auf die Menschheit loslassen und gleichzeitig die übervolle Kasse ein wenig erleichtern.

Ich begab mich also nach einem aus rumpimmeln entspannenden Tag auf meinen Weg zum Sportplatz. Doch Fasel fragte mich nach dem Ziel meines Weges. Skeptisch wie ich nun mal bin, hatte ich gleich den Verdacht das er nun Wegzoll von vorbei kommenden Wanderern verlangen würde, aber er wollte mich nur aufklären, das im Sporthaus keiner mehr war und das das Training ausgefallen war, wegen mangelnder Beteiligung. Stehenden Fußes sah ich meine Pläne dahin schmelzen, wie eine Kerze die gerade ein Date mir einem Flammenwerfer hatte. Ein kurzes ‚Telefonat mit Ingo brachte dann Klarheit. Der lustige Abend mit der Mannschaft fällt ins Wasser, wegen ist nicht. Na super. Warum sagt mir das denn keiner, dann hätte ich schon mindestens zwei Hefe-Weizen getrunken und ein leckeres Jäger-Schnitzel zur Gesellschaft vorbei geschickt. Nun war mein Improvisationstalent gefragt. Ich reif also den Friede an und fragte ob ich noch dazu stoßen könnte und wo ich denn hinstoßen sollte. Alles kein Problem, ich müße nur auf den Pferdeberg kommen. Na super, weiter weg hätte es wohl nicht gehen können. Nun stellte sich die Frage des Beförderungsmittel. Zu Fuß war definitiv keine Alternative, da ich mein Zelt nicht mit hatte und im Freien übernachten ist auch doof, denn Igel können sehr stachlig sein. Ein paar weitere Telefonate offenbarten mir Schnitzel als meinen Retter, der mich mal eben auf den Pferdeberg kutschierte und praktischerweise den Guido mit runter nahm.

Nun kann es ja losgehen. Da ich den Vorsprung der anderen nicht mehr einholen konnte, begnügte ich mir wenigstens in einen ähnlichen Zustand zu kommen und zwar ruhig und langsam. Ich hatte ja Zeit. Die Anderen sahen das aber anders und so stand schon ein Korn für mich bereit, als ich die Begrüßungsphase hinter mir hatte. Schlauerweise habe ich gleich auf den Tisch gehämmert, bevor mir irgendjemand eine Hand hinhalten konnte. Der Korn kam von Friede, der kurz vorher bekannt gegeben hat, das er demnächst Vaterfreuden entgegen blicken kann. Oha, dann ist wohl nichts mehr mit DoKo oder ähnlichen Exzessen. Warten wir das mal ab. Ich konnte die Einnahme des Korns aber wenigstens noch ein paar Minuten raus zögern, da ich mich weigerte ohne Hefe zu trinken. Wie stellen sich das manche eigentlich vor. Ich kann mir doch nicht Schnaps rein pumpen ohne sofort den Geschmack mit einem herrlichen Gerstengetränk weg zuspülen. Das Hefe kam und los ging die Reise in den Magen. Ich beneidete keins der beiden Getränke. Der weitere Abend bestand aus weiteren Weizen, aber ich wollte mich ja zurückhalten, standen ja noch ein paar weitere sehr alkoholreiche Tage ins Haus. Der Plan wurde aber in Rekordzeit wieder umgeworfen. Denn entgegen der Befehle die ich vorher ausgegeben habe, meinten meine inneren Organe sich in kurzer Zeit und in netter Gesellschaft betrinken zu müssen. Also ging das erste Weizen mit einer nie gesehen Geschwindigkeit rein. Und das nächste wurde nun schon in weiser Voraussicht bestellt als das, welches noch im Gebrauch ist, erst zur Hälfte ausgetrunken war. Klassischer Fall von Hamsterernte. Soviel wie möglich in kurzer Zeit ran schaffen. Wer weiß wann es wieder etwas gibt und wie lange man von den Reserven zehren muß. Macht auch nur dann wirklich Sinn, wenn man sich auf eine lange Dürreperiode vorbereiten muß und nicht wenn man am nächsten Tag schon wieder zu einer Geburtstagsparty eingeladen ist. Aber ich will ja hier nicht über den Gehorsam meiner Organe referieren. Das mache ich mal in einem stillen Stündchen.

Zusammen mit den unzähligen Weizen kamen dann noch ein paar Schnäpse, die dann und wann mal eingestreut wurden. Ich hielt mich aber an Bismarck und Korn, denn was die Leber nicht sieht kann einem später keine Probleme mehr machen. Hört sich zwar nach einen sehr dummen Spruch der mit ziemlicher Sicherheit von einen Trunkenbold aus dem hohen Norden geprägt wurde, aber es hilft. Jedenfalls kann ich nur die Wahrheit dieser Weisheit bestätigen. Und ich probiere mich so oft wie nur möglich daran zu halten. Und vor allem kamen dann die sinnlosen Themen wieder auf und Friede und ich pflegten unsere English-Kenntnisse auf das feinste. Leiche streute auch ab und zu mal ein paar Sprüche ein. Wie man sieht machten die Weizen in Verbindung mit dem Korn ein paar Barrieren im Hirn frei. Es kann also nicht alles schlecht sein, was mit Alkohol zu tun hat.

Trotz des üppigen Mahl das die anderen mit ziemlicher Gewissheit hatten wurde dann zu später Stunde die Rufe nach Knabbereien laut. Also mobilisierte die Wirtin noch alle restlichen Vorräte die sie wahrscheinlich für Oster gekauft hatte um am Ostersamstag nicht in die Stadt zu müssen. Aber da wurde die Rechnung nicht ohne die Westeröder gemacht. Denn die forderten Nahrung, da die feste Nahrung recht schnell verdaut wurde. Nun kam die Gretchenfrage, wird es Erdnüsse geben und wird sich Friede an diesen gütlich halten? Die Antowrt folgte recht schnell, als wortlos die Schale mit Erdnussflips vor uns hingestellt wurde. Oha, es ergaben sich plötzlich ganz neue Aspekte für ein Experiment. Stellen Erdnussflips die gleiche Müdigkeit bei Friede ein, wie es die gewöhnliche Schlafnuss tut? Offiziell dürfen wir nun zu Erdnussflips auch Schlafnussflips sagen. Nachdem eine nicht gerade kleine Menge an Flips von Friede konsumiert wurde, wurden die Lider plötzlich schwer. Er stritt alles ab und meinte das wäre die harte Arbeit, der er täglich ausgesetzt war. Noch bevor das schallende Gelächter sämtlicher Anwesenden abgeklungen war, waren seine Augenlider geschlossen. Aus diesem Zustand erwachte er ab und zu um eine weitere Portion Flips in den Mund zu schieben und weiter die Innenseite seiner Lider absuchte. Nach was wollte er uns aber nicht verraten.

Der Zeitpunkt kam um einen kleinen Klimawechsel zu veranstalten. Es sollte von dem Pferdeberg in den Halben Mond verlegt werden. Eine kleine aber einschlägig bekannte Kneipe in Duderstadt. Vielleicht brachte das auch Abhilfe für das Friedesche Schlafproblem. Doch die Rechnung wollte vorher beglichen werden. Ich frage mich allerdings heute noch, welche Unhold auf meinen Zettel sieben Hefe-Weizen geschrieben hat. Und die fünf Korn könnten ja auch nicht sein. Die Welt besteht nur aus schlechten Menschen, die anscheinend zu viel trinken und immer bin ich dann derjenige der angeguckt wird, als hätte man wirklich sieben Weizen getrunken. Könnte auch an meinen an trainierten Sieben-Weizen-Blick liegen. Der ist natürlich nur an trainiert, denn ich würde niemals sieben Weizen trinken. Wenn dann gleich acht oder zehn!

Im Halben Mond angekommen traf ich dann erstmal die Clique vom Stadtberg, die sich dort schön mit Bier und Weizen vollplemperte und wenn man den Gerüchen glauben darf waren da noch ein paar Heidegeist dabei. Nachdem ich dann die gesamte Begrüßungszeremonie durch hatte hielt mir schon einer meiner verlässlichen Mitstreiter ein Bierglas vor das Gesicht. Er muß meine Tränen und meinen gierigen Blick an die Theke gesehen haben. So wurde also weiter Schieße gelabert, von nun an an zwei Fronten. Doch die Duderstädter verabschiedeten sich nach kurzer Zeit mit dem Kommentar das wir uns ja eh gleich wieder sehen werden, denn sie würden jetzt in die Werkstatt gehen. Tief in meinem Inneren wusste ich ja das sie recht hatten, aber mein Mund behauptete trotzdem das es da heute Abend nicht hingehen wird. Alle lachten herzlich und ich verabschiedete mich mit einem ehrlich gemeinten ”Bis gleich!“ von ihnen. Was soll ich da groß rum lamentieren, wenn ich eh schon weiß, das sie recht haben. Alleine schon wenn ich weiß, das sie noch in der Werkstatt sind, würde ich da sogar noch alleine hin gehen. Da aber die Anderen auch Ohren haben, haben sie das eben geführte Gespräch mitgehört und sind gleich auf den dann folgenden Vorschlag angesprungen. Das Endziel unserer aufregenden Reise durch das Land des Alkohol hieß dann also die Werkstatt. Aber vorher wurden noch ein zwei Runden Bier im Halben Mond konsumiert, damit die junge Damen hinter der Theke auch ein wenig was verdient. Ich hatte dann aber doch das leichte Gefühl, das sie recht froh war uns loszuwerden.

Die Kutsche brachte uns dann also zur Werkstatt und sie war wie nicht anders zu erwarten voll. Da wir aber noch lange nicht diesen erstrebenswerten Zustand erreicht hatten, jedenfalls nicht alle, ging es dann erstmal mit einer Runde Bier los. Mein Geschmacksnerven drängten aber schon im geheimen auf den baldigen Umstieg auf ein Mitgetränk ihrer Wahl. Aber ich bleib hart und unterband diesen Drang für eine weitere Runde. Das Getränk der Wahl meiner Geschmacksnerven war dann Havana Club, was auch sonst. Und Conny hat mal wieder bedient und freute sich mich zu sehen. Oder aber sie freut sich immer wenn man versucht eine Bestellung aufzugeben und hinter einem steht eine Meute von Betrunkenen die einen anfeuert, das man doch mal ran gehen soll und sofort die Zunge zum Einsatz bringen solle. Ich versicherte ihr, das die nicht zu mir gehören würden und ich sie gar nicht kennen würde. Für einen winzig kleinen Augenblick sah es auch so aus, als würde sie mir glauben, bis dann der verräterische Hinweis in Form eines weiteren Anfeuerungsrufes kam. Ich glaube es war: ”Los, Pitsche, mach sie klar!“ Alles Lügen, Stammeln und Rotfärbung des Gesichtes half nun nichts mehr. Conny wusste Bescheid und war mit Sicherheit gar nicht überrascht, kennt sie doch das andere Klientel, mit dem ich sonst in der Werkstatt verkehre. Ich sollte mir ernsthaft mal angewöhnen Frauen nicht mit einer Horde betrunkener Leute im Hintergrund anzusprechen.

Und wen trifft man unter Garantie in der Werkstatt, wenn man an einem Donnerstag dort hingeht und am nächsten Tag ist frei? Genau Porno und Schnitzel. Sehr zu meiner Freude, denn ich wusste genau, das sie ein langes Durchhaltevermögen haben und mit ihnen würde ich sicherlich ein wenig später den Heimweg antreten. Wie ich mich doch täuschen sollte, denn Porno und Schnitzel traten kurze Zeit nach unserem Treffen den Heimweg an, aber ich muß dazu sagen, das wir zu dem Zeitpunkt auch nach Hause wollten, war der Uhrzeiger schon über die Tagesgrenze hinaus gerückt und am Karfreitag sollte man ja ein wenig abstinent leben. Da standen wir also vor der Werkstatt und wollten nach Hause und kein Taxi wollte uns fahren, weil keins da war. Porno nutzte die Gelegenheit und orderte erstmal einen Döner. Unsere Hinweise auf den schon angebrochenen Karfreitag ignorierte er geflissentlich. Er war aber auch schon recht stramm und wahrscheinlich benötigten die Informationen die er über sein Ohr erlangte ein wenig länger bis sie sich durch die ganzen Bierfantasien gekämpft haben. Und die Information Hunger und Essen stehen ja eh in schnell abrufbaren Schächten in seinem Gehirn bereit. Somit war der Döner schneller bestellt und die Information des Karfreitags erreichte wohl nie ihren Bestimmungsort.

Die Warterei war einem Teil von uns aber zu blöd und ich wollte gerade den Vorschlag machen, das wir doch den Weg zu Fuß antreten sollten, als dann der Björn mit einem besseren Vorschlag kam. ”Wir gehen wieder rein und ballern noch ein wenig!“ Sofort machte ich auf dem Absatz kehrt und war schon an der Theke, als die anderen den Vorschlag erst registrierten. Ich muß zugeben, das ich daran auch schon gedacht habe, aber um nicht wieder als Anstifter da zustehen habe ich ihn im Hinterkopf behalten. Mein Dank gilt dem Björn, das er so weitsichtig war. Und weiter gings also mit Mixgetränken soviel man trinken konnte. Leider bleibt es ja nicht beim Trinken und starren auf weibliche Rundungen auf weibliche Mitmenschen. Nein, manche kommen dann noch auch Ideen sich rhythmisch zu bewegen. Torte wollte unbedingt Tanzen gehen und irgendwie wollte er das ich mit komme. Aber ich weigerte mich sehr erfolgreich und so ging dann Torte auch nicht tanen. Nach zwei weiteren Mischungen ging er dann gar nach Hause und ich war wirklich geneigt mitzugehen. Als aufrichtiger Christ hatte ich schon ein ganz schlechtes Gewissen bei all den fleischlichen Genüssen deren ich an dem abstinenten Karfreitag frönte. Und wieder kam eine Stimme von hinten, die meine Erkennungssystem als die Björn identifizierte. ”Pitsche, Du kannst doch jetzt nicht gehen, ich habe gerade noch eine Runde Havana bestellt.“ Er hatte mich. Irgendwie hat er meine Achillesferse gefunden. Ich hoffe er verrät sie keinem. Somit waren wir nur noch zu viert. Ollibert, Björn, Leiche und ich. Und eine nicht zu erwartende Flut an Havana Club Cola. Dann gab es noch eine herrliche Tanzeinlage von Leiche und ich hatte noch eine intensive Diskussion über Fußball mit einem Duderstädter Spieler. Diskussionen im vollstrammen Kopf können manchmal sehr nervenaufreibend sein. Aber wir haben uns immer noch verstanden, obwohl, mein Sprachzentrum nur noch mit 70% lief.
Der Zeitpunkt der großen Flucht war gekommen. Und vor der Werkstatt fiel mir dann eine wichtige Tatsache auf. Alle mit denen ich noch unterwegs war wohnten nicht in Westerode, nicht mal annähernd in der Richtung. Da stand ich nun und bekam dann noch Schützenhilfe von meinem Diskussionspartner. Wir teilten uns ein Taxi und ich bin günstiger wie nie zuvor nach Hause gekommen. Ich strengte nochmals mein Gehirn ein wenig an, aber kam nicht auf das richtige Ergebnis. War mir dann auch egal, denn ich war endlich zu Hause.

Karfreitag
Dieser Tag sollte eigentlich als Tag der Abstinenz gehalten werden. Jesus wurde an diesem Tag an diesem Tag an das Kreuz genagelt, sofern man dem katholischen Glauben angehört und auf Grund dieses großen traurigen Ereignisses soll die gesamte Christenheit ihre Trauer zum Ausdruck bringen in dem sie auf Fleisch verzichtet. Natürlich wurde dann später noch andere tolle Sachen hinzugefügt, wie Süßigkeiten und alkoholischen Getränke. Alles was Spaß macht gehört verboten, das macht die katholische Kirche ja ganz gerne. Aber der Karfreitag ist auch ein Feiertag und da hat man frei und sollte eigentlich ausspannen, was auch nötig ist, denn halb Deutschland hat sich am Gründonnerstag-Abend aus dem Leben geschossen und will schon freiwillig keinen Alkohol trinken, es sei denn man wohnt in Westerode. Das Ausspannen ist bei mir schon mal komplett flach gefallen, da ich Friede versprochen hatte, das ich ihm ein wenig mit Umräumen helfen würde. Wären auch nur ganz sperrige und unhandliche Dinge die vom Keller in das erste OG müßten. Eine meiner Lieblingsaufgaben. Hauptsache es ist schön schwer und extrem unhandlich und anfassen kann man auch nicht vernünftig. Da stehe ich absolut drauf und darf so was auch nur bei Bekannten machen, denn ich selber würde schon bald einen Tobsuchtsanfall bekommen und das zu befördernde Objekt mit diversen schweren Gegenständen bearbeiten. Bei Bekannten benimmt man sich ja dann doch ein wenig mehr , außerdem will man die ganzen Sachen ja nicht bezahlen. Als wir dann die ersten zwei Schrankteile im OG hatten, merkte ich wie meine Reserven verdammt im Keller waren. Es waren wohl zu viel Ressourcen am Vorabend verbraten worden. Aber da mußte ich jetzt durch und habe es auch geschafft. Belohnt wurde dann die Mühe mit einem Osterbier, mit extra viel Promille. Da es mir eh noch scheiße ging, konnte das eine Bier auch nicht mehr schaden. Normalerweise bekommt man ja automatisch mehr Durst wenn man erstmal an einem Bier geleckt hat, aber diesmal blieb der Effekt aus. Ich war wohl einfach zu fertig und machte mir sofort Gedanken um den Abend. Denn Jens hatte Geburtstag und auch geladen und da wollte man ja nicht schwächeln. Zumal Andre schon die Parole raus gegeben hat, das er sich Abends richtig vollaufen lassen wollte. Das konnte ich mir einfach nicht entgehen lassen. Ich hoffte er ließ seinen Worten Taten folgen.

Gegen Mittag waren wir dann auch fertig und ich konnte mich entspannend auf den Abend vorbereiten. Von wegen. Ich wollte mich ja nochmal hinlegen, aber leider habe ich dann wieder so viele Sachen zu tun gefunden, das aus der ganzen Sache nichts geworden ist. Also bin ich dann nicht gerade ausgeruht zum David gegangen und haben Ellen und Hannah und natürlich auch den David nochmal besucht. Bis dann David und ich zu Jens weiter gezogen sind. Ellen ist dann bei der kleinen Hannah zu Hause geblieben. Schade, hätte gerne mal wieder mit ihr Party gemacht. Aber die Zeiten kommen auch bald wieder. Der Treffpunkt war bei der Kirche angesetzt und wir waren pünktlich. Leider die anderen nicht so, aber ein paar Minuten Verspätung sollte man schon mal verzeihen können. Obwohl sich in meiner Leber schon wieder so ein Gefühl der Austrocknung regte. Ich vermute aber, das sie das an trainiert hat und mich ab und an mal damit quält. Aus lauter Angst ernsthaft krank zu werden trinke ich dann schnell ein Bier und schon geht der ganze Kram los. Als dann Ingo und Anne und Köppel und Näppchen und Andre und Nadine noch zu uns gestoßen sind, konnten wir langsam einrücken. Merkt man was? Ich bin wieder mit Pärchen unterwegs, das prägt ein wenig.

Nach der Gratulation dauerte es verdammt lange gar nicht so lange bis dann auch das erste Bier auf dem Tisch stand. Die Einladung zum Essen kam dann kurze Zeit später, aber es gab jede Menge Fleischgerichte und da Karfreitag ist, wird kein Fleisch gegessen. Ich weiß es ist eine bekloppte Sache, aber irgendwie halte ich mich immer noch daran. Selbst bei dem Gedanken mir einfach eine Scheibe Wurst abzuschneiden und sie zu essen, bekomme ich ein schlechtes Gewissen. Fragt mich nicht warum, aber es ist so. Da hat meine Mutter astreine Erziehungsarbeit geleistet. Dumm ist nur, das gerade die verbotenen Sachen am meisten Spaß machen. Aber ich bin trotzdem eisern geblieben und habe bis wenigstens Mitternacht kein Fleisch gegessen. Es ist halt so und mein Gehirn hat da immer noch die Oberhand. Wie die Anderen das halten war mir auch egal. Selbst als David neben mir ein Wurstbrot gegessen hat, blieb ich locker. Natürlich konnte ich mir ein paar Sprüche nicht verkneifen. Ich glaube auch es sind solche Worte wie Scheiterhaufen, Ketzer und Fegefeuer gefallen. Aber dann sehen wir uns wieder. Die Einen, weil sie am Karfreitag Wurst gegessen haben und ich, weil ich nun mal ich bin. Damit hab eich mich aber schon abgefunden. Aber wie sang schon Bon Scott ”Hell ain’t a bad place to be“. Es muß sich ja schließlich lohnen wenn man jahrelang Metal und Hard Rock hört!

Nachdem dann die anderen gegessen hatten kam auch schon der Schnaps um die Ecke. Ich dachte, da ich keinerlei Speisen zu mir genommen habe, würde ich um diese Hürde herum kommen, aber da hatte ich wohl nicht mit der Beharrlichkeit von Jens gerechnet. Bei anderen ließ er ein ”Nein, danke“ gelten, bei mir wurde das aber mit einem extra vollen Glas quittiert. Ich hatte also die Wahl zwischen Löwentor (dann schon lieber ein Schlag ins Gesicht), Jägermeister (erwähnte ich den Schlag ins Gesicht schon?) und Korn. Jedenfalls dachte ich das es Korn gewesen wäre. Aber es war Wodka. Aber er war durchsichtig und die farblosen Schnäpse sieht die Leber nicht, wie schon weiter oben erwähnt. Hätte ich es man gelassen und lieber den Schlag ins Gesicht Löwentor genommen. Wodka sollte ja eigentlich ohne Geschmack sein, aber irgendwie erinnert er mich immer an Chemieunterricht. Gerade im Studium, wo wir selber Alkohol gebrannt haben. Da ist mir dann das Kugel-Glas (Was weiß ich wie der Fachausdruck für das Scheißding heißt) umgefallen und der Inhalt hat sich auf meine Hose ergossen. In der Mensa durfte ich mir dann wieder Vorwürfe von meiner damaligen Freundin anhören warum ich mir denn schon am frühen Morgen einen rein kippen muß. Wer stellt denn bitte auch Gläser her die man nicht anständig hinstellen kann. Verdammte Chemiker, habe ich noch nie verstanden. Ach ja, erschwerend kam noch dazu, das die Flasche Wodka, aus der ich nur alleine trank, weil alle Anderen das ekelig fanden, also die Flasche und auch nicht mich, einen seltsamen Ausguß hatte, der immer sehr spät den Wodka-Strom versiegen ließ. Dadurch wurde mein Glas immer sehr voll. Um ehrlich zu sein wundert mich das jetzt gar nicht.

Nun war als der grobe Fahrplan für den Abend festgelegt. Bier und wenn es sich nicht vermeiden ließ gab es ein Wodka dazu. Noch hätte ich Zeit gehabt einfach so nach Hause zu gehen, aber das wäre ja feige und unhöflich und außerdem wollte ich den Jablonski nicht so billig davon kommen lassen. Es folgten also mehrere Platzwechsel, da ich auch mal bei Friede am Tisch sitzen wollte und mit Teilen der Gesellschaft vom Vorabend ein wenig plaudern wollte. Leider half das ganze wehren gegen weiteren Wodka nicht und auch das verstecken des Glases bleib ohne Erfolg, denn jemand hatte immer ein Ersatzglas irgendwo herumstehen. Es gab dann wohl auch noch Sahnelikör, den ich aber auf Grund des Anstands nicht getrunken habe. Zu viel Zucker ist nicht gut für den Körper. Friede war es egal und kippte immer kräftig rein. Klar, Zuckerplörre kann man ja auch trinken wie Wasser wohin gegen Wodka nur so aussieht wie Wasser.

Kurz vor Mitternacht konnten wir dann den Titel ”Strammsack des Abend“ vergeben. Mit weitem Vorsprung holte Andre sich den Titel und keiner wird in der Lage sein ihn an diesem Abend einzuholen. Stein kam wieder in den Keller und berichtete, das Andre mit Nadine jetzt nach Hause fahren würde, da er schon einiges an Getränken auf der Toilette verloren hätte. Nun war also der Titel weg und alle Ambitionen ihn doch noch zu holen verliefen sich sofort im Sand. Nun war es ja egal was man in sich rein schütten würde, man konnte nur noch Zweiter werden. Und das sollte nicht mehr lange dauern, da die Schlagzahl beim Wodka plötzlich erhöht wurde und Jemand Jens stellte dann auch noch einen eisgekühlten Kotzo auf den Tisch. Von dem konnte ich aber nur einen Trinken und das Schlucken war eine echte Aufgabe für mich. Da anschließend das Bier auch nicht mehr richtig schmeckte steig ich um auf Wodka mit Apfelsaft. Ich Riesenarsch! Derart aufgestachelt verfiel ich wieder in alte Verhaltensmuster. Kalle hatte ein orangenes Hemd an, was er nun wohl nie wieder anziehen wird. Als ich das Orange sah, fühlte ich mich an eine Fete vom letzten Juli in Göttingen erinnert. Es war gerade Fußball-WM und zu sehr später Stunde und nach einigen verbotenen Substanzen aus Holland in alkoholischen Getränken muß ich wohl mit einem ähnlich Verrückten an der Theke gestanden haben und laut ”Hüpp Hüpp Holland“ gegröhlt haben. Naja, mit eben diesem Anfeuerungsruf ging ich dann dem Kalle auf den Sack. Verlässlichen Zeugenaussagen zufolge war ich nur eine Haaresbreite um eine Tracht Prügel herum gekommen. Ich fands trotzdem lustig. Was zieht er auch organgenes Hemden an. Ich hoffe es war ihm eine Lehre.

Vom Ende des Abends weiß ich nicht mehr viel und ich befürchtete, das ich mich übel daneben benommen habe. Aber dem war nicht so. Jedenfalls konnte mir Jablonski versichern, das ich friedlich und vor allem freiwillig nach Hause gegangen bin. Nicht das es jemals anders gewesen wäre.

Karsamstag

Ich wachte auf und fühlte mich wie durch eine Vorkriegserntemaschine gedreht. Als ich mich in meinem Schlafzimmer um guckte lagen meine Klamotten im weitesten Radius verstreut. Anscheinend muß ich auf der Treppe meine Hose verloren haben oder zumindestens ist sie da runter gerutscht und ich bin dann mit der Hose um die Knöchel ins Bett gehumpelt. Anders kann ich mir nicht erklären, wie sich mein Portemonnaie und mein Fahrzeugschein aus meinen Taschen geschlichen haben. Oder aber ich habe die Hose vor den Schuhen ausgezogen. Auch wenn ich 10-Loch Dr. Martens habe ist das nicht unmöglich. Naja, vollkommene Klarheit werde ich wohl nie erlangen und das ist wohl auch gut so. Ich schwor mir nur eine Sache, nie wieder Alkohol Bier Schnaps Wodka! Der Plan für den Tag war es die Sommerreifen auf zu ziehen und Abends sich im Glashaus zu betrinken. Wenigstens Teil Zwei der Tagesplanung sollte keine Probleme aufwerfen. Teil Eins bedurfte schon ein wenig mehr Elan. Aber der kam auch noch, als klar war das es definitiv ins Glashaus gehen würde. Allerdings ist momentan Reifenwechsel zu meiner absoluten Nummer Eins in der Hitliste der ungeliebten Arbeiten aufgestiegen. Aber ich muß ja bald mal wieder an den Frühjahrsputz.

Sammelpunkt und Start der Orgie Glashaustour war der Jugendraum. Wie ich erfahren mußte hatte das Glashaus wieder etwas sehr hässliches in petto um mich in Versuchung zu führen. Es wurde angeboten, 16 € Eintritt zu zahlen (als Mann) und dann hätte man frei trinken. Damit hatten sie mich, auch wenn ich noch nicht so ganz dran glauben konnte. Bei solchen Aktionen ist meistens irgendwo ein Haken versteckt, der sich bald sehr böse entzünden kann, wenn man ihn erstmal verschluckt hat. Totz aller Vorsicht drehte sich der einarmige Bandit in meinem Kopf und zeigte nach Stillstand drei leuchtende Havana Club Flaschen an, bei wiederholten Drehen kamen dann drei heiße Frauen zum Vorschein. Sah also nach einen typischen Glashaus-Abend aus. Ich hoffte nur, daß das Versprochenen wahr werden würde. Ich sah mich schon in Badewannen voll Havana liegen. Es erinnerte ein wenig an früher, als es noch Abknipskarten im Glashaus gab. Da gab es im Sommer die Aktion 20 DM zu bezahlen und 40 DM zu verballern. Damals hat man es dann auch nicht hin bekommen die Karte voll zu bekommen und konnte den Rest in Bi-Fi’s anlegen. Heutzutage träumt man davon nur noch.

Nach ein bis drei Bier im Jugendraum ging dann die Taxifahrt los ins Glashaus, doch vorerst mußten wir den feinen Kai Walter noch aus der Stadt abholen. Er saß mit seiner Freundin und seinem älteren Bruder und dessen Frau bei Sabri. Bei der Ankunft konnte man ohne Probleme feststellen, das Dennis, der ältere Bruder, schon gut getankt hatte. Stand er doch von seinem Platz auf und winkte uns beidhändig aus dem Restaurant der Dönerbude zu. Kai sah nicht viel besser aus, aber hatte seine motorischen Fähigkeiten ein wenig besser unter Kontrolle. Oha, ich ahnte fürchterliches. Aber wir wollen den Teufel mal nicht an die Wand malen, jetzt jedenfalls noch nicht.

Am Glashaus angekommen wurde aus dem wunderbaren Traum im Glashaus für einen vergleichbaren geringen Betrag umsonst trinken zu können bittere Realität. 16 € stimmten so weit schon mal, aber dazu kamen noch fünf Euronen Eintritt und man konnte nur eine Karte a 45 € voll knallen. War immer noch ein sehr gutes Angebot, aber der Traum mit der Havana Club Badewanne zerplatzte wie der Bulle von Tölz nach dem Weißwurstwettessen. Und die eine Karte muß man erstmal voll bekommen. Als ich mich umblickte sah ich nur noch gierige Gesichter. Allen voran Porno der sich erstmal aufregte, das es nur 45 € waren, die wären ja nach einer Stunde schon wieder voll. Ja genau, er wäre bestimmt nach einer Stunde komplett voll, aber die Karte bestimmt nicht. So gings dann rein und sofort in den Club Havana. Es war leer. Verdammt leer, was auch kein Wunder war, denn überall in der SBZ waren Osterfeuer. Das konnte ja heiter werden. Ich hoffte ja das es sich noch ein wenig mehr füllen würde und trat den unvermeidlichen Weg zur Theke an. Allerdings ging ich nicht den kürzesten Weg zur Theke um die Ecke sondern schlich zu der kleinen Theke in dem Verbindungsgang. Denn dort wartete meine Liebllingsbedienung auf mich. Sie sieht nicht nur gut aus, sondern macht mir auch immer eine extra leckere Mischung. Bei meinem ersten Besuch fragte sie noch was ich haben wollte und als ich dann Havana Club sagte, schien sie mich wieder zu erkennen. Sie macht eine normale Mischung und guckte mich dann an ob sie eine dopplete Mischung machen sollte. Ein sanftes Nicken von mir und alles war klar. Die Mischung war echt Klasse. Bei meinem zweiten Besuch kurze Zeit später kam ich um die Ecke und bevor ich überhaupt an der Theke war fragte sie schon ob ich noch einen Havana Club haben möchte. Eine Nicken später und schon war ich wieder glücklich. Bei meinem dritten Besuch lächelte sie mir schon weitem zu und ein Lächeln meinerseits machte dann den Deal komplett. Das nenne ich mal blinde Verständigung. Andere würden hier das Sprichwort ”Ein guter Bauer erkennt seine Schweine am Trog“ anbringen. Aber mir gefällt der Vergleich mit der Verständigung um Längen besser, Vor allem weil ich da besser bei wegkomme.

Während ich also zwischen meiner Lieblingstheke und dem Club Havana hin und her gependelt bin waren meine Mitfahrer auch nicht gerade untätig und haben ordentlich an der Alkoholschüssel genippt. Kai Hawai war ja zu Beginn schon nicht nüchtern und steigerte die ganze Geschichte noch in dem er sich weiterhin Jim Beam Cola rein pfiff. Da ja nun im Allgemeinen hin bekannt ist, das Kai, nicht nur wenn er betrunken ist, auf Scheiß Musik steht konnte nur Schlimmes erwartet werden. Es ließ sich nun nicht vermeiden, das im Havana auch Schlager oder ähnlich schlimme Dinge gespielt werden. Nun meinte Kai auch das er zu diesen Liedern Schlagzeug spielen mußte. Genau wie sich jetzt ein Bild im Kopf des Lesers formt sah es auch aus. Manchmal hoffe ich das ich niemals so stramm werden würde. Ab und zu gings dann dazu noch auf die Tanzfläche und die Show ging weiter. Für uns war es eine Riesenunterhaltungsshow, aber mir tun die anderen Gäste schon ein wenig leid.

Porno hingegen konzentrierte seine ganze Kraft auf das Füllen seiner Karte. Er hatte wohl ein wenig Angst, das er die Karte nicht füllen kann und mit weniger als Möglich aus dem Glashaus geschleppt wird. Da er ja ein patenter junger Mann ist und mehr als einmal nicht auf den Kopf gefallen ist. Trank er Stereo. Eine Mischung zu ordern ist was für Mädchen, also bestellte Porno gleich zwei und inhalierte sie regelrecht. Als er dann mitbekam, das wir anderen ganze komisch guckten und nur eine Mischung in der Hand hielten, schämte er sich kein bischen, sondern dachte sich seinen teil und bestellte bei der nächsten Bestellung nur eine Mischung. Der einzige Unterschied zu vorher war halt nur das er die Theke nun in der Hälfte der Zeit frequentierte. So oder so hat keiner was gewonnen. Dann kam der Zeitpunkt wo der DJ Strohhüte von Southern Comfort verschenkte. Nachdem dann die ersten fünf über den Tresen gegangen sind, traute sich dann Porno auch mal auf die Tanzfläche. Die Information das es weiter vorne nun etwas umsonst geben würde, brauchte halt ein wenig bis sie sich den Weg durch den Cuba Libre verstopften Denkapparat von Porno bahnen konnte. Als Porno dann vorne war gab es aber keine Hüte mehr. Jedenfalls nicht für Porno. Aber Hartnäckigkeit zahlt sich aus und nach dem er ein wenig gebettelt hat und auf den Knien umher gerutscht ist bekam er dann auch einen Strohhut, den er sich auch prompt auf den Schero setzte. Nun ist es aber so, das jeder der so einen Hut auf hatte gleich als ganz schlimmer Alkoholiker gebrandmarkt war. Was Porno aber ziemlich egal war, da er eh schon auf dem besten Wege des Vergessens war. Trotz das wir ihn mehrmals darauf hin wiesen blieb der Hut auf dem Kopf.

Ein weiterer Stoßtrupp des Grauens war im Glashaus unterwegs. Zwei hübsche Mädels wollten Kümmerling verticken. Dabei ließen sie nicht zu knapp ihre weiblichen Reize spielen und erhofften sich so ihr Teufelszeug an den Mann zu bringen. Aber ohne mich. Zweimal kontaktierten sie mich und schlugen verführerisch mit ihren Wimpern. Aber ich bleib standhaft auch wenn ein gewisser Teil meines Hirns einen ganzen Würfel kaufen wollte. Auf die Frage mit was für einem Schnaps sie denn wiederkommen sollten, damit ich ihnen einen abnehmen würde, sagte ich Korn. Verwirrt guckten sie mich an und fragten mich wer denn sowas trinken würde und ob ich von der Küste kommen würde. Ja, ich bin anders. Mir schmecken halt Sachen von denen sich andere angewiedert abwenden und ich habe an der Küste studiert. Nicht nur das Korn trinken. Aber ich mag ja auch Jackass. Jedenfalls wurden sie an mich keinen Schnaps los und nannten mich fortan den Korn-Mann. Gut, man hat mich schon Schlimmeres genannt. Kurz als sie wieder los wollen steckte dann Porno seinen alkoholisierten Kopf in die Runde und verlangte zu wissen was es denn wieder umsonst geben würde. Umsonst war gar nichts und es gab Kümmerling. Daraufhin meinte Porno sie sollen in einer Stunde nochmal vorbei kommen. Au weia, ich ahnte Schlimmes. Eine gute Stunde später standen sie dann wieder auf der Matte und verkauften Porno einen Umhänge-Kümmerlingband mit Kümmerlingen dran. Da saß er nun mit seinem Strohhut auf dem Kopf und dem Kümmerling-Orden um den Hals. Ich gab zu dem Zeitpunkt mal eine vorsichtige Prognose ab, das es mit dem Verkuppeln an dem Abend wieder nichts werden würde. So langsam habe ich das Gefühl, das Porno sich extra betrinkt, um nicht verkuppelt zu werden. Aber davon lassen wir uns nicht schrecken.

Ein ganz grandiosen Auftritt haben auch Philip und Thomas B hingelegt. Sie begannen ganz vorsichtig wie die Geisteskranken Wodka Red Bull und dazu Tequila zu ordern. Nach kürzester Zeit waren sie stramm und ihre beiden Karten waren voll! Als wenn das noch nicht genug wäre, wurde dann gleich eine weiter geordert. Sich langsam in das Delirium zu trinken kam für die Beiden nicht in Frage. Eigentlich hätten sie sich auch mit einem großen Holzhammer auf den Kopf schlagen können. Oder ich hätte das für die Beiden gemacht, das wäre auf jeden Fall billiger gekommen. Und Thomas hätte mir nicht so auf die Nerven fallen können. In welcher Weise er das geschafft hat? Ganz einfach. Wer mich besser kennt (freiwillig oder unfreiwillig) weiß, das ich Pur auf den Tod nicht ab kann. Ich hasse diese ”Band“, die sich eigentlich gar nicht Band nennen darf. Eher so was wie Folterer oder Musikvergewaltiger. Ich glaube wenn ich Hartmut Engler mal privat treffen würde, dann würde ich seinen Scheiß-Ohrring mitsamt seinem Scheiß-Ohr vom Kopf abreißen. Die Leider sind alle Scheiße und manche sind sogar gequirlte Scheiße. Aber bevor ich hier noch mehr in eine Schimpftirade verfalle, sagen wir einfach das ich Pur nicht mag. Jedenfalls fand es Thomas dann besonders spaßig mir die Lieder Playbackmäßig vorzusingen. Kai, der eh nicht mehr viel mitbekam, dachte es wäre ein Riesenspaß und machte gleich mit. Mir blieb so nur die Flucht an meine Lieblingstheke. Sollte ich jemals Alkoholiker werden, dann gebe ich Pur die Schuld. Ich vermute auch das Thomas sich extra den langen Mega-Mix von Pur gewünscht hat um mich zu quälen. Ich plane jetzt schon an Vergeltungsmaßnahmen.

Bevor ich es vergessen, es waren auch wieder Frauen da. Und umwerfend Aussehnde obendrein. Schnell hat sich meine Zieloptik auf zwei Finalistinnen eingestellt. Die gefielen sehr gut und waren auch ein paar Mal im Havana unterwegs. Aber was mußten meine vor Alkohol verquollenen Augen sehen als ich mal wieder auf dem Weg zu meiner Lieblingstheke war. Beide waren zwar erst alleine gekommen, das habe ich ausgiebig überprüft, und haben dann irgendwelche Spaten kennen gelernt, mit denen sie dann an unterschiedlichen Positionen rum hingen. Sogleich wurden sie aus meinem Gedächtnis gestrichen und ich hielt es dann für besser mit geschlossenen Augen durch das Glashaus zu gehen. Was aber schnell wieder abgestellt wurde als ich mehrere Hocker umgelaufen habe.

Wiebke, Adrians Freundin, habe ich dann auch noch getroffen. Sie war mit ihrer zukünftigen Schwägerin unterwegs. Ein Satz den sie gleich zu Beginn gesagt hat, hat mir ein wenig zu denken gegeben. Als sie am Eingang stand und von der Aktion gehört hat, hat sie gleich vermutet, das ich an dem Abend da sein werde. Bin ich wirklich so durchschaubar und vorhersehbar. Ich sollte meine Person in mehr Mysterien hüllen. Jedenfalls klagte sie erstmal das Adrian mal wieder auf der Tanzfläche abgehen würde und sie würde dann eher am Rand herumstehen und zu schauen. Tja, nach dem Besuch vor knapp drei Wochen weiß ich nun wie es ihr ging. Erschwerend kam noch hinzu, das sie die Fahrerin war. Das ist ungefähr so, als würde man einen Abend mit Jessica Alba verbringen können, muß aber 30 Meter Abstand halten, weil sie eine hochgradig ansteckende Krankheit hat. Um ehrlich zu sein, wäre mir das total egal. Dafür würde es sich lohnen jegliche Krankheit auf sich zu nehmen. Ich schweife schon wieder ab. Wo war ich? Ach ja Jessica Alba, nein, Wiebke. Wir unterhielten uns dann noch ein wenig und sie ist dann weiter gezogen und wollte versuchen ob Adrian nicht nochmal mit ins Havana kommt.

Sie waren dann auch noch mal da, aber eher auf der Tanzfläche. Ein Gebiet welches ich meide wie einen Mienenstreifen. Porno war in der Zwischenzeit teilweise ins Reich der Träume abgetaucht und mehr als Granatenstramm. Und ich habe Fotobeweise. Die ich hier aber nicht veröffentlichen kann. Interessenten melden sich bitte bei mir per e-mail. Da kann ich dann entscheiden, ob ich das entsprechende Foto der Person antun kann. Natürlich stritt er hinterher wieder alles ab und sagte er habe gar nicht geschlafen. Alles klar, das war dann aber ein ganz schön langer Augenzwinker. Der Zustand von Porno machte aber ungefähr den Zustand der Anderen aus und somit wurde dann beschlossen den Heimweg anzutreten. Das Problem war nur ein Taxi zu bekommen.

Für Kai und Wiebke war das kein Problem, haben sie sich einfach bei ein paar Duderstädtern mit rein gesetzt und so den Unmut der restlichen Truppe auf sich gezogen. Aber Porno musste ja eh noch direkt vor dem Glashaus pinkeln. Das ihn die Türsteher nicht entmannt haben war alles. Das nächste Taxi gehörte uns und fuhr mit Taxameter, welches sich als Vorteil raus stellte, da wir im Endeffekt weniger bezahlen mußten. Auch weil wir in Teistungen anhalten mußten, da dem Philip ein wenig schlecht war. Wer nun glaubt, das wäre der einzige Zwischenfall gewesen der irrt. In Westerode fiel er dann aus dem Taxi und blieb vor der Kirche liegen. Schnitzel und Porno machten die Biege und ich sah mich schon Philip mit einer Schubkarre nach Hause fahren. Aber Thomas half ihm mehr oder weniger hoch und hakte ihn unter. Laut singend traten sie dann den Weg durch die Gasse zu Phlip an. Ich ging in einem Anstandsabstand von fünf Metern dahinter und hielt ein Schild hoch auf dem stand: ”Ich kenne die zwei Alkis nicht und gehe hier nur zufällig lang!“ Bei Philip angekommen, versuchte er die Tür zu öffnen und war dann sehr überrascht als seine Mutter ihn schon erwartete. Das mußte er dann aber noch der Welt kund tun. Und somit endet der Abend. Ich war fertig und freute mich auf das Bett und das Osterfeuer am Sonntag Abend.

Ostersonntag

Der Tag ging relativ unereignislos vorbei, war doch das große Ereignis des Abends das Osterfeuer. Eigentlich immer ein Garant für spaßige Unterhaltung und vor allem für eimnlaige Aktionen von Vollstrammkünstlern. Was also würde uns heute erwarten. Der Getränkereigen wurde durch ein mehr oder weniger leckeres Hasseröder eröffnet. Hasseröder ist nicht unbedingt lecker, aber ausspucken würde ich es auch nicht. Nette Dreingabe war, das es auch noch in 0,5 l Pullen daher kam. Die halten wenigstens ein wenig länger, auch wenn der Inhalt nicht wirklich überzeugen konnte. Meine größte Sorge galt aber dem späteren Abend. Falls der unwahrscheinliche Zustand eintreten sollte, das ich kein Bier mehr trinken möchte, gab es keine Getränke zum Ausweichen. Da half es nur noch zu hoffen das ich dem Bier weiterhin treu bleiben kann und nicht plötzlich den Appetit auf ekelerregende Schnäpse nachgeben. Frühzeitig bereite ich meine Organe auf den harten Abend vor. Wer vorher streikt oder nur den Gedanken auf Schnäpse umzusteigen in das Spiel bringt fliegt unwiderruflich raus. Dabei ist egal, ob es lebensnotwendig ist oder nicht.

Bei der Ankunft wurde erstmal nicht lange gefackelt und die Bierversorgung wurde sichergestellt. Schließlich hatte ich ja ab 2130 Uhr schon wieder Thekendienst. Nicht das ich den jetzt nur gemacht habe um ein paar Freigetränke abzustauben. Nein, ich unterstütze gerne das Osterfeuer-Team, weiß ich ja aus vergangenen Zeiten wie stressig es ist als Organisator. Aber die Freigetränke hab eich trotzdem gerne in Anspruch genommen. Noch war es aber nicht so weit und als dann weiter aus meiner Clique kam, dauerte es nicht lange, bis die ersten Runden über den Tisch gegangen sind. Irgendwie war ich auch nicht in Top-Verfassung, denn jedes mal, wenn ich kurz davor war los zugehen und eine Runde zu holen stellte mir jemand ein Bier vor die Nase oder auch mal zwei, weil er das eine nicht losgeworden ist. Da soll erstmal einer hinter her kommen. David hat es sich einfach gemacht und mir einfach einen Löwentor hingestellt. Trotz meiner Abneigung die lautstark zum Ausdruck gebracht habe, nahm er ihn nicht weg und ich mußte ihn trinken. Komischerweise hat David anderen auch einen angeboten und die haben abgelehnt und es hat geklappt. Ich muß mich mal mit denen kurz schließen und fragen wie man richtig Getränke ablehnt. Bei mir klappt das nie.

Elke und Martin habe ich auch mal wieder getroffen und ich muß mal mit Elke ein ernstes Wörtchen sprechen. Sie kann doch nicht überall umher erzählen, was wir mal an Silvester ausgemacht haben und schon gar nicht das sie mich jetzt verkuppeln will. Nachher hört das noch jemand und es klappt womöglich. Das passt ja so gar nicht in meinen Plan. Zum Glück konnte ich alles wieder richtig stellen. Ich murmelte etwas von ”infamen Lügen“ und ”Verschwörung“ und habe mich leise aus dem Einzugsbereich geschlichen. Nicht das noch jemand mit unangenehmen Fragen aufwartet, die ich dann gezwungen bin zu beantworten. Und zu einfach will ich es Elke ja auch nicht machen. Ich hätte ihr auch nie erzählen dürfen, das ich mal scharf auf ihre Patentochter war. Ich sage nur: ”Ich und meine große Klappe“

Und schon begann mein Dienst. Leider war es die Hauptschicht und ich hatte wenig Hoffnung auf einen ruhigen Abend. Waren doch genügend Trunkenbolde und solche die es werden wollen anwesend. Ich rechnete natürlich nicht mit hinterhältigen Angriffen aus den eignen Reihen. Florian war der böse Bube, der laufend ankam und Schnäpse verteilte. Da war alles dabei. Süßer Schnaps, Löwentor und nochmal süßer Schnaps. Die Chance mit den Freitgetränken nahm ich dann auch war und gönnte mir ein Mai Ur-Bock. Ich muß ehrlich zugeben, das es durchaus seinen Reiz hat, aber nur in gewissen Mengen. Trinkt man davon zu viel liegt man schneller unter einer Tanne und verfolgt einen Igel als einem lieb ist. Nicht das ich das mal nach einer Geburtstagsparty in Etzenborn nach zu viel Mai Ur-Bock getan hätte. Jeder der das behauptet ist ein Lügner. Man gut das Jenny mein Logbuch nicht liest. Ein Mai Ur-Bock reichte aber vollkommen hin, denn ich mußte immer noch an den Spruch mit der Tanne und dem Igel denken. Weiter gings dann mit Krombacher. Aber so richtig konnte ich die Freigetränke nicht ausnutzen, da der Andrang doch sehr stark war. Besonders überrascht war ich von der guten Natascha, die ihren Schnaps immer gleich Kistenweise kaufte. Zu uns sagte sie, das es für die anderen Mädels ja auch mit sei, aber so recht konnte ich ihr nicht glauben. Morchel bekam das natürlich mit und orderte gleich mal eine Kiste Löwentor. Dies war einer der Zeitpunkte an denen ich froh war Thekendienst zu haben. Nichts ist schlimmer als wenn der Morchel mit einer Kiste Löwentor seine Runde macht.

Der Thekendienst wurde gut überstanden und als ich den Bierwagen verlassen habe, mußte ich feststellen, des er a) dunkel geworden ist und b)die Hälfte meiner Clique sich in Luft aufgelöst hat. Wie man so erfahren hat, ging es dem Andre immer noch nicht ganz so gut. Alles Nachwehen vom Karfreitag. Ich konnte es nicht so recht glauben, aber als ich mich mit ihm unterhalten habe, scheint es wohl doch der Wahrheit entsprochen zu haben. Das war aber auch eine respektable Leistung. Die andere Hälfte der Clique war aber durchaus noch da und hat sich taktisch klug in der Nähe des Feuers positioniert. So stellte ich mich dann also neben Näppchen und nach einer kurzen Unterhaltung kamen wir auf ein altes leidliches Thema. Näppchen versuchte mir ins Gewissen zu reden doch endlich mal bei einer gewissen jungen Dame (deren Namen ich hier aus geheimniskrämerischen Gründen nicht nennen werde) entsprechende Versuche zu unternehmen. Ich war ja bei diesem Thema vollkommen ihrer Meinung und hätte auch schon längst entsprechende Versuche unternommen, wäre da nicht meine Schüchternheit Feigheit. Aber ich versprach ihr Besserung und habe auch schon entsprechende Pläne mit Näppchen abgesprochen. Schon sehr nett zu erfahren, das ein Großteil an meinem Seelenheil interessiert ist.

Jens kam dann auch irgendwann an und fragte mich, ob ich seinen Bruder Christian gesehen hätte. Er hätte vorhin mit Morchel an einem Stehtisch gestanden. Plötzlich fiel mir ein das es bestimmt kurz bevor Morchel einen Würfel Löwentor geholt hatte war. Na dann gab ich Christian wenig Überlebenschancen. Jens meinte sich auch daran zu erinnern, das ein bräunlicher Würfel vor den Beiden gestanden hätte. Da wünsche ich dem Christian natürlich nur das Beste, denn der Morchel war noch da und wollte lange nicht nach Hause. Ein Versuch von Schacko und meinem Bruder ihn mit nach Hause zu nehmen endete an der Würstchenbude, wo er noch unbedingt ein Würstchen verdrücken wollte. Da es nicht schnell genug ging putze er es roh weg. Das ist jetzt nicht ekelig, denn das schmeckt echt gut. Es hört sich jetzt zwar seltsam an, aber man kann es durchaus essen. Allerdings sollte man sich vorher ein paar Bier rein kippen um die Hemmschwelle ein paar Stufen hinab zu setzen.

Der Abend wurde später und da alles Holz weg mußte wurde nun die Tannenbäume und Zweige und Reisig aufgelegt, als wären wir im Kessel von Stalingrad gefangen. Die Asche flog meterhoch oder aber direkt auf meine Jacke. Ich sah aus als hätte ich die Nacht in der Asche vom Osterfeuer verbracht. Was ich nicht habe, ich will ja hier nicht der Kochtopf für haltlose Gerüchte sein. Und je später der Abend wurde und je heißer das Feuer wurde verabschiedeten sich mehr und mehr Gäste. Doch ich hielt durch, bis dann die Bierbude ihre Tore geschlossen hat. Das war dann für mich das Zeichen den Scheidebecher reinzukippen und den Weg nach Hause anzutreten. Welches mir dann der bittere Rest gleich tat. Da Schnitzel ein alter Fuchs ist hat er vorher noch eine Restkiste an Babalou gesichert, die wir uns jetzt auf dem Rückweg brüderlich teilten. Den Letzen tranken wir dann am Ende der Blumenau und in gewisserweise war ich froh, das ich endlich nach Hause konnte. Vom Ausschlafen wagte ich gar nicht zu träumen, denn ich wusste das mein Körper mich mit der Genauigkeit eine Uhrwerks um 0900 Uhr mit entweder Kopf- oder Magenschmerzen wecken wird. Jede Medaille hat zwei Seiten.

Nachlese

Wie vorausgesagt weckte mein Körper mich um 0900 Uhr, doch gewährte mir eine weitere Gnadenfrist. Ich stand also recht gut erholt auf und geriet ins Verzweifeln, das ich das ganze erlebte noch in schriftliche Form bringen wollte. Was habe ich mit dem Logbuch nur angefangen. Sollte es mir irgendwann einmal zum Verhängnis werden? Sollte es irgendwann einmal die Antwort auf all meine Fragen sein? Ich weiß nur eins mit Bestimmtheit, sollte ich irgendwann mal Nachwuchs bekommen wird dieses Logbuch vernichtet!

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