Die verbotene Zone

Verbotene Zone? Was für eine verbotene Zone. War ich im Untergrund, habe ich geheime Informationen vom BND eingesehen? War ich im Weltraum um meine Gedanken von dem Außerirdischen zurück zu verlangen, der mir an so vielen Abenden die Erlebnisse aus dem Hirn extrahiert hat, um sich einen goldenen Arsch beim intergalaktischen e-bay zu verdienen? Oder war ich etwa bei der My-little-pony-Ausstellung´? So ähnlich, jedenfalls. Nein, ich war bei einer Stufenfete im Schützenhaus und dachte zum ersten Mal ernsthaft das ich zu alt für den Scheiß bin. Derart verbotenes Gedankengut konnte ich natürlich nicht ungescholten in meinem Gehirn umher streifen, also schaffte ich Abhilfe. Doch zuerst muß ich ja erstmal zur Stufenfete hinkommen. Und das geht so….

Freitag Nachmittag. Wohlverdient trete ich den Feierabend an und freue mich auf den erholsamen Abend auf dem Sofa. Huch, wer hat denn das jetzt geschrieben. Da ist man einmal für fünf Minuten nicht an seinem PC und schon steht hier irgendwas was ich nie so schreiben würde und tausend Jucke-Bilder sind auf meinen Rechner runtergeladen. Natürlich genoß ich meinen wohlverdienten Feierabend, aber nur weil ich wusste, das der Schnitzel noch anrufen würde um mich über den weiteren Verlauf des abends in Kenntnis zu setzten. Folgende Informationen konnte ich dem Gespräch mit meinem Informanten (IM Schnitzel) entnehmen. Der Großteil der Westeröder Alkoholiker Truppe traf sich vorher im Feuerwehrhaus und trank sich langsam in Stimmung. Wohin die Reise anschließend gehen würde war noch nicht klar. Es wird jetzt zwar behauptet, das gesagt wurde, das es zur Stufenfete gehen würde, aber da ich schon in Gedanken bei meinem dritten Bier war hörte ich nicht mehr so genau hin und schmeckte schon leckere Hefe auf meiner Zunge. So soll es also sein. Feuerwehrhaus Westerode hieß das Ziel das für den Abend angesteuert wurde.

Da die Uhr aber noch nicht zur angegebenen Uhrzeit vorgerückt war saß ich also zu Hause rum und wusste nicht so richtig was anzufangen. Im TV kam größtenteils nur Schrott oder Sendungen die man sich erst mit 60 Jahren gefahrlos angucken konnte. Was lag da näher als sich schon mal ein leckeres Pils zu Gemüte zu führen um den Fernsehwahnsinn, der mit meinen unser allen GEZ-Gebühren finanziert wird, zu ertragen. Es ist echte eine Frechheit wenn man sieht was mit den Gebühren, die vorher hart verdientes Geld waren so alles angestellt wird. Sollte ich jemals jemanden treffen, der für die Budgetisierung (Gibt es das Wort überhaupt?) der Gebühren verantwortlich ist, dann hoffe ich nur für mich, das ich immer noch Dr. Martens mit Stahlkappe tragen, ansonsten könnte ich mir böse den Fuß verletzen. Selbst mit einem halben Liter Bier wurde es nicht erträglicher. Aber die Zeit war ja rum und ich begab mich ins Feuerwehrhaus. Auf halben Wege nahm mich dann der Philip mit, der eine äußerst schmerzhafte Weisheitszahn-Operation hinter sich hatte. Er sah jedenfalls aus als hätte er sich seit einer Woche die Zähne mit einem Backstein geputzt. Trotz des furchterregenden Anblicks stieg ich ein und wir fuhren die restlichen paar Meter zum Feuerwehrhaus, wo uns Kai und Porno schon erwarteten. Na, das kann ja ein spaßiger Abend werden.

Im Feuerwehrhaus war das übliche Vorglühen am Laufen. Also wurde recht viel Bier rangekarrt und die Flaschen gingen besser weg wie Autogrammkarten von Michael Thürnau beim Seniorennachmittag. Leider hatte ich wieder das alte Problem mit meinem Gedächtnis. Als dann die fünfte Flasche Krombacher auf den Tisch kam hätte ich den wohl beherzten Griff zu dem Kugelschreiber wagen sollen und mal ebven eine Fünfer-Batterie auf den Deckel zeichnen sollen. Stattdessen hielt ich den Flaschenhals in die Nähe meines Mundes und die Automatik erledigte den Rest. Die Sensoren erfassten automatisch die Flaschenöffnung und vermittelten fehlerfrei den noch bestehenden Abstand zwischen Flasche und meiner Schlucköffnung meinem Mund. Und so langsam wurde es dann auch Zeit den Weg ins Schützenhaus Duderstadt anzutreten. Das Ziel war also klar. Wie etwas weiter oben schon erwähnt wurde darüber ja vorher schon gesprochen, aber dank meines schwindendes Aufnahmevermögens, sobald sich ein Abend voller Bier abzeichnet, hatte ich das mit ziemlicher Sicherheit überhört. Naja, dann fahre ich eben mit in das Schützenhaus. Da gibt es ja bestimmt auch Bier. Allerdings mußte ich vorher noch die getrunkenen Biere im Feuerwehrhaus bezahlen. Hmm, wie viel waren das bloß? Also an fünf kann ich mich mit ziemlicher Sicherheit erinnern. Dann kam eine Dose Erdnüsse auf den Tisch, doch wieviel folgten dann noch? Machen wir es kurz, ich habe einfach sieben Stück bezahlt, aber ob das dann wirklich die finale Zahl war kann ich nicht sagen. Wozu auch. Mein Hirn schaltet nach dem dritten Bier eh das Zählwerk ab, da nun die Grenze zu einem lustigen Abend überschritten wird. Fahren kann ich dann nicht mehr und es werden dann eh noch mehr Bier folgen, die irgendwann eh in dem Strudel der Erinnerungen untergehen werden. So was nennt man effiziente Ressourcennutzung. Mein Körper kennt mich langsam.

Bier gab es wirklich im Schützenhaus, aber man mußte erstmal reinkommen. Und die Menschenmassen die vor dem Schützenhaus waren, waren zwar körperlich nicht sehr groß, aber doch zahlreich. Und was mich am meisten erschreckt hat, war die Tatsache, das 40 Prozent der Anwesenden schon die Grenze des klaren Hochdeutsch überschritten hatten. Ein kurzer Blick auf die Uhr zeigte mir das es gerade mal 2324 Uhr war. Ich checkte kurz meine nähere Umgebung und stellte fest, das die anderen auch noch der deutschen Sprache mächtig waren. Das ließ nur auf zwei Umstände schließen. Entweder gab es drinnen ein Getränk, welches innerhalb weniger Minuten die Promille-Zahl nahe der 10er-Grenze drückt und das ich unbedingt trinken muß oder aber alle Anwesenden ohne Gleichgewichtssinn, waren nur von Bier und Mixgetränken so stramm. Ich vermute es ist das Letztere, was wiederum eine weitere Frage auf warf. Ist um diese Uhrzeit ein solcher Zustand allein mit Bier und Mixgetränken möglich? Ja, wenn man schon um 1500 Uhr die erste Flasche Bacardi öffnet. Ich kann mich eigentlich nur wiederholen, das kann ja heiter werden.

Als wir erstmal im Schützenhaus angekommen waren, wurde mir plötzlich klar, das ich in der verbotenen Zone angekommen war. Alles weibliche auf das ich hier meinen Blick legte war um einiges jünger als ich (mindestens 10 Jahre), sah aber bei weitem nicht so viel jünger aus (maximal 3 Jahre). Im Nachhinein betrachtet war das gar nicht so schlecht. Ich konnte mich nun ohne weibliche Ablenkungsmanöver, die oft mit einfachem Rumstehen verwechselt werden, dem hemmungslosen Bierkonsum widmen. Und das war auch dringend nötig. Es tat sich nun ein weiteres Problem auf. Ich konnte zwar die Theke ohne Probleme sehen, aber der Weg wurde mir durch ein unheimlich große Menschenmasse versperrt. Doch Philip und ich suchten und fanden einen Weg. Mehr drängelnd, mehr geschubst werden kamen wir immer näher an die Theke um sie dann um mehrere Meter zu verfehlen und in einem Nebenraum zu landen, der recht leer war. Aber selbst hier war jemand hinter der Theke tätig. Der sah zwar bei Weitem nicht so attraktiv aus wie die Damen die im Saal bedienten, aber er hatte den Vorteil, das man hier ohne großes Anstehen an das Bier kam. Anfangs war das noch gut, aber so nach und nach kamen die anderen auch auf den Trichter, das es in einem fast leeren Raum zwar unheimlich langweilig sein konnte, man aber hier schneller an Getränke kommen würde. Und wenn man dann seine ganzen Freunde mitbringt (und die auch wiederum andere Freunde kannten, die mitkamen) kann man hier drin auch prima Party machen. Aber soweit war es ja zum Glück noch nicht. Becks hieß das Getränk der Stunde. Endlich, vernünftiges Bier. Es kostete auf der 1-€-Party zwar 2 €, aber ich will ja hier nicht kleinlich sein. Außerdem war es mir das wert.

Derart gut ausgerüstet gingen Phillip und ich wieder zurück in den großen Saal, da wir da noch auf Schnitzel und Thomas warten sollten. Der Durst trieb uns aber vorher schon an die Tränke. Philip hatte dann auch gleich ein paar Getränke mehr mitgebracht. Da aber Philip und Thomas noch nicht da waren, standen wir also zwischen den ganzen Leuten rum und hatten jeder zwei bis drei Getränke in der Hand. Zum Glück fielen wir nicht weiter auf, da jeder so rumlief. Anscheinend waren die Wartezeiten an der Theke doch länger als gedacht. Normalerweise sollte man hier an einer Planänderung für den weiteren Abend arbeiten, aber da ich ja schon nicht mehr wusste wie viel Bier ich im Feuerwehrhaus getrunken hatte, ließ ich es einfach drauf ankommen. Während wir dann auf die Zwei warteten, traf ich Forrest. Forrest war einer von den Jugendfeuerwehrleuten, die im vor zwei Jahren unter Regins und meiner Führung die Leistungsspange gemacht haben. Anscheinend hat es geprägt, denn Forrest war voll wie eine ganze Jahreshauptversammlung. Auf die Frage was er schon alles getrunken hat, antwortete er das er nachmittags schon mit Bacardi angefangen hat. Aha, also doch was gelernt. Das erklärt natürlich einiges. Und bei ihm konnte ich es jetzt verstehen, warum er um die Uhrzeit schon so voll war. Da kann ich nur sagen, das er selber Schuld hat. Wenn ich Abend auf irgendeine Party gehe, dann schütte ich mich doch nicht am frühen Nachmittag schon zu. Vor allem bin ich da noch auf der Arbeit.

Wenige Zeit später, bei einem sporadischen Besuch der sanitären Einrichtungen, die auf keinen Fall den Namen verdienten. Traf ich dann Dirk und mußte so erleichtert feststellen, das ich keinesfalls der Älteste auf der Veranstaltung war. Aber es liefen genügend alte und nicht so alte bekannte Gesichter rum. Und mit denen konnte an ja auch mal gut einen trinken. Besonders mit Viktor, der anscheinend ein paar Kumpels aus Russland mitgebracht hat. Die beschwerten sich erstmal über die laschen Mischungen. Zugegeben, wenn man die ganze Zeit Wodka pur trinkt, dann kommt einem eine Mischung Wodka Red Bull vor wie ein Lutscher. Und die, die es trinken erst recht wie Lutscher. Zum Glück trank ich ja noch leckeres Becks und machte somit eine gute Figur.

Doch auch an Becks kann man überdrüssig werden. Und was liegt dann näher als mal eben auf eine leckere Mischung Bacardi Cola umzusteigen, da es kein Havana Club gab. Aber wir wollen ja nicht kleinlich sein und nehmen das was da ist. Und eine gute Mischung Cola Bacardi kann ja schließlich niemand verwehren. Schon gar nicht meiner einer. Doch wenn man dann erstmal ungestiegen ist, dann fällt das zurückfallen in alte Gewohnheiten recht schwer. Das ich nun wieder zurück auf Becks wechseln würde war undenkbar. Bereite sich mir das nächste Problem. Die Feineinstellung des Trinkintervalls. Bier kann man ja schlucken ohne Ende, aber haut man sich nun den Schnaps mit Cola gemixt in den Schero geht das auch schneller in das Blut. Was aber meinen Körper nicht störte, da er in sich in gewohnten Bahnen bewegte. Was sich daraufhin ausbildete, das ich ab jetzt immer zwei Mischungen in der Hand hatte. Aber die kosteten ja eh nur einen Euro und würden mich mit Sicherheit nicht umbringen.

Leider strich der Großteil der Meute die Segel als es gerade drohte interessant zu werden und kurzer Hand entschied ich mich noch da zu bleiben. Das nahm natürlich Porno und Thomas als willkommenen Anlass auch noch da zu bleiben und mir Gesellschaft zu leisten. Also ging es zurück an die Theke und dort wurde dann weiter Mischungen inhaliert und Schieße gelabert. Der Thomas suchte sich inzwischen neue Freunde und war auf einmal verschwunden. Ich entdeckte ihn erst wieder, als er in der Mitte von einem Wollknäul aus Armen und Gesichtern war. Anscheinend vertrugen einige den Alkohol nicht so richtig und wollten sich prügeln. Aber zu mehr als einem Handgemenge kam es eh nicht, weswegen ich meinen guten Observierungsplatz an der Theke nicht auf gab. Außerdem muß man sich ja immer einen Platz am Getränkestand sichern, sonst steht man plötzlich auf dem Trockenen.

Die Luft war so langsam raus aus dem Abend und ich machte den Vorschlag, das wir auch den Weg in Richtung Heimat antreten sollten. Die Uhr zeigte irgendwas mit 0500 Uhr an und ich würde auf jeden Fall nun gehen. Porno schloß sich mir an und Thomas Bee blieb noch da. Hat er doch den Sohn vom Besitzer des Schützenhaus kennen gelernt. Ich weiß nicht was, aber irgendetwas ließ mich vermuten, das er sich noch ein paar Freigetränke erhoffte. Eine kurze Befragung meiner inneren Organe ging knapp zu Gunsten der Heimfahrt aus. So landete ich dann, wie sollte es anders sein, nach wenigen Minuten Taxifahrt beim Bäcker, denn der Porno war ja mit an Bord und hatte Hunger. Bei den Bäckereifachverkäuferinnen scheinen wir schon bekannt zu sein, denn die eine sagte mir gleich, das wir ein wenig früh dran sind, denn die Brötchenlieferung war noch nicht da. Wenn ich also 10 Brötchen mitnehmen wollte, dann müßte ich noch ein wenig warten. Irgendetwas in mir richtete sich plötzlich auf und sagte was was sich ein wenig so anhörte wie: „Du trinkst einfach zu viel!“ Da aber solche Sätze niemals von meinem Gewissen kommen können ignorierte ich die Bemerkung und verbuchte sie unter akustischer Fatamorgana. Macht vielleicht jemand eine Gehirnwäsche mit mir? Nun gut, ich entschied mich dann für die klassische Zwei-Schinken-Käse-Sesam-Gebäck-Variante. Das war irgendwas Aufgebackenes, welches mit ziemlicher Sicherheit die Krümel in einem größtmöglichen Umkreis verteilen würde. Am Besten ißt man solche Gebäckteile auf einem weichem Teppich mit ganz langen Flusen. Porno nahm unverständlicherweise ein Salamibrötchen. Wie ich dann später erfuhr, hatte er es sehr lieb und nahm es mit in sein Bett, wo er dann am nächsten Tag mit einer Salamischeibe an der Backe erwachte. Also ehrlich, solche Sachen macht man doch nicht mit Gebäckstücken. Das sollte doch seit American Pie hinlänglich bekannt sein. Nachdem wir also unsere erworbene Ware in den Händen hielten, wollte ich schon Richtung Tür strukeln torkeln gehen, als ich Porno sah, wie er seine Jacke abstreifte und sich auf einem Stuhl niederließ. Was sollte das denn jetzt. Er machte Frühstück, allerdings in einem Tempo, das ich niemals bei ihm für möglich gehalten habe. Wie beschreibe ich das jetzt. Man stelle sich ein Gorilla vor der eine ganze Staude Bananen in sich rein schiebt, nur in Super-Slow-Motion®. Da ich ihn nicht so alleine da sitzen lassen konnte, gesellte ich mich zu ihm und wir starteten ein Gespräch über Beziehungen. Ok, wer hat da gesagt, das er sich jetzt genau mit dem Richtigen unterhält? Hä? Hä? Hä? Jetzt will es wieder keiner gewesen sein. Kennt man ja. Die Bäckereifachverkäuferinnen fanden unser Gespräch aber dann doch sehr interessant. Nach einer gewissen Weile konnte ich dann den Porno doch zum Aufbruch überreden und wir waren auf dem Rückzug. Mein Bett, endlich!

Ich könnte jetzt hier hin schreiben, das ich am Samstag Mittag aufgewacht bin und es ging mir blendend. Aber das wäre eine glatte Lüge und wir wollen doch dieses Logbuch nicht in einen Pfuhl der Lügen verwandeln. Deswegen bleibe ich bei der Wahrheit. An Essen war gar nicht zu denken. Irgendwie lag mir das Sesam-Gebäckteil vom frühen Morgen noch schwer im Magen und ein zweites wartete auf mich, da ich nur ein geschafft hatte. Ich probierte also das zweite Teil zu essen und es trat oben erwähnter Effekt auf. Ich hätte es eigentlich besser wissen müssen und mich zum Essen in die Badewanne legen sollen, aber nein, man ist ja zu bequem und haut sich das Ding im Bett rein. Und schon springen sämtlich Sesamkörner und Krümel im größtmöglichen Radius von ihrem Ursprungspunkt weg. Falls ich dann die kommende Woche mit Sesam im Schritt aufwache, dann weiß ich zumindestens woher der kommt. Der Nachmittag strich so dahin und allein die Vorfreude auf den Abend hielt mich wach. Matten feierte nämlich Geburtstag und da darf ein Besuch nicht fehlen.

Aufgrund diverser Krankheiten und Musicals waren wir aber nur zu viert, die Abends bei Matten einmarschierten. Vokke, Fabian, Morchel und ich. Was uns aber nicht davon abhielt es trotzdem ordentlich krachen zu lassen. Nachdem dann das Übliche gratulieren und Begrüßen der anderen Gäste vorbei war konnte ich mich dann endlich dem ersten Bier widmen. Das Begrüßen lässt sich bei solchen Gelegenheiten immer recht praktisch mit einem Klopfen auf dem Tisch bewerkstelligen. Kein stundenlanges Händeschütteln oder gar umarmen. Nein, einfach „N’Abend“ oder „Ich mach mal so, ne!“ raus schmettern und schon ist die Sache gegessen und man kann sich dem großen Endziel des Abends widmen. Dem großen Delirium. Los gings. Ich bezog meinen Platz neben Morchel und Hannes, Mattens Vater. Was sich später als Fehler raus stellen sollte. Denn nach der zweiten Runde Bier stand plötzlich ein kleines Glas, Experten würden Schnapsglas dazu sagen, gefüllt mit einer Flüssigkeit, die nach Kräutern roch. Oh Gott, es geht mit Schnäpsen los. Also rein mit dem Beschleuniger. Und er schmeckte wie er roch. Ich hoffte die Flasche leerte sich bald. Da Matten aber ein aufmerksamer Gastgeber ist, bemerkte er meine natürlich Abneigung gegen Kräuterliköre und stellte bei der nächsten Runde eine Flasche Linie auf den Tisch. Immerhin besser als Kräuterlikör, in dem wahrscheinlich die Reste vom Ausfegen der Halle von der Kräuterteefabriken von ganz Indien enthalten war. Also gab es leckeren Kümmelschnaps. Der schmeckte wie schon erwähnt nicht ganz so wie ein Schlag ins Gesicht aber ein kleine Backpfeife war es schon noch. Doch die Schmerzen nahmen mit jedem weiteren Glas ab. Dazu gab es weiterhin Bier, obwohl meine Augen schon den Havana Club in Mattens Kühltasche erblickt hatten. Um auch hier bei der Wahrheit zu bleiben, bekam ich dann schon leicht feuchte Augen, als ich die wunderschöne gelbe Flasche sah, auf der sich schon leicht die Frostkristalle bildeten. Irgendwie hatte sich ab jetzt Angst vor dem Ende des Abends.

Mattens Vater ging dann schon früher ins Bett und für uns hieß es ab jetzt leise sein. Denn die Toilette konnte nur betreten werden, wenn man das Schlafzimmer von Mattens Eltern durchquerte. Da man ja als Gast besonders rücksichtsvoll sein wollte, benahm man sich dementsprechend leise. Leider trat genau das auf was ich mal als Umkehrfunktion beschreiben will. Man will besonders leise sein und latscht dann irgendwo vor und macht einen Höllenlärm. Um nun den Lärm so schnell wie möglich zu beenden, fasst man schnell zu um das Umfallen der sündhaft teuren chinesischen Vase des unbezahlbaren venezianischen Spiegels von was auch immer zu verhindern. Dabei löst man meistens ein mittelschwere Katastrophe aus und man ist alles andere nur nicht leise. Das ganze wird dann noch potenziert, wenn man fünf bis achtzehn Bier getrunken hat. Also auf gings zur dritten Toiletten-Runde. Ergebnis: Einmal gegen das Bett getreten, einmal vor die Wand gelaufen (Weil man ja kein Licht an machen will!) und beim Klinkendrücken zweimal daneben gefasst und schön vor die Toilettentür gebollert. Aber Hannes schlief weiter. Beim Rückweg wurde dann die Hand zur Hilfe genommen und erstmal Schlieren auf dem Spiegelschrank hinterlassen.

Wieder im Wohnzimmer angekommen erwartet einen dann meistens schon der nächste Schnaps. Und die anderen behaupteten schon drei weitere Schnäpse getrunken zu haben, während man auf dem Klo war. Na klar und der Mond ist aus Harzer Roller. Da man aber kein Spielverderber sein wollte, trank man ihn trotzdem. Die Geschmacksnerven nahmen ja schon seit 73 Minuten eh nichts mehr war. Dank des Kräuterlikörs, war alles in den Notaus gegangen, was nur im entferntesten Geschmack erkennen könnte. Nun ist aber Schluß. All diese Tortouren haben nun ein Ende, denn sich stieg um auf Havana Club mit Cola. Die erste Mischung genoss ich und 15 Sekunden später genoss ich dann die zweite Mischung. Womit ich aber nicht gerechnet hatte, war die Schnapsrunde. Normalerweise setzte ich dann ja aus, weil ich ja den Schnaps nun mit Cola trinke. Das scheint im Hause Schwedhelm aber nicht zu gelten und die nächste Runde Linie wurde eingekippt. Vokke sah zu dem Zeitpunkt schon sehr voll aus. Der Brillenanzeiger ließ auf ca. 3 Promille schließen. Aber er trank tapfer weiter die Linie. Ich übrigens auch, obwohl ich mit der Regelung Schnaps und Mix-Getränke nicht einverstanden war. Wäre ich noch in der Lage gewesen, Sätze so zu lesen, das ich sie auch verstanden hätte, dann hätte ich mir die Spielregeln nochmal durchgelesen.

Da ich nun nicht mehr in der Lage gewesen bin zusammenhängende Sätze zu verstehen, ist es verständlich, das ich die Uhrzeit nicht mehr aufnehmen konnte. Ehrlich gesagt war es mir auch egal, wieviel Uhr es ist. Irgendwie muß es wohl für alle anderen auch schon recht spät gewesen sein. Es wird gemunkelt, das Vokke, sich für ein längeres Gespräch mit der Kloschüssel im Bad eingeschlossen hat. Das weiß ich jetzt aber nur durch Hören-Sagen und ich lasse jetzt mal dezent unter den Tisch fallen, das nicht alle Spuren der Unterhaltung beseitigt wurden.

Nun kommt wieder so eine Stelle an die ich mich absolut nicht erinnern kann. Aber das sie statt gefunden hat ist so sicher wie die Tatsache, das der Papst katholisch ist. Jemand (Morchel) muß wohl den Vorschlag gemacht haben in die Werkstatt zu fahren. Gerüchteweise muß ich wohl von Anfang an dafür gewesen sein, die anderen hingegen hatten Genug und wollten nach Hause. Wer jetzt denkt das ihn das kein bisschen überrascht, dem kann ich hier nur Recht geben. Da ich nicht mehr weiß was die Uhr geschlagen hatte, kann ich auch keine verlässlichen Angaben mehr machen, wann wir in die Werkstatt aufgebrochen sind. Tja und wie voll es in der Werkstatt war kann ich auch nicht mehr sagen. Was ich aber mit ziemlicher Sicherheit sagen kann, ist, das Morchel und ich voll waren wie tausend Mann. Wie ich darauf komme, fragen sich einige interessierte Leser nun. Punkt 1: Es wurde keine Flasche mehr geholt. Das lässt schon mal tief blicken. Punkt 2: Sämtliche Knabberkram-Schüsseln, die in Blickweite waren, wurden gnadenlos vernichtet. Punkt 3: Obwohl wir uns keine Falsche geholt haben ließ der Mischungskonsum nicht nach. Und das war es eigentlich. Nein, wir wollen Lügen frei bleiben. Punkt 4: Es wurde getanzt und zwar nicht zu knapp. Morchel wünschte sich pausenlos irgendwelche Klassiker beim DJ. Klassiker deswegen, weil es einfach nicht die heutigen üblichen Werkstatt-Lieder waren, sondern Lieder zu denen man noch richtig angehen kann und kein dumpfes gewummere oder versuchter Sprechgesang. Und wie sollte es auch anders sein, kam dann früher oder später „Temple of love“ von den Sisters of mercy. Als die ersten Takte an mein Ohr drangen, klinkte etwas aus. Eine gewisse Schaltung, die erst ab 5 Promille ihre Tätigkeit aufnimmt sorgt dafür, das ich zur Tanzfläche laufe schleiche und versuche mich rhythmisch zu bewegen. Die Betonung liegt hier auf „Versuchen“. Auf einer Tänzerskala, eingeteilt von 1 bis 10, kann man mich ungefähr bei einer -7 einordnen. Ich kann froh sein, das keiner verletzt wurde.

Und somit kommen wir beim Ende der Erinnerungen vom Samstag Abend an. Ich würde hier gerne noch ein wenig mehr hinschreiben, aber so sehr ich auch suche, da ist nichts mehr. Das nächste das ich weiß ist, das ich aus dem Taxi gefallen gestiegen bin und mich auf den langen Weg vom Bäcker nach Hause gemacht habe. Dann erinnere ich mich wieder an mein Bett am Sonntag Vormittag und das es mir unglaublich Scheiße ging. Warum nur, ich habe doch genügend Kümmelschnaps am Vorabend getrunken, von daher sollte die Verdauung doch in Ordnung sein. Oder aber die Verdauung war so gut, das mein Magen angefangen hat sich selber zu verdauen. Vielleicht finde ich ja noch ein paar Sesamkörner vom Samstag Morgen Frühstück.

Ganz leise, kaum zu hören, sprach eine Stimme zu mir: „Ich wusste, das der Abend kein Geschenk werden würde!“ Ich ignorierte die Stimme und wünschte meinen Magen zur Hölle.

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