Eichsfelder Büttenabend

Was für ein Wochenende. Ich glaube es ist der Hauptgrund warum es mir am Montag so schwer fiel aufzustehen. Und los ging es schon am Freitag. Der Eichsfelder Büttenabend stand an und da ich ja im Elferrat bin, war ich wieder so blöd und habe mich dafür gemeldet dort mit hin zu gehen war es ja selbstverständlich für mich, das ich dort hin gehe um den Verein zu repräsentieren. Hätte ich es man gelassen und mir eine faule Ausrede, wie die Anderen ausgedacht und wäre woanders zum Saufen gegangen zu Hause geblieben. Aber ich bin ja eine ehrliche Haut und somit stehe ich auch zu meinem Wort. Und vor allem habe ich ja gleich wieder in die Vollen gegriffen und gesagt das ich mich freiwillig mit in den Kollektiv-Elferrat setzten werde. Da der Eichsfelder Büttenabend eine Gemeinschaftsveranstaltung von verschiedenen Elferräten aus dem Eichsfeld ist, gibt es dort auch einen Elferrat, der sich aus den verschiedenen Elferratsmitglieder zusammensetzt. Manchmal frage ich mich wer was mich immer geritten hat, wenn ich solche Versprechen gegeben habe. Meistens verlassen solche Zustimmungs-Sätze meinen Mund und sogleich frage ich mich, wer das nun schon wieder gesagt hat. Aber egal, nun hab eich zugesagt und muß mit Schocker ob auf der Bühne sitzen, wo einen alle sehen und vor allem was man so trinkt, und darf gute Laune zur Schau stellen. Mit genügend Bier ist das alles kein Problem. Warten wir es mal ab.
Um 1930 Uhr war Treffen und Marina, Schnitzels Schwester, hat uns freundlicherweise rüber gefahren. Der Prinz war leider alleine unterwegs, da seine Prinzessin andere Verpflichtungen hatte. Sie war auf einem betrieblich organisiertem Wintervergnügen. Gut, sie sagte es sei ein richtig offizieller Betriebsausflug, aber wenn man sich da entscheiden darf ob man lieber eine Schlittenfahrt oder eine Fackelwanderung machen will, dann riecht das aber verdächtig nach Spaß. Ich hätte mich natürlich für die Schlittenfahrt entschieden. Auch wenn ich mich vor meinem inneren Auge schon mit zerbrochenem Schlitten und Teilen des Schlittens in diversen Körperteilen von mir vor einer Fichte gesehen habe. Also mußte der Prinz alleine seinen Mann stehen. Man sah ihm die Traurigkeit direkt und völlig mit den Gedanken woanders kippte er dann auch das Bier in sich rein. Doch dank des Elferrates war er nicht allein und jeder stand ihm in dieser traurigen Stunde bei. Es dauerte dann auch nicht lange nach der Ankunft, das die Luft immer trockener wurde. Zum Glück orderte Schnitzel schon mal beim Kellner die erste Runde. Im gleichen Atemzug schlug der Schocker vor, das wir mal kurz an der Theke vorbei gucken um festzustellen ob der Zapfhahn ordnungsgemäß funktioniert. Pflichtbewusst wie ich bin, nahm ich den Vorschlag dankend an und wir machten uns auf zur Inspektion. Da Schocker aber Flüssigkeiten nur in sich rein kippt dauerte es nicht lange bis die zweite Kontrolle des Zapfhahns anstand. Dummerweise konnten wir uns nicht als offizielle Zapfhahnkontrolleure ausweisen und mußten so den vollen Preis bezahlen. 1,20 € für ein Pils. Wer macht den solche bekloppten Preise. Da muß man doch viel zu viel rechnen und wenn man dann schon fünf zehn fünfundzwanzig vierunddreißig Bier intus hat, kann man gar nicht mehr in solchen Cent-Beträgen rechnen. Außerdem gehen doch aufgerundete, krumme Beträge immer als Trinkgeld über den Tisch.

So langsam ging es dann los und jemand betrat den Saal, der sich als Prinz vom Desingeröder Carnevals Club verkleidet hat. Ich traute meinen Augen kaum, wer da im blauen Samtmantel durch die Tür geschritten kam. Es war Noxi. Sogleich wurde der Weg durch die Menschenmengen gebahnt. Prinzengarden, Elferräte, Bedienungen, harmlose Gäste, alles wurde aus dem Weg geschoben. Ich wollte einfach nur wissen, wie viel Kisten Bier Noxi dafür bekommen hat als Prinz aufzutreten. Die Antwort war dann sehr ernüchternd. Keine einzige Kiste Bier war dazu nötig, sondern nur seine Freundin aus Desingerode. Holla, da fällt mir doch glatt das Sprichwort mit dem Lanz Bulldog wieder ein. Aber soll er man machen. Ich denke die Desingeröder haben mit Noxe einen recht ordentlichen Prinzen (und natürlich auch eine Super Prinzessin, die wollen wir ja hier mal nicht vergessen!) bekommen, der ordentlich Feiern kann. Fragt sich jetzt nur ob sich das der Elferrat vom DCC auch richtig überlegt hat. Noxe ist schwer tot zu bekommen.

Nun wurde es dann wirklich Zeit das es los ging und Schocker und ich zwangen Kai uns noch ein Bier auszugeben. Sein persönliches Pech, wenn er so dicht an der Theke rumlungert, während wir mit trockenen Kehlen auf den Beginn warten. Außerdem kann der Standartenträger ruhig mal springen lassen, wo er doch eh so wenig die Standarte trägt. Draußen wurde langsam aufgebaut und die Prinzengarde war am rumnörgeln, weil es so kalt war. Also in meiner langen Hose und dem Jackett war mir gar nicht so kalt und außerdem hatte ich ja noch meine Mütze für die Ohren. Nach dem wir dann mit allen Prinzengarden und Standarten und Prinzenpaaren einmarschiert sind wurden die Prizenpaare erstmal vorgestellt. Alle waren als Pärchen gekommen, nur die Bilshäuser und die Westeröder nicht. Die Bilshäuser haben eine Entschuldigung, weil der Prinz seine Prinzessin erst an den tollen Tagen bekommt. Aber wir! So wurde dann der Prinz aus Westerode und der Prinz aus Bilshausen zusammen vorgestellt. Schlimmer gings dann nicht mehr, denn so dachte alle Welt, das es halt auch außerhalb des Christopher-Street-Day schwule Prinzenpaare gibt. Aber wen störts, hauptsache das Bier kam regelmäßig, nachdem die Elferratsbank besetzt worden war. Die war natürlich auf der Bühne, wo einen jeder sehen konnte. Und es war warm und ich saß neben Schocker und einem alten Mann. Aber da kam ja auch schon der Kellner mit dem Zettel, auf dem man seine Bestellung aufschreiben sollte. Wie, noch kein Bier? Verdammt. Auf die Frage wie viel Striche man maximal machen durfte, wurde nur doof gelacht. Da war aber eigentlich mein voller Ernst. Da ich aber nicht gleich auffallen wollte, machte ich erstmal einen und bat dann den Kellner so schnell wie möglich wieder zu kommen.
So ging es dann mehr oder weniger munter weiter. Beim Büttenabend ist es so, das wenn man nicht absoluter Karnevals-Fan ist, erst nach ein paar Bier über das meiste Lachen kann. Vorne wurde also Nonsens gelabert und von rechts säuselte mir Schocker ab und an einen blöden Spruch ins Ohr, den ich natürlich nicht unkommentiert lassen konnte. So haben wir uns also hauptsächlich über unsere eigene Scheiße tot gelacht. Die Garden waren allesamt Klasse und bei manchen machte man sich schon fast strafbar, wenn man da genauer hin geguckt hat. Aber allesamt hübsche Mädchen. Allen vor weg natürlich die Westeröder Garde, die meiner Meinung nach den besten klassischen Gardetanz hatte und ich bin da nicht voreingenommen. Trotzdem kann man sich bei den anderen noch was ab gucken. Irgendwann kam dann auch die Pause und ich mußte sowas von auf Toilette. Trotz das die Bierversorgung auf der Bühne eher schleppend vor sich ging, drückte das bisher verzerrte Bier ein wenig auf die Blase. Der schleppende Bierkonsum lag einzig und allein an dem Sitzungspräsidenten, der nicht immer genau wusste was er mit dem Zettel mit den vielen Strichen drauf machen sollte. Aufessen? Weiterreichen? Nachdem dann aber die Blase entleert wurde, ging es gleich an die Theke um die nächste Entleerung vorzubereiten.

Schocker blieb dann erstmal unten, da er nach der Pause schon seinen Auftritt hatte, also durfte ich als einziger Westeröder auf die Bühne. Auffallen konnte ich eh nicht mehr, da ich keinesfalls den lustigsten Hut auf hatte. Und das Bier was ich in der Hand hatte fiel auch nicht weiter auf. Und als ich oben war machte ich dann vorsichtshalber noch zwei Striche auf dem Bestellzettel,der auch bald abgeholt wurde. Jetzt heißt es schnell sein. Oder besser doch nicht? Wer weiß wie lange es dauert. Nach einer kurzen Angstminute, siegte doch der Durst und das Bier verschwand auf unerklärliche Weise in meinem Hals. Nun wurde ich eingekesselt von den Krebeckern. Oha, es könnte schlimm werden. Es fing aber erstmal harmlos an. Der Bierkonsum stieg um 50%, worüber ich nun gar nicht mal so böse war. Doch mein treuer Kumpan, mein Reiter an der Seite, der Schocker kam nicht wieder und ich machte mir Sorgen, das ihm etwas scheußliches zugestoßen ist. Vielleicht ist er beim Umziehen von der Mingeröder Garde überfallen worden und wurde an seinen Testikeln aufgehängt eingesperrt. Oder es ist ein Zapfhahn-Problem Stufe 3 (Druckabfall auf Leitung 1) aufgetreten und er als nicht ausgewiesener Zapfhahnkontrolleur steckt in der Bredouille, weil er nicht weiß was er machen soll und meine Hilfe benötigt. Voll Sorge blickte über das Publikum, bis mein stahlharter Blick ihn erspähte. Was ist das? ER sitzt am Tisch mit den anderen und schüttet sich Bier rein. Und mich lässt er hier oben auf der saunamäßigen Bühne alleine sitzen. Und es war wirklich warm. Jeden Moment erwartete ich das der Kellner mal eben einen Hefe-Aufguß macht. Aber wir wollen ja hier nicht ablenken. Schocker der alte Verräter lässt mich also hier oben alleine sitzen. Alles klar. Vor lauter Verzweiflung habe ich dann erstmal eine neue Runde Bier geordert, was wiederum bei den Krebeckern gut ankam. Und der Teufelskreis begann. Nun kam das Bier Stromweise. In Verbindung mit den Strahlern, die ungefähr die Temperatur der Sonne hatten, ging das Bier auch dementsprechend gut runter. Ähnlich muß es einem gehen, wenn man mit dem Flugzeug in der Wüste Gobi abgestürzt ist. Die Garden taten mir richtig leid, denn die mußten bei diesen Temperaturen auch noch umher hüpfen und die Biene in die Luft schmeißen. Gut das wir Bier hatten. Als dritter Akteur aus Westerode ist Julius Ruben, der Sohn von Elke und Martin, aufgetreten und hat den Saal zum Kochen gebracht. Naja, gekocht hat er vorher schon, was aber eher an den Scheinwerfern lag. Meine Vermutung liegt darin, das es nur auf der Bühne so unsäglich heiß war und der Rest des Saal klimatisiert war. Jedenfalls hat Julius vor allem die anderen Elferräte beeindruckt. O-Ton, des lallenden Krebeckers neben mir: „Wie kann man als 11jähriger schon so coole Sprüche reißen?“.

Die zweite Hälfte ging definitiv länger. Oder es kam mir nur so vor und die Blase drückte früher als erwartete. Das Schlimme war, das ich mir den Krebeckern nun in einem Rhythmus war. Trinken und urinieren. Auf dem Rückweg wurde es dann ganz Schlimm, denn das eine bestellte Bier reichte nicht. Nein, es wurde noch eins mitgenommen. Und dann als wir oben waren ging der eine nochmal los und holte zwei Stück für jeden, weil er ja Vater geworden ist. Hier gefällts mir. Soll doch Schocker alleine da sitzen bleiben. Es war dann auch kurz vor Schluß wo einer der Krebecker von der unruhigen Hand übermannt wurde. Man kennt das ja, wenn nach ein paar alkoholischen Getränken plötzlich die Zielsicherheit langsam nachlässt und die Zunge nicht mehr ganz dem Wortfluß folgen kann. Also wurde mal eben das Bierglas umgeschüttet, als man danach greifen wollte. Kommt besonders gut, wenn man oben auf der hell beleuchteten (und unglaublich heißen) Bühne sitzt. Das es so ziemlich der ganze Saal mitbekommen hat, erwähne ich hier mal nicht. Wäre ja auch gemein.

Nachdem dann das große Finale vorbei war, konnte ich mich dann endlich meiner Lieblingsbeschäftigung widmen. Dem hemmungslosen Bierkonsum Der gepflegten Konversation mit anderen Elferratsmitgliedern Weiter trinken und Scheiße labern. Erste Station war dann erstmal die Theke an der Schocker zur Rede gestellt wurde. Als Entschuldigung hat er nur was vor sich hingebrabbelt und mir kommentarlos ein Bier hingehalten. Endlich mal eine ehrlich gemeinte Entschuldigung. Dankend nahm ich an und wurde von dem Zeitpunkt an immer von irgendwo mit Bier versorgt. Ab und zu schmiß ich dann auch mal eine Runde in die Mitte, aber da hielt sich noch in Grenzen. Wir waren alle recht gut drauf und hatten eine Menge Spaß. Bis ich dann den Schmierpopel entdeckte. Er mußte mal wieder aus der Reihe tanzen und setzte die Kappe quer auf und zeigte munter den Mittelfinger in die Kamera. Nun habe ich halt eine ganze Fotoserie von ihm mit Kappe quer. Und irgendwann brauche ich das auch noch mal. Das habe ich irgendwie im Urin. Nachdem ich dann genügend Beweisfotos geschossen habe gesellte ich mich dann erstmal zu Prinz Noxi. Der erfahrenen Elferratskamerad weiß ja, das gerade beim Prinzen das Portemonnaie ziemlich locker sitzt. Und kaum stand ich da gabs auch schon das erste Pils und dann durfte ich noch mit der Prinzessin tanzen. Dabei liebe ich ja tanzen so sehr. Aber ich war den Bewegungen noch mächtig und versaute weder ihr Kleid, noch bin ich auf die Füße getreten. Noxe hat sich unterdessen weiterhin mit Bier betrunken. Nachdem ich dann die Prinzessin in einem Stück wieder abgegeben habe. Drangen leise Worte des Aufbruchs an mein Ohr. In Verbindung mit den Worten Werkstatt malten sich mir gar schreckliche Szenarien aus. Das Ziel hieß also Werkstatt ohne Boxenstopp zum Umziehen. Das Taxi wollte losfahren und wer fehlte. Schmierpopel. Er stand mit der Kappe quer am Tresen und schütte sich mit Pernod-Cola zu. Ich wußte ja schon immer das er ein ganz ekelhafter Mensch ist. Im Taxi nörgelte er nur rum und die Augen blühten erst wieder auf, als wir von der Werkstatt hielten und er die vielen bunten Lichter sah. Also gings mit voller Elferratsmontur in die Werkstatt. Das kann ja heiter werden.

Es ging dann auch schon gut los. Vorteilhaft war natürlich das wir umsonst rein gekommen sind. Aber wer sich so fein raus geputz hat wie wir, der durfte auch mit ein paar Privilegien rechnen. Als erstes hatten sie ein tolles Tarnnetz über den Eingangsbereich gespannt. Da ich meine Kopfhöhe plus Aufbau ein wenig unterschätzt habe blieb ich dann auch erstmal schön mit meiner Elferratskappe an dem Netz hängen. Besser gesagt, meine Kappe bleib hängen wurde von meinem Kopf entfernt und fiel auf den nicht gerade sauberen Boden. Dank des fortgeschrittenen Alkoholpegel machte mir das nichts mehr aus. Gut, es hätte mir vorher auch nichts ausgemacht, aber man muß ja wenigstens den Schein wahren. Da wir alle schon stink besoffen gut angetrunken waren, schlug unser internes Radar gleich aus und zog uns wie magisch an die Theke. Dort begann dann gleich die Diskussion was nun getrunken wurde. Hinterhältig, wie ich nun mal bin, entzog ich mich dem Schlamassel und warf einfach so in die Mitte, das ich mich an einer Flasche beteiligen werde, wenn es kein Wodka ist und machte mich ab an die Theke. Schließlich war das letzte Bier schon gefühlte drei Stunden her. Dort bestellte ich dann erstmal ein leckeres Becks, welches mit auch gleich gebracht wurde. Zu spät bemerkte ich das Conny auch bediente und sie setzte gleich ein freundliches Gesicht auf, als sie mich in meiner lustigen Mütze sah. Ich prostete ihr zu und sie winkte zurück. Ich hoffe das sie weiß, das zuprosten für mich das gleiche bedeutet wie zuwinken. Eigentlich sollte man sowas ja wissen. Prosten ist gleich bedeuten mit jeder Grußformel auf der Welt, sei es dieser Gruß an dem man sich auf die Brust, an den Mund und vor die Stirn kloppt oder das Kreuzzeichen. Prosten heißt immer das Gleiche. Aber Conny wird es schon verstanden haben, denn mit einem Lächeln widmete sie sich wieder ihrer Arbeit. Das sie mal wieder umwerfend aussah muß ich ja hier nicht betonen. Aber halt, ich bin ja über sie hinweg. Ihre Kollegin untersuchte unterdessen meinen Erstauftrittsorden und Schocker machte neben mir dumme Bemerkungen. Aber er hat nicht mit meinem Fotoapparat gerechnet.

Ich habe eh sensationelle Fotos den Abend geschossen. Irgendwann könnten die nochmal eine Menge Geld wert sein. Wen haben wir natürlich in der Werkstatt schon angetroffen. Das übliche Westeröder Pack Den Rest der Westeröder, als da wären: Hüfte, Porno, Philip, Thomas, Beule und Butcher (ausnahmsweise kein Westeröder). Da die verrückten schon da waren und mit ziemlicher Sicherheit schon ein paar Flaschen getrunken haben, konnte wir natürlich nicht anders als nachzuziehen. War ja nun nicht so, als ob wir noch gar nicht getrunken hätten. Aber irgendwie war ich dann an einer Flasche Havana Club beteiligt. Aussage meinerseits: „Da werde ich wenigstens nicht so schnell voll von!“ Aua, warum lasse ich immer so idiotische Sprüche los. Wenn ich nun mal erwähne, das ich mir die Flasche mit Schmierpopel und Schocker geteilt habe, dann dürfte eigentlich klar sein, das der Gedächtnisverlust vorprogrammiert ist. Es dauerte auch nicht lange bis dann einige Mädels auf die Idee gekommen sind mal die Kappen von diversen Elferratsmitgliedern vom Kopf zu klauen. Und das ist eine ganz, ganz böse Sache und wird in jedem Elferrat bis aufs letzte Hemd geahndet. So auch bei mir. Zwei, nicht gerade häßliche Mädels, kamen vorbei und die eine schnappte mir die Kappe vom Kopf. Sofort wurden alle Reserven mobilisiert und ich bin hinter den Beiden her um meine Kappe wieder zu bekommen. Als ich sie dann eingeholt hatte versagte allerdings meine Hand-Auge-Koordination, da ja alle Reserven anderweitig verbraten wurde und ich erwischte die ersten beiden Male beim Zugreifen ihre Haare bzw. Hinterkopf. Das fand die gar nicht so lustig und wollte mir schon mit Geschwindigkeit ins Gesicht fassen. Was ich aber abwehren konnte, indem ich zuerst zuschlug indem ich besänftigende Worte auf sie einprasseln ließ und die Situation erklärte. Sie verstand und zog weiter. Auf den Schrecken mußte ich erstmal die verbrauchten Reserven auffüllen und machte mir eine Mischung. Dort stand auch gleich der Schmierpopel und gab den passenden Kommentar: „Du bist so doof, warum hast Du die Alte nicht gleich klar gemacht!“ Völlig fassungslos blickte ich ihn an. Es war als hätte er gesagt: „Du bist so doof, warum hast Du die Alte nicht gleich klar gemacht!“. Manchmal glaube ich das der Schmierige ein wenig ganz schön unter Realitätsverlust leidet. Später versuchte ich nicht vom Billardtisch zu fallen saß ich auf dem Billardtisch, als die holde Dame wieder vorbei kam und mir wieder an die Kappe ging. Böse Blicke meinerseits trafen auf sanfte Augen ihrerseits und sie hauchte: „Nimm mal bitte die Mütze ab, sieht um Längen besser aus!“ Mit einem Lächeln verschwand sie aus meiner Welt und ich naselte irgendwas und setzte den Helm die Kappe wieder auf. Irgendwie wird man ein anderer Mensch, wenn man vollstramm mit dem Elferrat in voller Montur in der Werkstatt unterwegs ist. Man entwickelt ein gewisses Pflichtgefühl.

Nun gibt’s einen kleinen Zeitsprung (oder auch nicht. Auf Grund des sporadisch eintretenden Gedächtnisverlust, konnte ich die einzelnen Ereignisse auf dem Zeitstreifen nicht mehr so genau einordnen) und wir verlassen die Werkstatt und begeben uns direkt zum Bäcker. Die Uhr zeigte 0546 Uhr und ich habe keinen blassen Schimmer wie wir dort hin gekommen sind. Ich kann nur mit Gewissheit sagen, das Schocker, Morchel und ich Brötchen beim Bäcker gekauft haben. Morchel hat dazu noch eine Tasse Kaffee getrunken. Außerdem habe ich ihn glaube ich mit Teilen eines Zwiebelbrötchens abgeworfen. Nachdem wir uns dann genügend mit Essbarem ausgerüstet haben sind wir noch ein den Jugendraum eingerückt, da dort noch Licht brannte. Hüfte und Porno waren noch da. Morchel der sogleich das Sofa in Beschlag nahm, schlief auf der Stelle ein. Wir dekorierten seinen Kopf noch mit dem neusten Skonto-Prospekt und tranken noch ein Absacker-Bier um 0600 Uhr. Doch auch für die harten Elferratsmitglieder wird es mal Zeit nach Hause zu gehen. Ich hatte dann noch ein kleines Gespräch mit einer lieben Freundin und im tobenden Schneesturm gings dann nach Hause.

Hämmernde Kopfschmerzen weckten mich um 1048 Uhr. Wo war ich? Warum liegen meine Elferratsklamotten in meinem Schlafzimmer umher als wären sie von meinem Köper einfach abgeplatzt? Und warum habe ich solche Kopfschmerzen? Ich wollte ja eigentlich zum Aufbauen für die Jahreshauptversammlung der Feuerwehr, aber ein kurzer Beichtanruf bei Kai, verschaffte Sicherheit, das ich nicht mehr erscheinen müßte. Gott sei Dank, kann ich da nur sagen. Ich hätte es auch nicht geschafft. Ich war ja nur froh, das ich das Mittagessen bei mir behalten konnte. Und nachmittags mußte ich dann noch meine Rede für Abends schreiben. Ja, ich weiß, JHVs kommen immer so unerwartet und Jahresberichte kann man eigentlich schon nach der Weihnachtsfeier schreiben. Aber da sind immer so viele andere Sachen. Das Logbuch, das Sofa und vieles mehr. Also wird es auf den letzten Drücker geschrieben und es sind trotzdem vier Seiten geworden. Aber dafür kommt mein Bericht ja auch immer gut an.

Gegen 1800 Uhr bin ich dann erstmal bei Jennifer aufgeschlagen, die Geburtstag und Einzug feierte. Da ich ja beim Kisten schleppen geholfen habe, hat sie mich dann kurzer Hand mit eingeladen. Schade, das am gleichen Abend auch die JHV der Feuerwehr war, denn da wäre ich gerne noch geblieben. Es gab ja Bier und ein nettes Empfangspräsent. Welches allerdings schon den Großteil seines Volumens auf dem Weg von Jennifers Wohnung zur Mehrzweckhalle eingebüßt hat. Aber das Marzipanherz wollte ich mir aufheben. Wollte ich zumindestens. Es muß dann entweder auf dem Rückweg von Mehrzweckhalle verloren gegangen sein oder ich habe es tatsächlich gegessen. Erinnern kann ich mich daran leider nicht mehr. Aber da sind wir ja noch nicht. Kommen wir zunächst zur Versammlung an sich.

Versammlungen sind ja nicht immer so die spannendsten Sachen die man sich für einen Samstag Abend vorstellen kann. Aber ich muß zugeben, das ich mich seit jeher auf die Versammlung der Feuerwehr freue. Man kann es jetzt natürlich auf das ganze Freibier schieben und auch auf das leckere Essen, aber irgendwie macht es Spaß sich in Feuerwehruniform dort hinzusetzten und mit Leuten Scheiße zu labern, die man schon eine Ewigkeit nicht gesehen hat. Ich bin zwar nach knapp 10 Jahren als Jugendfeuerwehrwart nervös, wenn ich meinen Jahresbericht abgebe, aber das gehört auch dazu. Außerdem wartet dann immer ein leckeres Bier auf mich, wenn ich vollkommen fertig zu meinen Platz zurück gehe.

Das Ganze geht aber erst richtig los, wenn die Versammlung vorbei ist. Da kann ich mich dann vom Kommandotisch entfernen und mich zu den anderen setzen. Den Vogel abgeschossen haben aber mal wieder Kolbi und Jensi. Nachdem dann die Versammlung vorbei war konnte man sich bei Bedarf noch Essen nach nehmen, da so viel geliefert wurde. Der Applaus, nach der Versammlung war noch nicht verebbt und schon standen die Beiden mit dem Teller im Anschlag an den Thermoporten und fingerten an den Deckeln rum. Das waren nun wirklich große Schnitzel und wer immer seine Schuhsohle als Schablone zur Verfügung gestellt hat muß über drei Meter groß sein (oder es war Matze Dittmann). Ich hätte eigentlich nach den Schnitzel einen Pansenstich benötigt, aber Dr. Hippe hatte an dem Abend keine Zeit. Und die Zwei fuhren sich direkt im Anschluß eine zweite Fuhre rein.

Bevor ich aber zu den anderen Kameraden an den großen Tisch wechseln konnte besuchten mich am Kommandotisch, der Friede und der Schacko. Bei Friede konnte schon leicht der Chief angezeigt werden. Also ich zwischendurch mal kurz auf Toilette war, sah ich auch draußen auf dem Vorplatz der Mehrzweckhalle einen Indianer mit vollem Kopfschmuck auf seinem Pferd anreiten. Und er hatte sein Tipi dabei, das bedeutete, das es eine lange Nacht werden würde. Jedenfalls kamen die Worte nur noch in Zeitlupe aus Friedes Mund und der Mund selber bewegte sich in Super-Slow-Motion. Artikulation war nur noch rudimentär vorhanden. Mich freute es. Ich mußte ihn nur ein wenig von den Sleepnuts fernhalten und schon stand einem Abend für Freunde der englischen Sprache nichts mehr im Weg. Tutz sah sich schon ein paar sorgenvoll um, wo denn der Friedwart abgeblieben wäre, aber die Anzeige des vollen Kopfschmucks meinerseits wiegten ihn in Sicherheit. Dieses Zeichen ist das Signal, das Heavy-Tongue bereits da war und zwei Warnpfeile auf Friede abgeschossen hat. Nach einem weiteren Toilettenbesuch und einem weiteren Pfeil vom Chief Heavy-Tongue gings dann an einen anderen Tisch. Natürlich durfte ich meine mitgebrachten Brausepulvertüten nicht vergessen. Zwei komplette Päckchen sind schon für die Jugendfeuerwehr drauf gegangen und der Rest wurde nun sinnlos in sich rein gekippt. Angefangen hat es mal vor 4 Jahren, als Sense davon erzählte und ich damals auf dem Brause-Korn Trip war. Zufällig hatte ich welche dabei und Sense und ich machten uns einen lustigen Abend. Seit dem bringen wir immer welche mit und trinken ein paar. Sense hatte aber Geburtstag und konnte so an der JHV nicht teilnehmen. Aus lauter Trauer habe ich dann mit Schnitzel ein paar getrunken und die Welt war wieder in Ordnung. So trank man sich so durch die Leute durch. Hier mal ein Bier, da mal ein Schnaps und die Zunge wurde nicht schwerer. Friede war zu dem Zeitpunkt schon fünfmal angemahnt worden vom Chief, aber bei mir wollte sich keine Zungenlähmung einstellen.

Die Versammlung löste sich langsam auf, aber nach Hause wollte noch keiner so richtig. Also wurde überlegt noch in die Werkstatt zu gehen, was aber abgeschmettert wurde, da keiner Bock hatte sich um zuziehen. Was hätte den sonst auch Conny gesagt, wenn ich am Freitag in Elferratskluft aufgeschlagen wäre und am Samstag dann in Feuerwehruniform. Die hätte ja gedacht, das ich in jedem Verein drin bin, bei dem es was zum Saufen gibt. Somit wurde dann beschlossen noch zu Walters in den Keller einzurücken um zu prüfen, ob beim Ortbrandmeister der Brandschutz gewährleistet ist. Allen voran der David, der ja eigentlich seiner Frau versprochen hat um 2300 Uhr zu Hause zu sein. Mittlerweile zeigte die Uhr 0300 Uhr. Aber Ellen wird deswegen bestimmt nicht sauer sein. Also gings in den Keller, wo erstmal auf Kais und Philips Mutter ein paar Bier getrunken wurden, denn die hatte Geburtstag. Da aber Philip nicht normal ist, wollte er unbedingt noch auf die Piste. Erstes Ziel war dann ein einschlägiges Etablissement in Duderstadt. Nein, es war nicht die Werkstatt. Eher eine Einrichtung wo ähhhh, leicht bekleidete ähhhh Damen ähhh……. Um es kurz zu machen. Philip wollte Porno einen Gefallen tun. Sprechchöre unsererseits vervollkommnten die Situation noch. Ganz böse Zungen behaupten, das die Sprechchöre von mir gestartet wurden, aber da steckt kein Körnchen Wahrheit drin (hoffe ich doch). Die ganze Aktion wurde dann aber abgebrochen, als Lene den Keller betrat und meinte wir sollen ein wenig leiser unsere Freude über Pornos bevorstehende Mannwerdung kundtun. Wir taten das einzig Richtige und gratulieren erstmal und im öffnen einer weiteren Flasche Bier versicherte ich, das wir gleich den Heimweg antreten würden. Um 0400 Uhr waren wir uns dann auch endlich einig, nach Hause zu gehen.

Nach einer verdammt kurzen Nacht ging ich dann zum Aufräumen und schwor mir nie wieder Brausepulver mit Korn zu trinken. Irgendwas löst da eine chemische Reaktion aus, daß das Fleisch zwischen Kiefer und Wange auflöst. Jedenfalls bei mir. Ich hoffe ihr versteht es wenn ich davon keiner Fotos einstelle!

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