Elternfreuden

Natürlich bin nicht ich zu Elternfreuden gekommen, aber die Ellen und der David. Meine besten Glückwünsche und alles Liebe und Gute für die Zwei und Hannah auf diesem ungewohnten Wege. Ich freue mich sehr für die Beiden und wie es sich nun mal gehört, wenn ein neues Leben diese Erde betritt, wird ordentlich Einer getrunken und zwar bis zum Verlust der Muttersprache wird bei ein paar Gläschen Wasser angestoßen. Aber dazu würde ich gerne später kommen. Hannah erblickte das Licht der Welt gegen 2000 Uhr am Freitag. Eine gute Stunde früher machte ich mich fertig, um zur Elferratssitzung zu gehen. Zu dem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht was das für ein ereignisreicher Abend werden sollte. Aber lest selbst.
Die Elferratssitzung sollte dies Mal ein wenig anders ablaufen. Denn ein paar Strafen vom letztjährigen Gerichtstermin mußten eingelöst werden. Ich ging also vorher beim Prinzen vorbei und traf dort auf Florian, der schon mal wieder eine Kanne am Hals hatte. Irgendwie hatte ich auch nicht wirklcih was anderes erwartet. Und ich muß zugeben, das ich ein wenig neidisch auf ihn und ärgerlich auf mich war, da ich mal wieder rumgetrödelt hatte. Ansonsten würde ich ja jetzt mit einer leckeren Flasche Bier dort stehen und warten das der Prinz fertig wird. Und schuld war nur Vietcong 2. Aber lassen wir das das. Irgendetwas muß die Aufmerksamkeit des Prinzen erregt haben, denn er sah den traurigen Ausdruck in meinen Auen und bot mir eine Flasche Krombacher an. Aber ich lehnte dankend ab, wie ich es von zu Hause gelernt habe. Dreimal soll man ablehne und dann kann man getrost zugreifen. Aber er fragte nur einmal und meinte das dann die Kiste alle wäre und er so morgen eine neue kaufen kann. Da hat er bei mir natürlich die barmherzige Ader getroffen und ich habe ihm gerne dabei geholfen die letzte Flasche zu trinken. So kann er morgen früh in Ruhe losfahren und eine neue Kiste Bier kaufen. Wer weiß vielleicht haben wir durch unsere selbstlose Zusammenarbeit so wieder eine paar Arbeitsplätze oder gar den Regenwald gerettet. Da fällt mir ein, gibt es die Aktion von Krombacher eigentlich noch? Wenn ja, dann habe ich jetzt Anspruch auf 30 Quadratkilometer Regenwald. Ich hätte meine Parzelle bitte frisch gerodet und von allen Eingeborenen befreit, damit ich dort meine Villa mit Becks-Pool hin bauen kann. Ich freue mich immer etwas für die Natur zu tun.

Die anderen Beiden hatten schon ein wenig Vorsprung, so daß ich genötigt war das Bier mit einer mir eher unüblichen Geschwindigkeit zu trinken. Über die Jahre bin ich dann doch eher zum Genußtrinker geworden. Jetzt lacht nicht. Ich kann auch mit Genuß mehrere Liter in mich rein kippen. Und nicht nur um voll wie die Hacke zu werden. Aber das zurück fallen in alte Gewohnheiten ist für mich kein Problem. Allerdings kann ich den Inhalt der Flasche noch nicht in meinen Magen beamen. Somit kamen wir dann zwar immer noch pünktlich, aber zu spät zum Schnitzel, der schon wartete. Der kleine Raum der Mehrzweckhalle war auch schon gut gefüllt und das Buffet war auch schon aufgebaut. Nur die rudimentär vorhandenen guten Manieren hielt den Großteil des Elferrates davon ab sofort auf die angerichteten Speisen zu stürzen. Ich hatte mich natürlich komplett im Griff und konnte nur mit Kopfschütteln eine Flasche Bier öffnen und sie mir an den Hals setzen. Wie kann man nur so ohne Selbstbeherrschung sein. Aber das Bier schmeckte köstlich und war nicht lange alleine im Magen. Die Besprechung ging auch langsam vorwärts und die Blicke zum Buffet wurden immer gieriger. Manch einer gab vor auf Toilette zu gehen, nur um mal eben am Buffet vorbei zu gehen und einen tiefe Nase der Leckereien zu nehmen. Mich ließ es kalt, zum Glück war das Bier wohl temperiert. Was mir allerdings zu denken gibt, je fortgeschrittenener der Abend und damit der Alkoholkonsum umso leichtfertiger sage ich bei Dingen zu, die ich in einem nüchternen Zustand nicht mal in Erwägung gezogen hätte. AM Ende der Versammlung hab eich dann mal eben zugesagt, die Standarte bei einer Beerdigung zu tragen, mit Schocker beim Eichsfelder Büttenabend im Elferrat-Kollektiv zu sitzen (Nicht vergessen: Flachmann besorgen!) und Schmierpopel in Zukunft bei der Kasse zu helfen. Ich habe so langsam das Gefühl, das mein Gehirn mich bestrafen will, in dem es meinen Mund seltsame Dinge wie „Das mache ich doch gerne!“ oder „Nee nee, laß mich man machen!“ Ich glaube ich muß schneller trinken, damit ich diese gutmütige Phase schnell überwinde und nur noch unverständliche Sätze von mir gebe.

Die Erleichterung stand vielen ins Gesicht geschrieben, als dann das Buffet eröffnet wurde. Voller Unverständnis über so wenig Selbstbeherrschung und über meine ganzen Zusagen, die ich gerade gemacht habe, öffnete ich mir dann lieber noch ein Pils. Als es dann ein wenig leerer wurde, merkte auch ich, das meine Magen schon vor Stunden eine Anfrage nach fester Nahrung gemacht hat, die aber Dank der Leberanfrage in der Prioritätenliste immer weiter nach hinten gerutscht ist. Also genehmigte ich mir erstmal ein Brötchen mit Mett und anschließend eins Mit Rindswurst. Habe ich erwähnt das Schocker Moslem ist und für die Wurstplatte zuständig war? Aber die Wurst hat verdammt gut geschmeckt. Dann hatte Schocker noch eine undefinierbare rote Pampe dabei, die er mit den Worten „Das ist was für dich, Pitsche!“ Es ist ja allgemein Bekannt wie gutgläubig ich bin und haute mir einen ordentlichen Hucken auf meinen Teller. Dazu gabs dann vorsichtshalber ein wenig Weißbrot. Denn allein der Geruch trieb Tränen in meine Augen. Auf jeden Fall war es scharf. Was mich aber nicht schrecken kann, denn Dank einiger Trappertopf-Unfälle in meiner Jugend sind meiner Geschmacksnerven dermaßen abgehärtet, das ich selbst extrem gewürzte Sachen nur als ein leichtes Streicheln auf der Zunge spüre. Da sollte mich doch eine bischen scharfes, rotes Mus nicht schocken. Was soll ich sagen, dieses Zeug hatte die Fähigkeit Tote zum Leben zu erwecken. Ich vermute mal, das es klein gehackte Peperonis waren, die mit Tabascosoße wieder in sämige Form gebracht wurden. Verdammt scharf das Zeug, aber auch verdammt gut. Es war sogar so gut, das ich selbst am Sonntag noch was davon hatte. Es könnte aber auch am übermäßigen normalen Alkoholkonsum am Wochenende gelegen haben.

Zu fortgeschrittener Stunde schlugen dann auch Morchel und Kai auf. Die kamen gerade von der Ortsratssitzung und verkündeten, das Allen und David Eltern geworden sind. Auf die Frage woher sie das wussten, meinten sie nur, das sie das per SMS erfahren haben. Ein kurzer Blick auf mein Mobilfunkgerät verriet mir, das ich keinen Empfang hatte. Aha, anscheinend waren die Wände aus dem gleichen Stahlbeton errichtet, aus dem der Führerbunker heutige Luftschutzbunker errichtet werden. Bei einem zeitnahem Besuch der sanitären Einrichtungen rappelte das Teil aber wie bekloppt los. Aha, David ist also Vater geworden. Ich schaltete schnell und kürte die Geburt als als Anlaß sich es heute mal richtig gut gehen zu lassen. Endlich mal wieder ein Grund um sie gepflegt den Schero zu zuknallen. So langsam fruchtete die Ausrede mit dem Freitag oder dem Samstag einfach nicht mehr. Und wie feiert man dann so richtig, wenn die Stimmung bei der After-Elferratssitzung-Party zu richtig am brodeln ist. Genau, man ruft ein Taxi und fährt auf die Reeperbahn in die Werkstatt.

Da ich genügend noch nicht genügend Bier getrunken hatte war mein Vorsatz für die Werkstatt weiterhin Bier zu trinken, denn der Totalausfall, des Erinnerungsvermögens eine Woche vorher sollte mir eine Lehre sein. Allerdings hatte ich die Heimtücke des Klimawechsel unterschätzt. Mehrmalige Ortswechsel in der Mehrzweckhalle zwischen tropischen Besprechungsraum und tundramäßige Toilette zeigten schon leichte Auswirkungen auf die Standsicherheit. Die tat ich aber damit ab, das ich ziemlich ausgelaugt von der harten Arbeitswoche war. OK, wenn ihr dann vor lauter Lachen wieder Luft bekommt könnt ihr ja weiter lesen. Nun kam aber noch der Wechsel zwischen warmen Raum, kalter Außenwelt und dann wieder sehr, wenn nicht sogar saunamäßiger Werkstatt. Derart gut drauf machte die Werkstatt auch einen viel freundlicheren Eindruck als sonst. Was sagt uns das? Ich habe nun die richtige Menge an Alkohol getrunken um in der Wekrstatt Spaß zu haben und nicht um mich nur zu betrinken. Nicht das ich das sonst machen würde! Beim passieren der Theke vernahm ich auch einen roten Blitz der irgendwo hinter der Theke herumschwirrte. Da meine Sicht außerhalb der Fokuszone sehr verschwommen war, schenkte ich der Erscheinung keine weitere Beachtung, mußte ich doch unfallfrei an den vereinbarten Treffpunkt kommen. Die Koordinaten des Treffpunktes haben sich allerdings im gemeinen Zahlenwirrwarr, der in meinem Kopf dauernd herrscht verloren. Also mußten die optischen Sensoren wieder in Gang gebracht werden. Nach kurzer Orientierunglosigkeit erkannte ich auch schon das erste bekannte Gesicht in Thekennähe. Schnitzel und der Prinz hatten schon leichte Trinkerstellung an der Theke eingenommen. Kurz sagte jemand „Hallo“ zu mir. Da mein Autofokus durch die kürzlichen Temperaturschwankungen gelitten hat, erkannte ich erst spät, das es Conny war die zu mir sprach. Und sie hatte ein rotes Oberteil an. Kurze Erinnerungsfetzen von roten Blitzen hinter der Theke tauchten kurz in meinem Gehirn auf, aber verschwanden gleich wieder, da sich der wichtige Teil meines Hirns zu Wort meldete und sich zu Recht fragte warum Conny nicht nach meinem Getränkewunsch gefragt hat. Die Lösung lag aber auf der Hand als sie mit einem Tablett Wodka Red Bull zurück kam, an dem ich m ich irgendwie beteiligt haben muß. Verdammt, mein Körper macht in letzter Zeit was er will. Aber bevor ich mich dann vom wilden Mob Elferrat steinigen lasse, habe ich dann mit großer Freude widerwillig die erste Mischung in mich rein geschüttet in Empfang genommen. Die übrigen Teilnehmer waren noch M7, Barney (der sich stilecht den Werkstatt-Stempel auf die Stirn geben lassen hat), Schnitzel (der sich irgendwie aus der Wodka Red Bull Falle befreien konnte und mit Kai Southern Ginger Ale getrunken hat), Kai und Porno (der zwar nicht im Elferrat ist, aber trotzdem immer dabei ist, wenn es was zu ballern gibt).

Bei unserem ersten Standort haben wir dann Köppel, Näppchen, Ingo und Anne getroffen. Ingo hat mich dann freundlicherweise darauf hingewiesen, das Conny bedient. Allein daran erkennt der geneigte Leser, das es mit meiner Auffassungsgabe nicht mehr weit her war. Aber ich versicherte ihm im leichten Nuschelton im klarsten Hochdeutsch, das ich noch gar nicht so stramm sei und Conny schon längst gesehen und begrüßt habe. Beides nur im Ansatz richtig, da ja meine Reaktionszeit nicht mehr die Beste war. Meine Reaktion darauf war wie in alten Zeiten. Kurzer Check des Mischung-Zustandes, festgestellt, das schon ganze zwei Schlucke abgetrunken waren und rein mit dem Rest, damit ich mir schnell was neues machen konnte. Aber dafür habe ich auch gleich ein Kompliment von Näppchen einheimsen können, die mir gesagt hat das meine neue bartähnliche Gesichtbehaarung ganz gut stehen würde. Ich glaubte ihr kein Wort, aber freute mich trotzdem.

Diejenigen, die mich in letzter Zeit nicht gesehen haben oder denen es schwer fällt mir ins Gesicht zu gucken (was ich durchaus verstehen kann) fragen sich jetzt was für eine Gesichtsbehaarung. Ein dicken Rüffel durfte ich mir deswegen schon von Nollau einfangen, der sich beschwert hat das das nicht im weblog stand. Ich hielt es jetzt nicht für so wichtig, das ich mir einen Bart für Karneval wachsen lasse. Aber ich freue mich schon jetzt auf den Tag an dem ich ab rasieren kann.

Irgendwie habe ich dann nach der ersten Flasche Köppel, Näppchen, Ingo und Anne aus den Augen verloren und wir haben einen weiteren Standortwechsel vollzogen. Ganze fünf Meter weiter, damit der feine Herr Walter sich auf ein Sofa niederlassen konnte. Es könnte aber auch daran gelegen haben, das Eberhardt der Räum- und Streupflicht nicht nachgekommen ist und Barney eine kleine Frikadelle in der Werkstatt hingelegt hat. Also die technische Note konnte sich durchaus sehen lassen, nur der tschechische Wertungsrichter gab eine 4,0. Allerdings gab es ordentlich Abzüge in der B-Note. Was ihn dann auch endgültig den ersten Platz gekostet hat. Nach dem Standortwechsel gab es dann auch neue Gesichter. Hier eine kleine Auflistung, da ich mich nur noch an deren Anwesenheit erinnern kann. Unterhaltungen wurden mit ziemlicher Sicherheit auch geführt, aber deren Inhalt ging dann irgendwo zwischen der zweiten Flasche und dem Aufbruch verloren. Da waren Dirk, Marlen und Elton (dessen Gehirn sich einfach ins Gehirn einbrennt. Es passiert einfach und man kann da rein gar nichts gegen machen). Es muß dann auch zu dem Zeitpunkt gewesen sein, wo M7 die Haltbarkeit der Couch der Werkstatt und einiger darauf sitzender Elferratsmitglieder (Schnitzel, Kai und der Prinz) testen mußte, in dem er sich quer über alle warf legte. Sollte dieses Protokoll als Beweis dienen, dann wäre hier eine saftige Strafe fällig für „Mit vollem Körpergewicht auf den Prinzen werfen“. Wir werden sehen. Zur Not habe ich auch noch Foto-Beweise.

Damit kommen wir auch schon zum Ende der Erinnerungen in der Werkstatt. Schnitzel, Kai und der Prinz (die Sofabesatzung) sind irgendwie früher abgehauen und Übrig bleiben also nur noch Porno, M7 und ich. Aber wir traten dann auch noch den ereignislosen Rückweg an. Wie sollte es auch anders sein, machten Porno und ich noch einen kurzen Abstecher zu McDonalds, den M7 aber in weiser Voraussicht nicht antrat. Die absolute Frechheit kam dann aber am Drive-Inn Schalter. Das Fahrzeug vor uns wurde noch mit belegten, warmen Brötchen versorgt und ur-plötzlich machte die Küche zu. Nicht zu unrecht fing mein linkes Augenlid an zu zucken. Nach einiger Diskussion, die binnen kürzester Zeit in Beschimpfungen ausartete dank unserer Einsicht schnell zu Ende gebracht wurde gingen wir dann weiter. Auf direktem Wege zum Bäcker. Ausgelaugt und vor lauter Wodka Schwäche kaum noch der deutschen Sprache mächtig orderten wir uns einen kleinen Snack für den restlichen Heimweg.

Samstag morgen. Ein flaues Gefühl im Magen weckte mich und mir war klar, das ich in Zukunft die Finger vom Wodka lasse. Entweder Bier oder andere Getränke. Der Tag ging dann recht fix vorbei und für abends wurde spontan eine kleine Betrinkerei Pinkelparty bei David organisiert. Da David alle Hände voll zu tun hatte, hab eich halt das Bier besorgt, denn ich mußte eh noch eine Karte für das Baby besorgen. Wie sollte es auch anders sein ging ich dann zum Rewe um mir Nerven und einen Weg zu sparen. Nichts ist nämlich schlimmer als an einem Samstag einkaufen zu gehen, wo man die ganzen Bekloppten und Bescheuerten aus der Klapse raus lässt. Da stehe ich dann also mit meinem Einkaufswagen beladen mit zwei Kisten Bier und im ganzen Rewe sind nur hübsche Frauen. Verdammt, sogar die Kassiererin sah gut aus. Und all diese Frauen fragen sich bestimmt was die liebe Bierpumpe mit dem ganzen Bier macht. Die Frage beantwortete dann auch gleich ein kleiner Junge vor mir der Schlange, der mich kackendreist fragte, ob ich die zwei Kisten Bier ganz alleine trinke. Und zwar so laut, das die Schnitten hinter mir und die Schnitten zwei Kassen weiter rechts es auch mitbekommen haben. Klar, warum auch nicht. Die Kassiererin freute sich und ich dachte mir meinen Teil.

Eigentlich hatte ja auch der Kolbi zu seinem 18. Geburtstag geladen und eigentlich wäre ich da ja auch hingegangen, aber wenn Ellen und David das erste Kind bekommen haben und daraufhin ein wenig feiern wollen, dann gehe ich natürlich dort hin. An dieser Stelle noch die herzlichsten Glückwünsche an Kolbi. Wie ich so gehört habe war die Fete recht gut und es gab wieder einige Totalausfälle. Über die werde ich aber nicht schreiben, denn das wäre ja alles Hören-Sagen und ich will ja nicht dazu beitragen das noch schlechter über Porno gedacht wird als es eh schon der Fall ist. Aber die Karte die dem Kolbi geschenkt wurde war sensationell. Ich habe Fotos gesehen. So etwas kann nur total kranken echten Westeröder Gehirnen entsprungen sein.

Ankunft bei David war gegen 2030 Uhr. Zunächst mußten ja die Bierkisten verstaut werden, damit sie nicht zu warm werden. Also war es gegen 2035 Uhr bis die erste Flasche entkorkt wurde. Dann dauerte es nochmal gefühlte 30 Minuten fünf Minuten, bis David endlich die Sachlage erkannt hatte und den Startschuß in Form eines kräftigen „Prost“ gegeben hat. Da die Kiste draußen stand und der Weg durch den Flur und die Küche eigentlich unzumutbar war wurden immer gleich mehrere Flaschen auf dem Tisch deponiert. Auch auf die Gefahr hin, das sie ein wenig an Kühle verlieren und man hinterher ein Bier bekommen würde das die gleiche Temperatur wie Fleischbrühe hatte. Wenn wir aber ehrlich sind, hatten sie gar nicht die Gelegenheit warm zu werden, denn bevor auch nur das Kondenswasser verdunsten konnte wurde die Flasche schon geleert. Natürlich nicht nur von mir alleine. Aber ich muß zugeben, das ich für ein Großteil verantwortlich bin. Nachdem dann die Stimmung ein wenig gelockert wurde kamen plötzlich und total unerwartet Schnapsgläser auf den Tisch. Höflicherweise wurde bei jedem gefragt ob er oder sei ein Jägermeister trinken möchte, nur bei mir nicht. Da wird einfach wortlos mit einem wissenden Blick das Glas hingeknallt. Als würde man davon ausgehen, das ich gleich das Glas aus der Hand reißen würde und wutschnaubend nach dem Schnaps verlangen würde. Totale Fehleinschätzung! Ich wollte gar keinen Schnaps und ich wollte sogar noch weniger einen, als ich erfahren habe, das es sich bei dem angebotenen Beschleuniger um Jägermeister handelt. Irgendwas wird diesem Teufelszeug zu gemischt, was die Hemmschwelle komplett entfernt und sämtliche Körperfunktionen auf Zufall stellt. Falls ich irgendwann mal Zugang zu einem geheimen Superlabor mit einer unglaublich schönen Wissenschaftlerin (gespielt von Jessica Alba) haben sollte, dann ist das erste was ich analysiere Jägermeister um an die geheime Zutat zu kommen. Ich vermute mal es ist etwas verbotenes aus Stechapfel und Tollkirsche. Und anschließend weihe ich dann die unglaublich schönen Wissenschaftlerin (gespielt von Jessica Alba) in die Genußwelt des Havana Club ein.

Ich schweife schon wieder ab. Trotz heftiger Proteste meinerseits wurde ohne Gnade der Jägermeister ein geschüttet. Dummerweise waren das keine richtigen Schnapsgläser sondern die etwas größeren, mit zwei Visierstrichen. Einen für 2 cl und einen Strich für 4 cl. Nun darf hier mal munter geraten werden bis zu welchen strich mein Glas gefüllt wurde. Es gibt auch nichts zu gewinnen. Und schon kommt die Lösung. Es wurde bis kurz über den 4 cl Strich gefüllt. Ich konnte mich des Verdachtes nicht erwehren, das hier Ballern mit Anlauf praktiziert wurde. Aber von mir aus, sollen sie nur kommen. Der erste Jägermeister wurde nur mit geringen Gesichtsverrenkung dem Mageninhalt zu gemischt. Was aber primär daran lag, das er eiskalt war. Merke: Je kälter der Jägermeister, umso schneller geht er runter. Das kann man sich eigentlich für jeden Schnaps merken. Um den ekelerregenden Geschmack schnellstmöglich aus dem Einflußbereich meiner abgestorbenen Geschmacksnerven zu entfernen spülte ich sofort mit Bier nach. Man wagt kaum zu glauben, was so eine halbe Flasche Bier für eine Wohltat war. Anschließend machte ich mich gleich daran weiteren Jägermeister-Attacken vorzubeugen, in dem ich mein Glas stets außer Sichtweite positionierte. Was aber wenig half. Denn ständig wurde ich durch Gespräche abgelenkt. Meistens durch Steini, die neben mir saß und mit der ich eine gefühlte Ewigkeit nicht mehr geredet habe. Solche Situationen nutze meistens Sabrina aus, die mir gegenüber saß und immer dafür sorgte das mein Schnapsglas gefüllt wurde. Schön, wenn alle an einen denken.

Der Abend ging also munter weiter und das Bier und der Jägermeister wurde unaufhörlich rangetragen. Zum Glück gibt es ja die Raucher, die zum Rauchen immer vor die Tür mußten. So sorgten sie im gleichen Zuge immer für genügend Bier auf den Tisch. Da soll mal einer sagen, die Raucher verpesten nur die Luft. Stimmt nämlich gar nicht, sie sorgen für genügend Steuereinnahmen durch die Tabaksteuer und konnten auch noch die Alkoholsteuer nach oben treiben. Saubere Leistung. Sense wurde währenddessen wieder mit lustigen Witzen und diversen Geschichten versorgt. Es ist aber auch ein hartes Los als Bauleiter den ganzen Tag im Büro zu sitzen und die Handwerker anzuscheißen, damit sie richtig arbeiten. Da liest man sich doch gerne mal eine nette Geschichte durch. Auch wenn sie über mehrere Seiten geht.

Mittlerweile ist der Jägermeister geleert worden und Jens und Andre machten sich einen Spaß daraus, den Sense verarschen zu wollen, indem sie statt Jägermeister Cola in ihr Schnapsglas schütteten und mit Sense die ganze Zeit anstoßen wollten. Doch Sense gar nicht dumm hat immer fleißig ausgetrunken. Aber um ehrlich zu sein, hätte ich mir die Blöße nicht gegeben immer nur Cola zu trinken. Es wurde ja noch schlimmer als sie dann auch noch Wasser aus den kleinen Gläsern tranken. Ich war dann allerdings froh, das der Jägermeister endlich alle war. Denn trotz versuchter Abstinenz trank ich kräftig mit an der Flasche. Mittlerweile bin ich dann auch auf Bacardi-Cola umgestiegen. Von irgendwas mußte ich ja betrunken werden. Es mußte einfach mal was anderes rein. Und Bacardi Cola bringt einen in kürzester Zeit ganz weit nach vorne. Betrachtet man nun die stattliche Anzahl geringe Menge an Jägermeister, die ich mir schon zugeführt hatte, war ich eigentlich schon ziemlich weit vorne. Bei Manchen machte sich der Alkoholkonsum und die fortgeschrittene Stunde durch ein leichtes Hungergefühl bemerkbar. Also wurde kurzer Hand die Küche beschlagnahmt und die letzten von Davids Eier dem Pfannengott geopfert. Betrachtete sich man den Herd in einem nüchternen Zustand am nächsten Tag konnte man durchaus davon ausgehen das ein Ei komplett dem Herdgott geopfert wurde oder ein kleines bischen von jedem Ei. Man gut, das ich nicht sauber machen mußte. Christian hatte keinen Hunger mehr, dafür aber mehr Durst und ließ sich von Sabrina das Getränk an den Mund führen. Ich glaube ich habe das perfekte Geburtstagsgeschenk für ihn. Demnächst bekommt er eine Schnabeltasse, dann geht wenigstens nicht so viel daneben.

Etwas weiter oben im Text erwähnte ich ja die extremen Folgen bei erhöhtem Jägermeisterkonsum. Symptome könne unter anderem eine akute Zungenlähmung bis zum Verlust der Muttersprache, nicht Vorhandensein des Gleichgewichts und Totalausfall der Hand-Augen-Koordination. David nennt ja eine PS2 sein eigen und kürzlich ersteigerte er Athen 2000irgendwas. Wer sich noch dran erinnern kann, das ist sowas ähnliches wie Summer Games auf dem C64, nur mit besserer Grafik. Ein Großteil der sportlichen Events waren mit Hilfe von drei Knöpfen zu bewältigen. Was ja eigentlich ein Schimpanse hin bekommen sollte. Nun wurde ich dank des erhöhten Alkoholkonsum sehr mutig und schaltete die Playstation an um zu gucken wie gut ich bin. Hätte ich es man gelassen. David, der mindestens genauso stramm war, hat es mir zwar erklärt, aber es wollte nicht so richtig so wie ich wollte. Grundsätzlich mußte man immer zwei Knöpfe im Wechsel drücken, vergleichbar mit dem „tackern“ des Joysticks bei den guten alten C64 Zeiten, und einen weiteren Knopf um diverse Aktionen durchzuführen. Ich schiebe das jetzt alles mal auf die mangelnden Erklärungen von David, aber so ganz hat es mit dem Köpfe drücken nicht geklappt. Der 100m-Lauf war schon vorbei als ich anfing zu laufen und Stabhochsprung war eine reine Katastrophe. Ein einigermaßen gutes Ergebnis erzielte ich dann doch noch beim Drei-Sprung. Was aber nur mit einem zugekniffenen Auge und vollster Konzentration funktionierte. Man soll ja auch keine Sportspiele spielen, wenn man voll wie die Hacke ist und nicht mehr weiß was die rechte oder die linke Hand tut leicht angetrunken ist.

Dann wurde es Zeit den frisch gebackenen Vater zu verlassen und die Fährte vom heimischen Bett aufzunehmen. Auf dem Weg durch die Blumenau wurden zwar noch Rufe laut noch bei Kolbi vorbei zu gucken, aber ich bin gleich nach Hause. Denn ich war ja schlau und habe noch Porno und Schnitzel angerufen. DA sich bei denen aber keiner mehr gemeldet hat, habe ich zwei und zwei zusammen gezählt (hat zwar zehn Minuten gedauert) und daraus den Schluß gezogen, das Kopfrechnen auch nicht das Wahre ist, wenn man Jägermeister getrunken hat und das bei Kolbi nichts mehr los ist.

Sonntag morgen und es ging mir gut. Jedenfalls dachte ich das. Mein Körper ist ein Meister im vorgaukeln von Betriebsbereitschaften des Organismus. Freudig setzte ich mich zum Mittag hin und belud meinen Teller, denn das Hungergefühl konnte ich einfach nicht leugnen. Nach dem ersten Bissen stellte mein Körper aber dann komplett um und ich fühlte mich satt und das flaue Gefühl im Magen kehrte zurück. Nachmittags hab ich dann noch Ellen im Krankenhaus besucht und durfte feststellen, das es dem David gar nicht so gut ging. War also ein gelungenes Besäufnis gemütliches Beisammensein.

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