Möchtegern-Jan-Ullrichs

Man fährt so nichts ahnend mit seinem Auto auf der Landstraße entlang. Das Wetter ist, der Tacho zeigt 120 km/h und man will eigentlich nur mal eben nach Göttingen und etwas erledigen. Plötzlich taucht am Horizont ein häßlicher bunter Fleck auf. Beim Näher kommen werden die schlimmsten Befürchtungen wahr. Möchtegern-Jan-Ullrichs sind wieder unterwegs. Es sind Leute mit zuviel Zeit. Sie zwängen sich nach Feierabend in enge Trikots, bei denen man manchmal Sachen sieht, die man nie wieder vergisst, und kommen sich vor als fuhren sie bei der Tour de Eichsfeld mit. Würden sie bei der echten Tour de France mitfahren würden sie nach ca. einem Kilometer irgendwo im Graben liegen und nach einen Sauerstoffzelt schreien, aber hier in der Provinz da sind sie die ganz Großen. In Ihren Trikots sehen sie aus wie eine Leberwurst im Kunstdarm mit Werbeaufklebern drauf, aber Hauptsache was Hautenges an, damit bloß kein Windwiderstand aufgebaut wird. Man kommt also von hinten angerauscht und will sie elegant überholen. Doch was ist das? Gegenverkehr! Wie man es in der Fahrschule gelernt hat bremst man natürlich um die Radfahrer nicht zu gefährden. Vollkommen klar. Also in die Eisen getreten und von 120 km/h auf 40-50 km/h. Respektable Geschwindigkeit, muß ich neidlos zugeben. Das würde ich mit meiner Rixe nicht schaffen, aber ich presse mich ja auch nicht in hautenge Sachen und fahre damit auf einer Landstraße rum. Nun hängt man also hinter den Presswürsten und kommt nicht dran vorbei da entweder Gegenverkehr oder eine kurvenreiche Strecke folgt. Doch was erspähen meine Augen da, rechts neben dem Fahrbahnrand? Ein Radweg, schön breit, so daß ein Auto drauf fahren könnte. Und wo fahren diese Pfeifen auf ihren Rädern? Klar, auf der Landstraße, da wo normalerweise die Autos fahren sollten. Wenn man sich so einen crazy Anzug kauft erhält man dann automatisch die Genehmigung auf Landes-, Bundesstraßen und Autobahnen mit dem Rad zu fahren. Ich glaube es hackt. Warum eiern die Radpfeifen auf der Landstraße rum wenn Vater Staat für teure Steuergelder Radwege baut? Sind sich die Herren zu fein für den Radweg? Bei den irrsinnigen Geschwindigkeiten geht bestimmt der Asphalt der Radwege kaputt. Vielleicht wollen sie ja auch nicht mit dem Freizeit-Radfahrer gleich gestellt werden. Die können ja auf dem Radweg fahren, aber doch nicht so „ernsthafte“ Sportler wie unsere Jan Ullrich Imitatoren. Van mir aus können sie die ganze Straße haben, wenn ich dafür auf dem Radweg mit meinem Auto fahren darf. Darf ich aber nicht und so muß ich hinter Leberwürsten auf Drahteseln her fahren. Die Schlange hinter mir wird auch immer länger und so langsam macht sich der Frust breit. Einfach neben her fahren und ein kleinen Schlenker nach rechts und schon nehmen die Pedalritter das nächste Mal den Radweg. Aber so was macht man ja nicht, also bleibt man hinter den Radfahrern und übt Geduld. Man kann sie ja noch übel beschimpfen wenn man sie dann endlich überholen kann. Manchmal wünsche ich mir dann doch das man ein MG3 in ein Auto einbauen darf.

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